Montag, 26. August 1918
Lazarett-Bilder. Der Bonner Lazarettseelsorger Daniel Schäfer hat seine in den hiesigen Lazaretten gewonnenen Eindrücke und Erlebnisse in einem Büchlein „Lazarett-Bilder“ aufgezeichnet, das bereits in zweiter Auflage im Buchhandel erschienen ist. Das Büchlein soll, so schreibt der Verfasser, auch für die Zeit nach dme Kriege seine Leser erinnern an so manches stille Heldentum im Krankenzimmer der Lazarette, an das große, stille Dulden der Krieger, an die ertragene Qual und Pein auf verborgenem Kampfplatze des Leidens, und das Gedenken daran soll uns die tiefe Dankbarkeit zu allen Kriegsinvaliden und Kriegsbeschädigten fest ins Herz wurzeln. […]
Einbrecher besuchten in der Nacht zum Sonntag eine Zigarrenfabrik an der Koblenzer Straße. Sie erbeuteten mehrere Tausend Zigarren.
Raubgesindel scheint sich im Kottenforst aufzuhalten. Vor etwa zwei Wochen wurde ein Soldat, der nachts von einem Gange nach Meckenheim durch den Kottenforst zurückgehen wollte, angefallen und durch Schüsse verletzt. Er hatte starken Blutverlust und wurde in besorgniserregendem Zustande in das hiesige Marienhospital gebracht, befindet sich jetzt aber schon wieder besser. Auch ein Ueberfall auf einen Förster ist versucht worden, dieser erwehrte sich aber der Angreifer mit seiner Flinte.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Musikkonkurrenz. Sehr geehrte Redaktion! Die in der letzten Stadtverordneten-Versammlung gemachte Aeußerung des Herrn Stadtverordneten Henry, daß „die städtischen Musikleiter sich in bekannter Weise Konkurrenz machten“, kann ich nicht unerwidert lassen. Es ist sicher noch nicht vergessen, daß das städtische Orchester in Friedenszeiten 14 bis 16 Symphonie-Konzerte im Winter veranstaltete. Da das Orchester wegen der Einberufung des größten Teils seiner Mitglieder leider aufgelöst werden mußte, fielen diese gen. Konzerte weg. Eine Anzahl Musikverständiger und Musikliebhaber wandte sich deshalb an mich, mit der Bitte, wenigstens einige Symphonie-Konzerte zu veranstalten und diesem Wunsche entsprach ich gerne, umsomehr, als für mich auch das Sprichwort „Rast‘ ich, so rost‘ ich“ galt. Dank meiner Verbindungen konnte ich ein großes Symphonie-Orchester zusammenstellen und 7 Symphonie-Konzerte im Stadttheater einrichten. Daß die Konzerte einem wirklichen Bedürfnis entsprechen, beweist ihr überraschend glänzender Besuch. Ich will nicht erwähnt lassen, daß andere Konzerte, mit denen ich persönlich nichts zu tun habe, im vergangenen Winter ebenfalls sehr großen Zuspruch hatten und ausverkauft waren: ich nenne nur diejenigen der Frau Elly Ney, Frl. Edyth Walter. […] Dies nur zur Aufklärung!
