Freitag, 16. August 1918
Berufsmöglichkeiten für junge Mädchen. Die Zeit verlangt mit eiserner Notwendigkeit, daß sich die jungen Mädchen einem Berufe zuwenden, der ihnen das tägliche Brot gibt. Er soll aber auch innerlich befriedigen. Die Berufe der sozialen Fürsorge, die dem weiblichen Gemüt am meisten entsprechen, bieten da ein weites Betätigungsfeld, in erster Linie die der Kindergärtnerin, Hortnerin, Fürsorgerin, Jugendpflegerin. Eine solche bietet in der Reichshauptstadt insbesondere das evangelische Diakonissenhaus Paul Gerhardtstift. Hier befinden sich ein Säuglingsheim mit Pflegerinnenschule, ein Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminar, das die Berechtigung staatlicher Abschlussprüfungen hat, eine Frauenschule für kirchliche und soziale Berufsarbeit sowie neben dem Krankenhaus auch ein Krüppelheim, ein Nachtheim für Kinder fabrikarbeitender Mütter, mehrere Kindergärten und Horte. Werdende Diakonissen finden jederzeit in diesen Ausbildungsanstalten Aufnahme; sie sollen aber auch denen dienen, die, ohne Diakonisse werden zu wollen, sich einem Beruf der Liebestätigkeit zuwenden möchte.
Schweinefleisch und Butter. In einem Butter- und Eiergeschäft an der Wenzelgasse sind gestern von der Polizei 18 Pfund frisches Schweinefleisch sowie ein Posten Butter beschlagnahmt worden. Schweinfleisch und Butter wurden in dem Geschäft bisher an „sichere“ Kunden zu hohen Preisen verkauft, Butter zu 22 M. das Pfund.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Wildfrucht-Ausstellung. Die bereits angekündigte Ausstellung eßbarer Wildfrüchte findet Samstag, 17. August, nachmittags 4-6 Uhr im Speisesaal der Universitäts-Kriegsküche statt. Die Ausstellung ist unentgeltlich jedermann zugänglich. Die ausgestellten Fruchtarten werden von Herrn Universitäts-Professor Dr. Küster erklärt werden.
Gute Rheinweinernte in Aussicht. Uebereinstimmende Meldungen aus den Rhein- und Seitentälern versichern, daß die Reben unter der Einwirkung des regnerischen Wetters gut voran gekommen sind und daß zweifellos, wenn keine Störungen dazwischen kommen, mit einem ertrageichen Herbst gerechnet werden kann. Die wenigen noch zustande kommenden Verkäufe erfolgen zu den höchsten Wucherpreisen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Vergnügungssucht der Kriegsgewinnler. Den Zechgelagen der Kriegsgewinnprotzen auf den Rheindampfern und in den Restaurants soll nunmehr Einhalt geboten werden. Warum greift man nicht auch gegen das nächtliche Tanzen in den Speisesälen der großen Hotels in Königswinter usw. ein? Ist den Herrn Bürgermeistern dies nicht bekannt? B., Königswinter.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Mehr Schutz dem Heeresgut! Im Interesse unseres Volkes, insbesondere aber unserer Feldgrauen liegt es, wenn Diebstähle und Unterschlagungen von Heeresgütern jeder Art, Beraubungen von Postsendungen, sowie unerlaubter Handel mit militärischen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken und Schleichhandel zur Kenntnis der Nach- und Aufschubüberwachungsstelle Bonn, Vivatsgasse 6 I. schriftlich oder telephonisch unter Nr. 427 gebracht werden. Durch Unterstützung der Zivilbevölkerung gelang es, im Monat Juli eine Anzahl solcher Fälle aufzudecken. Der Heeresverwaltung sind dadurch große Werte gerettet worden. Jeder, der von strafbaren Handlungen erwähnter Fälle Kenntnis erhält und der Ueberwachungsstelle davon Mitteilung macht, trägt einen großen Teil zum Durchhalten bei,
Ludendorff-Spende. Die Veranstaltung „Das Bonner Brückenmännchen“ vom 7.8.1918 durch den Ausschuß des Soldatenheims erbrachte der Ludendorff-Spende eine Reineinnahme von 438.70 Mark.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Samstag, 17. August 1918
Der Fleischverkauf am heutigen Samstag kann erst nachmittags 3 Uhr beginnen, weil das Schlachtvieh verspätet eingetroffen ist und infolgedessen das Fleisch erst heute vormittag an die Metzger verteilt werden kann.
Ueber die fleischlosen Wochen, deren erste nächsten Montag beginnt, enthält die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters im Anzeigenteil dieser Zeitung das Nähere.
Die Victoria regia. Man schreibt uns: Als häufiger Besucher des botanischen Gartens möchte ich die Bonner Pflanzenfreunde darauf aufmerksam machen, daß die Victoria regia blüht. Die Pflanze ist im Amazonasstrom beheimatet, ihre Blätter erreichen bis zu zwei Meter Durchmesser. Es freut einen, daß es verantwortlichen Stellen gelungen ist, die Pflanze trotz schwieriger Kriegsverhältnisse uns Naturfreunden in solch selten schöner Entwicklung darzubieten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
In der fleischlosen Woche vom 19. bis 25. August ist auch die Abgabe von Fleisch und Fleischwaren in Gast-, Schank- und Speisewirtschaften sowie Fremdenheimen verboten. Kranke erhalten auch während der fleischlosen Wochen ihre bewilligten Fleischzulagen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Nachrichten des Lebensmittelamtes.
Zum Schutz des Brotes gegen Schimmel.
Das jetzige Brot, welches aus dem stark ausgemahlenen Mehl bereitet wird, ist, wie an dieser Stelle bereits früher bemerkt wurde, bei heißer Witterung sehr leicht verderblich. Dies kommt daher, daß das Mehl beim Verbacken mehr Wasser aufnimmt, als das frühere helle, schalenfreie Mehl. Für den höheren Feuchtigkeitsgehalt kann der Bäcker nicht verantwortlich gemacht werden. Feuchtes Brot aber schimmelt besonders leicht, wenn es nicht trocken und luftig aufbewahrt wird. Am besten hat sich, wie Versuche ergeben haben, die Aufbewahrung des Brotes bewährt, das in einem luftigen Raume auf einem Lattenrost liegt, wo es allseitig von Luft umgeben ist. An diesem Brote war auch nach 12 Tagen noch nicht die geringste Spur von Schimmel zu erkennen. [...] Vor allem empfiehlt es sich, eine längere Aufbewahrung im Hause überhaupt zu vermeiden und daher nicht den ganzen Wochenbedarf schon Anfang der Woche in den Bäckereien zu entnehmen. [...]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Lebensmittelverkauf. Bonn“)
Der Liebhaber als Betrüger. Ein 19jähr. Dienstmädchen aus Düren, zuletzt in Jünkerath in Stellung, war von einem Soldaten der Garnison Bonn veranlaßt worden, nach Köln überzusiedeln. Gestern wollte das Mädchen über Bonn nach Köln reisen. In Bonn vertraute es dem Soldaten seine Ersparnisse von 240 M. sowie seinen Gepäckschein an. Der Soldat hob den Koffer mit dem ganzen Habe des Mädchens ab und verschwand damit und mit dem Gelde. Die Polizei nahm sich des verlassenen Mädchens an.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Freunde einer guten Weinbowle
werden, wenn sie ihrem Gelüst frönen wollen, künftig unsere Rheindampfer meiden müssen, Die Direktion der Köln-Düsseldorfer-Dampfschiffahrt hat auf Wunsch des Stellevertretenden
Kommandierenden Generals des 8. Armeekorps die Schiffsrestaurateure angewiesen, keine Bowleweine, Zutaten oder Bowlegefäße mehr auszugeben. Auch sollen die Restaurateure nötigenfalls durch Verweigern des Weines auf eine Einschränkung des Weingenusses hinwirken. Das Vorgehen des Generalkommandos ist auf das Schlemmen gewisser Kreise auf den Rheindampfern zurückzuführen, das besonders jetzt im Kriege aufreizend wirkt. Sie trifft das Verbot mit Recht. Leider aber auch harmlosere Reisende, die durch dieses Verbot um ein harmloses Vergnügen gebracht werden. Eine Einschränkung hätte vielleicht auch genügt. Für jede Ausschreitung wäre dann der Restaurateur verantwortlich zu machen, der dann schon darauf geachtet hätte, daß Schieber und dergleichen üble Erscheinungen sich weniger unangenehm gespreizt hätten. Die Dampferfahrt wird jetzt vieles von ihrem Reiz verlieren. Wahrscheinlich werden die Kölner, die früher schon in Königswinter anfingen, für die Folge erst hinter Wesseling ihren sentimentalen Kuntus anstimmen: Teure Heimat, sei gegrüßt. Es ist das gerade kein Unglück. Aber manche werden es hier doch vermissen.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Sonntag, 18. August 1918
Die einzuschmelzenden Denkmäler. Von den Bonner Denkmälern werden nur die Figuren des Martinsbrunnens vor der Münsterkirche und das Kekule-Denkmal vor dem chemischen Institut eingeschmolzen werden. Unser Beethoven-Denkmal kommt nach den erlassenen Bestimmungen überhaupt nicht in Betracht, weil es vor 1850 errichtet worden ist. Das Arndt-Denkmal auf dem Alten Zoll wird durch seinen Charakter als Nationaldenkmal geschützt. Auch das Simrock-Denkmal im Hofgarten wird von den zuständigen Stellen nicht in Anspruch genommen.
