Mittwoch, 16. Mai 1917
Arndt-Eiche in Eisen
Die Arndt-Eiche in Eisen, die voraussichtlich die längste Zeit auf dem Münsterplatz gestanden hat, ist in Wahrheit das allgemeine Kriegswahrzeichen der Bonner Bürgerschaft geworden. Groß und Klein, Hoch und Niedrig, Behörden, Privatpersonen, Gesellschaften und Vereine aller Art, alle haben sich an der Benagelung der Arndt-Eiche beteiligt. Da dürfte es angemessen erscheinen, einen Rückblick auf die Entwicklung unseres Kriegswahrzeichens zu tun, und dabei eine kurze Beschreibung der jetzigen Gestaltung zu tun.
Am Sonntag, 19. Dezember 1915, wurde unter Teilnahme der sämtlichen Behörden, der Studentenschaft und zahlreicher Vereine das Denkmal feierlichst errichtet. Die vereinten Männer-Gesang-Vereine unserer Stadt sangen Beethovens „Die Himmel rühmen“ und E. M. Arndts „Was ist des Deutschen Vaterland“: Die Festrede hielt Herr Oberbürgermeister Spiritus, und der gemeinsame Gesang der Wacht am Rhein schloß die Feier. In drei Tagen war schon eine Einnahme von rund 3000 Mark zu verzeichnen, die von Tag zu Tag sich andauernd in schneller Folge erhöhte. Große Nachfrage war alsbald nach den prächtigen Eichenblättern, welche die Aeste des mächtigen Stammen zieren. Dieser selbst wurde von rund 11.000 Schulkindern unserer Bonner Volksschulen benagelt. Jede einzelne Schule ist auf dem Eichenstamm durch einen besonderen Nagel angegeben, um welchen die von den Schulkindern eingeschlagenen Nägel sich gruppieren. So kann sich die Schuljugend Bonns rühmen, tatkräftig zum Gelingen des vaterländischen Werks beigetragen zu haben, sie wird einstens nach Jahren und Jahrzehnten beim Anblick der Arndt-Eiche sich der schweren und großen Zeit des Weltkrieges erinnern!
Mitte Februar 1916 belief sich die Einnahme der Arndt-Eiche bereits auf 36.000 Mark. Ende desselben Monats fand die feierliche Nagelung seitens des Lehrkörpers und der Studentenschaft unserer Universität statt. In der Folgezeit wurden an der Arndt-Eiche regelmäßig wöchentlich Militärkonzerte veranstaltet.
Am 19. März 1916 vereinte das Bonner Handwerk festlich an der Arndt-Eiche zur Nagelung eines prächtigen Schildes. Da auch andere Körperschaften, Vereine und Privatpersonen großes Interesse den Zwecken der Arndt-Eiche, der Fürsorge von Witwen und Waisen von Bonner Kriegern zuwandten, stieg die Gesamteinnahme bis April 1916 auf 56.000 Mark. Rege Werbetätigkeit für die Arndt-Eiche bekundeten auch die Schülerinnen und Schüler der hiesigen höheren Schulen, Lyzeen und Gymnasien. Die Waisenkinder der Stadt nagelten wiederholt für größere Beträge, die in dankenswerter Weise von Wohltätern zur Verfügung gestellt wurden. Im Sommer 1916 wurde eine Gesamteinnahme von rund 70.000 Mark erreicht, die dann, wenn auch langsamer wie früher, wuchs, so daß am Jahrestag der Errichtung der Arndt-Eiche, 19. Dezember 1916, ein Gesamtbetrag von rund 80.000 Mark festgestellt werden konnte.
Die Wintermonate 1916/17 brachte keine große Erhöhung der Einnahmen; immerhin beträgt die Gesamtsumme der Einnahmen zurzeit rund 100.000 Mark. Die Hoffnung, daß in nicht allzu langer Frist die Summe von 100.000 Mark erreicht wird, wird wohl erfüllt werden, damit das Denkmal würdig wird dessen, der einst das Wort gesprochen:
„Der Rhein Deutschlands Strom,
nicht Deutschlands Grenze!“
Alldeutscher Verband. Montag abend fand im Kronprinzenhof eine stark besuchte Veranstaltung der Bonner Gruppe des Alldeutschen Verbandes statt. Nachdem ein ehrender Nachruf auf den verstorbenen Herrn Paul von Emster, den langjährigen Vorsitzenden der Gruppe, gesprochen worden war, hielt Dr. R. F Günther einen Vortrag über „Deutschland oder England? Hindenburg oder Scheidemann?“ Er führte etwa aus: England ist unser grimmigster und hartnäckigster Feind, weil wir ihm an der Futternapf gekommen sind. Das kann ein Hund nicht vertragen. England ist nicht müde geworden, den Erdkreis gegen Deutschland aufzupeitschen, so lange es die Macht und das Ansehen hat. Nur unsere inneren und äußeren Machtmittel können das „glänzende Kriegsgeschäft“ zunichte machen. Ohne die flandrische Küste ist für Deutschland ein Hindenburgfriede undenkbar, gegen ihre Besitznahme aber wird sich England mit Händen und Füßen wehren, und da heißt es: Deutschland oder England! In Hindenburg wird uns der Retter erstehen, der England zu strafen wissen und uns den Hindenburgfrieden bringen wird. Wenn wir den wünschenswerten Frieden nicht bekommen, haben wir Kriegslasten von 100 bis 172 Milliarden, Wegnahme unserer Flotte, Vernichtung unseres Handels und der Industrie, Lahmlegung der Landwirtschaft usw. zu erwarten. Deshalb seien wir auf der Hut, wappnen wir uns gegen Gemeinheit und Niedrigkeit der Gesinnung um uns