Dienstag, 16. Oktober 1917
Flieger-Angriffe! Von vielen Führern der Abwehrkanonen wird darüber geklagt, daß während der Angriffe von Fliegern ein großer Teil der Bevölkerung sich auf Straßen und Plätzen aufgehalten hat, um die Beschießung der feindlichen Flieger zu beobachten. Derartige Personen setzen sich, wie die Erfahrung gelehrt hat, in ganz besonderer Weise der Gefahr aus, von den Sprengstücken der Geschosse der Abwehrkanonen und der Fliegerbomben betroffen zu werden. Außerdem machen sie sich auch nach der unter dem 8. Oktober d. Js. vom Regierungspräsidenten in Köln erlassenen und in einigen Tagen zur Bekanntmachung kommenden Polizeiverordnung strafbar; hiernach verfallen auch diejenigen der Strafe, die den bei derartigen Anlässen in ihren Häusern und Wohnungen Schutzsuchenden die Türen nicht öffnen.
Gute Patrioten und kluge Leute müssen in dem hiesigen Mauspfad wohnen. Seine Anwohner haben sich in besonders erfreulicher Zahl der Werbearbeit für die 7. Kriegsanleihe zugänglich gezeigt. Das wird hoffentlich auch bei manch anderer Straße der Fall sein, der als Straße sonst bescheidene Mauspfad hat aber jedenfalls ein leuchtendes Beispiel gegeben. Wer wünscht, daß seine Straße nicht verhältnismäßig hinter dem Mauspfad zurückstehe, der zeichne rasch noch Kriegsanleihe!
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Naturwissenschaftliche Lichtbildervorträge für die Bonner Kriegshilfe. Man schreibt uns: Die im vorigen Winter mit so gutem Erfolg begonnene Vortragsreihe wird im diesjährigen von den Bonner Professoren Fitting, Philppson, Pohlig, Schiefferdecker und Steinmann, wie die Anzeige besagt, fortgesetzt, und wiederum jedesmal von naturwissenschaftlichen Spaziergängen und Museumsführungen gefolgt sein. Die Namen der vortragenden Gelehrten verbürgen einen nachhaltigen Genuß und ein volles Erlebnis für den vaterländischen Zweck, zugunsten der wackeren Helden: der ganze Reinertrag des Vorjahres kam der Bahnhofshilfe zugute, und die Feldgrauen haben bei freiem Eintritt Gelegenheit, sich an den schönen Lichtbildern zu erfreuen. Der erste Vortrag ist im Kunstmuseum (Hofgarten).
Das beste Weihnachtsgeschenk. Weihnachten im vierten Kriegsjahre wird in mancher Familie ganz anders sein, als in früheren Friedensjahren. So mancher fehlt, der sich sonst an diesem trauten Friedens- und Freudenfeste mit den Seinen freute, so mancher fehlt, der sonst jung und alt unter dem frohen Lichterschein des immer grünen Christbaumes beglückte.
Und doch werden selbst da, wo Trauer herrscht, Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Herrschaften ihre Dienstboten durch kleine Geschenke zu erfreuen suchen.
Aber wo sie finden? Passendes zu kaufen, ist fast unmöglich, und was da ist, ist sehr teuer, für Luxus aber ist nach drei Kriegsjahren kaum Stimmung. So wird das zweckmäßigste sein, ein Geldgeschenk zu machen. Wie aber könnte dies besser geschehen, als in Form von Kriegsanleihe?
Sehr geeignet für Kinder und Dienstboten sind hier die von der städt. Sparkasse ausgegebenen Anteilscheine in Höhe von 5, 10, 20 und 50 Mark. Diese Scheine sollten allgemein als Weihnachtsgeschenk schon jetzt gekauft werden. Die Ansicht, manchen Dienstboten würde eine solche Gabe nicht zusagen, kommt gar nicht in Betracht. Auch Dienstboten dürfen wissen, daß es Krieg ist, und die Bonner Herrschaften sollten es als stillschweigende Abmachung betrachten, hierin selbst zu bestimmen. Aber auch die Kriegsanleiheversicherung ist vorzüglich als Weihnachtsgabe geeignet. Sie hat zugleich erziehlichen Wert, da sie den Beschenkten anhält, auf die erste Prämie, die der Geschenkgeber zahlt, vierteljährlich kleine Prämien selbst zu entrichten. Sie leitet dadurch zum Sparen an. [...] In beiden vorstehend genannten Einrichtungen sind tatsächlich praktische und nützliche Weihnachtsgeschenke geschaffen. Langes Suchen ist erspart, die Höhe des Geschenkes läßt sich bequem und leicht festsetzen und endlich handelt es sich um eine Gabe, die jeder gebrauchen kann und die gleichzeitig dem Vaterlande dient. Gewiß ist auch ein Kriegsanleihepapier ein recht sinniges Andenken für noch fernere Zeit, schöner und wertvoller als teuer erstandener Tand und Flirt. Darum seien all, die Weihnachtsgeschenke machen müssen, noch rechtzeitig auf die Kriegsanleihe hingewiesen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Munitionsarbeiterinnen! Alle Hochachtung dem jungen deutschen Mädchen, welches so mutig die Freundinnen zur Munitionsarbeit einladet, aber warum getrennt von den Arbeiterinnen arbeiten? Weil Sie fürchtet, von etlichen Wenigen verspottet zu werden? Ist uns auch passiert: Wir haben aber durchgehalten, diese Menschen gar nicht beachtet, überhaupt keine Notiz von ihnen genommen, dadurch haben wir sie bezwungen, und wir werden heute ungeschoren gelassen. Gott sei Dank gibt es noch viele ordentliche Frauen und Mädchen, welche gezwungen durch die Verhältnisse in die Fabrik gehen müssen, und mit denen zu arbeiten es eine Freude ist. Ein deutsches Mädchen darf keinen Unterscheid in der Werkstatt mit anderen deutschen Frauen und Mädchen machen, denn auch diese arbeiten fürs Vaterland, sie haben sich noch keinen Augenblick bedacht und sind gleich, als man sie rief, gegangen, wenn auch gegen Bezahlung, denn wenn sie so zimperlich gewesen wären, dann könnte das Vaterland heute sehen, wie weit es wäre. Auch ich sage: das Vaterland braucht in dieser schweren Zeit keine Drohnen. Wenn die Damen wirklich gewillt sind, Opfer fürs Vaterland zu bringen und sich auch noch außerdem den Dank der Krieger zu gewinnen, so erlaube ich mir folgenden Vorschlag zu machen: Sorgen Sie dafür, daß die Arbeiterinnen ohne Lohnabzug acht Stunden arbeiten, damit diese sich mehr Ruhe gönnen können, ihre Wäsche nicht an ihrem einzigen Ruhetag, dem Sonntag, waschen müssen. Lösen Sie die Arbeiterinnen ab, übernehmen Sie mit Ihren Freundinnen acht Stunden, die sechzehn anderen Stunden können sich die Arbeiterinnen teilen und Sie werden das größte Opfer dem Vaterlande bringen, was eine Dame je zu Hause bringen kann. Eine deutsche Frau als Munitionsarbeiterin.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Ansichtspostkarten, die einen deutschen Kampfflieger im Bilde zeigen, sind zu Werbezwecken für die 7. Kriegsanleihe, sowie an Schüler zur Verbreitung verteilt worden. Die Karten sollen kostenlos abgegeben werden. Wie uns mitgeteilt wurde, sind die Karten von unberufener Seite verkauft worden. Es wird auf die Ungehörigkeit eines derartigen Handels hiermit hingewiesen.
Vortrag im Bürgerverein. Am Donnerstag, den 18. ds., abends 8 Uhr, wird Feldgeistlicher P. Otto Richter S. J. im Bürgerverein einen Vortrag halten über seine 14monatige Gefangenschaft in Indien und England. Die Ausführungen des Vortragenden, welcher ein Sohn unserer Stadt ist und lange Jahre in Indien als Missionar gewirkt hat, werden das Interesse weitester Kreise beanspruchen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 17. Oktober 1917
Verkauf von Ansichtspostkarten. Man schreibt uns: Zur Beruhigung aller, die von den Jungens Fliegerpostkarten gekauft haben, sowie derer, die sich darüber aufregen zu müssen glaubten, sei mitgeteilt, daß der Erlös in Höhe von 148,40 M., wie vorher in Aussicht genommen war, der Bonner Volksspende überwiesen wurde. Es wurden im ganzen 118 Karten verkauft, die von ihren überaus willigen Abnehmern mit 10 Pfg. bis 5 Mark (durchschnittlich 33 Pfg.) bezahlt wurden. Schon der Durchschnittspreis zeigt, daß sie nicht nur freudigen Herzens abgenommen wurden, sonders daß durch den „ungehörigen Handel“ einer guten Sache ein recht „gehöriges“ Sümmchen zugeführt wurde.
Der Bonner Kriegerverein hielt nach einigen Ferienmonaten letzten Samstag wieder eine Versammlung ab. Sie war zahlreich besucht und zeugte von der echt patriotischen Gesinnung der alten Kämpfer von 1866 und 1870/71. Kraftvoll erscholl bei der Eröffnung das Kaiserhoch, das der Vorsitzende, Herr Falk, ausbrachte. Es folgten einige schöne Lieder und Vorträge. Dann forderte Kamerad Becker mit warmen Worten zur Zeichnung der 7. Kriegsanleihe auf. Er betonte, daß Elsaß-Lothringen, das die alten Veteranen mit ihrem Gute und Blute erkämpft hätten und für das jetzt ihre Söhne und Enkel streiten, uns erhalten bleiben müsse. In die aufgelegte Liste wurden rund 1000 Mark gezeichnet. Ein Bravo den alten Veteranen!
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Schützengrabendienst der deutschen Frau.
