Bonn 1914-1918
  • 1914
    • August 1914
    • September 1914
    • Oktober 1914
    • November 1914
    • Dezember 1914
    • Juli 1914
  • 1915
    • Januar 1915
    • Februar 1915
    • März 1915
    • April 1915
    • Mai 1915
    • Juni 1915
    • Juli 1915
    • August 1915
    • September 1915
    • Oktober 1915
    • November 1915
    • Dezember 1915
  • 1916
    • Januar 1916
    • Februar 1916
    • März 1916
    • April 1916
    • Mai 1916
    • Juni 1916
    • Juli 1916
    • August 1916
    • September 1916
    • Oktober 1916
    • November 1916
    • Dezember 1916
  • 1917
    • Januar 1917
    • Februar 1917
    • März 1917
    • April 1917
    • Mai 1917
    • Juni 1917
    • Juli 1917
    • August 1917
    • September 1917
    • Oktober 1917
    • November 1917
    • Dezember 1917
  • 1918
    • Januar 1918
    • Februar 1918
    • März 1918
    • April 1918
    • Mai 1918
    • Juni 1918
    • Juli 1918
    • August 1918
    • September 1918
    • Oktober 1918
    • November 1918
    • Dezember 1918
  • Literatur
    • Sachbücher
    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
      • -- Bilder
      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
  • Exkursionen
    • Verdun
    • Somme
    • Champagne
    • Marne
    • Dolomiten
    • Vogesen
    • 1918

Mittwoch, 21. August 1918

  

Schulzahnklinik. Der städtische Finanzausschuß empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, dem Dozenten für Zahnheilkunde an der Universität Professor Dr. Kantorowicz die Leitung der Schulzahnklinik vom 1. Oktober ab zu übertragen. Professor Kantorowicz hat angeregt, um eine möglichst vollkommene Gesundung der Zahnverhältnisse der ganzen Volksschuljugend zu ermöglichen, auf die Beiträge der Schulkinder zu verzichten. Der städtische Finanzausschuß hat dieser Anregung zugestimmt. Der Haushaltsplan der Schulzahnklinik sieht 9600 Mark Ausgaben vor, denen Einnahmen nicht gegenüberstehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Die Provinzialfleischstelle für die Rheinprovinz warnt die Inhaber von Gastwirtschaften und Hotelbetrieben vor der markenfreien Abgabe von Fleisch und der ungenügenden Entwertung der Fleischmarken. – Nachdem zahlreiche Beschwerden über die Mißstände eingegangen sind, hat die Provinzialfleischstelle Ueberwachungspersonen für die ganze Provinz mit dem Auftrage angestellt, jeden Zuwiderhandlungsfall seitens der Gastwirte und Hoteliers zur Anzeige zu bringen, worauf die Schließung des Betriebes auf längere Zeit oder sogar dauernd unnachsichtlich erfolgen wird. – Die scharfen Maßnahmen sind im Interesse der Schonung unserer Viehbestände unbedingt geboten.

Der Bonner Männer-Gesang-Verein ehrte am Samstag Abend seinen musikalischen Leiter, Königlichen Musikdirektor Heinrich Sauer, aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit, die am gestrigen 20. August stattfand, durch eine Festlichkeit im oberen großen Saal des Hofrestaurants Hähnchen. Es nahmen zahlreiche Ehrenmitglieder und Inaktive, sowie viele Sänger an der Feier teil. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Grüne, begrüßte Herrn Sauer und seine Gattin und überreichte dem Jubelpaar eine kunstvolle Vase als Geschenk des Vereins. Der Chor erfreue die Festversammlung durch Liedervorträge: auch wurden einige Soli gespendet. Am Vorabend des silbernen Hochzeittages brachte der Chor seinem Leiter unter großer Beteiligung der Sänger vor dessen Wohnung ein musikalisches Ständchen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum gestrigen Montag wurden von einem Lagerplatz an der Bornheimer Straße etwa 350 Meter Kupferdraht im Werte von etwa 1000 Mark gestohlen. Die Diebe haben den Draht teilweise von hohen Leitungsmasten abgeschnitten, sind aber trotz des Geräusches, das ihre „Arbeit“ verursacht haben muß, nicht bemerkt worden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Donnerstag, 22. August 1918

  

