Dienstag, 18. Januar 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Januar 1916Die ersten Friedensglocken. Die Nachricht von der Unterwerfung Montenegros, die gestern nachmittag 5 Uhr hier eintraf, wurde mit großer Freude aufgenommen. Wie bei den Nachrichten über große Siege läuteten von allen Türmen die Glocken. Auf den Straßen wurden diese erste Friedensbotschaft und ihre Bedeutung in lebhaftester Bewegung besprochen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Für die Arndt-Eiche in Eisen stiftete der Jäger-Stammtisch im Hamburger Hof und die Beamten der Güter-Expedition je 100 Mark für ein eisernes Eichenblatt.

Stadttheater. Die gestrige Aufführung der „Hochzeit des Figaro“ verlief so heiter, daß wir für einige Stunden sogar den schmerzlichen Kontrast zwischen der Gegenwart und der Atmosphäre Mozarts nicht empfanden. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Ein Eierpreissturz in Sicht. Der Preis für ein Ei, der bis auf 28 Pfg. für das Stück gestiegen war, hat bereits einen bedeutenden Rückgang erfahren. Die Städte Bonn und Koblenz verkaufen heute das Ei zu 20 Pfg., ein weiterer Rückgang des Preises steht bevor. Eier, die noch vor Weihnachten, in der Kiste bezogen, im Großhandel mit 320 Kronen bewertet wurden, kosten heute 180 Kronen und dürften noch weitere Preisminderungen erfahren. Dazu kommt, daß unsere Hühner, angeregt durch die milde Witterung, schon um einen Monat früher als in anderen Jahren mit der Eiererzeugung begonnen haben, und ferner, daß der große Verbrauch an Eiern in Bäckereien und Konditoreien eingeschränkt wurde. Der ungarische Ueberschuß an Eiern wurde bis dahin von Oesterreich aufgenommen. Inzwischen ist aber die bäuerliche Wirtschaft in Galizien nach Vertreibung der Russen wieder hergestellt worden, was zur Folge hat, daß Oesterreich seinen ganzen Bedarf wieder in Galizien deckt. Wie bekannt ist, hat auch Bulgarien bedeutende Ueberschüsse seiner Erzeugnisse Deutschland zur Verfügung gestellt. Aller Voraussicht nach dürfte der Preis für Eier noch in diesem Monat auf 10 – 12 Pfg. für das Stück zurückgehen und damit der Preis erreicht sein, der in Friedensjahren im Monat Januar für Eier gezahlt wurde.

Die ersten Vorboten eines Teilfriedens. Glockengeläute gab gestern die Freude darüber kund, daß die Waffenerfolge unserer Verbündeten auf dem Balkankriegsschauplatz Montenegro zu der Einsicht gebracht haben, daß ein weiterer Widerstand aussichtslos sei. Es hat daher Oesterreich den Frieden angeboten. Wenn damit auch der kleinste Gegner in diesem Kriege als der erste um Frieden anhält, so dürfte diese Tatsache doch von großer Bedeutung für den weiteren Verlauf der Dinge sein und die Freude darüber ist gewiß eine sehr berechtigte. Die Nachricht bildete natürlich gestern abend allgemein den Gegenstand der Gespräche.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)