Freitag, 26. Oktober 1917
Kartoffeln.
Die Anträge auf die Einkellerung von Kartoffeln sind noch immer erst sehr spärlich beim Lebensmittelamt, Abteilung III eingegangen. Kaum hat sich ein Viertel derjenigen Familien, die wirtschaftlich und nach der Beschaffenheit ihrer Keller wohl in der Lage wären, die Einkellerung zu übernehmen, gemeldet. Das Lebensmittelamt warnt daher diese Familien in einer Bekanntmachung dringend davor, die Einkellerung zu versäumen.
Die Aufhäufung von Kartoffelvorräten durch die Stadt ist nur begrenzt. Es können nur rund 150.000 Zentner eingemietet oder eingekellert werden, während der vorgesehene Bedarf für die Winter- und Frühjahrsmonate etwa 300.000 Zentner beträgt.
Die Kartoffeln, die zum Einkellern kommen, sind gute und dauerhafte Ware. Wer sich jetzt also im Vertrauen auf die Versorgung durch die Stadt keine Vorräte verschafft, obgleich er dazu durchaus in der Lage ist, könnte seine Nachlässigkeit in den kartoffelarmen Monaten im kommenden Frühjahr bitter bereuen. […]
Bekleidungsamt.
Das Tischtuchverbot für Gastwirtschaften und ähnliche Betriebe ist mit dem 1. Oktober in Kraft getreten, wird aber vielfach nicht in der vorgeschriebenen Weise durchgeführt. […] Die Verordnung wird unnachsichtig durchgeführt. […]
Die Ablieferung getragener Kleidungsstücke, Wäsche und Schuhwaren ist heute geradezu zu einer vaterländischen Pflicht geworden, weil unsere Bestände an Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren für die Bedürfnisse der bürgerlichen Bevölkerung auf das äußerste gestreckt werden müssen. Es ist deshalb notwendig, daß alle Gegenstände, die jetzt in den Familien entbehrlich sind, der allgemeinen Bewirtschaftung zugeführt werden, damit vor allem die minderbemittelte Bevölkerung mit warmer Kleidung im kommenden Winter ausgestattet werden kann. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Nachrichten des Lebensmittelamts der Stadt Bonn.“)
Ein erweiterter Geschäftsverkehr auf die Dauer von 10 Stunden ist am nächsten Sonntag, dem letzten vor Allerheiligen, freigegeben. Die Ladengeschäfte dürfen – mit Ausnahme der Hauptgottesdienst-Stunden von 9½ bis 11½ Uhr – für den Verkauf geöffnet bleiben.
Gute Rotkohl-Ernte. Man schreibt uns auf Endenich: Hier hat man in letzter Zeit mit der Ernte des Rotkohls begonnen. Es sind in diesem Jahr weit größere Flächen damit bepflanzt als sonst. Während an anderen Orten vielfach geklagt wird, daß gerade der Rotkohl nur kleine oder gar keine Köpfe gebildet hat, steht er in der hiesigen Gemarkung recht schön. Ausgedehnte Felder finden sich hier, auf denen auch nicht eine einzige fehlgegangene Pflanze zu finden wäre. Die Nachfrage nach diesem „Sonntagsgemüse“ ist andauernd eine rege. Es wird weniger davon zum Markt gebracht, aber tagtäglich werden größere Mengen von Privatleuten und Gemüsehändlern aufgekauft. Auch der Rotkohl wird jetzt hier nach dem Gewicht verkauft und nicht mehr aufs Stück, wie früher. Da aber in diesem Jahre Köpfe von 4 und 5 Pfund hier den Durchschnitt bilden, können die Züchter auch mit dem Höchstpreise wohl zufrieden sein.