Bonn 1914-1918
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Mittwoch, 31. Juli 1918

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Juli 1918Arndt-Eiche in Eisen. Die Einnahmen der Arndt-Eiche in Eisen belaufen sich bis Mitte Juli auf 111.105 Mark.
    
Wie bekannt, ist bei der Ablieferung von Männeranzügen die Einrichtung getroffen, daß diejenigen Personen, welche den Kaufpreis nicht für sich beanspruchen, ihn der Arndt-Eiche überweisen können. Auf diese Weise sind bisher der Arndt-Eiche insgesamt rund 1200 Mark zugeführt worden. Den freundlichen Gebern sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen. Im übrigen sind die Einnahmen der Arndt-Eiche in letzte Zeit geringer geworden, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, daß größere Sammlungen, wie für die Ludendorff-Spende und jetzt für die Kolonialkriegerspende, das Interesse für die Arndt-Eiche in den Hintergrund treten ließen. Immerhin dürfte es empfehlenswert sein, auch der Ziele und Zwecke, der Fürsorge von Bonner Kriegern, weiter zu gedenken.

Die künftige Brotration. Wolffs Telegraphenbureau meldet aus Berlin: Wie wir hören, wird die Mehlration vom 19. August ab wieder auf 200 Gramm erhöht werden. Die Höhe der Brotration wird von der den zur Verfügung stehenden Streckungsmittel abhängen. Während der am 19. August beginnenden ersten fleischlosen Woche wird ebenfalls Ersatz für das ausfallende Fleisch gegeben werden, und zwar voraussichtlich durch Kartoffeln. Ein Ersatz durch Mehl wird infolge der Verzögerung der Ernte nicht möglich sein.

Ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Hinterbliebenen gefallender 68er, ausgeführt von der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 68, findet am nächsten Sonntagnachmittag auf der Casselsruhe statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Die Lage der Wäscherinnen und Büglerinnen. Ein jeder weiß, daß die Preise für Reinigung der Wäsche ganz gewaltig gestiegen sind und das mit Recht, denn die Preise für Seife, Seifenpulver, Stärke und dergl. habe eine Höhe erreicht, daß die Wäschereien unmöglich zu den bisherigen Preisen arbeiten können. Sehr bedauerlich ist es aber, von den in den Wäschereien beschäftigten Personen, Wäscherinnen und Büglerinnen zu vernehmen, daß diese Leute, obwohl die Wäschereibesitzer hohe Preise erzielen, noch immer mit 35 und 45 Pfg. die Stunde entlohnt werden oder in zehnstündiger anstrengender Tätigkeit 3,50-4,50 Mark verdienen. Die Familien, welche Wäsche aus dem Hause geben, sind es ihren Mitmenschen schuldig, dafür einzutreten, daß eine so anstrengende Tätigkeit wie waschen und bügeln den Zeitverhältnissen entsprechend bezahlt wird. Eine Büglerin.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Juli 1918Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
Die Zufuhr der Frühkartoffel
aus den der Stadt Bonn für die Belieferung überwiesenen Provinzen Pommern, Westpreußen, Sachsen und Rheinprovinz ist besser geworden. Aus diesem Grunde können in dieser Woche noch weitere 2 Pfund auf Warenmarke ausgegeben werden, sodaß insgesamt 6 Pfund auf den Kopf der Bevölkerung verteilt worden sind.
     Wie es sich mit den weiteren Belieferungen verhalten dürfte, läßt sich noch nicht übersehen, da fast allerorts die Frühkartoffelernte nicht gehalten hat, was man sich von ihr versprach. [...] Es steht aber zu erwarten, daß durch die vom Lebensmittelamt getroffenen Maßnahmen die Kartoffelversorgung in den nächsten Wochen sich mindestens auf 6 Pfund halten dürfte. Dies ist um so wichtiger, als die
Mehl- und Brotversorgung schwieriger geworden ist und Einschränkungen erleiden muß. Vom 15. Juni d. J. ab war die Mehlversorgung auf 160 Gramm auf den Kopf herabgesetzt. Das bedeutet eine Wochenausgabe von 2¾ Pfund Brot. Trotzdem war das Lebensmittelamt in der Lage, aus seinen Ersparnissen 3¾ Pfund, also ein volles Pfund mehr, als Wochenration an die Bevölkerung abzugeben, und auf diese Weise sind in 7 Wochen 600.000 Pfund Brot mehr der Bevölkerung zugeführt worden, wie seitens der Reichgetreidestelle überwiesen wurde.
[...]

Die Fleischversorgung stößt nach wie vor auch immer auf Schwierigkeiten. Auch in der letzten Woche konnten nur 150 Gramm Fleisch einschließlich Wurst ausgegeben werden.
  
Wesentlich verbessert hat sich dagegen die Gemüseversorgung. Auf den städtischen Verkaufstellen waren namentlich reichliche Bohnenzufuhren, so daß allen Begehren entsprochen werden konnte. Es steht auch zu erwarten, daß in der nächsten Zeit die Gemüsebelieferung gut sein wird. Alle Herbstgemüse und alles Obst werden durch die neuen Bestimmungen der Reichsstelle für Gemüse und Obst nunmehr in Zwangsbewirtschaftung genommen. [...]

     Ebenso wird voraussichtlich noch in dieser Woche eine Eierausgabe stattfinden und zwar handelt es sich diesmal um Auslandseier, die aus der Ukraine eingeführt sind. Infolgedessen muß der Preis hierfür wesentlich erhöht werden, was noch durch die demnächstigen Bekanntmachungen ergänzt werden wird.
   
Verkauf von Speisefett. Auf die Abschnitte Butter und Fett der Speisefettkarte werden in dieser Woche insgesamt 50 Gramm Butter auf den Kopf der Bevölkerung verausgabt. Der Preis für Butter ist auf 4,15 Mark für das Pfund festgesetzt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Lebensmittelverkauf“)

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