Dienstag, 21. Mai 1918
Das Pfingstfest hat die Wetterwünsche der erholungs- und ausflugsbedürftigen Städter auf das beste erfüllt. Am hellen Tage lachte die Maiensonne in voller Pracht. Das herrliche Wetter lockte denn auch trotz Beförderungs- und anderen Kriegsschwierigkeiten die Massen der städtischen Bevölkerung ins Freie, um in Flur und Wald die Frühlingswunder der Natur zu genießen und sich an ihnen für die Anstrengungen des Alltags neu zu kräftigen. Die Staatsbahn hatte sich durch einschränkende Bestimmungen einen großen Teil des Ausflugsverkehrs ferngehalten, dennoch waren die Züge fast sämtlich überfüllt. Ganz besonders aber waren die elektrischen Bahnen und die Schiffe in Anspruch genommen. Die Rheinuferbahn hat wohl nie so starken Verkehr zu bewältigen gehabt, wie an diesen beiden Pfingsttagen, unsere Siebengebirgsbahn war in den Stunden des stärksten Andranges ganz beängstigend vollgepfropft mit Menschen, und auch die Godesberger Bahn hatte Mühe, den Andrang zu bewältigen. Für die Schiffe der Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrt wurden an den beiden Feiertagen allein 15.000 Fahrscheine ausgegeben, eine Zahl, die bisher an keinem Pfingstfest erreicht worden ist. Auch die Niederländer Dampfer wurden stark benutzt.
Korkholz und Korkabfälle. Am 18. Mai ist eine Nachtragsbekanntmachung zu der Bekanntmachung vom 25. September 1917 über die Beschlagnahme und Bestandserhebung von Korkholz, Korkabfällen und daraus hergestellten Halb- und Fertigerzeugnissen erschienen. Gleichzeitig ist auch eine Nachtragsbekanntmachung zu der Bekanntmachung vom 25. September 1917 über Höchstpreise für Korkabfälle und Korkerzeugnisse erschienen, durch die die Höchstpreise für eine größere Anzahl von Korkabfällen und Korkerzeugnissen erhöht worden sind.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Kriegspfingsten am Rhein. [...] Daß wir ein Kriegspfingsten gefeiert haben, das wurde uns recht deutlich dadurch kund, daß wir am Pfingstsamstag einen schweren Fliegerangriff auf unsere Nachbarstadt Köln erlebten, der leider zahlreiche Opfer gefordert hat, und der Pfingstsonntag uns in Bonn um 10 Uhr vormittags, als die Stadt bereits von Fremden und Einheimischen stark bevölkert war, einen Fliegeralarm bescherte, der eine halbe Stunde lang andauerte und zeitweilig die Pfingstfreude erheblich beeinträchtigte. Glücklicherweise sind jedoch keine feindlichen Flieger über Bonn erschienen. Daß ein Teil der Bürgerschaft die Vorschriften, die für den Fall eines Fliegersangriffes ergangen sind, nicht beachtete und über die Frage, ob die Kirchenbesucher bei Fliegeralarm in der Kirche verbleiben oder die Kirche verlassen sollen, offenbar noch Unklarheit herrscht, sei nebenbei notiert. Verlohnen dürfte es sich, nach dem Vorbild von Koblenz in den einzelnen Straßen an solchen Häusern, die festgebaute Keller haben, Schilder anzubringen, durch welche die Vorübergehenden auf die Unterkunftsmöglichkeit in solchen Kellern im Falle von Fliegergefahr aufmerksam gemacht werden. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Bonner Volksspende. Die Bonner Volksspende erzielte bis zum 1. Mai d. J. ein Gesamtergebnis von rund 500.000 Mk. Das ist gewiß eine ansehnliche Summe, und die Bonner Bürgerschaft kann mit Recht stolz sein auf die von ihr bisher bewiesene Opferfreudigkeit. Arm und reich, jung und alt haben dadurch beigetragen, der Bonner Kriegswohlfahrtspflege die von ihr so dringend benötigten Mittel zuzuführen.
Die aus den Sammlungen der Volksspende zu leistenden Aufgaben der Bonner Kriegswohlfahrtspflege sind aber auch vielseitig und bedürfen daher großer Mittel.
Da ist zunächst zu nennen die Verband- und Krankenerfrischungsstelle „Prinzessin Viktoria“ in Lille, die mit ihrer überaus segensreichen Tätigkeit bis jetzt schon über 4½ Millionen Soldaten verpflegt und mit Liebensgaben aller Art bedacht hat. Ihr Wirken hat sich bei den letzten großen Angriffen gegen die englische Front bei Arras, Cambrai und St. Quentin wieder hervorragend bewährt, was von militärischer Seite wiederholt rühmend anerkannt wurde. So wurden z. B. an einzelnen Tagen rund 20.000 Soldaten verpflegt. In der Zeit vom 21. März bis einschließlich 29 April d. J. wurden zusammen 172.000 Soldaten verpflegt.
Dann kommt das Vereinslazarett „Prinzessin Viktoria“ in der Luisenstraße, die Beschäftigung arbeitsloser Frauen in den von den Vaterländischen Vereinigungen unterstützten Arbeitsstätten, die Liebesgaben für die Truppen zu Weihnachten und bei anderen Gelegenheiten, die gesellschaftliche Unterhaltung der Verwundeten in den hiesigen Lazaretten, die Ausrüstung und Unterstützung der Beförderungs-Einrichtungen bei der Ankunft der Verwundeten, die Weihnachtsbescherung der Verwundeten, die Weihnachtsbescherung der bedürften Angehörigen und Kinder unserer braven Truppen, Beihilfen für Lazarettzüge, die Beihilfen für die Kriegsbeschädigtenfürsorge, die Unterstützung der Gefangenen in Feindesland und die Ausbildung und Weiterbildung der Schwestern.
