Bonn 1914-1918
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Donnerstag, 16. Mai 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Mai 1918Bonner Lazarettzug. Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe hat dem Dr. med. Emil Tremmel, leitendem Arzt auf dem Vereinslazarettzug K. 1, aus Heidelberg, dem Kaufmann Arthur Miebach, Rechnungsführer auf dem Vereinslazarettzug K. 1, aus Honnef, dem Gerichtsreferendar Wilhelm Warler, Zugführer auf dem Vereinslazarettzug K. 1, aus Bonn, den Hauptlehrer Eduard Stumpf, Zugführer-Stellvertreter auf dem Vereinslazarettzug K. 1, aus Dieringhausen, seine Militär-Verdienstmedaille mit dem roten Kreuz verliehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Erdbeerpreise. In einer heutigen Bekanntmachung über die Richtpreise für Obst bei Abgabe durch die Erzeuger sind die Preise für Erdbeeren 1. Wahl auf 70 Pfg., für Walderdbeeren und Monatserdbeeren auf M. 1.20 das Pfund festgesetzt. Zu diesen Preisen sind die Erdbeeren erfahrungsgemäß nicht zu haben. Daß aber heute für Erdbeeren im Kleinhandel 20 bis 25 Mark das Pfund verlangt und auch bezahlt werden, ist jedenfalls starker Tobak.

Im Weinrausch. Ein 22jähriger Kaufmann von hier, der im Feldzug den linken Arm verloren und 8 Monate in russischer Gefangenschaft geschmachtet hat, hatte am Abend des Ostermontags nach einer Weinkneiperei auf dem Heimweg gelärmt und sich dem Polizeibeamten gegenüber nicht ausweisen können, da er keine Militärpapiere bei sich hatte. Seiner Abführung setzte der Kaufmann Widerstand entgegen und gab einen Revolverschuß ab. Das Kriegsgericht in Köln verurteilte ihn wegen Widerstandsleistung und verbotenen Waffentragens zu 3 Monaten Gefängnis, wobei die für das Vaterland getragenen Leiden strafmildernd berücksichtigt wurden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Mai 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Mai 1918Rückführung Gefallener. Wider Erwarten wird es sich erfreulicherweise ermöglichen lassen, den Wünschen der Angehörigen unsrer gefallenen Helden zu entsprechen und die Rückführung Gefallener vom westlichen Kriegsschauplatz, soweit es die Betriebslage und die Kampfverhältnisse zulassen, widerruflich bis 31. Mai 1918 zu gestatten. Etwaige Rückführungsanträge mit den erforderlichen Angaben sind deshalb schnellstens bei dem stellvertretenden Generalkommando einzureichen. Im allgemeinen werden allerdings Rückführungen aus den vordern Kampfgebieten leider nicht möglich sein. Ueberführungen aus dem Osten, Oesterreich-Ungarn und dem Balkan können nach wie vor nicht gestattet werden.

Städtischer Verkauf. Zu Freud und Dank vieler Bonner Hausfrauen ließ die Stadtverwaltung gestern in großen Mengen frischen Rhabarber das Pfund zu 22 Pfg. zum Verkauf bringen. Da von den Produzenten und Händlern Rhabarber im freien Verkehr nicht zum Höchstpreis abgegeben wird, war der Andrang zum städtischen Verkauf natürlich sehr stark und der Verkauf des städtischen Rhabarbers wickelte sich sehr flott ab. Eine öftere Wiederholung dieses Rezepts im Falle des Versagens des „freien Handels“ wäre erwünscht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Mai 1918Die Obstblüte ist beendet. War der Verlauf derselben anfänglich nicht gerade ein günstiges zu nennen, da Regen und Nachtfröste in dieser Zeit als recht ungebetene Gäste sich einstellten, so war der Schluß der Blütenperiode ein solcher, wie man sich ihn nicht besser wünschen konnte, wo hellster Sonnenschein mit sommerlicher Wärme, die auch des Nachts nicht viel sank, bis zuletzt anhielt. Mit einiger Sorge ging daher der Obstzüchter an die frühen und mittleren Obstsorten heran, wo jetzt die Fruchtansätze unverkennbar wahrzunehmen sind. Man hat aber zu schwarz gesehen. Die Befruchtung ist in größerem Maße vor sich gegangen, wie man erwartet hatte. Die Aprikosen haben gut angesetzt, Pfirsiche dagegen scheinen mehr vom Froste gelitten zu haben. Hier ist der Fruchtansatz gering. Kirschen scheinen durchweg eine mittlere Ernte zu liefern, an einigen Standorten ist der Ansatz allerdings geringer. Birnen sind im Verhältnis zu den wenigen Blüten auch ziemlich vorhanden. Am günstigsten scheint aber die Beerenernte zu werden. Stachelbeeren und Johannisbeeren hängen mit wenigen Ausnahmen sehr voll. Pflaumen werden je nach Sorte und Standorte eine geringe bis gute Mittelernte ergeben. Nordkirschen sind sehr gut behangen. Bei den Aepfeln ist der Fruchtansatz noch nicht mit Gewißheit erkennbar, es ist aber bei dem günstigen Verlaufe der Blütezeit und dem kolossalen Blütenreichtum ein recht günstiges Resultat zu erhoffen. Die Erdbeeren blühen augenblicklich reichlich und lassen auf ein reiches Erdbeerjahr schließen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 17. Mai 1918

 

Arndt-Eiche in Eisen. Am vergangenen Sonntag nagelte der Naturheil-Verein Bonn eine Adlerfeder. Der Verein hatte gleich bei Ausbruch des Krieges und auch später größere Aufwendungen für unsere Krieger gemacht und ihnen vielfach Sendungen, Kleidungsstücke und Lebensmittel zugewandt. Da dies zurzeit mit Schwierigkeiten verknüpft ist, glaubte der Verein seinem vaterländischen Empfinden dadurch Ausdruck zu verleihen, daß er einen größeren Betrag für die Witwen und Waisen von Bonner Kriegern stiftete und eine Adlerfeder an der Arndt-Eiche nagelte. Bei der Feder hielt der erste Vorsitzende des Vereins, Herr Josef Vögeli, eine der Bedeutung der Nagelung entsprechende Ansprache.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 17. Mai 1918Kürzung der Brotration. Das Kriegsernährungsamt teilt amtlich mit: Die Entwicklung der Getreidezufuhren aus der Ukraine gestattet es leider nicht, unsere Brotgetreideversorgung in den letzten Monaten des Erntejahres auf diese unsicheren, im voraus nicht genau zu übersehenden Einkünfte zu gründen. Wir sind daher, wenn wir sicher gehen wollen, für den Rest des Wirtschaftsjahres in der Hauptsache auf die Deckung aus deutschem Inlandsvorrat angewiesen. Die zur Verfügung stehenden knappen Vorräte machen eine Einschränkung des Verbrauchs notwendig. Demgemäß hat das Kuratorium der Reichsgetreidestelle in seiner Sitzung am 11. d. M. unter Zustimmung des Direktoriums mit Wirkung vom 16. Juni d. J. an folgendes beschlossen: Die tägliche Mehlmenge wird für die Versorgungsberechtigten von 200 auf 160 Gramm herabgesetzt. […] Die Wiederherstellung der alten Ration wird erfolgen, sobald genügend Zufuhren aus der Ukraine in den Händen der Reichsgetreidestelle sind, spätestens aber, wenn der Frühdrusch aus der heimischen Ernte 1918 die Bestände der Reichsgetreidestelle aufgefüllt hat. Für den Ausfall an Mehl wie im vergangenen Jahre Ersatz in Fleisch zu geben, ist diesmal ausgeschlossen. Nach der starken Verringerung unserer Schweinebestände bewirkt die jetzige Fleischration bereits einen derart erheblichen Eingriff in unsern Rindviehstapel, daß eine weitere Inanspruchnahme die Milch- und Fettversorgung aufs schwerste gefährden würde. Ein Ersatz wird jedoch durch reichlichere Ausgabe von Zucker gewährt werden, ebenso wird die Verteilung von Nährmitteln in den Wochen der Brotkürzung eine Verstärkung erfahren.