herum. Von Stolz und Selbstbewusstsein rede man unserem Volke so lange und so oft, bis es den Standpunkt des Alldeutschen Verbandes zu begreifen gelernt hat, dann wird es die Höhe erstreben, die ihm die Vorsehung zuerkannt hat. Nur dasjenige Volk kann Erfolg haben, das seine Lage in voller Klarheit erkennt und sie durch kluge Kraft und weisen Willen stärkt. Der Deutschgedanke muß überall herausgearbeitet werden. Nur so kann dem deutschen Volke geholfen werden. Was steht uns bevor bei einem faulen Frieden, den uns eine bisher nur staatszersetzende Partei bringen will? Unter einer ungeheuren Steuerlast wird Angefangenes nicht vollendet, edle Arbeiten, weitsichtige Unternehmungen, blühende Zukunftsaussichten werden zu Grabe getragen werden müssen, Armut an allen Ecken, armselige Verhältnisse an allen Enden. Wenn unsere Kolonien verloren gegangen, unser mühsam erworbener Besitz an Geld und Gut entwertet, unsere Schiffahrt eingeschränkt, wenn Landgebiete, die mit dem Blute deutscher Volksgenossen getränkt sind, nicht nur nicht erworben, sondern sogar deutsche Landgebiete aufgegeben worden wären, dann käme zu dem Niedergange noch der Spott und Hohn eines hochmütigen Gesindels um uns herum. Diese unsägliche Schmach wäre einfach unerträglich. Das deutsche Volk hätte in Wahrheit seine Ehre verloren! Das ist das Ideal eines Friedens, wie er den Sozialdemokraten vorschwebt. Auf Hindenburg und seine Getreuen setzen wir unsere ganze Hoffnung. Bei der Abrechnung mit jedem einzelnen unserer Feinde müssen Forderungen zutage treten, die den 42-Zentimeter-Geschützen entsprechen. Der eiserne Wille und die granitene Härte eines Hindenburg, der herrlichen Verkörperung deutschen überragenden Geistes, deutsche Tatkraft und deutsche Stärke müssen das ganze deutsche Volk in Einigkeit erfüllen. Dann wird uns ein deutscher Friede und damit Heil und Glück und die Zukunft unseres teuren Vaterlandes gesichert sein.
Im Anschluß an diesen Vortrag legte Prof. Trautmann eine Entschließung vor, die einstimmig angenommen wurde. An den Erörterungen über den Vortrag und die Entschließung beteiligten sich hauptsächlich die Herren Buchhändler Falkenroth, Geheimrat Rocholl, Pfarrer Strauß, Rektor Idel. Prof. Trautmann hatte sich entschuldigt, daß die von ihm beantragte Entschließung etwas lang ausgefallen sei. Geheimrat Rocholl erwiderte darauf, er begrüße diese Ausführlichkeit. Es herrsche so viel Unkenntnis über die Friedensziele, die von guten Deutschen erstrebt werden müsse, daß die ins einzelne gehende Entschließung eine gute aufklärende Wirkung ausüben werde. (Wir werden die Entschleißung morgen veröffentlichen.)
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Eine Betriebsanordnung für Christi Himmelfahrt und den zweiten Pfingsttag. Das Generalkommando Coblenz hat mit Rücksicht auf die gegenwärtige Kriegslage für den Befehlsbereich des 8. Armeekorps aufgrund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 angeordnet, daß alle beteiligten Betriebe für Kohlenbergbau, Erzbergbau, Hüttenwesen, Stahl- und Eisenindustrie am Himmelfahrtstage und zweiten Pfingsttage arbeiten. Diese Anordnung gilt auch für den Befehlsbereich der Festung Köln.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Eine recht ersprießliche Hülfsarbeit. In den beiden letzten Wochen wurden 16 Gruppen der Bonner Hilfsmannen (Volksschüler) von Grundbesitzern zum Steinelesen und Unkrautjäten angefordert. Mit lobenswertem Eifer unterzogen sich die Knaben auch den schwierigeren Arbeiten und die Gutsbesitzer äußerten ihre Zufriedenheit. Auf Anregung eines Besitzers wurden im Norden der Stadt die Blüten des Huflattich, der in den dortigen alten Sandgruben üppig wuchert, gesammelt. Während die Erfahrungen mit anderen Wildgemüsen durchaus günstig sind, entsprechen die als eßbar empfohlenen Lattichblätter nicht den Erwartungen und ließen an Wohlgeschmack und Bekömmlichkeit zu wünschen übrig. Vielleicht hat es an der Zubereitung gelegen. Der Huflattich ist ein sehr schädliches, schwer zu vertilgendes Unkraut, so daß mit der Vernichtung von vielen Millionen Samenkörnern, die mit einem Flugapparat versehen, vom Winde verbreitet werden, der umliegenden Landwirtschaft eine nicht zu unterschätzende Hilfe geleistet wurde.
Ein erfreuliches Beispiel von Fürsorge und Verständnis gab die Bonner Eisenbeton-Industrie, welche ihre Grundstücke von Unkraut säubern ließ, damit die benachbarten Gemüsefelder nicht darunter litten, und unbenutzte Flächen freiwillig und kostenlos zum Anbau von Kartoffeln zur Verfügung stellte.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 17. Mai 1917
Wegen des Feiertags Christi Himmelfahrt erscheint der General-Anzeiger an diesem Tage nicht.