Entschädigungen für Fliegerschäden. Die Kriegsamtsstelle in Koblenz gibt bekannt: Die oft geäußerte Ansicht, daß das Reich oder der Staat für alle durch Kriegshandlungen veranlaßten Schäden haftbar sei oder diese vergüte, ist nicht richtig. Eine gesetzliche Verpflichtung des Staates besteht hierfür nicht. Nichtsdestoweniger werden die Kriegsschäden an Gebäuden wie auch die durch Fliegerbomben verursachten Sachschäden vom Staate Preußen vergütet. [...] Es wird damit gerechnet, daß später das Reich die von den einzelnen Staaten geleisteten Entschädigungen zurückbezahlt. Bei dieser Sachlage werden die Hausbesitzer, die mit der Möglichkeit eines Bombenabwurfes auf ihr Eigentum rechnen, gut tun, sich zu versichern. [...] Auch für die Entschädigung bei Personenschäden besteht keine gesetzliche Grundlage. Jedoch ist anzunehmen, daß die gegen Unfall versicherten Personen, die in industriellen Betrieben verletzt werden, nach den für die Versicherung bestehenden Grundsätzen entschädigt werden. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Keine Wiederholung der Kleiderabgabe. Durch verschiedene Zeitungen wird die Mitteilung verbreitet, daß durch die jetzt betriebene Kleiderabgabe etwa der Bedarf eines halben Jahres gedeckt würde und man daher mit einer Wiederholung der Kleidersammlung zu rechnen habe. Die Reichbekleidungsstelle erklärt demgegenüber, daß sie die Widerholung einer derartigen Kleidersammlung für die Arbeiter nicht beabsichtigt.
Beschlagnahmt. Der Inhaber der Firma Fichtelberger, Wenzelgasse, bittet uns mitzuteilen, daß sich die von uns gemeldete Beschlagnahme von Fleisch und Butter in einem Geschäft in der Wenzelgasse nicht auf seine Firma bezieht.
Die Diebstähle von Kartoffeln und Feldfrüchten der kleinen Pächter mehren sich täglich. So kann man allenthalben Warnungstafeln angebracht sehen, deren Inhalt auf die bei mit einem eventuellen Diebstahl verbundenen Gefahren hinweisen. Ein Pächter, dem man seine Kartoffeln gestohlen hat, warnt: „Um weiteren Diebstählen zu begegnen, habe ich Fußangeln und Selbstschüsse gelegt. Auch habe ich verschiedene Kartoffelstöcke mit Gift versehen. Uebrigens: Wehe dem, den ich erwische!“ Ein weiterer Pächter warnt ebenfalls vor Eigentumsvergehen und behauptet, einzelne Gemüsepflanzen vergiftet zu haben. Und so weiter – Zeichen der Zeit.
Bowlen und Aehnliches.
Von einem alten Freunde unseres Blattes, einem guten, treu-deutschen Rheinländer, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, wird uns mit herzerfrischender Offenheit geschrieben:
Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht und die Riesen-Bowlen zu Schiff so lange zu Wein, bis dem Herrn Kommandierenden General der Geduldsfaden reißt. Wenn jemals eine Anordnung eitel Befriedigung und Zustimmung bei der Allgemeinheit gefunden hat, so dürfte es dieses Verbot des Bowletrinkens und dieses Gebot der Einschränkung des Weingenusses auf den Rheinschiffen sein. Der Schiffswirt, der auf unseren Rheinschiffen Restaurateur heißt, wird allerdings ein Stück Verdienst schwimmen gehen, für die fühlende Menschheit und besonders für die unter dem Kriege leidende und darbende wird aber dadurch hoffentlich ein arger Stein des Anstoßes weggeräumt. Vielleicht wird auch die sogenannte Poesie des Rheins etwas darunter leiden, die Manchem erst bei der dritten Flasche so herrlich aufging und mit der Zahl der Flaschen immer wuchs und sich verlautbarte. Es war ja so schön, und ich bin nie ein Pharisäer oder gar Spielverderber gewesen, aber man soll doch den Zeitgeist verstehen und mit ihm gehen. Für den redlichen Kriegsgewinnler wird freilich der echte Zeitgeist schwer zu verstehen sein, der ihm dauernd als frischmelkende Kuh erscheint und ihm mit wenig Mühe und ohne Sorge den Rahm von der Arbeit des ganzen Volkes abschöpfen läßt. Er mag sogar glauben, ein gutes Werk zu tun, wenn er durch sein Prahlen dem Schiffswirten, dem Restaurateur, etwas zu verdienen gibt und einen Teil seines sauber, aber nicht sauer verdienten Geldes um sich wirft. Er versteht nicht den Feldgrauen und dieser ihn nicht, selbst wenn er ihn in einem aufwallenden Gefühl von etwas Patriotismus-Ersatz zum Mittrinken etlicher Glas zu sich heraufzieht. Er kann den Eindruck nicht ermessen und hat dafür kein Gefühl, den sein schwelgerischer Genuß auf den Arbeiter ausübt, der im vaterländischen Hilfsdienst körperlich oder geistig, tags und nachts, um, im Verhältnis zu ihm, immerhin kargen Lohn schuftet. Er kann nicht, während er um vieles Geld ein üppiges Mahl schlemmt, die seelischen Qualen der armen Frau begreifen, die unten in der Vorkajüte auf einem Säckchen Kartoffeln sitzt und die mit ihrem Enkeltöchterchen ein Körbchen festhält, in dem sich ein paar Eier, ein Bierfläschchen Milch und einige Falläpfel befinden, die sie für die schwindsüchtige Mutter der Kleinen in harter Tagesarbeit glücklich gehamstert haben. Ja, ja für arme anständige Leute ist Hamstern ein sehr schwerer Kampf ums Dasein. Und nun fürchten sie und zucken jeden Augenblick zusammen, das Auge des Gesetzes könnte ihnen die kleine Beute, die sie so glücklich macht, im Namen des Gesetzes wieder entreißen. Oben aber klingelt’s: Der Herr bestellt Pfirsich in Champagner für die dicke Gattin, die für nichts anderes mehr aufnahmefähig, für sich nochmals Käse und noch eine Pulle, Zigarre mit Bauchbinde und von Kaliber entnimmt er seiner Ledernen. Ja, hart im kleinen Schiffsraum stoßen sich die Sachen. Der Protz braucht kein schlechter Kerl zu sein – es fehlt ihm nur die Seele! [...]
Es gibt noch viele Plätze, wo der böse Geist seelenloser Gefühlsmenschen umgeht, ganze Anlagen von Augiasställen. Hoffentlich fährt der Herr Kommandierende in seiner Herkulesarbeit fort. Als Familienvater nur ein paar Punkte, die mir von Wichtigkeit erscheinen, weil sie unsere Jugend betreffen und geeignet sind, jenen abscheulichen Protzengeist in unserer Jugend zu fördern.
Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Kindern das Schulbrot mit dem köstlichen rheinischen Apfelkraut zu schmieren, das wir naturrein aus Birnen herstellen, in diesem Jahr aus Runkelrüben oder Futterknollen. Zu Hause essen die Kinder das Kraut sehr gerne, aber in der Schule wollen sie es nicht haben; sie würden von den anderen ausgelacht, die meist Butter, Käse, Wurst oder Schinken auf dem Brot hätten! Ich habe mir erzählen lassen, daß es im Reich Universitäten und Gymnasien gibt, deren Studenten bezw. Schüler barfuß oder in Holzsandalen ohne Strümpfe im Sommer erscheinen. In den Schulen, die meine Kinder besuchen, ist das leider nicht so. Wer da mit Holzsohlen kommt, wird als minderwertig angesehen und verulkt –strumpflos wäre einfach unmöglich. Im Laufe der Zeit, wenn Lederschuhe mit Gewalt nicht mehr zu beschaffen sind, wird ja selbst der höhere Gymnasiast zum Holzschuh hinabsteigen müssen; aber wie viel weiter würden wir die noch vorhandenen Lederschuhe strecken können für die kalte Jahreszeit, wenn jetzt im Sommer Exzellenz oder der kommandierende Herr Direktor mit einem kräftigen Hieb den Protzengeist totschlüge, der sich in hellen oder anderen Lederschuhen und in Schinkenbutterbroten bläht und breit macht.
