Bonn 1914-1918
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Sonntag, 21. Oktober 1917

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Oktober 1917Zehn Munitionsarbeiterinnen senden uns folgendes Schreiben: In Ihrer geschätzten Zeitung haben Sie wiederholt rühmend hervorgehoben, daß mehrere junge Damen der gebildeten Stände, meist Studentinnen, sich als einfache Arbeiterinnen für Munitionsherstellung haben anwerben lassen. Auch uns hat es gefreut, daß unser Vorgehen Nachfolge gefunden hat. Wir dürfen sagen: Unser Vorgehen, denn seit einem halben Jahre sind wir auf Veranlassung der Vaterländischen Frauenvereins bei der hiesigen Zweigstelle des Feuerwerk-Laboratoriums Siegburg als Arbeiterinnen tätig. Davon viel Aufhebens zu machen, fanden wir uns nicht veranlaßt, war es doch nur die Erfüllung einer Pflicht. Das Vaterland rief. So hoffen und wünschen wir denn, daß noch viele weitere folgen mögen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

       

Antrag auf Schließung der Fortbildungsschule. Stadtv. M. Schmitz stellte namens seiner Freunde folgenden Antrag mit der Bitte, ihn auf die Tagesordnung der nächsten Stadtverordneten-Versammlung zu setzen:
„Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen, die Verwaltung möge baldigst Schritte tun, um die Schließung der Fortbildungsschule herbeizuführen, eventl. den ältesten Jahrgang sofort zu entlassen.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Geschäftszeit. Der Handels- und Gewerbeverein ersucht die Handel- und Gewerbetreibenden Bonn’s dringend, vom 1. November ab die Geschäfte an allen Wochentagen, außer Samstags und Montags, nur in der Zeit von 8½ Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags offen zu halten.

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Oktober 1917Ueber 7 Millionen Bücher und Schriften hat die Zentrale des Borromäus-Vereins in Bonn als Sammelstelle zur Versorgung von Lesestoff für die Truppen im Felde und in den Lazaretten während der drei Kriegsjahre, vom 1. August 1914 bis 1. August 1917, versandt. Wie sich die Zentrale eine solch erfreuliche Fülle beschaffen konnte? 853.060 wurden ihr geschenkt; die Reichsbuchwoche von 1916 stellte dabei den Löwenanteil – 6.27.529 aber mußte sie mit einem Kostenaufwand von 162.173,27 Mark erwerben. Nun sind keine Barmittel mehr verfügbar und auch ihr Vorrat an Büchern und Schriften ist in kurzer Zeit erschöpft, aber in Feld, Lazarett und Gefangenenlager ist der Bedarf an Lesestoff keinesfalls gedeckt. Im Gegenteil, die Zentrale wird alltäglich – es ist dies buchstäblich zu verstehen – aufs Dringendste um Schriften ersucht! „Sie tun ein unbeschreiblich gutes Werk“, die Leute „lechzen förmlich nach Lesestoff“: „es ist so wichtig, immer wieder eine geistige Auffrischung zu gewinnen“, so wird uns stets aufs neue geschrieben. Und so geht denn an alle vaterländisch Gesinnten, vorab aber an unsere Gönner, Mitglieder und Freunde, der flehendliche Ruf: Helft uns also, schickt uns, was immer Ihr an Büchern und Schriften entbehren könnt. Aber auch Geldspenden sind freudig willkommen: etwa hier und da einmal wieder der Gewinn vom Skat- oder Kegelabend oder eine Sammlung am Stammtisch oder im Kränzchen oder sonst bei passender Gelegenheit, die sich namentlich dann bietet, wenn in gehobener Stimmung die Herzen besonders gebefreudig sind. Den Lesestoff schicke man an die Zentrale des Borromäus-Vereins in Bonn, Wittelsbacherring 9, die Geldspenden überweise man durch Zahlkarte ihrem Konto 15205 bei dem Postscheckamt Köln.

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Oktober 1917Gold oder Edelsteine zu tragen, während weite Kreise trauern und darben, ist unwürdig. Es stört die Eintracht und die Entschlossenheit zum Durchhalten. Das Gold gehört unbedingt auf die Reichsbank, um ihre Goldrüstung zu stärken, die Edelsteine werden im neutralen Auslande heute teurer als früher bezahlt und verbessern den Stand unserer Währung. So erzielte jüngst ein Schmuck, der auf 550 Mark geschätzt war, 684 Mark, ein anderer 6732 statt 5500, ein Brillant 316 Mark, 66 Mark über der Schätzung. Die Verkaufsstelle am Münsterplatz (Rhein.-Westf. Diskontogesellschaft) wird gern den Verkauf vermitteln.

Vom Vorgebirge schreibt man uns: In den letzten Tagen ist durch die „Mitteilungen an die Präsides“ an die Präsides ein merkwürdiges Anliegen gestellt worden, nämlich unter den Mitgliedern der Jungfrauenvereine für die Teilnahme an der Munitionsfabrikation zu werben. Was soll man dazu sagen? Vom seelsorgerischen Standpunkte möchte man am liebsten mit aller Entschiedenheit dagegen wirken. Denn das dürfte doch nicht zu bestreiten sein, daß die Mädchen dort manchen Gefahren für Leib und Seele ausgesetzt sind. Was nun die Gefahren für die Seele anlangt, so ist in den „Mitteilungen“ gesagt, daß alles, was geschehen kann, um diese Gefahren auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren, wirklich geschehen sei. Die Versicherung, daß der Hochwürdigste Herr Erzbischof seine Zustimmung für diese Werbetätigkeit erklärt habe, muß doch wohl hinreichende Bürgschaft dafür sein, daß die Arbeit bei der Fabrikation von Munition nicht mehr als nächste Gelegenheit zur Sünde zu betrachten ist. Und was nun die Gefahren für den Leib angeht, so kann man nach den vielfachen Erfahrungen dieselben nicht unbedingt in Abrede stellen. Soll man sich deshalb abhalten lassen, das zu tun, was für unsere Brüder im Felde durchaus notwendig ist? Was soll aus diesen werden, wenn die Waffen fehlen? Was würden unsere heimkehrenden Krieger sagen, wenn ihnen durch Mangel an Munition der schon nahe Sieg aus den Händen gewunden würde? Könnten unsere Jünglinge Jungfrauen noch hochachten, die aus feiger Furcht so ganz im Interesse unserer Feinde gehandelt haben? Wir meinen deshalb, es sei Pflicht, an dieser vaterländischen Tätigkeit Teil zu nehmen, auch für solche Jungfrauen, die sonst nicht darauf auszugehen brauchen, eine solche Gelegenheit zu reichem Lohne sich zu Nutze zu machen. Im Tagelohn arbeiten mag ja sonst nicht besonders ehrenvoll sein: aber höchst ehrenvoll ist es, für das Vaterland sich aufzuopfern.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

