Sonntag, 23. Juni 1918

    

Zugunsten der Ludendorff-Spende wird Herr Direktor Steffter auf Veranlassung des Sammelausschusses am kommenden Sonntag, 30. Juni, morgens 11½ bis 1 Uhr im neuen Operetten-Theater eine Morgenaufführung veranstalten. In bunter Folge werden die besten Kräfte des Theaters gesangliche und deklamatorische Darbietungen der fröhlichen Muse vortragen. Der ganze Ertrag dieses „Bunten Vormittags“, der für Bonn eine Neuheit darstellt und vielen eine angenehme Abwechslung sein wird, ist für die Kriegsbeschädigten bestimmt. Ein ausführliches Programm wird noch veröffentlicht werden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Die Ortskohlenstelle teilt mit: Der Bürgerschaft wird wiederholt dringend empfohlen, sich einen Holzvorrat für den Winter zu beschaffen. Auskunft erteilt die Ortskohlenstelle, die auch Bestellungen entgegennimmt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Eine eigenartige Verlustliste gibt neuerdings unsere Heeresverwaltung heraus. Von unbekannt verstorbenen Heeresangehörigen werden alle die Zeichen gesammelt, die man in ihren Uhren vorfindet. Hiernach werden Listen zusammengestellt und die Uhrmacher sehen nach, ob ein bei ihnen übliches Zeichen oder die von ihnen verwandten Nummern sich darunter befinden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Groß-Bonn. Der Direktion dieser Bühne ist in der Verpflichtung der Operetten-Soubrette Müller-Linke ein besonderer Wurf gelungen. Dieser urwüchsige weibliche Komiker ist in seiner Art einzig. Wohl selten hat man an der Bonner Operetten- und Spezialitätenbühne einen weiblichen Humoristen dieser Eigenheit genießen können. Das echt Berliner Gewächs übt begreiflicherweise eine ganz besondere Anziehungskraft aus.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Ludendorff-Spende Bonn-Stadt. Zum Besten der „Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte“ finden in den drei hiesigen Lichtspielhäusern am Sonntag, den 23. Juni, mittags ½12-1 Uhr Festvorstellungen statt. Zur Aufführung gelangen: In den Bonner Lichtspielen und Metropol-Theater: Bilder aus der Schlacht am Damenwege, Das zerstörte St. Quentin, Englische Tanks vor Cambrai, Die Erstürmung einer Höhe, Grüblers Fahrt ins Mohrenland (Lustspiel). Im Union-Theater: Rasputin.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 22. Juni 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1918Die Straßensammlungen für die Ludendorff-Spende am letzten Samstag und Sonntag haben in Bonn den Gesamtertrag von 15.000 Mark ergeben.

Deutsche Vaterlandspartei. In der Ortsgruppe Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei wird Generaldirektor Dr. Otto Weinlig (Dillingen) einen Lichtbildervortrag über die für unsere Zukunft so überaus wichtige Frage der künftigen Erzversorgung Deutschlands halten. Der Vortrag, der sowohl um der maßgeblichen Stellung des Redners, wie um der Sache willen das größte Interesse beansprucht, findet am Dienstag, 25. Juni, abends 8½ Uhr, im großen Hörsaal der Universität statt. Auch Freunde der Vaterlandspartei sind als Gäste willkommen.

Im Rheinhotel Dreesen in Godesberg ist heute nachmittag ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Ludendorff-Spende, ausgeführt von der Regiments-Kapelle des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 28.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1918Der Bonner Wochenmarkt stand gestern im Zeichen des Gemüses und des Kopfsalats. Hauptsächlich war Wirsing, Schneidgemüse, Knollengemüse und Kohlrabien sowie Kleinzeug vorhanden. Hiesiger und Mainzer Spargel sowie Obst und grüne Erbsen waren auf dem ganzen Markt wieder nicht zu finden. Neue Möhrchen kommen ebenfalls nur verschwindend wenig auf den Markt. Neue junge Zwiebeln mit Laub waren schon ziemlich reichlich zu haben, aber zu außergewöhnlich hohem Preise. Für ein kleines Gebündchen mit etwa zehn ganz kleinen Zwiebeln wurden 25 Pfennig verlangt und bezahlt. Kopfsalat wurde durchweg zu 25 Pfennig das Stück verkauft. Blumen waren auch reichlich und in großer Auswahl, aber zu hohen Preisen zu haben, fanden deshalb auch nicht den gewünschten flotten Absatz. Im übrigen war der Verkauf recht flott. Der Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte fast keine Zufuhren. Nur etwas Gemüse und Kopfsalat. Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt hatte außer etwa 12 Zentner Ingelheimer Spargel hauptsächlich nur Schneidgemüse, Knollengemüse und Wirsing abzugeben. In Spargel war der Verkauf recht flott, in Gemüse dagegen schleppend, sodaß hierin nach Schluß des Marktes größere Ueberstände zu verzeichnen waren.