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Schließung der Fortbildungsschule. Sollte der von Herrn Stadtverordneten Schmitz gestellte Antrag nunmehr Anklang finden, so wäre es von den gesamten Bonner Handwerkern nur zu begrüßen, leider ja etwas verspätet, aber doch jetzt zur richtigen Zeit, da zur Aufrechterhaltung der Volksversorgung im Handwerkerstande nur noch die wenigen Meister selbst, und die Lehrlinge derselben zur Verfügung stehen. Es wird der verehrl. Verwaltung nicht unbekannt sein, daß notwendige Reparatur- und Erhaltungsarbeiten wochenlang hinausgeschoben werden, wegen Mangel an Arbeitskräften derartige Schäden und der Einwirkungen in dieser Zeit zum Schaden der Bürgerschaft größer und kostspieliger werden. Häufig kommt es vor, daß der Meister einen dringenden Auftrag nicht ausführen kann, weil der Lehrling zur Schule ist, und zu dieser Arbeit unbedingt vier Hände haben muß, die er selbst aber nicht hat. Die Folge ist, daß die Arbeit aufgeschoben werden muß und die Arbeitskraft des Meisters schließlich ebenfalls in dieser Zeit unausgenützt bleibt. Genau dasselbe ist es, wenn ein Lehrling eines älteren Jahrganges zur Schule muß, der einen Arbeitsauftrag auszuführen hat, bei dem ein jüngerer helfend eingreifen muß. Während dieser Zeit steht der jüngere Lehrling unausgenützt in der Werkstatt.
Das sind nur einige Beispiele. Ein Handwerker, welcher damit zu tun hat, könnte hundert solche anführen.
Da der unselige Krieg leider viele unseres Handwerkerstandes dahingerafft und ein großer Teil durch Verwundungen u. s. w. seinen Berufen entzogen wird, so ist es erste Pflicht, dem Lehrling die nötigen Fachkenntnisse beizubringen, um sich später als tüchtiger Handwerksgeselle oder Meister durchs Leben bringen zu können.
In Bonn und anderen Städten gibt es eine große Menge von Meistern, welche den Genuß einer Fortbildungsschule nicht hatten, denen nur eine einfache, aber gründliche Volksschulbildung zuteil wurde, sich trotzdem aber zu tüchtigen Meistern und Führern im Handwerkerstande heraufgearbeitet haben. Sollte dieses heute nicht mehr möglich sein und dieses alles nur vom Besuch der Fortbildungsschule abhängen?
Was die moralische Seite angeht, so nehme ich an, daß wohl jeder Meister, dem Lehrlinge anvertraut werden, auch die Fähigkeit dafür hat, diese als ordentliche Menschen heranzubilden. – Jeder auf seinem Platze. Ein Innungsobermeister.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Naturwissenschaftliche Lichtbildvorträge für die Bonner Kriegshilfe im Hofgartenmuseum. Den ersten, gut besuchten Vortrag hielt am gestrigen Mittwoch Prof. Pohlig über Riesen und Zwerge des Tierreiches: einem Riesen – fast der ganzen Welt, – stehen wir jetzt im furchtbaren Krieg gegenüber. Doch wie einst Klein-David den großen Goliath, Jung-Siegfried den argen Lindwurm erschlug, so sicher muß jetzt Jung-Deutschland siegen. Zahllose Vorbilder dieser Art finden wir im Tierreich. […]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 27. Oktober 1917