In Nr. 386 der Reichszeitung wird mitgeteilt, daß der Kohlenausschuß der Stadt Bonn beschlossen hat, die Kirchen bis zum 15. November nicht mehr mit Brennstoff zu beliefern, wohl aber soll es Theater und Kinos gestattet sein, Brennstoff zu beziehen. Ein seltsamer Beschluß! Man sollte doch den Kirchen in dieser Beziehung mindestens das zubilligen, was man den beiden anderen genannten Anstalten gewährt, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Die Kirchen sind meist wegen ihrer Lage und Bauart mehr der Kälte ausgesetzt als Kinos und Theater. 2. Die Kirchen dienen dem höchsten Zwecke der Gottesverehrung, Kinos und Theater wesentlich der Unterhaltung und Bildung. 3. Zum Besuch der Kirche ist jeder katholische Christ unter schwerer Schuld verpflichtet; der Besuch des Kinos und Theater ist ins Belieben gestellt. 4. Der Gottesdienst in unseren Kirchen beginnt am frühen Morgen, um oder vor 6 Uhr, also zur Zeit, da sich die Kälte sehr bemerkbar macht; Kinos und Theater werden dagegen meist nachmittags oder abends besucht. 5. Mit besonderer Rücksicht auf die Schuljugend sollten die Kirchen bei kaltem Wetter geheizt werden. Jeder, der die vielen dürftig gekleideten und mangelhaft ernährten Schulkinder betrachtet, die am Morgen pflichtgemäß der Schulmesse beiwohnen, muß wünschen, daß der Kohlenrat den Kirchen das Heizen ermöglicht. Es sei zugegeben, daß bei den Andersgläubigen das Bedürfnis zum Heizen der Kirchen geringer ist, da die zugrundeliegenden Verhältnisse verschieden sind. Daß der genannte Beschluß mit 8 gegen 1 Stimme erfolgt ist, legt den Gedanken nahe, daß Katholiken im Kohlenrat nur mit einer Stimme vertreten sind, was aber, wie wir in Erfahrung gebracht haben, nicht zutrifft.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Montag, 22. Oktober 1917

     

Salzeinkäufe.
In den letzten Tagen hat auf irgend ein unsinniges Gerücht hin in allen Geschäften das Salzhamstern begonnen. Man befürchtet eine bevorstehende Salzknappheit. Die Annahme ist gänzlich unzutreffend. Wir verfügen im Deutschen Reiche über eine so große Salzausbeute, auch während des Krieges, daß ein Mangel überhaupt nicht eintreten kann. Dagegen ist es möglich, daß durch eine solche Hamsterwut, wie sie in den letzten Tagen eingesetzt hat, und mit Rücksicht auf den zeitigen Eisenbahnmangel leicht eine vorübergehende Stockung eintreten kann. Alle Hausfrauen werden daher dringend gebeten, diesen Salzeinkäufen aufs Schärfste entgegenzutreten. Auch dürfen die Geschäftsleute vor allen Dingen unter keinen Umständen eine solche Hamsterei befördern. Die Aussprengung solcher Gerüchte ist nur auf feindliche Agenten zurückzuführen, die Unordnung in unsere Volkswirtschaft hineinbringen wollen. Man soll daher die Verbreiter solcher Gerüchte festnageln und öffentlich an den Pranger stellen. Das Lebensmittel ist für jede Auskunft dankbar, die auf die Spur derartiger Schwätzer oder feindlicher Agenten führen kann. Zur besonderen Beruhigung der Bürgerschaft sei aber darauf hingewiesen, daß das Lebensmittelamt über genügende Salzvorräte verfügt, die auf jeden Fall einen Mangel ausschließen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Soldatenbegräbnis zu Bonn.
Wie flammt die Natur in lauter Gold!
War einem Kam’raden von mir so hold,
Dem heute der Trommel dumpfer Klang
Ertönet im letzten Nachhausegang.

Wie heute die Fenster und Türen gehen! –
Mutter, Musik! Wie klingt es so schön!
„Ach schau!“ Es lispelt ein roter Mund:
„Mitziehen Soldaten, so wund, so wund.“

Den Arm in der Binde, die Beine noch schwach,
Schleppen sich Brüder so langsam ihm nach.
“Nur weiter Kam’raden! Wenn auch schon müd’,
Die Musik hilft vorwärts mit einem Lied.“

Mit Trommeln wurde sein Platz erreicht,
Ein seltsam Gefühl uns alle beschleicht:
Als stünde er vor uns als munt’rer Gesell’,
Die Sonne schien nieder, so hell, so hell.
Karl Weis

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Die Metropol-Theater-Lichtspiele bringen von Dienstag, 23. Oktober, ab das Meisterwerk der Lichtbildkunst Fünf Minuten vor Mitternacht, eine Lebenstragödie in 5 Akten, zur Aufführung. Es ist dies ein Kunstwerk, wie es die Filmbühne selten bringt und das überall, wo es in Szene ging, das größte Aufsehen erregt hat. Ferner kommt im zweiten Teil das mit großem Beifall aufgenommene Riesenwerk Ashavar, die Tragödie der Eifersucht, zur Darstellung; heute zum letzten Male die hervorragende Filmschöpfung Weltmeister Brown, der verwegene Kriminalist, in seinem tollkühnen Abenteuer: Zur Strecke gebracht.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 23. Oktober 1917

        

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1917Der Liberale Bürgerverein hat gestern abend seine Hauptversammlung abgehalten. Der Vorsitzende, Stadtverordneter Dr. Krantz, eröffnete sie mit der Mahnung, auch während und trotz des Krieges den öffentlichen Angelegenheiten rege Anteilnahme entgegenzubringen. Etwaige Mißstände könnten nur durch öffentliche Betätigung gebessert werden. Nur dadurch, daß man für die Aufgaben der Zeit Verständnis gewinne, könne man auch zum wirklichen Burgfrieden beitragen. Die geeignete Stätte zur öffentlichen Betätigung sei für die große liberale Gemeinde in Bonn der Liberale Bürgerverein. […] Der Jahresbericht wurde von der Versammlung sehr beifällig aufgenommen. Der Vorsitzende, Dr. Krantz, unterstrich noch besonders die betonte Notwendigkeit, für die Bonner Zeitung zu werben. In der Bonner Zeitung können am besten die Meinungen des Liberalen Bürgervereins zum Ausdruck kommen und Einfluß gewinnen. Es sei also eine liberale Pflicht allerersten Ranges, die Bonner Zeitung selbst zu halten und für sie nach Kräften zu werben.
   An der Hauptversammlung des Liberalen Bürgervereins schloß sich die vorgesehene Versammlung der liberalen Stadtverordnetenwähler. Der Vorsitzende, Dr. Krantz, bemerkte einleitend, die diesjährigen Stadtverordnetenwahlen würden wieder im Zeichen des Burgfriedens stehen. In Uebereinstimmung mit der Zentrumspartei solle den beiden Rathausfraktionen ihr Besitzstand erhalten bleiben. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden und verzichtete infolgedessen darauf, für die dritte Abteilung Kandidaten aufzustellen. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1917Spart mit dem Wasserverbrauch! Das städt. Wasserwerk teilt uns mit (s. auch die Bekanntmachung im Anzeigenteil), daß der Wasserverbrauch der Stadt seit dem vergangenen Winter eine außerordentliche, immer zunehmende Höhe angenommen hat. Es kann dies nur darauf zurückgeführt werden, daß in vielen Haushaltungen eine Verschwendung mit dem Wasser getrieben wird. Aus Mangel an Installationsmaterial und Handwerkern werden vielfach Undichtigkeiten der Leitungen, Hähne, Klosetts usw. nicht rechtzeitig behoben. Hier muß Wandel geschaffen werden, da sonst der Betrieb des Wasserwerks gefährdet wird. Wasser ist wohl zur Genüge vorhanden, aber Kohlen, Oel und sonstiges Material zum Betriebe der Pumpenanlagen in genügender Menge zu beschaffen, stößt auf Schwierigkeiten. Bei Schadhaftsein der Leitungen und deren Armaturen sorge man, ganz oder zeitweise für Absperrung der betreffenden Teile. Achte jeder darauf, daß sparsamst mit dem Wasser umgegangen wird. Gegen die Hausbesitzer, die die Vergeudung des Wassers nicht verhindern, muß vom Wasserwerk eingeschritten werden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1917Warum schließt man nicht die Fortbildungsschule? Wiederholt konnte man in letzter Zeit im Gen.-Anz. lesen, daß von den verschiedensten Seiten und aus den verschiedensten Gründen die Schließung der Fortbildungsschule angeregt wurde. Einmal, weil man zur Verringerung der hohen Mietsunkosten die Räume städtischerseits für Lagerzwecke verwenden wollte; meistens aber waren die Antragsteller Handwerksmeister und Gewerbetreibende, denen der Unterrichtstag in jeder Woche, zum dem sie ihre Lehrlinge schicken müssen, eine große Betriebsstörung bedeutet, denn da sie heute ausschließlich auf die Hülfe der Lehrlinge angewiesen sind, ist so ein junger Mann jetzt schwerer zu entbehren wie früher ein älterer Facharbeiter. Ueber die Nützlichkeit eines gediegenen Fortbildungsschul-Unterrichts braucht man ja kein Wort mehr zu verlieren, aber das Hemd sitzt uns schließlich näher wie der Rock und in einer Zeit, in der man Studenten und höhere Schüler auffordert, in Munitionsfabriken und landwirtschaftlichen Betrieben zu arbeiten und wo viele ländliche Volksschulen sogar ganz geschlossen sind, weil man die Kinder zur Arbeit braucht oder die Lehrer eingezogen sind, dürfte es schwer fallen, die Notwendigkeit eines Unterrichts zu begünden, den unsere heutigen Handwerksmeister unbeschadet ihrer Tüchtigkeit noch ganz entbehren mußten. Man kann der Frage auch vom Standpunkt der Kohlenersparnis aus nähertreten. Und dann noch eines: In der Begründung eines diesbezügl. Antrags des Handels- und Gewerbevereins heißt es, daß die Lehrlinge heute nirgends besser aufgehoben seien als bei ihren Meistern. Damit sollte gewiß angedeutet werden, daß die jungen Leute bei ihren Zusammenkünften an der Fortbildungsschule nicht bloß Gutes lernen und das ist ein Kapitel, über das jeder Meister heute ein Liedchen singen kann. Ein Gewerbetreibender.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