Außer den genannten Ausgaben muß die Volksspende noch eine neue übernehmen. Es gilt die größte Not unserer aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Brüder zu lindern. Auch hierbei soll die Volksspende helfend eingreifen.
Daß diese Einrichtungen große Summen erfordern, ist selbstverständlich. Mit den ständig wachsenden Pflichten wachsen aber auch die Ausgaben. Im Westen holt unser Hindenburg mit seinen Feldgrauen zum letzten Schlage aus. Große Siege sind bereits errungen, aber schwere Kämpfe stehen noch bevor, sodaß die Ansprüche an unser tapferes Heer und unsere Flotte noch größer werden. Wir daheim wollen uns unserer Helden würdig und dankbar zeigen. [...]
Die Bonner Volksspende muß aber weiter wirken und sammeln, denn noch tobt ein gewaltiger Entscheidungskampf. Sie wendet sich daher an ihre sämtlichen Mitglieder mit der dringenden und herzlichen Bitte, sie auch fernerhin nach Kräften zu unterstützen, bis der furchtbare Krieg ein Ende gefunden hat. [...]
Jeder gebe nach seinen Kräften und werde jeder Mitglied der Bonner Volksspende.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Mittwoch, 22. Mai 1918
70 Gramm Butter werden diese Woche für jeden Einwohner abgegeben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
160er in Gefangenschaft. Aus unserem Leserkreise wurde uns eine photographische Aufnahme von gefangenen Deutschen aus der französischen Zeitschrift „L’Illustration“ zur Verfügung gestellt. Es sind auf diesem Bilde Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Infanterie-Regimenter 160 und 84 abgebildet. Durch diese Photographie konnte eine hiesige Familie einwandfrei ihren Sohn, einen Offizier des Infanterie-Regiments 160, als unverwundet erkennen, von dem sonst jede Nachricht fehlte. Das Bild trägt die Aufschrift: „Gruppe von Gefangenen, die am 18. April 1918 im Gehölz von Sénécat an der Front Montdidier – Amiens festgenommen wurden.“
Die Bildaufnahme ist einige Zeit im Schaufenster unseres Blattes ausgestellt. Vielleicht daß noch andere Bonner Familien Angehörige auf der Abbildung erkennen.
Zuteilung von Schuhwerk. In der heutigen Nummer unseres Blattes sind zwei Bekanntmachungen über Sonderzuteilung von neuem Berufsschuhwerk und die Zuteilung von neuem Schuhwerk für die Behörden, öffentlichen Anstalten usw. abgedruckt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Stadtverordneten-Vereinigung der Rheinischen Zentrumspartei hielt heute im Bonner Bürger-Verein eine Tagung ab. Herr Reichstagsabgeordneter Henry – Bonn begrüßte die Teilnehmer und als Vertreter der Stadt Bonn Herrn Beigeordneten Baurat Piehl, der die Grüße der Stadtverwaltung übermittelte, und dann einen Vortrag hielt über die Lebensmittelversorgung der Stadt Bonn. Er zeigte, wie in Bonn der Einkauf, die Bewirtschaftung, die Verteilung und der Verkauf der Lebensmittel organisiert sind. Von den sehr lehrreichen Ausführungen dürfte vielleicht das folgende statistische Material unsere Leser interessieren: Das Lebensmittelamt zählt 19 selbständige Abteilungen. Der Umsatz des letzten Jahres betrug 100 Millionen Mark, im Monat April allein 10 Millionen Mark. In der Lebensmittelklasse A sind zwei Sechstel der Einwohner, B drei Sechstel, C ein Sechstel. Hausstände sind 27.500 zu versorgen. Kartoffeln waren 100.000 Zentner eingemietet, 35.000 Zentner eingekellert. Die Stadt hat sich die Milchlieferung von 530 Kühen gesichert. Zum Schlusse behandelte Baurat Piehl Fragen der Lebensmittelversorgung für die Zeit der Uebergangswirtschaft. Die Ausführungen wurden, besonders von den auswärtigen Teilnehmern, mit größter Aufmerksamkeit entgegengenommen. Reichstagsabgeordneter Henry dankte dem Vortragenden und führte aus, ebenso großzügig und sachlich wie die Ausführungen des Herrn Baurat sei auch die Lebensmittelversorgung der Stadt Bonn durchgeführt. Das sei in erster Linie das Verdienst des Herrn Baurat Piehl, dem er dafür herzlichen Dank ausspreche. An den Vortrag schloß sich eine Besichtigung des Lebensmittelamtes, des Bekleidungsamtes, der Kriegsküche der Universität, der Kartoffellager und anderer Einrichtungen der Stadt Bonn an. Heute nachmittag findet eine geschlossene Versammlung statt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Donnerstag, 23. Mai 1918
Fliegeralarm. Gestern vormittag kurz nach 10 Uhr wurde, wie in Köln, auch in Bonn wieder alarmiert, weil nach den vorliegenden Meldungen feindliche Flieger sich Köln genähert hatten. Ein Angriff erfolgte nicht. Auch Köln ist nicht angegriffen worden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Erneuter Fliegeralarm in Bonn.