Zigeuner machen sich seit einiger Zeit in Bonn und Umgebung recht unangenehm bemerkbar. Sie haben sich in einem ganzen Hause der Rheingasse und einer Wohnung der Josephstraße niedergelassen, andere Familien hausen in Wohnungen außerhalb der Stadt. Eine Anzahl Diebstähle werden wohl nicht mit Unrecht diesem fahrenden Volk zugeschrieben. Gestern sind zwei Zigeuner auch wegen schlimmerer Verbrechen verhaftet worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Nächtlicher Fliegeralarm. Um 12 Uhr 40 Minuten nachts wurden die Bewohner unserer Stadt und der weiteren Umgebung durch Sirenengeheul aus dem Schlaf aufgeschreckt. Kurz darauf fielen die ersten Signalschüsse, der Aufblitzen man trotz der mondhelle Nacht deutlich wahrnehmen konnte. Gleichzeitig traten unsere Abwehrgeschütze in Tätigkeit. Fast ununterbrochen grollte der Donner der Geschütze und vereinzelt hörte man das Tack Tack der Maschinengewehre und weithin vernahm man das Surren der Flugzeugpropeller. Von der rechten Rheinseite und aus der Kölner Gegend leuchteten die Scheinwerfer auf und suchten die sternenklare Luft ab nach den unheimlichen Gästen. Wie Leuchtkugeln nahmen sich hoch oben am Firmament die Lichtblitze der Schrapnellschüsse aus, und vereinzelte Leuchtbomben, die von unseren Jagdstaffeln geschossen wurden, vervollständigten das schaurig-schöne nächtliche Bild. Annähernd 1¼ Stunde währte der Alarm. Um 1 Uhr 50 Minuten ertönte das Schlußsignal.
   Für die Bürgerschaft Bonns bedeutete der nächtliche Alarm zum erstenmale eine empfindliche Störung der Nachtruhe, wie sie die Bewohner anderer Rhein-, Mosel- und Saarstädte schon häufiger erlebten. Der Reiz der Neuheit ließ viele Bonner diese nächtliche Wanderung in die Tiefen der Kellerräume mit einem gewissen Humor aufnehmen. Schlaftrunken und in den seltsamsten Bekleidungen pilgerte gar Mancher und Manche in die schützenden Untergeschosse, wo man sich so gut wie möglich die Zeit zu vertreiben suchte. Bei solchen unserer Bürger, die sich noch eines gepflegten Weinkellers erfreuen, soll diese mitternächtliche Stunde besonders tröstlich verlaufen sein. Die Organisation der Warnung gegen Luftgefahr und die militärischen Abwehrmaßnahmen betätigten sich übrigens so vorzüglich, daß man mit einem Gefühl der Beruhigung die Zeit der „Schutzhaft“ im Kellergeschoß verbringen konnte.
   Ein amtlicher Bericht über den Fliegeralarm liegt noch nicht vor.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Esperanto. Auf Grafenwerth hielt am Samstag den 17. d. M. der Godesberger Esperantoverein „Godea“ e. V. in Godesberg seine diesjährige (11.) Jahres-Hauptversammlung ab. […] Es wurde beschlossen, gegen Ende Oktober einen neuen Kursus in der Welt-Hilfssprache Esperanto zu eröffnen, dessen Leitung Frl. Harprath als Lehrerin und Herr Oster übernehmen werden. Interessenten belieben schon jetzt Anmeldungen der Geschäftsstelle des Vereins, in Godesberg, Bahnhofstr. 30 (bei Frau Wwe. Dreesbach) vorzunehmen.

Soldatenheim. Am verflossenen Sonntage konnte im Soldatenheim der Vorsitzende, Herr Lorenz Schröder, trotz des schönen Wetters eine große Anzahl Feldgrauer begrüßen. Derselbe schilderte in seiner lebhaften Weise die Vorgänge an der Westfront und dankte den vielen erschienenen Verwundeten in herzlichen Worten für ihr tapferes unentwegtes Ausharren in den schweren Kämpfen und wies darauf hin wie glücklich wir uns schätzen könnten, daß unsere Tapferen uns den Feind von unserm gesegneten Rheinlande ferngehalten und wahrlich keinen Grund hätten, mißmutig zu sein. Hierauf erfreute das Quartett des Soldatenheims, lebhaft begrüßt von unsern Feldgrauen, die Anwesenden mit verschiedenen Chören. […] Zum Schlusse stellte der Vorsitzende noch fest, daß so viele Feldgraue und speziell unsere Verwundeten nicht von den schönen Veranstaltungen des Soldatenheims wissen und möchten wird die vorgesetzten militärischen Behörden auch nochmals an dieser Stelle auf diesen Fall aufmerksam machen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

 

Freitag, 23. August 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. August 1918Feindliche Flieger griffen in der Nacht zum gestrigen Donnerstag Köln an und überflogen bei dieser Gelegenheit auch die Stadt Bonn. Es wurde um 12¾ Uhr durch Sirenengeheul und Raketen alarmiert. Gleich darauf wurde in der Umgebung kräftig aus den Abwehrgeschützen gefeuert. Man hörte den Geschützdonner und sah hoch in der Luft das Aufblitzen der platzenden Geschosse. Trotzdem kamen feindliche Flieger auch über Bonn; denn das Geräusch ihrer Motoren, das von dem der deutschen Flugzeuge merklich abweicht, war zu hören. Auch Maschinengewehrfeuer war kurze Zeit zu vernehmen, ein Luftgefecht, auf das man daraus schließen könnte, hat es jedoch über Bonn und seiner Umgebung nicht gegeben, die Schüsse müssen von einem feindlichen Flugzeug abgegeben worden sein. Bomben sind auf Bonn und seine Umgebung nicht abgeworfen worden. Man hat im Laufe des Tages einige Blindgänger gefunden, sie rühren aber von unseren Abwehrgeschützen her, nicht von feindlichen Fliegern. 20 Minuten vor 2 Uhr war der Fliegeralarm beendet.
   Ueber den Angriff auf Köln liegt folgende amtliche Meldung vor:
   Köln, 22. Aug. Amtlich. Diese Nacht, kurz nach 1 Uhr, wurde Köln von mehreren feindlichen Fliegern angegriffen. Die Abwehr trat rechtzeitig in Tätigkeit. Es wurden etwa 10 Bomben abgeworfen; leider sind fünf Tote und zwei Schwerverletzte zu beklagen. Es wurde nicht unerheblicher Sachschaden an Privateigentum angerichtet. Militärischer Sachschaden ist nicht entstanden. […] Offenbar befinden sich die hiesigen Einwohner in dem Glauben, daß auf Bonn keine Bomben geworfen würden, da Bonn bisher noch nicht angegriffen worden ist und auch die letzten Angriffe in unserer Gegend anderen Städten gegolten haben. Eine solche Meinung ist jedoch völlig irrig. Wenn auch Bonn selbst schwerlich Ziel eines beabsichtigten Angriffs werden wird, so kann es doch sehr leicht vorkommen, daß die feindlichen Flieger bei einem Angriffe auf Köln durch Witterungseinflüsse, durch Kampfflieger oder aus anderem Anlaß von ihrem eigentlichen Ziele abgedrängt werden und dann ihre Bomben über dem nächsten, auf dem Rückfluge berührten Orte fallen lassen. […] Die Bonner Einwohnerschaft möge daher die wiederholt veröffentlichten Richtlinien für das Verhalten bei Fliegergefahr genau beachten, damit die traurigen Erfahrungen, die andere Städte machen mußten, für Bonn vermieden werden.

Das ukrainische Ei, das unser Lebensmittelamt der Bonner Einwohnerschaft schon vor bald vier Wochen in Aussicht gestellt hatte, wird von Samstag nachmittag ab ausgegeben.