„Wir wünschen einen Hindenburg-Frieden, nicht einen Scheidemann-Frieden“, das ist die Parole, die die Ortsgruppe Bonn-Godesberg des „Unabhängigen Ausschusses für einen deutschen Frieden“ in ihrer Vorstands- und Beiratssitzung am Montag, 14. Mai, in Bonn, ausgegeben hat. [...] In vollster Übereinstimmung wurde beschlossen, mit allen Kräften gegen einen faulen, Deutschlands Weltmachtstellung vernichtenden und Deutschlands blühende Kultur um Jahrhunderte zurückwerfenden Frieden anzukämpfen. Es werden in der nächsten Zeit im Rheinlande Schritte getan werden, um alle diejenigen, die in einem siegreichen deutschen Frieden, einen „Hindenburg-Frieden“, das Heil des Vaterlandes sehen, zu vereinigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, auch ihre Stimme in die Wagschale zu werfen. Die Anhänger eines starken deutschen Friedens sind in Deutschland nicht in der Minderheit, sondern in der Mehrheit. Sie müssen sich nur zu gemeinsamem Vorgehen zusammenfinden.
Arndt-Eiche in Eisen. Die Werbetätigkeit, welche in der letzten Zeit für unser Kriegswahrzeichen entfaltet wird, hat die Einnahmen etwas gesteigert. Viel ist’s zwar nicht gewesen, und die großen Gaben fehlen noch, aber auch sie werden noch kommen. Zwei Beispiele aus den letzten Tagen seien hier zur Nachahmung angeführt. Ein einfacher Handwerksmeister erschien an der Arndt-Eiche und stiftete den Betrag von 50 Mark mit der Begründung, für die Witwen und Waisen unserer tapferen Helden müsse man doch etwas tun. Sodann ging bei der Geschäftsstelle der Arndt-Eiche ein Feldpostbrief ein, in dem ein Unteroffizier Josef B..., der bei einem Gardebataillon steht, schreibt: Arndt-Eiche, Bonn. Hierdurch bitte ich Sie, aus meinem Guthaben den Betrag von 10 Mark zugunsten der Witwen und Waisen von Bonner Kriegern zu überweisen. Hochachtungsvoll Josef B...., Unteroff. Auf recht baldigen siegreiches Wiedersehen in Bonn an Deutschlands Strom. Das walte Gott. Betrag erfolgt durch die Post.“
Solche Gesinnung ehrt die Spender. Herzlichen Dank sei beiden an dieser Stelle ausgesprochen.
Alldeutscher Verband. Die am Montag abend in einer stark besuchten Versammlung der Bonner Gruppe des Alldeutschen Verbandes von Geheimrat Trautmann eingebrachte und dann einstimmig angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut:
„Neidische Feinde haben uns, auf Anstiftung Englands, mit Krieg überzogen. Durch die überlegene Kunst unserer Heerführer und den Heldenmut unserer Krieger ist die Absicht, Deutschland zu vernichten, vereitelt worden. Ja, wir haben uns nicht nur gewehrt, sondern haben auch weite Strecken feindlichen Landes erobert und bedrängen die Gegner mehr und mehr dergestalt, daß sie in absehbarer Zeit genötigt sein werden, um Frieden zu bitten.
Bei dieser für uns so günstigen Lage der Dinge reden Menschen mit deutschen Namen von einem „für alle Teile ehrenvollen Frieden“ und verlangen andere „Deutsche“ einen Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen.
Also die Feinde, die uns an Leben und Ehre gewollt haben, sollen straflos, ja geehrt davon kommen, was nichts anderes heißt, als sie freundlich einzuladen, bald wieder über uns herzufallen! Und unser Volk soll Fluten von Tränen umsonst geweint und Ströme edlen Blutes für nichts und wieder nichts hingegeben haben! Und wir alle sollen unter einer unerträglichen Schuldenlast seufzen, und unsere Arbeiterstände sollen in Not und Elend verkommen!
In unseren Augen sind Leute, die für einen solchen Frieden eintreten, Narren oder Verräter am Vaterland oder beides. Wir wollen keinen mattherzigen Frieden, sondern einen starken. Unsere Grenzen sind offen und schwer zu verteidigen: Wir müssen sie hinausschieben und so ziehen, daß wir bei einem künftigen feindlichen Angriffe besser als bisher geschützt sind. Wir haben nicht Brot und Fleisch genug (siehe Brot- und Fleischkarte): wir müssen so viel neues Acker- und Weideland gewinnen, daß kein Gegner wieder auf den Gedanken verfallen kann, uns auszuhungern. Wir haben nicht Bodenschätze genug, aus denen wir unsere Waffen schmieden; hätten wir nicht das Glück gehabt, Longwy und Briey gleich bei Beginn des Krieges in die Hand zu bekommen, so hätten wir den Krieg unrettbar verloren; wir müssen Briey und Longwy behalten und noch möglichste viele andere erz- und kohleführende Gebiete dazu nehmen. Unsre Feinde wollen unseren Handel, unsre gewerbliche Tätigkeit, unsre Landwirtschaft erwürgen, um dadurch das Deutsche Reich zu entvölkern und wehrlos zu machen; ein Scheidemannscher Friede würde dieselbe Wirkung üben; das Land würde verarmen, die Menschen auswandern, Deutschlands kriegerische Kraft zerstört werden: wir müssen den Feinden Land abnehmen, und nicht zu wenig, auf dem gesunde, kraftvolle, ihres Daseins frohe, waffentüchtige Menschen erwachsen; das Sinken der Geburtenziffer muß aufhören; die Zahl der Deutschen wächst, oder Deutschland ist verloren.
Rußland muß von der Ostsee, wohin es sich vorerobert hat, zurückgedrängt werden. Kurland wird ins Deutsche Reich einverleibt; in Litauen, Livland, Estland werden deutsche Markgrafschaften errichtet. Finnland wird unabhängig. Die Polen, denen ein selbständiges Königreich versprochen ist, müssen zu der Erkenntnis gebracht werden, daß ihre Zukunft heißt: aufrichtige Freundschaft gegen Deutschland oder Untergang.