Schinkenbutterbrote und Lederschuhe wären Kleinigkeiten? (Himmel, hast du keine Flinte!) – Sie wirken gerade so verheerend, wie das Bowletrinken auf den Rheinschiffen. Videant consules! Joh. Sch.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Stangenbohnenanlagen des Vorgebirges haben sich infolge des schönen warmen Wetters der letzten Wochen noch gut herausgemacht. Sie sind noch viel in die Höhe gegangen und haben nochmals neue Blütentrauben gebildet, die bei der günstigen Witterung wohl alle zur Entwicklung kommen werden. Infolgedessen gibt es noch mehr Stangenbohnen, als man anfänglich angenommen hat. Die Ernte derselben ist ja jetzt im vollen Gange und man muß alle zwei bis drei Tage die Bohnenfelder durchpflücken, sollen nicht einzelne Hülsen holzig oder strohig werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Montag, 19. August 1918
Gegen die Unsitten mancher junger Wanderer, über die geklagt wird, versucht man jetzt durch öffentliche Ermahnungen zu wirken. So verbreitet der Arbeitsausschuß zur Bekämpfung der Wanderunsitten einen Anschlag auf Bahnhöfen, der sich an die wandernde Jugend wendet und in knappen Sätzen ihr die Grundsätze für angemessenes Verhalten beim Wandern z Gemüte führt. Die Hauptsätze lauten: Deutsche Jugend! Kleidet euch auf den Wanderungen einfach und anständig und unauffällig. Schützt unsere Wälder und Felder.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Kriegspreise der Königswinterer Eselstreiber. Für das Königswinter besuchende Publikum wäre es eine Wohltat, wenn die Behörden endlich einmal energisch den Ausbeutungen der Fremden durch die Eselstreiber Halt gebieten würde. In Anbetracht der teuren Zeit war die Taxe für einen Eselsritt nach dem Drachenfels schon sehr hoch mit 2,50 Mark angesetzt, aber dafür ist kein Tier zu haben. 3, 4, 5 Mark, je nach Willkür des einzelnen, muß bezahlt werden, dabei wird Trinkgeld gefordert, wenn es nicht gutwillig gegeben wird. Ein Schild mit der Taxe verschwindet sofort nach der Anbringung. Die Behörde würde sich den Dank der Fremden erwerben. X.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Wildfrucht-Ausstellung. Nachdem im letzten Frühjahr Universitätsprofessor Dr. Küster durch eine Wildgemüse-Ausstellung die Bonner Einwohner auf die an Wegen und Hecken erfaßbaren eßbaren Pflanzen aufgeklärt hatte, ließ er gestern eine ähnliche Aufklärung über diejenigen weitverbreiteten Wild- und Halbfruchtformen folgen, die in der Umgebung von Bonn besonders leicht zu erreichen sind. Vor den zahlreich erschienenen Besuchern der Ausstellung (im Speisesaale der Kriegsküche in der Universität) erläuterte Professor Küster vor allem die guten Eigenschaften des schwarzen Holunders, des Bergholunders, der Hagebutten, der in unseren Ziergärten gepflanzten Mahonien, der Paradies- und Beerenäpfel, der besonders zuckerreichen Eibenfrüchte, der unseren Kindern als „Mehltöpfchen“ wohlbekannten Früchte des Weiß- und Rotdorns sowie der Berberitze und der Eberesche. Er machte Angaben über die zweckmäßige Verwendung dieser Früchte, über empfehlenswerte Mischungen und die Herstellung von Fruchtsäften, Marmeladen, Obstkuchen usw. Als wichtige Teearten wurden Hagebuttentee, Thymian- und Schachtelhalmtee besonders nachdrücklich empfohlen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Dienstag, 20. August 1918
Eine „Jung-Flieger-Abteilung“ ist in Bonn gegründet worden. Zum Führer und Flugleiter ist von der Bundesleitung des Deutschen Fliegerbundes Herr Jos. Rüken jun. ernannt worden. Die Abteilung bezweckt Belehrung der Jugend in eigenen Lehrkursen und Ausbildung von geeigneten Jungfliegern in Fliegerfachschulen. Schon vor der eigentlichen Gründung der Abteilung fanden des öfteren Besichtigungen von Flugplätzen usw. statt. Durch Modell- und Gleitflugsport soll das Interesse der männlichen Jugend zur Fliegerei geweckt werden. Die Abteilung verfügt über drei Maschinen; denn nicht nur unsere Fliegerwaffe, der Stolz jedes vaterländisch denkenden Deutschen, sondern auch der friedliche Luftverkehr bedarf in Zukunft eines jederzeit bereiten Nachwuchses. Der Abteilung kann jeder männliche Deutsche im Alter von mindestens 15 Jahren beitreten. Schriftliche Eingaben mit Alters- und Berufsangabe sind persönlich an den Abteilungsführer, Herrn Josef Rüken jun., Bonn, Schillerstraße 7, zu richten, worauf die Eintrittsbedingungen zugesandt werden. Vor dem Kriege war Fliegen ein Sport. In unserm Vaterlande fast noch weniger als das. Der Kampf um den Bestand des Reiches und unseres Volkstums hat uns gezwungen, dem Gegner auch in der Luft zu begegnen. Unter übermenschlichen Anstrengungen, unter den größten Opfern an Gesundheit und Leben haben wir die Vorherrschaft in der Luft errungen. Es gilt, sie festzuhalten! Darum möge jeder Fluginteressierte an der Sicherung des Erbes, das uns von den Helden der Luft übertragen ist, mitarbeiten und der Abteilung beitreten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Godesberg, 19. Aug. Die Bürgermeisterei Godesberg beabsichtigt, ein „Eisernes Buch“ zur Ehrung ihrer Kriegsteilnehmer anzulegen. Es soll die Namen und Geschicke ihrer Ausmarschierten für alle Zeiten festhalten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)
An die Adresse des Herrn Beigeordneten Piehl sind zahlreiche Zuschriften aus den Kreisen der Bonner Hausfrauen in den jüngsten Wochen an den Bonner General-Anzeiger gerichtet worden. Es handelte sich hierbei um den außerordentlich hohen Preis der Frühkartoffeln, der den festgesetzten Höchstpreis bei weitem übersteigt. Wir haben diesen Zuschriften keinen Raum gegeben, weil es uns bekannt ist, daß die Stadtverwaltung nur unter außerordentlichen Aufwendungen überhaupt Kartoffeln hereinbringen konnte. Inzwischen nähern wir uns aber dem Ende des Monats August, und es wird doch allmählich Zeit, daß unsere Landwirte davon abstehen, die Frühkartoffeln zu dem außerordentlich hohen Preis von 15, 16 und 17 Pfg. im Großkauf an die Städte abzulassen. Der Preis von 20 Pfg., den die Stadt Bonn erhebt, ist im Hinblick auf den Gewichtsverlust bei der Beförderung nach hier und Lagerung an sich durchaus begründet, aber die Bürgerschaft des Mittelstandes und der Arbeiterschaft, die sich namentlich in der fleischlosen Woche fast vollständig auf das Kartoffelmenu einrichten muß, ist 20 Pfg. ein Preis, der mit dem Haushaltungsbudget nicht in Einklang zu bringen ist. „Mer kann et och üvverdrieve,“ sagt einmal der Bestevader zum Hännesche, als der junge Mann sämtliche Potentaten des Erdballs noch nach Feierabend umbringen wollte. Unsere Landwirte mögen sich an ihre vaterländische Brust schlagen und die Hausfrauen aus ihrer verzweifelten Lage befreien.
Eine Menge Diebstähle, im ganzen 21 Stück, waren im vorigen Winter in Godesberg und Umgegend verübt worden, die sämtlich einem Verwundeten von dort zur Last gelegt wurden. Gestern konnten nur vier Diebstähle aufgeklärt werden. Die Schuld des Angeklagten wurde nicht erwiesen, wohl wurde festgestellt, daß er eine Menge gestohlener Sachen in Godesberg bei seiner Schwester versteckt hatte, von denen der Angeklagte behauptete, daß er sie von anderen Soldaten erhalten habe. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten, der zur Genesungskompagnie Dietz gehörte, zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren zu verurteilen. Das Gericht vertagte die Urteilverkündung.
Einziehung auch der Kupfermünzen? Es verlautet, daß die Reichsbank demnächst auch die Einziehung der Kupfermünzen anordnen werde.
Einen „kostbaren Fund“ machte heute morgen in der Frühe ein alter Bonner auf seinem gewohnten Rundgang durch den Hofgarten. In der Nähe des Simrockdenkmals fand er – drei Zigarren, ausgewachsene Exemplare mit Bauchbinde. An allen Dreien war zwar das Zugblatt aufgesprungen, für die „Pief“ waren sie aber noch gut zu verwerten. Besser jedenfalls, wie „Im Wald und auf der Heide“, meinte der glückliche Finder.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Bonn hielt Sonntag für ihre Mitglieder und deren Angehörige einen gemütlichen Abend im Kath. Gesellenhause ab, der bei ernsten und heiteren Darbietungen, zu welch letzterem namentlich der bestens bekannte Herr Koep beitrug, recht angeregt verlief.