Gestern vormittag ertönten kurz nach 10 Uhr abermals die Sirenen und militärischen Warnsignalen, um der Bürgerschaft Bonns anzukündigen, daß Luftgefahr bestehe. Ebenso wurde in Beuel, Troisdorf und auch in Köln die Bürgerschaft durch Warnsignale von der bestehenden Luftgefahr verständigt. Man konnte, soweit wir dies festzustellen vermochten, wahrnehmen, daß heute die Warnsignale innerhalb der Bürgerschaft mehr Beachtung fanden, als am Pfingstsonntag. Auf dem Markt hatten sich die Verkäuferinnen in die benachbarten Häuser geflüchtet und viele Bürger suchten die Keller auf, die immer als der beste Schutz vor Fliegerbomben zu betrachten sind. Auch wurde die Vorschrift mehr beachtet, bei Eintritt von Luftgefahr alle Fenster zu öffnen, damit nicht infolge Lufterschütterung Scheiben zerspringen und die Bewohner verletzen. Am Rhein wurde die Vorschrift, Deckung zu suchen, weniger beachtet. In den städtischen Badeanstalten wurde lustig weitergeschwommen und auf den Bänken der städtischen Anlagen am Rhein blieb mancher unbekümmert sitzen. Ebenso war, wie man uns berichtet, in verschiedenen Straßen der Stadt während der Warnsignale, die bis ½12 Uhr andauerten, noch ein bemerkenswerter Verkehr von Fußgängern und auch Wagen zu beobachten.
Angriffe auf Köln und Bonn fanden gestern nicht statt.
Bomben-Sondervorträge in der Kriegs-Luftflotten-Ausstellung Köln – Riehlerhaus. Einem von vielen Seiten geäußerten Wunsche entsprechend werden in den täglich stattfindenden Demonstrationsvorträgen wertvolle Verhaltensmaßregeln für die Bevölkerung bei Bombenangriffen feindlicher Geschwader gegeben.
Die Beerdigung der Kölner Opfer.
Gestern vormittag wurden die Opfer des Fliegerangriffs in Köln in zwanzig Särgen in einem gemeinsamen Grab auf dem Südfriedhof beerdigt. Ein Kranz aus Tannengrün und frischen Blumen, dessen Schleifen die Inschrift trugen: „Auch Ihr starbt für das Vaterland. Die trauernde Stadt Köln.“ wurde an der Riesengruft niedergelegt. Die Trauerfeier wurde durch Fliegeralarm gestört. Nachdem die Luftgefahr vorüber war, erfolgten Ansprachen der Geistlichen und Oberbürgermeister Adenauer hielt eine ergreifende Ansprache an die Angehörigen der Feindesopfer, um die die ganze Stadt Köln wie eine große Familie trauere. Der Redner gedachte hierbei der herzlichen Anteilnahme des Kaisers, der durch seinen Geheimen Kabinettsrat seiner Trauer telegraphisch Ausdruck geben ließ und den Verwundeten baldige Genesung wünschte. Wie der Kaiser, fühle Kölns ganze Bürgerschaft. Der Eindruck der Trauerfeier war für alle Teilnehmer tief ergreifend.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Vom Lande schreibt man uns: Die heißen Tage haben den Roggen rasch zum Blühen gebracht. Ueberall hängen die langen Staubgefäße aus den vollkommen ausgebildeten und prächtigen Aehren heraus und in einigen Tagen gibt es dort ein Stäuben, das bei der gegenwärtigen Witterung zur besten Befruchtung der Aehren dienen wird. Der Roggen ist auch im Halme mächtig gewachsen und hat bereits eine Höhe von 1,80 bis 2.00 Meter erreicht. Die Landleute rechnen mit einem Beginn der diesjährigen Getreideernte in den ersten Tagen des Monats Juli.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Freitag, 24. Mai 1918
Bischof Dr. Moog erläßt zur Ludendorff-Opferwoche vom 1. bis 7. Juni eine Bekanntmachung an die Geistlichen, wonach am 26. Mai und am 2. Juni von den Kanzeln eindringlich auf dieses große, vaterländische Werk hingewiesen werden soll. Es heißt darin, daß das Begrüßenswerteste an der von der Ludendorff-Spende gesetzten Aufgabe die beabsichtigte Zusammenfassung aller bisher in der Kriegsbeschädigtenfürsorge zerstreuten und zersplitterten Kräfte sei. Darin liege zugleich eine durchaus sichere Gewähr der zielgemäßen Verwendung der gesammelten Gaben. Es bedürfe nur der Nennung des Namens Ludendorff, um jeden Deutschen aufzumuntern, je nach Vermögen freudig seine Gabe auf den Altar des Vaterlandes zu legen.
Neues Operettentheater. Die dem Deutschen Bühnenverein angehörenden Mitgliedern, zu denen auch die Direktion Adalbert Steffter gehört, haben sich geeinigt, am 31. Mai und 1. Juni anläßlich der Ludendorff-Spende Festvorstellungen zu geben. Auch im Neuen Operettentheater wird die Werbetätigkeit mit allen Mitteln gefördert werden, um an diesen Tagen dem General v. Ludendorff, der die Bedeutung der Bühnen als Stimmungsträger des deutschen Volkes in diesem Kriege erkannte, den Dank abzustatten.
Zum Schutze unserer Anlagen fordert der Oberbürgermeister die Bürgerschaft auf. In erster Linie sollen Zerstörungen, namentlich durch Jugendliche, verhütet, sonst die Uebeltäter der städtischen Verwaltung mitgeteilt werden, damit sie bestraft und zum Schadensersatz herangezogen werden können.
Die Messingschilder an den Postbriefkästen werden nun auch zu unserem Metallkriegsschatz abwandern. Bis zu ihrem endgültigen Verschwinden werden allerdings noch einige Monate vergehen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Hyazinthen-Kaffee. Wie die „Chemiker-Zeitung für Holland“ meldet, schmeckt der aus Hyazinthenknollen bereitete Kaffee dem echten sehr ähnlich. In Hoogezand trafen zahlreiche Waggonladungen davon ein, die nach Verarbeitung in den Drogerien gemahlen werden und sodann als Kaffee-Ersatz Verwendung finden sollen.