Treibriemendiebstahl ist Landesverrat. Der hiesige 19 Jahre alte Arbeiter Heinrich Göddertz arbeitete hier seit mehreren Jahren in einem kriegswirtschaftlichen Betrieb, wo in einer Nacht der wertvollste Treibriemen gestohlen wurde, so daß der Betrieb mehrere Schichten lang teilweise stilliegen mußte und die Lieferung sehr wichtiger Arbeiten nicht rechtzeitig erfolgen konnte. Das Außerordentliche Kriegsgericht für den Bereich der Festung Köln verurteilte den Arbeiter wegen vollendeten Landesverrats in Tateinheit mit schwerem Diebstahl unter Zubilligung mildernder Umstände wegen der verhältnismäßigen Jugend zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Zur Kartoffelversorgung Bonns. Wie wir erfahren, ist die Kartoffelversorgung der Stadt Bonn mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Der Verbrauch der Bürgerschaft einschließlich der Kriegsküchen beläuft sich täglich auf 1500 Zentner, während die Rheinprovinz nur 600 Zentner für die Woche liefert. Das Lebensmittelamt ist also genötigt, den weit überwiegenden Teil des Bonner Bedarfs anderweitig zu decken. So müssen Frühkartoffeln aus Westpreußen, Pommern und Sachsen bezogen werden. Die von dort herbeigeschafften Kartoffeln leiden natürlich auf der Fahrt. Es tritt ein Gewichtsverlust durch Verdunstung und ein Abgang durch das rasche Faulen der Frühkartoffeln ein, sodaß schon hierdurch eine Zubuße der Stadt verursacht ist. Außerdem werden diese Kartoffeln in Papiersäcken befördert, wovon das Stück 2 Mark kostet. Diese Säcke können nur einmalig verwandt werden. Ferner tritt beim Einwiegen der Kartoffeln im Kleinverkauf eine Einbuße für die Stadt ein. Auch sonstige Unkosten bei der Herbeischaffung von Frühkartoffeln aus Sachsen und den östlichen Provinzen, Vermittlungsgebühren usw. belasten den Bezugspreis derart, daß selbst bei einem Verkaufspreis von 20 Pfg. für das Pfund an die Bonner Verbraucher unsere Stadtverwaltung noch Geld zulegt.
   Wenn trotzdem vom kommenden Samstag ab die Bürgerschaft die Frühkartoffeln zum Preise von 17 Pfg. beziehen kann und sie für den Kopf 7 Pfund empfangen, so bedeutet dies nach unsern Erkundigungen über die Sachlage ein Entgegenkommen unserer Stadtverwaltung, für das unsere Hausfrauen trotz des an sich noch immer verhältnismäßig hohen Preises von 17 Pfg. dankbar sein dürfen. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Samstag, 24. August 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. August 1918In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung gab Stadtverordneter Henry eine Erklärung der Zentrumsfraktion gegen die Wahl des Professors Weegmann zum Direktor des städtischen Lyzeums ab, weil Professor Weegmann evangelischen Bekenntnisses sei. Oberbürgermeister Spiritus und Stadtverordneter Dr. Krantz wiesen den Vorwurf der Partitätsverletzung zurück. Die Versammlung […] stimmte dem Vertrag mit dem Professor Kantorowicz über die Führung der Schulzahnklinik zu. Beigeordneter Bottler teilte mit, daß die ungedeckten Kriegsausgaben der Stadt bis 1. Juli d. J. 6.300.000 M. betrugen. Die vorgeschlagene Preiserhöhung für neue Gasanschlüsse wurde abgelehnt. Wie Beigeordneter Bottler bei dieser Gelegenheit mitteilte, soll die nächtliche Gassperre demnächst wieder aufgehoben werden. Der Fehlbetrag des Städtischen Gesangvereins wurde auf die Stadt übernommen. Dabei wurde die Ueberzahl der musikalischen Veranstaltungen in Bonn gerügt. Für die Volksunterhaltungsabende im kommenden Winter wurde ein Zuschuß von 2.000 M. bewilligt. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Kein Lichtmachen bei Fliegeralarm. Ein Feldgrauer schreibt uns: Zur Zeit hier in Bonn auf Urlaub weilend, habe ich die beiden Nachtfliegeralarme mitgemacht. Es ist mir aufgefallen, daß, wie auf Kommando bei Ertönen der Sirenen in den meisten Häusern Licht gemacht und erst nach Aufhebung des Alarms gelöscht wird. Es kann nichts falscheres geben, als so die feindlichen Geschwader auf die Stadt zu lenken. Im Felde darf nachts kaum eine Zigarre angezündet werden, wenn Flieger in der Luft sind. Also beim nächsten Nachtalarm Licht aus!

Nachrichten des Städtischen Lebensmittel-Amtes.
[…]
   Fett. Auf die Abschnitte Butter und Fett der Speisefettkarte werden in der kommenden Woche insgesamt 50 Gramm Butter ausgegeben.
   Eier. Am Samstag wird von 3 Uhr nachmittags ab auf Eierkarte Nr. 9 je ein Ei verkauft. Der Preis beträgt, da es sich um Auslandseier handelt, 55 Pfg. für ein Stück.
   Kartoffeln. Für die Woche vom 26. August bis 1. September werden auf Kartoffelkarte Nr. 9 sieben Pfund Kartoffeln zum Preise von 17 Pfg. für das Pfund ausgegeben. Die Ausgabe beginnt am Samstag, den 24. August. Es wird gebeten, die Kartoffeln bis spätestens am Donnerstag, den 29. August abzuholen. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Sonntag, 25. August 1918

   