Belgien hat als selbständiger Staat zu verschwinden. Flandern wird ein eigenes Königreich und zugleich deutscher Schutzstaat. Die Wallonen, die sich ja so sehr als Franzosen fühlen, werden nach Frankreich abgeschoben, das gerne Menschenzuwachs nehmen wird; ihr Land wird mit Deutschen besetzt. Der belgische Kongo fällt an Deutschland.
Von Frankreich muß Land genommen werden im Osten und Norden in der Weise, daß die Mosel- und Maaslinie mit Belfort, Epinal, Toul, Verdun und die Aisne- und Sommelinie mit St. Quentin, Amiens, Dieppe an Deutschland fallen. Das Land ist menschenfrei zu übergeben. Marokko und der französische Kongo werden an Deutschland abgetreten.
Unser Friede mit England muß die Weltherrschaft dieses Reiches zerbrechen und die Freiheit der Meere aus einer Redensart zu einer Tatsache machen. Nordamerika wird nach dem Krieg versuchen, England zu einem Bollwerk gegen Deutschland zu gestalten, um zu gelegener Zeit den Kampf des Angelsachsentums gegen uns wieder aufzunehmen; unser Friede mit England muß so aussehen, daß ein solcher Plan der Yankees unausführbar ist. England hat die uns in Afrika geraubten Länder wieder herauszugeben und hat uns alle die Orte und Gebiete auszuliefern, die wir als Flottenstützpunkte verlangen werden. England muß auch verpflichtet werden, Gibraltar an Spanien, die griechischen Inseln an Griechenland, Aegypten an die Türken und anderen Raub an andere frühere Besitzer zurückzugeben, und muß gezwungen werden, Irland als ein unabhängiges Reich anzuerkennen. Es muß bei den Verhandlungen auch erfahren, daß von englischer Festsetzung an der Ostsee nie und nimmer die Rede sein kann. Die englische Flotte wird nach Kiel abgeführt. Wir besetzen Portsmouth, Liverpool, Glasgow und andere englische Städte und halten sie besetzt, bis England seine Schulden an uns bezahlt hat in Geld, Land und Waren, wie wir auch Teile Frankreichs und Rußlands bis zur völligen Tilgung ihrer Schulden besetzt halten.
Nur ein solcher Friede wird von der großen Mehrheit des deutschen Volkes für recht und billig gehalten werden; die Schreier nach einem „für alle Teile ehrenvollen“ Frieden und nach einem Verzichtfrieden lügen, wenn sie sagen, sie sprechen im Namen des deutschen Volkes; sie haben nur wenig unklare Köpfe und Leute ohne deutsche Gesinnung hinter sich. Sogar Arbeiterversammlungen (so die große kürzlich in Essen abgehaltene) haben sich in voller Entschiedenheit gegen einen Scheidenmannschen Frieden ausgesprochen. Die Scheidemänner werden erkannt; man merkt in immer wachsenden Kreisen, daß ihnen das Wohl des deutschen Volkes gar nichts, die Macht der Partei alles gilt. Sie sind ganz damit einverstanden, wenn das deutsche Volk ein bißchen „verelendet“, je elender das Volk, desto fröhlicher, wissen sie, blüht der Weizen der „Sozialdemokraten“.
Wir haben Vertrauen zu unserem obersten Herrn, daß er Männern voll Weisheit, Zielbewußtheit und Tatendrang den Abschluß des Friedens mit unseren Feinden, und zwar mit jedem von ihnen einzeln, übertragen werde. Vor wenigen Tagen, am 5. Mai, hat unser Kaiser den Vertrauensmännern und Mitgliedern des Unabhängigen Ausschusses für einen deutschen Frieden, der von Prof. Dietrich Schäfer geleitet wird, „für die Huldigung und das Gelöbnis der Treue“ seinen Dank entbieten lassen. Wir nehmen dies Geschehnis als ein Pfand dafür, daß unser kaiserlicher Herr nicht einen Frieden schließen will, der sein Volk zu Grunde richten würde, sondern als echter Landesvater einen Frieden, der seinem schwergetroffenen Volke wieder aufhilft und der ihm, unserem Kaiser, den Segen aller Geschlechter, die sich noch deutsch nennen werden, eintragen wird.“
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Sanitäts- und Kriegsblindenhunde. Deutsche Schäferhunde, Airedale, Dobermänner, Rottweiler, Hündinnen bevorzugt, unter Angabe der Rasse, des Alters und der Uebernahmebedingungen sucht baldmöglichst die Sanitätshundmeldestelle in Bonn.
Die Lichtspiele am Markt bringen zur Zeit zwei neue Prachtfilme zur Darstellung, in dem einen „Der Liebesbrief der Königin“, spielt die berühmte Schauspielerin Henny Porten die Hauptrolle, in dem anderen, „Die Nixenkönigin“ die bekannte und vielbewunderte Tänzerin Rita Sacchetto.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 18. Mai 1917
Den Bonner Hausfrauen!
Ich will Euch singen und sagen
Von einem Ehepaar,
Das sich im Krieg verbunden,
Vor unserm Hausaltar.
Der Mann so stark und prächtig
Wie Juli-Sonnenschein,
Die Frau so zart und milde
Wie heller Mondenschein.
Der Mann voll Mut und Feuer
Die Frau bedächtig fein, -
Sie fühlt die wilden Gluten
Im Busen still und fein.
Gib Hausfrau diesen beiden
Gastrecht am deutschen Herd –
Sie sind, bei meiner Ehre!
Die besten Plätzchen wert,
Und frägst Du – laß mich kennen
Die beiden ganz genau?
„Gaskocher“ heißt das Männchen,
„Kochkiste“ heißt die Frau.