Deutsche Vaterlandspartei. Die Ortsgruppe Bonn-Godesberg der Deutschen Vaterlandspartei hielt gestern abend ihre erste Mitgliederversammlung ab, die recht gut besucht war. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Geheimrats Litzmann, über die Ziele der Deutschen Vaterlandspartei wurden die Satzungen festgesetzt und in den Vorstand gewählt die Herren Geheimrat Litzmann, Geheimrat Dyroff, Kaufmann W. Th. Prym, Oberlehrer Grube (Godesberg), Exzellenz v. Neuhaus, Direktor Dipl.-Ing. Clar, Bankvorstand Höhl (Godesberg). Ein vorgeschlagener Ausschuß wurde nur vorläufig gewählt, die endgültige Wahl soll der nächsten Mitgliederversammlung überlassen bleiben. Der Vorsitzende entwarf dann die Richtlinien für die Werbetätigkeit. U. a. ist geplant, an einem der nächsten Sonntage vormittags eine große aufklärende Versammlung abzuhalten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Goldankaufstelle konnte gestern ihre 5000. Ablieferung verzeichnen. Zur Erinnerung überreichte Bankdirektor Weber, der Leiter der Ankaufstelle, der abliefernden Dame, Schwester Charlotte Winnig, mit einer herzlichen Ansprache das von der Reichsstelle gestiftete Bild.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Stadtverordneten faßten gestern Beschlüsse, die einige Aufregung in den betreffenden Bürgerkreisen hervorrufen werden. […] Der Preis für das Mittagessen in den Kriegsküchen wurde in den Klassen A und B auf 50, in der Klasse C auf 70 Pfennig erhöht; doch soll auf besondern Antrag bei kinderreichen Familien und in besondern Fällen der Preis in Klasse C um 10 Pfennig herabgesetzt werden. […] Der Antrag auf Schließung der Fortbildungsschulen, der, wie Stadtverordneter Bins ausführte, in keiner andern Stadt in ganz Preußen gestellt worden ist und auch von den Handelskammern bekämpft wird, wurde zu Gunsten eines neuen Antrags zurückgezogen, der Befreiung der Schüler vom Fortbildungsschulunterricht vorsieht, deren Arbeitgeber unter Zustimmung der Eltern einen begründeten Antrag einreichen. Der neue Antrag wurde einstimmig an den Schulvorstand verwiesen. Von einschneidender Bedeutung ist der Beschluß, das Gas für die Nachtzeit von 11 bis 4 Uhr und für Nachmittagszeit von 2 Uhr bis zur Dunkelheit zu sperren. Dadurch sollen täglich 3700 Kubikmeter Gas gespart werden. Die Maßregel wird begründet mit der schlechten Kohlenbelieferung des Gaswerks. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Sonntag, 28. Oktober 1917
Evangelische Gemeinde Bonn. Die 400-Jahr-Erinnerung der Reformation wird mit Festgottesdienst am 31. Oktober, 9½ Uhr, in der Kirche am Kaiserplatz gefeiert. Sollte die Kirche am Kaiserplatz die Besucher nicht alle aufnehmen können, dann ist um 9¾ Uhr noch Festgottesdienst in der Schloßkirche. Am Abend um 8 Uhr ist eine allgemeine Versammlung in den Sälen der Lese (Koblenzer Straße). Prof. D. Dr. Achelis hat die Festrede übernommen. Am folgenden Tag, 1. Nov., um 10 Uhr, ist eine „Jugendfeier“ in der Kirche am Kaiserplatz, an der sich die gesamte evangelische Schuljugend vom 10. Lebensjahr ab – etwa 1800 Kinder – beteiligt. Erwachsene können an dieser Jugendfeier wegen Ueberfüllung der Kirche nicht teilnehmen. Freitag abend, 2. Nov., ist eine Aufführung Bachscher Kantaten. Näheres darüber im Anzeigenteil. Am 31. Oktober wird von 11 bis 12 Uhr abwechselnd Choralmusik und Glockengeläut vom Turm der Kirche am Kaiserplatz ertönen. – Für die Garnison, die augenblicklich in Elsenborn weilt, sowie für die evangelischen Verwundeten und Kranken aus den Lazaretten ist ein besonderer Festgottesdienst am Sonntag, 4. Nov., (dem üblichen Reformationsfest-Sonntag) 9½ Uhr in der Schloßkirche anberaumt.