     

Fett, Butter und Mehl wollte ein 28jähriger Invalide aus Mayen beschaffen können, wenn man ihm das nötige Geld dafür gäbe. Die Vertrauensseligen, die darauf eingingen, warten vergebens auf die Waren. Der Mann ist gestern in Bonn festgenommen worden. Er gesteht ein, in fünf solchen Fällen zusammen 1650 Mark erschwindelt und das Geld in Köln verjubelt zu haben.

Zur Förderung der Bonner Kriegshilfe (Bahnhofshilfe) laden die „naturwissenschaftlichen Lichtbildvorträge“ ein, welche diesen Winter in erweitertem Rahmen, jeden Monat einmal Mittwochs im Kunstmuseum (Hofgartenstraße) stattfinden sollen. Ausgezeichnete Redner unserer Universität haben dazu ihre freundliche Mitwirkung zugesagt: Professor Fittung gedenkt Pflanzenbilder aus Tropenurwald und Wüste, Geheimrat Philippson Bilder und Skizzen aus dem Orient, Professor Pohlig Darstellungen von Riesen und Zwergen des Tierreiches, Professor Schiefferdecker Bilder von Menschen und Tieren der Vorgeschichte, und Geheimrat Steinmann Ansichten der Alpen im Eiszeitalter vorzuführen. Da zudem der ganze Reinertrag des Unternehmen wieder der Kriegshilfe unserer Stadt zufließen soll, kann die vaterländische Sache diesmal eines noch erheblich gesteigerten Erfolges gewiß sein. Näheres ist aus dem bei Röhrscheid und an dem Tor der Universität aushängenden kleinen Programm ersichtlich; der erste Vortrag findet schon am nächsten Mittwoch (24. cr.) 5 Uhr statt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Lengesdorf: Einsame Spaziergänger bemerkten in einem Gebüsch einen vollständig und schön ausgebauten Unterstand, der einen Vorrat Kartoffeln und auch eine Feuerung enthielt. Auf die Kunde von dieser Neuigkeit, begaben sich heute früh morgens der Feldhüter Nettekoven mit dem Feldgendarmen und einigen handfesten Leuten dahin und nahmen in dem Unterstand zwei Deserteure fest. Dieselben wurden sofort nach dem Bürgermeisteramt in Duisdorf geführt und nach kurzem Verhör nach Bonn gebracht.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)