Hauswirtsch. Kriegshilfe
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

Das Bestreben der Verwaltung der Arndt-Eiche, für die Zwecke der Arndt-Eiche weitere Mittel zu verschaffen, ist gewiß lobenswert. Können wir doch unseren Dank für die hingebende Liebe und Treue, für den Opfertod unserer Helden nicht besser zum Ausdruck bringen, als wir den notleidenden Witwen und Waisen helfen, und ihre Schmerzen und Sorgen zu lindern suchen. Auch ich bin der Ansicht, daß es in Bonn nicht schwierig sein dürfte, die Summe der bisherigen Gaben von 90.000 Mark auf mindestens100.000 Mark zu steigern. Hierzu ist es notwendig, daß einige unserer lieben, reichbegüterten Mitbürger nochmals fest und tief in ihre Tasche greifen und eine erkleckliche Summe spenden. Andererseits möchte ich mir noch folgenden Vorschlag erlauben: Ist es nicht möglich, daß die verehrten Damen, welche Mittwochs und Sonntags in den hiesigen Wirtschaften mit der „Rote-Kreuz-Büchse“ sammeln, einmal eine Zeitlang für die Arndt-Eiche sammeln? Jeder Stammkunde dieser Büchsensammlung wird sicher gerne seinen Obolus hierfür geben. Einer, der es gut mit der Arndt-Eiche meint.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Himmelfahrtstag. Zu den angenehmen Unterbrechungen der strengen Wochengliederung mit sechs Arbeitstagen und einem Sonntag der Weihe und Ruhe gehören die Kirchenfeste, die auf Arbeitstage fallend, einen besonderen Feiertag den Menschen bringen. Aus Gründen geregelter Arbeit, besonders in der Industrie, ließ die geistliche Behörde im Laufe der Jahre viele dieser Festtage fallen. Der Tag der Himmelfahrtsfeier des Herrn ist uns geblieben. Noch klangen und riefen gestern feierlich die Glocken zum Gottesdienst; trotz arbeitheischender Kriegszeit waren gestern die Gotteshäuser gefüllt und Feiertagsstimmung mit frohen Gesichtern lag trotz der schweren Zeiten auf den Straßen. Himmelfahrtstag ist vielerorts der Tag der Herrenwanderungen. Viele Wandervereine haben den Tag zu markanten Wanderungen festgelegt, so der Eifelverein nach dem Steinerberg. Viele Einzelwanderer gehen an diesem Tage fernen, seit Jahren liebgewonnenen Zielen zu.
Wenn es gestern nicht so war, so trug darum weniger das dunkle, regendrohende Wetter die Schuld, wie die ernste Kriegszeit, die vom Manne, der in der Heimat bleiben mußte, verlangt, daß er die Züge nicht ohne Not belastet, daß er nicht zum Vergnügen reist.
Viele sind in stiller ernster Art gestern in unsere reizende nähere Umgebung gezogen, liegen doch die herrlichsten, abwechslungsreichsten Naturbilder dicht vor den Toren unserer Stadt. Die Einsamkeit der Wälder und Täler und Berge, bei dem ernst gehaltenen Himmel ließ dann auch stärker die Gedanken in Treue und Dankbarkeit zu jenen schweifen, die Himmelfahrtstag unter fremdem Himmel in Feindesland mit der Büchse in der Hand für die gesegnete Heimat auf scharfer Wacht stehen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Landmann hat jetzt das Wort!
Landwirte! Getreideablieferung ist jetzt höchste Ehrenpflicht! Das deutsche Volk braucht Euch und Euer Korn, das den Sieg erst vollendet! Nichts darf Euch abhalten, schnell, reichlich und trotz Bestellzeit zu liefern!
Ein erweiterter Geschäftsverkehr ist nächsten Sonntag gestattet. Die Ladengeschäfte dürfen nachmittags bis 7 Uhr offen gehalten werden.
Ein Ei erhält diese Woche jeder Einwohner, Schwer- und Schwerstarbeiter bekommen noch zwei weitere Eier.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 19. Mai 1917
Das „Verhör“. Die Bevölkerung muß sich endlich daran gewöhnen, daß ihre Ansprüche, die sie zu Friedenszeiten an die Aufmachung des äußeren Menschen zu stellen gewohnt war, in diesen Zeiten der Bekleidungsknappheit auf ein ganz geringes Maß zurückgeschraubt werden müssen. Der oft heißersehnte Bezugsschein kann daher nur dann ausgestellt werden, wenn ein eingehendes Verhör über die noch vorhandene Bekleidung die Notwendigkeit der Anschaffung ergeben hat. Dadurch sieht manch einer seine sorgsam gehüteten Kleider-Geheimnisse mit grausamer Hand an das Licht des Tages gezogen. Und doch erfüllen die hiermit betrauten Beamten nur ihre Pflicht; sie müssen sich genau an die Bestandsliste der Reichsbekleidungsstelle halten, wenngleich sie häufig viel lieber dem stürmischen Drängen der Antragssteller nachgeben würden. Denn stürmisch geht es manchmal auf dem Bekleidungsamt zu. Manche versuchen es, durch die Gewalt ihres Redestroms das gefühllose Herz des Beamten zu erweichen. In solchen Fällen haben die Angestellten, deren Aufgabe ohnehin nicht leicht ist, einen schweren Stand. Sie haben die Anweisung, weitgehende Rücksicht auf alle zu üben, die manchmal längere Zeit auf die Ausfertigung des Bezugsscheines waten müssen. Aber ihre Geduld wird doch manchmal einer starken Belastungsprobe unterworfen, wenn sich der Antragsteller allen sachlichen Zureden gegenüber unzugänglich erweist. Ohnehin sucht das Bekleidungsamt, die scharfen Bestimmungen der Reichbekleidungsstelle zu mildern, soweit dies innerhalb des Rahmens der Vorschriften irgendwie zulässig ist. Eine Ausfertigung über diesen Rahmen hinaus wird auch durch die größten rednerischen Künste nicht zu erreichen sein. So ergeben sich zwei Verhaltungsmaßregeln, die alle die es angeht, beherzigen mögen:
Man trete an die Bezugsscheinausgabestelle nur mit solchen Forderungen heran, die man angesichts der bestehenden Bestimmungen und der Zeitlage vor sich selbst verantworten kann, und begründe das, was man als dringend notwendig verlangen zu können glaubt – kurz und bündig.