Wildgemüse-Ausstellung. Herr Prof. Küster schreibt uns: „Ihre Mitteilungen über meine Wildgemüsedemonstration sind mehrfach mißverstanden worden und werfen auf das Interesse unserer Mitbürger ein unverdient ungünstiges Licht. Meine Veranstaltungen waren im ganzen von mehr als 150 Personen besucht, so daß ich drei Mal meine Erklärungen vorzutragen hatte.“ (Unser Vertreter war von 3 – 4½ Uhr in der Ausstellung zugegen und hat seine Feststellungen in gewissenhafter und der Sache wohlwollender Weise gemacht. Der stärkere Besuch hat sich wahrscheinlich nach dieser Zeit noch eingestellt. Zur Sache selbst möchten wir noch bemerken, daß wir bei den trefflichen Darlegungen des Herrn Prof. Küster Angaben darüber vermißten, wieviel Zeit eine Hausfrau aufwenden muß, um für eine vielleicht fünfköpfige Famiilie die nötige Menge Wildgemüse für eine Mahlzeit zusammenzutragen.)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Ein Lebensmitteldezernent angeklagt und freigesprochen. Die Strafkammer in Bonn hatte am Mittwoch den beachtenswerten Fall zu entscheiden, ob ein Bürgermeister, der für die Stadtgemeinde, um überhaupt Gemüse zu erhalten, die Höchstpreise überschreitet, sich strafbar macht. Sie sprach den Nahrungsmittel-Dezernenten von Rheydt frei, indem sie sich den Ausführungen der Verteidigung anschloß, daß der betreffende Beigeordnete alle Mittel erschöpft hatte, um dem Notstand des Gemüsemangels zu begegnen; um Unruhen zu verhüten, habe er dann aus zwingender Notlage zu jedem Preise Gemüse am Vorgebirge eingekauft. Das Gericht führte aus, es liege hier ein Pflichten-Widerstreit vor, und wenn aus dieser Erwägung heraus der Leiter einer Kommunalbehörde so handele, so handele er pflichtmäßig und nicht rechtswidrig. Daher sei der Angeklagte aus subjektiven Gründen freizusprechen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 18. Mai 1918

    

Für die Ludendorff-Spende wird im ganzen Deutschen Reiche vom 1. bis 7. Juni eine Opferwoche mit Straßensammlungen am 1. und 2. Juni abgehalten werden.

An den beiden Pfingsttagen hält die überwiegende Mehrheit der Bonner Verkaufsgeschäfte vollständig geschlossen.

Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Bonn veranstaltet in der Halle an der Quantiusstraße einen Lehrgang zur Ausbildung in erster Hilfeleistung und als Krankenträger, und zwar vom Ende dieses Monats ab vier Wochen hindurch jeden Dienstag- und Freitagabend. […] Anmeldungen sind schriftlich an den Vorsitzenden, Rechtsanwalt Felix Joseph Klein (Mülheimerstr. 3), zu richten oder am Eröffnungsabend anzubringen und erfolgen hoffentlich recht zahlreich.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Mai 1918Vaterländische Vereinigung deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegsteilnehmer (Sitz Bonn). Unter reger Beteiligung fand gestern Abend im Gasthof „Preußischer Hof“ die Gründungsversammlung der „Vaterländischen Vereinigung deutscher Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer (Sitz Bonn)“ statt. Die Vereinigung bezweckt die berechtigten Forderungen der Kriegsbeschädigten zu wahren und unter ständigem praktischen Zusammenarbeiten mit Staats- und Kommunalbehörden die Lage der Kriegsbeschädigten zu bessern. Da weite Kreise den Bestrebungen der Vereinigung reges Interesse entgegenbringen, ist zu erwarten, daß sie große Zukunft haben wird.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Ein, wenn auch geringer Trost. Die Direktion des städtischen Gaswerks schreibt uns: In letzter Zeit sind von verschiedenen Seiten Klagen laut geworden, daß bei der im Verhältnis zu früher geringeren Heizkraft des Gases mit der zugebilligten Gasmenge nicht auszukommen sei, und daß infolgedessen das für Mehrverbrauch erhobene Aufgeld als besonders drückend empfunden würde. Die gegen früher verminderte Heizkraft des Gases ist eine überall auftretende Erscheinung, die sich leider während des Krieges nicht beseitigen lassen wird, weil die Beschaffenheit der gelieferten Kohlen minderwertig ist. Die geringere Heizkraft des Gases ist bei der Festsetzung des zulässigen Gasverbrauches entsprechend den damaligen Verhältnissen auch bereits berücksichtigt worden. Die Stadtverwaltung ist aber neuerdings wegen Erhöhung des zulässigen Gasverbrauches beim zuständigen Reichskommissar in Berlin vorstellig geworden, und es ist zu hoffen, daß eine kleine Erleichterung eintreten wird, wenn auch mit Rücksicht auf die weiter bestehenden Schwierigkeiten der Kohlenversorgung keine allzu hohen Erwartungen auf wesentliche Aenderung der jetzigen Verhältnisse gesetzt werden dürfen.

Die Herabsetzung der Brotration von 200 Gr. auf 160 Gramm, die, wie an anderer Stelle dieser Nummer gemeldet wird, von dem Kriegsernährungsamt beschlossen worden ist, wird voraussichtlich auf unsere Brotversorgung in Bonn keinen Einfluß ausüben. Die weise Vorsorge unseres Lebensmittelamtes hat für die nötigen Rücklagen gesorgt, die, wie wir vor einem halben Jahre mitteilten, für den jetzt eintretenden Fall begonnen wurden. Wir werden also weiter 4 Pfund Brot die Woche erhalten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Sonntag, 19. Mai 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Mai 1918Fliegerangriff auf Köln. Gestern vormittag kurz nach 10 Uhr wurde die Stadt Köln von mehreren feindlichen Fliegern angegriffen. Die Flugabwehr trat in Tätigkeit. Die abgeworfenen Bomben richteten unerheblichen Gebäudeschaden an. Leider sind einige Opfer unter der Bevölkerung zu beklagen.
   Ferner wird amtlich aus Köln gemeldet: Die feindlichen Flieger, die in einer Stärke von sechs Flugzeugen 23 Bomben auf Köln abwarfen, hatten es, wie schon aus der Oertlichkeit der Einschlagstellen der Bomben ersichtlich, die fast sämtlich auf die verkehrsreichsten Stellen der inneren Stadt fielen, lediglich auf die Bevölkerung abgesehen. […] Die beklagenswerte hohe Zahl der Menschenopfer von 25 Toten und 47 Verletzten ist darauf zurückzuführen, daß trotz rechtzeitiger Alarmierung der Stadt durch die verantwortlichen Dienststellen die so oft wiederholten Bestimmungen über das Verhalten bei Fliegerangriffen vielfach so gut wie unbeachtet blieben. Es sei nochmals nachdrücklich auf die Notwendigkeit strikter Befolgung dieser Bestimmungen hingewiesen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Mai 1918Kriegspfingsten am Rhein. Die gesegneten Fluren unserer rheinischen Heimat atmen echten Pfingstgeist. Die Fruchtansätze in den reichen Obstkulturen des Vorgebirges und Bonn aufwärts zeigen sich ebenso verheißungsvoll wie das der Mutter Erde entsprießende Korn, das uns nach seinem herrlichen Stande eine frühe und gute Ernte verspricht. Dankbarer denn je müssen wir uns im Herzen fühlen, wenn wir jetzt um Pfingsten hinauswandern und das Auge die friedliche Entwicklung auf Aeckern, Wiesen und in den Gärten in sich aufnehmen kann. Dieses wunderbare farbenwarme Bild der rheinischen Landschaft würde das Auge nicht erquicken und die Sinne nicht mit frohen Hoffnungen auf die Zeit der Erfüllung eines erntegesegneten Herbstes beglücken können, wenn nicht der unerschütterliche starke Wille und der geniale Geist unserer siegessicheren Feldherren in Gemeinschaft mit unsern todesmutigen Heeren uns die Feinde jenseits der Grenzen unserer geliebten Heimat gehalten hätte. […]
   Wenn wir unsern alten Hofgarten mit seinen in vollem Kerzenschmuck prangenden Kastanienbäumen und den riesigen Platanen durchwandern und uns dieser altehrwürdigen Naturdenkmäler freuen, die uns aus längst entschwundener kurfürstlicher Zeit überkommen sind, so sind es die ordengeschmückten Verwundeten aus dem Felde, die dort Erholung suchen, welche uns den Ernst des Schlachtenringens näher rücken, und wenn wir hinaufwandern zum Venusberg, zum Hohenzollernwald, der jetzt von manch wanderfroher Gruppe mit Singsang und Saitenzupfen auf der buntbebänderten Laute durchkreuzt wird, begegnen uns gar häufig militärische Kolonnen junger Vaterlandsverteidiger, die vom Uebungsplatz kommen und mit Gesang kecker, frischer Soldatenlieder oder mit klingendem Spiel von Trommeln und Pfeifen den Berg hinabmarschieren. Nähert man sich dem Plateau, so tönen militärische Signale ans Ohr, um auch so dem stillen Wanderer kund zu tun, daß auch da oben in den lenzesfrohen Waldungen Mars die Stunde regiert.
   Und suchen wir in der wanderfrohen Pfingstzeit unsere alten schönen Rheinorte auf, so werden wir auch in der Verpflegungsfrage daran erinnert, daß wir ein Kriegspfingsten feiern. Zwar wird unsern Wirten von solchen, die es wissen wollen, nachgesagt, daß sie schon lange vor dem Feste ihre Fleischtöpfe heimlich reich gefüllt hätten, daß sie ihre „Beziehungen“ – auch Wirte sollen solche haben – benutzt hätten, um ihren Gästen eine möglichst gute Tafel bieten zu können. Sicher ist hierbei manchmal trotz unserer trefflichen Verordnungen der Höchstpreis überschritten worden und die Zahlen auf den Speisekarten werden es den Pfingstausflüglern zu wissen tun, daß man sich zu einer Kriegspfingstfahrt nicht nur Fleischmarken, sondern auch Reichsmarken in achtbarer Menge einstecken muß.
   Die Vorsichtigen und Sparsamen werden jedenfalls gut tun, sich für ihre Wanderfahrten auf Rucksackverpflegung einzurichten, zumal sie auch dann hier und da die Möglichkeit haben – nicht mit ganz leerem Rucksack wieder heimzukehren. Da unsere Staatseisenbahn im Nahverkehr da, wo elektrische Bahnen verkehren, zum Pfingstfest keine Fahrkarten ausgibt, werden wir voraussichtlich auf unsern links- und rechtsrheinischen Straßenbahnen wie auch auf den Rheindampfern, an den Festtagen einen ungewöhnlich großen Personenverkehr zu erwarten haben.
   Mögen alle die, die zum Feste unsere im Lenzesschmuck prangende Gartenstadt und ihre reizvollen Umgebung aufsuchen, Freude und Erholung finden, um erneute Spannkraft und innere Festigkeit für die Bürden zu gewinnen, die der Krieg in seinen vielfältigen Folgewirkungen uns allen bis zum siegreichen Ende noch auferlegen wird.