Mittwoch, 24. Oktober 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Oktober 1917Aus dem städtischen Lebensmittelamt.
   Brot und Kartoffeln. Für den Regierungsbezirk Köln ist angeordnet worden, daß das Brot nicht mehr mit Kartoffeln gestreckt, die wöchentliche Brotmenge von 3¾ auf 3½ Pfund herabgesetzt und daneben eine Kartoffelzulage von 1½ Pfund gegeben wird. In Bonn tritt diese Neuregelung am 5. November in Kraft, die 1½ Pfund Kartoffeln werden auf Warenmarken gegeben werden. Die jetzt bestehenden Brotzulagen für Schwer- und Schwerstarbeiter, für hoffende und stillende Frauen bleiben unverändert. Leider lassen es die vorhandenen Getreidevorräte nicht zu, das Ausmahlverhältnis des Brotgetreides, das jetzt 94 v. H. und darüber beträgt, einzuschränken. Wir müssen also bis auf weiteres mit diesem hohen Ausmahlsatz rechnen. Das hat, abgesehen von der Beschaffenheit des Brotes, den großen Nachteil, daß keine Futtermittel für das Vieh anfallen. Die Futterknappheit macht sich namentlich für die gewerblichen Pferde von Woche zu Woche immer drückender bemerkbar. Das städtische Lebensmittelamt ist andauernd bemüht, Futtervorräte hereinzubekommen, doch versagen diese Bemühungen vielfach wegen des großen Mangels, den die Ernte mit sich gebracht hat.
   Die Kartoffelzufuhr ist in der letzten Zeit des großen Wagenmangels wegen etwas geringer gewesen. Bis jetzt sind in Bonn nur rund 17.000 Zentner zum Einkellern angemeldet worden, das ist noch nicht der vierte Teil der Menge, die insgesamt den Haushaltungen zugefahren werden müßte. Die Haushaltungen haben die Möglichkeit, ihren Kartoffelbedarf bis Februar sicherzustellen, es ist daher ganz unverständlich, daß bisher so wenig davon Gebrauch gemacht wird. Die Hausfrauen werden nochmals dringend daran erinnert, ihren Kartoffelbedarf mündlich oder schriftlich beim Lebensmittelamt, Abteilung 12, anzumelden. Die bestellten Kartoffeln werden, wenn die Bezugsscheine bezahlt sind, durch städtische Gespanne oder die bereits bekannt gegebenen Kartoffelhandlungen zugefahren. Besondere Wünsche werden dabei möglichst berücksichtigt.
Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1917   Die ersten Steckrüben werden nächste Woche eintreffen. Es handelt sich dabei um eine besonders schöne und vor allem gelbfleischige Ware, wie sie hier gern genommen wird. Der Preis wird etwa 5,50 M. für den Zentner betragen. Genaue Angaben werden noch besonders bekannt gemacht. Die Hausfrauen mögen auch ihren Winterbedarf an Steckrüben (Erdkohlrabi) möglichst bald beim Lebensmittelamt, Abteilung 12, anmelden.
   Die Kriegsküchen. Die Preise für die Speisung aus den Kriegsküchen werden voraussichtlich vom 28. Oktober ab erhöht werden. […] Der Neubau der Kriegsküche Ecke Argelander- und Reuterstraße wird noch immer dadurch verzögert, daß die Genehmigung des zuständigen Berliner Kriegsamts noch nicht eingetroffen ist. Die Teilnehmerzahl der Kriegsküchen beträgt diese Woche 6000, sie steigt fortwährend. […]
   Die städtische Milchwirtschaft liefert zurzeit täglich rund 700 Liter Milch und unterstützt damit die Milchversorgung aufs beste. Da für den Winter mit einem weiteren Rückgang der Milchzufuhr gerechnet werden muß, werden noch weitere fünfzig frischmelkende Kühe in die städtische Eigenwirtschaft aufgenommen. In allernächster Zeit steht eine viel schärfere Erfassung der Milch bei den Selbstversorgern bevor. Damit wird dann auch den Besitzern der sog. „Pensions- und Salonkühe“ gründlich auf die Finger gesehen werden.
   Petroleum. In letzter Zeit mehren sich die Klagen, daß in der Stadt Bonn kein Petroleum zu haben ist. Es kann das nur darauf zurückgeführt werden, daß einige Geschäftsleute das ihnen für die Stadt Bonn zugewiesene Petroleum nach auswärts verkaufen. Um das zu verhindern, wird das Lebensmittelamt den Verkauf schärfer regeln und auch dafür sorgen, daß in nächster Zeit in den Vororten Petroleumsverkaufsstellen eingerichtet werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1917Soldatenheim. Der Unterhaltungsabend am vergangenen Sonntag bot den zahlreichen Feldgrauen wieder viel Ernstes und Heiteres. Den Glanzpunkt des Abends bildete aber der Lichtbildvortrag des Ausschußmitgliedes Herrn Lorenz Schröder, der zugleich auch den Abend leitete, über das hochaktuelle Thema: „Deutschlands U-Boote und ihre Tätigkeit“. Der gehaltvolle Vortrag des Herrn Schröder, unterstützt durch schöne und klare Lichtbilder, weckte von neuem in allen Herzen Stolz und Freude und zugleich frohe Hoffnung auf unsere jüngste und so erfolgreiche Waffe zur See. […] Die Sieger im Preiskegeln erhielten schöne Preise. Der Ausschuß des Soldatenheims bittet nochmals ihm für diesen Zweck Preise, wie gute Bücher, nützliche Gegenstände usw. stiften zu wollen, weil sonst diese Einrichtung in Frage gestellt ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Weihnachtspakete für die rheinischen Truppen sollen auch in diesem Jahre verschickt werden. Die Stadt Bonn hat 20.000 Pakete zu liefern, die 100.000 Mark kosten. Davon sollen die Stadtverordneten 50.000 Mark bewilligen, die vaterländischen Vereinigungen haben 40.000 Mark gespendet, der Rest wird durch den Vaterländischen Frauenverein und freiwillige Spenden aufgebracht. […]

Die Hindenburgfeier im Stadttheater am 2. Oktober hat 207,90 Mark Lustbarkeitssteuer verursacht. Die Stadt soll einen Zuschuß zu der Feier in gleicher Höhe leisten, worüber die Stadtverordneten am Freitag zu beschließen haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 25. Oktober 1917

       

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 25. Oktober 1917„Von Flanderns Not, seinem Volk und seinen Frauen.“ Die bekannte Schriftstellerin und Rednerin Frau Adele Schreiber-Krieger, gegenwärtig Mitglied der Politischen Abteilung beim Generalgouvernement in Belgien, wird am übermorgigen Samstag, abends 6½ Uhr, im Saale der Lese über die vlämische Frage unter besonderer Berücksichtigung der vlämischen Frauen sprechen. Frau Adele Schreiber-Krieger wird in erster Linie auf die Stellung der vlämischen Frau eingehen, wozu sie besonders geeignet ist, da die Behandlung dieser Frage zu ihrem Wirkungsbereich bei der Politischen Abteilung in Brüssel gehört. Der Vortrag wird gemeinschaftlich von der Ortsgruppe Bonn-Godesberg des Rheinischen Provinzial-Vereins für Frauenstimmrecht und der Deutsch-Vlämischen Gesellschaft (Geschäftsstelle Düsseldorf) veranstaltet.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Godesberg: Der Vaterländische Frauenverein beging am Dienstag den Geburtstag seiner hohen Patronin, der Kaiserin, wie alljährlich in der üblichen Weise, daß er die Dienstmädchen in der Bürgermeisterei Godesberg für langjährige treue Dienste bei ein und derselben Herrschaft mit Auszeichnungen beehrte. Die Feier fand am Dienstag nachmittag im Schumacher’schen kleinen Saale bei einem Kriegskaffee statt. Es konnten diesmal 30 solcher treuen Dienstboten mit Auszeichnungen bedacht werden, und zwar erhielten 16 für fünfjährige Dienstzeit ein Diplom, 9 Mädchen für eine zehnjährige Dienstzeit eine Brosche mit dem Bildnis der Kaiserin und 5 Mädchen für fünfzehn- und mehrjährige Dienstzeit ein Sparkassenbuch über 25 Mark. Die zweite Vereinvorsitzende, Frau Joseph Mayer, aus Muffendorf, hielt bei dieser Feier eine patriotische Ansprache mit einem Hoch auf unsere Landesmutter und Herr Bürgermeister Zander feierte die deutsche Treue.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)

Freitag, 26. Oktober 1917

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Oktober 1917Kartoffeln.
Die Anträge auf die Einkellerung von Kartoffeln sind noch immer erst sehr spärlich beim Lebensmittelamt, Abteilung III eingegangen. Kaum hat sich ein Viertel derjenigen Familien, die wirtschaftlich und nach der Beschaffenheit ihrer Keller wohl in der Lage wären, die Einkellerung zu übernehmen, gemeldet. Das Lebensmittelamt warnt daher diese Familien in einer Bekanntmachung dringend davor, die Einkellerung zu versäumen.
   Die Aufhäufung von Kartoffelvorräten durch die Stadt ist nur begrenzt. Es können nur rund 150.000 Zentner eingemietet oder eingekellert werden, während der vorgesehene Bedarf für die Winter- und Frühjahrsmonate etwa 300.000 Zentner beträgt.
   Die Kartoffeln, die zum Einkellern kommen, sind gute und dauerhafte Ware. Wer sich jetzt also im Vertrauen auf die Versorgung durch die Stadt keine Vorräte verschafft, obgleich er dazu durchaus in der Lage ist, könnte seine Nachlässigkeit in den kartoffelarmen Monaten im kommenden Frühjahr bitter bereuen. […]
Bekleidungsamt.
Das Tischtuchverbot für Gastwirtschaften und ähnliche Betriebe ist mit dem 1. Oktober in Kraft getreten, wird aber vielfach nicht in der vorgeschriebenen Weise durchgeführt. […] Die Verordnung wird unnachsichtig durchgeführt. […]
   Die Ablieferung getragener Kleidungsstücke, Wäsche und Schuhwaren ist heute geradezu zu einer vaterländischen Pflicht geworden, weil unsere Bestände an Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren für die Bedürfnisse der bürgerlichen Bevölkerung auf das äußerste gestreckt werden müssen. Es ist deshalb notwendig, daß alle Gegenstände, die jetzt in den Familien entbehrlich sind, der allgemeinen Bewirtschaftung zugeführt werden, damit vor allem die minderbemittelte Bevölkerung mit warmer Kleidung im kommenden Winter ausgestattet werden kann. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Nachrichten des Lebensmittelamts der Stadt Bonn.“)

           

Ein erweiterter Geschäftsverkehr auf die Dauer von 10 Stunden ist am nächsten Sonntag, dem letzten vor Allerheiligen, freigegeben. Die Ladengeschäfte dürfen – mit Ausnahme der Hauptgottesdienst-Stunden von 9½ bis 11½ Uhr – für den Verkauf geöffnet bleiben.