Kaninchen und Hühner hatten im Januar und Februar vier junge Burschen aus Bonn auf ausgedehnten Streifzügen im Westerwald und im Kreise Rheinbach in größerem Umfang gestohlen. Sie waren von der Bonner Kriminalpolizei festgenommen worden, als sie mit einer Beute von neun Hühnern und elf Kaninchen aus Morenhoven nach Bonn zurückkehrten. Bei ihren Raubzügen waren sie mit Dolchen und Revolvern bewaffnet. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte sie gestern wegen Bandendiebstahls zu Gefängnisstrafen von drei und zwei Jahren, sechs und vier Monaten, außerdem die Mutter und die Schwester des einen Burschen wegen Hehlerei zu acht und sechs Monaten Gefängnis.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Kinos. In den Lichtspielen wird der fünfte amtliche Kriegsfilm: „Hinter der Ostfront“ vorgeführt. Im Brennpunkt dieses Films steht die Gestalt unseres Hindenburg. Der Film macht uns zugleich mit der ostpreußischen Landschaft bekannt und den historischen Stätten der Russenkämpfe. Außerdem wird ein Drama „Das Zechenkind“ und ein neuer Lungfilm „Rosa Pantöffelchen“ gezeigt. [...]
Die hauswirtschaftliche Kriegshilfe (Nationaler Frauendienst) veranstaltet im Einvernehmen mit dem städtischen Bekleidungsamt wieder eine Sammlung von Stoffresten aller Art, damit auch die kleinsten Abfälle bei dem jetzigen Stoffmangel einer neuen Verwertung zugeführt werden können. Es ist daher im eigenen wie im vaterländischen Interesse Pflicht jeder Hausfrau, nach Kräften zu der Sammlung beizutragen. Die Sammelstellen werden im Anzeigenteil bekannt gegeben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Gesuche um Zurückstellung von der Einberufung müssen spätestens drei Tage vor dem Gestellungstage beim Bezirkskommando eingehen und bereits von der zuständigen Zivilbehörde begutachtet sein. Zurückstellungsgesuche, die später eingehen, können nicht berücksichtigt werden. Es empfiehlt sich – jedoch nur in dringenden Fällen – die Gesuche schon vor Ablauf einer Zurückstellungsperiode zu erneuern und nicht erst bis zur Beordnung warten, wie es vielfach geschieht.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 20. Mai 1917
Universität. Der Dekan der medizinischen Fakultät macht an den Schwarzen Brettern der Universität und der klinischen Anstalten usw. bekannt: „Die medizinische Fakultät warnt die Studierenden eindringlich vor der Teilnahme an sogenannten „Repetitorien“ (Einpaukkursen) seitens nicht zu den Universitätsdozenten oder Assistenten gehörenden Persönlichkeiten. Der Besuch solcher Kurse ist eine überflüssige und Nutzlose Zeit- und Geldverschwendung. Die verschiedenen Dozenten und Institutsdirektoren geben den Studierenden durch Kolloquien, Repetiersäle, Demonstrationen usw. reichliche Gelegenheit, sich auf die Prüfungen ausreichend vorzubereiten, und werden auch spezielle Wünsche gern berücksichtigen. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Lieber E. M. Arndt in Eisen!
Du rufst in beredten Worten die Bonner Bürgerschaft wieder einmal auf, für Deine Schützlinge, die Witwen und Waisen von Bonner Kriegern, Spenden darzubringen. Das ist gut und schön. Ob Du auf diese allgemeinen Aufrufe aber viel Geld einbekommst, ist recht fraglich. Man liest solch’ einen Aufruf, denkt, daß es ganz richtig ist, daß die jetzige Zeit der schweren Kämpfe im Westen uns zu einer kleinen Opfergabe veranlassen dürfte – und gibt nichts. Am anderen Tage vergißt man Deine Arndt-Eiche und Ihre Zwecke! Wäre es da nicht empfehlenswert, wenn Du immer wieder eine kleine Erinnerung in die Zeitung setzen lassen würdest: etwa „Gedenket der Arndt-Eiche in diesen Tagen der schweren Kämpfe im Westen!“? Hoffentlich findet meine kleine Anregung Gehör und bringt etwas ein. Ein alter Bonner.