Bonn 1914-1918
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    • Sachbücher
    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
      • -- Bilder
      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
  • Exkursionen
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    • Vogesen
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Freitag, 16. November 1917

  

Kartoffeln. Vom 19. November ab werden bis auf weiteres auf die Kartoffelkarte sieben Pfund Kartoffeln an die Versorgungsberechtigten in den städtischen Kartoffelverkaufsstellen ausgegeben, als Ersatz für Brot für die Zeit vom 19. November bis 3. Dezember auf Warenkarte Nr. 5 drei Pfund Kartoffeln.
   Milchversorgung. Vollmilch darf nach den bestehenden Verordnungen nur an Kinder bis zum 6. Lebensjahre, hoffende und stillende Frauen und Schwerkranke abgegeben werden. Alle übrige Milch ist zu entrahmen und der Fettbereitung zuzuführen. Die einer Stadt zum Frischgebrauch zustehende Vollmilchmenge wird nach der sogenannten Krankenziffer berechnet, die 2 von Hundert der Bevölkerung beträgt. Die so berechnete Vollmilchmenge muß zur Versorgung der Berechtigten ausreichen und darf nicht überschritten werden. Sollte nach Deckung des Bedarfs der Vollmilchversorgungsberechtigten noch Milch übrig sein, so haben Kinder vom 7. bis 14. Lebensjahr ein Vorrecht auf Zuweisung von Milch. Ist also die Zahl der milchbedürftigen Kranken sehr groß, so bleibt für die genannten Kinder keine Milch mehr übrig. […]
   Neue Gemüseverkaufsstellen. Auf dem Gelände der früheren Husarenkaserne am Friedrichplatz [heute: Friedensplatz] sind seit dem 15. d. Mts. mehrere Verkaufsstellen für Gemüse und Obst eingerichtet. Die Verkaufsstellen Sternstraße 48 und Maxstraße (Feuerwachgebäude) sind seit diesem Tage geschlossen.
   Die neuen Verkaufsstände werden mit allen vorhandenen Arten Gemüse und Obst ausreichend versorgt. Den Käufern wird dringend empfohlen, zur Entlastung der Marktverkaufsstellen ihren Bedarf an den neu eingerichteten Stellen zu decken. Bei gleichmäßiger Inanspruchnahme wird auch das Anstehen vermieden werden können. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Nachrichten des Lebensmittelamts der Stadt Bonn.“)

 

Schöffengericht Bonn. Die beiden Ehefrauen Fi. und Br. von hier hatten am 18. Aug. auf dem Grundstück der Plittersdorfer Aue sich je ein Körbchen Aepfel vom Boden aufgelesen und dafür einen Strafbefehl von je 1 Woche Gefängnis erhalten. In der Berufungsverhandlung wurde in Rücksicht auf die Notlage der beiden Frauen die Strafe auf je 50 Mark herabgesetzt. – Gegen die 28jährige Ehefrau des Bäckers Johann Ei. aus Bonn, deren Mann im Felde steht, wurde festgestellt, daß sie in der Zeit vom September vorigen Jahres bis Juli dieses Jahres als Arbeiterin im städtischen Gartendienst mit dem gleichfalls dort beschäftigten Franzosen Brahm einen gegen die guten Sitten verstoßenden Verkehr unterhalten hatte. Sie erhielt zwei Wochen Gefängnis. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Samstag, 17. November 1917

 

Deutsche Vaterlandspartei. Die vom Werbeausschuß der Ortsgruppe Bonn und Umgebung für den morgigen Sonntag in Aussicht genommene Versammlung in Bonn fällt wegen der großen Versammlung des rheinischen Landesvereins im Kölner Gürzenich aus.

Arndt-Eiche in Eisen. Seitdem das Bonner Kriegswahrzeichen vom Münsterplatz in die behaglichen Räume des städtischen Bekleidungsamtes in der Gangolfstraße übergesiedelt ist, scheint es dort ein stilles und beschauliches Dasein zu führen: man sieht und hört in der Oeffentlichkeit nicht viel mehr von ihm. Tatsächlich aber gedenken doch noch manche Mitbürger der immer noch zeitgemäßen Zwecke und Ziele der Arndt-Eiche. So sagte vor kurzem ein hiesiger Fabrikant eine Gabe von 500 Mark zu. Eine aus Anlaß unserer großen Erfolge in Italien veranstaltete Sammlung für die Arndt-Eiche, die der Lange Tisch im Bonner Bürgerverein jüngst vornahm, ergab einen Betrag von über 100 Mark; zwei Adlerfedern sollen den großen Sieg der deutsch-österreichischen Waffen an der Arndt-Eiche verewigen! Mögen die Bürger, Gesellschaften und Stammtische in unserer Stadt die Ereignisse unserer großen Zeit durch Stiftung von Adlerfedern oder anderer Zierrate an der Arndt-Eiche verewigen und so durch Unterstützung der Witwen und Waisen von Bonner Kriegern einen Teil unserer großen Dankesschuld abtragen.