Ludendorff-Spende. Der Ortsausschuß Bonn-Stadt der Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte schreibt uns: Wenn die öffentlichen Sammlungen für die Ludendorff-Spende, besonders die Straßen- und Haussammlungen nunmehr auch in den meisten Teilen des Reiches durchgeführt sind, so ist diese große Sammlung noch keineswegs abgeschlossen. Ständig nimmt die Zahl der Kriegsbeschädigten bei den schweren Kämpfen, die unsere tapferen Truppen jetzt wieder an der Westfront zu bestehen haben, zu. Dabei sind die Aufgaben der Kriegsbeschädigtenfürsorge so groß und zahlreich, daß hierzu nie zu viel Mittel aufgebracht werden können, um unseren wund und krank zurückgekehrten Kriegern so weitherzig zu helfen, wie es des großen deutschen Vaterlandes würdig ist und unserem heißen Dankgefühl gegen die heldenhaften Vaterlandsverteidiger entspricht. Wer darum noch nicht zur Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte gegeben hat oder nicht soviel, als er nach seinen Verhältnissen vermöchte, möge daher auch jetzt noch einen möglichst hohen Beitrag zu diesem gewaltigen vaterländischen Werke stiften. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. August 1918Ein Paar Schuhe hatte ein Arbeiter einer in der Stiftsgasse wohnenden Arbeiterin mittelst Einsteigens durch das Fenster gestohlen. Er wurde mit neun Monaten Gefängnis bestraft.

Die fremdsprachigen Bezeichnungen für Fleischgerichte. Die Allgemeine Fleischerzeitung legt den städtischen und anderen Behörden, welche Preise für Fleisch festzusetzen und zu veröffentlichen haben, nahe, mit den fremdsprachigen Bezeichnungen aufzuräumen, indem sie schreibt: „Die deutsche Bezeichnung für Roastbeef, Rumpsteak ist Rückenstück oder Rindsrücken. Für Filet ist das deutsche Wort Lende eine jeden Zweifel ausschließende Bezeichnung, für Frikandeau genügt es, Kugel zu setzen. Es sollten doch gerade die Behörden endlich mit dem Unfug des Gebrauchs der Fremdwörter ein Ende machen. Wo dies nicht von selbst geschieht, sollten die Innungen auf Beseitigung dieser fremdsprachigen Bezeichnungen dringen.“ Eine gute Verdeutschung für Rumpsteak ist „Rumpfstück“, die jetzt schon vielfach auf den Speisekarten der Gasthäuser angewandt wird.

Der Bonner Wochenmarkt war gestern ziemlich gut beschickt, vorwiegend aber wieder mit Gemüse, Kopf- und Endiviensalat, Kohlrabien und Kleinzeug. Spinat kommt seit einigen Tagen auch etwas reichlicher auf den Markt, ebenfalls große Mengen fremder Rotkohl. […] Obst war auf dem ganzen Markt kein einiges Pfund aufzutreiben, ebenfalls seitdem der Höchstpreis festgesetzt ist, keine Zwiebeln. Der Verkauf war im allgemeinen ziemlich flott. Unser Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte gestern überhaupt keine Zufuhren. Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt erfreute sich eines recht regen Zuspruchs, besonders in Stangen- und Strauchbohnen. In Weißkohl hat die Stadtverwaltung sich sehr gut vorgesehen, sodaß hiervon sowie von Rotkohl und Strauchbohnen bis auf weiteres noch jede gewünschte Menge abgegeben werden kann. […]

Unser Durchhalten gewährleistet. Nach den Erntevorschätzungen ist, wie wir erfahren, das diesjährige Ernteergebnis um 10 bis 15 Prozent besser als das vorjährige. Damit ist unser Durchhalten gewährleistet. Auch können wir Reserven, die wir während der letzten Monate aufgebraucht haben, ergänzen und den Vorschuß an Frühdruschgetreide zurückerstatten, so daß wir mit unserer Getreidewirtschaft wieder im Reinen sind. Die Befürchtungen, daß infolge des erhöhten Anbaues von Sonderfrüchten unser Getreidebau wesentlich zurückgegangen sei, sind unbegründet. Die Anbaufläche hat sich Gegenteil um einige Prozent erhöht, besonders beim Winterroggen und nur beim Weizenanbau ist ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Die Kartoffelanbaufläche wurde bis zu einem Fünftel des Vorjahres vergrößert. Leider haben wir bei der Frühkartoffelernte hiervon infolge des Frostes wenig Nutzen gehabt, doch sehen wir der kommenden Spätkartoffelernte mit berechtigten Hoffnungen entgegen. Falls das Wetter weiter so günstig bleibt, dürfte mit einer der vorjährigen Ernte ähnlichen Ernte gerechnet werden können. Eine besondere Vermehrung hat die Anbaufläche für Oelfrüchte zu verzeichnen; eine weitere Erhöhung für das kommende Jahr ist vorgesehen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Die Kriegspreise im Friseurgewerbe. In dem Artikel Nr. 9220 werden die Kriegspreise der Königswinterer Eseltreiber geschildert. Da wir Arbeiter aber nicht mehr in der Lage sind, Sonntagsausflüge nach Königswinter zu machen, möchte ich auf die neusten Bonner Kriegspreise im Friseurgewerbe hinweisen. Bis vorletzten Freitag bekamen wir Arbeiter noch für 35 Pfg. die Haare geschnitten und für 15 Pfg. wurden wir rasiert. Jetzt will man auch in der anspruchslosesten „Schabstube“ 30 PFg. fürs Rasieren und Samstags 1 Mark fürs Haarschneiden haben. Wenn der Lehrjunge in einer Stunde 4 „Stifteköpp“ herunterarbeitet und vier abschabt, ist dieses nicht Wucher?
   Unser Friseur kam sicherlich mit dem bisherigen Kriegspreise bei dem großen anspruchslosen Arbeiterkundenkreis gut aus, aber Kollegen mit feiner Aufmachung und fast keinem Kundenkreis scheinen hier die Kriegstreiber zu sein. Ein anspruchsloser Arbeiter.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

  

Die Goldankaufstelle wird in kurzer Zeit ihre Tätigkeit beschließen. Die eifrigen Bemühungen der Ankaufstelle sind durch schöne Erfolge belohnt worden. Wer noch im Besitze von Gold- und Edelmetallen, Schmuckgegenständen usw. ist, hat in den nächsten Tagen noch Gelegenheit, sie an der Goldankaufstelle abzugeben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 26. August 1918