Gute Rotkohl-Ernte. Man schreibt uns auf Endenich: Hier hat man in letzter Zeit mit der Ernte des Rotkohls begonnen. Es sind in diesem Jahr weit größere Flächen damit bepflanzt als sonst. Während an anderen Orten vielfach geklagt wird, daß gerade der Rotkohl nur kleine oder gar keine Köpfe gebildet hat, steht er in der hiesigen Gemarkung recht schön. Ausgedehnte Felder finden sich hier, auf denen auch nicht eine einzige fehlgegangene Pflanze zu finden wäre. Die Nachfrage nach diesem „Sonntagsgemüse“ ist andauernd eine rege. Es wird weniger davon zum Markt gebracht, aber tagtäglich werden größere Mengen von Privatleuten und Gemüsehändlern aufgekauft. Auch der Rotkohl wird jetzt hier nach dem Gewicht verkauft und nicht mehr aufs Stück, wie früher. Da aber in diesem Jahre Köpfe von 4 und 5 Pfund hier den Durchschnitt bilden, können die Züchter auch mit dem Höchstpreise wohl zufrieden sein.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Oktober 1917Schließung der Fortbildungsschule. Sollte der von Herrn Stadtverordneten Schmitz gestellte Antrag nunmehr Anklang finden, so wäre es von den gesamten Bonner Handwerkern nur zu begrüßen, leider ja etwas verspätet, aber doch jetzt zur richtigen Zeit, da zur Aufrechterhaltung der Volksversorgung im Handwerkerstande nur noch die wenigen Meister selbst, und die Lehrlinge derselben zur Verfügung stehen. Es wird der verehrl. Verwaltung nicht unbekannt sein, daß notwendige Reparatur- und Erhaltungsarbeiten wochenlang hinausgeschoben werden, wegen Mangel an Arbeitskräften derartige Schäden und der Einwirkungen in dieser Zeit zum Schaden der Bürgerschaft größer und kostspieliger werden. Häufig kommt es vor, daß der Meister einen dringenden Auftrag nicht ausführen kann, weil der Lehrling zur Schule ist, und zu dieser Arbeit unbedingt vier Hände haben muß, die er selbst aber nicht hat. Die Folge ist, daß die Arbeit aufgeschoben werden muß und die Arbeitskraft des Meisters schließlich ebenfalls in dieser Zeit unausgenützt bleibt. Genau dasselbe ist es, wenn ein Lehrling eines älteren Jahrganges zur Schule muß, der einen Arbeitsauftrag auszuführen hat, bei dem ein jüngerer helfend eingreifen muß. Während dieser Zeit steht der jüngere Lehrling unausgenützt in der Werkstatt.
   Das sind nur einige Beispiele. Ein Handwerker, welcher damit zu tun hat, könnte hundert solche anführen.
   Da der unselige Krieg leider viele unseres Handwerkerstandes dahingerafft und ein großer Teil durch Verwundungen u. s. w. seinen Berufen entzogen wird, so ist es erste Pflicht, dem Lehrling die nötigen Fachkenntnisse beizubringen, um sich später als tüchtiger Handwerksgeselle oder Meister durchs Leben bringen zu können.
   In Bonn und anderen Städten gibt es eine große Menge von Meistern, welche den Genuß einer Fortbildungsschule nicht hatten, denen nur eine einfache, aber gründliche Volksschulbildung zuteil wurde, sich trotzdem aber zu tüchtigen Meistern und Führern im Handwerkerstande heraufgearbeitet haben. Sollte dieses heute nicht mehr möglich sein und dieses alles nur vom Besuch der Fortbildungsschule abhängen?
   Was die moralische Seite angeht, so nehme ich an, daß wohl jeder Meister, dem Lehrlinge anvertraut werden, auch die Fähigkeit dafür hat, diese als ordentliche Menschen heranzubilden. – Jeder auf seinem Platze. Ein Innungsobermeister.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

      

Naturwissenschaftliche Lichtbildvorträge für die Bonner Kriegshilfe im Hofgartenmuseum. Den ersten, gut besuchten Vortrag hielt am gestrigen Mittwoch Prof. Pohlig über Riesen und Zwerge des Tierreiches: einem Riesen – fast der ganzen Welt, – stehen wir jetzt im furchtbaren Krieg gegenüber. Doch wie einst Klein-David den großen Goliath, Jung-Siegfried den argen Lindwurm erschlug, so sicher muß jetzt Jung-Deutschland siegen. Zahllose Vorbilder dieser Art finden wir im Tierreich. […]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 27. Oktober 1917

      

Deutsche Vaterlandspartei. Die Ortsgruppe Bonn-Godesberg der Deutschen Vaterlandspartei hielt gestern abend ihre erste Mitgliederversammlung ab, die recht gut besucht war. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Geheimrats Litzmann, über die Ziele der Deutschen Vaterlandspartei wurden die Satzungen festgesetzt und in den Vorstand gewählt die Herren Geheimrat Litzmann, Geheimrat Dyroff, Kaufmann W. Th. Prym, Oberlehrer Grube (Godesberg), Exzellenz v. Neuhaus, Direktor Dipl.-Ing. Clar, Bankvorstand Höhl (Godesberg). Ein vorgeschlagener Ausschuß wurde nur vorläufig gewählt, die endgültige Wahl soll der nächsten Mitgliederversammlung überlassen bleiben. Der Vorsitzende entwarf dann die Richtlinien für die Werbetätigkeit. U. a. ist geplant, an einem der nächsten Sonntage vormittags eine große aufklärende Versammlung abzuhalten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Die Goldankaufstelle konnte gestern ihre 5000. Ablieferung verzeichnen. Zur Erinnerung überreichte Bankdirektor Weber, der Leiter der Ankaufstelle, der abliefernden Dame, Schwester Charlotte Winnig, mit einer herzlichen Ansprache das von der Reichsstelle gestiftete Bild.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

         