Bekleidungsamt. Die Prüfung der Bedürftigkeit und die Ausstellung der Bescheinigungen für entlassene Krieger zur Erlangung von Kleidungsstücken und Schuhen aus den Beständen der städtischen Altkleiderstelle erfolgt nicht mehr durch die Polizeibezirke, sondern durch die Kriegswohlfahrtspflege, Franziskanerstr. 8. Die Vordrucke werden auf dem Bekleidungsamt, Gangolfstraße 2, ausgehändigt.
   Nach den neuen Richtlinien der Reichsbekleidungsstelle für die Abschätzung der Altkleider werden wesentlich höhere Preise als bisher bezahlt. Es ist daher zu empfehlen, alle entbehrlichen Gegenstände hervorzusuchen und an die Altkleiderstelle, Martinstraße 18, abzuliefern. Hierdurch wird die minderbemittelte Bevölkerung in die Lage versetzt, sich mit warmer Kleidung zu versehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Stadtverordneten-Versammlung vom Freitag, den 16. November 1917.
[…] Die Kriegshilfekasse der Stadt, die zur Wiederherstellung der selbständigen Existenz Handwerkern und kleinern Geschäftsleuten Darlehen geben soll, ist dem Ausschuß der städtischen Kriegshilfe zugewiesen worden. Die Versammlung genehmigte gestern eine Geschäftsordnung nach die Kasse zu arbeiten hat. […]
   Die Anträge zur Befreiung von Fortbildungsschülern vom Schulbesuch oder zur vollständigen Schließung der Anstalt, die in den letzten Sitzungen der Stadtverordneten zur Beratung standen, haben neuerdings zu einer Vereinbarung von Freunden und Gegnern der Anträge geführt. Dennoch haben die Stadtverordneten Hartmann, Chrysant und Vins den Antrag gestellt, die Schüler der Oberstufe zunächst bis zum Schluß des Schuljahres vollständig vom Unterricht zu befreien. Mit Ausnahme der Kaufmanns-, Kellner- und Kochlehrlinge werden alle Gewerbe davon berührt, auch die Laufburschen. Der Schulvorstand ist bereit, dem Antrage stattzugeben, dem sich dann auch die Stadtverordneten in ihrer großen Mehrheit anschlossen, nachdem ein Antrag Kalt, auch die Kaufmannslehrlinge mit frei zu geben, keine Mehrheit gefunden. […]
   Für die Weihnachtsgaben an die zum Kriegsdienst einberufenen städtischen Beamten und Arbeiter fordert die Verwaltung 4500 Mk. Berücksichtigt werden Leute bis zum Feldwebel, die in der Front oder im besetzten Gebiet stehen. […]
   Der Stadtverordnete Krantz richtete nach Erledigung der Tagesordnung an die Stadtverwaltung die Anfrage, wie es mit der diesjährigen Kartoffelversorgung der Bürger stehe. In der letzten Zeit dringen beunruhigende Nachrichten in die Oeffentlichkeit, die ihn zu der Fragestellung veranlaßten. Beigeordneter Piehl erwiderte, daß das Bild unserer Kartoffelversorgung ein gutes sei – 100.000 Zentner lagerten bereits in den städtischen Mieten und Kellern: 30.000 Zentner hätte Private von der Stadt eingelagert und mit 4000 Zentnern seien die Selbstversorger des Stadtbezirkes auf längere Monate versorgt. Mit diesen 134.000 Zentnern sei der Kartoffelbedarf bei 7 Pfund wöchentlich vollauf gedeckt. Auch die Brotzulage in Gestalt von anderhalb Pfund Kartoffeln wöchentlich an jeden Bewohner sei bis zum 1. April gesichert. Die Familien hätten sich durch Hamstern noch gute Vorräte darüber hinaus beschafft. Er gebe die Versicherung, daß die Keller diesmal gut gefüllt seien. Das beste Barometer hierfür seien die Kriegsküchen, die bei 5000 Teilnehmern stehen blieben. Geboten erscheine es, die Wochenmenge von 7 Pfund zu erhöhen, aber alle Vorstellungen von uns, die vom Regierungspräsidenten ganz energisch unterstützt wurden, hätten bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. An Gründen, die die Reichskartoffelstelle in ihrer ablehnenden Haltung vielleicht beeinflußten, gab Redner interessante Hinweise auf den Wagenmangel und dann den an, daß die Ernteschätzung vom 20. Oktober einen Fehlbetrag von 200 Millionen Zentnern ergeben habe, gegen die Voreinschätzung von Anfang Oktober. Auch die daraufhin angeordnete neue Einschätzung der vorhandenen Kartoffeln werde noch einen Rückgang auf dem Papier zeigen. Wenn es auch unmöglich sei, daß diese großen Kartoffelmengen einfach verschwunden, so mahne es doch die Reichsstelle zu vorsichtiger Verteilung. Ueber den Winter hinaus sei nicht gut mit einer Erhöhung der Kartoffelration zu rechnen. Blieben wir noch länger von Frost verschont, so könnte die Zuweisung sich vielleicht bessern. Aber immerhin habe man das beruhigende Gefühl, daß wir bis zum 1. April versorgt seien. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 15. Nov. Herr Bürgermeister Zander hielt gestern nachmittag im Rathaussaale eine Sitzung mit einer größeren Kommission von Geistlichen, Lehrern, Vereinsvorständen und Bürgern ab, um über die demnächstige Veranstaltung einer Goldankaufswoche hier in Godesberg während der Zeit vom Sonntag den 9. bis Sonntag den 16. Dezember zu beraten. Bis jetzt habe unsere örtliche Goldankaufstelle – so führte der Versammlungsvorsitzende aus – sehr gut gearbeitet und einen Umsatz von nahezu 40.000 Mk. erzielt, aber immerhin stehe das Rheinland in der Hergabe von Gold anderen ärmeren Provinzen gegenüber noch zurück.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

Die Strafkammer verhandelte gestern gegen einen Arbeiter aus Beuel wegen Beleidigung der dortigen Behörde. Der Arbeiter hatte in einer Versammlung des Konsumenten-Ausschusses behauptet, in Beuel bekämen die Reichen die guten und die Armen die schlechten Kartoffeln. Das Gericht stellte fest, die Aeußerung sei unwahr; der Angeklagte habe aber nicht wider besseres Wissen gesprochen, ferner habe er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Es wurde deshalb auf Freisprechung erkannt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)

Sonntag, 18. November 1917

 