Kartoffeln mit schwarzen Stellen. Zurzeit zeigen die Kartoffeln vielfach schwarze Stellen. Dieser Fehler verliert sich bei der Zubereitung fast vollständig, wenn man die Kartoffeln am Tage vorher schält, sorgfältig wäscht, in kaltes Wasser stellt und dieses mehrfach wechselt. Am anderen Tage setzt man sie mit frischem Wasser auf und kocht sie wie gewöhnlich. Außerdem wird empfohlen, die Kartoffeln nach vorstehender Anweisung zum Kochen zu bringen, das Wasser abzuschütten und in frischem kochenden Wasser gar zu kochen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Bei Fliegergefahr ist zu empfehlen, den Hauptgaskranen im Keller, am Gasmesser, zu schließen, ebenso im Hause selbst. Es empfiehlt sic, jetzt die Kranen zu untersuchen, ob dieselben sich auch drehen lassen, denn oft sind die Kranen eingerostet und trotz aller Anstrengung und Schmieren mit Oel nicht zu bewegen.
Jetzt ist es Zeit! Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß gerade jetzt die Flugzeit des Kohlweißlings eingesetzt hat. Zu Millionen legen diese weißen und gelben Schmetterlinge die Eier. Wer seinen Garten und Feldgewächse lieb hat, der sollte sich jetzt daran machen, diese Schädlinge zu fangen. Besonders wäre das Sache der Jugend, allein man muß sie dafür auch aneifern. Darum Behörden, setzt Prämien aus! Der Nahrungsmittelversorgung wird dadurch guter Dienst getan.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Samstag, 25. Mai 1918
Fliegeralarm während der Gottesdienste. Kardinal von Hartmann hat für die Stadt Köln angeordnet, daß während der Gottesdienste sämtliche Kirchentüren offen bleiben sollen. Wird während eines Gottesdienstes alarmiert, so soll der Geistliche von der Kanzel aus die Gläubigen möglichst beruhigen und auffordern, ohne Gedränge die Kirche zu verlassen, um in den benachbarten Häusern Schutz zu suchen, oder sich in die sicheren Plätze der Kirche selbst (Krypten, Turmhallen) zu begeben. Der Kardinal hat den Papst gebeten, sich bei unseren Feinden dahin zu verwenden, daß die Fronleichnamsprozession nicht durch Fliegerangriffe gestört wird.
In Bonn fällt in diesem Jahre die Fronleichnamsprozession aus, ebenso die für nächsten Sonntag anberaumte Prozession nach dem Kreuzberge.
Eine Wohnungszählung findet im Stadtkreise Bonn am Fronleichnamstage statt. Die Zählung erstreckt sich auf sämtliche bewohnte und leerstehende Wohnungen. Sie erfolgt durch Hauslisten. Die Hauslisten werden in den nächsten Tagen durch die Zähler zugestellt. Sie sind unter Beachtung der auf der Rückseite befindlichen Anleitung erschöpfend auszufüllen und von Freitag, 31. Mai, ab zum Abholen bereitzuhalten. Wo über die Ausfüllung Zweifel bestehen, sind die Zähler zur Auskunft bereit. Auch im Wohnungszählbureau Am Hof 1 (Eingang gegenüber der Buchhandlung Röhrscheid) wird Auskunft gegeben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Die Ausfuhr von Heu aus dem Landkreise Bonn ist bis auf weiteres verboten.
Zwei russische Arbeiter hatten sich wegen Diebstahls vor dem Schöffengericht zu verantworten. Beide verstanden Deutsch. In ihrem Besitze waren Treibriemenstücke, bei dem einen auch Lederriemen und eine Militärpacktasche gefunden worden. Beide waren geständig und wurden wegen Diebstahls, der eine zu zwei Monaten und einer Woche Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden, der andere zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, wovon drei Wochen durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Deutsche Bauernansiedlungen und Kriegerheimstätten im Baltenlande! Eine der wichtigsten für unser zukünftiges Volksleben und unsere Volksernährung geradezu ausschlaggebenden Fragen ist die der inneren Kolonisation. Tausende und Abertausende unserer braven Brüder im Felde, noch mehr aber unserer im Feindesland für das Deutschtum kämpfenden Volksgenossen, harren auf Ansiedlung auf eigener Scholle bei Schluß des Krieges. Es sei daher auch an dieser Stelle nachdrücklich auf den am Dienstag abend 8 Uhr stattfindenden Vortrag des Herrn Pfarrer Strauß im Bonner Bürgerverein hingewiesen. Der Eintritt zu diesem Vortragsabend ist frei!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Sonntag, 26. Mai 1918
Die bürgerliche Kriegsbeschädigten-Fürsorge
soll in der Ludendorff-Spende ihre Verwirklichung finden. Ihr gilt ein Aufruf in der heutigen Nummer unserer Zeitung, der von einem Ausschuß aus Damen und Herren aller Kreise unserer Bevölkerung an alle Bürger und Bürgerinnen Bonns ergeht.
Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist jetzt und später die Fürsorge für diejenigen Kriegsteilnehmer, die im Kampfe für das Vaterland und durch Verwundung oder Erkrankung Einbußen in ihrer Erwerbsfähigkeit erlitten haben. Aus ihren Berufsleben herausgerissen und durch Leiden und Verstümmelung gehemmt, finden sie aus eigener Kraft häufig nicht den Weg in das Erwerbsleben zurück. Nach bestem menschlichen Können wird die Heeresverwaltung den Verwundeten und Kranken, die fürs Vaterland gestritten und gelitten haben, eine Rente gewähren. Aber diese wird für sich allein selten dem Kriegsbeschädigten und seiner Familie ein sorgenfreies Leben ermöglichen.
Die Kriegsbeschädigten wieder tunlichst in ihre frühere Berufsarbeit oder in eine neue passende Betätigung einzugliedern, wird die große Aufgabe der Kriegsbeschädigten-Fürsorge noch lange bleiben. [...]