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Mai 1918Die Kohlenversorgung der Bonner Bürgerschaft.
   Die Ortskohlenstelle macht uns folgende Angaben:
Brikettbezug im Landabsatz.
Von der Möglichkeit Briketts im Landabsatz, d. i. durch Fuhren von den Brikettwerken zu beziehen, wird in letzter Zeit vermehrter Gebrauch gemacht. Es ist das dringend erwünscht und wiederholt sei die Bürgerschaft darauf hingewiesen, weitgehendst ihren Bedarf an Briketts für den Winter jetzt schon im Wege des Landabsatzes einzudecken. Außer hiesigen Fuhrwerksbesitzern haben sich auch zahlreiche auswärtige zur Heranschaffung von Briketts mittels Fuhren angeboten. Die Ortskohlenstelle ist auf Wunsch bereit, Fuhrwerkbesitzer nachzuweisen. […]
Holzversorgung.
Die Ortskohlenstelle beabsichtigt, um der für den nächsten Winter im Falle der Fortdauer des Krieges drohenden Brennstoffnot [entgegen] zu steuern, Brennholz zu beschaffen. Damit ein Bild gewonnen werden kann, in welchem Umfange Holz zu beschaffen ist, erläßt die Ortskohlenstelle in der heutigen Nummer die Aufforderung zur Bestellung.
   Nur derjenige kann darauf rechnen, durch Vermittlung der Stadt Holz zu erhalten, der rechtzeitig die Bestellung abgegeben hat. Der Preis des durch Vermittlung der Stadt zu beziehenden Holzes wird dem ungefähren Selbstkostenpreis entsprechen. Die Lieferung wird möglichst im Laufe des Sommers erfolgen. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Mai 1918Eine Vaterländische Vereinigung der deutschen Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer für Bonn und Umgegend wurde gestern abend in einer Versammlung im Preußischen Hofe gegründet. Zwei anwesende Kriegsbeschädigten sprachen über dne Zweck der neuen Gründung und hielten ihm denjenigen des Reichsbundes deutscher Kriegsbeschädigten entgegen. […] Die Vereinigung bezweckt, die Liebe und Treue zu Kaiser und Reich bei seinen Mitgliedern zu pflegen, zu betätigen und zu stärken, sowie die Anhänglichkeit an Kriegs- und Soldatenzeit im Sinne soldatischer Treue und nationaler Gesinnung aufrecht zu erhalten, ferner unter ständigem, praktischem Zusammenarbeiten mit staatlichen und kommunalen Behörden die materielle Sicherstellung des Kriegsbeschädigten im späteren Leben zu erreichen, den Kriegsbeschädigten zu helfen, durch materielle Unterstützung, Anträge an staatliche und Gemeindebehörden, Arbeitgeber, Anteilnahme an der öffentlichen Fürsorge für die Hinterbliebenen durch Ratschläge usw., die Feier vaterländischer Gedenktage, gestorbene Mitglieder mit militärischen Gebräuchen zur Gruft zu begleiten, die Gewährung von Beihilfen zu Beerdigungskosten […]

Spargelernte. Aus Alfter wird uns geschrieben: „Die letzten heißen Tage sind sehr von Vorteil für die Spargelernte gewesen. […] Mit dem Ergebnis der diesjährigen Spargelernte kann man wohl zufrieden sein.“ (Auf dem Bonner Wochenmarkte konnte man in diesem Jahre von der guten Alfterer Spargelernte bis jetzt nichts bemerken. Die Red.)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 20. Mai 1918

       

Am Pfingstmontag erschienen in Bonn keine Zeitungen.

Dienstag, 21. Mai 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Mai 1918Das Pfingstfest hat die Wetterwünsche der erholungs- und ausflugsbedürftigen Städter auf das beste erfüllt. Am hellen Tage lachte die Maiensonne in voller Pracht. Das herrliche Wetter lockte denn auch trotz Beförderungs- und anderen Kriegsschwierigkeiten die Massen der städtischen Bevölkerung ins Freie, um in Flur und Wald die Frühlingswunder der Natur zu genießen und sich an ihnen für die Anstrengungen des Alltags neu zu kräftigen. Die Staatsbahn hatte sich durch einschränkende Bestimmungen einen großen Teil des Ausflugsverkehrs ferngehalten, dennoch waren die Züge fast sämtlich überfüllt. Ganz besonders aber waren die elektrischen Bahnen und die Schiffe in Anspruch genommen. Die Rheinuferbahn hat wohl nie so starken Verkehr zu bewältigen gehabt, wie an diesen beiden Pfingsttagen, unsere Siebengebirgsbahn war in den Stunden des stärksten Andranges ganz beängstigend vollgepfropft mit Menschen, und auch die Godesberger Bahn hatte Mühe, den Andrang zu bewältigen. Für die Schiffe der Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrt wurden an den beiden Feiertagen allein 15.000 Fahrscheine ausgegeben, eine Zahl, die bisher an keinem Pfingstfest erreicht worden ist. Auch die Niederländer Dampfer wurden stark benutzt.

Korkholz und Korkabfälle. Am 18. Mai ist eine Nachtragsbekanntmachung zu der Bekanntmachung vom 25. September 1917 über die Beschlagnahme und Bestandserhebung von Korkholz, Korkabfällen und daraus hergestellten Halb- und Fertigerzeugnissen erschienen. Gleichzeitig ist auch eine Nachtragsbekanntmachung zu der Bekanntmachung vom 25. September 1917 über Höchstpreise für Korkabfälle und Korkerzeugnisse erschienen, durch die die Höchstpreise für eine größere Anzahl von Korkabfällen und Korkerzeugnissen erhöht worden sind.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Mai 1918Kriegspfingsten am Rhein. [...] Daß wir ein Kriegspfingsten gefeiert haben, das wurde uns recht deutlich dadurch kund, daß wir am Pfingstsamstag einen schweren Fliegerangriff auf unsere Nachbarstadt Köln erlebten, der leider zahlreiche Opfer gefordert hat, und der Pfingstsonntag uns in Bonn um 10 Uhr vormittags, als die Stadt bereits von Fremden und Einheimischen stark bevölkert war, einen Fliegeralarm bescherte, der eine halbe Stunde lang andauerte und zeitweilig die Pfingstfreude erheblich beeinträchtigte. Glücklicherweise sind jedoch keine feindlichen Flieger über Bonn erschienen. Daß ein Teil der Bürgerschaft die Vorschriften, die für den Fall eines Fliegersangriffes ergangen sind, nicht beachtete und über die Frage, ob die Kirchenbesucher bei Fliegeralarm in der Kirche verbleiben oder die Kirche verlassen sollen, offenbar noch Unklarheit herrscht, sei nebenbei notiert. Verlohnen dürfte es sich, nach dem Vorbild von Koblenz in den einzelnen Straßen an solchen Häusern, die festgebaute Keller haben, Schilder anzubringen, durch welche die Vorübergehenden auf die Unterkunftsmöglichkeit in solchen Kellern im Falle von Fliegergefahr aufmerksam gemacht werden. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Bonner Volksspende. Die Bonner Volksspende erzielte bis zum 1. Mai d. J. ein Gesamtergebnis von rund 500.000 Mk. Das ist gewiß eine ansehnliche Summe, und die Bonner Bürgerschaft kann mit Recht stolz sein auf die von ihr bisher bewiesene Opferfreudigkeit. Arm und reich, jung und alt haben dadurch beigetragen, der Bonner Kriegswohlfahrtspflege die von ihr so dringend benötigten Mittel zuzuführen.
  