Heinrich Sauer, Königlicher Musikdirektor und städtischer Kapellmeister.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Die innigen Beziehungen zwischen Stadt und Land – Hamsterverkehr genannt, aber zu größtem Teile notwendiger Versorgungsverkehr – spiegeln sich wieder in den Zahlen der mit den Kleinbahnen beförderten Personen. Auf den Köln-Bonner-Kreisbahnen, umschließend die Vorgebirgsbahn und Rheinuferbahn, wruden im Mai 1917 rund 827.000 Personen befördert; im Mai 1918 waren es rund 952.000, das sind insgesamt 125.500 mehr. Für die Rheinuferbahn bedeutet das sogar, weil sich die Inanspruchnahme dahin verschoben hat, 142.800 Personen, also für den Tag 4765 Personen mehr, denn auf der Vorgebirgsbahn sind es weniger geworden, etwa 582 für den Tag.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Dienstag, 27. August 1918
Das Soldatenheim leitete Sonntag der erste Vorsitzende, Herr Klutmann, der die große Zahl der feldgrauen Besucher und die Gäste herzlich begrüßte, sie mit den neuesten Kriegsereignissen bekannt machte und betonte, daß wir mit dem größten Vertrauen auf unsere oberste Heeresleitung blicken können. Reiche und abwechselungsvolle Unterhaltung boten dann die Chöre des Bonner Männergesangvereins Liederkranz unter Leitung seines neuen Dirigenten Herrn Diebels, ernste und heitere Zwiegesänge von Mitgliedern dieses Vereins, Cellovorträge des Herr Edelstein, von Frl. Schmitt auf dem Klavier begleitet, und die Aufführung von „Ein Bild aus dem Zigeunerleben“ mit Gesängen, Tänzen, Wahrsagen usw.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Der Flottenverein Jungdeutschland veranstaltet am kommenden Samstag ein größeres Kriegsspiel, um seinen Mitgliedern, die nicht in die Sommerfrische gewandert sind, während der Ferien auch eine Abwechslung bieten zu können. Gerade in der jetzigen Zeit tut unserer heranwachsenden Jugend eine Bewegung in der frische, stärkenden Natur sehr wohl und desto mehr ist es zu begrüßen, daß auch der Flottenverein Jungdeutschland angeschlossen ist, sich nicht nur zur Aufgabe macht, das Verständnis für die Flotte bei unserer Jugend zu fördern, sondern die Jugend auch durch sportliche Betätigung für die späteren Lebensaufgaben zu stärken.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Verhalten bei Fliegerangriffen.
Sobald das Alarmzeichen die unmittelbar drohende Gefahr ankündigt, ist folgendes zu beachten:
Alle Straßen, Plätze, Höfe und Gärten sind sofort zu verlassen. Jeder muß die nächsten Häuser aufsuchen und dort solange bleiben, bis die Beendigung des Alarmzustandes bekannt gegeben ist. Wer auf freiem Felde ist, oder wer nicht rechtzeitig ein Haus zu erreichen vermag, legt sich am besten platt auf den Boden. An Fenstern, Türen, auf Balkonen und Dächern darf sich niemand zeigen. Schutz lediglich hinter den Haustüren zu suchen, ist zwecklos, weil sie von Bombensplittern durchschlagen werden können.
Die Inhaber der im Erdgeschoß befindlichen Wohnungen und in deren Ermangelung die Inhaber des nächsthöheren Stockwerks sind verpflichtet, den in den Häusern Schutz suchenden Personen Einlaß zu gewähren und die Haustüren zu öffnen. Größere Ansammlungen sind in den einzelnen Räumen zu vermeiden.
Ehrenpflicht eines jeden Erwachsenen ist es, die Kinder in seinen Schutz zu nehmen und in Sicherheit zu bringen.
Besten Schutz bietet das Verweilen in den unteren Geschossen (Erdgeschoß und Kellergeschoß) der gemauerten Gebäude und zwar in den in der Mitte gelegenen Räumen. Die Bewohner der oberen Geschosse begeben sich am besten nach den unteren, wo größere Sicherheit vorhanden ist. Im übrigen ist Schutz hinter Fensterpfeilern und gemauerten Wänden zu suchen.
Es empfiehlt sich, bei den Fliegerangriffen die Fenster zu öffnen, um dadurch die etwaige Zertrümmerung durch den Luftdruck etwa einer in der Nähe einschlagenden Fliegerbombe oder durch herabfallende Sprengstücke sowie die Verletzung von Personen durch Glassplitter zu verhindern.
Die Gasleitungen und Wasserleitungen in den Häusern und einzelnen Wohnungen sind abzustellen.
Pferde werden zweckmäßig von Fuhrwerken abgesträngt und in geeigneten Torfahrten untergestellt.