Bonn müßte nicht Bonn sein, wenn es nicht opferfreudig seinen blutenden Söhnen gäbe, was ihre Wunden von uns fordern. Es mag oft an unsere Tür in diesen schweren Jahren der Sammler angeklopft haben, niemals sind wir zu einer edleren Sache, niemals zur Erfüllung einer heiligeren Pflicht aufgerufen worden, als jetzt, da es gilt, Dank zu zollen unseren Blinden und Krüppeln, unseren Kranken und Siechen, die hinausgezogen jung und frisch und froh und tapfer, uns zu schützen vor Elend und Not, Obdachlosigkeit und Armut. Die Ludendorff-Spende soll ihnen sagen, wie tief wir ihnen danken, wie groß unsere Liebe zur heimatlichen Scholle ist, die wir ihnen zum glücklichen Hafen bereiten wollen.
Dieser Dank ist Ehrensache eines jeden Deutschen, und Bonn wird sich auch hier würdig allen anderen Städten an die Seite zu stellen wissen!

In den Rhein fiel gestern nachmittag beim Schänzchen ein siebenjähriger Jungen, der sich, wie es doch jetzt viele Kinder tun, mit entblößten Beinen im Wasser vergnügt hatte. Ein in der Nähe wohnender Herr sprang in den Fluß und holte schwimmend das schon bewusstlose Kind heraus. Mit einiger Mühe konnte der Junge dem Leben wiedergegeben werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Abgabe von Männer-Anzügen. Die steigenden Anforderungen für den Bedarf der Arbeiter in der Landwirtschaft und Rüstungsindustrie sowie in sonstigen kriegswichtigen Betrieben an Arbeitskleidung haben die Reichsbekleidungsstelle vor die Aufgabe gestellt, in kurzer Zeit drei Millionen Männer-Anzüge zu beschaffen. Ein Teil dieses Bedarfs ist beschafft.
Es fehlt indes noch rund eine Million Anzüge, die nur in der Weise aufgebracht werden können, daß sie aus den Beständen an Altkleidern der Bevölkerung entnommen würden.
Dementsprechend ergeht nun auch seitens der Stadt Bonn in besondere Bekanntmachung die Aufforderung an die Bürgerschaft zur Abgabe von Oberbekleidung. Von dem vaterländischen Sinn der Bonner Bürgerschaft darf erwartet werden, daß die von dem Kommunalverband der Stadt Bonn aufzubringende Zahl der Kleidungsstücke durch die eingeleitete Sammlung freiwillig aufgebracht und so eine spätere zwangsweise Einforderung vermieden wird.
Ein Vogelnest im Schulzimmer. Ein Mitarbeiter berichtet uns: Ein Paar Rotschwänzchen hatte in den Schulsaal eines kleinen Ortes im Landkreise sein Nest gebaut auf dem Kranze, mit welchem die Kinder das Kaiserbild geschmückt hatten. An der Lücke einer zerbrochenen Fensterscheibe flogen die zutraulichen Vögel emsig ein und aus und ließen sich beim Nestbau und beim Ausbrüten der Eier durch die Anwesenheit der Kinder nicht stören. Jetzt sind fünf junge Vögelchen in dem Neste, denen die Alten rastlos Futter zutragen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz – Bonn veranstaltet an der Halle an der Quantiusstraße einen Lehrgang zur Ausbildung von Erster Hülfeleistung und als Krankenträger. Er beginnt Dienstag den 28. d. M., abends 8 Uhr, und wird während vier Wochen jeden Dienstag und Freitag Abend in praktischer Ausbildung von 8 – 9 Uhr und in theoretischer Ausbildung durch den Kolonnenarzt von 9 – 10 Uhr bestehen. Aktive Mitglieder sind zur Teilnahme verpflichtet. Nichtmitglieder zahlen im Voraus Mk. 3.-. Anmeldungen von Herren schriftlich an den Vorsitzenden Rechtsanwalt Felix Joseph Klein (Mühlheimer Straße 3) oder mündlich am Eröffnungsabend.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Montag, 27. Mai 1918
Blumen für unsere Verwundeten. Die schöne Blütenzeit der Rosen ist angebrochen, und die Freude daran ist wohl allgemein bei den Einwohnern und Gästen unserer gepriesenen Gartenstadt. Aber wer denkt dabei der unfreiwilligen Gäste, der vielen Verwundeten, denen diese Freude fast ganz versagt ist, so lange sie an ihr Lager gefesselt sind! Besonders die Schwerverwundeten sind so dankbar und empfänglich für Blumenspenden. Da wäre es in diesen Sammel- und Opferzeiten ein kleines, aber lohnenden „Opfer“, unsere tapferen Helden recht ausgiebig mit Rosen und anderen Blumen zu erfreuen.