In der Gesellschaft für Literatur und Kunst wird am kommenden Samstag ein im Vordergrund des literarischen Interesses stehender Dichter aus seinen eigenen Werken vorlesen. Die Persönlichkeit Heinrich Manns, der von einer Gruppe von zeitgenössischen Dichtern als Führer betrachtet und dessen kürzlich erschienener Roman „Die Armen“ gerade in unseren Tagen viel beachtet wird, bürgt für einen interessanten und lehrreichen Abend.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die steigende Papierknappheit macht es erforderlich, daß wir Einschränkungen in der Berichterstattung über Theater, Konzerte, Vorträge und Vereinsveranstaltungen eintreten lassen und es werden von heute ab unter einer besonderen Rubrik diese Besprechungen in gekürzter Form in der Sonntagsnummer erscheinen. Die verehrlichen Leser bitten wir, die Maßnahme, zu der wir notgedrungen greifen mußten, mit Verständnis entgegenzunehmen.
Metalle heraus! Die Frist zur freiwilligen Ablieferung der beschlagnahmten Metalle läuft am 31. Oktober ab. Bis dahin wird noch der erhöhte Preis bezahlt. Es sind bereits zahlreiche Bestrafungen erfolgt, weil bei Haussuchungen Gegenstände aus Kupfer, Kupferlegierungen und Aluminium vorgefunden wurden, die bereits seit langer Zeit beschlagnahmt sind.
Abblenden! Die Verordnung über die Maßnahmen gegen Fliegergefahr ist bereits seit dem 13. ds. Mts. in Kraft, ohne daß sie genügende Beachtung gefunden hat. Wie die Behörde im Anzeigenteil bekanntgibt, wird nunmehr unnachsichtlich gegen diejenigen vorgegangen, die der Verordnung bis heute nicht entsprochen haben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 29. Oktober 1917
Trauerfeier im Städtischen Gymnasium. In der Aula des Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums fand Samstag vormittag 11½ Uhr eine Trauerfeier für zwei auf dem Felde der Ehre gefallene Mitglieder des Lehrerkollegiums statt: Oberlehrer Dr. Wilhelm Hoffa und Kandidat des höheren Schulamts Dr. Heinrich Hampe. Nach einem einleitenden Liede des unter Leitung des Herrn Rech stehenden Chors der Realschule hielt Herr Direktor Dr. Niepmann die Trauerrede. Er führte etwa aus:
[…] Viele schöne Hoffnungen hat der Tod geknickt, als er diese beiden jungen Leben brach. Das weiß niemand besser als wir, das empfindet darum niemand stärker als wir. Aber wir dürfen uns dadurch nicht niederbeugen lassen, besonders nicht in dieser Zeit, da jeder Deutsche bestrebt sein muß, Mut und Zuversicht in der eigenen Brust und in den Herzen aller Volksgenossen aufrecht zu erhalten. Und wir brauchen uns auch dadurch nicht niederbeugen zu lassen. Gewiß ist es bitter und traurig, zu sehen und zu erleben, wie die Besten unseres Volkes vorzeitig vom Tode dahingerafft werden. Aber sie haben darum nicht umsonst gelebt, weil sie nicht alle Früchte reisen konnten, zu denen sie berufen schienen. Wertvolles und Bleibendes haben sie geschaffen durch ihr schönes und vorbildliches Wirken und Leben, Wertvolles und Bleibendes durch ihr opferbereites und vorbildliches Streben. Hoffa und Hampe, sie beide sind im heiligen Kampfe gefallen, sie haben ihr schönes, reiches und glückliches, nur ach! so kurzes Leben gekrönt durch den ruhmvollsten und schönsten Tod, den Heldentod fürs Vaterland; sie sind gestorben, damit Deutschland leben. […]
Die Feier schloß mit einem ergreifenden Kriegsliede.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Fahnen heraus! Die verbündeten Truppen haben gegen die Armee Cadornas in den Julischen Alpen in wenigen Tagen einen so unvergleichlichen Erfolg erzielt, daß wir stolz sein dürfen auf diesen erneuten Waffenruhm unserer deutschen Soldaten und der tapferen Truppen unserer österreichisch-ungarischen Verbündeten. Was an der Isonzofront in wenigen Tagen dank einer genialen strategischen Führung gegen Italien erreicht wurde, ist für die Weiterentwicklung des Krieges voraussichtlich von so weittragender Bedeutung, daß wir unserem Dank und unserer Freude auch äußerlich Ausdruck geben dürfen.