Die Straßenbahn-Fahrgäste, Fahrer und Schaffner haben die Wagen zu verlassen und in den nächstgelegenen Häusern Schutz zu suchen.
Kirchenbesucher bleiben zweckmäßig in den Kirchen.
Jeder wird nochmals eindrücklich davor gewarnt, Licht in nicht vollständig abgedunkelten Wohnräumen anzuzünden, und dadurch sich und seine Hausgenossen einer unverantwortlichen Gefahr auszusetzen, insbesondere gilt diese Warnung den Bewohnern der oberen Stockwerke.
Wegen der außerordentlichen Gefahr ist es streng verboten, herunterfallende Bomben und andere Geschosse oder Teile von solchen anzufassen oder aufzunehmen. Ueber die Lage derartiger Blindgänger ist sofort der Polizeiverwaltung oder dem zuständigen Polizeirevier Anzeige zu erstatten.
Die Stelle eines Bombemeinschlages darf erst nach einiger Zeit betreten werden, weil die Gefahr einer Gasvergiftung vorliegt. Bei trotzdem eingeatmetem Gas ist sofort ärztliche Hilfe heranzuholen. Oel, Milch und alkoholische Getränke dürfen als Gegenmittel nicht gegeben werden. Der Betroffene ist sofort ins Freie zu bringen, wenn nötig ist künstliche Beatmung, Sauerstoffeinatmung zur Anwendung zu bringen.
Auch nach dem Fliegerangriff sind größere Ansammlungen zu vermeiden. Die Deckung darf nicht verlassen werden, bis der Fliegeralarm aufgehoben ist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Mittwoch, 28. August 1918
Lichtbildbühnen. Die Lichtspiele im Stern führen diese Woche den Zirkusroman in vier Abteilungen „Eine Motte flog zum Licht“ mit der bekannten Filmdarstellerin Fern Andra in der Hauptrolle auf, ferner das vieraktige Drama „Der Bettler von Sabern“ und das Lustspiel „Paulchen heiratet seine Schwiegermutter“.
Im Metropol-Theater stehen das vieraktige Kriminaldrama „Robin-Morris“ mit Theodor Loos vom Berliner Lessingtheater in der Hauptrolle, die vieraktige Lebenstragödie „Das Verhängnis der schönen Susi“ mit der Dänin Egede Nissen in der Hauptrolle und das Detektivabenteuer „Der lachende Tod“ auf dem Spielplan.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Einmachen von Kappusstrünken. Die Zeit zum Einmachen des Sauerkrautes ist gekommen. Dabei ergeben sich die schönen weißen und äußerst zarten Kohlstrünke, welche mit einem kurzen, löffelartigen Instrumente aus der Mitte der Köpfe herausgebohrt und gewöhnlich unbenutzt fortgeworfen oder höchstenfalls an das Vieh verfüttert werden. Doch kann man auch noch einen anderen Gebrauch davon machen, der namentlich für diese knappe und teure Zeit empfohlen werden kann. Man kann die Strünke in Gläser oder Töpfe einmachen und anstelle der sauren Gurken benutzen. Sie werden der Länge nach in 6 bis 8 Teile gespalten und diese dann in 4 bis 5 Zentimeter lange Stücke geschnitten. So werden sie wie Gurken in Essig und reichlich Gewürz eingemacht. Wenn sie im Winter auf den Tisch kommen, sind sie tatsächlich im Geschmack von den Essiggurken nicht zu unterscheiden. Sie halten sich bis ins Frühjahr hinein, ohne viel von ihrer frischen Farbe zu verlieren. – Sehr billig und doch gut!