Trauer ohne Trauerkleidung. Einen vorbildlichen Aufrufe hat der Ständige Ausschuß der freiwilligen Hilfsausschüsse im Fürstentum Lippe erlassen. Der Ausschuß bittet, dahin zu wirken, daß die weibliche Bevölkerung aller Stände vom Tragen von Trauerkleidung während des Krieges absieht, und nur, wie bei den Männern üblich, durch Anlegen von Trauerflor der Trauer äußerlich Ausdruck gibt. Diese Aufforderung verdient, in weitesten Kreisen unseres Volkes beherzigt zu werden. Die Trauer ist eine Angelegenheit des Herzens, die mit Aeußerlichkeiten nichts zu tun hat. Will aber jemand Schmerz über das Dahinscheiden eines Anverwandten äußerlich zum Ausdruck bringen, so erfüllt ein Trauerflor diesen Zweck genauso wie ein schwarzes Kleid, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart zwingen uns, in bezug auf Kleidung die alleräußerste Beschränkung aufzuerlegen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Warnung vor Wohnungskündigungen. Der Kölner Stadtanz. bemerkt in seiner Nummer 215: Bei den zurzeit herrschenden ungünstigen Wohnverhältnissen werden Mieter wie Vermieter in ihrem eigenen Interesse vor Kündigung von Mietwohnungen, von außerordentlichen, nicht zu umgehenden Notfällen abgesehen, amtlich dringend gewarnt. Die Beschaffung einer anderen Wohnung ist heute schwierig, wenn nicht unmöglich. Auch droht leicht die Gefahr, daß die neugemietete Wohnung am Räumungstage nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Das Mieteinigungsamt kann nach den Bestimmungen der Mieterschutzverordnung vom 26. Juli 1917 auf Anrufen eines gekündigten Mieters die ihm zugegangene Kündigung für wirkungslos erklären, wodurch dem gekündigten Mieter das Recht gegeben wird, in der Wohnung zu verbleiben. Hat nun der neue Mieter die bisherige Wohnung bereits aufgegeben, so kann er in die neugemietete Wohnung nicht einziehen und kommt in die Gefahr, wohnungslos zu werden. Vermieter sowohl wie Mieter geraten dadurch in eine schwierige Lage, da die Beschlüsse des Mieteinigungsamtes unanfechtbar sind und der Nachprüfung durch die Gerichte nicht unterliegen. Im eigensten Interesse der Beteiligten wird daher dringend vor nicht unbedingt nötiger und unvermeidbarer Kündigung von Mieträumen oder Erhebung von Räumungsklagen gewarnt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Zur Beschlagnahme der Türklinken hat, wie der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein mitteilt, die Kriegsrohstoffabteilung des Kriegsministeriums auf eine Eingabe des Zentralverbandes der Haus- und Grundbesitzervereine Deutschlands wegen Verhinderung des Wuchers bei dem Verkauf von Türklinken geantwortet, daß die Metall-Ersatzstelle in der Lage ist, Ersatz für sämtliche enteignete Türdrücker in brauchbarer Form zu beschaffen. Es könne daher nur dringend geraten werden, daß die Hausbesitzer sich von der Industrie, welche die gegenwärtige Lage auszunutzen versucht, nicht übervorteilen zu lassen, sondern die behördliche Beschaffung des Ersatzes abwarten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Dienstag, 28. Mai 1918
Universität. An der hiesigen Universität sind im laufenden Sommerhalbjahr 6453 Studierende eingeschrieben, darunter 597 Frauen (gegen 5487, darunter 524 Frauen, im Sommerhalbjahr 1917). 5026 Studierende befinden sich im Heeres-, Sanitäts- oder vaterländischen Hilfsdienst. Gefallen sind, soweit bekannt geworden ist, bisher 8 Dozenten, 9 Assistenten und 526 Studierende.
Kardinal von Hartmann hat für die Erzdiözese Köln angeordnet: Wegen der drohenden Fliegergefahr sehe ich mich zu meinem schmerzlichen Bedauern genötigt, anzuordnen, daß innerhalb der Erzdiözese, sowohl in den größeren Städten, wie an den Orten mit größern industriellen Werken, soweit für sie die Vorschrift der völligen Verdunkelung besteht, bis auf weiteres alle Prozessionen, sowohl innerhalb wie außerhalb der Gotteshäuser, zu unterbleiben haben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Eine Straßenbahn-Abonnementskarte hatte ein jugendlicher Arbeiter aus Beuel gefälscht und zu Fahrten auf der elektrischen Bahn benutzt. Er wurde am Montag von der Strafkammer mit Rücksicht auf seine Jugend zu einer Gefängnisstrafe von acht Tagen verurteilt.
Unfall. Auf dem Adolfsplatz fiel am Sonntag abend ein junger Mann aus einer Schiffsschaukel und verletzte sich so schwer am Kopf, daß er von Feuerwehrleuten zur Klinik gebracht werden mußte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Müllabfuhr wird in Bonn ganz überflüssiger Weise, mit Ausnahme von Mittwochs, täglich besorgt. In großen Städten genügt eine wöchentlich dreimalige Abfuhr vollständig, was hier auch der Fall sein wird. Die Stadt müßte in Bezirke eingeteilt werden. In einem Teil wird Montag, Mittwoch und Freitag, in dem anderen Teil Dienstag, Donnerstag und Samstag abgeholt, und zwar vor 9 Uhr morgens, wie das auch überall Gebrauch ist, damit die Bürgerschaft nicht mehr mit Staub belästigt wird. Durch Einführung dieser Ordnung würde mit einem Schlage erreicht: 1. Die Müllabfuhrgebühren ermäßigen sich um die Hälfte der jetzigen sehr hohen Sätze. 2. Die Hälfte der Gespanne usw. wird frei und könnte 3. Für Brikettfuhren von Brühl jetzt willkommene Verwendung finden. Dadurch würde dann 4. den unverschämten Forderungen der hiesigen und anderen Fuhrleute ein dauerndes Gegengewicht zum Besten der Bürgerschaft geboten. Eile tut Not. Später könnten die überflüssigen Gespanne abgeschafft werden. M.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Mittwoch, 29. Mai 1918
Ernährung und Bekleidung.