Die 12. Isonzoschlacht, die Cadorna unseren Verbündeten liefern wollte, ist zu einer schweren Niederlage für Italien geworden. Ueber 100.000 Mann und über 700 Geschütze sind die bisherige Beute unserer fortwährend wachsenden Erfolge, die uns in den nächsten Tagen vielleicht zu entscheidenden Kämpfen in Norditalien führen werden. Wie würde man in Frankreich und England jubeln, wenn deren Heeren ein solcher Siegeslauf beschieden wäre? Lassen wir uns an nationaler Begeisterungsfähigkeit von unseren Gegnern nicht übertreffen, künden wir auch äußerlich unsere Freude über die gewonnene 12. Isonzoschlacht durch allgemeines Beflaggen unserer Häuser.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Mit der Getreidesaat ist man infolge der mißlichen Witterung noch vielfach im Rückstand. Außer dem Roggen ist noch wenig gesät. Die Obsternte und ihre Verwertung, sowie die starke Kartoffelernte haben auch viel Zeit in Anspruch genommen. Soweit man beobachten kann, wird in hiesiger Gegend in diesem Herbst außerordentlich viel Korn gebaut werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Godesberg: Am Dienstag, den 30. ds. Mts., abends 8 Uhr, findet im Saale der Geschwister Schumacher eine Kriegsbürgerkunde-Konferenz statt. Jedem Bürgermeisterei-Eingesessenen ist die Teilnahme gestattet. Angelegenheiten, die man zur Besprechung bringen möchte, wolle man unter genauer Bezeichnung bis Montag abend dem Bürgermeisteramte schriftlich mitteilen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Dienstag, 30. Oktober 1917
Zu Ehren der gefallenen Krieger veranstaltet der Kreis-Krieger-Verband am übermorgigen Allerheiligentage wieder eine Garnisons-Totenfeier an den Kriegsgräbern auf dem Nordfriedhofe. Die Feier beginnt um 3½ Uhr.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Das Liebfrauen-Lyzeum zeichnete, um den Geburtstagswunsch Sr. Exzellenz des Herrn General-Feldmarschalls von Hindenburg zu erfüllen, bis zu jenem Tage annähernd eine halbe Million auf die 7. Kriegsanleihe. Dank dem regen Eifer der Schülerinnen steigerte sich die Summe auf 920.330 Mark. Ein von der Schule an den General-Feldmarschall gesandtes Telegramm wurde gestern beantwortet wie folgt:
„Den Schülerinnen für die zweite schöne Geburtstagsfreude herzlichen Dank und Gruß. So ist es recht.