Kundenliste für Fleischbezug. Die Freie Bonner Fleischer-Innung bittet die Einwohnerschaft, bei der Eintragung in die Kundenliste nicht nur sämtliche Fleischkarten bis zum 20. März 1918, sondern auch den Umschlag zu den Lebensmittelkarten mitzubringen, da dies zur ordnungsmäßigen Ausstellung der Kundenlisten unbedingt erforderlich ist und keine Eintragung ohne Umschlag geschehen kann und darf.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. November 1917Die Strafkammer verhandelte am Freitag gegen den 61jährigen Arbeiter Wilhelm Leh. aus Beuel, welcher angeklagt war, daß er erdichtete und entstellte Tatsachen behauptet habe, die geeignet gewesen seien, die dortige Ortsbehörde in ungerechtfertigter Weise herabzusetzen und verdächtig zu machen. Angeklagter Leh. hatte in einer am 30. Juni im Gasthof „Rheinlust“ einberufenen Versammlung zur Gründung eines örtlichen Kriegskonsumentenausschusses bei der allgemeinen Besprechung der dortigen Ernährungsverhältnisse die schlechte und ihm ungerecht erschienene Austeilung der Kartoffeln in Beuel gerügt, die nach seiner Beobachtung den Anschein gehabt habe, als hätten die reichen und besser gestellten Leute im Oktober auch die besseren Kartoffeln erhalten, während mit der dann im November angekommenen schlechteren Sorte die ärmeren und weniger gutsituierten Leute sich hätten zufrieden geben müssen. Er erblicke darin ein Unrecht und wisse auch einen Falll, daß einem Beamten weit über das zulässige Maß Kartoffeln im Herbst 1916 geliefert worden wären. Auf Grund dieser Aussprache hatte Herr Bürgermeister Breuer gegen Leh. Strafantrag gestellt wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung. Der Angeklagte machte geltend, daß ihm hierbei jedwede Absicht der üblen Nachrede und Herabsetzung ferngelegen und er auf Grund der vom Versammlungsleiter geforderten freien Aussprache über die örtlichen Ernährungsverhältnisse sich zu diesen Angaben verpflichtet gehalten habe. Daß seine gemachte Aeußerung in der Bürgerschaft von Beuel allgemein für wahr und richtig gehalten worden seien, dafür hätte der allseitige Beifall der Versammlungsteilnehmer ihm Gewißheit gegeben. Unter den angeführten Beispielen, daß einem Beamten eine ungebührlich große Kartoffelmenge angefahren worden sei, darunter verstehe er den Kreissekretär. Es sei doch ganz auffallend, daß gegen den Sprecher Gr. aus Beuel, welcher in dieser Versammlung in gleicher Weise Ausstellungen vorgebracht und unter anderem behauptet habe, daß aus dem Nahrungsdepot ganze Körbe voll Oel weggeschleppt worden seien, nicht eine Anklage erhoben worden wäre. Der als Zeuge vernommene Bürgermeister Breuer gibt zu, daß die im Oktober und November bezogenen Kartoffelanfuhren von ungleicher Güte könnten gewesen sein. Er habe das Zufahren an die Häuser straßenweise angeordnet. Von einer Begünstigung irgendwelcher Art sei ihm nichts bekannt. Zeuge Kreissekretär R. gibt zu, daß ihm damals vom Kreise aus für seine Familie von 7 Personen 23 Zentner Kartoffeln zugewiesen worden seien. – Die Staatsanwaltschaft stellte selbst in Abrede, daß den bisher unbescholtenen Angeklagten die böswillige Absicht, einer behördlichen Herabsetzung wider besseres Wissen geleitet habe könne; in wohlverständlichem Zorn über den herrschenden Ernährungszustand habe er wie viele Leute seinem Unmute mal Ausdruck gegeben, allerdings ohne sich bis ins einzelste zu vergewissern, ob sich auch alles so verhielte. Er beantragte daher gegen ihn eine Geldstrafe von 30 Mark. Die Verteidigung wies darauf hin, daß hier in diesem Falle eine Kritik der behördlichen Ausführung in der Natur der Sache gelegen und der Angeklagte „in Wahrung berechtigter Interessen“ gehandelt habe. Dieser letzteren Ausführung schloß sich das Gericht an und erkannte demgemäß auf Freisprechung.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Katholischer Meisterverein. In der Mitgliederversammlung am verflossenen Mittwoch hielt der Präses des Vereins Herr Kaplan Rütters einen Vortrag über die Notwendigkeit zur Gründung eines katholischen Lehrlingsheims für Bonn. Dem Handwerk werde wohl, so führte der Redner aus, bei dem Mangel an Lehrlingen, besonders in Städten mit Kriegsindustrie nichts anderes übrig bleiben, als sich den Nachwuchs auf dem Lande und ländlichen Bezirken zu sichern. Dann müsse aber bei den großen sittlichen Gefahren gerade in den Städten für die auswärtigen Lehrlinge eine intensivere Fürsorge ausgeübt werden. Dazu scheine nur ein konfessionelles Lehrlingsheim geeignet, bei dem es sich wesentlich um erzieherische Aufgaben handele. Träger eines konfessionellen Lehrlingsheims könne nur eine konfessionelle Organisation von Meistern sein, so daß zur Lösung der vorstehenden Aufgaben kath. Meistervereine nötig seien. In finanzieller Hinsicht sei die Lehrlingsheimfrage am leichtesten und mit geringem Risiko zu lösen, wenn das Lehrlingsheim im kath. Gesellenhause untergebracht werde. Ueber die Art und Weise der Unterbringung von kath. Lehrlingen im Gesellenhause und den zukünftigen Ausbau des Lehrlingsheims machte der Redner noch nähere Ausführungen. Nach einer sehr anregend verlaufenen Aussprache wurde einstimmig beschlossen, daß im Anschluß an das kath. Gesellenhaus ein kath. Lehrlingsheim für Bonn errichtet werde. Für die Kriegszeit soll die Unterbringung kath. Lehrlinge im Gesellenhause in dem vom Herrn Redner angedeuteten Rahmen durchgeführt werden. Den Mitgliedern des Meistervereins werden Vergünstigungen bei der Unterbringung ihrer Lehrlinge zugebilligt. Mit dem Lehrlingsheim, das mit Ostern 1918 eröffnet werden soll, sollen für die sich etwa meldenden Lehrlinge eine Berufsberatung und ein Stellennachweis eingerichtet werden. Es ist nur zu wünschen, daß diese edlen und für das Handwerk so überaus begrüßenswerten Bestrebungen des Vorstandes des Meistervereins sowohl von den Mitgliedern des Vereins als auch von den anderen kath. Handwerksmeistern tatkräftig unterstützt werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 19. November 1917

     

Nähgarn. Die Reichsbekleidungsstelle teilt mit, daß ihr die Bewirtschaftung des Nähgarns vom 1. Januar 1918 ab übertrgen worden ist. In welcher Art diese Bewirtschaftung erfolgen soll, wird in Bälde mitgeteilt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. November 1917Etwa 30 deutsche Austauschgefangene trafen gestern mittag gegen 1 Uhr mit der Staatsbahn hier ein und wurden mit Musik nach der Kaserne verbracht. Die Soldaten, die sämtlich eine Armbinde mit rotem Kranz trugen und den Waffenrock reich mit Blumen geschmückt hatten, wurden von der großen Menschenmenge, die sich am Bahnhof eingefunden hatte, stürmisch begrüßt.

Groß-Bonn. Der Kölner Humorist und Liederdichter Willi Ostermann ist auch für die zweite Monatshälfte verpflichtet worden und versteht es wiederum ausgezeichnet, das Publikum mit seinen kölschen Liedern und Krätzchen aufs beste zu unterhalten. Recht unterhaltend sind auch die Darbietungen des musikalischen Clowns Promulus, der nicht nur allen Musikinstrumenten, sondern auch Gegenständen, die sonst im Haushalt Verwendung finden, die schönsten Töne zu entlocken weiß. Sogar auf seinem dressierten Schimmel und auf einer „weiblichen Handgranate“, einem ausgewachsenen Stubenbesen, schwingt er den Fiedelbogen. Vorzügliches leisten auch die drei Geschwister Genti am dreifachen Trapez und Abs der Jüngere als Turner. Eine schöne Bereicherung findet die Vorstellung durch das Verwandlungsduett Elmer – Sylt. Während einer dieser beiden Künstler die Sopranpartien singt, verfügt die Liedersängerin Hedwig Mora über eine prächtige Baritonstimme. Sänger-Ersatz!

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Die Feldpostpaketsperre. In der Zeit vom 9. bis zum 25. Dezember dieses Jahres findet keine Annahme von Privatpaketen an Heeresangehörige nach dem Felde statt. Rechtzeitige Anlieferung der Weihnachtspakete ist unbedingt erforderlich. Pakete für Truppenteile in Siebenbürgen, Italien und auf dem Balkan müssen am 1. Dezember bei dem zuständigen Sammelpaketamt sein. […]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 20. November 1917

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. November 1917Universität. Der Rektor der Universität Geheimrat Marx besuchte heute um 1 Uhr die Kriegsküche der Universität und erinnerte die anwesenden Studierenden daran, daß die Kriegsküche mit dem heutigen Tage ihr erstes Jahr vollendet habe. Er gedachte aller derer, die zum Gelingen der Einrichtung beigetragen und schloß mit einem Hoch auf die Stadt und auf die Frauen, insbesondere alle die Helferinnen und Helfer, die bei der Beschaffung und Anrichtung des Mahles tätig gewesen sind und tätig sind. Ueber 560.000 Einzelmahlzeiten sind bis zum heutigen Tag in der Universität verabreicht worden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Gesuche. Es gibt zur Zeit wenig Frauen, die nicht von einer geheimen Sorge bedrückt werden um Mann, Sohn, Bruder oder eigene Angelegenheiten. Ein Gefühl der Befreiung gibt es ihnen, ihre Sorgen in guten Händen zu wissen, sei es, daß es sich um Urlaub, Sicherung ihres gegenwärtigen oder zukünftigen Einkommens, um Unterstützung oder Sonstiges handelt. In solcher Lage kann nicht dringend genug geraten werden, die Gemeinnützige Schreibstube, Bonn, Münsterstraße 28, aufzusuchen, die sach- und fachgemäß an Behörden allerart schreibt, und die eingehende Antworten im Interesse ihrer Auftraggeber weiter bearbeitet. […]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 21. November 1917

Am Buß- und Bettag erscheinen keine Ausgaben des General-Anzeigers und der Deutschen Reichs-Zeitung.