   

Lazarett-Bilder. Der Bonner Lazarettseelsorger Daniel Schäfer hat seine in den hiesigen Lazaretten gewonnenen Eindrücke und Erlebnisse in einem Büchlein „Lazarett-Bilder“ aufgezeichnet, das bereits in zweiter Auflage im Buchhandel erschienen ist. Das Büchlein soll, so schreibt der Verfasser, auch für die Zeit nach dme Kriege seine Leser erinnern an so manches stille Heldentum im Krankenzimmer der Lazarette, an das große, stille Dulden der Krieger, an die ertragene Qual und Pein auf verborgenem Kampfplatze des Leidens, und das Gedenken daran soll uns die tiefe Dankbarkeit zu allen Kriegsinvaliden und Kriegsbeschädigten fest ins Herz wurzeln. […]

Einbrecher besuchten in der Nacht zum Sonntag eine Zigarrenfabrik an der Koblenzer Straße. Sie erbeuteten mehrere Tausend Zigarren.

Raubgesindel scheint sich im Kottenforst aufzuhalten. Vor etwa zwei Wochen wurde ein Soldat, der nachts von einem Gange nach Meckenheim durch den Kottenforst zurückgehen wollte, angefallen und durch Schüsse verletzt. Er hatte starken Blutverlust und wurde in besorgniserregendem Zustande in das hiesige Marienhospital gebracht, befindet sich jetzt aber schon wieder besser. Auch ein Ueberfall auf einen Förster ist versucht worden, dieser erwehrte sich aber der Angreifer mit seiner Flinte.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Musikkonkurrenz. Sehr geehrte Redaktion! Die in der letzten Stadtverordneten-Versammlung gemachte Aeußerung des Herrn Stadtverordneten Henry, daß „die städtischen Musikleiter sich in bekannter Weise Konkurrenz machten“, kann ich nicht unerwidert lassen. Es ist sicher noch nicht vergessen, daß das städtische Orchester in Friedenszeiten 14 bis 16 Symphonie-Konzerte im Winter veranstaltete. Da das Orchester wegen der Einberufung des größten Teils seiner Mitglieder leider aufgelöst werden mußte, fielen diese gen. Konzerte weg. Eine Anzahl Musikverständiger und Musikliebhaber wandte sich deshalb an mich, mit der Bitte, wenigstens einige Symphonie-Konzerte zu veranstalten und diesem Wunsche entsprach ich gerne, umsomehr, als für mich auch das Sprichwort „Rast‘ ich, so rost‘ ich“ galt. Dank meiner Verbindungen konnte ich ein großes Symphonie-Orchester zusammenstellen und 7 Symphonie-Konzerte im Stadttheater einrichten. Daß die Konzerte einem wirklichen Bedürfnis entsprechen, beweist ihr überraschend glänzender Besuch. Ich will nicht erwähnt lassen, daß andere Konzerte, mit denen ich persönlich nichts zu tun habe, im vergangenen Winter ebenfalls sehr großen Zuspruch hatten und ausverkauft waren: ich nenne nur diejenigen der Frau Elly Ney, Frl. Edyth Walter. […] Dies nur zur Aufklärung!
   Heinrich Sauer, Königlicher Musikdirektor und städtischer Kapellmeister.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Die innigen Beziehungen zwischen Stadt und Land – Hamsterverkehr genannt, aber zu größtem Teile notwendiger Versorgungsverkehr – spiegeln sich wieder in den Zahlen der mit den Kleinbahnen beförderten Personen. Auf den Köln-Bonner-Kreisbahnen, umschließend die Vorgebirgsbahn und Rheinuferbahn, wruden im Mai 1917 rund 827.000 Personen befördert; im Mai 1918 waren es rund 952.000, das sind insgesamt 125.500 mehr. Für die Rheinuferbahn bedeutet das sogar, weil sich die Inanspruchnahme dahin verschoben hat, 142.800 Personen, also für den Tag 4765 Personen mehr, denn auf der Vorgebirgsbahn sind es weniger geworden, etwa 582 für den Tag.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Dienstag, 27. August 1918

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. August 1918Das Soldatenheim leitete Sonntag der erste Vorsitzende, Herr Klutmann, der die große Zahl der feldgrauen Besucher und die Gäste herzlich begrüßte, sie mit den neuesten Kriegsereignissen bekannt machte und betonte, daß wir mit dem größten Vertrauen auf unsere oberste Heeresleitung blicken können. Reiche und abwechselungsvolle Unterhaltung boten dann die Chöre des Bonner Männergesangvereins Liederkranz unter Leitung seines neuen Dirigenten Herrn Diebels, ernste und heitere Zwiegesänge von Mitgliedern dieses Vereins, Cellovorträge des Herr Edelstein, von Frl. Schmitt auf dem Klavier begleitet, und die Aufführung von „Ein Bild aus dem Zigeunerleben“ mit Gesängen, Tänzen, Wahrsagen usw.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Der Flottenverein Jungdeutschland veranstaltet am kommenden Samstag ein größeres Kriegsspiel, um seinen Mitgliedern, die nicht in die Sommerfrische gewandert sind, während der Ferien auch eine Abwechslung bieten zu können. Gerade in der jetzigen Zeit tut unserer heranwachsenden Jugend eine Bewegung in der frische, stärkenden Natur sehr wohl und desto mehr ist es zu begrüßen, daß auch der Flottenverein Jungdeutschland angeschlossen ist, sich nicht nur zur Aufgabe macht, das Verständnis für die Flotte bei unserer Jugend zu fördern, sondern die Jugend auch durch sportliche Betätigung für die späteren Lebensaufgaben zu stärken.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Verhalten bei Fliegerangriffen.
Sobald das Alarmzeichen die unmittelbar drohende Gefahr ankündigt, ist folgendes zu beachten:
Alle Straßen, Plätze, Höfe und Gärten sind sofort zu verlassen. Jeder muß die nächsten Häuser aufsuchen und dort solange bleiben, bis die Beendigung des Alarmzustandes bekannt gegeben ist.
Wer auf freiem Felde ist, oder wer nicht rechtzeitig ein Haus zu erreichen vermag, legt sich am besten platt auf den Boden. An Fenstern, Türen, auf Balkonen und Dächern darf sich niemand zeigen. Schutz lediglich hinter den Haustüren zu suchen, ist zwecklos, weil sie von Bombensplittern durchschlagen werden können.
Die Inhaber der im Erdgeschoß befindlichen Wohnungen und in deren Ermangelung die Inhaber des nächsthöheren Stockwerks sind verpflichtet, den in den Häusern Schutz suchenden Personen Einlaß zu gewähren und die Haustüren zu öffnen. Größere Ansammlungen sind in den einzelnen Räumen zu vermeiden.
Ehrenpflicht eines jeden Erwachsenen ist es, die Kinder in seinen Schutz zu nehmen und in Sicherheit zu bringen.