General-Feldmarschall von Hindenburg.“
Von Flanderns Not, seinem Volk und seinen Frauen handelte ein Vortrag, den Frau Schreiber-Krieger vorgestern abend in der Lese vor einer zahlreichen Zuhörerschar hielt. Die Rednerin schilderte Flandern als ein dicht bevölkertes Land mit einer sehr arbeitsamen Bevölkerung. Die Kinder würden von der frühen Jugend an zur Arbeit herangezogen. Die Schulpflicht bestehe nicht. Der Kinderschutz sei gesetzlich, werde aber nicht eingehalten. Die Löhne seien ungeheuer niedrig. Die Männer seien meist auswärts beschäftigt und ihr Lohn sei ebenfalls sehr niedrig. Die Trunksucht sei sehr groß und die Anzahl der Schankwirtschaften ungeheuer, durchschnittlich auf fünf Einwohner komme eine Wirtschaft. Das Volk sei sehr begabt und habe eine große Vergangenheit, und bedeutende Kunstgeschichte. Die Flamen seien an Zahl überwiegend in Belgien (4.000.000 Wallonen ständen 6½ Millionen Flamen gegenüber), aber die Flamen seien in politischer Hinsicht stets unterdrückt worden. Die Verwaltungstrennung nach wallonischer und flämischer Bevölkerung sei von den Wallonen zuerst verlangt worden, natürlich in ihrem Interesse, um die flämische Bevölkerung noch mehr unterdrücken zu können. Die Wallonen hätten geglaubt, Belgien ganz unter das französische Joch bringen zu können. Heute seien die belgischen Soldaten zu 80 Prozent Flamen. Die flämische Sprache sei in Belgien verschrien. Wer eine flämische Eingabe einreiche, sei verfehmt und bekomme keine Antwort. Geistliche, die sich für die Erhaltung flämischer Art einsetzten, seien zurückgesetzt worden und hätten keine Aussicht auf Beförderung gehabt, überall seien die Französlinge vorgezogen worden. Man höre in Belgien vielfach die Ansicht äußern, es gebe keine flämischen Frauen, nur Dienstboten und Marktweiber. Die flämischen Frauen seien fleißig und geschickt. Ob Flandern Deutsch werde, sei noch fraglich, aber dem flämischen Volke müsse sein Recht werden, entweder jetzt oder nie. Die Flamen seien ein arbeitsliebendes und sehr bildungsbedürftiges Volk, das man auf Dauer nicht unterdrücken könne. Leider sei in Deutschland Flamland und flämisches Wesen zu wenig bekannt, aber es sei der Mühe wert, es näher kennen zu lernen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Universität. Kürzlich tagte in Leverkusen der Verwaltungsrat der vor einiger Zeit gegründeten Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität unter Vorsitz des Geheimrats Prof. Dr. Duisberg mit Hinzuziehung hervorragender Vertreter der Industrie und des Handels aus dem Rheinland. Der Verwaltungsrat nahm mit großer Befriedigung davon Kenntnis, daß der seinerzeit in Bonn gelegte Grundstock sich bedeutend erhöht und jetzt den Betrag von einer Million Mark erreicht hat. Der Gedanke, Industrie und Wissenschaft näher zu bringen, hat also im Rheinland lebhaften Widerhall gefunden. Es darf daher schon jetzt die Hoffnung gehegt werden, daß durch die lebhaft einsetzende Werbearbeit aller Beteiligten der Universität Bonn zu ihrem hundertjährigen Geburtstag reiche Mittel zur Unterstützung jeder wissenschaftlichen Arbeit zur Verfügung stehen werden. Die Werbetätigkeit wird durch Orts- und Bezirksausschüsse in der Rheinprovinz ausgeübt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 31. Oktober 1917
Die Kartoffelzufuhr
ist in den letzten Tagen in Folge der großen Verkehrsschwierigkeiten erheblich schwächer gewesen. Dazu kam noch, daß das schlechte Wetter die Bewirtschaftung der ankommenden Eisenbahnwagen sehr erschwerte. Diejenigen, die ihre Kartoffeln für die Zeit vom 18. November bis 24. Februar 1918 zum Einkellern noch nicht angemeldet haben, seien noch einmal dringend hierzu aufgefordert. [...] Um Missverständnissen vorzubeugen, sei besonders darauf hingewiesen, daß sich die Pflicht zum Einkellern der Kartoffel in erster Linie auf diejenigen erstreckt, die über entsprechende Mittel und trockene Keller verfügen. Für alle anderen sorgt die städtische Verwaltung natürlich nach wie vor. Wer aber keine Kartoffeln einkellert, obwohl er dazu in der Lage ist, der kann bestimmt nicht darauf rechnen, beim Eintreten erneuter Kartoffelknappheit durch die Stadt beliefert zu werden, denn er hat durch sein Verhalten mit dazu beigetragen, daß die Versorgung der Bevölkerung infolge zu starker Inanspruchnahme der städtischen Läger nicht regelrecht vor sich gehen konnte. [...]