Diebstähle. In der Nacht zum Sonntag sind aus der städtischen Milchküche am Schlachthof fünf Treibriemen im Werte von 2.000 Mark und einige Büchsen Milch, aus einem Betriebe in der Weststraße fünf Treibriemen im Werte von 1½ tausend Mark, aus einem Hause an der Weststraße zwei Gänse und ein Huhn gestohlen worden. In einem Hause der Wenzelgasse wurden in der vergangenen Nacht Diebe verscheucht, bevor sie etwas entwenden konnten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Mittwoch, 21. August 1918
Schulzahnklinik. Der städtische Finanzausschuß empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, dem Dozenten für Zahnheilkunde an der Universität Professor Dr. Kantorowicz die Leitung der Schulzahnklinik vom 1. Oktober ab zu übertragen. Professor Kantorowicz hat angeregt, um eine möglichst vollkommene Gesundung der Zahnverhältnisse der ganzen Volksschuljugend zu ermöglichen, auf die Beiträge der Schulkinder zu verzichten. Der städtische Finanzausschuß hat dieser Anregung zugestimmt. Der Haushaltsplan der Schulzahnklinik sieht 9600 Mark Ausgaben vor, denen Einnahmen nicht gegenüberstehen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Provinzialfleischstelle für die Rheinprovinz warnt die Inhaber von Gastwirtschaften und Hotelbetrieben vor der markenfreien Abgabe von Fleisch und der ungenügenden Entwertung der Fleischmarken. – Nachdem zahlreiche Beschwerden über die Mißstände eingegangen sind, hat die Provinzialfleischstelle Ueberwachungspersonen für die ganze Provinz mit dem Auftrage angestellt, jeden Zuwiderhandlungsfall seitens der Gastwirte und Hoteliers zur Anzeige zu bringen, worauf die Schließung des Betriebes auf längere Zeit oder sogar dauernd unnachsichtlich erfolgen wird. – Die scharfen Maßnahmen sind im Interesse der Schonung unserer Viehbestände unbedingt geboten.
Der Bonner Männer-Gesang-Verein ehrte am Samstag Abend seinen musikalischen Leiter, Königlichen Musikdirektor Heinrich Sauer, aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit, die am gestrigen 20. August stattfand, durch eine Festlichkeit im oberen großen Saal des Hofrestaurants Hähnchen. Es nahmen zahlreiche Ehrenmitglieder und Inaktive, sowie viele Sänger an der Feier teil. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Grüne, begrüßte Herrn Sauer und seine Gattin und überreichte dem Jubelpaar eine kunstvolle Vase als Geschenk des Vereins. Der Chor erfreue die Festversammlung durch Liedervorträge: auch wurden einige Soli gespendet. Am Vorabend des silbernen Hochzeittages brachte der Chor seinem Leiter unter großer Beteiligung der Sänger vor dessen Wohnung ein musikalisches Ständchen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum gestrigen Montag wurden von einem Lagerplatz an der Bornheimer Straße etwa 350 Meter Kupferdraht im Werte von etwa 1000 Mark gestohlen. Die Diebe haben den Draht teilweise von hohen Leitungsmasten abgeschnitten, sind aber trotz des Geräusches, das ihre „Arbeit“ verursacht haben muß, nicht bemerkt worden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Donnerstag, 22. August 1918
Zigeuner machen sich seit einiger Zeit in Bonn und Umgebung recht unangenehm bemerkbar. Sie haben sich in einem ganzen Hause der Rheingasse und einer Wohnung der Josephstraße niedergelassen, andere Familien hausen in Wohnungen außerhalb der Stadt. Eine Anzahl Diebstähle werden wohl nicht mit Unrecht diesem fahrenden Volk zugeschrieben. Gestern sind zwei Zigeuner auch wegen schlimmerer Verbrechen verhaftet worden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Nächtlicher Fliegeralarm. Um 12 Uhr 40 Minuten nachts wurden die Bewohner unserer Stadt und der weiteren Umgebung durch Sirenengeheul aus dem Schlaf aufgeschreckt. Kurz darauf fielen die ersten Signalschüsse, der Aufblitzen man trotz der mondhelle Nacht deutlich wahrnehmen konnte. Gleichzeitig traten unsere Abwehrgeschütze in Tätigkeit. Fast ununterbrochen grollte der Donner der Geschütze und vereinzelt hörte man das Tack Tack der Maschinengewehre und weithin vernahm man das Surren der Flugzeugpropeller. Von der rechten Rheinseite und aus der Kölner Gegend leuchteten die Scheinwerfer auf und suchten die sternenklare Luft ab nach den unheimlichen Gästen. Wie Leuchtkugeln nahmen sich hoch oben am Firmament die Lichtblitze der Schrapnellschüsse aus, und vereinzelte Leuchtbomben, die von unseren Jagdstaffeln geschossen wurden, vervollständigten das schaurig-schöne nächtliche Bild. Annähernd 1¼ Stunde währte der Alarm. Um 1 Uhr 50 Minuten ertönte das Schlußsignal.
Für die Bürgerschaft Bonns bedeutete der nächtliche Alarm zum erstenmale eine empfindliche Störung der Nachtruhe, wie sie die Bewohner anderer Rhein-, Mosel- und Saarstädte schon häufiger erlebten. Der Reiz der Neuheit ließ viele Bonner diese nächtliche Wanderung in die Tiefen der Kellerräume mit einem gewissen Humor aufnehmen. Schlaftrunken und in den seltsamsten Bekleidungen pilgerte gar Mancher und Manche in die schützenden Untergeschosse, wo man sich so gut wie möglich die Zeit zu vertreiben suchte. Bei solchen unserer Bürger, die sich noch eines gepflegten Weinkellers erfreuen, soll diese mitternächtliche Stunde besonders tröstlich verlaufen sein. Die Organisation der Warnung gegen Luftgefahr und die militärischen Abwehrmaßnahmen betätigten sich übrigens so vorzüglich, daß man mit einem Gefühl der Beruhigung die Zeit der „Schutzhaft“ im Kellergeschoß verbringen konnte.
Ein amtlicher Bericht über den Fliegeralarm liegt noch nicht vor.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Esperanto. Auf Grafenwerth hielt am Samstag den 17. d. M. der Godesberger Esperantoverein „Godea“ e. V. in Godesberg seine diesjährige (11.) Jahres-Hauptversammlung ab. […] Es wurde beschlossen, gegen Ende Oktober einen neuen Kursus in der Welt-Hilfssprache Esperanto zu eröffnen, dessen Leitung Frl. Harprath als Lehrerin und Herr Oster übernehmen werden. Interessenten belieben schon jetzt Anmeldungen der Geschäftsstelle des Vereins, in Godesberg, Bahnhofstr. 30 (bei Frau Wwe. Dreesbach) vorzunehmen.
Soldatenheim. Am verflossenen Sonntage konnte im Soldatenheim der Vorsitzende, Herr Lorenz Schröder, trotz des schönen Wetters eine große Anzahl Feldgrauer begrüßen. Derselbe schilderte in seiner lebhaften Weise die Vorgänge an der Westfront und dankte den vielen erschienenen Verwundeten in herzlichen Worten für ihr tapferes unentwegtes Ausharren in den schweren Kämpfen und wies darauf hin wie glücklich wir uns schätzen könnten, daß unsere Tapferen uns den Feind von unserm gesegneten Rheinlande ferngehalten und wahrlich keinen Grund hätten, mißmutig zu sein. Hierauf erfreute das Quartett des Soldatenheims, lebhaft begrüßt von unsern Feldgrauen, die Anwesenden mit verschiedenen Chören. […] Zum Schlusse stellte der Vorsitzende noch fest, daß so viele Feldgraue und speziell unsere Verwundeten nicht von den schönen Veranstaltungen des Soldatenheims wissen und möchten wird die vorgesetzten militärischen Behörden auch nochmals an dieser Stelle auf diesen Fall aufmerksam machen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Freitag, 23. August 1918
Feindliche Flieger griffen in der Nacht zum gestrigen Donnerstag Köln an und überflogen bei dieser Gelegenheit auch die Stadt Bonn. Es wurde um 12¾ Uhr durch Sirenengeheul und Raketen alarmiert. Gleich darauf wurde in der Umgebung kräftig aus den Abwehrgeschützen gefeuert. Man hörte den Geschützdonner und sah hoch in der Luft das Aufblitzen der platzenden Geschosse. Trotzdem kamen feindliche Flieger auch über Bonn; denn das Geräusch ihrer Motoren, das von dem der deutschen Flugzeuge merklich abweicht, war zu hören. Auch Maschinengewehrfeuer war kurze Zeit zu vernehmen, ein Luftgefecht, auf das man daraus schließen könnte, hat es jedoch über Bonn und seiner Umgebung nicht gegeben, die Schüsse müssen von einem feindlichen Flugzeug abgegeben worden sein. Bomben sind auf Bonn und seine Umgebung nicht abgeworfen worden. Man hat im Laufe des Tages einige Blindgänger gefunden, sie rühren aber von unseren Abwehrgeschützen her, nicht von feindlichen Fliegern. 20 Minuten vor 2 Uhr war der Fliegeralarm beendet.