Schont die Kassenscheine! Die Reichsbank erläßt folgende Mahnung: Zu den kostbarsten Ersatzmitteln gehört zweifellos das an Stelle der verschwundenen Gold- und Silbermünzen jetzt im Umlauf befindliche Papiergeld. Wie schlecht wird dieses aber meist behandelt und wie übel sieht es oft aus. Namentlich sind es die kleinen Darlehnskassenscheine zu 2 und 1 Mark, die vielfach in einem grauenerregenden Zustande von Hand zu Hand gehen. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt und wird daher erneut darauf hingewiesen, daß die Reichsbank die ihr zum Umtausch vorgelegten beschädigten oder beschmutzten Banknoten (Reichskassenscheine und Darlehnskassenscheine) sofort gegen gute Exemplare umwechselt. Wer in Besitz derartigen schadhaft gewordenen Papiergeldes gelangt, wird daher dringend gebeten, dieses so schnell wie möglich der Reichsbank zu Umwechslung einzureichen.
Wegen verbotenen Verkehrs mit Gefangenen wurden zwei junge Burschen aus Duisdorf zu je einem Verweis verurteilt; ein dritter angeklagter Bursche wurde freigesprochen. Die beiden Verurteilten hatte den kriegsgefangenen Russen, der in der dortigen Porzellanfabrik beschäftigt war, aber ganz gut Deutsch sprach, gefragt, wann er in seine Heimat zurückkehre.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Führe uns nicht in Versuchung. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Viele Wirte und Gasthofangestellte müssen diese Bitte jetzt mit besonderer Inbrunst aussprechen, denn es sind „Engel“ der Versuchung ausgesandt, um dem Fleisch-Schleichhandel nachzuspüren. Ein Mittel dieses Spürens liegt darin, daß diese „Versucher“ in den Gasthöfen mit allen möglichen Zaubersprüchen zu erreichen sich bemühen, an den „verbotenen Tages“ etwas Fleischliches zu bekommen. Gott sei Dank sind die Wirte und ihre Angestellten durch den Glutofen der Verordnungen ja meist geläutert und sattelfest; aber es wird ihnen dann doch sehr schwer gemacht, gegenüber diesen Sirenentönen standzuhalten, daß sie gewiß sehr dankbar sind, wenn wir ihnen für diese Fälle schwerster Versuchung ein probates Mittel an die Hand geben. Dies besteht darin, daß sie den Störer des gastlichen Friedens, der sich mit einer einfachen Abweisung nicht begnügen will, sondern durchaus auf Fleischnahrung besteht, sich etwas näher ansehen, um ihn dann das Lokal von einer anderen Seite besehen zu lassen. Vielleicht besinnt dieser sich dann, daß es in der heutigen schweren Zeit noch andere Arbeiten zum Wohle des Vaterlandes und der Allgemeinheit gibt, die auf seine Kräfte warten.“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Donnerstag, 29. August 1918
Die Goldankaufstelle Bonn stellt vom 2. September ab ihren Betrieb ein. Sie ersucht die Einlieferer von Gold- und Silbersachen, den ihnen etwa noch zustehenden Gegenwert abzuholen. Der Juwelenverlauf wird von der hiesigen Reichsbanknebenstelle weiter abgewickelt werden. Die Schließung der Goldankaufstelle muß erfolgen, weil die Bürgerschaft diesem vaterländischen Unternehmen in der letzten Zeit leider nur sehr wenig Anteilnahme entgegengebracht hat.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Gegen die Miesmacher. Der stellvertretende Kommandierende General des 7. Armeekorps kündigt Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark für diejenigen an, die wissentlich oder leichtfertig falsche Gerüchte ausstreuen oder verbreiten, die eine Beunruhigung in der Bevölkerung hervorzurufen geeignet erscheinen. Als Ausstreuung und Verbreitung gilt im gegebenen Fall nicht nur die Aufstellung unbeweisbarer Behauptungen, sondern auch das Stellen von Fragen, welche derartige Behauptungen hervorrufen können. – Wir machen darauf aufmerksam, daß auch im Bereiche des 8. Armeekorps das Weitererzählen von Gerüchten unter Strafe gestellt ist. Also M-und halten!
Je 7 Pfund Kartoffeln werden von heute ab auf die Kartoffelkarten Nr. 10 und 11 ausgegeben.