Die Verkehrsschwierigkeiten auf der Eisenbahn haben auch in den letzten Tagen die Belieferung mit Zucker ins Stocken gebracht. Doch ist dies nur eine ganz vorübergehende Erscheinung, die in wenigen Tagen wieder verbessert wird. Die Zuckermarken für diese Woche können auf jeden Fall nächste Woche eingelöst werden.
Durch das Kriegsernährungsamt werden bis zum Januar keine Sonderzuweisungen an Nährmittel inbesondere an Gries, Graupen, Hafernährmittel usw. ausgegeben. Dadurch ist auch das Lebensmittelamt nicht in der Lage, die Wochenzuteilung reichlicher zu gestalten. [...] Diese geringen Zuweisungen bringen es mit sich, daß die Nährmittel für Kranke weiter, und zwar recht erheblich eingeschränkt werden müssen. Das ist außerordentlich bedauerlich und namentlich für die vielen Krankenanstalten, die nun einmal hier in Bonn vorhanden sind, von schwerwiegendster Bedeutung. Das Lebensmittelamt hat daher entsprechende Schritte bei den maßgebenden Behörden getan. [...]
Die Kriegsküchen
haben durch die Erhöhung der Preise in ihrer Teilnehmerzahl nur wenig nachgelassen. Es ist anzunehmen, daß dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist und dann bald mit einer steigenden Besucherziffer gerechnet werden kann. Der bevorstehende Winter wird uns in der Ernährungsfrage zweifellos noch vor harte Aufgaben stellen, aber wir werden auch diese bestimmt durch unsere Siegeszuversicht und den festen Willen zum Durchhalten ebenso gut überwinden, wie es im vergangenen Jahr der Fall war.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus dem städtischen Lebensmittelamt.“)
Kinder auf der Straßenbahn.
Auch eine recht praktische pädagogische Seite hat Nachstehendes:
Auf unseren städtischen und unseren Vorortbahnen verkehren jetzt im erhöhten Maße Personen, die entweder nach angestrengter Arbeit oder infolge körperlichen Leidens (Kriegsinvaliden!) wünschen müssen, einen Sitzplatz zu haben. Da nimmt es sich oft recht ungezogen aus, wenn Kinder aller Stände (ich betone aller!), namentlich Schulkinder, die Bänke drücken und Erwachsene stehen sollen. Nicht selten wird dieses Gebaren gar noch von den Eltern unterstützt, die auch auf dem „Schein“ bestehen, der ihre Kinder zum Sitzen berechtige. Wäre es da nicht angezeigt, in die Verkehrsordnung die Bestimmung aufzunehmen, daß Kinder bis zu 15 Jahren nur nach allen Erwachsenen einen Anspruch auf einen Sitzplatz haben? So hätte das Bahnpersonal eine Handhabe, noch mangelndes natürliches Anstandsgefühl den kleinen Fahrgästen beizubringen. Soll auch gewiß nicht behauptet werden, es handele sich um eine besondere Unart der Kinder unserer Gegend, so dürfen wir doch mit der örtlichen Abschaffung eines leider sehr verbreiteten Unfugs vorbildlich vorangehen. K.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Zur Gassperre schreibt uns das städtische Gaswerk:
Wie bereits in vielen Städten müssen in kürzester Zeit – der Tag wird noch bekannt gegeben – auch hier wegen der z. Zt. überaus geringen Kohlenbelieferung des Gaswerks Sperrstunden für die Gasabgabe eingeführt werden. Mit dem geringen Kohlenvorrat des Gaswerks muß mit allen Mitteln gespart werden, soll nicht eines Tages auch in Bonn, wie sonst schon vielfach geschehen, die Gasbelieferung der hier rund 16.000, fast alle Haushaltungen umfassenden, Gasabnehmer aussetzen.