  

Der neue Regierungspräsident v. Starck war gestern zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt in unserer Stadt. Sein Besuch galt vornehmlich der eingehenden Besichtigung unserer für die Lebensmittelversorgung getroffenen Maßnahmen. So wurden u. a. das Apfellager in der Stadthalle und die dort vorgenommene Einmietung der Futterrüben und Erdkohlrabis besichtigt. Darauf wurde der Kriegsküche in Poppelsdorf, Ecke Klemens-August-Straße und Sebastianstraße, ein längerer Besuch abgestattet, wobei der Regierungspräsident sich aufs eingehendste über alle Einzelheiten unterrichtete. Dort wurde auch eine Kostprobe des Mittagessens eingenommen, die zur Zufriedenheit ausfiel. Dann wurden der Schlachthof, die Entfettungsanlage und die Kartoffeleinmietung sowie das städtische Bekleidungsamt besichtigt und eine Nagelung der Arndt-Eiche vorgenommen. Im Anschluß daran wurde im Freiwilligen Hilfsausschuß für Truppen die Herrichtung der 16.000 Weihnachtspakete, die für unsere braven Truppen bestimmt sind, angesehen. Lebhaften Beifall fanden dann auch die Kartoffelkeller in der Universität und die Dörrobstlager im Viktoriabad. Ein einfaches Essen im Königshof vereinte dann den Regierungspräsidenten mit dem Oberbürgermeister Spiritus, dem Landrat Geheimrat von Nell, sämtlichen Beigeordneten und den Stadtverordneten, Jansen, Kalt, Dr Krantz, Schmitz, Prof. Schmidt und Simon. Der Regierungspräsident sprach sich über die gesehenen Einrichtungen und die ganze Organisation der Bonner Lebensmittelversorgung sehr lobend aus. Möge er auch weiterhin unserer schönen Stadt Bonn lebhaftes Interesse entgegenbringen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

Donnerstag, 22. November 1917

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1917Wissenschaftliche Vorträge. Der heutige Redner Dr. B. L. vom Mackay wird das Thema behandeln: „Deutschland zwischen England und Rußland.“ Es ist dies das überaus wichtige Problem der näheren Zukunft, denn in ihm sind die Grundlagen für unsere äußere Politik enthalten. Gerade die laufenden und bevorstehenden Ereignisse in Rußland drängen zu einer Klärung und Entscheidung dieser Frage. Der Redner hat sich mehrfach in bemerkenswerten Abhandlungen mit dieser folgenschweren Frage beschäftigt und sie so eingehend und scharfsichtig beurteilt, daß die Kritik von ihm sagt, seine Erwägungen seien gedankenvoll und in die Tiefe gehend.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Einbruchdiebstähle. In der Nacht zum Dienstag wurden aus einem Geschäft an der Kaiserstraße für viele Tausend Mark Stoffe und fertige Kleidungsstücke gestohlen. Die Diebe waren durch das Oberlicht eines Fensters in das Gebäude eingedrungen. – Aus dem Keller eines Hauses am Wilhelmsplatz holten Spitzbuben Dienstagnacht für etwa 200 Mark Lebensmittel. Die Diebe waren durch das Kellerfenster eingestiegen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Lebensmittelkarten. Herr Beigeordneter Piehl macht bekannt: Da in der letzten Zeit die Anträge auf Ersatz von verloren gegangenen und gestohlenen Lebensmittelkarten überhand nehmen und in vielen Fällen die Angaben der Antragsteller sich als unwahr erwiesen haben, können fortan verloren gegangene und abhanden gekommene Lebensmittelkarten grundsätzlich nicht mehr ersetzt werden. Die Haushaltsvorstände warne ich daher dringend, vor ungenügender Aufbewahrung ihrer Lebensmittelkarten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 23. November 1917

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. November 1917Kriegsblindenfürsorge. Der im Oktober von Fräulein von Emster veranstaltete Liederabend erbrachte einen Reinertrag von 50 M. Die Künstlerin hat diese Summe der hiesigen Kriegsblindenfürsorge zur Verfügung gestellt. Der gütigen Spenderin wärmsten Dank.

Jubiläumsbrosche für evangelische Dienstmädchen. Die hiesige Ortsgruppe des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes hat im Jahre 1902 als Anerkennung treuer Dienste eine Jubiläumsbrosche für evangelische Dienstmädchen gestiftet. Annähernd 80 Jubilarinnen sind im Laufe der verflossenen Jahre bereits durch eine solche ausgezeichnet worden. Auch in diesem Jahre sollen Jubiläumsbroschen evangelischen Dienstmädchen, die mindestens 10 Jahre derselben Herrschaft ihre Dienste gewidmet haben, verliehen werden. Anmeldungen sind möglichst bald an die 1. Vorsitzende der Ortsgruppe, Frau Charlotte Schumann-Walter, Joachimstraße 10, zu richten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 23. November 1917Tödlicher Unfall. Gestern abend wurde ein etwa 13 Jahre alter Knabe auf der Meckenheimer Straße von einem Wagen der Siebengebirgsbahn erfaßt und so schwer am Kopfe verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Erdichteter Ueberfall. In den letzten Tagen durcheilte eine Geschichte die Stadt, als sei eine Dame von einem Strolch überfallen und mit vorgehaltenem Messer genötigt worden, ihre Schuhe auszuziehen und dem Strolch zu überlassen. Ueber die Zeit und den Ort der Tat gingen die Gerüchte auseinander. Daran allein schon ließ sich feststellen, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist.