Von heute ab wird sämtliches Frühgemüse in den Kreisen Köln-Stadt, Bonn-Stadt und Bonn-Land […] in Zwangswirtschaft genommen. Ausgenommen von dieser Maßnahme sind nur Spinat und Salat. […]
Bei der Beförderung von Frühgemüse aller Art muß daher in den von der Absatzbeschränkung betroffenen Gebiete ein Beförderungsschein verwandt werden. […] Im Stadtkreise Bonn erfolgt die Ausstellung der Beförderungsscheine durch das Lebensmittelamt, Abteilung XII. Die Gemüsebauern werden hiermit nochmals auf die schwere Strafe hingewiesen, der sie sich aussetzen, wenn sie das Gemüse ohne Beförderungsschein fortbringen. Neben dieser Strafe findet jedesmal auch die Beschlagnahme statt. Von der Absatzbeschränkung bleibt unberührt der Absatz in Kleinhandelsniederlassungen und auf öffentlichen Märkten. Für den Verkehr zu benachbarten öffentlichen Märkten und Kleinhandelsniederlassungen wird die Beförderungsgenehmigung nach Bedarf widerruflich für unbestimmte Zeit und für unbestimmte Mengen durch das Lebensmittelamt erteilt. Nach dieser neuen Regelung müßte demnach der Marktverkehr in Bonn durch die Gemüsebauern aus dem Stadtkreise und auch aus den anliegenden Orten des Landkreises aufs beste beschickt werden, und es steht zu erwarten, daß endlich einmal wieder Verhältnisse geschaffen werden, wie sie vor dem Kriege üblich waren. Das Lebensmittelamt wird die Durchführung der Verordnung in rücksichtslosester Weise verfolgen, um endlich einmal die unhaltbaren Zustände im Gemüsewucher zu beseitigen. Im übrigen ist die Gemüseernte in diesem Jahre gut, und es steht zu erwarten, daß wir nicht wieder so große Schwierigkeiten wie im vergangenen Jahre durchzumachen brauchen.
Um den Mißständen, die sich im vergangenen Jahre bei dem frühzeitigen Herausmachen von Frühkartoffeln ergaben, entgegenzutreten, wird in diesem Jahre voraussichtlich durch den kommandierenden General und den Gouverneur ein Ausmacheverbot erlassen werden. Auch wird voraussichtlich vor dem 1. Juli noch ein Höchstpreis für Frühkartoffeln festgelegt werden. Im übrigen ist das Lebensmittelamt mit alten Kartoffeln noch gut versehen, so daß auch in diesem Jahre die schnelle Ernte der Frühkartoffeln nicht so herbeigesehnt wird, wie es im vergangenen Jahre der Fall war. […]
Die Abgabe von Herrenanzügen geht zunächst noch recht spärlich vor sich. Es kann jedoch jedem besseren Haushalt nur dringend empfohlen werden, baldmöglichst wenigstens einen Herrenanzug gegen Abgabebescheinigung in der Altkleiderstelle abzuliefern. Das städtische Bekleidungsamt legt gar keinen Wert darauf, daß diese Abgabe unentgeltlich erfolgt. Im Gegenteil, es ist Anordnung getroffen, daß die Preise für die Abgabe alter Sachen durchaus angemessen sind und weit über das Maß hinausgehen, was man zu Friedenszeiten zahlte. Wer jedoch glaubt, auf die unentgeltliche Abgabe seines Anzuges Wert legen zu müssen, der lasse sich bei der Altkleiderstelle den Betrag auszahlen und liefere ihn bei der Arndt-Eiche wieder ab. Dann tut er für die Witwen und Waisen von Bonner Kriegern das beste Werk. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Aenderungen im Signaldienst bei Luftgefahr. Die Einrichtungen für den Signaldienst bei Luftgefahr sollen hier in Bonn in einigen Punkten verändert und verbessert werden. Eine unmittelbare Fernleitung von der Flakgruppe in Troisdorf nach dem Polizeiamt soll den Nachrichtendienst beschleunigen. An Stelle des Kirchengeläutes, der Dampfpfeifen und der Hornistensignale werden Signalbomben verwandt werden, und durch eine weitere dritte Sirene soll die Warnung lauter gestaltet werden. Die drei Sirenen werden dann voraussichtlich auf der Elisabethkirche, auf der Stiftskirche und auf der Marienkirche Aufstellung finden, die Signalbomben werden von den Kasernen in der Ermekeilstraße und in der Rheindorfer Straße von der Polizeiwache abgeschossen werden. Diese Einrichtungen kosten rund 10.000 Mark. Es soll angestrebt werden, alle Aufwendungen für den Signaldienst bei Fliegergefahr vom Reich oder Staat ersetzt zu erhalten.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Schließung zweier Mühlen. Auf Grund der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1917 ist die Schließung der Mühlen von Peter Land Bonn, Am Burggraben 38, und Salm und Hupperich, Bonn, Bonner Straße 18 vom 1. Juni 1918 bis auf weiteres angeordnet worden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“
Donnerstag, 30. Mai 1918
Wegen des katholischen Feiertages Fronleichnam erschien an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.
Fliegeralarm. Gestern vormittag 11½ Uhr wurde der Festungsbezirk Köln alarmiert, weil die Annäherung feindlicher Flieger gemeldet worden war. Ein Angriff ist nicht erfolgt.
Ueber deutsche Bauernansiedlungen und Kriegerheimstätte im Baltenlande sprach Dienstag abend Pfarrer Strauß in der Deutschen Vaterlandspartei. […] Im Baltenlande – auch Livland, Estland und Litauen kommen für die Ansiedlung in Betracht – ist Boden genug vorhanden, um mehrere Millionen deutscher Bauern ausreichend damit versehen zu können. […] So will das Baltenland seinen deutschen Befreiern seinen Dank abstatten. Etwas Großes bereitet sich vor: die Schaffung eines neuen deutschen Volksstammes, ein Werk also, das unser aller Teilnahme und Hilfe verdient. – Der Vortrag fand größte Aufmerksamkeit und am Schluß lebhaften Beifall. Der Vorsitzende, Geheimrat Litzmann, gedachte zu Beginn der Versammlung unserer im Westen kämpfenden Brüder, Söhne und Freunde mit den herzlichsten Wünschen und teilte zum Schluß mit, daß Großadmiral v. Tirpitz für den kommenden Herbst einen Vortrag in Bonn zugesagt habe.