Ueber den Angriff auf Köln liegt folgende amtliche Meldung vor:
Köln, 22. Aug. Amtlich. Diese Nacht, kurz nach 1 Uhr, wurde Köln von mehreren feindlichen Fliegern angegriffen. Die Abwehr trat rechtzeitig in Tätigkeit. Es wurden etwa 10 Bomben abgeworfen; leider sind fünf Tote und zwei Schwerverletzte zu beklagen. Es wurde nicht unerheblicher Sachschaden an Privateigentum angerichtet. Militärischer Sachschaden ist nicht entstanden. […] Offenbar befinden sich die hiesigen Einwohner in dem Glauben, daß auf Bonn keine Bomben geworfen würden, da Bonn bisher noch nicht angegriffen worden ist und auch die letzten Angriffe in unserer Gegend anderen Städten gegolten haben. Eine solche Meinung ist jedoch völlig irrig. Wenn auch Bonn selbst schwerlich Ziel eines beabsichtigten Angriffs werden wird, so kann es doch sehr leicht vorkommen, daß die feindlichen Flieger bei einem Angriffe auf Köln durch Witterungseinflüsse, durch Kampfflieger oder aus anderem Anlaß von ihrem eigentlichen Ziele abgedrängt werden und dann ihre Bomben über dem nächsten, auf dem Rückfluge berührten Orte fallen lassen. […] Die Bonner Einwohnerschaft möge daher die wiederholt veröffentlichten Richtlinien für das Verhalten bei Fliegergefahr genau beachten, damit die traurigen Erfahrungen, die andere Städte machen mußten, für Bonn vermieden werden.
Das ukrainische Ei, das unser Lebensmittelamt der Bonner Einwohnerschaft schon vor bald vier Wochen in Aussicht gestellt hatte, wird von Samstag nachmittag ab ausgegeben.
Treibriemendiebstahl ist Landesverrat. Der hiesige 19 Jahre alte Arbeiter Heinrich Göddertz arbeitete hier seit mehreren Jahren in einem kriegswirtschaftlichen Betrieb, wo in einer Nacht der wertvollste Treibriemen gestohlen wurde, so daß der Betrieb mehrere Schichten lang teilweise stilliegen mußte und die Lieferung sehr wichtiger Arbeiten nicht rechtzeitig erfolgen konnte. Das Außerordentliche Kriegsgericht für den Bereich der Festung Köln verurteilte den Arbeiter wegen vollendeten Landesverrats in Tateinheit mit schwerem Diebstahl unter Zubilligung mildernder Umstände wegen der verhältnismäßigen Jugend zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zur Kartoffelversorgung Bonns. Wie wir erfahren, ist die Kartoffelversorgung der Stadt Bonn mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Der Verbrauch der Bürgerschaft einschließlich der Kriegsküchen beläuft sich täglich auf 1500 Zentner, während die Rheinprovinz nur 600 Zentner für die Woche liefert. Das Lebensmittelamt ist also genötigt, den weit überwiegenden Teil des Bonner Bedarfs anderweitig zu decken. So müssen Frühkartoffeln aus Westpreußen, Pommern und Sachsen bezogen werden. Die von dort herbeigeschafften Kartoffeln leiden natürlich auf der Fahrt. Es tritt ein Gewichtsverlust durch Verdunstung und ein Abgang durch das rasche Faulen der Frühkartoffeln ein, sodaß schon hierdurch eine Zubuße der Stadt verursacht ist. Außerdem werden diese Kartoffeln in Papiersäcken befördert, wovon das Stück 2 Mark kostet. Diese Säcke können nur einmalig verwandt werden. Ferner tritt beim Einwiegen der Kartoffeln im Kleinverkauf eine Einbuße für die Stadt ein. Auch sonstige Unkosten bei der Herbeischaffung von Frühkartoffeln aus Sachsen und den östlichen Provinzen, Vermittlungsgebühren usw. belasten den Bezugspreis derart, daß selbst bei einem Verkaufspreis von 20 Pfg. für das Pfund an die Bonner Verbraucher unsere Stadtverwaltung noch Geld zulegt.
Wenn trotzdem vom kommenden Samstag ab die Bürgerschaft die Frühkartoffeln zum Preise von 17 Pfg. beziehen kann und sie für den Kopf 7 Pfund empfangen, so bedeutet dies nach unsern Erkundigungen über die Sachlage ein Entgegenkommen unserer Stadtverwaltung, für das unsere Hausfrauen trotz des an sich noch immer verhältnismäßig hohen Preises von 17 Pfg. dankbar sein dürfen. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Samstag, 24. August 1918
In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung gab Stadtverordneter Henry eine Erklärung der Zentrumsfraktion gegen die Wahl des Professors Weegmann zum Direktor des städtischen Lyzeums ab, weil Professor Weegmann evangelischen Bekenntnisses sei. Oberbürgermeister Spiritus und Stadtverordneter Dr. Krantz wiesen den Vorwurf der Partitätsverletzung zurück. Die Versammlung […] stimmte dem Vertrag mit dem Professor Kantorowicz über die Führung der Schulzahnklinik zu. Beigeordneter Bottler teilte mit, daß die ungedeckten Kriegsausgaben der Stadt bis 1. Juli d. J. 6.300.000 M. betrugen. Die vorgeschlagene Preiserhöhung für neue Gasanschlüsse wurde abgelehnt. Wie Beigeordneter Bottler bei dieser Gelegenheit mitteilte, soll die nächtliche Gassperre demnächst wieder aufgehoben werden. Der Fehlbetrag des Städtischen Gesangvereins wurde auf die Stadt übernommen. Dabei wurde die Ueberzahl der musikalischen Veranstaltungen in Bonn gerügt. Für die Volksunterhaltungsabende im kommenden Winter wurde ein Zuschuß von 2.000 M. bewilligt. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Kein Lichtmachen bei Fliegeralarm. Ein Feldgrauer schreibt uns: Zur Zeit hier in Bonn auf Urlaub weilend, habe ich die beiden Nachtfliegeralarme mitgemacht. Es ist mir aufgefallen, daß, wie auf Kommando bei Ertönen der Sirenen in den meisten Häusern Licht gemacht und erst nach Aufhebung des Alarms gelöscht wird. Es kann nichts falscheres geben, als so die feindlichen Geschwader auf die Stadt zu lenken. Im Felde darf nachts kaum eine Zigarre angezündet werden, wenn Flieger in der Luft sind. Also beim nächsten Nachtalarm Licht aus!
Nachrichten des Städtischen Lebensmittel-Amtes.
[…]
Fett. Auf die Abschnitte Butter und Fett der Speisefettkarte werden in der kommenden Woche insgesamt 50 Gramm Butter ausgegeben.
Eier. Am Samstag wird von 3 Uhr nachmittags ab auf Eierkarte Nr. 9 je ein Ei verkauft. Der Preis beträgt, da es sich um Auslandseier handelt, 55 Pfg. für ein Stück.
Kartoffeln. Für die Woche vom 26. August bis 1. September werden auf Kartoffelkarte Nr. 9 sieben Pfund Kartoffeln zum Preise von 17 Pfg. für das Pfund ausgegeben. Die Ausgabe beginnt am Samstag, den 24. August. Es wird gebeten, die Kartoffeln bis spätestens am Donnerstag, den 29. August abzuholen. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Sonntag, 25. August 1918
Ludendorff-Spende. Der Ortsausschuß Bonn-Stadt der Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte schreibt uns: Wenn die öffentlichen Sammlungen für die Ludendorff-Spende, besonders die Straßen- und Haussammlungen nunmehr auch in den meisten Teilen des Reiches durchgeführt sind, so ist diese große Sammlung noch keineswegs abgeschlossen. Ständig nimmt die Zahl der Kriegsbeschädigten bei den schweren Kämpfen, die unsere tapferen Truppen jetzt wieder an der Westfront zu bestehen haben, zu. Dabei sind die Aufgaben der Kriegsbeschädigtenfürsorge so groß und zahlreich, daß hierzu nie zu viel Mittel aufgebracht werden können, um unseren wund und krank zurückgekehrten Kriegern so weitherzig zu helfen, wie es des großen deutschen Vaterlandes würdig ist und unserem heißen Dankgefühl gegen die heldenhaften Vaterlandsverteidiger entspricht. Wer darum noch nicht zur Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte gegeben hat oder nicht soviel, als er nach seinen Verhältnissen vermöchte, möge daher auch jetzt noch einen möglichst hohen Beitrag zu diesem gewaltigen vaterländischen Werke stiften. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Ein Paar Schuhe hatte ein Arbeiter einer in der Stiftsgasse wohnenden Arbeiterin mittelst Einsteigens durch das Fenster gestohlen. Er wurde mit neun Monaten Gefängnis bestraft.
Die fremdsprachigen Bezeichnungen für Fleischgerichte. Die Allgemeine Fleischerzeitung legt den städtischen und anderen Behörden, welche Preise für Fleisch festzusetzen und zu veröffentlichen haben, nahe, mit den fremdsprachigen Bezeichnungen aufzuräumen, indem sie schreibt: „Die deutsche Bezeichnung für Roastbeef, Rumpsteak ist Rückenstück oder Rindsrücken. Für Filet ist das deutsche Wort Lende eine jeden Zweifel ausschließende Bezeichnung, für Frikandeau genügt es, Kugel zu setzen. Es sollten doch gerade die Behörden endlich mit dem Unfug des Gebrauchs der Fremdwörter ein Ende machen. Wo dies nicht von selbst geschieht, sollten die Innungen auf Beseitigung dieser fremdsprachigen Bezeichnungen dringen.“ Eine gute Verdeutschung für Rumpsteak ist „Rumpfstück“, die jetzt schon vielfach auf den Speisekarten der Gasthäuser angewandt wird.