Der Landkreis Bonn versendet in diesem Jahre an die im Felde stehenden Kreiseingesessenen Weihnachtspakete. Jedem Paket wird eine Mappe: „Weihnachtsgrüße des Landkreises Bonn“ beigefügt. Jede Mappe enthält einen Schreibblock, eine Anzahl Feldpostkarten, Briefpapier, Briefumschläge und Bleistift. Trotz der herrschenden Papiernot und -teuerung war es der Rhenania-Druckerei in Bonn möglich die große Anzahl der Mappen in recht geschmackvoller Ausführung preiswert herzustellen und jede Mappe wird den braven Landsleuten draußen eine sehr willkommene Weihnachtsgabe sein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 24. November 1917

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. November 1917Ueber Luthers religiöses Vermächtnis an das deutsche Volk sprach Donnerstag abend Geheimrat Ritschl im dritten der von der evangelischen Gemeinde veranstalteten Vortrage. [...] Luthers Vermächtnis, die unerschütterliche Standhaftigkeit trotz der eigenen Schwachheit, ist an unseren Fronten noch immer im höchsten Grade lebendig. Bei uns in der Heimat gibt es eine doppelte Schwachheit, eine, die sich in mancherlei üblen Erscheinungen auf wirtschaftlichem und sittlichen Gebiete geltend macht, und eine andere, die alles Leiden in Geduld, aber in standhaftem Glauben auf Gottes fernere Hilfe erträgt. Wie unsere todesmutigen Krieger gegen unsere äußeren Feinde, so müssen in der Heimat die Standhaften gegen die Schlaffen die besten Kräfte aufbieten. Nur wenn Luthers standhafte Gesinnung auch bei uns wieder allgemein zur Geltung kommt und alle gegenteiligen Strömungen siegreich überwindet, dann wird auch in unserer Schwäche die Gotteskraft mächtig sein und unser Volk nach einem siegreichen Kriege zum glücklichen Frieden führen. Nur ein Volk, das bis zum Ende beharrt, wird gerettet werden. – Der fesselnde Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen.

In der Auguststraße wurde gestern abend einer Dame von einem unbekannten Räuber das Handtäschchen entrissen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Ein Soldat, der vorgestern abend in einem Hause in der Breitestraße ein Zimmer mietete, verschwand am anderen Morgen unter Mitnahme der Bettwäsche und verschiedener Einrichtungsstücke.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Soldatenheim. Der unter der tüchtigen Leitung des Herrn Organisten Kölzer stehende Beethovenchor, dessen gute Leitungen wir an dieser Stelle schon öfter hervorheben konnten, gab am verflossenen Sonntag den Feldgrauen im Soldatenheim, Josefstraße 46, wieder mal ein schönes Konzert. Die gewählten Chöre ließen gutes Stimmaterial und gute Schulung erkennen. Voll und klar erklangen die Solis bezw. Duette der Damen Frl. M. und H. Römer, Frl. Triller und Herr von Krafft bewiesen in ihren Musikstücken am Klavier bezw. auf der Violine einen hohen Grad von Kunstfertigkeit. Sehr gut gefielen auch die Rezitationen und die Lieder zur Laute von Frl. Jackson. Die schauspielerischen Kräfte des Beethovenchors, die Damen Frl. M. und H. Römer, Frl. Bröhl und Frl. Völker sowie die Herren E. Ritter und H. Brandt steuerten zum Programm zwei hübsche Einakter bei, die viel Beifall fanden. Die Leitung des Abends hatte Herr Schröder.

Unfall. Eine Schaffnerin der elektrischen Straßenbahn kam gestern auf dem Friedrichsplatz so unglücklich unter den Anhängewagen der Straßenbahn, daß ihr beide Füße gequetscht wurden.

Beim Aussteigen aus der Elektrischen rutschte gestern mittag ein Feldwebel, dem ein Bein amputiert war, mit den Krücken so unglücklich aus, daß man ihn unter den größten Schmerzen in das nächstgelegene Haus bringen mußte. Darum für Verwundete: Vorsicht beim Aussteigen!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 25. November 1917

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. November 1917Trage als Schmuck Eisen!
Nicht durch Gerede werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen! Otto v. Bismarck.
                      Eisern die Zeit!
                      Eisern der Wille zum Sieg!
                      Das Gold dem Vaterlande!
                      Goldwoche vom 9. bis 16. Dezember.
Die Goldankaufsstelle am Münsterplatz ist täglich geöffnet von 10 bis 12 und von 3 bis 5 Uhr.

Beim Herannahen des Weihnachtsfestes sei darauf aufmerksam gemacht, daß Anfang Dezember wieder eine Ausstellung mit Verkauf von Arbeiten der Verwundeten hiesiger Lazarette stattfindet. Möchten recht zahlreiche Besucher diese schöne Gelegenheit zum Besten der guten Sache benutzen, dort hübsche und nützliche Weihnachtseinkäufe zu machen. Eröffnung am 5. Dezember.

Für das Soldatenheim wird kommenden Mittwoch, nachmittags, im Saale des Heims, Josefstraße 46, eine große Wohltätigkeitsveranstaltung gegeben. Von 40 mitwirkenden Kindern wird das Weihnachtsmärchen „Weihnachten im Zwergenreich“ aufgeführt werden. Aus dem Reinertrag sollen Weihnachtsgaben für die feldgrauen Besucher des Soldatenheims beschafft werden, so daß dieses Zweckes wegen der Veranstaltung guter Erfolg zu wünschen ist.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. November 1917Der Sonn- und Feiertagsverkehr der Eisenbahnen hat stark nachgelassen, in den D- und Eilzügen durch die bekannten Tariferhöhungen, in den Personenzügen dadurch, daß sie zur Hinreise nur in aller Frühe zu erreichen sind und für die Rückreise in den Abendstunden das Mitkommen zu unsicher geworden ist. Die durch die einschneidenden Maßregeln der Eisenbahn-Verwaltung freigewordenen Lokomotiven werden dringend für den Heeres- und Güter-Transport benötigt und verwandt; es wird sich dies bei der jetzigen Lage sobald auch nicht ändern lassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Rheinische Goldankauf-Woche vom 9. – 16. Dezember 1917.
„Deutschland über alles!“ Warum nicht auch über unsere kleinen und großen Familienschätze? Sind die mehr und wertvoller als unsere Ziele und Träume? – Die Goldankaufsstelle Münsterplatz 1-3 ist geöffnet 10-12 Uhr vorm., 3-5 Uhr nachm., Sonntags 10-12 Uhr.

Jugendpflegetag. Die diesjährige Tagung für den Landkreis Bonn fand in Godesberg unter dem Vorsitz des Landrates statt und beschäftigte sich hauptsächlich mit den durch den Krieg herbeigeführten Schädigungen unserer Jugendlichen und den notwendigen Gegenmaßnahmen, soweit sie sich auf die Familie, den Jugendlichen selbst und Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 25. November 1917auf das wirtschaftliche, berufliche Leben erstrecken. Im Mittelpunkt der Verhandlung stand die brennende, vielbesprochene, aber noch ungelöste Frage, wie wir dem Mißbrauch in der Verwendung der hohen Löhne unserer Jugendlichen steuern können. Nach langer, lebhafter Debatte wurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt: „Der Jugendpflegetag des Landkreises Bonn hält die gegen die gesetzliche Einführung des Sparzwangs geltend gemachten Gründe nicht für stichhaltig. Angesichts der Tatsache, daß die überreichen Löhne in den Händen der unreifen Jugendlichen dem materiellen Volkswohlstand vollständig verloren gehen und durch ihren schreienden Missbrauch zerstörerisch auf die sittliche Gesundheit weitester Volkskreise wirken, fordert die Versammlung einstimmig die gesetzliche Einführung des Sparzwanges. Um die betrügerischen Täuschungen den Eltern gegenüber unmöglich zu machen, verlangt er weiterhin das Lohnzahlungsbuch unter genauer Eintragung des Lohnes und des Verdienstes aus Ueberstunden. Als Zahltag eignet sich statt des Wochenschlusses der Wochenanfang, indem der Sonntag erfahrungsgemäß dem Jugendlichen die meiste Gelegenheit zum Missbrauch des Geldes bietet. Die fortwährend wachsenden skandalösen Ausschreitungen bei der Ausgabe des verdienten Lohnes fordert gebieterisch den gesetzlichen Eingriff.“ Im Schlußworte stellte der stellvertretende Vorsitzende, Dechant Dr. Winter, in Aussicht, daß diese Resolution dem Wunsche der zahlreichen Teilnehmer gemäß, bei der zuständigen Behörde weiter vertreten werde.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 26. November 1917