16 Bauern vom Vorgebirge, die sich im vorigen Jahre beim Verkauf von grünen Bohnen, Johannisbeeren usw. mit den Höchstpreisen nicht begnügen konnten, wurden gestern von der hiesigen Strafkammer zu Geldstrafen von 150 bis 1240 Mark bestraft. Zwei andere wurden freigesprochen, mehrere weitere Fälle vertagt.
Bei dem Fliegeralarm wurde die Sitzung der Strafkammer sofort unterbrochen. Richter, Angeklagte, Zeugen und Zuhörer begaben sich in den bombensicheren Keller des Gerichtsgebäudes.
Das private Seifensieden ist schon seit längerer Zeit verboten. Die Behörden haben Veranlassung, das Verbot aufs neue in Erinnerung zu bringen. Fette und Oele, die im Haushalte nicht mehr zu verwenden sind, können auf dem Schlachthofe abgeliefert werden, sie werden von dort aus der zweckmäßigen Verwertung zugeführt.
Der Verkauf getragener Kleider im städtischen Bekleidungsamt wird nächsten Montag wieder eröffnet. In Betracht kommen nur Inhaber des Lebensmittelkarten A.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Freitag, 31. Mai 1918
Zur Theaterfrage! Am Freitag sollen die Stadtverordneten wieder ihre Zusage zu dem Theatervertrag mit Köln geben. Wir hoffen bestimmt, daß die Herren vor der Entschließung das Für und Wider genau prüfen. Weshalb spielt in Bonn jetzt nur ein Operettentheater? Gerade in dieser Kriegszeit, in der das Theater als Bildungsstätte auf das Volk wirken sollte und müßte. Alle andern Stadttheater spielen mit künstlerischem und finanziellem Erfolg. Und daß das Stadttheater in Bonn ein Bedürfnis ist, beweist der Sturm auf die Kasse; es war immer bald ausverkauft, zumal fast alle guten Plätze gepachtet waren – nur die letzte Reihe vom ersten Sperrsitz blieb frei. Es sollte aber allen Gelegenheit gegeben werden, gute Unterhaltung und Erbauung im Theater zu finden; denn ein Stadttheater muß Gemeingut sein, was es aber unter den Köln-Bonner Verhältnissen nicht ist und nicht sein kann. Die wenigen Vorstellungen für Rüstungsarbeiter usw. genügen nicht. Darum sollte bei den Entschließungen auch Rücksicht auf die Arbeiter genommen werden, die doch als Steuerzahler auch Teil haben an der Finanzierung des Theaters. Der Arbeiter kann unter den gegebenen Umständen die Vorstellungen, die schon um 6½ Uhr oder spätestens 7 Uhr beginnen, gar nicht besuchen, die lange Arbeitszeit hindert ihn daran. Warum kann nun Bonn, da doch die Stadt – wie aus den Ausführungen des Theaterausschusses hervorgeht, - das Theater finanziell sicher stellt, kein eigenes Theater haben? Wäre es nicht gut, wenn der Theaterkulturverband sich einmal mit der Bonner Theaterfrage beschäftigte? Ein an der Theaterfrage interessierter Arbeiter im Auftrage vieler.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Das Fronleichnamsfest ist in Bonn still verlaufen. Die Fliegergefahr ließ es rätlich erscheinen, auch hier den Umzug zu unterlassen. Die Gottesdienste waren stark besucht. Ueber die Feier in Köln berichtet die Kölner Volksztg. aus Köln, 30. Mai: Das Fronleichnamsfest wurde gestern abend und in der Frühe des heutigen Vormittags durch feierliches Glockengeläute eingeleitet; allerdings war das Feiergeläute nicht mehr von der Wucht und Kraft der vergangenen Jahre, da manche Kirchen infolge des Krieges ihre Glocken und dazu die schönsten und volltönendsten hergeben mußten. Auch die Fronleichnamsprozession, die sonst zu Ehren des eucharistischen Heilandes durch die Städte und Dörfer, durch Feld und Flur zieht, mußte in unserer Stadt und den Vororten unterbleiben. Statt dessen fand in den Kirchen feierlicher Gottesdienst statt, und in der hohen Domkirche hielt um 9.30 Uhr Kardinal und Erzbischoff von Hartmann ein feierliches Pontifikalamt unter Assistenz der Domkapitulare Blank, Düsterwald und Steffens. Im Chor wohnten demselben die Weihbischöfe Müller und Lausberg, die Domkapitulare und der Domklerus, sowie die Professoren und Alumnen des Priesterseminars bei, während Chorumgang, Mittelschiff usw. Tausende von Andächtigen sah. Unter des Domkapellmeisters Prof. Joh. Schultes Leitung sang der Domchor die Messe Panis angeliens von dem verstorbenen Domkapellmeister Koenen und die Hymne Vincenti Berbo von Prof. Schulte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Schulspeisung durch Gewährung von ½ Liter guter kräftiger Morgensuppe an jedes Kind soll nach den Herbstferien eingeführt werden. Der Preis beträgt wöchentlich 39 Pfg., die für Unbemittelte durch die Armenverwaltung bezahlt werden. Die erstmaligen Kosten betragen 20.000 Mk., die monatlichen Kosten 10.000 Mk.
Der Theatervertrag zwischen Bonn und Cöln soll auch für die Spielzeit 1918/19 erneuert werden. Die Vereinigten Cölner Stadt-Theater geben wöchentlich zwei Schauspielvorstellungen und nach Wahl der Stadt Bonn eine Anzahl Opernvorstellungen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)