Wie in der Stadtverordneten-Versammlung vom 26. ds. Mts. beschlossen wird die Sperrzeit von 2 Uhr nachmittags bis zur Dunkelheit und von nachts 11 Uhr bis früh 4 Uhr eintreten. In dieser Zeit wird der Gasdruck im gesamten Rohrnetz so herabgesetzt, daß der Gebrauch von Lampen, Kochern, Heizöfen, Motoren usw. überall unmöglich ist.
Die städtische Verwaltung ist sich der Schwere dieses Eingriffes in alle häuslichen und gewerblichen Verhältnisse wohl bewußt, doch bietet sich kein anderes, besseres und zugleich wirksameres Mittel, den Gasverbrauch und damit den Kohlenbedarf weiter einzuschränken.
Treffe daher jeder, den es angeht, sogleich Vorkehrungen, um die in obigen Stunden gewohnte Gasentnahme entbehren zu können. [...] Im Haushalt bietet die Kochkiste das beste Mittel über die Sperrstunden hinwegzukommen, und die vorher auf dem Kochherde, der ja doch jetzt meist benutzt wird, hergestellten Speisen und Getränke vielstundenlang warm zu halten. Es sei hier auch darauf hingewiesen, daß Zündflammen während der Sperrstunden verlöschen können. Man verzichte jetzt überhaupt auf ihren Gebrauch, zumal jede 3 – 4 Kubikmeter Gas im Monat benötigt.
Ueber die voraussichtliche Anwendungsdauer der zeitweisen Gassperre lassen sich z. Zt. noch keine Angaben machen.
Die zukünftigen Schuhsorten. Ein Mitglied des Hauptverwaltungsausschuß der Schuhverbände Deutschlands teilt über die Zukunftsschuhe folgendes mit: Es werden nur noch drei Gruppen von Herren- und Frauenschuhen hergestellt werden. Ein grober, ein mittlerer und ein besserer Stiefel. Der mittlere wird aus Papiergewebe mit Lederbesatz und Sperrholzsohle hergestellt, während die übrigen zwei aus Segeltuch, Leinenstoff oder altem Filz mit Lederbesatz und gewöhnlicher Holzsohle bestehen werden. Der Preis wird dem Hersteller in einem gewissen Spielraum vorgeschrieben, wodurch ziemlich einheitliche Preise für das ganze Deutsche Reich geschaffen werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Knappheit an Wäschestoffen veranlaßt die Reichsbekleidungsstelle zur Deckung des dringenden Bedarfs der bürgerlichen Bevölkerung, die Bett-, Haus- und Tischwäsche, die in Gastwirts- und ähnlichen Betrieben sowie Wäscheverleihgeschäften beschlagnahmt ist, aufzukaufen. Eine zwangsweise Enteignung der beschlagnahmten Bestände ist vorläufig nicht in Aussicht genommen. Weil die in den Betrieben lagernde Wäsche aber für die Zwecke der Volkswohlfahrt dringend notwendig ist, sollen diese Stücke an Bett-, Haus- und Tischwäsche im freihändigen Aufkauf zu angemessenen Preisen der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden. Angebote sind an den amtlichen Einkäufer für Wäsche, Herrn Wolfgang Müller, Berlin NW 7 (Unter den Linden 40/41), zu richten, von dem auch die näheren Bedingungen zu erfragen sind.
Friedhöfe. Durch Polizeiverordnung vom 8, Oktober dieses Jahres ist jede Beleuchtung im Freien verboten. Ich weise darauf hin, daß auf Grund dieser Bestimmung der fromme Gebrauch, die Gräber am Allerheiligen- und Allerseelentage mit brennenden Kerzen und Lampen zu schmücken, unzulässig ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haft tritt, bestraft. Die städtischen Friedhöfe werden vom 31. Oktober sowie am 1. und 2. November d. Js (Allerheiligen und Allerseelen) bei Einbruch der Dunkelheit – spätestens 5½ Uhr – geschlossen.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Schultze.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)