Die Stadtverordneten faßten gestern Beschlüsse, die einige Aufregung in den betreffenden Bürgerkreisen hervorrufen werden. […] Der Preis für das Mittagessen in den Kriegsküchen wurde in den Klassen A und B auf 50, in der Klasse C auf 70 Pfennig erhöht; doch soll auf besondern Antrag bei kinderreichen Familien und in besondern Fällen der Preis in Klasse C um 10 Pfennig herabgesetzt werden. […] Der Antrag auf Schließung der Fortbildungsschulen, der, wie Stadtverordneter Bins ausführte, in keiner andern Stadt in ganz Preußen gestellt worden ist und auch von den Handelskammern bekämpft wird, wurde zu Gunsten eines neuen Antrags zurückgezogen, der Befreiung der Schüler vom Fortbildungsschulunterricht vorsieht, deren Arbeitgeber unter Zustimmung der Eltern einen begründeten Antrag einreichen. Der neue Antrag wurde einstimmig an den Schulvorstand verwiesen. Von einschneidender Bedeutung ist der Beschluß, das Gas für die Nachtzeit von 11 bis 4 Uhr und für Nachmittagszeit von 2 Uhr bis zur Dunkelheit zu sperren. Dadurch sollen täglich 3700 Kubikmeter Gas gespart werden. Die Maßregel wird begründet mit der schlechten Kohlenbelieferung des Gaswerks. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Sonntag, 28. Oktober 1917

        

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Oktober 1917Evangelische Gemeinde Bonn. Die 400-Jahr-Erinnerung der Reformation wird mit Festgottesdienst am 31. Oktober, 9½ Uhr, in der Kirche am Kaiserplatz gefeiert. Sollte die Kirche am Kaiserplatz die Besucher nicht alle aufnehmen können, dann ist um 9¾ Uhr noch Festgottesdienst in der Schloßkirche. Am Abend um 8 Uhr ist eine allgemeine Versammlung in den Sälen der Lese (Koblenzer Straße). Prof. D. Dr. Achelis hat die Festrede übernommen. Am folgenden Tag, 1. Nov., um 10 Uhr, ist eine „Jugendfeier“ in der Kirche am Kaiserplatz, an der sich die gesamte evangelische Schuljugend vom 10. Lebensjahr ab – etwa 1800 Kinder – beteiligt. Erwachsene können an dieser Jugendfeier wegen Ueberfüllung der Kirche nicht teilnehmen. Freitag abend, 2. Nov., ist eine Aufführung Bachscher Kantaten. Näheres darüber im Anzeigenteil. Am 31. Oktober wird von 11 bis 12 Uhr abwechselnd Choralmusik und Glockengeläut vom Turm der Kirche am Kaiserplatz ertönen. – Für die Garnison, die augenblicklich in Elsenborn weilt, sowie für die evangelischen Verwundeten und Kranken aus den Lazaretten ist ein besonderer Festgottesdienst am Sonntag, 4. Nov., (dem üblichen Reformationsfest-Sonntag) 9½ Uhr in der Schloßkirche anberaumt.

In der Gesellschaft für Literatur und Kunst wird am kommenden Samstag ein im Vordergrund des literarischen Interesses stehender Dichter aus seinen eigenen Werken vorlesen. Die Persönlichkeit Heinrich Manns, der von einer Gruppe von zeitgenössischen Dichtern als Führer betrachtet und dessen kürzlich erschienener Roman „Die Armen“ gerade in unseren Tagen viel beachtet wird, bürgt für einen interessanten und lehrreichen Abend.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Die steigende Papierknappheit macht es erforderlich, daß wir Einschränkungen in der Berichterstattung über Theater, Konzerte, Vorträge und Vereinsveranstaltungen eintreten lassen und es werden von heute ab unter einer besonderen Rubrik diese Besprechungen in gekürzter Form in der Sonntagsnummer erscheinen. Die verehrlichen Leser bitten wir, die Maßnahme, zu der wir notgedrungen greifen mußten, mit Verständnis entgegenzunehmen.

Metalle heraus! Die Frist zur freiwilligen Ablieferung der beschlagnahmten Metalle läuft am 31. Oktober ab. Bis dahin wird noch der erhöhte Preis bezahlt. Es sind bereits zahlreiche Bestrafungen erfolgt, weil bei Haussuchungen Gegenstände aus Kupfer, Kupferlegierungen und Aluminium vorgefunden wurden, die bereits seit langer Zeit beschlagnahmt sind.

Abblenden! Die Verordnung über die Maßnahmen gegen Fliegergefahr ist bereits seit dem 13. ds. Mts. in Kraft, ohne daß sie genügende Beachtung gefunden hat. Wie die Behörde im Anzeigenteil bekanntgibt, wird nunmehr unnachsichtlich gegen diejenigen vorgegangen, die der Verordnung bis heute nicht entsprochen haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 29. Oktober 1917

     

Trauerfeier im Städtischen Gymnasium. In der Aula des Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums fand Samstag vormittag 11½ Uhr eine Trauerfeier für zwei auf dem Felde der Ehre gefallene Mitglieder des Lehrerkollegiums statt: Oberlehrer Dr. Wilhelm Hoffa und Kandidat des höheren Schulamts Dr. Heinrich Hampe. Nach einem einleitenden Liede des unter Leitung des Herrn Rech stehenden Chors der Realschule hielt Herr Direktor Dr. Niepmann die Trauerrede. Er führte etwa aus:
     […] Viele schöne Hoffnungen hat der Tod geknickt, als er diese beiden jungen Leben brach. Das weiß niemand besser als wir, das empfindet darum niemand stärker als wir. Aber wir dürfen uns dadurch nicht niederbeugen lassen, besonders nicht in dieser Zeit, da jeder Deutsche bestrebt sein muß, Mut und Zuversicht in der eigenen Brust und in den Herzen aller Volksgenossen aufrecht zu erhalten. Und wir brauchen uns auch dadurch nicht niederbeugen zu lassen. Gewiß ist es bitter und traurig, zu sehen und zu erleben, wie die Besten unseres Volkes vorzeitig vom Tode dahingerafft werden. Aber sie haben darum nicht umsonst gelebt, weil sie nicht alle Früchte reisen konnten, zu denen sie berufen schienen. Wertvolles und Bleibendes haben sie geschaffen durch ihr schönes und vorbildliches Wirken und Leben, Wertvolles und Bleibendes durch ihr opferbereites und vorbildliches Streben. Hoffa und Hampe, sie beide sind im heiligen Kampfe gefallen, sie haben ihr schönes, reiches und glückliches, nur ach! so kurzes Leben gekrönt durch den ruhmvollsten und schönsten Tod, den Heldentod fürs Vaterland; sie sind gestorben, damit Deutschland leben. […]
   Die Feier schloß mit einem ergreifenden Kriegsliede.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Fahnen heraus! Die verbündeten Truppen haben gegen die Armee Cadornas in den Julischen Alpen in wenigen Tagen einen so unvergleichlichen Erfolg erzielt, daß wir stolz sein dürfen auf diesen erneuten Waffenruhm unserer deutschen Soldaten und der tapferen Truppen unserer österreichisch-ungarischen Verbündeten. Was an der Isonzofront in wenigen Tagen dank einer genialen strategischen Führung gegen Italien erreicht wurde, ist für die Weiterentwicklung des Krieges voraussichtlich von so weittragender Bedeutung, daß wir unserem Dank und unserer Freude auch äußerlich Ausdruck geben dürfen.
   Die 12. Isonzoschlacht, die Cadorna unseren Verbündeten liefern wollte, ist zu einer schweren Niederlage für Italien geworden. Ueber 100.000 Mann und über 700 Geschütze sind die bisherige Beute unserer fortwährend wachsenden Erfolge, die uns in den nächsten Tagen vielleicht zu entscheidenden Kämpfen in Norditalien führen werden. Wie würde man in Frankreich und England jubeln, wenn deren Heeren ein solcher Siegeslauf beschieden wäre? Lassen wir uns an nationaler Begeisterungsfähigkeit von unseren Gegnern nicht übertreffen, künden wir auch äußerlich unsere Freude über die gewonnene 12. Isonzoschlacht durch allgemeines Beflaggen unserer Häuser.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Mit der Getreidesaat ist man infolge der mißlichen Witterung noch vielfach im Rückstand. Außer dem Roggen ist noch wenig gesät. Die Obsternte und ihre Verwertung, sowie die starke Kartoffelernte haben auch viel Zeit in Anspruch genommen. Soweit man beobachten kann, wird in hiesiger Gegend in diesem Herbst außerordentlich viel Korn gebaut werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Godesberg: Am Dienstag, den 30. ds. Mts., abends 8 Uhr, findet im Saale der Geschwister Schumacher eine Kriegsbürgerkunde-Konferenz statt. Jedem Bürgermeisterei-Eingesessenen ist die Teilnahme gestattet. Angelegenheiten, die man zur Besprechung bringen möchte, wolle man unter genauer Bezeichnung bis Montag abend dem Bürgermeisteramte schriftlich mitteilen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)