Die aus den Sammlungen der Volksspende zu leistenden Aufgaben der Bonner Kriegswohlfahrtspflege sind aber auch vielseitig und bedürfen daher großer Mittel.
  Da ist zunächst zu nennen die Verband- und Krankenerfrischungsstelle „Prinzessin Viktoria“ in Lille, die mit ihrer überaus segensreichen Tätigkeit bis jetzt schon über 4½ Millionen Soldaten verpflegt und mit Liebensgaben aller Art bedacht hat. Ihr Wirken hat sich bei den letzten großen Angriffen gegen die englische Front bei Arras, Cambrai und St. Quentin wieder hervorragend bewährt, was von militärischer Seite wiederholt rühmend anerkannt wurde. So wurden z. B. an einzelnen Tagen rund 20.000 Soldaten verpflegt. In der Zeit vom 21. März bis einschließlich 29 April d. J. wurden zusammen 172.000 Soldaten verpflegt.
   Dann kommt das Vereinslazarett „Prinzessin Viktoria“ in der Luisenstraße, die Beschäftigung arbeitsloser Frauen in den von den Vaterländischen Vereinigungen unterstützten Arbeitsstätten, die Liebesgaben für die Truppen zu Weihnachten und bei anderen Gelegenheiten, die gesellschaftliche Unterhaltung der Verwundeten in den hiesigen Lazaretten, die Ausrüstung und Unterstützung der Beförderungs-Einrichtungen bei der Ankunft der Verwundeten, die Weihnachtsbescherung der Verwundeten, die Weihnachtsbescherung der bedürften Angehörigen und Kinder unserer braven Truppen, Beihilfen für Lazarettzüge, die Beihilfen für die Kriegsbeschädigtenfürsorge, die Unterstützung der Gefangenen in Feindesland und die Ausbildung und Weiterbildung der Schwestern.
   Außer den genannten Ausgaben muß die Volksspende noch eine neue übernehmen. Es gilt die größte Not unserer aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Brüder zu lindern. Auch hierbei soll die Volksspende helfend eingreifen.
   Daß diese Einrichtungen große Summen erfordern, ist selbstverständlich. Mit den ständig wachsenden Pflichten wachsen aber auch die Ausgaben. Im Westen holt unser Hindenburg mit seinen Feldgrauen zum letzten Schlage aus. Große Siege sind bereits errungen, aber schwere Kämpfe stehen noch bevor, sodaß die Ansprüche an unser tapferes Heer und unsere Flotte noch größer werden. Wir daheim wollen uns unserer Helden würdig und dankbar zeigen. [...]
  
Die Bonner Volksspende muß aber weiter wirken und sammeln, denn noch tobt ein gewaltiger Entscheidungskampf. Sie wendet sich daher an ihre sämtlichen Mitglieder mit der dringenden und herzlichen Bitte, sie auch fernerhin nach Kräften zu unterstützen, bis der furchtbare Krieg ein Ende gefunden hat. [...]
  
Jeder gebe nach seinen Kräften und werde jeder Mitglied der Bonner Volksspende.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Mittwoch, 22. Mai 1918

     

70 Gramm Butter werden diese Woche für jeden Einwohner abgegeben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Mai 1918160er in Gefangenschaft. Aus unserem Leserkreise wurde uns eine photographische Aufnahme von gefangenen Deutschen aus der französischen Zeitschrift „L’Illustration“ zur Verfügung gestellt. Es sind auf diesem Bilde Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Infanterie-Regimenter 160 und 84 abgebildet. Durch diese Photographie konnte eine hiesige Familie einwandfrei ihren Sohn, einen Offizier des Infanterie-Regiments 160, als unverwundet erkennen, von dem sonst jede Nachricht fehlte. Das Bild trägt die Aufschrift: „Gruppe von Gefangenen, die am 18. April 1918 im Gehölz von Sénécat an der Front Montdidier – Amiens festgenommen wurden.“
   
Die Bildaufnahme ist einige Zeit im Schaufenster unseres Blattes ausgestellt. Vielleicht daß noch andere Bonner Familien Angehörige auf der Abbildung erkennen.

Zuteilung von Schuhwerk. In der heutigen Nummer unseres Blattes sind zwei Bekanntmachungen über Sonderzuteilung von neuem Berufsschuhwerk und die Zuteilung von neuem Schuhwerk für die Behörden, öffentlichen Anstalten usw. abgedruckt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Mai 1918Die Stadtverordneten-Vereinigung der Rheinischen Zentrumspartei hielt heute im Bonner Bürger-Verein eine Tagung ab. Herr Reichstagsabgeordneter Henry – Bonn begrüßte die Teilnehmer und als Vertreter der Stadt Bonn Herrn Beigeordneten Baurat Piehl, der die Grüße der Stadtverwaltung übermittelte, und dann einen Vortrag hielt über die Lebensmittelversorgung der Stadt Bonn. Er zeigte, wie in Bonn der Einkauf, die Bewirtschaftung, die Verteilung und der Verkauf der Lebensmittel organisiert sind. Von den sehr lehrreichen Ausführungen dürfte vielleicht das folgende statistische Material unsere Leser interessieren: Das Lebensmittelamt zählt 19 selbständige Abteilungen. Der Umsatz des letzten Jahres betrug 100 Millionen Mark, im Monat April allein 10 Millionen Mark. In der Lebensmittelklasse A sind zwei Sechstel der Einwohner, B drei Sechstel, C ein Sechstel. Hausstände sind 27.500 zu versorgen. Kartoffeln waren 100.000 Zentner eingemietet, 35.000 Zentner eingekellert. Die Stadt hat sich die Milchlieferung von 530 Kühen gesichert. Zum Schlusse behandelte Baurat Piehl Fragen der Lebensmittelversorgung für die Zeit der Uebergangswirtschaft. Die Ausführungen wurden, besonders von den auswärtigen Teilnehmern, mit größter Aufmerksamkeit entgegengenommen. Reichstagsabgeordneter Henry dankte dem Vortragenden und führte aus, ebenso großzügig und sachlich wie die Ausführungen des Herrn Baurat sei auch die Lebensmittelversorgung der Stadt Bonn durchgeführt. Das sei in erster Linie das Verdienst des Herrn Baurat Piehl, dem er dafür herzlichen Dank ausspreche. An den Vortrag schloß sich eine Besichtigung des Lebensmittelamtes, des Bekleidungsamtes, der Kriegsküche der Universität, der Kartoffellager und anderer Einrichtungen der Stadt Bonn an. Heute nachmittag findet eine geschlossene Versammlung statt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Donnerstag, 23. Mai 1918

   

Fliegeralarm. Gestern vormittag kurz nach 10 Uhr wurde, wie in Köln, auch in Bonn wieder alarmiert, weil nach den vorliegenden Meldungen feindliche Flieger sich Köln genähert hatten. Ein Angriff erfolgte nicht. Auch Köln ist nicht angegriffen worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Mai 1918Erneuter Fliegeralarm in Bonn.
Gestern vormittag ertönten kurz nach 10 Uhr abermals die Sirenen und militärischen Warnsignalen, um der Bürgerschaft Bonns anzukündigen, daß Luftgefahr bestehe. Ebenso wurde in Beuel, Troisdorf und auch in Köln die Bürgerschaft durch Warnsignale von der bestehenden Luftgefahr verständigt. Man konnte, soweit wir dies festzustellen vermochten, wahrnehmen, daß heute die Warnsignale innerhalb der Bürgerschaft mehr Beachtung fanden, als am Pfingstsonntag. Auf dem Markt hatten sich die Verkäuferinnen in die benachbarten Häuser geflüchtet und viele Bürger suchten die Keller auf, die immer als der beste Schutz vor Fliegerbomben zu betrachten sind. Auch wurde die Vorschrift mehr beachtet, bei Eintritt von Luftgefahr alle Fenster zu öffnen, damit nicht infolge Lufterschütterung Scheiben zerspringen und die Bewohner verletzen. Am Rhein wurde die Vorschrift, Deckung zu suchen, weniger beachtet. In den städtischen Badeanstalten wurde lustig weitergeschwommen und auf den Bänken der städtischen Anlagen am Rhein blieb mancher unbekümmert sitzen. Ebenso war, wie man uns berichtet, in verschiedenen Straßen der Stadt während der Warnsignale, die bis ½12 Uhr andauerten, noch ein bemerkenswerter Verkehr von Fußgängern und auch Wagen zu beobachten.
   Angriffe auf Köln und Bonn fanden gestern nicht statt.