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Ein falscher Freiherr gab hier in Bonn einige Zeit eine Gastrolle. Vor etwa einer Woche mietete in einem hiesigen Hotel ein etwa 24 Jahre alter Mann ein Zimmer. Er trug sich ins Fremdenbuch als Freiherr von Berg ein und gab an, als Kriminalbeamter dem Bahnschutzkommando der Strecke Cöln-Frankfurt zugestellt zu sein. Sein Benehmen wurde im Laufe der Zeit doch etwas auffällig. Er verbrauchte ziemlich viel Geld, liebte Damengesellschaft und erzählte, daß er verschiedenen in Bonn ansässigen besseren Familien nahe stehe. Im übrigen aber bezahlte der „Freiherr“ aber ordnungsgemäß seine Miete und hätte sein Treiben fortsetzen können, wenn die Kriminalspolizei nicht auf ihn aufmerksam geworden wäre. Da begründeter Verdacht vorlag, daß es sich um einen Betrüger handelte, wurde er am Donnerstag abend in einem hiesigen Lokal von einem Kriminalbeamten verhaftet. Nach seiner Ueberführung zur Wache gab er zunächst einen falschen Namen an, gestand dann aber ein, aus einem Militärgefängnis vor etwa drei Monaten entsprungen zu sein. Weitere Nachforschungen ergaben aber, daß es sich um einen „schweren Jungen“ handelt, der schon häufig vorbestraft ist. Unter verschiedenen Namen hat er in Altenkirchen, Köln, Herford, Dortmund Betrügereien verübt. Zeitweise legte er sich die Uniform eines Unteroffiziers der Gardeartillerie an und trug eine Reihe von Orden und Ehrenabzeichen. Einem Geschäftsmann in Köln schwindelte er nach eigenem Geständnis 800 Mark ab. Für das Geld kaufte er sich in Köln in einem Sportgeschäft einen Sportanzug und beschaffte sich neue Wäsche. Hier in Bonn gelang es ihm, durch schwindelhafte Angaben und gewandtes Auftreten, Mädchen um Geldbeträge zu betrügen. Auch wurden in seinem Besitze Brot- und Fleischmarken gefunden, die er von einer Angestellten des Lebensmittelamtes erhalten haben will. Bei seiner Verhaftung fand die Polizei nur noch einen geringen Geldbetrag. Ein bei ihm vorgefundener Briefumschlag deutet darauf hin, daß er auch unter dem Namen eines Unteroffiziers Kleinjung aufgetreten ist.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Städtisches Gymnasium. Ungewöhnliche Teilnahme erweckt der Heldentod des wegen seines liebenswürdigen Wesens und seiner großen Herzensgüte allbeliebte Professor Uhde, der an der Spitze seiner Soldaten in den schweren Kämpfen bei Arras gefallen ist. Uhde, der am Städtischen Gymnasium über ein halbes Menschenalter gelehrt hat, hatte in den erstens Kriegsmonaten noch „Kriegsgedichte und Soldatenlieder von Zoch“ veröffentlicht und in ihnen den Soldatentod tapfer und kernig gepriesen, den er jetzt selbst gefunden hat. Der Direktor des Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums widmet ihm einen überaus herzlichen Nachruf.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 21. Mai 1917
Die Bekleidung der Toten. Die Reichsbekleidungsstelle schreibt in ihren Mitteilungen: Es ist eine alte Ueberlieferung, die bis zu den Uranfängen der Menschheit zurückgeführt werden kann, daß bei Leichenbegräbnissen dem Toten als letzte Ehre seine besten Gewänder und Kleidungsstücke ins Grab mitgegeben werden. Durch den auch bei uns üblichen Brauch, die Toten in ihren wertvollsten Gewändern zu bestatten, wird ein großer Teil von gutem Material an Stoffen, das gerade jetzt während des Krieges unersetzlich ist, der Verwendung für die Gesamtheit entzogen. Namentlich ist dieses bei Herrenstoffen der Fall. Bei der dringenden Notwendigkeit, unsere Vorräte an Web-, Wirk- und Strickwaren mit allen Mitteln zu strecken, erscheint es im Interesse des Volksganzen, demgegenüber alle Wünsche der Einzelnen zurücktreten müssen, als unerlässlich, auch mit dieser alten Sitte zu brechen. Es wird zu erwägen sein, die Toten mit einem Totenhemd aus Papierstoff zu bekleiden und mit einer Decke aus gleichem Stoff z bedecken. Ebenso könnte der Kissenbezug aus Papierstoff bestehen. Die Bekleidung der Toten mit Schuhen und Strümpfen erscheint in Anbetracht der Verhältnisse überhaupt nicht angebracht. Es soll nicht verkannt werden, daß es viele schmerzlich berühren wird, sich mit dieser Forderung abzufinden, stichhaltige Bedenken aber können kaum erhoben werden. Es verstößt nicht gegen das Pietätsgefühl, wenn wir unsere Toten in besondere Totengewänder kleiden, die auch in der Ausführung in Papierstoff, dank einer regsamen und schon hoch entwickelten Industrie, durchaus würdig erscheinen. Heute handelt es sich um höhere Pflichten, die man eben eingedenk des Gebotes der Stunde willig auf sich nehmen muß. Ein jeder, der in dieser Zeit ein persönliches Opfer bringt, sei dies nun äußerer oder innerer Natur, trägt dazu bei, unsere wirtschaftlichen Kräfte zu stärken. Wir alle sind heute Kämpfer, ob vor oder hinter der Front, und dies Gefühl muß uns helfen, die Lasten der Zeit mit Freudigkeit zu tragen.