 

Die Fernsprechleitungen nach allen Richtungen sind infolge des gestrigen Unwetters gestört, sodaß der gesamte Fernsprechverkehr erschwert wird. Auch der telegraphische Verkehr ist beeinträchtigt, hauptsächlich nach Holland, Sachsen und Nordwestdeutschland.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. November 1917Rechtsanwalt Dr. Henry zu seinen Wählern. Wie uns aus Godesberg, 6. Nov., gemeldet wird, fand am Sonntag nachmittag im Rheinischen Hof zu Godesberg unter Vorsitz des Herrn Dücke eine gut besuchte Versammlung von Zentrumswählern statt, in welcher Reichstagskandidat Rechtsanwalt Dr. Johannes Henry aus Bonn das Zentrumsprogramm entwickelte. [...] Die Verfolgung der Grundsätze der Zentrumspartei habe sich zugunsten unseres Volkes auch im Kriege trefflich bewährt. In der inneren Politik müsse jetzt viel umgelernt werden. Dem Heimkehrenden müsse bei der Regelung der Dinge im Frieden immer wieder vor Augen geführt werden, was die Zentrumspartei groß gemacht habe, um sie als Glieder der Partei zu erhalten.
Die Autorität der Krone solle unerschüttert bleiben. Aber unserem Volke müsse die Gelegenheit gegeben werden, an der Lenkung der Geschicke mitzuarbeiten. Dazu sei unser Volk politisch sehr wohl reif. (Bravo!) Der Redner berührte das Zusammenarbeiten mit anderen politischen Parteien und die Anteilnahme des Zentrums an den Aufgaben der Uebergangswirtschaft, der Steuer- und Sozialpolitik und der Beziehungen zu Kirche und Schule. Auch streifte Redner die Friedensbestrebungen des Papstes. Dr. Henry schloß mit dem Aufruf: „Unser heutiges Programm darf nur heißen: „Durchhalten und schlagen!“
Reichstagsabgeordneter Becker (Arnsberg) trat für die Friedensresolution vom 19. Juli ein. Er erklärte, für uns gibt es heute nur noch zwei Friedensmöglichkeiten: Den Diktatfrieden von unseren Feinden oder den Frieden auf Verständigung und Ausgleich. Die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, in der die volle Zustimmung zur Friedensresolution des Reichstages vom 19. Juli 1917 ausgedrückt wurde.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. November 1917Tödlicher Unfall. Sie brachten kürzlich eine Nachricht, daß ein 13jähriger Knabe auf der Meckenheimerstraße von der Siebengebirgsbahn überfahren und auf der Stelle getötet worden sei. Daß bisher nicht mehr Unfälle dieser Art vorgekommen sind, ist ein wahres Wunder, wenn man sieht, wie unsere Jugend tagtäglich mit dem Tode spielt. Auf einigen Straßen ist es ein beliebter Sport, vor den fahrenden Straßenbahnen herzulaufen, und das Kind, das den Wagen am nächsten an sich herankommen läßt, ehe es die Straße überquert, ist „König“. Die älteren Kinder, namentlich Mädchen, machen es vor, die Kleinen laufen nach. Die Führer der Straßenbahn schweben in tausend Aengsten, wenn sie die spielenden Kinder sehen; sie wissen nie, ob nicht im letzten Augenblick das eine oder andere plötzlich vor dem Wagen herläuft. Aufgabe der Eltern und Lehrer ist es, die Kinder vor diesem gefährlichen Treiben zu warnen, und wenn nötig ganz energisch dagegen einzuschreiten. Es gibt doch jetzt schon wahrlich Leid genug in den einzelnen Familien, das nicht noch durch freventliches Spiel mit dem Leben vermehrt werden muß. X.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Müllabfuhr. In letzter Zeit sind Mülleimer nach erfolgter Entleerung noch längere Zeit und vielfach nachts auf den Schrittwegen stehen geblieben. Dadurch können, namentlich bei der jetzt vorgeschriebenen Verdunkelung, leicht Unglücksfälle herbeigeführt werden. Die aufgestellten Behälter müssen spätestens eine Stunde nach erfolgter Abfuhr wieder entfernt sein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 27. November 1917

   

Bischof Dr. Moog ersucht die Geistlichen der altkatholischen Gemeinden in der Rheinprovinz, zu dem günstigen Ergebnis der Goldankaufwoche vom 9. bis 16. Dezember nach Kräften mitzuwirken, ebenso die Geistlichen der übrigen Gemeinden des Deutschen Reiches, wenn inzwischen auch dort ein erneuter Aufruf zur Goldabgabe ergehen sollte. […]

Eine „Goldankaufwoche“ veranstaltet das Metropol-Theater. Für jedes eingewechselte Goldstück gibt es zwei Freiplätze.

Zwei russische Kriegsgefangene, die aus einem Gefangenenlager entwichen waren, sind Sonntag auf der hiesigen Rheinbrücke angehalten und festgenommen worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Zentrum und Vaterlandspartei. Die von der Zentrumsversammlung am verflossenen Sonntag in Godesberg einstimmig angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut:
   „Die Versammlung erklärt sich mit der Politik der Zentrums-Fraktion des Reichstages einverstanden. Sie ist mit der Fraktion der Meinung, daß im Rahmen der Resolution des Reichstags vom 19. Juli ein Frieden erreichbar ist, der Deutschland politische Sicherheit und freie wirtschaftliche Weiterentwicklung gewährleistet. Sie schließt sich der Erklärung des Reichsausschusses der Zentrums-Partei an, daß das Zentrums-Programm allen Zentrumsanhängern Bewegungsfreiheit genug läßt zur freien politischen Betätigung. Die Versammlung erklärt, daß die Unterstützung der sogenannten Vaterlands-Partei nicht nur die Einigkeit in der Partei, sondern auch die geschlossene innere Front, die zur Herbeiführung eines die deutschen Interessen sichernden ehrenvollen Friedens notwendig ist, verhängnisvoll beeinträchtigt.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Kohlen statt Briketts. Infolge Beförderungsschwierigkeiten sind z. Zt. bei verschiedenen hiesigen Kohlenhändlern keine Briketts zu haben, während Kohlen noch vorrätig sind. Die Ortskohlenstelle ersucht, diesem Umstand Rechnung zu tragen und nicht auf die Lieferung von Briketts zu bestehen, wenn man in der Lage ist, mit anderen Brennstoffen auszukommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 28. November 1917