Bomben-Sondervorträge in der Kriegs-Luftflotten-Ausstellung Köln – Riehlerhaus. Einem von vielen Seiten geäußerten Wunsche entsprechend werden in den täglich stattfindenden Demonstrationsvorträgen wertvolle Verhaltensmaßregeln für die Bevölkerung bei Bombenangriffen feindlicher Geschwader gegeben.

Die Beerdigung der Kölner Opfer.
Gestern vormittag wurden die Opfer des Fliegerangriffs in Köln in zwanzig Särgen in einem gemeinsamen Grab auf dem Südfriedhof beerdigt. Ein Kranz aus Tannengrün und frischen Blumen, dessen Schleifen die Inschrift trugen: „Auch Ihr starbt für das Vaterland. Die trauernde Stadt Köln.“ wurde an der Riesengruft niedergelegt. Die Trauerfeier wurde durch Fliegeralarm gestört. Nachdem die Luftgefahr vorüber war, erfolgten Ansprachen der Geistlichen und Oberbürgermeister Adenauer hielt eine ergreifende Ansprache an die Angehörigen der Feindesopfer, um die die ganze Stadt Köln wie eine große Familie trauere. Der Redner gedachte hierbei der herzlichen Anteilnahme des Kaisers, der durch seinen Geheimen Kabinettsrat seiner Trauer telegraphisch Ausdruck geben ließ und den Verwundeten baldige Genesung wünschte. Wie der Kaiser, fühle Kölns ganze Bürgerschaft. Der Eindruck der Trauerfeier war für alle Teilnehmer tief ergreifend.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Vom Lande schreibt man uns: Die heißen Tage haben den Roggen rasch zum Blühen gebracht. Ueberall hängen die langen Staubgefäße aus den vollkommen ausgebildeten und prächtigen Aehren heraus und in einigen Tagen gibt es dort ein Stäuben, das bei der gegenwärtigen Witterung zur besten Befruchtung der Aehren dienen wird. Der Roggen ist auch im Halme mächtig gewachsen und hat bereits eine Höhe von 1,80 bis 2.00 Meter erreicht. Die Landleute rechnen mit einem Beginn der diesjährigen Getreideernte in den ersten Tagen des Monats Juli.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 24. Mai 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Mai 1918Bischof Dr. Moog erläßt zur Ludendorff-Opferwoche vom 1. bis 7. Juni eine Bekanntmachung an die Geistlichen, wonach am 26. Mai und am 2. Juni von den Kanzeln eindringlich auf dieses große, vaterländische Werk hingewiesen werden soll. Es heißt darin, daß das Begrüßenswerteste an der von der Ludendorff-Spende gesetzten Aufgabe die beabsichtigte Zusammenfassung aller bisher in der Kriegsbeschädigtenfürsorge zerstreuten und zersplitterten Kräfte sei. Darin liege zugleich eine durchaus sichere Gewähr der zielgemäßen Verwendung der gesammelten Gaben. Es bedürfe nur der Nennung des Namens Ludendorff, um jeden Deutschen aufzumuntern, je nach Vermögen freudig seine Gabe auf den Altar des Vaterlandes zu legen.

Neues Operettentheater. Die dem Deutschen Bühnenverein angehörenden Mitgliedern, zu denen auch die Direktion Adalbert Steffter gehört, haben sich geeinigt, am 31. Mai und 1. Juni anläßlich der Ludendorff-Spende Festvorstellungen zu geben. Auch im Neuen Operettentheater wird die Werbetätigkeit mit allen Mitteln gefördert werden, um an diesen Tagen dem General v. Ludendorff, der die Bedeutung der Bühnen als Stimmungsträger des deutschen Volkes in diesem Kriege erkannte, den Dank abzustatten.

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Mai 1918Zum Schutze unserer Anlagen fordert der Oberbürgermeister die Bürgerschaft auf. In erster Linie sollen Zerstörungen, namentlich durch Jugendliche, verhütet, sonst die Uebeltäter der städtischen Verwaltung mitgeteilt werden, damit sie bestraft und zum Schadensersatz herangezogen werden können.

Die Messingschilder an den Postbriefkästen werden nun auch zu unserem Metallkriegsschatz abwandern. Bis zu ihrem endgültigen Verschwinden werden allerdings noch einige Monate vergehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Hyazinthen-Kaffee. Wie die „Chemiker-Zeitung für Holland“ meldet, schmeckt der aus Hyazinthenknollen bereitete Kaffee dem echten sehr ähnlich. In Hoogezand trafen zahlreiche Waggonladungen davon ein, die nach Verarbeitung in den Drogerien gemahlen werden und sodann als Kaffee-Ersatz Verwendung finden sollen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Mai 1918Kartoffeln mit schwarzen Stellen. Zurzeit zeigen die Kartoffeln vielfach schwarze Stellen. Dieser Fehler verliert sich bei der Zubereitung fast vollständig, wenn man die Kartoffeln am Tage vorher schält, sorgfältig wäscht, in kaltes Wasser stellt und dieses mehrfach wechselt. Am anderen Tage setzt man sie mit frischem Wasser auf und kocht sie wie gewöhnlich. Außerdem wird empfohlen, die Kartoffeln nach vorstehender Anweisung zum Kochen zu bringen, das Wasser abzuschütten und in frischem kochenden Wasser gar zu kochen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Bei Fliegergefahr ist zu empfehlen, den Hauptgaskranen im Keller, am Gasmesser, zu schließen, ebenso im Hause selbst. Es empfiehlt sic, jetzt die Kranen zu untersuchen, ob dieselben sich auch drehen lassen, denn oft sind die Kranen eingerostet und trotz aller Anstrengung und Schmieren mit Oel nicht zu bewegen.

Jetzt ist es Zeit! Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß gerade jetzt die Flugzeit des Kohlweißlings eingesetzt hat. Zu Millionen legen diese weißen und gelben Schmetterlinge die Eier. Wer seinen Garten und Feldgewächse lieb hat, der sollte sich jetzt daran machen, diese Schädlinge zu fangen. Besonders wäre das Sache der Jugend, allein man muß sie dafür auch aneifern. Darum Behörden, setzt Prämien aus! Der Nahrungsmittelversorgung wird dadurch guter Dienst getan.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 25. Mai 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Mai 1918Fliegeralarm während der Gottesdienste. Kardinal von Hartmann hat für die Stadt Köln angeordnet, daß während der Gottesdienste sämtliche Kirchentüren offen bleiben sollen. Wird während eines Gottesdienstes alarmiert, so soll der Geistliche von der Kanzel aus die Gläubigen möglichst beruhigen und auffordern, ohne Gedränge die Kirche zu verlassen, um in den benachbarten Häusern Schutz zu suchen, oder sich in die sicheren Plätze der Kirche selbst (Krypten, Turmhallen) zu begeben. Der Kardinal hat den Papst gebeten, sich bei unseren Feinden dahin zu verwenden, daß die Fronleichnamsprozession nicht durch Fliegerangriffe gestört wird.

In Bonn fällt in diesem Jahre die Fronleichnamsprozession aus, ebenso die für nächsten Sonntag anberaumte Prozession nach dem Kreuzberge.

Eine Wohnungszählung findet im Stadtkreise Bonn am Fronleichnamstage statt. Die Zählung erstreckt sich auf sämtliche bewohnte und leerstehende Wohnungen. Sie erfolgt durch Hauslisten. Die Hauslisten werden in den nächsten Tagen durch die Zähler zugestellt. Sie sind unter Beachtung der auf der Rückseite befindlichen Anleitung erschöpfend auszufüllen und von Freitag, 31. Mai, ab zum Abholen bereitzuhalten. Wo über die Ausfüllung Zweifel bestehen, sind die Zähler zur Auskunft bereit. Auch im Wohnungszählbureau Am Hof 1 (Eingang gegenüber der Buchhandlung Röhrscheid) wird Auskunft gegeben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

Die Ausfuhr von Heu aus dem Landkreise Bonn ist bis auf weiteres verboten.