Zwei Pfund Einmachzucker werden von Samstag ab bis einschließlich 7. September gegen Warenmarke Nr. 112 verabfolgt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
5 städt. Unterhaltungsabende finden im nächsten Winter an folgenden Sonntagen statt: 29.9. (Gesang und Beethoven-Septett), 3.11. (Schubert, u. a. Winterreise), 22.12. (Weihnachtsmusik), 19.1.1919 (Dichtungen mit Musik), 13.4. (Händel, Judas Maccabäus). Die öffentlichen Hauptproben zum 2. und 5. Abend sind abends vorher, die übrigen vormittags 11½ Uhr am Aufführungstage.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Freitag, 30. August 1918
Brieftauben. Ein hiesiger Brieftaubenzüchter schreibt uns: Ich bin zurzeit beurlaubt und mußte leider die Wahrnehmung machen, daß von meinen Brieftauben, die der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt sind und von denen fortwährend Nachzucht für das Feld geliefert wird, sehr viele im hiesigen Bezirk abgeschossen worden sind. Auch gestern sind wieder zwei wertvolle Tauben, die draußen ihr Futter suchten, nicht zurückgekehrt, also abgeschossen worden. Die Bauern haben die Meinung, die Tauben fräßen die Saat. Dies ist durchaus unrichtig. Die Tauben fressen nur da, was auf dem Felde liegt, also für den Bauern ohne weiteres verloren ist. Aber auch im entgegengesetzte Fall hat der Bauer keine Berechtigung, die Tauben abzuschießen. Er darf sie im höchsten Fall verscheuchen. Wiederholt ist durch das Kriegsministerium und das Gouvernement Köln darauf hingewiesen worden. Außerdem liegt in dem Abschießen von Militärbrieftauben Landesverrat.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Heizversorgung. Von kommenden Montag ab werden an diejenigen Haushaltungen, die eine eigene selbständige Küche führen, die Winterkohlenkarten ausgegeben. Näheres ist aus der Bekanntmachung in der heutigen Nummer ersichtlich.
Anmeldung von Schaumwein-Beständen. Auf Seite 368 ff. des Zentralblattes für das Deutsche Reich sind neue Schaumweinsteuer-Ausführungsbestimmungen und eine Schaumwein-Nachsteuerordnung veröffentlicht. Jeder – auch der geringste – Bestand an Schaumwein, der sich am 1. September außerhalb der Erzeugungsstätte oder einer Zollniederlage, also bei Wirten, Händlern, Vereinen usw. und bei Privaten befindet, ist spätestens am 7. September 1918 der Zollbehörde anzumelden. Nähere Auskunft erteilen die Bezirksämter.
Zwei junge Zigeunerweiber trieben sich in der letzten Woche in den Ortschaften des Landkreises bettelnd, wahrsagend und stehlend umher. Am Mittwoch kamen beide in ein Haus, in welchem nur die Bäuerin anwesend war. Die ältere Zigeunerin ergriff die Frau bei der Hand, um ihr daraus eine glückliche Zukunft zu prophezeien und hielt dieselbe so lange fest, bis die andere mit einem gefüllten Schoße aus dem Garten kam. Sie hatte an zwei Spalierbäumen die halbreifen Frühbirnen abgeerntet. Im Augenblick darauf waren die beiden Diebinnen verschwunden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die neue Schreibweise. Von verschiedenen Seiten war vor kurzem mitgeteilt worden, daß der Schreibunterricht in Preußen künftig auf der Grundlage eines neuen Leitfadens des Kunstmalers Ludwig Sütterlin erteilt werden solle. Halbamtlich wird hierzu geschrieben: „Richtig ist, daß seit längerer Zeit in einer Reihe von Schulen Versuche mit einer neuen Schreibweise eingeleitet worden sind. Diese Schreibweise ist aus der Zusammenarbeit Sütterlins mit anderen Fachleuten hervorgegangen und durch einen Ausschuß von Sachverständigen eingehend geprüft und gebilligt worden. Die Versuche müssen aber noch einige Jahre fortgesetzt werden, bevor über die Frage einer allgemeinen Einführung der neuen „Ausgangsschrift“ entschieden werden kann.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Samstag, 31. August 1918