Das Kriegsamt Koblenz hatte gestern abend eine große Frauenversammlung einberufen, die, vorweg sei es gesagt, eine wirklich große war. Jeder Platz im weiten Bürgervereins-Saale war bis auf die Galerie besetzt von Frauen und Mädchen, die mit großem Interesse den Reden folgten und die von Herzen kommenden Beifall den Rednerinnen spendeten. Auch der Geist war groß. Ein Vertreter des Kriegsamtes Koblenz begrüßte die Erschienenen und legte kurz den Zweck der Veranstaltung dar: Freiwillige Frauenhilfe zu werben zur Besetzung der fortwährend entstehenden Lücken in den Munitions-Fabriken durch Herausziehen der Männer für den Frontdienst. Das Schicksal von Volk und Reich sei nunmehr in die Hände der Frauen gelegt; das Vaterland rufe alle, Frauen und Mädchen; nicht zurückstehen sollten sie mehr vor den Brüdern, Gatten und Vätern da draußen. Fräulein Weber, die Direktorin der Kölner sozialen Frauenschule, wandte sich dann an die Frauen der gebildeten Stände, an die Studentinnen und rief sie alle auf zur freiwilligen Arbeit, zur Arbeit in Troisdorf, in der Pulverfabrik. Eine Weihestunde für die deutsche Frau habe geschlagen; eine Probestunde der Kraft, wie sie im Völkerleben hin und wieder auftrete, sei da und fordere das höchste von der deutschen Frau. Der Geist von 1914 möge nun auch über die deutsche Frau kommen und sie alles hintan setzen lassen vor der Forderung der Stunde. In Troisdorf brauchten sie Arbeitskräfte. Keine Bedenken könne es geben für Mütter, wie Haustöchter und Studentinnen, dem Rufe zu folgen. Hart sei die Zeit, hart müsse die Frau sein. Da gelte kein Müdesein, keines Hauses Pflicht. Mehr wie die Studien, mehr als unsere Bequemlichkeit, mehr als das Leben sei das Vaterland. Hier gelte keine Philosophie der Bücher mehr, sondern die Philosophie der Tat. Alle möchten des Volkes Arbeitskleid, des Volkes Last mittragen, damit in Wahrheit ein neues soziales Deutschland erstehe. Die Stunde des Vaterlandes fordere die Hilfe der deutschen Frau; es sei die Stunde der Seele, die sie zu leuchtenden Opfern hebe, auch wenn die Stunde vielleicht schwarze Schleier bringe. „Deutschland ruft, Deutschland muß leben, wenn wir auch sterben.“ Mit feurigem Schwung hatte die Rednerin gesprochen; ernst entschlossen des Vaterlandes Not geschildert; nicht umsonst um Hilfe gerufen. Der begeisterte Beifall zeigte, daß der Ruf der beredten Dame nicht zwecklos verhallen wird.
In der Aussprache schilderten einige Studentinnen, die seit acht Tagen in Troisdorf arbeiten, die Verhältnisse in der Pulverfabrik. Ihr Idealismus und ihre begeisterte Hingabe an das vaterländische Werk war nicht im geringsten abgeflaut und so wurden sie aus der Praxis heraus starke Werberinnen für den Hilfsdienst, für den Schützengrabendienst der deutschen Frau.
Manchem lauen hilfsdienstpflichtigen Manne mögen während der Versammlung die Ohren geklungen haben.
Verzicht auf besondere Festkleider bei der Feier der ersten hl. Kommunion. Im kirchlichen Anzeiger für die Erzdiözese Köln befindet sich folgende Bekanntmachung des Erzbischöfl. Generalvikariats:
Von amtlicher Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die lange Kriegsdauer und die Unterbindung jeglicher Rohstoffzufuhr peinlichste Sparsamkeit beim Verbrauch von Web-, Wirk- und Strickwaren zum dringenden Gebot macht. Insbesondere sollen Bezugsscheine für besondere Festkleider bei der Feier der ersten hl. Kommunion nicht mehr ausgestellt werden. Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 15. Februar ersuchen wir daher die Herren Pfarrer und Rektoren, die Eltern auf diese Sachlage aufmerksam zu machen und dieselben dringend zu ermahnen, daß sie von der Anschaffung besonderer Kleider für die Feier der ersten hl. Kommunion absehen und die Kinder in ihren gewöhnlichen Sonntagskleidern an den Tisch des Herrn treten lassen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
In zwölfter Stunde.
Es ist ein Geschenk des Himmels an die Menschheit, daß das ertragene Trübe und Harte sich in der Vergangenheit aufheitert und verschönt, daß das geleistete Gute und Edle sich mit den Jahren verklärt und zum Erhabenen gestaltet.
So wird auch diese Kriegszeit mit ihren Entbehrungen und Nöten, ihrem Kämpfen und Bluten, Leiden und Opfern für alle, die sie in ihrer ganzen Größe miterlebt, recht erfaßt und bestanden haben, in späteren Jahren ein kostbares Gedenken deutscher Pflichterfüllung, deutschen Heldentums und deutscher Größe hinterlassen. [...]
Ist es nun eine köstliche Gabe Gottes, daß die Zeit Böses und Gutes, je länger sie es in Händen hält, edler formt, so ist es ihr unabänderliches Gericht, daß sie Geschehens nicht ungeschehen, Unterlassenes nicht getan machen kann.
Und das bedenke jeder, der seine Pflicht beim Zeichnen der 7. Kriegsanleihe noch nicht nach Kräften erfüllt hat.
Die zwölfte Stunde hat geschlagen!
Noch ist es Zeit! Nicht lange mehr und Versäumtes kann nicht mehr nachgeholt werden!
Schuld bleibt Schuld!
Laß nicht Eigennutz uns das niederträchtige Wort aussprechen: „Auf mich kommt es nicht mehr an!“
Mit diesem schmählichen Worte bricht jede gemeinnützige Handlung, bricht der Staat und damit unser eigenes Wohlergehen zusammen. [...]
Folge der Stimme deines Gewissens! Sie ist die Stimme der Klugheit!
So wahr sich am 18. Oktober die letzte Zeichnungsstunde mit dem Schlage eins nicht eine Sekunde länger halten läßt, so wahr begeht der, der nicht seine verfügbaren Mittel dem Staate hingibt, ein Verbrechen am Staat, ein Verbrechen an unseren gefallenen und kämpfenden Helden.
Darüber soll sich jeder Deutsche klar sein. Worte sind nunmehr genug gefallen, noch ist es Zeit zu Taten.
Pflicht bleibt Pflicht und muß erfüllt sein!
Deutscher, bedenke, daß Deutschsein pflichttreu sein heißt!
Die zwölfte Stunde hat geschlagen!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 18. Oktober 1917
Universität und kriegsbeschädigte Studierende. Die Universitätsbehörden haben, um Unfällen vorzubeugen, angeordnet, daß an den Ein- und Ausgängen zu den verschiedenen Seminaren und sonstigen Universitätsräumen Handgeländer angebracht werden, die besonders den bein- und fußbeschädigten Studierenden als Halt und Stütze dienen können. Die Anordnung ist im Interesse unserer kriegsbeschädigten Studierenden sehr zu begrüßen. Das Vorgehen der Universität eifert hoffentlich andere Behörden zur Nachahmung an, die auch viel von Kriegsbeschädigten besucht werden.
Im Soldatenheim an der Josephstraße hielt letzten Sonntag Herr Hauptmann Dieckmann den zahlreichen Besuchern den fesselnden Vortrag: „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an“. Vor und nach dem Vortrage wurden wieder zahlreiche gute gesangliche und fröhliche Unterhaltungen geboten, zum Schluß auch mehrere lustige Einakter.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Schützengrabendienst der deutschen Frau! Anmeldung zur freiwilligen Arbeit in der Pulverfabrik Troisdorf werden in der Hilfsdienstmeldestelle, Abtlg. Frauenmeldestelle und Fürsorgevermittlung, Friedrichsplatz 1 (Sparkassengebäude) von 9-1 Uhr und von 4-6 Uhr entgegengenommen.
Der Segen der Hamsterfahrten. Der Köln. Stadtanzeiger schreibt: Wo sind die Zeiten hin, in denen das Eifelland den Rheinländern der Inbegriff der Armut war? Ein Kölner Dienstmädchen, eine bislang in schlichte, buntgemusterte Wolle und in Kattun gefasste Perle aus der Eifel, an deren schlichten Sinn alle Modeverführungen der Großstadt abgeprallt waren, fuhr, begleitet von den Segenswünschen der Herrschaft, auf Erholungsurlaub in ihr Heimatdorf. Das war vor 14 Tagen, als sie Abschied nahm; als sie wiederkam, rauschte sie in Seide. Und die Begründung? Im Dorfe sei kein einziges Mädchen mehr ohne ein seidenes Kleid, in der Kirche rausche es Sonntags von Seide. Ja, der Krieg, die Hamsterfahrten und die Bezugsscheinfreiheit erleichtern auch im fernsten Eifeldorf den Siegeszug der Seide.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Planmäßig verlaufen. Oefters meldet der Tagesbericht, eine bestimmte Operation sei planmäßig verlaufen. Was das heißt, erfahren wir dann mehrere Tage drauf in einem schwerwiegenden Ergebnis. Wir hören, daß auch die jetzige große Geldschlacht im allgemeinen planmäßig verlaufe, erfahren von glänzenden Zeichnungen, glänzend durch ihre Größe, glänzend durch den vaterländischen Sinn auch kleinster Zeichner, die ihr Letztes zusammenholen, um in diesen entscheidenden Tagen und Stunden nicht zu fehlen. Wird dem so scheinbar planmäßigen Verlaufe der Geldschlacht auch der planmäßige Sieg, ein Riesensieg, wie wir ihn wünschen müssen, folgen? Noch eine offene Frage. Die Spannung derer ist auf das höchste gewachsen, die selbst schon ihre Pflicht taten, ob wohl alle, die es versichert, wie sie gehandelt, ob das Endergebnis gesichert. Da wollt Ihr gleichgültig und noch immer abweisend bleiben, auf die es jetzt ankommt? Denkt, wie viel Werbearbeit, von Zeichnern zu der Erfüllung ihrer Zeichnungspflicht übernommen, nur durch Eure Schuld notwendig wurde, wie viel Ihr aber womöglich auch durch Euer schlechtes Beispiel bei denen geschadet, die um Euer Säumen wissen! Noch könnt Ihr durch Zeichnung das Schuldkonto abtragen, noch durch umso eifrigere Werbung den Schaden Eures Beispiels wettmachen. Noch, noch wenige Stunden! Ihr könnt, Ihr müsst!
Die Kriegsanleihen führen uns immer höher hinauf bis zum Gipfel, dem Sieg und Frieden winkt. Sechs Bergspitzen sind erreicht, die siebte soll noch größere Höhe, größere Aussicht auf – einen ehrenvollen Frieden bringen. Ihr Rheinländer kennt sieben Berge, habt sie besonders lieb. Denkt, wie Ihr auf den Oelberg ginget, um den Sonnenaufgang zu bewundern, so soll auch möglichste Höhe der siebten Kriegsanleihe zum Anblick der aufgehenden Friedenssonne führen! Wer will nicht dabei sein, um sie zu schauen? Wer wagt es, ohne den Ausweis der Kriegsanleihenzeichnung, soweit immer sie ihm möglich, Anspruch auf Mitgenuß zu haben?
Felix Joseph Klein, Bonn.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 19. Oktober 1917
Aller Absatz von Dörrobst, auch im Handel, ist bis auf weiteres nur mit Genehmigung der Kriegsgesellschaft für Obstkonserven und Marmeladen erlaubt. Lohnverträge über das Dörren von Obst bedürfen in jedem einzelnen Falle der Genehmigung dieser Gesellschaft.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Jede Beleuchtung im Freien ist ab heute verboten. In der vorliegenden Nummer unseres Blattes ist eine Polizei-Verordnung des Regierungs-Präsidenten in Cöln über Maßnahmen gegen Fliegergefahr abgedruckt. Danach müssen von heute ab alle erhellten Innenräume lichtdicht abgeblendet werden und zwar ohne Rücksicht darauf, ob die Räume nach der Straße oder nach dem Hofraum liegen. Dagegen müssen Fuhrwerke, Aufbruchstellen in den Straßen oder Gegenstände, die den freien Verkehr hindern, vor wie nach bei Eintritt der Dunkelheit beleuchtet werden. Eine beschränkte Straßenbeleuchtung ist bis 11½ abends und morgens 6 Uhr ab gestattet, soweit eine solche Beleuchtung zur Sicherung des Verkehrs notwendig ist. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Polizeiverordnung mit dem heutigen Tage in Kraft tritt.