Der Bonner Wochenmarkt war gestern ziemlich gut beschickt, vorwiegend aber wieder mit Gemüse, Kopf- und Endiviensalat, Kohlrabien und Kleinzeug. Spinat kommt seit einigen Tagen auch etwas reichlicher auf den Markt, ebenfalls große Mengen fremder Rotkohl. […] Obst war auf dem ganzen Markt kein einiges Pfund aufzutreiben, ebenfalls seitdem der Höchstpreis festgesetzt ist, keine Zwiebeln. Der Verkauf war im allgemeinen ziemlich flott. Unser Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte gestern überhaupt keine Zufuhren. Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt erfreute sich eines recht regen Zuspruchs, besonders in Stangen- und Strauchbohnen. In Weißkohl hat die Stadtverwaltung sich sehr gut vorgesehen, sodaß hiervon sowie von Rotkohl und Strauchbohnen bis auf weiteres noch jede gewünschte Menge abgegeben werden kann. […]
Unser Durchhalten gewährleistet. Nach den Erntevorschätzungen ist, wie wir erfahren, das diesjährige Ernteergebnis um 10 bis 15 Prozent besser als das vorjährige. Damit ist unser Durchhalten gewährleistet. Auch können wir Reserven, die wir während der letzten Monate aufgebraucht haben, ergänzen und den Vorschuß an Frühdruschgetreide zurückerstatten, so daß wir mit unserer Getreidewirtschaft wieder im Reinen sind. Die Befürchtungen, daß infolge des erhöhten Anbaues von Sonderfrüchten unser Getreidebau wesentlich zurückgegangen sei, sind unbegründet. Die Anbaufläche hat sich Gegenteil um einige Prozent erhöht, besonders beim Winterroggen und nur beim Weizenanbau ist ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Die Kartoffelanbaufläche wurde bis zu einem Fünftel des Vorjahres vergrößert. Leider haben wir bei der Frühkartoffelernte hiervon infolge des Frostes wenig Nutzen gehabt, doch sehen wir der kommenden Spätkartoffelernte mit berechtigten Hoffnungen entgegen. Falls das Wetter weiter so günstig bleibt, dürfte mit einer der vorjährigen Ernte ähnlichen Ernte gerechnet werden können. Eine besondere Vermehrung hat die Anbaufläche für Oelfrüchte zu verzeichnen; eine weitere Erhöhung für das kommende Jahr ist vorgesehen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Kriegspreise im Friseurgewerbe. In dem Artikel Nr. 9220 werden die Kriegspreise der Königswinterer Eseltreiber geschildert. Da wir Arbeiter aber nicht mehr in der Lage sind, Sonntagsausflüge nach Königswinter zu machen, möchte ich auf die neusten Bonner Kriegspreise im Friseurgewerbe hinweisen. Bis vorletzten Freitag bekamen wir Arbeiter noch für 35 Pfg. die Haare geschnitten und für 15 Pfg. wurden wir rasiert. Jetzt will man auch in der anspruchslosesten „Schabstube“ 30 PFg. fürs Rasieren und Samstags 1 Mark fürs Haarschneiden haben. Wenn der Lehrjunge in einer Stunde 4 „Stifteköpp“ herunterarbeitet und vier abschabt, ist dieses nicht Wucher?
Unser Friseur kam sicherlich mit dem bisherigen Kriegspreise bei dem großen anspruchslosen Arbeiterkundenkreis gut aus, aber Kollegen mit feiner Aufmachung und fast keinem Kundenkreis scheinen hier die Kriegstreiber zu sein. Ein anspruchsloser Arbeiter.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Die Goldankaufstelle wird in kurzer Zeit ihre Tätigkeit beschließen. Die eifrigen Bemühungen der Ankaufstelle sind durch schöne Erfolge belohnt worden. Wer noch im Besitze von Gold- und Edelmetallen, Schmuckgegenständen usw. ist, hat in den nächsten Tagen noch Gelegenheit, sie an der Goldankaufstelle abzugeben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Montag, 26. August 1918
Lazarett-Bilder. Der Bonner Lazarettseelsorger Daniel Schäfer hat seine in den hiesigen Lazaretten gewonnenen Eindrücke und Erlebnisse in einem Büchlein „Lazarett-Bilder“ aufgezeichnet, das bereits in zweiter Auflage im Buchhandel erschienen ist. Das Büchlein soll, so schreibt der Verfasser, auch für die Zeit nach dme Kriege seine Leser erinnern an so manches stille Heldentum im Krankenzimmer der Lazarette, an das große, stille Dulden der Krieger, an die ertragene Qual und Pein auf verborgenem Kampfplatze des Leidens, und das Gedenken daran soll uns die tiefe Dankbarkeit zu allen Kriegsinvaliden und Kriegsbeschädigten fest ins Herz wurzeln. […]
Einbrecher besuchten in der Nacht zum Sonntag eine Zigarrenfabrik an der Koblenzer Straße. Sie erbeuteten mehrere Tausend Zigarren.
Raubgesindel scheint sich im Kottenforst aufzuhalten. Vor etwa zwei Wochen wurde ein Soldat, der nachts von einem Gange nach Meckenheim durch den Kottenforst zurückgehen wollte, angefallen und durch Schüsse verletzt. Er hatte starken Blutverlust und wurde in besorgniserregendem Zustande in das hiesige Marienhospital gebracht, befindet sich jetzt aber schon wieder besser. Auch ein Ueberfall auf einen Förster ist versucht worden, dieser erwehrte sich aber der Angreifer mit seiner Flinte.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Musikkonkurrenz. Sehr geehrte Redaktion! Die in der letzten Stadtverordneten-Versammlung gemachte Aeußerung des Herrn Stadtverordneten Henry, daß „die städtischen Musikleiter sich in bekannter Weise Konkurrenz machten“, kann ich nicht unerwidert lassen. Es ist sicher noch nicht vergessen, daß das städtische Orchester in Friedenszeiten 14 bis 16 Symphonie-Konzerte im Winter veranstaltete. Da das Orchester wegen der Einberufung des größten Teils seiner Mitglieder leider aufgelöst werden mußte, fielen diese gen. Konzerte weg. Eine Anzahl Musikverständiger und Musikliebhaber wandte sich deshalb an mich, mit der Bitte, wenigstens einige Symphonie-Konzerte zu veranstalten und diesem Wunsche entsprach ich gerne, umsomehr, als für mich auch das Sprichwort „Rast‘ ich, so rost‘ ich“ galt. Dank meiner Verbindungen konnte ich ein großes Symphonie-Orchester zusammenstellen und 7 Symphonie-Konzerte im Stadttheater einrichten. Daß die Konzerte einem wirklichen Bedürfnis entsprechen, beweist ihr überraschend glänzender Besuch. Ich will nicht erwähnt lassen, daß andere Konzerte, mit denen ich persönlich nichts zu tun habe, im vergangenen Winter ebenfalls sehr großen Zuspruch hatten und ausverkauft waren: ich nenne nur diejenigen der Frau Elly Ney, Frl. Edyth Walter. […] Dies nur zur Aufklärung!
Heinrich Sauer, Königlicher Musikdirektor und städtischer Kapellmeister.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Die innigen Beziehungen zwischen Stadt und Land – Hamsterverkehr genannt, aber zu größtem Teile notwendiger Versorgungsverkehr – spiegeln sich wieder in den Zahlen der mit den Kleinbahnen beförderten Personen. Auf den Köln-Bonner-Kreisbahnen, umschließend die Vorgebirgsbahn und Rheinuferbahn, wruden im Mai 1917 rund 827.000 Personen befördert; im Mai 1918 waren es rund 952.000, das sind insgesamt 125.500 mehr. Für die Rheinuferbahn bedeutet das sogar, weil sich die Inanspruchnahme dahin verschoben hat, 142.800 Personen, also für den Tag 4765 Personen mehr, denn auf der Vorgebirgsbahn sind es weniger geworden, etwa 582 für den Tag.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Dienstag, 27. August 1918
Das Soldatenheim leitete Sonntag der erste Vorsitzende, Herr Klutmann, der die große Zahl der feldgrauen Besucher und die Gäste herzlich begrüßte, sie mit den neuesten Kriegsereignissen bekannt machte und betonte, daß wir mit dem größten Vertrauen auf unsere oberste Heeresleitung blicken können. Reiche und abwechselungsvolle Unterhaltung boten dann die Chöre des Bonner Männergesangvereins Liederkranz unter Leitung seines neuen Dirigenten Herrn Diebels, ernste und heitere Zwiegesänge von Mitgliedern dieses Vereins, Cellovorträge des Herr Edelstein, von Frl. Schmitt auf dem Klavier begleitet, und die Aufführung von „Ein Bild aus dem Zigeunerleben“ mit Gesängen, Tänzen, Wahrsagen usw.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Der Flottenverein Jungdeutschland veranstaltet am kommenden Samstag ein größeres Kriegsspiel, um seinen Mitgliedern, die nicht in die Sommerfrische gewandert sind, während der Ferien auch eine Abwechslung bieten zu können. Gerade in der jetzigen Zeit tut unserer heranwachsenden Jugend eine Bewegung in der frische, stärkenden Natur sehr wohl und desto mehr ist es zu begrüßen, daß auch der Flottenverein Jungdeutschland angeschlossen ist, sich nicht nur zur Aufgabe macht, das Verständnis für die Flotte bei unserer Jugend zu fördern, sondern die Jugend auch durch sportliche Betätigung für die späteren Lebensaufgaben zu stärken.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Verhalten bei Fliegerangriffen.