Zwei russische Arbeiter hatten sich wegen Diebstahls vor dem Schöffengericht zu verantworten. Beide verstanden Deutsch. In ihrem Besitze waren Treibriemenstücke, bei dem einen auch Lederriemen und eine Militärpacktasche gefunden worden. Beide waren geständig und wurden wegen Diebstahls, der eine zu zwei Monaten und einer Woche Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden, der andere zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, wovon drei Wochen durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Deutsche Bauernansiedlungen und Kriegerheimstätten im Baltenlande! Eine der wichtigsten für unser zukünftiges Volksleben und unsere Volksernährung geradezu ausschlaggebenden Fragen ist die der inneren Kolonisation. Tausende und Abertausende unserer braven Brüder im Felde, noch mehr aber unserer im Feindesland für das Deutschtum kämpfenden Volksgenossen, harren auf Ansiedlung auf eigener Scholle bei Schluß des Krieges. Es sei daher auch an dieser Stelle nachdrücklich auf den am Dienstag abend 8 Uhr stattfindenden Vortrag des Herrn Pfarrer Strauß im Bonner Bürgerverein hingewiesen. Der Eintritt zu diesem Vortragsabend ist frei!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Sonntag, 26. Mai 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Mai 1918Die bürgerliche Kriegsbeschädigten-Fürsorge
soll in der Ludendorff-Spende ihre Verwirklichung finden. Ihr gilt ein Aufruf in der heutigen Nummer unserer Zeitung, der von einem Ausschuß aus Damen und Herren aller Kreise unserer Bevölkerung an alle Bürger und Bürgerinnen Bonns ergeht.
   Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist jetzt und später die Fürsorge für diejenigen Kriegsteilnehmer, die im Kampfe für das Vaterland und durch Verwundung oder Erkrankung Einbußen in ihrer Erwerbsfähigkeit erlitten haben. Aus ihren Berufsleben herausgerissen und durch Leiden und Verstümmelung gehemmt, finden sie aus eigener Kraft häufig nicht den Weg in das Erwerbsleben zurück. Nach bestem menschlichen Können wird die Heeresverwaltung den Verwundeten und Kranken, die fürs Vaterland gestritten und gelitten haben, eine Rente gewähren. Aber diese wird für sich allein selten dem Kriegsbeschädigten und seiner Familie ein sorgenfreies Leben ermöglichen.
   Die Kriegsbeschädigten wieder tunlichst in ihre frühere Berufsarbeit oder in eine neue passende Betätigung einzugliedern, wird die große Aufgabe der Kriegsbeschädigten-Fürsorge noch lange bleiben. [...]
   Bonn müßte nicht Bonn sein, wenn es nicht opferfreudig seinen blutenden Söhnen gäbe, was ihre Wunden von uns fordern. Es mag oft an unsere Tür in diesen schweren Jahren der Sammler angeklopft haben, niemals sind wir zu einer edleren Sache, niemals zur Erfüllung einer heiligeren Pflicht aufgerufen worden, als jetzt, da es gilt, Dank zu zollen unseren Blinden und Krüppeln, unseren Kranken und Siechen, die hinausgezogen jung und frisch und froh und tapfer, uns zu schützen vor Elend und Not, Obdachlosigkeit und Armut. Die Ludendorff-Spende soll ihnen sagen, wie tief wir ihnen danken, wie groß unsere Liebe zur heimatlichen Scholle ist, die wir ihnen zum glücklichen Hafen bereiten wollen.
   Dieser Dank ist Ehrensache eines jeden Deutschen, und Bonn wird sich auch hier würdig allen anderen Städten an die Seite zu stellen wissen!

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Mai 1918Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Mai 1918In den Rhein fiel gestern nachmittag beim Schänzchen ein siebenjähriger Jungen, der sich, wie es doch jetzt viele Kinder tun, mit entblößten Beinen im Wasser vergnügt hatte. Ein in der Nähe wohnender Herr sprang in den Fluß und holte schwimmend das schon bewusstlose Kind heraus. Mit einiger Mühe konnte der Junge dem Leben wiedergegeben werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Mai 1918Abgabe von Männer-Anzügen. Die steigenden Anforderungen für den Bedarf der Arbeiter in der Landwirtschaft und Rüstungsindustrie sowie in sonstigen kriegswichtigen Betrieben an Arbeitskleidung haben die Reichsbekleidungsstelle vor die Aufgabe gestellt, in kurzer Zeit drei Millionen Männer-Anzüge zu beschaffen. Ein Teil dieses Bedarfs ist beschafft.
  
Es fehlt indes noch rund eine Million Anzüge, die nur in der Weise aufgebracht werden können, daß sie aus den Beständen an Altkleidern der Bevölkerung entnommen würden.
   Dementsprechend ergeht nun auch seitens der Stadt Bonn in besondere Bekanntmachung die Aufforderung an die Bürgerschaft zur Abgabe von Oberbekleidung. Von dem vaterländischen Sinn der Bonner Bürgerschaft darf erwartet werden, daß die von dem Kommunalverband der Stadt Bonn aufzubringende Zahl der Kleidungsstücke durch die eingeleitete Sammlung freiwillig aufgebracht und so eine spätere zwangsweise Einforderung vermieden wird.

Ein Vogelnest im Schulzimmer. Ein Mitarbeiter berichtet uns: Ein Paar Rotschwänzchen hatte in den Schulsaal eines kleinen Ortes im Landkreise sein Nest gebaut auf dem Kranze, mit welchem die Kinder das Kaiserbild geschmückt hatten. An der Lücke einer zerbrochenen Fensterscheibe flogen die zutraulichen Vögel emsig ein und aus und ließen sich beim Nestbau und beim Ausbrüten der Eier durch die Anwesenheit der Kinder nicht stören. Jetzt sind fünf junge Vögelchen in dem Neste, denen die Alten rastlos Futter zutragen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz – Bonn veranstaltet an der Halle an der Quantiusstraße einen Lehrgang zur Ausbildung von Erster Hülfeleistung und als Krankenträger. Er beginnt Dienstag den 28. d. M., abends 8 Uhr, und wird während vier Wochen jeden Dienstag und Freitag Abend in praktischer Ausbildung von 8 – 9 Uhr und in theoretischer Ausbildung durch den Kolonnenarzt von 9 – 10 Uhr bestehen. Aktive Mitglieder sind zur Teilnahme verpflichtet. Nichtmitglieder zahlen im Voraus Mk. 3.-. Anmeldungen von Herren schriftlich an den Vorsitzenden Rechtsanwalt Felix Joseph Klein (Mühlheimer Straße 3) oder mündlich am Eröffnungsabend.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 27. Mai 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Mai 1918Blumen für unsere Verwundeten. Die schöne Blütenzeit der Rosen ist angebrochen, und die Freude daran ist wohl allgemein bei den Einwohnern und Gästen unserer gepriesenen Gartenstadt. Aber wer denkt dabei der unfreiwilligen Gäste, der vielen Verwundeten, denen diese Freude fast ganz versagt ist, so lange sie an ihr Lager gefesselt sind! Besonders die Schwerverwundeten sind so dankbar und empfänglich für Blumenspenden. Da wäre es in diesen Sammel- und Opferzeiten ein kleines, aber lohnenden „Opfer“, unsere tapferen Helden recht ausgiebig mit Rosen und anderen Blumen zu erfreuen.