Vierzehn Monate gefangen in Indien und England. Ein Mitglied der Gesellschaft Jesu, Pater Richter war es, der gestern abend zahlreichen Zuhörern seine Erlebnisse in der Gewalt der Engländer mit beredten Worten schilderte. Mitten im tropischen Indien erfuhr er durch dunkle Gerüchte vom Krieg zwischen zwei mächtigen Völkern im Westen. Man nimmt ihm seine Privatwaffen ab, da erfährt er, daß Krieg zwischen seinem Vaterlande und England sei. Schon drei Wochen danach glaubt kein Inder mehr den englischen Zeitungen; die Sympathie der Eingeborenen ist auf Seite der Deutschen, aber – einen Aufruhr können die Inder nicht machen. Schon drei Wochen nach dem Kriegsbeginn hat Kitchener die gesamte eingeborene Armee aus dem Lande gezogen und nach Flandern geworfen. Indien war damit der Kristallisationspunkt für eine Erhebung genommen. Schlau und gerissen ist der Engländer. Nach anfänglicher Nichtbeachtung kam Redner am 23. April 15 in ein Konzentrationslager für Zivilgefangene, wo es sich leben ließ, im Gegensatz zum Militärgefangenen-Lager, wo scheußliche Verhältnisse herrschten. Redner streifte hier eine eigenartige Fehme, die vaterlandslose Landsleute zu finden wußte. Sie hieß die Kieler Flotte und arbeitete mit drastischen Bordmitteln. Am 23. März 16 trat er dann mit 500 Leidensgefährten, darunter 150 Frauen und 150 Kinder, die Reise nach Altengland an, die um das Kap ging, sieben Wochen dauerte und allen Deutschen so recht die Weltmacht der Engländer vor Augen führte. Die ganze weite Reise berührte nur britisches Gebiet und das Schiff lief nur britische Häfen an.
Lebhaft schilderte Pfarrer Richter, der in grauer Montur eines Feldgeistlichen erschienen war, dann die Furcht vor den U-Booten an Bord, die feenhafte Beleuchtung und die großartige „Schiffsparade“ im Kanal und die herbe Enttäuschung, als in der Themsemündung nur die Frauen und Kinder für die Weiterfahrt nach Holland freigegeben werden. Wieder kostet er die Schmach englischer Lager und Behandlung in London und auch – die Schmach deutscher Verräter und Spitzel – in drei Lagern. Endlich die Befreiung; am 14 Juli 16 treten sie die Fahrt nach der Heimat an; ein Holländer bringt ihn mit anderen Brüdern nach Vlissingen und bald sehen sie wieder deutsche Fluren, fahren den deutschen Rhein hinauf.
Seinem fesselnden Vortrag gab Pater Richter ein ernstes Nachwort. Zwei Kriegsjahre hat er im Ruhestand und auf Beobachtung in Feindesland gelegen. Das Resultat: England ist es bitter ernst mit dem Kriege. England kämpft bis zum Ende. Damit decken sich seine Erfahrungen als Feldgeistlicher und Verhör-Dolmetscher. Aus einem schwer verwundeten Engländer spricht das ganze Land: „Ihr bekommt uns nicht unter, oder wir gehen unter.“ Von den Engländern müssen wir lernen, dieselbe Energie anzuwenden, und endlich muß es stille werden mit all dem Friedensgerede. Die Einheit der inneren Front ist in’s Wanken geraten, das hat unseren Feinden den Rücken gestärkt. Auch für uns gilt: „Wir müssen siegen, damit wir nicht untergehen.“
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Frauenversammlung im Bürgerverein am 16.10. Ein „Bravo“ der mutigen Dame, die trotz des eisigen Schweigens vom Vorstandstisch aus, unter begeistertem Beifall der Versammlung die Empfindungen derselben wiederzugeben schien mit ihren Ausführungen betreffs zwangsweiser Beschäftigung der Mädchen- und Frauenwelt in der Rüstungsindustrie. Warum wurde vom Vorstandstisch aus gebeten, in der Diskussion die Einführung des Zwanges nicht noch einmal zur Besprechung zu bringen? Das machte auf die Versammlung den ungünstigsten Eindruck und mit Recht, denn nur mittelst eines Zwanges wird es gelingen, alle Bevölkerungsschichten zu dieser Kriegsarbeit zu erfassen. Eine Zuhörerin, die neben Arbeiterfrauen saß.
Das Schoßhündchen. Eine hiesige Dame suchte durch Inserat im Gen.-Anz. ein kleines Schoßhündchen zu kaufen – worauf ihr folgende Offerte zuging:
Was wollen Sie denn jetzt mit einem Schoßhündchen? Haben Sie denn nicht die gestrige Frauenversammlung im Bürgerverein besucht?! Da wurde der meiste Beifall der Rednerin gegeben, die den Vorschlag machte, daß die Damen der oberen 10 Tausend (Kommerzienratstöchter etc.) zwangsweise zur Pulverfabrik in Troisdorf kommandiert würden. Frl. Direktor W. heißt sogar Frauen und Mütter Haus und Kind zu verlassen, und jetzt der ersten Pflicht dem Vaterland zu dienen da, wo es ihre Kraft gebrauche, also in den Munitionsfabriken zu arbeiten. Das Vaterland ruft Alle, auch die verehrteste deutsche Frau. Eine Hundeliebhaberin aus Friedenszeiten.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
7. Kriegsanleihe.
In Bonn wurden, soweit festgestellt werden konnte, 45½ Millionen gezeichnet, bei der 6. waren es 42, 5. 31½, 4. 33, 3. 38, 2. 30, 1. 18 Millionen. [...]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 20. Oktober 1917
Bekleidungsamt.
Die Bezugsscheinpflicht ist auf eine Reihe weiterer Gegenstände ausgedehnt worden. Weiter sind neue Richtlinien für die Bestandsliste herausgegeben und die Liste über Stoff-Höchstmaße geändert worden. Die Gültigkeit der Bezugsscheine wurde von einem Monat auf zwei Monate erhöht. Die Streichung der Kragen, Manschetten, Vorhemden, Säuglingsbekleidung und –Wäsche von der Freiliste führt zu deren Aufnahme in die Bestandsliste. Dagegen kann in Zukunft beim Vorhandenseins eines Sommermantels auch ein Wintermantel bewilligt werden, während umgekehrt die Bewilligung eines Sommermantels beim Vorhandensein eines Wintermantels nur in gewissen Ausnahmefällen (ärztliche Zeugnis) möglich ist. Auch das Verfahren zur Erlangung von Bezugsscheinen gegen Abgabe getragener Kleidungsstücke ist dahin geändert, daß nunmehr gegen Abgabe von Abgabebescheinigungen auch Bezugsscheine für Jünglings- und Knabenoberbekleidung sowie Unterbekleidung, Bett-, Haus- und Tischwäsche ausgestellt werden dürfen. Die Bekanntmachungen über diese Aenderungen, welche am 13. Oktober 1917 in Kraft getreten sind, werden in dieser Tageszeitung veröffentlicht.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)


Amtliche Bekanntmachungen. Am 20. Oktober 1917 ist eine neue Bekanntmachung betreffend der Höchstpreise und Beschlagnahme von Leder an Stelle der bislang in Geltung gewesenen Bekanntmachungen getreten. – Am selben Tag tritt eine Bekanntmachung betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von eisernen Heizkörpern und Zentralheizungskesseln in Kraft. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke. Es wird daran erinnert, daß die Frist für die Außerkurssetzung von Zweimarkstücken am 1. Januar 1918 abläuft. Von diesem Zeitpunkt ab verlieren die Zweimarkstücke ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Alle Reichs- und Landeskassen sind beauftragt, Zweimarkstücke einzulösen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 21. Oktober 1917
Zehn Munitionsarbeiterinnen senden uns folgendes Schreiben: In Ihrer geschätzten Zeitung haben Sie wiederholt rühmend hervorgehoben, daß mehrere junge Damen der gebildeten Stände, meist Studentinnen, sich als einfache Arbeiterinnen für Munitionsherstellung haben anwerben lassen. Auch uns hat es gefreut, daß unser Vorgehen Nachfolge gefunden hat. Wir dürfen sagen: Unser Vorgehen, denn seit einem halben Jahre sind wir auf Veranlassung der Vaterländischen Frauenvereins bei der hiesigen Zweigstelle des Feuerwerk-Laboratoriums Siegburg als Arbeiterinnen tätig. Davon viel Aufhebens zu machen, fanden wir uns nicht veranlaßt, war es doch nur die Erfüllung einer Pflicht. Das Vaterland rief. So hoffen und wünschen wir denn, daß noch viele weitere folgen mögen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Antrag auf Schließung der Fortbildungsschule. Stadtv. M. Schmitz stellte namens seiner Freunde folgenden Antrag mit der Bitte, ihn auf die Tagesordnung der nächsten Stadtverordneten-Versammlung zu setzen:
„Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen, die Verwaltung möge baldigst Schritte tun, um die Schließung der Fortbildungsschule herbeizuführen, eventl. den ältesten Jahrgang sofort zu entlassen.“
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Geschäftszeit. Der Handels- und Gewerbeverein ersucht die Handel- und Gewerbetreibenden Bonn’s dringend, vom 1. November ab die Geschäfte an allen Wochentagen, außer Samstags und Montags, nur in der Zeit von 8½ Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags offen zu halten.
Ueber 7 Millionen Bücher und Schriften hat die Zentrale des Borromäus-Vereins in Bonn als Sammelstelle zur Versorgung von Lesestoff für die Truppen im Felde und in den Lazaretten während der drei Kriegsjahre, vom 1. August 1914 bis 1. August 1917, versandt. Wie sich die Zentrale eine solch erfreuliche Fülle beschaffen konnte? 853.060 wurden ihr geschenkt; die Reichsbuchwoche von 1916 stellte dabei den Löwenanteil – 6.27.529 aber mußte sie mit einem Kostenaufwand von 162.173,27 Mark erwerben. Nun sind keine Barmittel mehr verfügbar und auch ihr Vorrat an Büchern und Schriften ist in kurzer Zeit erschöpft, aber in Feld, Lazarett und Gefangenenlager ist der Bedarf an Lesestoff keinesfalls gedeckt. Im Gegenteil, die Zentrale wird alltäglich – es ist dies buchstäblich zu verstehen – aufs Dringendste um Schriften ersucht! „Sie tun ein unbeschreiblich gutes Werk“, die Leute „lechzen förmlich nach Lesestoff“: „es ist so wichtig, immer wieder eine geistige Auffrischung zu gewinnen“, so wird uns stets aufs neue geschrieben. Und so geht denn an alle vaterländisch Gesinnten, vorab aber an unsere Gönner, Mitglieder und Freunde, der flehendliche Ruf: Helft uns also, schickt uns, was immer Ihr an Büchern und Schriften entbehren könnt. Aber auch Geldspenden sind freudig willkommen: etwa hier und da einmal wieder der Gewinn vom Skat- oder Kegelabend oder eine Sammlung am Stammtisch oder im Kränzchen oder sonst bei passender Gelegenheit, die sich namentlich dann bietet, wenn in gehobener Stimmung die Herzen besonders gebefreudig sind. Den Lesestoff schicke man an die Zentrale des Borromäus-Vereins in Bonn, Wittelsbacherring 9, die Geldspenden überweise man durch Zahlkarte ihrem Konto 15205 bei dem Postscheckamt Köln.