Sobald das Alarmzeichen die unmittelbar drohende Gefahr ankündigt, ist folgendes zu beachten:
Alle Straßen, Plätze, Höfe und Gärten sind sofort zu verlassen. Jeder muß die nächsten Häuser aufsuchen und dort solange bleiben, bis die Beendigung des Alarmzustandes bekannt gegeben ist. Wer auf freiem Felde ist, oder wer nicht rechtzeitig ein Haus zu erreichen vermag, legt sich am besten platt auf den Boden. An Fenstern, Türen, auf Balkonen und Dächern darf sich niemand zeigen. Schutz lediglich hinter den Haustüren zu suchen, ist zwecklos, weil sie von Bombensplittern durchschlagen werden können.
Die Inhaber der im Erdgeschoß befindlichen Wohnungen und in deren Ermangelung die Inhaber des nächsthöheren Stockwerks sind verpflichtet, den in den Häusern Schutz suchenden Personen Einlaß zu gewähren und die Haustüren zu öffnen. Größere Ansammlungen sind in den einzelnen Räumen zu vermeiden.
Ehrenpflicht eines jeden Erwachsenen ist es, die Kinder in seinen Schutz zu nehmen und in Sicherheit zu bringen.
Besten Schutz bietet das Verweilen in den unteren Geschossen (Erdgeschoß und Kellergeschoß) der gemauerten Gebäude und zwar in den in der Mitte gelegenen Räumen. Die Bewohner der oberen Geschosse begeben sich am besten nach den unteren, wo größere Sicherheit vorhanden ist. Im übrigen ist Schutz hinter Fensterpfeilern und gemauerten Wänden zu suchen.
Es empfiehlt sich, bei den Fliegerangriffen die Fenster zu öffnen, um dadurch die etwaige Zertrümmerung durch den Luftdruck etwa einer in der Nähe einschlagenden Fliegerbombe oder durch herabfallende Sprengstücke sowie die Verletzung von Personen durch Glassplitter zu verhindern.
Die Gasleitungen und Wasserleitungen in den Häusern und einzelnen Wohnungen sind abzustellen.
Pferde werden zweckmäßig von Fuhrwerken abgesträngt und in geeigneten Torfahrten untergestellt.
Die Straßenbahn-Fahrgäste, Fahrer und Schaffner haben die Wagen zu verlassen und in den nächstgelegenen Häusern Schutz zu suchen.
Kirchenbesucher bleiben zweckmäßig in den Kirchen.
Jeder wird nochmals eindrücklich davor gewarnt, Licht in nicht vollständig abgedunkelten Wohnräumen anzuzünden, und dadurch sich und seine Hausgenossen einer unverantwortlichen Gefahr auszusetzen, insbesondere gilt diese Warnung den Bewohnern der oberen Stockwerke.
Wegen der außerordentlichen Gefahr ist es streng verboten, herunterfallende Bomben und andere Geschosse oder Teile von solchen anzufassen oder aufzunehmen. Ueber die Lage derartiger Blindgänger ist sofort der Polizeiverwaltung oder dem zuständigen Polizeirevier Anzeige zu erstatten.
Die Stelle eines Bombemeinschlages darf erst nach einiger Zeit betreten werden, weil die Gefahr einer Gasvergiftung vorliegt. Bei trotzdem eingeatmetem Gas ist sofort ärztliche Hilfe heranzuholen. Oel, Milch und alkoholische Getränke dürfen als Gegenmittel nicht gegeben werden. Der Betroffene ist sofort ins Freie zu bringen, wenn nötig ist künstliche Beatmung, Sauerstoffeinatmung zur Anwendung zu bringen.
Auch nach dem Fliegerangriff sind größere Ansammlungen zu vermeiden. Die Deckung darf nicht verlassen werden, bis der Fliegeralarm aufgehoben ist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Mittwoch, 28. August 1918
Lichtbildbühnen. Die Lichtspiele im Stern führen diese Woche den Zirkusroman in vier Abteilungen „Eine Motte flog zum Licht“ mit der bekannten Filmdarstellerin Fern Andra in der Hauptrolle auf, ferner das vieraktige Drama „Der Bettler von Sabern“ und das Lustspiel „Paulchen heiratet seine Schwiegermutter“.
Im Metropol-Theater stehen das vieraktige Kriminaldrama „Robin-Morris“ mit Theodor Loos vom Berliner Lessingtheater in der Hauptrolle, die vieraktige Lebenstragödie „Das Verhängnis der schönen Susi“ mit der Dänin Egede Nissen in der Hauptrolle und das Detektivabenteuer „Der lachende Tod“ auf dem Spielplan.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Einmachen von Kappusstrünken. Die Zeit zum Einmachen des Sauerkrautes ist gekommen. Dabei ergeben sich die schönen weißen und äußerst zarten Kohlstrünke, welche mit einem kurzen, löffelartigen Instrumente aus der Mitte der Köpfe herausgebohrt und gewöhnlich unbenutzt fortgeworfen oder höchstenfalls an das Vieh verfüttert werden. Doch kann man auch noch einen anderen Gebrauch davon machen, der namentlich für diese knappe und teure Zeit empfohlen werden kann. Man kann die Strünke in Gläser oder Töpfe einmachen und anstelle der sauren Gurken benutzen. Sie werden der Länge nach in 6 bis 8 Teile gespalten und diese dann in 4 bis 5 Zentimeter lange Stücke geschnitten. So werden sie wie Gurken in Essig und reichlich Gewürz eingemacht. Wenn sie im Winter auf den Tisch kommen, sind sie tatsächlich im Geschmack von den Essiggurken nicht zu unterscheiden. Sie halten sich bis ins Frühjahr hinein, ohne viel von ihrer frischen Farbe zu verlieren. – Sehr billig und doch gut!
Schont die Kassenscheine! Die Reichsbank erläßt folgende Mahnung: Zu den kostbarsten Ersatzmitteln gehört zweifellos das an Stelle der verschwundenen Gold- und Silbermünzen jetzt im Umlauf befindliche Papiergeld. Wie schlecht wird dieses aber meist behandelt und wie übel sieht es oft aus. Namentlich sind es die kleinen Darlehnskassenscheine zu 2 und 1 Mark, die vielfach in einem grauenerregenden Zustande von Hand zu Hand gehen. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt und wird daher erneut darauf hingewiesen, daß die Reichsbank die ihr zum Umtausch vorgelegten beschädigten oder beschmutzten Banknoten (Reichskassenscheine und Darlehnskassenscheine) sofort gegen gute Exemplare umwechselt. Wer in Besitz derartigen schadhaft gewordenen Papiergeldes gelangt, wird daher dringend gebeten, dieses so schnell wie möglich der Reichsbank zu Umwechslung einzureichen.
Wegen verbotenen Verkehrs mit Gefangenen wurden zwei junge Burschen aus Duisdorf zu je einem Verweis verurteilt; ein dritter angeklagter Bursche wurde freigesprochen. Die beiden Verurteilten hatte den kriegsgefangenen Russen, der in der dortigen Porzellanfabrik beschäftigt war, aber ganz gut Deutsch sprach, gefragt, wann er in seine Heimat zurückkehre.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Führe uns nicht in Versuchung. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Viele Wirte und Gasthofangestellte müssen diese Bitte jetzt mit besonderer Inbrunst aussprechen, denn es sind „Engel“ der Versuchung ausgesandt, um dem Fleisch-Schleichhandel nachzuspüren. Ein Mittel dieses Spürens liegt darin, daß diese „Versucher“ in den Gasthöfen mit allen möglichen Zaubersprüchen zu erreichen sich bemühen, an den „verbotenen Tages“ etwas Fleischliches zu bekommen. Gott sei Dank sind die Wirte und ihre Angestellten durch den Glutofen der Verordnungen ja meist geläutert und sattelfest; aber es wird ihnen dann doch sehr schwer gemacht, gegenüber diesen Sirenentönen standzuhalten, daß sie gewiß sehr dankbar sind, wenn wir ihnen für diese Fälle schwerster Versuchung ein probates Mittel an die Hand geben. Dies besteht darin, daß sie den Störer des gastlichen Friedens, der sich mit einer einfachen Abweisung nicht begnügen will, sondern durchaus auf Fleischnahrung besteht, sich etwas näher ansehen, um ihn dann das Lokal von einer anderen Seite besehen zu lassen. Vielleicht besinnt dieser sich dann, daß es in der heutigen schweren Zeit noch andere Arbeiten zum Wohle des Vaterlandes und der Allgemeinheit gibt, die auf seine Kräfte warten.“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Donnerstag, 29. August 1918
Die Goldankaufstelle Bonn stellt vom 2. September ab ihren Betrieb ein. Sie ersucht die Einlieferer von Gold- und Silbersachen, den ihnen etwa noch zustehenden Gegenwert abzuholen. Der Juwelenverlauf wird von der hiesigen Reichsbanknebenstelle weiter abgewickelt werden. Die Schließung der Goldankaufstelle muß erfolgen, weil die Bürgerschaft diesem vaterländischen Unternehmen in der letzten Zeit leider nur sehr wenig Anteilnahme entgegengebracht hat.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Gegen die Miesmacher. Der stellvertretende Kommandierende General des 7. Armeekorps kündigt Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark für diejenigen an, die wissentlich oder leichtfertig falsche Gerüchte ausstreuen oder verbreiten, die eine Beunruhigung in der Bevölkerung hervorzurufen geeignet erscheinen. Als Ausstreuung und Verbreitung gilt im gegebenen Fall nicht nur die Aufstellung unbeweisbarer Behauptungen, sondern auch das Stellen von Fragen, welche derartige Behauptungen hervorrufen können. – Wir machen darauf aufmerksam, daß auch im Bereiche des 8. Armeekorps das Weitererzählen von Gerüchten unter Strafe gestellt ist. Also M-und halten!