Trauer ohne Trauerkleidung. Einen vorbildlichen Aufrufe hat der Ständige Ausschuß der freiwilligen Hilfsausschüsse im Fürstentum Lippe erlassen. Der Ausschuß bittet, dahin zu wirken, daß die weibliche Bevölkerung aller Stände vom Tragen von Trauerkleidung während des Krieges absieht, und nur, wie bei den Männern üblich, durch Anlegen von Trauerflor der Trauer äußerlich Ausdruck gibt. Diese Aufforderung verdient, in weitesten Kreisen unseres Volkes beherzigt zu werden. Die Trauer ist eine Angelegenheit des Herzens, die mit Aeußerlichkeiten nichts zu tun hat. Will aber jemand Schmerz über das Dahinscheiden eines Anverwandten äußerlich zum Ausdruck bringen, so erfüllt ein Trauerflor diesen Zweck genauso wie ein schwarzes Kleid, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart zwingen uns, in bezug auf Kleidung die alleräußerste Beschränkung aufzuerlegen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Mai 1918Warnung vor Wohnungskündigungen. Der Kölner Stadtanz. bemerkt in seiner Nummer 215: Bei den zurzeit herrschenden ungünstigen Wohnverhältnissen werden Mieter wie Vermieter in ihrem eigenen Interesse vor Kündigung von Mietwohnungen, von außerordentlichen, nicht zu umgehenden Notfällen abgesehen, amtlich dringend gewarnt. Die Beschaffung einer anderen Wohnung ist heute schwierig, wenn nicht unmöglich. Auch droht leicht die Gefahr, daß die neugemietete Wohnung am Räumungstage nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Das Mieteinigungsamt kann nach den Bestimmungen der Mieterschutzverordnung vom 26. Juli 1917 auf Anrufen eines gekündigten Mieters die ihm zugegangene Kündigung für wirkungslos erklären, wodurch dem gekündigten Mieter das Recht gegeben wird, in der Wohnung zu verbleiben. Hat nun der neue Mieter die bisherige Wohnung bereits aufgegeben, so kann er in die neugemietete Wohnung nicht einziehen und kommt in die Gefahr, wohnungslos zu werden. Vermieter sowohl wie Mieter geraten dadurch in eine schwierige Lage, da die Beschlüsse des Mieteinigungsamtes unanfechtbar sind und der Nachprüfung durch die Gerichte nicht unterliegen. Im eigensten Interesse der Beteiligten wird daher dringend vor nicht unbedingt nötiger und unvermeidbarer Kündigung von Mieträumen oder Erhebung von Räumungsklagen gewarnt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zur Beschlagnahme der Türklinken hat, wie der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein mitteilt, die Kriegsrohstoffabteilung des Kriegsministeriums auf eine Eingabe des Zentralverbandes der Haus- und Grundbesitzervereine Deutschlands wegen Verhinderung des Wuchers bei dem Verkauf von Türklinken geantwortet, daß die Metall-Ersatzstelle in der Lage ist, Ersatz für sämtliche enteignete Türdrücker in brauchbarer Form zu beschaffen. Es könne daher nur dringend geraten werden, daß die Hausbesitzer sich von der Industrie, welche die gegenwärtige Lage auszunutzen versucht, nicht übervorteilen zu lassen, sondern die behördliche Beschaffung des Ersatzes abwarten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Dienstag, 28. Mai 1918

   

Universität. An der hiesigen Universität sind im laufenden Sommerhalbjahr 6453 Studierende eingeschrieben, darunter 597 Frauen (gegen 5487, darunter 524 Frauen, im Sommerhalbjahr 1917). 5026 Studierende befinden sich im Heeres-, Sanitäts- oder vaterländischen Hilfsdienst. Gefallen sind, soweit bekannt geworden ist, bisher 8 Dozenten, 9 Assistenten und 526 Studierende.

Kardinal von Hartmann hat für die Erzdiözese Köln angeordnet: Wegen der drohenden Fliegergefahr sehe ich mich zu meinem schmerzlichen Bedauern genötigt, anzuordnen, daß innerhalb der Erzdiözese, sowohl in den größeren Städten, wie an den Orten mit größern industriellen Werken, soweit für sie die Vorschrift der völligen Verdunkelung besteht, bis auf weiteres alle Prozessionen, sowohl innerhalb wie außerhalb der Gotteshäuser, zu unterbleiben haben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Eine Straßenbahn-Abonnementskarte hatte ein jugendlicher Arbeiter aus Beuel gefälscht und zu Fahrten auf der elektrischen Bahn benutzt. Er wurde am Montag von der Strafkammer mit Rücksicht auf seine Jugend zu einer Gefängnisstrafe von acht Tagen verurteilt.

Unfall. Auf dem Adolfsplatz fiel am Sonntag abend ein junger Mann aus einer Schiffsschaukel und verletzte sich so schwer am Kopf, daß er von Feuerwehrleuten zur Klinik gebracht werden mußte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Die Müllabfuhr wird in Bonn ganz überflüssiger Weise, mit Ausnahme von Mittwochs, täglich besorgt. In großen Städten genügt eine wöchentlich dreimalige Abfuhr vollständig, was hier auch der Fall sein wird. Die Stadt müßte in Bezirke eingeteilt werden. In einem Teil wird Montag, Mittwoch und Freitag, in dem anderen Teil Dienstag, Donnerstag und Samstag abgeholt, und zwar vor 9 Uhr morgens, wie das auch überall Gebrauch ist, damit die Bürgerschaft nicht mehr mit Staub belästigt wird. Durch Einführung dieser Ordnung würde mit einem Schlage erreicht: 1. Die Müllabfuhrgebühren ermäßigen sich um die Hälfte der jetzigen sehr hohen Sätze. 2. Die Hälfte der Gespanne usw. wird frei und könnte 3. Für Brikettfuhren von Brühl jetzt willkommene Verwendung finden. Dadurch würde dann 4. den unverschämten Forderungen der hiesigen und anderen Fuhrleute ein dauerndes Gegengewicht zum Besten der Bürgerschaft geboten. Eile tut Not. Später könnten die überflüssigen Gespanne abgeschafft werden. M.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Mittwoch, 29. Mai 1918

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Mai 1918Ernährung und Bekleidung.
   Von heute ab wird sämtliches Frühgemüse in den Kreisen Köln-Stadt, Bonn-Stadt und Bonn-Land […] in Zwangswirtschaft genommen. Ausgenommen von dieser Maßnahme sind nur Spinat und Salat. […]
   Bei der Beförderung von Frühgemüse aller Art muß daher in den von der Absatzbeschränkung betroffenen Gebiete ein Beförderungsschein verwandt werden. […] Im Stadtkreise Bonn erfolgt die Ausstellung der Beförderungsscheine durch das Lebensmittelamt, Abteilung XII. Die Gemüsebauern werden hiermit nochmals auf die schwere Strafe hingewiesen, der sie sich aussetzen, wenn sie das Gemüse ohne Beförderungsschein fortbringen. Neben dieser Strafe findet jedesmal auch die Beschlagnahme statt. Von der Absatzbeschränkung bleibt unberührt der Absatz in Kleinhandelsniederlassungen und auf öffentlichen Märkten. Für den Verkehr zu benachbarten öffentlichen Märkten und Kleinhandelsniederlassungen wird die Beförderungsgenehmigung nach Bedarf widerruflich für unbestimmte Zeit und für unbestimmte Mengen durch das Lebensmittelamt erteilt. Nach dieser neuen Regelung müßte demnach der Marktverkehr in Bonn durch die Gemüsebauern aus dem Stadtkreise und auch aus den anliegenden Orten des Landkreises aufs beste beschickt werden, und es steht zu erwarten, daß endlich einmal wieder Verhältnisse geschaffen werden, wie sie vor dem Kriege üblich waren. Das Lebensmittelamt wird die Durchführung der Verordnung in rücksichtslosester Weise verfolgen, um endlich einmal die unhaltbaren Zustände im Gemüsewucher zu beseitigen. Im übrigen ist die Gemüseernte in diesem Jahre gut, und es steht zu erwarten, daß wir nicht wieder so große Schwierigkeiten wie im vergangenen Jahre durchzumachen brauchen.
   Um den Mißständen, die sich im vergangenen Jahre bei dem frühzeitigen Herausmachen von Frühkartoffeln ergaben, entgegenzutreten, wird in diesem Jahre voraussichtlich durch den kommandierenden General und den Gouverneur ein Ausmacheverbot erlassen werden. Auch wird voraussichtlich vor dem 1. Juli noch ein Höchstpreis für Frühkartoffeln festgelegt werden. Im übrigen ist das Lebensmittelamt mit alten Kartoffeln noch gut versehen, so daß auch in diesem Jahre die schnelle Ernte der Frühkartoffeln nicht so herbeigesehnt wird, wie es im vergangenen Jahre der Fall war. […]
   Die Abgabe von Herrenanzügen geht zunächst noch recht spärlich vor sich. Es kann jedoch jedem besseren Haushalt nur dringend empfohlen werden, baldmöglichst wenigstens einen Herrenanzug gegen Abgabebescheinigung in der Altkleiderstelle abzuliefern. Das städtische Bekleidungsamt legt gar keinen Wert darauf, daß diese Abgabe unentgeltlich erfolgt. Im Gegenteil, es ist Anordnung getroffen, daß die Preise für die Abgabe alter Sachen durchaus angemessen sind und weit über das Maß hinausgehen, was man zu Friedenszeiten zahlte. Wer jedoch glaubt, auf die unentgeltliche Abgabe seines Anzuges Wert legen zu müssen, der lasse sich bei der Altkleiderstelle den Betrag auszahlen und liefere ihn bei der Arndt-Eiche wieder ab. Dann tut er für die Witwen und Waisen von Bonner Kriegern das beste Werk. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Aenderungen im Signaldienst bei Luftgefahr. Die Einrichtungen für den Signaldienst bei Luftgefahr sollen hier in Bonn in einigen Punkten verändert und verbessert werden. Eine unmittelbare Fernleitung von der Flakgruppe in Troisdorf nach dem Polizeiamt soll den Nachrichtendienst beschleunigen. An Stelle des Kirchengeläutes, der Dampfpfeifen und der Hornistensignale werden Signalbomben verwandt werden, und durch eine weitere dritte Sirene soll die Warnung lauter gestaltet werden. Die drei Sirenen werden dann voraussichtlich auf der Elisabethkirche, auf der Stiftskirche und auf der Marienkirche Aufstellung finden, die Signalbomben werden von den Kasernen in der Ermekeilstraße und in der Rheindorfer Straße von der Polizeiwache abgeschossen werden. Diese Einrichtungen kosten rund 10.000 Mark. Es soll angestrebt werden, alle Aufwendungen für den Signaldienst bei Fliegergefahr vom Reich oder Staat ersetzt zu erhalten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Schließung zweier Mühlen. Auf Grund der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1917 ist die Schließung der Mühlen von Peter Land Bonn, Am Burggraben 38, und Salm und Hupperich, Bonn, Bonner Straße 18 vom 1. Juni 1918 bis auf weiteres angeordnet worden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“