Gold oder Edelsteine zu tragen, während weite Kreise trauern und darben, ist unwürdig. Es stört die Eintracht und die Entschlossenheit zum Durchhalten. Das Gold gehört unbedingt auf die Reichsbank, um ihre Goldrüstung zu stärken, die Edelsteine werden im neutralen Auslande heute teurer als früher bezahlt und verbessern den Stand unserer Währung. So erzielte jüngst ein Schmuck, der auf 550 Mark geschätzt war, 684 Mark, ein anderer 6732 statt 5500, ein Brillant 316 Mark, 66 Mark über der Schätzung. Die Verkaufsstelle am Münsterplatz (Rhein.-Westf. Diskontogesellschaft) wird gern den Verkauf vermitteln.
Vom Vorgebirge schreibt man uns: In den letzten Tagen ist durch die „Mitteilungen an die Präsides“ an die Präsides ein merkwürdiges Anliegen gestellt worden, nämlich unter den Mitgliedern der Jungfrauenvereine für die Teilnahme an der Munitionsfabrikation zu werben. Was soll man dazu sagen? Vom seelsorgerischen Standpunkte möchte man am liebsten mit aller Entschiedenheit dagegen wirken. Denn das dürfte doch nicht zu bestreiten sein, daß die Mädchen dort manchen Gefahren für Leib und Seele ausgesetzt sind. Was nun die Gefahren für die Seele anlangt, so ist in den „Mitteilungen“ gesagt, daß alles, was geschehen kann, um diese Gefahren auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren, wirklich geschehen sei. Die Versicherung, daß der Hochwürdigste Herr Erzbischof seine Zustimmung für diese Werbetätigkeit erklärt habe, muß doch wohl hinreichende Bürgschaft dafür sein, daß die Arbeit bei der Fabrikation von Munition nicht mehr als nächste Gelegenheit zur Sünde zu betrachten ist. Und was nun die Gefahren für den Leib angeht, so kann man nach den vielfachen Erfahrungen dieselben nicht unbedingt in Abrede stellen. Soll man sich deshalb abhalten lassen, das zu tun, was für unsere Brüder im Felde durchaus notwendig ist? Was soll aus diesen werden, wenn die Waffen fehlen? Was würden unsere heimkehrenden Krieger sagen, wenn ihnen durch Mangel an Munition der schon nahe Sieg aus den Händen gewunden würde? Könnten unsere Jünglinge Jungfrauen noch hochachten, die aus feiger Furcht so ganz im Interesse unserer Feinde gehandelt haben? Wir meinen deshalb, es sei Pflicht, an dieser vaterländischen Tätigkeit Teil zu nehmen, auch für solche Jungfrauen, die sonst nicht darauf auszugehen brauchen, eine solche Gelegenheit zu reichem Lohne sich zu Nutze zu machen. Im Tagelohn arbeiten mag ja sonst nicht besonders ehrenvoll sein: aber höchst ehrenvoll ist es, für das Vaterland sich aufzuopfern.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
In Nr. 386 der Reichszeitung wird mitgeteilt, daß der Kohlenausschuß der Stadt Bonn beschlossen hat, die Kirchen bis zum 15. November nicht mehr mit Brennstoff zu beliefern, wohl aber soll es Theater und Kinos gestattet sein, Brennstoff zu beziehen. Ein seltsamer Beschluß! Man sollte doch den Kirchen in dieser Beziehung mindestens das zubilligen, was man den beiden anderen genannten Anstalten gewährt, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Die Kirchen sind meist wegen ihrer Lage und Bauart mehr der Kälte ausgesetzt als Kinos und Theater. 2. Die Kirchen dienen dem höchsten Zwecke der Gottesverehrung, Kinos und Theater wesentlich der Unterhaltung und Bildung. 3. Zum Besuch der Kirche ist jeder katholische Christ unter schwerer Schuld verpflichtet; der Besuch des Kinos und Theater ist ins Belieben gestellt. 4. Der Gottesdienst in unseren Kirchen beginnt am frühen Morgen, um oder vor 6 Uhr, also zur Zeit, da sich die Kälte sehr bemerkbar macht; Kinos und Theater werden dagegen meist nachmittags oder abends besucht. 5. Mit besonderer Rücksicht auf die Schuljugend sollten die Kirchen bei kaltem Wetter geheizt werden. Jeder, der die vielen dürftig gekleideten und mangelhaft ernährten Schulkinder betrachtet, die am Morgen pflichtgemäß der Schulmesse beiwohnen, muß wünschen, daß der Kohlenrat den Kirchen das Heizen ermöglicht. Es sei zugegeben, daß bei den Andersgläubigen das Bedürfnis zum Heizen der Kirchen geringer ist, da die zugrundeliegenden Verhältnisse verschieden sind. Daß der genannte Beschluß mit 8 gegen 1 Stimme erfolgt ist, legt den Gedanken nahe, daß Katholiken im Kohlenrat nur mit einer Stimme vertreten sind, was aber, wie wir in Erfahrung gebracht haben, nicht zutrifft.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Montag, 22. Oktober 1917
Salzeinkäufe.
In den letzten Tagen hat auf irgend ein unsinniges Gerücht hin in allen Geschäften das Salzhamstern begonnen. Man befürchtet eine bevorstehende Salzknappheit. Die Annahme ist gänzlich unzutreffend. Wir verfügen im Deutschen Reiche über eine so große Salzausbeute, auch während des Krieges, daß ein Mangel überhaupt nicht eintreten kann. Dagegen ist es möglich, daß durch eine solche Hamsterwut, wie sie in den letzten Tagen eingesetzt hat, und mit Rücksicht auf den zeitigen Eisenbahnmangel leicht eine vorübergehende Stockung eintreten kann. Alle Hausfrauen werden daher dringend gebeten, diesen Salzeinkäufen aufs Schärfste entgegenzutreten. Auch dürfen die Geschäftsleute vor allen Dingen unter keinen Umständen eine solche Hamsterei befördern. Die Aussprengung solcher Gerüchte ist nur auf feindliche Agenten zurückzuführen, die Unordnung in unsere Volkswirtschaft hineinbringen wollen. Man soll daher die Verbreiter solcher Gerüchte festnageln und öffentlich an den Pranger stellen. Das Lebensmittel ist für jede Auskunft dankbar, die auf die Spur derartiger Schwätzer oder feindlicher Agenten führen kann. Zur besonderen Beruhigung der Bürgerschaft sei aber darauf hingewiesen, daß das Lebensmittelamt über genügende Salzvorräte verfügt, die auf jeden Fall einen Mangel ausschließen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Soldatenbegräbnis zu Bonn.
Wie flammt die Natur in lauter Gold!
War einem Kam’raden von mir so hold,
Dem heute der Trommel dumpfer Klang
Ertönet im letzten Nachhausegang.
Wie heute die Fenster und Türen gehen! –
Mutter, Musik! Wie klingt es so schön!
„Ach schau!“ Es lispelt ein roter Mund:
„Mitziehen Soldaten, so wund, so wund.“
Den Arm in der Binde, die Beine noch schwach,
Schleppen sich Brüder so langsam ihm nach.
“Nur weiter Kam’raden! Wenn auch schon müd’,
Die Musik hilft vorwärts mit einem Lied.“
Mit Trommeln wurde sein Platz erreicht,
Ein seltsam Gefühl uns alle beschleicht:
Als stünde er vor uns als munt’rer Gesell’,
Die Sonne schien nieder, so hell, so hell.
Karl Weis
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Metropol-Theater-Lichtspiele bringen von Dienstag, 23. Oktober, ab das Meisterwerk der Lichtbildkunst Fünf Minuten vor Mitternacht, eine Lebenstragödie in 5 Akten, zur Aufführung. Es ist dies ein Kunstwerk, wie es die Filmbühne selten bringt und das überall, wo es in Szene ging, das größte Aufsehen erregt hat. Ferner kommt im zweiten Teil das mit großem Beifall aufgenommene Riesenwerk Ashavar, die Tragödie der Eifersucht, zur Darstellung; heute zum letzten Male die hervorragende Filmschöpfung Weltmeister Brown, der verwegene Kriminalist, in seinem tollkühnen Abenteuer: Zur Strecke gebracht.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 23. Oktober 1917
Der Liberale Bürgerverein hat gestern abend seine Hauptversammlung abgehalten. Der Vorsitzende, Stadtverordneter Dr. Krantz, eröffnete sie mit der Mahnung, auch während und trotz des Krieges den öffentlichen Angelegenheiten rege Anteilnahme entgegenzubringen. Etwaige Mißstände könnten nur durch öffentliche Betätigung gebessert werden. Nur dadurch, daß man für die Aufgaben der Zeit Verständnis gewinne, könne man auch zum wirklichen Burgfrieden beitragen. Die geeignete Stätte zur öffentlichen Betätigung sei für die große liberale Gemeinde in Bonn der Liberale Bürgerverein. […] Der Jahresbericht wurde von der Versammlung sehr beifällig aufgenommen. Der Vorsitzende, Dr. Krantz, unterstrich noch besonders die betonte Notwendigkeit, für die Bonner Zeitung zu werben. In der Bonner Zeitung können am besten die Meinungen des Liberalen Bürgervereins zum Ausdruck kommen und Einfluß gewinnen. Es sei also eine liberale Pflicht allerersten Ranges, die Bonner Zeitung selbst zu halten und für sie nach Kräften zu werben.
An der Hauptversammlung des Liberalen Bürgervereins schloß sich die vorgesehene Versammlung der liberalen Stadtverordnetenwähler. Der Vorsitzende, Dr. Krantz, bemerkte einleitend, die diesjährigen Stadtverordnetenwahlen würden wieder im Zeichen des Burgfriedens stehen. In Uebereinstimmung mit der Zentrumspartei solle den beiden Rathausfraktionen ihr Besitzstand erhalten bleiben. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden und verzichtete infolgedessen darauf, für die dritte Abteilung Kandidaten aufzustellen. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Spart mit dem Wasserverbrauch! Das städt. Wasserwerk teilt uns mit (s. auch die Bekanntmachung im Anzeigenteil), daß der Wasserverbrauch der Stadt seit dem vergangenen Winter eine außerordentliche, immer zunehmende Höhe angenommen hat. Es kann dies nur darauf zurückgeführt werden, daß in vielen Haushaltungen eine Verschwendung mit dem Wasser getrieben wird. Aus Mangel an Installationsmaterial und Handwerkern werden vielfach Undichtigkeiten der Leitungen, Hähne, Klosetts usw. nicht rechtzeitig behoben. Hier muß Wandel geschaffen werden, da sonst der Betrieb des Wasserwerks gefährdet wird. Wasser ist wohl zur Genüge vorhanden, aber Kohlen, Oel und sonstiges Material zum Betriebe der Pumpenanlagen in genügender Menge zu beschaffen, stößt auf Schwierigkeiten. Bei Schadhaftsein der Leitungen und deren Armaturen sorge man, ganz oder zeitweise für Absperrung der betreffenden Teile. Achte jeder darauf, daß sparsamst mit dem Wasser umgegangen wird. Gegen die Hausbesitzer, die die Vergeudung des Wassers nicht verhindern, muß vom Wasserwerk eingeschritten werden.