Dienstag, 30. Oktober 1917

       

Zu Ehren der gefallenen Krieger veranstaltet der Kreis-Krieger-Verband am übermorgigen Allerheiligentage wieder eine Garnisons-Totenfeier an den Kriegsgräbern auf dem Nordfriedhofe. Die Feier beginnt um 3½ Uhr.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

      

Anzeige in der Bonner Zeitung vom 30. Oktober 1917Das Liebfrauen-Lyzeum zeichnete, um den Geburtstagswunsch Sr. Exzellenz des Herrn General-Feldmarschalls von Hindenburg zu erfüllen, bis zu jenem Tage annähernd eine halbe Million auf die 7. Kriegsanleihe. Dank dem regen Eifer der Schülerinnen steigerte sich die Summe auf 920.330 Mark. Ein von der Schule an den General-Feldmarschall gesandtes Telegramm wurde gestern beantwortet wie folgt:
„Den Schülerinnen für die zweite schöne Geburtstagsfreude herzlichen Dank und Gruß. So ist es recht.
General-Feldmarschall von Hindenburg.“

Von Flanderns Not, seinem Volk und seinen Frauen handelte ein Vortrag, den Frau Schreiber-Krieger vorgestern abend in der Lese vor einer zahlreichen Zuhörerschar hielt. Die Rednerin schilderte Flandern als ein dicht bevölkertes Land mit einer sehr arbeitsamen Bevölkerung. Die Kinder würden von der frühen Jugend an zur Arbeit herangezogen. Die Schulpflicht bestehe nicht. Der Kinderschutz sei gesetzlich, werde aber nicht eingehalten. Die Löhne seien ungeheuer niedrig. Die Männer seien meist auswärts beschäftigt und ihr Lohn sei ebenfalls sehr niedrig. Die Trunksucht sei sehr groß und die Anzahl der Schankwirtschaften ungeheuer, durchschnittlich auf fünf Einwohner komme eine Wirtschaft. Das Volk sei sehr begabt und habe eine große Vergangenheit, und bedeutende Kunstgeschichte. Die Flamen seien an Zahl überwiegend in Belgien (4.000.000 Wallonen ständen 6½ Millionen Flamen gegenüber), aber die Flamen seien in politischer Hinsicht stets unterdrückt worden. Die Verwaltungstrennung nach wallonischer und flämischer Bevölkerung sei von den Wallonen zuerst verlangt worden, natürlich in ihrem Interesse, um die flämische Bevölkerung noch mehr unterdrücken zu können. Die Wallonen hätten geglaubt, Belgien ganz unter das französische Joch bringen zu können. Heute seien die belgischen Soldaten zu 80 Prozent Flamen. Die flämische Sprache sei in Belgien verschrien. Wer eine flämische Eingabe einreiche, sei verfehmt und bekomme keine Antwort. Geistliche, die sich für die Erhaltung flämischer Art einsetzten, seien zurückgesetzt worden und hätten keine Aussicht auf Beförderung gehabt, überall seien die Französlinge vorgezogen worden. Man höre in Belgien vielfach die Ansicht äußern, es gebe keine flämischen Frauen, nur Dienstboten und Marktweiber. Die flämischen Frauen seien fleißig und geschickt. Ob Flandern Deutsch werde, sei noch fraglich, aber dem flämischen Volke müsse sein Recht werden, entweder jetzt oder nie. Die Flamen seien ein arbeitsliebendes und sehr bildungsbedürftiges Volk, das man auf Dauer nicht unterdrücken könne. Leider sei in Deutschland Flamland und flämisches Wesen zu wenig bekannt, aber es sei der Mühe wert, es näher kennen zu lernen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

        

Universität. Kürzlich tagte in Leverkusen der Verwaltungsrat der vor einiger Zeit gegründeten Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität unter Vorsitz des Geheimrats Prof. Dr. Duisberg mit Hinzuziehung hervorragender Vertreter der Industrie und des Handels aus dem Rheinland. Der Verwaltungsrat nahm mit großer Befriedigung davon Kenntnis, daß der seinerzeit in Bonn gelegte Grundstock sich bedeutend erhöht und jetzt den Betrag von einer Million Mark erreicht hat. Der Gedanke, Industrie und Wissenschaft näher zu bringen, hat also im Rheinland lebhaften Widerhall gefunden. Es darf daher schon jetzt die Hoffnung gehegt werden, daß durch die lebhaft einsetzende Werbearbeit aller Beteiligten der Universität Bonn zu ihrem hundertjährigen Geburtstag reiche Mittel zur Unterstützung jeder wissenschaftlichen Arbeit zur Verfügung stehen werden. Die Werbetätigkeit wird durch Orts- und Bezirksausschüsse in der Rheinprovinz ausgeübt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 31. Oktober 1917

      

Die Kartoffelzufuhr
ist in den letzten Tagen in Folge der großen Verkehrsschwierigkeiten erheblich schwächer gewesen. Dazu kam noch, daß das schlechte Wetter die Bewirtschaftung der ankommenden Eisenbahnwagen sehr erschwerte. Diejenigen, die ihre Kartoffeln für die Zeit vom 18. November bis 24. Februar 1918 zum Einkellern noch nicht angemeldet haben, seien noch einmal dringend hierzu aufgefordert. [...] Um Missverständnissen vorzubeugen, sei besonders darauf hingewiesen, daß sich die Pflicht zum Einkellern der Kartoffel in erster Linie auf diejenigen erstreckt, die über entsprechende Mittel und trockene Keller verfügen. Für alle anderen sorgt die städtische Verwaltung natürlich nach wie vor. Wer aber keine Kartoffeln einkellert, obwohl er dazu in der Lage ist, der kann bestimmt nicht darauf rechnen, beim Eintreten erneuter Kartoffelknappheit durch die Stadt beliefert zu werden, denn er hat durch sein Verhalten mit dazu beigetragen, daß die Versorgung der Bevölkerung infolge zu starker Inanspruchnahme der städtischen Läger nicht regelrecht vor sich gehen konnte. [...]
     Die Verkehrsschwierigkeiten auf der Eisenbahn haben auch in den letzten Tagen die Belieferung mit
Zucker ins Stocken gebracht. Doch ist dies nur eine ganz vorübergehende Erscheinung, die in wenigen Tagen wieder verbessert wird. Die Zuckermarken für diese Woche können auf jeden Fall nächste Woche eingelöst werden.
    Durch das Kriegsernährungsamt werden bis zum Januar keine Sonderzuweisungen an Nährmittel inbesondere an Gries, Graupen, Hafernährmittel usw. ausgegeben. Dadurch ist auch das Lebensmittelamt nicht in der Lage, die Wochenzuteilung reichlicher zu gestalten. [...] Diese geringen Zuweisungen bringen es mit sich, daß die Nährmittel für Kranke weiter, und zwar recht erheblich eingeschränkt werden müssen. Das ist außerordentlich bedauerlich und namentlich für die vielen Krankenanstalten, die nun einmal hier in Bonn vorhanden sind, von schwerwiegendster Bedeutung. Das Lebensmittelamt hat daher entsprechende Schritte bei den maßgebenden Behörden getan. [...]
Die Kriegsküchen
    haben durch die Erhöhung der Preise in ihrer Teilnehmerzahl nur wenig nachgelassen. Es ist anzunehmen, daß dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist und dann bald mit einer steigenden Besucherziffer gerechnet werden kann. Der bevorstehende Winter wird uns in der Ernährungsfrage zweifellos noch vor harte Aufgaben stellen, aber wir werden auch diese bestimmt durch unsere Siegeszuversicht und den festen Willen zum Durchhalten ebenso gut überwinden, wie es im vergangenen Jahr der Fall war.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus dem städtischen Lebensmittelamt.“)