Donnerstag, 30. Mai 1918

Wegen des katholischen Feiertages Fronleichnam erschien an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.

  

Fliegeralarm. Gestern vormittag 11½ Uhr wurde der Festungsbezirk Köln alarmiert, weil die Annäherung feindlicher Flieger gemeldet worden war. Ein Angriff ist nicht erfolgt.

Ueber deutsche Bauernansiedlungen und Kriegerheimstätte im Baltenlande sprach Dienstag abend Pfarrer Strauß in der Deutschen Vaterlandspartei. […] Im Baltenlande – auch Livland, Estland und Litauen kommen für die Ansiedlung in Betracht – ist Boden genug vorhanden, um mehrere Millionen deutscher Bauern ausreichend damit versehen zu können. […] So will das Baltenland seinen deutschen Befreiern seinen Dank abstatten. Etwas Großes bereitet sich vor: die Schaffung eines neuen deutschen Volksstammes, ein Werk also, das unser aller Teilnahme und Hilfe verdient. – Der Vortrag fand größte Aufmerksamkeit und am Schluß lebhaften Beifall. Der Vorsitzende, Geheimrat Litzmann, gedachte zu Beginn der Versammlung unserer im Westen kämpfenden Brüder, Söhne und Freunde mit den herzlichsten Wünschen und teilte zum Schluß mit, daß Großadmiral v. Tirpitz für den kommenden Herbst einen Vortrag in Bonn zugesagt habe.

16 Bauern vom Vorgebirge, die sich im vorigen Jahre beim Verkauf von grünen Bohnen, Johannisbeeren usw. mit den Höchstpreisen nicht begnügen konnten, wurden gestern von der hiesigen Strafkammer zu Geldstrafen von 150 bis 1240 Mark bestraft. Zwei andere wurden freigesprochen, mehrere weitere Fälle vertagt.
   Bei dem Fliegeralarm wurde die Sitzung der Strafkammer sofort unterbrochen. Richter, Angeklagte, Zeugen und Zuhörer begaben sich in den bombensicheren Keller des Gerichtsgebäudes.

Das private Seifensieden ist schon seit längerer Zeit verboten. Die Behörden haben Veranlassung, das Verbot aufs neue in Erinnerung zu bringen. Fette und Oele, die im Haushalte nicht mehr zu verwenden sind, können auf dem Schlachthofe abgeliefert werden, sie werden von dort aus der zweckmäßigen Verwertung zugeführt.

Der Verkauf getragener Kleider im städtischen Bekleidungsamt wird nächsten Montag wieder eröffnet. In Betracht kommen nur Inhaber des Lebensmittelkarten A.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

Freitag, 31. Mai 1918

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Mai 1918Zur Theaterfrage! Am Freitag sollen die Stadtverordneten wieder ihre Zusage zu dem Theatervertrag mit Köln geben. Wir hoffen bestimmt, daß die Herren vor der Entschließung das Für und Wider genau prüfen. Weshalb spielt in Bonn jetzt nur ein Operettentheater? Gerade in dieser Kriegszeit, in der das Theater als Bildungsstätte auf das Volk wirken sollte und müßte. Alle andern Stadttheater spielen mit künstlerischem und finanziellem Erfolg. Und daß das Stadttheater in Bonn ein Bedürfnis ist, beweist der Sturm auf die Kasse; es war immer bald ausverkauft, zumal fast alle guten Plätze gepachtet waren – nur die letzte Reihe vom ersten Sperrsitz blieb frei. Es sollte aber allen Gelegenheit gegeben werden, gute Unterhaltung und Erbauung im Theater zu finden; denn ein Stadttheater muß Gemeingut sein, was es aber unter den Köln-Bonner Verhältnissen nicht ist und nicht sein kann. Die wenigen Vorstellungen für Rüstungsarbeiter usw. genügen nicht. Darum sollte bei den Entschließungen auch Rücksicht auf die Arbeiter genommen werden, die doch als Steuerzahler auch Teil haben an der Finanzierung des Theaters. Der Arbeiter kann unter den gegebenen Umständen die Vorstellungen, die schon um 6½ Uhr oder spätestens 7 Uhr beginnen, gar nicht besuchen, die lange Arbeitszeit hindert ihn daran. Warum kann nun Bonn, da doch die Stadt – wie aus den Ausführungen des Theaterausschusses hervorgeht, - das Theater finanziell sicher stellt, kein eigenes Theater haben? Wäre es nicht gut, wenn der Theaterkulturverband sich einmal mit der Bonner Theaterfrage beschäftigte? Ein an der Theaterfrage interessierter Arbeiter im Auftrage vieler.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Mai 1918Das Fronleichnamsfest ist in Bonn still verlaufen. Die Fliegergefahr ließ es rätlich erscheinen, auch hier den Umzug zu unterlassen. Die Gottesdienste waren stark besucht. Ueber die Feier in Köln berichtet die Kölner Volksztg. aus Köln, 30. Mai: Das Fronleichnamsfest wurde gestern abend und in der Frühe des heutigen Vormittags durch feierliches Glockengeläute eingeleitet; allerdings war das Feiergeläute nicht mehr von der Wucht und Kraft der vergangenen Jahre, da manche Kirchen infolge des Krieges ihre Glocken und dazu die schönsten und volltönendsten hergeben mußten. Auch die Fronleichnamsprozession, die sonst zu Ehren des eucharistischen Heilandes durch die Städte und Dörfer, durch Feld und Flur zieht, mußte in unserer Stadt und den Vororten unterbleiben. Statt dessen fand in den Kirchen feierlicher Gottesdienst statt, und in der hohen Domkirche hielt um 9.30 Uhr Kardinal und Erzbischoff von Hartmann ein feierliches Pontifikalamt unter Assistenz der Domkapitulare Blank, Düsterwald und Steffens. Im Chor wohnten demselben die Weihbischöfe Müller und Lausberg, die Domkapitulare und der Domklerus, sowie die Professoren und Alumnen des Priesterseminars bei, während Chorumgang, Mittelschiff usw. Tausende von Andächtigen sah. Unter des Domkapellmeisters Prof. Joh. Schultes Leitung sang der Domchor die Messe Panis angeliens von dem verstorbenen Domkapellmeister Koenen und die Hymne Vincenti Berbo von Prof. Schulte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Die Schulspeisung durch Gewährung von ½ Liter guter kräftiger Morgensuppe an jedes Kind soll nach den Herbstferien eingeführt werden. Der Preis beträgt wöchentlich 39 Pfg., die für Unbemittelte durch die Armenverwaltung bezahlt werden. Die erstmaligen Kosten betragen 20.000 Mk., die monatlichen Kosten 10.000 Mk.

Der Theatervertrag zwischen Bonn und Cöln soll auch für die Spielzeit 1918/19 erneuert werden. Die Vereinigten Cölner Stadt-Theater geben wöchentlich zwei Schauspielvorstellungen und nach Wahl der Stadt Bonn eine Anzahl Opernvorstellungen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

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