Warum schließt man nicht die Fortbildungsschule? Wiederholt konnte man in letzter Zeit im Gen.-Anz. lesen, daß von den verschiedensten Seiten und aus den verschiedensten Gründen die Schließung der Fortbildungsschule angeregt wurde. Einmal, weil man zur Verringerung der hohen Mietsunkosten die Räume städtischerseits für Lagerzwecke verwenden wollte; meistens aber waren die Antragsteller Handwerksmeister und Gewerbetreibende, denen der Unterrichtstag in jeder Woche, zum dem sie ihre Lehrlinge schicken müssen, eine große Betriebsstörung bedeutet, denn da sie heute ausschließlich auf die Hülfe der Lehrlinge angewiesen sind, ist so ein junger Mann jetzt schwerer zu entbehren wie früher ein älterer Facharbeiter. Ueber die Nützlichkeit eines gediegenen Fortbildungsschul-Unterrichts braucht man ja kein Wort mehr zu verlieren, aber das Hemd sitzt uns schließlich näher wie der Rock und in einer Zeit, in der man Studenten und höhere Schüler auffordert, in Munitionsfabriken und landwirtschaftlichen Betrieben zu arbeiten und wo viele ländliche Volksschulen sogar ganz geschlossen sind, weil man die Kinder zur Arbeit braucht oder die Lehrer eingezogen sind, dürfte es schwer fallen, die Notwendigkeit eines Unterrichts zu begünden, den unsere heutigen Handwerksmeister unbeschadet ihrer Tüchtigkeit noch ganz entbehren mußten. Man kann der Frage auch vom Standpunkt der Kohlenersparnis aus nähertreten. Und dann noch eines: In der Begründung eines diesbezügl. Antrags des Handels- und Gewerbevereins heißt es, daß die Lehrlinge heute nirgends besser aufgehoben seien als bei ihren Meistern. Damit sollte gewiß angedeutet werden, daß die jungen Leute bei ihren Zusammenkünften an der Fortbildungsschule nicht bloß Gutes lernen und das ist ein Kapitel, über das jeder Meister heute ein Liedchen singen kann. Ein Gewerbetreibender.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Fett, Butter und Mehl wollte ein 28jähriger Invalide aus Mayen beschaffen können, wenn man ihm das nötige Geld dafür gäbe. Die Vertrauensseligen, die darauf eingingen, warten vergebens auf die Waren. Der Mann ist gestern in Bonn festgenommen worden. Er gesteht ein, in fünf solchen Fällen zusammen 1650 Mark erschwindelt und das Geld in Köln verjubelt zu haben.
Zur Förderung der Bonner Kriegshilfe (Bahnhofshilfe) laden die „naturwissenschaftlichen Lichtbildvorträge“ ein, welche diesen Winter in erweitertem Rahmen, jeden Monat einmal Mittwochs im Kunstmuseum (Hofgartenstraße) stattfinden sollen. Ausgezeichnete Redner unserer Universität haben dazu ihre freundliche Mitwirkung zugesagt: Professor Fittung gedenkt Pflanzenbilder aus Tropenurwald und Wüste, Geheimrat Philippson Bilder und Skizzen aus dem Orient, Professor Pohlig Darstellungen von Riesen und Zwergen des Tierreiches, Professor Schiefferdecker Bilder von Menschen und Tieren der Vorgeschichte, und Geheimrat Steinmann Ansichten der Alpen im Eiszeitalter vorzuführen. Da zudem der ganze Reinertrag des Unternehmen wieder der Kriegshilfe unserer Stadt zufließen soll, kann die vaterländische Sache diesmal eines noch erheblich gesteigerten Erfolges gewiß sein. Näheres ist aus dem bei Röhrscheid und an dem Tor der Universität aushängenden kleinen Programm ersichtlich; der erste Vortrag findet schon am nächsten Mittwoch (24. cr.) 5 Uhr statt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Lengesdorf: Einsame Spaziergänger bemerkten in einem Gebüsch einen vollständig und schön ausgebauten Unterstand, der einen Vorrat Kartoffeln und auch eine Feuerung enthielt. Auf die Kunde von dieser Neuigkeit, begaben sich heute früh morgens der Feldhüter Nettekoven mit dem Feldgendarmen und einigen handfesten Leuten dahin und nahmen in dem Unterstand zwei Deserteure fest. Dieselben wurden sofort nach dem Bürgermeisteramt in Duisdorf geführt und nach kurzem Verhör nach Bonn gebracht.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Mittwoch, 24. Oktober 1917
Aus dem städtischen Lebensmittelamt.
Brot und Kartoffeln. Für den Regierungsbezirk Köln ist angeordnet worden, daß das Brot nicht mehr mit Kartoffeln gestreckt, die wöchentliche Brotmenge von 3¾ auf 3½ Pfund herabgesetzt und daneben eine Kartoffelzulage von 1½ Pfund gegeben wird. In Bonn tritt diese Neuregelung am 5. November in Kraft, die 1½ Pfund Kartoffeln werden auf Warenmarken gegeben werden. Die jetzt bestehenden Brotzulagen für Schwer- und Schwerstarbeiter, für hoffende und stillende Frauen bleiben unverändert. Leider lassen es die vorhandenen Getreidevorräte nicht zu, das Ausmahlverhältnis des Brotgetreides, das jetzt 94 v. H. und darüber beträgt, einzuschränken. Wir müssen also bis auf weiteres mit diesem hohen Ausmahlsatz rechnen. Das hat, abgesehen von der Beschaffenheit des Brotes, den großen Nachteil, daß keine Futtermittel für das Vieh anfallen. Die Futterknappheit macht sich namentlich für die gewerblichen Pferde von Woche zu Woche immer drückender bemerkbar. Das städtische Lebensmittelamt ist andauernd bemüht, Futtervorräte hereinzubekommen, doch versagen diese Bemühungen vielfach wegen des großen Mangels, den die Ernte mit sich gebracht hat.
Die Kartoffelzufuhr ist in der letzten Zeit des großen Wagenmangels wegen etwas geringer gewesen. Bis jetzt sind in Bonn nur rund 17.000 Zentner zum Einkellern angemeldet worden, das ist noch nicht der vierte Teil der Menge, die insgesamt den Haushaltungen zugefahren werden müßte. Die Haushaltungen haben die Möglichkeit, ihren Kartoffelbedarf bis Februar sicherzustellen, es ist daher ganz unverständlich, daß bisher so wenig davon Gebrauch gemacht wird. Die Hausfrauen werden nochmals dringend daran erinnert, ihren Kartoffelbedarf mündlich oder schriftlich beim Lebensmittelamt, Abteilung 12, anzumelden. Die bestellten Kartoffeln werden, wenn die Bezugsscheine bezahlt sind, durch städtische Gespanne oder die bereits bekannt gegebenen Kartoffelhandlungen zugefahren. Besondere Wünsche werden dabei möglichst berücksichtigt.
Die ersten Steckrüben werden nächste Woche eintreffen. Es handelt sich dabei um eine besonders schöne und vor allem gelbfleischige Ware, wie sie hier gern genommen wird. Der Preis wird etwa 5,50 M. für den Zentner betragen. Genaue Angaben werden noch besonders bekannt gemacht. Die Hausfrauen mögen auch ihren Winterbedarf an Steckrüben (Erdkohlrabi) möglichst bald beim Lebensmittelamt, Abteilung 12, anmelden.
Die Kriegsküchen. Die Preise für die Speisung aus den Kriegsküchen werden voraussichtlich vom 28. Oktober ab erhöht werden. […] Der Neubau der Kriegsküche Ecke Argelander- und Reuterstraße wird noch immer dadurch verzögert, daß die Genehmigung des zuständigen Berliner Kriegsamts noch nicht eingetroffen ist. Die Teilnehmerzahl der Kriegsküchen beträgt diese Woche 6000, sie steigt fortwährend. […]
Die städtische Milchwirtschaft liefert zurzeit täglich rund 700 Liter Milch und unterstützt damit die Milchversorgung aufs beste. Da für den Winter mit einem weiteren Rückgang der Milchzufuhr gerechnet werden muß, werden noch weitere fünfzig frischmelkende Kühe in die städtische Eigenwirtschaft aufgenommen. In allernächster Zeit steht eine viel schärfere Erfassung der Milch bei den Selbstversorgern bevor. Damit wird dann auch den Besitzern der sog. „Pensions- und Salonkühe“ gründlich auf die Finger gesehen werden.