Ein Deserteur, der sich seit längerer Zeit von seinem Truppenteil entfernt hatte, wurde gestern abend auf dem Kaiserplatz von einem Polizisten festgenommen. Auf dem Weg zum Untersuchungsgefängnis riß sich der Deserteur los und warf dem Beamten ein Stück Eisen vor die Füße, worauf dieser zu Fall kam. Als der Beamte dem Ausreißer nachlief, zog dieser einen Dolch aus der Tasche und drang auf seinen Verfolger ein. Der Polizeibeamte macht nunmehr von seiner Schußwaffe Gebrauch und traf den Deserteur in die Brust. Nach Anlegen eines Notverbandes wurde der Verletzte zur Klinik gebracht. Bereits am Vormittag sollte der Deserteur, der von hier stammt, auf der Coblenzer Straße von einem Polizisten festgenommen werden. Auch bei dieser Gelegenheit hatte er mit dem Dolch gedroht und war dann entkommen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Rezeptzwang für baumwollene Verbandswatte. Durch Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle vom 20. Mai § 3 im Reichsanz. 133, ist mit Wirkung vom 9. Juni auch für baumwollene Verbandswatte der Rezeptzwang eingeführt worden. Die Verkäufer werden deshalb gewarnt, baumwollene Verbandswatte ohne ärztliche Verordnung abzugeben, da sie sich sonst strafbar machen.

Festgenommen wurde eine Zigeunerin, die im Hausierhandel Spitzen verkaufte und bei der Gelegenheit einer „Kriegerfrau“ weissagte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 21. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Juni 1918Türklinken und Fenstergriffe. Eine Bekanntmachung im Anzeigenteil dieser Zeitung gibt Auskunft über den Ausbau der beschlagnahmten Türklinken und Fenstergriffe und den Einbau der notwendigen Ersatzstücke sowie über die gegebenenfalls zu beantragende kostenlose Ausbauhilfe.

Zur Abgabe von Männeranzügen. Täglich werden beim städtischen Bekleidungsamte Anzüge abgeliefert, die wegen ihres schlechten Zustandes zurückgewiesen werden müssen, weil sie nicht mehr verwertbar sind. Es sei deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß die abgelieferten Anzüge gebrauchsfähig sein müssen. Und zwar soll, da es sich um Anzüge für die Arbeiterschaft handelt, nur solche Kleidung beschafft werden, die starke Inanspruchnahme aushält. Auch sollen die Kleidungsstücke ihrer Art nach tunlichst ihrer Zweckbestimmung entsprechen. Ausgeschlossen sind deshalb: Fracks, Smokings, ferner Leinen-, Lüster- und leichte Flanellsachen sowie Uniformen. Es seien diese Bestimmungen nochmals in Erinnerung gebracht, und die Bürgerschaft in ihrem eigenen Interesse gebeten, sie zu beachten. Der zehnprozentige Preiszuschlag wird nur noch bis zum 24. Juni bezahlt.

Der Eifelverein unternimmt nächsten Sonntag eine Wanderung durch den Kottenforst und das Vorgebirge nach Alfter.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Eine öffentliche Versammlung veranstaltet die Ortsgruppe Bonn des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer am kommenden Sonntag im Volkshaus in der Sandkaule. Das Thema des Redners, Woldt – Elberfeld, lautet: „Am Tage der Heimkehr und der Kriegsbeschädigte im Wirtschaftsleben.“

Die Höchstpreise für Quark und Quarkkäse sind um 40 Prozent erhöht worden. Hoffentlich wird durch diese Preiserhöhung erreicht, daß nunmehr Käse auch wirklich zu haben ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Aenderungen auf dem Bezugsschein gelten als Urkundenfälschung. Wie verschiedene Gerichtsverhandlungen in letzter Zeit bewiesen haben, herrscht in vielen Kreisen noch immer Unklarheit über das Wesen des Bezugsscheines. Man weiß vielfach immer noch nicht, daß der Bezugsschein eine Urkunde darstellt, und dementsprechend jede Aenderung, die auf demselben vorgenommen wird, als Urkundenfälschung bestraft wird. Immer wieder kommt es vor, daß Leute auf bereits abgestempelten Bezugsscheinen selbständige Eintragungen, Aenderungen oder Zusätze vornehmen, z. B. auf einen Bezugsschein, der über eine Hose ausgestellt ist, das Wort Hose ausradieren und dafür einen anderen Gegenstand einsetzen. Viele tun dies aus reiner Bequemlichkeit, nur weil sie den nochmaligen Gang zur Bezugsscheinstelle scheuen. Jeder, der jedoch eine Aenderung auf seinem Bezugsschein vornimmt, kann sicher sein, sich wegen seiner gesetzwidrigen Handlungsweise vor Gericht verantworten zu müssen. Denn die Scheine werden später von den Geschäften den Bezugsscheinstellen zurückgereicht und dort nachgeprüft, sodaß jede Aenderung entdeckt wird und zur Anzeige gelangt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Erster Weltkrieg in Bonn
Auf dieser Seite wollen wir genau 100 Jahre danach für jeden Tag, den der Erste Weltkrieg andauerte, lokale Nachrichten aus Bonn veröffentlichen. Alle bislang erschienen Einträge sind in der der Chronik unter dem jeweiligen Monat nachzulesen. Soweit es unsere Zeit zulässt, wollen wir darüber hinaus weitere Informationen zum Thema Erster Weltkrieg ins Netz stellen.

Bonner Geschichtswerkstatt e.V.