Je 7 Pfund Kartoffeln werden von heute ab auf die Kartoffelkarten Nr. 10 und 11 ausgegeben.
Zwei Pfund Einmachzucker werden von Samstag ab bis einschließlich 7. September gegen Warenmarke Nr. 112 verabfolgt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
5 städt. Unterhaltungsabende finden im nächsten Winter an folgenden Sonntagen statt: 29.9. (Gesang und Beethoven-Septett), 3.11. (Schubert, u. a. Winterreise), 22.12. (Weihnachtsmusik), 19.1.1919 (Dichtungen mit Musik), 13.4. (Händel, Judas Maccabäus). Die öffentlichen Hauptproben zum 2. und 5. Abend sind abends vorher, die übrigen vormittags 11½ Uhr am Aufführungstage.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Freitag, 30. August 1918
Brieftauben. Ein hiesiger Brieftaubenzüchter schreibt uns: Ich bin zurzeit beurlaubt und mußte leider die Wahrnehmung machen, daß von meinen Brieftauben, die der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt sind und von denen fortwährend Nachzucht für das Feld geliefert wird, sehr viele im hiesigen Bezirk abgeschossen worden sind. Auch gestern sind wieder zwei wertvolle Tauben, die draußen ihr Futter suchten, nicht zurückgekehrt, also abgeschossen worden. Die Bauern haben die Meinung, die Tauben fräßen die Saat. Dies ist durchaus unrichtig. Die Tauben fressen nur da, was auf dem Felde liegt, also für den Bauern ohne weiteres verloren ist. Aber auch im entgegengesetzte Fall hat der Bauer keine Berechtigung, die Tauben abzuschießen. Er darf sie im höchsten Fall verscheuchen. Wiederholt ist durch das Kriegsministerium und das Gouvernement Köln darauf hingewiesen worden. Außerdem liegt in dem Abschießen von Militärbrieftauben Landesverrat.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Heizversorgung. Von kommenden Montag ab werden an diejenigen Haushaltungen, die eine eigene selbständige Küche führen, die Winterkohlenkarten ausgegeben. Näheres ist aus der Bekanntmachung in der heutigen Nummer ersichtlich.
Anmeldung von Schaumwein-Beständen. Auf Seite 368 ff. des Zentralblattes für das Deutsche Reich sind neue Schaumweinsteuer-Ausführungsbestimmungen und eine Schaumwein-Nachsteuerordnung veröffentlicht. Jeder – auch der geringste – Bestand an Schaumwein, der sich am 1. September außerhalb der Erzeugungsstätte oder einer Zollniederlage, also bei Wirten, Händlern, Vereinen usw. und bei Privaten befindet, ist spätestens am 7. September 1918 der Zollbehörde anzumelden. Nähere Auskunft erteilen die Bezirksämter.
Zwei junge Zigeunerweiber trieben sich in der letzten Woche in den Ortschaften des Landkreises bettelnd, wahrsagend und stehlend umher. Am Mittwoch kamen beide in ein Haus, in welchem nur die Bäuerin anwesend war. Die ältere Zigeunerin ergriff die Frau bei der Hand, um ihr daraus eine glückliche Zukunft zu prophezeien und hielt dieselbe so lange fest, bis die andere mit einem gefüllten Schoße aus dem Garten kam. Sie hatte an zwei Spalierbäumen die halbreifen Frühbirnen abgeerntet. Im Augenblick darauf waren die beiden Diebinnen verschwunden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die neue Schreibweise. Von verschiedenen Seiten war vor kurzem mitgeteilt worden, daß der Schreibunterricht in Preußen künftig auf der Grundlage eines neuen Leitfadens des Kunstmalers Ludwig Sütterlin erteilt werden solle. Halbamtlich wird hierzu geschrieben: „Richtig ist, daß seit längerer Zeit in einer Reihe von Schulen Versuche mit einer neuen Schreibweise eingeleitet worden sind. Diese Schreibweise ist aus der Zusammenarbeit Sütterlins mit anderen Fachleuten hervorgegangen und durch einen Ausschuß von Sachverständigen eingehend geprüft und gebilligt worden. Die Versuche müssen aber noch einige Jahre fortgesetzt werden, bevor über die Frage einer allgemeinen Einführung der neuen „Ausgangsschrift“ entschieden werden kann.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Samstag, 31. August 1918
Der rheinisch-westfälische Wirteverband erwähnt in seinem Jahresbericht für 1917/18, daß sich die Bierlieferungen gegen das Vorjahr gebessert haben und das Verhältnis zwischen Brauereien und Gastwirt ebenfalls gebessert hat, als es vordem in der Kriegszeit war; die Brauereien verschließen sich nicht mehr den berechtigten Forderungen der Gastwirte; Eingaben an die Regierungspräsidenten, wenigstens für die Sommermonate in den Großstädten die Polizeistunde bis 11 ½ Uhr hinauszuschieben, sind erfolglos geblieben; erfolgreich dagegen waren die Bestrebungen, für die Brauereierzeugnisse Höchstpreise festzusetzen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Das Lebensmittelamt der Stadt Bonn verbietet, auf Reisebrotmarken mit dem Stempelaufdruck „Lebensmittelamt der Stadt Bonn“ innerhalb der Stadt Brot abzugeben. Hierzu hat die Stadt Bonn kein Recht; denn die Reisebrotmarken haben Gültigkeit für das ganze Deutsche Reich, also auch für Bonn. Dazu ist es auch eine kleinliche polizeiliche Maßnahme, die in vielen Fällen als Schikane wirkt, wie in meinem Fall. Ich nehme meine Brotkarte und lasse mir, da ich mehrere Tage verreisen will, eine Wochenbrotmarke in Reisebrotkarten umtauschen, kehre aber nach 4 Tagen zurück. Jetzt will mir die Stadt Bonn auf die übrigen Reisebrotmarken kein Brot verabfolgen. Dazu ist sie nicht berechtigt. Hoffentlich wird diese unerlaubte Einschränkung bald rückgängig gemacht. Prof. Dr. C.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
150 Gramm Fleisch einschl. Wurst werden in dieser Woche ausgegeben. Kinder unter sechs Jahren erhalten die Hälfte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Nachrichten des Lebensmittelamtes.
[...]
Brotverkauf auf Reisebrotmarken.
Bei der Kartenausgabestelle des städt. Lebensmittelamtes werden in letzter Zeit auffallend viele Brotmarken in Reisebrotmarken umgetauscht. Da anzunehmen ist, daß diese Marken nur aus dem Grunde umgetauscht werden, um schon Samstags und Sonntags Brot für die kommende Woche zu kaufen, erhalten die Reisebrotmarken jetzt auf der Rückseite den Stempelaufdruck „Lebensmittelamt Abtlg. 8 Stadt Bonn“. Auf Reisebrotmarken mit diesem Stempelaufdruck darf in den hiesigen Bäckereien kein Brot abgegeben werden.
[...]
Der Petersberg und die Jesuiten. Immer wieder wird in unserer Stadt das Gerücht herumgetragen, Jesuiten hätten das Hotel auf dem Petersberg angekauft. Wir haben bisher von diesem Gerücht keine Notiz genommen, weil es uns gar zu widersinnig vorkam. Es wäre in der Tat schwer mit der vielgerühmten Schlauheit der Jesuiten vereinbar, wenn sie ein solches Millionenobjekt erwerben wollten, ohne die Gewißheit, daß ihnen dort die Genehmigung für eine Niederlassung erteilt wird. Auf die Genehmigung, ein für den Fremdenverkehr im Siebengebirge so wichtiges Hotelunternehmen in eine Ordensniederlassung zu verwandeln, ist kaum zu rechnen. Es ist auch schwer einzusehen, was ein nach außen hin so tätiger Orden wie die Gesellschaft Jesu mit dem auf einsamer Bergeshöhe gelegenen großen Hotel anfangen sollte. Da aber das Gerücht trotz seiner inneren Unwahrscheinlichkeit sich hartnäckig erhält, haben wir uns an zuständiger Stelle erkundigt und die ausdrückliche Versicherung erhalten, daß das Gerücht jeglicher Grundlage entbehrt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)