Petroleum. In letzter Zeit mehren sich die Klagen, daß in der Stadt Bonn kein Petroleum zu haben ist. Es kann das nur darauf zurückgeführt werden, daß einige Geschäftsleute das ihnen für die Stadt Bonn zugewiesene Petroleum nach auswärts verkaufen. Um das zu verhindern, wird das Lebensmittelamt den Verkauf schärfer regeln und auch dafür sorgen, daß in nächster Zeit in den Vororten Petroleumsverkaufsstellen eingerichtet werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Soldatenheim. Der Unterhaltungsabend am vergangenen Sonntag bot den zahlreichen Feldgrauen wieder viel Ernstes und Heiteres. Den Glanzpunkt des Abends bildete aber der Lichtbildvortrag des Ausschußmitgliedes Herrn Lorenz Schröder, der zugleich auch den Abend leitete, über das hochaktuelle Thema: „Deutschlands U-Boote und ihre Tätigkeit“. Der gehaltvolle Vortrag des Herrn Schröder, unterstützt durch schöne und klare Lichtbilder, weckte von neuem in allen Herzen Stolz und Freude und zugleich frohe Hoffnung auf unsere jüngste und so erfolgreiche Waffe zur See. […] Die Sieger im Preiskegeln erhielten schöne Preise. Der Ausschuß des Soldatenheims bittet nochmals ihm für diesen Zweck Preise, wie gute Bücher, nützliche Gegenstände usw. stiften zu wollen, weil sonst diese Einrichtung in Frage gestellt ist.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Weihnachtspakete für die rheinischen Truppen sollen auch in diesem Jahre verschickt werden. Die Stadt Bonn hat 20.000 Pakete zu liefern, die 100.000 Mark kosten. Davon sollen die Stadtverordneten 50.000 Mark bewilligen, die vaterländischen Vereinigungen haben 40.000 Mark gespendet, der Rest wird durch den Vaterländischen Frauenverein und freiwillige Spenden aufgebracht. […]
Die Hindenburgfeier im Stadttheater am 2. Oktober hat 207,90 Mark Lustbarkeitssteuer verursacht. Die Stadt soll einen Zuschuß zu der Feier in gleicher Höhe leisten, worüber die Stadtverordneten am Freitag zu beschließen haben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 25. Oktober 1917
„Von Flanderns Not, seinem Volk und seinen Frauen.“ Die bekannte Schriftstellerin und Rednerin Frau Adele Schreiber-Krieger, gegenwärtig Mitglied der Politischen Abteilung beim Generalgouvernement in Belgien, wird am übermorgigen Samstag, abends 6½ Uhr, im Saale der Lese über die vlämische Frage unter besonderer Berücksichtigung der vlämischen Frauen sprechen. Frau Adele Schreiber-Krieger wird in erster Linie auf die Stellung der vlämischen Frau eingehen, wozu sie besonders geeignet ist, da die Behandlung dieser Frage zu ihrem Wirkungsbereich bei der Politischen Abteilung in Brüssel gehört. Der Vortrag wird gemeinschaftlich von der Ortsgruppe Bonn-Godesberg des Rheinischen Provinzial-Vereins für Frauenstimmrecht und der Deutsch-Vlämischen Gesellschaft (Geschäftsstelle Düsseldorf) veranstaltet.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Godesberg: Der Vaterländische Frauenverein beging am Dienstag den Geburtstag seiner hohen Patronin, der Kaiserin, wie alljährlich in der üblichen Weise, daß er die Dienstmädchen in der Bürgermeisterei Godesberg für langjährige treue Dienste bei ein und derselben Herrschaft mit Auszeichnungen beehrte. Die Feier fand am Dienstag nachmittag im Schumacher’schen kleinen Saale bei einem Kriegskaffee statt. Es konnten diesmal 30 solcher treuen Dienstboten mit Auszeichnungen bedacht werden, und zwar erhielten 16 für fünfjährige Dienstzeit ein Diplom, 9 Mädchen für eine zehnjährige Dienstzeit eine Brosche mit dem Bildnis der Kaiserin und 5 Mädchen für fünfzehn- und mehrjährige Dienstzeit ein Sparkassenbuch über 25 Mark. Die zweite Vereinvorsitzende, Frau Joseph Mayer, aus Muffendorf, hielt bei dieser Feier eine patriotische Ansprache mit einem Hoch auf unsere Landesmutter und Herr Bürgermeister Zander feierte die deutsche Treue.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Freitag, 26. Oktober 1917
Kartoffeln.
Die Anträge auf die Einkellerung von Kartoffeln sind noch immer erst sehr spärlich beim Lebensmittelamt, Abteilung III eingegangen. Kaum hat sich ein Viertel derjenigen Familien, die wirtschaftlich und nach der Beschaffenheit ihrer Keller wohl in der Lage wären, die Einkellerung zu übernehmen, gemeldet. Das Lebensmittelamt warnt daher diese Familien in einer Bekanntmachung dringend davor, die Einkellerung zu versäumen.
Die Aufhäufung von Kartoffelvorräten durch die Stadt ist nur begrenzt. Es können nur rund 150.000 Zentner eingemietet oder eingekellert werden, während der vorgesehene Bedarf für die Winter- und Frühjahrsmonate etwa 300.000 Zentner beträgt.
Die Kartoffeln, die zum Einkellern kommen, sind gute und dauerhafte Ware. Wer sich jetzt also im Vertrauen auf die Versorgung durch die Stadt keine Vorräte verschafft, obgleich er dazu durchaus in der Lage ist, könnte seine Nachlässigkeit in den kartoffelarmen Monaten im kommenden Frühjahr bitter bereuen. […]
Bekleidungsamt.
Das Tischtuchverbot für Gastwirtschaften und ähnliche Betriebe ist mit dem 1. Oktober in Kraft getreten, wird aber vielfach nicht in der vorgeschriebenen Weise durchgeführt. […] Die Verordnung wird unnachsichtig durchgeführt. […]
Die Ablieferung getragener Kleidungsstücke, Wäsche und Schuhwaren ist heute geradezu zu einer vaterländischen Pflicht geworden, weil unsere Bestände an Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren für die Bedürfnisse der bürgerlichen Bevölkerung auf das äußerste gestreckt werden müssen. Es ist deshalb notwendig, daß alle Gegenstände, die jetzt in den Familien entbehrlich sind, der allgemeinen Bewirtschaftung zugeführt werden, damit vor allem die minderbemittelte Bevölkerung mit warmer Kleidung im kommenden Winter ausgestattet werden kann. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Nachrichten des Lebensmittelamts der Stadt Bonn.“)
Ein erweiterter Geschäftsverkehr auf die Dauer von 10 Stunden ist am nächsten Sonntag, dem letzten vor Allerheiligen, freigegeben. Die Ladengeschäfte dürfen – mit Ausnahme der Hauptgottesdienst-Stunden von 9½ bis 11½ Uhr – für den Verkauf geöffnet bleiben.
Gute Rotkohl-Ernte. Man schreibt uns auf Endenich: Hier hat man in letzter Zeit mit der Ernte des Rotkohls begonnen. Es sind in diesem Jahr weit größere Flächen damit bepflanzt als sonst. Während an anderen Orten vielfach geklagt wird, daß gerade der Rotkohl nur kleine oder gar keine Köpfe gebildet hat, steht er in der hiesigen Gemarkung recht schön. Ausgedehnte Felder finden sich hier, auf denen auch nicht eine einzige fehlgegangene Pflanze zu finden wäre. Die Nachfrage nach diesem „Sonntagsgemüse“ ist andauernd eine rege. Es wird weniger davon zum Markt gebracht, aber tagtäglich werden größere Mengen von Privatleuten und Gemüsehändlern aufgekauft. Auch der Rotkohl wird jetzt hier nach dem Gewicht verkauft und nicht mehr aufs Stück, wie früher. Da aber in diesem Jahre Köpfe von 4 und 5 Pfund hier den Durchschnitt bilden, können die Züchter auch mit dem Höchstpreise wohl zufrieden sein.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Schließung der Fortbildungsschule. Sollte der von Herrn Stadtverordneten Schmitz gestellte Antrag nunmehr Anklang finden, so wäre es von den gesamten Bonner Handwerkern nur zu begrüßen, leider ja etwas verspätet, aber doch jetzt zur richtigen Zeit, da zur Aufrechterhaltung der Volksversorgung im Handwerkerstande nur noch die wenigen Meister selbst, und die Lehrlinge derselben zur Verfügung stehen. Es wird der verehrl. Verwaltung nicht unbekannt sein, daß notwendige Reparatur- und Erhaltungsarbeiten wochenlang hinausgeschoben werden, wegen Mangel an Arbeitskräften derartige Schäden und der Einwirkungen in dieser Zeit zum Schaden der Bürgerschaft größer und kostspieliger werden. Häufig kommt es vor, daß der Meister einen dringenden Auftrag nicht ausführen kann, weil der Lehrling zur Schule ist, und zu dieser Arbeit unbedingt vier Hände haben muß, die er selbst aber nicht hat. Die Folge ist, daß die Arbeit aufgeschoben werden muß und die Arbeitskraft des Meisters schließlich ebenfalls in dieser Zeit unausgenützt bleibt. Genau dasselbe ist es, wenn ein Lehrling eines älteren Jahrganges zur Schule muß, der einen Arbeitsauftrag auszuführen hat, bei dem ein jüngerer helfend eingreifen muß. Während dieser Zeit steht der jüngere Lehrling unausgenützt in der Werkstatt.
Das sind nur einige Beispiele. Ein Handwerker, welcher damit zu tun hat, könnte hundert solche anführen.
Da der unselige Krieg leider viele unseres Handwerkerstandes dahingerafft und ein großer Teil durch Verwundungen u. s. w. seinen Berufen entzogen wird, so ist es erste Pflicht, dem Lehrling die nötigen Fachkenntnisse beizubringen, um sich später als tüchtiger Handwerksgeselle oder Meister durchs Leben bringen zu können.
In Bonn und anderen Städten gibt es eine große Menge von Meistern, welche den Genuß einer Fortbildungsschule nicht hatten, denen nur eine einfache, aber gründliche Volksschulbildung zuteil wurde, sich trotzdem aber zu tüchtigen Meistern und Führern im Handwerkerstande heraufgearbeitet haben. Sollte dieses heute nicht mehr möglich sein und dieses alles nur vom Besuch der Fortbildungsschule abhängen?