   

Aus dem städtischen Lebensmittelamt.
[…] Die Gemüseverkaufsstelle am Friedrichplatz ist schon seit etwa 14 Tagen im Betriebe, es werden dort die gleichen Gemüse- und Obstsorten verkauft wie auf dem Markte. Es zeigt sich aber das Bild, daß die neue Verkaufsstelle nur sehr schwach in Anspruch genommen wird, während die Hausfrauen auf dem Markte nach wie vor zu einzelnen Tageszeiten Ketten stehen. Wem seine Zeit lieb ist, der gehe daher die paar Schritte weiter zum Friedrichsplatz, er wird dort viel schneller als auf dem Markte abgefertigt.
   Wer Kartoffeln eingekellert hat, muß sie sorgfältig pflegen und gut aufbewahren. Vor allen Dingen darf die wöchentliche Verbrauchsmenge nicht überschritten werden. […] Es sei schon jetzt darauf hingewiesen, daß denjenigen Familien, die ihre Kartoffeln zu schnell aufbrauchen, unter keinen Umständen eine Nachlieferung zugebilligt werden kann, diese Familien werden dann genötigt sein, Steckrüben zu essen.
   Zur Sicherung unserer Futterbestände müssen die Schweine, soweit sie nicht zur Zucht nötig sind, in beschleunigtem Maße abgeschlachtet werden. Es sind dafür verschiedene Maßnahmen angeordnet worden. […] Um die für die Abschlachtung vorgesehenen Schweine festzustellen, wird in der Stadt Bonn ein Abnahmeausschuß gebildet werden. Die abgenommenen Schweine werden unter Umständen zum Höchstpreise enteignet und dann hauptsächlich dem Heeresbedarf zugeführt werden.
   Kinderhorte und Wohltätigkeitsanstalten, die eine Weihnachtsbescherung Bedürftiger beabsichtigen, können durch das Lebensmittelamt in bescheidenem Maße Mehl und Zucker für Weihnachtsbäckereien sowie Aepfel beziehen. Anträge von Einzelpersonen sind zwecklos und bleiben unberücksichtigt. Die Vereine usw. müssen sich ebenfalls die größte Beschränkung auferlegen, sie haben bei ihren Anträgen an das Lebensmittelamt, Abteilung 1a, die ungefähre Zahl der zu bescherenden Personen anzugeben, wobei es sich nur um wirklich Bedürftige handeln darf.
   Der Lebensmittelausschuß hat beschlossen, für das Weihnachtsfest wieder etwas reichlichere Lebensmittelmengen auszugeben. Diese Ausgabe wird sich auf die beiden Wochen vor Weihnachten erstrecken, damit jeder in der Lage ist, sich die ausgelobten Sachen kaufen und herrichten zu können. Das Nähere wird noch mitgeteilt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Einschränkung des elektrischen Stromverbrauchs. Von jetzt ab darf im Stadtkreis Bonn der Verbrauch für Beleuchtung, Kraftbetrieb und sonstige Zwecke im Monat nicht mehr als 80 Prozent der im Jahre 1916 verbrauchten Strommenge betragen. Für jede über die zugelassene Verbrauchsmenge hinaus verbrauchte Kilowattstunde ist ein Aufgeld von 50 Pfg. zu bezahlen. Eine diesbezügliche Bekanntmachung wird in der morgigen Nummer unseres Blattes veröffentlicht.

Ein Sieg der Sammelbüchse. Wir haben vor einiger Zeit mitteilen können, daß Fräulein Mathilde Wirth mit der Sammelbüchse des Roten Kreuzes für die Sache der Kriegswohlfahrtzwecke in Bonner Geldhäusern und gesellschaftlichen Kreisen unserer Vaterstadt die Summe von 15.000 M. zusammengetragen habe. Fräulein Wirth hat seitdem in ihrem Eifer für die Sache des Roten Kreuzes nicht locker gelassen. Und heute, wenige Monate später, hat sie dieser Summe abermals 5000 M. hinzufügen können. Das Gesamtergebnis der von Fräulein Wirth mit der Sammelbüchse erzielten Summe hat somit die Höhe von 20.000 M. erreicht. Die rechte Vorstellung von der vollbrachten einzigartigen Leistung erlangt man, wenn man bedenkt, daß diese Summe von 20.000 M. sich durchweg aus Nickel- und Kupfergeld, sowie kleinen Papierscheinen zusammensetzt. Allerdings hat hier und da auch ein Gönner von Fräulein Wirth, und sie hat deren eine ganze Anzahl, die ihrer Sammeltätigkeit mit Bewunderung gegenüberstehen, eine größere Summe für das Rote Kreuz gespendet.
   Auch die erreichten 20.000 M. lassen Fräulein Wirth, wie wir sie kennen, nicht rasten. Sie wird ach weiterhin in ihrer aufopferungsvollen Art ihre Kraft in der gleichen Weise in den Dienst des Roten Kreuzes stellen – trotz ihrer 72 Jahre. Möge man ihr auch ferner gleich freundlich und gebefreudig bei ihrer Sammeltätigkeit begegnen. Das wäre der beste Dank, den man der prächtigen Dame für ihr bisheriges Wirken zum Ausdruck bringen könnte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

        

Als Fälscher und Betrüger hat sich ein junger Soldat, der vor seinem Eintritt ins Heer bei einer Behörde in der Umgegend angestellt war, versucht. Er hat während seines Urlaubsaufenthaltes in Bonn einen Amtsstempel seiner früheren Behörde und in einer hiesigen Druckerei 20 Brotbücher ebenfalls für seine Behörde bestellt und wollte mit dem Stempel die Bücher vorschriftsmäßig ausfüllen. Er hatte aber doch nicht mit allen Möglichkeiten gerechnet, denn als er gestern die Brotbücher aus der Druckerei abholen wollte, wurde er von der benachrichtigten Kriminalpolizei festgenommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 29. November 1917

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. November 1917Die Universitätsbibliothek hat soeben ihren Jahresbericht für das am 31. März abgelaufene Jahr 1916/17 herausgegeben. Der Bericht stellt mit Befriedigung fest, daß das Berichtsjahr in der immer dringlicher werdenden Neubaufrage einen höchst erfreulichen Fortschritt gebracht hat. Durch die hochherzige Schenkung eines Ehepaares, das nicht genannt sein will, wurde es ermöglicht, das vortrefflich gelegene Grundstück Poppelsdorfer Allee 25 zu erwerben. Auch für die Erweiterung durch ein Nachbargrundstück wurden von derselben Seite die Mittel zur Verfügung gestellt. Dadurch wird das Grundstück auch in seiner Größe weitgehenden Anforderungen genügen und auf lange Zeit die ersehnte freie Entwicklung der Bibliothek und ihres Betriebes ermöglichen. Möchte es gelingen, auch die Kosten des Baues bereitzustellen, so daß er sofort nach dem Kriege begonnen werden kann. […]