Der rheinisch-westfälische Wirteverband erwähnt in seinem Jahresbericht für 1917/18, daß sich die Bierlieferungen gegen das Vorjahr gebessert haben und das Verhältnis zwischen Brauereien und Gastwirt ebenfalls gebessert hat, als es vordem in der Kriegszeit war; die Brauereien verschließen sich nicht mehr den berechtigten Forderungen der Gastwirte; Eingaben an die Regierungspräsidenten, wenigstens für die Sommermonate in den Großstädten die Polizeistunde bis 11 ½ Uhr hinauszuschieben, sind erfolglos geblieben; erfolgreich dagegen waren die Bestrebungen, für die Brauereierzeugnisse Höchstpreise festzusetzen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Das Lebensmittelamt der Stadt Bonn verbietet, auf Reisebrotmarken mit dem Stempelaufdruck „Lebensmittelamt der Stadt Bonn“ innerhalb der Stadt Brot abzugeben. Hierzu hat die Stadt Bonn kein Recht; denn die Reisebrotmarken haben Gültigkeit für das ganze Deutsche Reich, also auch für Bonn. Dazu ist es auch eine kleinliche polizeiliche Maßnahme, die in vielen Fällen als Schikane wirkt, wie in meinem Fall. Ich nehme meine Brotkarte und lasse mir, da ich mehrere Tage verreisen will, eine Wochenbrotmarke in Reisebrotkarten umtauschen, kehre aber nach 4 Tagen zurück. Jetzt will mir die Stadt Bonn auf die übrigen Reisebrotmarken kein Brot verabfolgen. Dazu ist sie nicht berechtigt. Hoffentlich wird diese unerlaubte Einschränkung bald rückgängig gemacht. Prof. Dr. C.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
150 Gramm Fleisch einschl. Wurst werden in dieser Woche ausgegeben. Kinder unter sechs Jahren erhalten die Hälfte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Nachrichten des Lebensmittelamtes.
[...]
Brotverkauf auf Reisebrotmarken.
Bei der Kartenausgabestelle des städt. Lebensmittelamtes werden in letzter Zeit auffallend viele Brotmarken in Reisebrotmarken umgetauscht. Da anzunehmen ist, daß diese Marken nur aus dem Grunde umgetauscht werden, um schon Samstags und Sonntags Brot für die kommende Woche zu kaufen, erhalten die Reisebrotmarken jetzt auf der Rückseite den Stempelaufdruck „Lebensmittelamt Abtlg. 8 Stadt Bonn“. Auf Reisebrotmarken mit diesem Stempelaufdruck darf in den hiesigen Bäckereien kein Brot abgegeben werden.
[...]
Der Petersberg und die Jesuiten. Immer wieder wird in unserer Stadt das Gerücht herumgetragen, Jesuiten hätten das Hotel auf dem Petersberg angekauft. Wir haben bisher von diesem Gerücht keine Notiz genommen, weil es uns gar zu widersinnig vorkam. Es wäre in der Tat schwer mit der vielgerühmten Schlauheit der Jesuiten vereinbar, wenn sie ein solches Millionenobjekt erwerben wollten, ohne die Gewißheit, daß ihnen dort die Genehmigung für eine Niederlassung erteilt wird. Auf die Genehmigung, ein für den Fremdenverkehr im Siebengebirge so wichtiges Hotelunternehmen in eine Ordensniederlassung zu verwandeln, ist kaum zu rechnen. Es ist auch schwer einzusehen, was ein nach außen hin so tätiger Orden wie die Gesellschaft Jesu mit dem auf einsamer Bergeshöhe gelegenen großen Hotel anfangen sollte. Da aber das Gerücht trotz seiner inneren Unwahrscheinlichkeit sich hartnäckig erhält, haben wir uns an zuständiger Stelle erkundigt und die ausdrückliche Versicherung erhalten, daß das Gerücht jeglicher Grundlage entbehrt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)