Was die moralische Seite angeht, so nehme ich an, daß wohl jeder Meister, dem Lehrlinge anvertraut werden, auch die Fähigkeit dafür hat, diese als ordentliche Menschen heranzubilden. – Jeder auf seinem Platze. Ein Innungsobermeister.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Naturwissenschaftliche Lichtbildvorträge für die Bonner Kriegshilfe im Hofgartenmuseum. Den ersten, gut besuchten Vortrag hielt am gestrigen Mittwoch Prof. Pohlig über Riesen und Zwerge des Tierreiches: einem Riesen – fast der ganzen Welt, – stehen wir jetzt im furchtbaren Krieg gegenüber. Doch wie einst Klein-David den großen Goliath, Jung-Siegfried den argen Lindwurm erschlug, so sicher muß jetzt Jung-Deutschland siegen. Zahllose Vorbilder dieser Art finden wir im Tierreich. […]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 27. Oktober 1917
Deutsche Vaterlandspartei. Die Ortsgruppe Bonn-Godesberg der Deutschen Vaterlandspartei hielt gestern abend ihre erste Mitgliederversammlung ab, die recht gut besucht war. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Geheimrats Litzmann, über die Ziele der Deutschen Vaterlandspartei wurden die Satzungen festgesetzt und in den Vorstand gewählt die Herren Geheimrat Litzmann, Geheimrat Dyroff, Kaufmann W. Th. Prym, Oberlehrer Grube (Godesberg), Exzellenz v. Neuhaus, Direktor Dipl.-Ing. Clar, Bankvorstand Höhl (Godesberg). Ein vorgeschlagener Ausschuß wurde nur vorläufig gewählt, die endgültige Wahl soll der nächsten Mitgliederversammlung überlassen bleiben. Der Vorsitzende entwarf dann die Richtlinien für die Werbetätigkeit. U. a. ist geplant, an einem der nächsten Sonntage vormittags eine große aufklärende Versammlung abzuhalten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Goldankaufstelle konnte gestern ihre 5000. Ablieferung verzeichnen. Zur Erinnerung überreichte Bankdirektor Weber, der Leiter der Ankaufstelle, der abliefernden Dame, Schwester Charlotte Winnig, mit einer herzlichen Ansprache das von der Reichsstelle gestiftete Bild.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Stadtverordneten faßten gestern Beschlüsse, die einige Aufregung in den betreffenden Bürgerkreisen hervorrufen werden. […] Der Preis für das Mittagessen in den Kriegsküchen wurde in den Klassen A und B auf 50, in der Klasse C auf 70 Pfennig erhöht; doch soll auf besondern Antrag bei kinderreichen Familien und in besondern Fällen der Preis in Klasse C um 10 Pfennig herabgesetzt werden. […] Der Antrag auf Schließung der Fortbildungsschulen, der, wie Stadtverordneter Bins ausführte, in keiner andern Stadt in ganz Preußen gestellt worden ist und auch von den Handelskammern bekämpft wird, wurde zu Gunsten eines neuen Antrags zurückgezogen, der Befreiung der Schüler vom Fortbildungsschulunterricht vorsieht, deren Arbeitgeber unter Zustimmung der Eltern einen begründeten Antrag einreichen. Der neue Antrag wurde einstimmig an den Schulvorstand verwiesen. Von einschneidender Bedeutung ist der Beschluß, das Gas für die Nachtzeit von 11 bis 4 Uhr und für Nachmittagszeit von 2 Uhr bis zur Dunkelheit zu sperren. Dadurch sollen täglich 3700 Kubikmeter Gas gespart werden. Die Maßregel wird begründet mit der schlechten Kohlenbelieferung des Gaswerks. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Sonntag, 28. Oktober 1917
Evangelische Gemeinde Bonn. Die 400-Jahr-Erinnerung der Reformation wird mit Festgottesdienst am 31. Oktober, 9½ Uhr, in der Kirche am Kaiserplatz gefeiert. Sollte die Kirche am Kaiserplatz die Besucher nicht alle aufnehmen können, dann ist um 9¾ Uhr noch Festgottesdienst in der Schloßkirche. Am Abend um 8 Uhr ist eine allgemeine Versammlung in den Sälen der Lese (Koblenzer Straße). Prof. D. Dr. Achelis hat die Festrede übernommen. Am folgenden Tag, 1. Nov., um 10 Uhr, ist eine „Jugendfeier“ in der Kirche am Kaiserplatz, an der sich die gesamte evangelische Schuljugend vom 10. Lebensjahr ab – etwa 1800 Kinder – beteiligt. Erwachsene können an dieser Jugendfeier wegen Ueberfüllung der Kirche nicht teilnehmen. Freitag abend, 2. Nov., ist eine Aufführung Bachscher Kantaten. Näheres darüber im Anzeigenteil. Am 31. Oktober wird von 11 bis 12 Uhr abwechselnd Choralmusik und Glockengeläut vom Turm der Kirche am Kaiserplatz ertönen. – Für die Garnison, die augenblicklich in Elsenborn weilt, sowie für die evangelischen Verwundeten und Kranken aus den Lazaretten ist ein besonderer Festgottesdienst am Sonntag, 4. Nov., (dem üblichen Reformationsfest-Sonntag) 9½ Uhr in der Schloßkirche anberaumt.
In der Gesellschaft für Literatur und Kunst wird am kommenden Samstag ein im Vordergrund des literarischen Interesses stehender Dichter aus seinen eigenen Werken vorlesen. Die Persönlichkeit Heinrich Manns, der von einer Gruppe von zeitgenössischen Dichtern als Führer betrachtet und dessen kürzlich erschienener Roman „Die Armen“ gerade in unseren Tagen viel beachtet wird, bürgt für einen interessanten und lehrreichen Abend.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die steigende Papierknappheit macht es erforderlich, daß wir Einschränkungen in der Berichterstattung über Theater, Konzerte, Vorträge und Vereinsveranstaltungen eintreten lassen und es werden von heute ab unter einer besonderen Rubrik diese Besprechungen in gekürzter Form in der Sonntagsnummer erscheinen. Die verehrlichen Leser bitten wir, die Maßnahme, zu der wir notgedrungen greifen mußten, mit Verständnis entgegenzunehmen.
Metalle heraus! Die Frist zur freiwilligen Ablieferung der beschlagnahmten Metalle läuft am 31. Oktober ab. Bis dahin wird noch der erhöhte Preis bezahlt. Es sind bereits zahlreiche Bestrafungen erfolgt, weil bei Haussuchungen Gegenstände aus Kupfer, Kupferlegierungen und Aluminium vorgefunden wurden, die bereits seit langer Zeit beschlagnahmt sind.
Abblenden! Die Verordnung über die Maßnahmen gegen Fliegergefahr ist bereits seit dem 13. ds. Mts. in Kraft, ohne daß sie genügende Beachtung gefunden hat. Wie die Behörde im Anzeigenteil bekanntgibt, wird nunmehr unnachsichtlich gegen diejenigen vorgegangen, die der Verordnung bis heute nicht entsprochen haben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 29. Oktober 1917
Trauerfeier im Städtischen Gymnasium. In der Aula des Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums fand Samstag vormittag 11½ Uhr eine Trauerfeier für zwei auf dem Felde der Ehre gefallene Mitglieder des Lehrerkollegiums statt: Oberlehrer Dr. Wilhelm Hoffa und Kandidat des höheren Schulamts Dr. Heinrich Hampe. Nach einem einleitenden Liede des unter Leitung des Herrn Rech stehenden Chors der Realschule hielt Herr Direktor Dr. Niepmann die Trauerrede. Er führte etwa aus:
[…] Viele schöne Hoffnungen hat der Tod geknickt, als er diese beiden jungen Leben brach. Das weiß niemand besser als wir, das empfindet darum niemand stärker als wir. Aber wir dürfen uns dadurch nicht niederbeugen lassen, besonders nicht in dieser Zeit, da jeder Deutsche bestrebt sein muß, Mut und Zuversicht in der eigenen Brust und in den Herzen aller Volksgenossen aufrecht zu erhalten. Und wir brauchen uns auch dadurch nicht niederbeugen zu lassen. Gewiß ist es bitter und traurig, zu sehen und zu erleben, wie die Besten unseres Volkes vorzeitig vom Tode dahingerafft werden. Aber sie haben darum nicht umsonst gelebt, weil sie nicht alle Früchte reisen konnten, zu denen sie berufen schienen. Wertvolles und Bleibendes haben sie geschaffen durch ihr schönes und vorbildliches Wirken und Leben, Wertvolles und Bleibendes durch ihr opferbereites und vorbildliches Streben. Hoffa und Hampe, sie beide sind im heiligen Kampfe gefallen, sie haben ihr schönes, reiches und glückliches, nur ach! so kurzes Leben gekrönt durch den ruhmvollsten und schönsten Tod, den Heldentod fürs Vaterland; sie sind gestorben, damit Deutschland leben. […]
Die Feier schloß mit einem ergreifenden Kriegsliede.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Fahnen heraus! Die verbündeten Truppen haben gegen die Armee Cadornas in den Julischen Alpen in wenigen Tagen einen so unvergleichlichen Erfolg erzielt, daß wir stolz sein dürfen auf diesen erneuten Waffenruhm unserer deutschen Soldaten und der tapferen Truppen unserer österreichisch-ungarischen Verbündeten. Was an der Isonzofront in wenigen Tagen dank einer genialen strategischen Führung gegen Italien erreicht wurde, ist für die Weiterentwicklung des Krieges voraussichtlich von so weittragender Bedeutung, daß wir unserem Dank und unserer Freude auch äußerlich Ausdruck geben dürfen.
Die 12. Isonzoschlacht, die Cadorna unseren Verbündeten liefern wollte, ist zu einer schweren Niederlage für Italien geworden. Ueber 100.000 Mann und über 700 Geschütze sind die bisherige Beute unserer fortwährend wachsenden Erfolge, die uns in den nächsten Tagen vielleicht zu entscheidenden Kämpfen in Norditalien führen werden. Wie würde man in Frankreich und England jubeln, wenn deren Heeren ein solcher Siegeslauf beschieden wäre? Lassen wir uns an nationaler Begeisterungsfähigkeit von unseren Gegnern nicht übertreffen, künden wir auch äußerlich unsere Freude über die gewonnene 12. Isonzoschlacht durch allgemeines Beflaggen unserer Häuser.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Mit der Getreidesaat ist man infolge der mißlichen Witterung noch vielfach im Rückstand. Außer dem Roggen ist noch wenig gesät. Die Obsternte und ihre Verwertung, sowie die starke Kartoffelernte haben auch viel Zeit in Anspruch genommen. Soweit man beobachten kann, wird in hiesiger Gegend in diesem Herbst außerordentlich viel Korn gebaut werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Godesberg: Am Dienstag, den 30. ds. Mts., abends 8 Uhr, findet im Saale der Geschwister Schumacher eine Kriegsbürgerkunde-Konferenz statt. Jedem Bürgermeisterei-Eingesessenen ist die Teilnahme gestattet. Angelegenheiten, die man zur Besprechung bringen möchte, wolle man unter genauer Bezeichnung bis Montag abend dem Bürgermeisteramte schriftlich mitteilen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Dienstag, 30. Oktober 1917
Zu Ehren der gefallenen Krieger veranstaltet der Kreis-Krieger-Verband am übermorgigen Allerheiligentage wieder eine Garnisons-Totenfeier an den Kriegsgräbern auf dem Nordfriedhofe. Die Feier beginnt um 3½ Uhr.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Das Liebfrauen-Lyzeum zeichnete, um den Geburtstagswunsch Sr. Exzellenz des Herrn General-Feldmarschalls von Hindenburg zu erfüllen, bis zu jenem Tage annähernd eine halbe Million auf die 7. Kriegsanleihe. Dank dem regen Eifer der Schülerinnen steigerte sich die Summe auf 920.330 Mark. Ein von der Schule an den General-Feldmarschall gesandtes Telegramm wurde gestern beantwortet wie folgt:
„Den Schülerinnen für die zweite schöne Geburtstagsfreude herzlichen Dank und Gruß. So ist es recht.