Besten Schutz bietet das Verweilen in den unteren Geschossen (Erdgeschoß und Kellergeschoß) der gemauerten Gebäude und zwar in den in der Mitte gelegenen Räumen. Die Bewohner der oberen Geschosse begeben sich am besten nach den unteren, wo größere Sicherheit vorhanden ist. Im übrigen ist Schutz hinter Fensterpfeilern und gemauerten Wänden zu suchen.
Es empfiehlt sich, bei den Fliegerangriffen die Fenster zu öffnen, um dadurch die etwaige Zertrümmerung durch den Luftdruck etwa einer in der Nähe einschlagenden Fliegerbombe oder durch herabfallende Sprengstücke sowie die Verletzung von Personen durch Glassplitter zu verhindern.
Die Gasleitungen und Wasserleitungen in den Häusern und einzelnen Wohnungen sind abzustellen.
Pferde
werden zweckmäßig von Fuhrwerken abgesträngt und in geeigneten Torfahrten untergestellt.
Die Straßenbahn-Fahrgäste, Fahrer und Schaffner haben die Wagen zu verlassen und in den nächstgelegenen Häusern Schutz zu suchen.
Kirchenbesucher bleiben zweckmäßig in den Kirchen.
Jeder wird nochmals eindrücklich davor gewarnt, Licht in nicht vollständig abgedunkelten Wohnräumen anzuzünden, und dadurch sich und seine Hausgenossen einer unverantwortlichen Gefahr auszusetzen, insbesondere gilt diese Warnung den Bewohnern der oberen Stockwerke.
Wegen der außerordentlichen Gefahr ist es streng verboten, herunterfallende Bomben und andere Geschosse oder Teile von solchen anzufassen oder aufzunehmen. Ueber die Lage derartiger Blindgänger ist sofort der Polizeiverwaltung oder dem zuständigen Polizeirevier Anzeige zu erstatten.
Die Stelle eines Bombemeinschlages darf erst nach einiger Zeit betreten werden, weil die Gefahr einer Gasvergiftung vorliegt. Bei trotzdem eingeatmetem Gas ist sofort ärztliche Hilfe heranzuholen. Oel, Milch und alkoholische Getränke dürfen als Gegenmittel nicht gegeben werden. Der Betroffene ist sofort ins Freie zu bringen, wenn nötig ist künstliche Beatmung, Sauerstoffeinatmung zur Anwendung zu bringen.
Auch nach dem Fliegerangriff sind größere Ansammlungen zu vermeiden. Die Deckung darf nicht verlassen werden, bis der Fliegeralarm aufgehoben ist.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Mittwoch, 28. August 1918

    

Lichtbildbühnen. Die Lichtspiele im Stern führen diese Woche den Zirkusroman in vier Abteilungen „Eine Motte flog zum Licht“ mit der bekannten Filmdarstellerin Fern Andra in der Hauptrolle auf, ferner das vieraktige Drama „Der Bettler von Sabern“ und das Lustspiel „Paulchen heiratet seine Schwiegermutter“.
   
Im Metropol-Theater stehen das vieraktige Kriminaldrama „Robin-Morris“ mit Theodor Loos vom Berliner Lessingtheater in der Hauptrolle, die vieraktige Lebenstragödie „Das Verhängnis der schönen Susi“ mit der Dänin Egede Nissen in der Hauptrolle und das Detektivabenteuer „Der lachende Tod“ auf dem Spielplan.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Einmachen von Kappusstrünken. Die Zeit zum Einmachen des Sauerkrautes ist gekommen. Dabei ergeben sich die schönen weißen und äußerst zarten Kohlstrünke, welche mit einem kurzen, löffelartigen Instrumente aus der Mitte der Köpfe herausgebohrt und gewöhnlich unbenutzt fortgeworfen oder höchstenfalls an das Vieh verfüttert werden. Doch kann man auch noch einen anderen Gebrauch davon machen, der namentlich für diese knappe und teure Zeit empfohlen werden kann. Man kann die Strünke in Gläser oder Töpfe einmachen und anstelle der sauren Gurken benutzen. Sie werden der Länge nach in 6 bis 8 Teile gespalten und diese dann in 4 bis 5 Zentimeter lange Stücke geschnitten. So werden sie wie Gurken in Essig und reichlich Gewürz eingemacht. Wenn sie im Winter auf den Tisch kommen, sind sie tatsächlich im Geschmack von den Essiggurken nicht zu unterscheiden. Sie halten sich bis ins Frühjahr hinein, ohne viel von ihrer frischen Farbe zu verlieren. – Sehr billig und doch gut!