Hunde an die Front! Es eignen sich der deutsche Schäferhund, Dobermann, Airedal-Terrier und Rottweiler, auch Kreuzungen aus diesen Rassen, die schnell und gesund sind und mindestens 40 Zentimeter Schulterhöhe haben. Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Diensthunde werden aufs beste gepflegt und gefüttert. Die Hunde werden – von Fachdresseuren ausgebildet – im Erlebensfalle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Bei den ungeheuren Kämpfen an der Westfront haben die Hunde durch stärkstes Trommelfeuer die Meldungen aus vorderster Linie in die rückwärtige Stellung gebracht. Hunderten unserer Soldaten ist durch Abnahme des Meldeganges durch die Meldehunde das Leben erhalten worden. Militärisch wichtige Meldungen sind durch die Hunde rechtzeitig an die betreffende Befehlsstelle gelangt. Obwohl der Nutzen der Meldehunde im ganzen Lande bekannt ist, gibt es noch immer Besitzer von für den Kriegsdienst geeigneten Hunden, welche sich nicht entschließen können, ihr Tier der Armee und dem Vaterlande zu leihen! An alle Besitzer der vorgenannten Hunderassen ergeht daher die dringende Bitte: Stellt Eure Hunde in den Dienst des Vaterlandes! Wer zögert? Anmeldungen nimmt entgegen Sanitätshund-Meldestelle Bonn, Leiter Polizeikommissar Flaccus, Bonn, Kirschallee 23.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. November 1917Am Kriegsgericht Bonn wurde am Donnerstag der 27jährige Josef Me. aus Lannesdorf, welcher am 24. Oktober in der dortigen Gemarkung auf einen noch nicht abgeernteten Kartoffelacker des Grubenbesitzers Sebastian Me., tagsüber sich 2 Zentner Kartoffeln aufsammelte, mit 6 Wochen Gefängnis bestraft. – Für einen Diebstahl von 116 Pfund Tafeläpfel während der Nacht zum 9. September in der Godesberg-Friesdorfer Gemarkung erhielt der 52jährige Maurer Friedrich Ma. aus Friesdorf eine empfindliche Freiheitsstrafe von 3 Monaten Gefängnis. […] Ein 18jähriger belgischer Arbeiter in der Chamottefabrik zu Mehlem hatte seinen Mitarbeitern verschiedentlich Geldbeträge gestohlen und diese hauptsächlich für Einkäufe von Lebensmitteln verwandt, die er an französische Kriegsgefangene in dieser Fabrik verkäuflich abließ. Laut angebrachten Aushängeschildern an allen Ausgängen ist allen dortigen Arbeitern der Verkehr mit Kriegsgefangenen untersagt. Des Angeklagten Strafmaß lautete auf 1 Woche Haft. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Für die Rheinische Goldankaufwoche vom 9. bis 16. Dezember, unter dem Ehrenschutze des Oberpräsidenten hat Dienstag eine Versammlung in der Lese die nötigen Vorbereitungen für Bonn und Umgegend getroffen. Herr Oberbürgermeister Spiritus begrüßte die von ihm eingeladenen Landräte des Bonner und des Siegkreises, die Vorsitzenden der Vaterländischen Vereinigungen, die Leiterinnen der Frauenvereine und die bei der letzten Reichsanleihe tätigen Obmänner der Werbekreise. Er wies auf die außerordentlich große Bedeutung des Goldankaufs und der Goldankaufwoche für die Rüstung der Reichsbank und damit des Reiches hin und betonte, daß leider die Rheinprovinz in der Goldabgabe noch hinter den Provinzen Sachsen und Pommern weit zurückgeblieben sei. […] Es wurde darauf beschlossen, die Stadt wie bei der letzten Reichsanleihe wieder in Werbekreise zu teilen und in ihnen von Haus zu Haus zu werben. Nach einer eingehenden Aussprache schloß der Oberbürgermeister die Sitzung mit herzlichen Wünschen für ein reiches Ergebnis der Goldankaufwoche.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 30. November 1917

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. November 1917An unsere Leser!
Im Laufe der letzten Zeit sind die Herstellungskosten im Zeitungsgewerbe wieder ungeheuerlich gestiegen. Es seien nur zwei Punkte herausgehoben. Die weitere Erhöhung des Papierpreises, der jetzt mehr als das Dreifache des Friedenspreises beträgt, und der Abschluß neuer tariflicher Bestimmungen mit den Setzer- und Druckergehilfen. Hinzu kommt die allgemeine Teuerung, die unser Gewerbe, das mit besonders teuren Materialien arbeiten muß, empfindlicher trifft, als die meisten anderen. Infolgedessen sind die deutschen Zeitungen in ihrer Gesamtheit dazu übergegangen, Bezugs- und Anzeigenpreise zu erhöhen. Die drei hiesigen Tageszeitungen müssen sich diesem Vorgehen anschließen. Sie sind gezwungen, vom 1. Dezember d. J. ab den Bezugspreis gemeinsam auf monatlich Mk. 1,20 festzusetzen.
Bonner Zeitung
Deutsche Reichszeitung
General-Anzeiger für Bonn und Umgegend.

(Ankündigung in der Bonner Zeitung, der Deutschen Reichszeitung und dem General-Anzeiger für Bonn und Umgegend)

 

Stadtverordnetenwahl. Bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl der ersten Abteilung wurden die bisherigen Stadtverordneten Kommerzienrat Theodor Fleitmann, Kaufmann Hubert Gentrup, Geheimrat Prof. Dr. Ernst Landsberg, Handelsrichter Emil Tilger und Professor Dr. Karl Mönnichmeyer einstimmig wiedergewählt. Zur Wahl erschienen in der Altstadt 27, in den Vororten 8 Wähler. Alle 35 Wähler stimmten für die genannten Herren.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Krieger. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Bezirksverband der kath. Jünglingsvereine von Bonn und Umgegend eine große Kundgebung. Es war ein Gedächtnistag für die gefallenen Krieger. Morgens war in den Pfarrkirchen der Vereine Generalkommunion. Nachmittags ½4 Uhr trafen sich die Vereine der linksrheinischen Seite in der Herz-Jesukirche zu Bonn, wo eine feierliche Andacht gehalten wurde. Herr Kaplan Heppener-Düsseldorf zeigte in seiner Predigt, was die Toten uns allen zu sagen haben. Arbeit müsse der Inhalt des Lebens sein, Liebe zu Eltern, Heimat und Kirche das oberste Gesetz des Lebens, die Ewigkeit das Ziel des Lebens.
   Nach der Andacht zogen dann mehr als 1000 Jünglinge in festlichem Zuge zum großen Saale des Bonner Bürgervereins, wo eine weltliche Gedenkfeier stattfand. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Festgenommen wurde in Bonn ein Mann, der zusammen mit einem anderen Diebe am Bußtage in Oberdollendorf aus einer Villa, in die sie eingebrochen sind, einen Posten Wäsche und Kleidungsstücke und aus einem Betriebe in Oberdollendorf einen Treibriemen gestohlen hat. Den Treibriemen hat er zerschnitten und an einen hiesigen Schuhmacher, der sich als Hehler auch strafbar gemacht hat, verkauft.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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