General-Feldmarschall von Hindenburg.“
Von Flanderns Not, seinem Volk und seinen Frauen handelte ein Vortrag, den Frau Schreiber-Krieger vorgestern abend in der Lese vor einer zahlreichen Zuhörerschar hielt. Die Rednerin schilderte Flandern als ein dicht bevölkertes Land mit einer sehr arbeitsamen Bevölkerung. Die Kinder würden von der frühen Jugend an zur Arbeit herangezogen. Die Schulpflicht bestehe nicht. Der Kinderschutz sei gesetzlich, werde aber nicht eingehalten. Die Löhne seien ungeheuer niedrig. Die Männer seien meist auswärts beschäftigt und ihr Lohn sei ebenfalls sehr niedrig. Die Trunksucht sei sehr groß und die Anzahl der Schankwirtschaften ungeheuer, durchschnittlich auf fünf Einwohner komme eine Wirtschaft. Das Volk sei sehr begabt und habe eine große Vergangenheit, und bedeutende Kunstgeschichte. Die Flamen seien an Zahl überwiegend in Belgien (4.000.000 Wallonen ständen 6½ Millionen Flamen gegenüber), aber die Flamen seien in politischer Hinsicht stets unterdrückt worden. Die Verwaltungstrennung nach wallonischer und flämischer Bevölkerung sei von den Wallonen zuerst verlangt worden, natürlich in ihrem Interesse, um die flämische Bevölkerung noch mehr unterdrücken zu können. Die Wallonen hätten geglaubt, Belgien ganz unter das französische Joch bringen zu können. Heute seien die belgischen Soldaten zu 80 Prozent Flamen. Die flämische Sprache sei in Belgien verschrien. Wer eine flämische Eingabe einreiche, sei verfehmt und bekomme keine Antwort. Geistliche, die sich für die Erhaltung flämischer Art einsetzten, seien zurückgesetzt worden und hätten keine Aussicht auf Beförderung gehabt, überall seien die Französlinge vorgezogen worden. Man höre in Belgien vielfach die Ansicht äußern, es gebe keine flämischen Frauen, nur Dienstboten und Marktweiber. Die flämischen Frauen seien fleißig und geschickt. Ob Flandern Deutsch werde, sei noch fraglich, aber dem flämischen Volke müsse sein Recht werden, entweder jetzt oder nie. Die Flamen seien ein arbeitsliebendes und sehr bildungsbedürftiges Volk, das man auf Dauer nicht unterdrücken könne. Leider sei in Deutschland Flamland und flämisches Wesen zu wenig bekannt, aber es sei der Mühe wert, es näher kennen zu lernen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Universität. Kürzlich tagte in Leverkusen der Verwaltungsrat der vor einiger Zeit gegründeten Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität unter Vorsitz des Geheimrats Prof. Dr. Duisberg mit Hinzuziehung hervorragender Vertreter der Industrie und des Handels aus dem Rheinland. Der Verwaltungsrat nahm mit großer Befriedigung davon Kenntnis, daß der seinerzeit in Bonn gelegte Grundstock sich bedeutend erhöht und jetzt den Betrag von einer Million Mark erreicht hat. Der Gedanke, Industrie und Wissenschaft näher zu bringen, hat also im Rheinland lebhaften Widerhall gefunden. Es darf daher schon jetzt die Hoffnung gehegt werden, daß durch die lebhaft einsetzende Werbearbeit aller Beteiligten der Universität Bonn zu ihrem hundertjährigen Geburtstag reiche Mittel zur Unterstützung jeder wissenschaftlichen Arbeit zur Verfügung stehen werden. Die Werbetätigkeit wird durch Orts- und Bezirksausschüsse in der Rheinprovinz ausgeübt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 31. Oktober 1917
Die Kartoffelzufuhr
ist in den letzten Tagen in Folge der großen Verkehrsschwierigkeiten erheblich schwächer gewesen. Dazu kam noch, daß das schlechte Wetter die Bewirtschaftung der ankommenden Eisenbahnwagen sehr erschwerte. Diejenigen, die ihre Kartoffeln für die Zeit vom 18. November bis 24. Februar 1918 zum Einkellern noch nicht angemeldet haben, seien noch einmal dringend hierzu aufgefordert. [...] Um Missverständnissen vorzubeugen, sei besonders darauf hingewiesen, daß sich die Pflicht zum Einkellern der Kartoffel in erster Linie auf diejenigen erstreckt, die über entsprechende Mittel und trockene Keller verfügen. Für alle anderen sorgt die städtische Verwaltung natürlich nach wie vor. Wer aber keine Kartoffeln einkellert, obwohl er dazu in der Lage ist, der kann bestimmt nicht darauf rechnen, beim Eintreten erneuter Kartoffelknappheit durch die Stadt beliefert zu werden, denn er hat durch sein Verhalten mit dazu beigetragen, daß die Versorgung der Bevölkerung infolge zu starker Inanspruchnahme der städtischen Läger nicht regelrecht vor sich gehen konnte. [...]
Die Verkehrsschwierigkeiten auf der Eisenbahn haben auch in den letzten Tagen die Belieferung mit Zucker ins Stocken gebracht. Doch ist dies nur eine ganz vorübergehende Erscheinung, die in wenigen Tagen wieder verbessert wird. Die Zuckermarken für diese Woche können auf jeden Fall nächste Woche eingelöst werden.
Durch das Kriegsernährungsamt werden bis zum Januar keine Sonderzuweisungen an Nährmittel inbesondere an Gries, Graupen, Hafernährmittel usw. ausgegeben. Dadurch ist auch das Lebensmittelamt nicht in der Lage, die Wochenzuteilung reichlicher zu gestalten. [...] Diese geringen Zuweisungen bringen es mit sich, daß die Nährmittel für Kranke weiter, und zwar recht erheblich eingeschränkt werden müssen. Das ist außerordentlich bedauerlich und namentlich für die vielen Krankenanstalten, die nun einmal hier in Bonn vorhanden sind, von schwerwiegendster Bedeutung. Das Lebensmittelamt hat daher entsprechende Schritte bei den maßgebenden Behörden getan. [...]
Die Kriegsküchen
haben durch die Erhöhung der Preise in ihrer Teilnehmerzahl nur wenig nachgelassen. Es ist anzunehmen, daß dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist und dann bald mit einer steigenden Besucherziffer gerechnet werden kann. Der bevorstehende Winter wird uns in der Ernährungsfrage zweifellos noch vor harte Aufgaben stellen, aber wir werden auch diese bestimmt durch unsere Siegeszuversicht und den festen Willen zum Durchhalten ebenso gut überwinden, wie es im vergangenen Jahr der Fall war.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus dem städtischen Lebensmittelamt.“)
Kinder auf der Straßenbahn.
Auch eine recht praktische pädagogische Seite hat Nachstehendes:
Auf unseren städtischen und unseren Vorortbahnen verkehren jetzt im erhöhten Maße Personen, die entweder nach angestrengter Arbeit oder infolge körperlichen Leidens (Kriegsinvaliden!) wünschen müssen, einen Sitzplatz zu haben. Da nimmt es sich oft recht ungezogen aus, wenn Kinder aller Stände (ich betone aller!), namentlich Schulkinder, die Bänke drücken und Erwachsene stehen sollen. Nicht selten wird dieses Gebaren gar noch von den Eltern unterstützt, die auch auf dem „Schein“ bestehen, der ihre Kinder zum Sitzen berechtige. Wäre es da nicht angezeigt, in die Verkehrsordnung die Bestimmung aufzunehmen, daß Kinder bis zu 15 Jahren nur nach allen Erwachsenen einen Anspruch auf einen Sitzplatz haben? So hätte das Bahnpersonal eine Handhabe, noch mangelndes natürliches Anstandsgefühl den kleinen Fahrgästen beizubringen. Soll auch gewiß nicht behauptet werden, es handele sich um eine besondere Unart der Kinder unserer Gegend, so dürfen wir doch mit der örtlichen Abschaffung eines leider sehr verbreiteten Unfugs vorbildlich vorangehen. K.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Zur Gassperre schreibt uns das städtische Gaswerk:
Wie bereits in vielen Städten müssen in kürzester Zeit – der Tag wird noch bekannt gegeben – auch hier wegen der z. Zt. überaus geringen Kohlenbelieferung des Gaswerks Sperrstunden für die Gasabgabe eingeführt werden. Mit dem geringen Kohlenvorrat des Gaswerks muß mit allen Mitteln gespart werden, soll nicht eines Tages auch in Bonn, wie sonst schon vielfach geschehen, die Gasbelieferung der hier rund 16.000, fast alle Haushaltungen umfassenden, Gasabnehmer aussetzen.
Wie in der Stadtverordneten-Versammlung vom 26. ds. Mts. beschlossen wird die Sperrzeit von 2 Uhr nachmittags bis zur Dunkelheit und von nachts 11 Uhr bis früh 4 Uhr eintreten. In dieser Zeit wird der Gasdruck im gesamten Rohrnetz so herabgesetzt, daß der Gebrauch von Lampen, Kochern, Heizöfen, Motoren usw. überall unmöglich ist.
Die städtische Verwaltung ist sich der Schwere dieses Eingriffes in alle häuslichen und gewerblichen Verhältnisse wohl bewußt, doch bietet sich kein anderes, besseres und zugleich wirksameres Mittel, den Gasverbrauch und damit den Kohlenbedarf weiter einzuschränken.
Treffe daher jeder, den es angeht, sogleich Vorkehrungen, um die in obigen Stunden gewohnte Gasentnahme entbehren zu können. [...] Im Haushalt bietet die Kochkiste das beste Mittel über die Sperrstunden hinwegzukommen, und die vorher auf dem Kochherde, der ja doch jetzt meist benutzt wird, hergestellten Speisen und Getränke vielstundenlang warm zu halten. Es sei hier auch darauf hingewiesen, daß Zündflammen während der Sperrstunden verlöschen können. Man verzichte jetzt überhaupt auf ihren Gebrauch, zumal jede 3 – 4 Kubikmeter Gas im Monat benötigt.
Ueber die voraussichtliche Anwendungsdauer der zeitweisen Gassperre lassen sich z. Zt. noch keine Angaben machen.
Die zukünftigen Schuhsorten. Ein Mitglied des Hauptverwaltungsausschuß der Schuhverbände Deutschlands teilt über die Zukunftsschuhe folgendes mit: Es werden nur noch drei Gruppen von Herren- und Frauenschuhen hergestellt werden. Ein grober, ein mittlerer und ein besserer Stiefel. Der mittlere wird aus Papiergewebe mit Lederbesatz und Sperrholzsohle hergestellt, während die übrigen zwei aus Segeltuch, Leinenstoff oder altem Filz mit Lederbesatz und gewöhnlicher Holzsohle bestehen werden. Der Preis wird dem Hersteller in einem gewissen Spielraum vorgeschrieben, wodurch ziemlich einheitliche Preise für das ganze Deutsche Reich geschaffen werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Knappheit an Wäschestoffen veranlaßt die Reichsbekleidungsstelle zur Deckung des dringenden Bedarfs der bürgerlichen Bevölkerung, die Bett-, Haus- und Tischwäsche, die in Gastwirts- und ähnlichen Betrieben sowie Wäscheverleihgeschäften beschlagnahmt ist, aufzukaufen. Eine zwangsweise Enteignung der beschlagnahmten Bestände ist vorläufig nicht in Aussicht genommen. Weil die in den Betrieben lagernde Wäsche aber für die Zwecke der Volkswohlfahrt dringend notwendig ist, sollen diese Stücke an Bett-, Haus- und Tischwäsche im freihändigen Aufkauf zu angemessenen Preisen der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden. Angebote sind an den amtlichen Einkäufer für Wäsche, Herrn Wolfgang Müller, Berlin NW 7 (Unter den Linden 40/41), zu richten, von dem auch die näheren Bedingungen zu erfragen sind.
Friedhöfe. Durch Polizeiverordnung vom 8, Oktober dieses Jahres ist jede Beleuchtung im Freien verboten. Ich weise darauf hin, daß auf Grund dieser Bestimmung der fromme Gebrauch, die Gräber am Allerheiligen- und Allerseelentage mit brennenden Kerzen und Lampen zu schmücken, unzulässig ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haft tritt, bestraft. Die städtischen Friedhöfe werden vom 31. Oktober sowie am 1. und 2. November d. Js (Allerheiligen und Allerseelen) bei Einbruch der Dunkelheit – spätestens 5½ Uhr – geschlossen.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Schultze.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)