Schont die Kassenscheine! Die Reichsbank erläßt folgende Mahnung: Zu den kostbarsten Ersatzmitteln gehört zweifellos das an Stelle der verschwundenen Gold- und Silbermünzen jetzt im Umlauf befindliche Papiergeld. Wie schlecht wird dieses aber meist behandelt und wie übel sieht es oft aus. Namentlich sind es die kleinen Darlehnskassenscheine zu 2 und 1 Mark, die vielfach in einem grauenerregenden Zustande von Hand zu Hand gehen. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt und wird daher erneut darauf hingewiesen, daß die Reichsbank die ihr zum Umtausch vorgelegten beschädigten oder beschmutzten Banknoten (Reichskassenscheine und Darlehnskassenscheine) sofort gegen gute Exemplare umwechselt. Wer in Besitz derartigen schadhaft gewordenen Papiergeldes gelangt, wird daher dringend gebeten, dieses so schnell wie möglich der Reichsbank zu Umwechslung einzureichen.

Wegen verbotenen Verkehrs mit Gefangenen wurden zwei junge Burschen aus Duisdorf zu je einem Verweis verurteilt; ein dritter angeklagter Bursche wurde freigesprochen. Die beiden Verurteilten hatte den kriegsgefangenen Russen, der in der dortigen Porzellanfabrik beschäftigt war, aber ganz gut Deutsch sprach, gefragt, wann er in seine Heimat zurückkehre.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Führe uns nicht in Versuchung. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Viele Wirte und Gasthofangestellte müssen diese Bitte jetzt mit besonderer Inbrunst aussprechen, denn es sind „Engel“ der Versuchung ausgesandt, um dem Fleisch-Schleichhandel nachzuspüren. Ein Mittel dieses Spürens liegt darin, daß diese „Versucher“ in den Gasthöfen mit allen möglichen Zaubersprüchen zu erreichen sich bemühen, an den „verbotenen Tages“ etwas Fleischliches zu bekommen. Gott sei Dank sind die Wirte und ihre Angestellten durch den Glutofen der Verordnungen ja meist geläutert und sattelfest; aber es wird ihnen dann doch sehr schwer gemacht, gegenüber diesen Sirenentönen standzuhalten, daß sie gewiß sehr dankbar sind, wenn wir ihnen für diese Fälle schwerster Versuchung ein probates Mittel an die Hand geben. Dies besteht darin, daß sie den Störer des gastlichen Friedens, der sich mit einer einfachen Abweisung nicht begnügen will, sondern durchaus auf Fleischnahrung besteht, sich etwas näher ansehen, um ihn dann das Lokal von einer anderen Seite besehen zu lassen. Vielleicht besinnt dieser sich dann, daß es in der heutigen schweren Zeit noch andere Arbeiten zum Wohle des Vaterlandes und der Allgemeinheit gibt, die auf seine Kräfte warten.“

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Donnerstag, 29. August 1918

   

Die Goldankaufstelle Bonn stellt vom 2. September ab ihren Betrieb ein. Sie ersucht die Einlieferer von Gold- und Silbersachen, den ihnen etwa noch zustehenden Gegenwert abzuholen. Der Juwelenverlauf wird von der hiesigen Reichsbanknebenstelle weiter abgewickelt werden. Die Schließung der Goldankaufstelle muß erfolgen, weil die Bürgerschaft diesem vaterländischen Unternehmen in der letzten Zeit leider nur sehr wenig Anteilnahme entgegengebracht hat.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Gegen die Miesmacher. Der stellvertretende Kommandierende General des 7. Armeekorps kündigt Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark für diejenigen an, die wissentlich oder leichtfertig falsche Gerüchte ausstreuen oder verbreiten, die eine Beunruhigung in der Bevölkerung hervorzurufen geeignet erscheinen. Als Ausstreuung und Verbreitung gilt im gegebenen Fall nicht nur die Aufstellung unbeweisbarer Behauptungen, sondern auch das Stellen von Fragen, welche derartige Behauptungen hervorrufen können. – Wir machen darauf aufmerksam, daß auch im Bereiche des 8. Armeekorps das Weitererzählen von Gerüchten unter Strafe gestellt ist. Also M-und halten!

Je 7 Pfund Kartoffeln werden von heute ab auf die Kartoffelkarten Nr. 10 und 11 ausgegeben.

Zwei Pfund Einmachzucker werden von Samstag ab bis einschließlich 7. September gegen Warenmarke Nr. 112 verabfolgt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

5 städt. Unterhaltungsabende finden im nächsten Winter an folgenden Sonntagen statt: 29.9. (Gesang und Beethoven-Septett), 3.11. (Schubert, u. a. Winterreise), 22.12. (Weihnachtsmusik), 19.1.1919 (Dichtungen mit Musik), 13.4. (Händel, Judas Maccabäus). Die öffentlichen Hauptproben zum 2. und 5. Abend sind abends vorher, die übrigen vormittags 11½ Uhr am Aufführungstage.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 30. August 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. August 1918Brieftauben. Ein hiesiger Brieftaubenzüchter schreibt uns: Ich bin zurzeit beurlaubt und mußte leider die Wahrnehmung machen, daß von meinen Brieftauben, die der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt sind und von denen fortwährend Nachzucht für das Feld geliefert wird, sehr viele im hiesigen Bezirk abgeschossen worden sind. Auch gestern sind wieder zwei wertvolle Tauben, die draußen ihr Futter suchten, nicht zurückgekehrt, also abgeschossen worden. Die Bauern haben die Meinung, die Tauben fräßen die Saat. Dies ist durchaus unrichtig. Die Tauben fressen nur da, was auf dem Felde liegt, also für den Bauern ohne weiteres verloren ist. Aber auch im entgegengesetzte Fall hat der Bauer keine Berechtigung, die Tauben abzuschießen. Er darf sie im höchsten Fall verscheuchen. Wiederholt ist durch das Kriegsministerium und das Gouvernement Köln darauf hingewiesen worden. Außerdem liegt in dem Abschießen von Militärbrieftauben Landesverrat.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Heizversorgung. Von kommenden Montag ab werden an diejenigen Haushaltungen, die eine eigene selbständige Küche führen, die Winterkohlenkarten ausgegeben. Näheres ist aus der Bekanntmachung in der heutigen Nummer ersichtlich.