Kinder auf der Straßenbahn.
Auch eine recht praktische pädagogische Seite hat Nachstehendes:
Auf unseren städtischen und unseren Vorortbahnen verkehren jetzt im erhöhten Maße Personen, die entweder nach angestrengter Arbeit oder infolge körperlichen Leidens (Kriegsinvaliden!) wünschen müssen, einen Sitzplatz zu haben. Da nimmt es sich oft recht ungezogen aus, wenn Kinder aller Stände (ich betone aller!), namentlich Schulkinder, die Bänke drücken und Erwachsene stehen sollen. Nicht selten wird dieses Gebaren gar noch von den Eltern unterstützt, die auch auf dem „Schein“ bestehen, der ihre Kinder zum Sitzen berechtige. Wäre es da nicht angezeigt, in die Verkehrsordnung die Bestimmung aufzunehmen, daß Kinder bis zu 15 Jahren nur nach allen Erwachsenen einen Anspruch auf einen Sitzplatz haben? So hätte das Bahnpersonal eine Handhabe, noch mangelndes natürliches Anstandsgefühl den kleinen Fahrgästen beizubringen. Soll auch gewiß nicht behauptet werden, es handele sich um eine besondere Unart der Kinder unserer Gegend, so dürfen wir doch mit der örtlichen Abschaffung eines leider sehr verbreiteten Unfugs vorbildlich vorangehen. K.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)

       

Zur Gassperre schreibt uns das städtische Gaswerk:
Wie bereits in vielen Städten müssen in kürzester Zeit – der Tag wird noch bekannt gegeben – auch hier wegen der z. Zt. überaus geringen Kohlenbelieferung des Gaswerks Sperrstunden für die Gasabgabe eingeführt werden. Mit dem geringen Kohlenvorrat des Gaswerks muß mit allen Mitteln gespart werden, soll nicht eines Tages auch in Bonn, wie sonst schon vielfach geschehen, die Gasbelieferung der hier rund 16.000, fast alle Haushaltungen umfassenden, Gasabnehmer aussetzen.
    Wie in der Stadtverordneten-Versammlung vom 26. ds. Mts. beschlossen wird die Sperrzeit von 2 Uhr nachmittags bis zur Dunkelheit und von nachts 11 Uhr bis früh 4 Uhr eintreten. In dieser Zeit wird der Gasdruck im gesamten Rohrnetz so herabgesetzt, daß der Gebrauch von Lampen, Kochern, Heizöfen, Motoren usw. überall unmöglich ist.
    Die städtische Verwaltung ist sich der Schwere dieses Eingriffes in alle häuslichen und gewerblichen Verhältnisse wohl bewußt, doch bietet sich kein anderes, besseres und zugleich wirksameres Mittel, den Gasverbrauch und damit den Kohlenbedarf weiter einzuschränken.
    Treffe daher jeder, den es angeht, sogleich Vorkehrungen, um die in obigen Stunden gewohnte Gasentnahme entbehren zu können. [...] Im Haushalt bietet die Kochkiste das beste Mittel über die Sperrstunden hinwegzukommen, und die vorher auf dem Kochherde, der ja doch jetzt meist benutzt wird, hergestellten Speisen und Getränke vielstundenlang warm zu halten. Es sei hier auch darauf hingewiesen, daß Zündflammen während der Sperrstunden verlöschen können. Man verzichte jetzt überhaupt auf ihren Gebrauch, zumal jede 3 – 4 Kubikmeter Gas im Monat benötigt.
    Ueber die voraussichtliche Anwendungsdauer der zeitweisen Gassperre lassen sich z. Zt. noch keine Angaben machen.

Die zukünftigen Schuhsorten. Ein Mitglied des Hauptverwaltungsausschuß der Schuhverbände Deutschlands teilt über die Zukunftsschuhe folgendes mit: Es werden nur noch drei Gruppen von Herren- und Frauenschuhen hergestellt werden. Ein grober, ein mittlerer und ein besserer Stiefel. Der mittlere wird aus Papiergewebe mit Lederbesatz und Sperrholzsohle hergestellt, während die übrigen zwei aus Segeltuch, Leinenstoff oder altem Filz mit Lederbesatz und gewöhnlicher Holzsohle bestehen werden. Der Preis wird dem Hersteller in einem gewissen Spielraum vorgeschrieben, wodurch ziemlich einheitliche Preise für das ganze Deutsche Reich geschaffen werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Die Knappheit an Wäschestoffen veranlaßt die Reichsbekleidungsstelle zur Deckung des dringenden Bedarfs der bürgerlichen Bevölkerung, die Bett-, Haus- und Tischwäsche, die in Gastwirts- und ähnlichen Betrieben sowie Wäscheverleihgeschäften beschlagnahmt ist, aufzukaufen. Eine zwangsweise Enteignung der beschlagnahmten Bestände ist vorläufig nicht in Aussicht genommen. Weil die in den Betrieben lagernde Wäsche aber für die Zwecke der Volkswohlfahrt dringend notwendig ist, sollen diese Stücke an Bett-, Haus- und Tischwäsche im freihändigen Aufkauf zu angemessenen Preisen der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden. Angebote sind an den amtlichen Einkäufer für Wäsche, Herrn Wolfgang Müller, Berlin NW 7 (Unter den Linden 40/41), zu richten, von dem auch die näheren Bedingungen zu erfragen sind.

Friedhöfe. Durch Polizeiverordnung vom 8, Oktober dieses Jahres ist jede Beleuchtung im Freien verboten. Ich weise darauf hin, daß auf Grund dieser Bestimmung der fromme Gebrauch, die Gräber am Allerheiligen- und Allerseelentage mit brennenden Kerzen und Lampen zu schmücken, unzulässig ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haft tritt, bestraft. Die städtischen Friedhöfe werden vom 31. Oktober sowie am 1. und 2. November d. Js (Allerheiligen und Allerseelen) bei Einbruch der Dunkelheit – spätestens 5½ Uhr – geschlossen.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Schultze.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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