Anmeldung von Schaumwein-Beständen. Auf Seite 368 ff. des Zentralblattes für das Deutsche Reich sind neue Schaumweinsteuer-Ausführungsbestimmungen und eine Schaumwein-Nachsteuerordnung veröffentlicht. Jeder – auch der geringste – Bestand an Schaumwein, der sich am 1. September außerhalb der Erzeugungsstätte oder einer Zollniederlage, also bei Wirten, Händlern, Vereinen usw. und bei Privaten befindet, ist spätestens am 7. September 1918 der Zollbehörde anzumelden. Nähere Auskunft erteilen die Bezirksämter.

Zwei junge Zigeunerweiber trieben sich in der letzten Woche in den Ortschaften des Landkreises bettelnd, wahrsagend und stehlend umher. Am Mittwoch kamen beide in ein Haus, in welchem nur die Bäuerin anwesend war. Die ältere Zigeunerin ergriff die Frau bei der Hand, um ihr daraus eine glückliche Zukunft zu prophezeien und hielt dieselbe so lange fest, bis die andere mit einem gefüllten Schoße aus dem Garten kam. Sie hatte an zwei Spalierbäumen die halbreifen Frühbirnen abgeerntet. Im Augenblick darauf waren die beiden Diebinnen verschwunden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die neue Schreibweise. Von verschiedenen Seiten war vor kurzem mitgeteilt worden, daß der Schreibunterricht in Preußen künftig auf der Grundlage eines neuen Leitfadens des Kunstmalers Ludwig Sütterlin erteilt werden solle. Halbamtlich wird hierzu geschrieben: „Richtig ist, daß seit längerer Zeit in einer Reihe von Schulen Versuche mit einer neuen Schreibweise eingeleitet worden sind. Diese Schreibweise ist aus der Zusammenarbeit Sütterlins mit anderen Fachleuten hervorgegangen und durch einen Ausschuß von Sachverständigen eingehend geprüft und gebilligt worden. Die Versuche müssen aber noch einige Jahre fortgesetzt werden, bevor über die Frage einer allgemeinen Einführung der neuen „Ausgangsschrift“ entschieden werden kann.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 31. August 1918

   

Der rheinisch-westfälische Wirteverband erwähnt in seinem Jahresbericht für 1917/18, daß sich die Bierlieferungen gegen das Vorjahr gebessert haben und das Verhältnis zwischen Brauereien und Gastwirt ebenfalls gebessert hat, als es vordem in der Kriegszeit war; die Brauereien verschließen sich nicht mehr den berechtigten Forderungen der Gastwirte; Eingaben an die Regierungspräsidenten, wenigstens für die Sommermonate in den Großstädten die Polizeistunde bis 11 ½ Uhr hinauszuschieben, sind erfolglos geblieben; erfolgreich dagegen waren die Bestrebungen, für die Brauereierzeugnisse Höchstpreise festzusetzen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

Das Lebensmittelamt der Stadt Bonn verbietet, auf Reisebrotmarken mit dem Stempelaufdruck „Lebensmittelamt der Stadt Bonn“ innerhalb der Stadt Brot abzugeben. Hierzu hat die Stadt Bonn kein Recht; denn die Reisebrotmarken haben Gültigkeit für das ganze Deutsche Reich, also auch für Bonn. Dazu ist es auch eine kleinliche polizeiliche Maßnahme, die in vielen Fällen als Schikane wirkt, wie in meinem Fall. Ich nehme meine Brotkarte und lasse mir, da ich mehrere Tage verreisen will, eine Wochenbrotmarke in Reisebrotkarten umtauschen, kehre aber nach 4 Tagen zurück. Jetzt will mir die Stadt Bonn auf die übrigen Reisebrotmarken kein Brot verabfolgen. Dazu ist sie nicht berechtigt. Hoffentlich wird diese unerlaubte Einschränkung bald rückgängig gemacht. Prof. Dr. C.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)

   

150 Gramm Fleisch einschl. Wurst werden in dieser Woche ausgegeben. Kinder unter sechs Jahren erhalten die Hälfte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Nachrichten des Lebensmittelamtes.
[...]
Brotverkauf auf Reisebrotmarken.
Bei der Kartenausgabestelle des städt. Lebensmittelamtes werden in letzter Zeit auffallend viele Brotmarken in Reisebrotmarken umgetauscht. Da anzunehmen ist, daß diese Marken nur aus dem Grunde umgetauscht werden, um schon Samstags und Sonntags Brot für die kommende Woche zu kaufen, erhalten die Reisebrotmarken jetzt auf der Rückseite den Stempelaufdruck „Lebensmittelamt Abtlg. 8 Stadt Bonn“. Auf Reisebrotmarken mit diesem Stempelaufdruck darf in den hiesigen Bäckereien kein Brot abgegeben werden.
[...]

Der Petersberg und die Jesuiten. Immer wieder wird in unserer Stadt das Gerücht herumgetragen, Jesuiten hätten das Hotel auf dem Petersberg angekauft. Wir haben bisher von diesem Gerücht keine Notiz genommen, weil es uns gar zu widersinnig vorkam. Es wäre in der Tat schwer mit der vielgerühmten Schlauheit der Jesuiten vereinbar, wenn sie ein solches Millionenobjekt erwerben wollten, ohne die Gewißheit, daß ihnen dort die Genehmigung für eine Niederlassung erteilt wird. Auf die Genehmigung, ein für den Fremdenverkehr im Siebengebirge so wichtiges Hotelunternehmen in eine Ordensniederlassung zu verwandeln, ist kaum zu rechnen. Es ist auch schwer einzusehen, was ein nach außen hin so tätiger Orden wie die Gesellschaft Jesu mit dem auf einsamer Bergeshöhe gelegenen großen Hotel anfangen sollte. Da aber das Gerücht trotz seiner inneren Unwahrscheinlichkeit sich hartnäckig erhält, haben wir uns an zuständiger Stelle erkundigt und die ausdrückliche Versicherung erhalten, daß das Gerücht jeglicher Grundlage entbehrt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Intern