Sprachverein. Der lang beabsichtigte Plan, in unserem Nachbarort Godesberg eine Vortrags- und Werbeveranstaltung des Deutschen Sprachvereins abzuhalten, soll am morgigen Dienstag, abends 8 Uhr, im Rheinischen Hof in Godesberg ausgeführt werden. Die vaterländische Arbeit des Sprachvereins und sein Bestreben, unsere Muttersprache rein zu halten und von fremden Eindringlingen zu befreien sowie eine richtige Sprachweise und gesunde Entwicklung der Sprache zu pflegen, sind allgemein bekannt und anerkannt. Besonders in dem gewaltigen Weltkriege, der das vaterländische Gefühl und die Vaterlandsliebe wieder neu geweckt und gestärkt hat, glaubt der Verein die Pflicht zu haben, in diesem Sinne in immer weiteren Kreisen zu wirken. Er hofft daher auch in Godesberg mit seinen Bestrebungen freundliche Aufnahme und kräftige Teilnahme zu finden. Herr Dr. Günther wird in einem Vortrage über Ohr und Sprache vor die Besucher treten, während das Schlusswort der stellvertretende Vorsitzende des Bonner Vereins, Pfarrer Dr. Richter, sprechen wird. Vereinsblätter und Werbeschriften werden umsonst dargereicht werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Adventsgemüse. Vom Vorgebirge schreibt man uns: Ein großer Teil des hier viel angebauten Adventsgemüses geht in diesem Jahr frühzeitig in Samen über. Es ist dies eine auffallende Erscheinung, die wohl mit der Güte des Saatgutes zusammenhängt. Jedoch dürfte auch die starke Kälte und die plötzliche Einsetzung der Hochsommerhitze nicht ohne Einfluß darauf gewesen sein. Wirsing und Rotkohl zeigen dieses „Durchgehen“ nicht so viel, während Spitz- und Weißkohl zum großen Teile spitzt. Die Blätter solcher Pflanzen können jedoch verwertet werden und liefern ein gehaltreiches Grüngemüse.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Pfingstkleider. Erfahrungsgemäß entwickelt sich vor den Festtagen bei dem Bekleidungsamt ein außerordentlich starker Andrang. Eine rasche Abfertigung an diesen Tagen kann das Bekleidungsamt nicht gewährleisten, zumal die Prüfung der Bedarfsfrage in jedem einzelnen Fall viel Zeit beansprucht. Wer daher langes Warten vermeiden und seine Wünsche in aller Ruhe vortragen will, schiebe seine Anträge nicht bis auf die letzten Tage auf, sondern erledige sie zu Anfang der Woche.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 22. Mai 1917
Ostpreußen und sein Hindenburg. Diesen Namen trägt ein Filmschauspiel mit einem Vorspiel und fünf Akten, das von heute ab in den Bonner Lichtspielen vorgeführt wird. Der Film bringt Bilder aus der Geschichte Ostpreußens von der Heidenzeit an, er schildert dann das erschütternde Flüchtlingselend in den ersten Monaten dieses Krieges und zeigt, wie dem Lande durch Hindenburg und unsere Feldgrauen der Friede wiedergegeben ist und neues blühendes Leben ersteht. Der Film hat nach den uns vorliegenden Presseurteilen eine tief ergreifende Wirkung. Er wird in allen größeren Städten Deutschlands vorgeführt, ein erheblicher Teil des Reinertrages kommt der Ostpreußenhilfe zugute.
Der Ausflugsverkehr am vorgestrigen Sonntag war, dem prächtigen Frühlingstag entsprechend, außerordentlich stark. Die Vorortbahnen konnten den großen Andrang kaum bewältigen, und die Rheinschiffe waren alle gedrängt voller Menschen. Die Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft hat in Bonn allein 2200 Fahrscheine nach Königswinter, Grafenwerth und Rolandseck ausgegeben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Unterhaltung für Verwundete. Der Verein katholischer kaufmännischer Beamtinnen und Gehülfinnen bereitete am Himmelfahrtstage den Verwundeten des St. Franziskus-Hospitals durch den Vortrag hübscher Chorlieder, Terzette, Duette und durch Klaviervorträge einige genußreiche Stunden. […]
30 Gramm Butter werden in dieser Woche an jede bezugsberechtigte Person abgegeben.
Zwei Pfund Zucker. Nach der Bekanntmachung städtischen Lebensmittelamtes können in der Zeit vom 23. bis 31. Mai ds. Js. in den städtischen Verkaufsstellen gegen Zusatz Zuckerkarte Nr. 1 zwei Pfund Einmachzucker entnommen werden. Der Preis für den Einmachzucker beträgt 0,35 Mk. für das Pfund. Für den Zucker, der außerdem gegen die laufende Zuckerkarte abgenommen werden kann, bleiben die bisherigen Preise unverändert bestehen und zwar 0,32 Mk. für das Pfund Stampfzucker und 0,34 Mk. für das Pfund Würfelzucker. Den Verbrauchern wird empfohlen, den Einmachzucker nur für Einmachzwecke zu verwenden, da im Monat Juli nur noch geringe Mengen Zucker für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden können.
Um 1000 Mark bestohlen wurde am Sonntag ein Händler von auswärts, der mit einem jungen Mädchen, das er hier kennen gelernt hatte, eine Bierreise durch die verschiedensten Lokale machte. Der Händler trank bei dieser Gelegenheit derart viel, daß er sich schließlich in eine Anlage zum Schlafen niederlegte. Beim Erwachen bemerkte er, daß ihn seine Begleiterin um sein ganzes Geld bestohlen hatte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Ein belgischer Kriegsgefangener, der entwichen war, wurde in vergangener Nacht, als er die Rheinbrücke passieren wollte, festgenommen und dem Garnisonskommando zugeführt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 23. Mai 1917
Aus dem städtischen Lebensmittelamt. Für die Pfingstwoche sollen wieder etwas reichlichere Mengen Lebensmittel ausgegeben werden, und zwar der Feiertage wegen schon vom übermorgigen Freitag ab.
Für diese Woche werden noch Speck und Eier verkauft, und zwar Speck, 50 Gramm, am morgigen Donnerstag, Eier, zwei für jeden Einwohner, wie gewöhnlich Freitag und Samstag.
Das Gemüse ist in den letzten Tagen wieder etwas reichlicher nach Bonn gekommen, der gestrige Markt war sogar recht gut beschickt. Endlich sind nun auch die Preise für Gemüse und Obst geregelt worden. Am heutigen 23. Mai treten im Stadtkreise Bonn die Groß- und Kleinhandelshöchstpreise in Kraft, die für den ganzen Regierungsbezirk einheitlich festgesetzt worden sind. Es handelt sich jetzt, worauf ausdrücklich hingewiesen sei, um Höchstpreise, nicht, wie früher, um Richtpreise; Ueberschreitungen dieser Höchstpreise werden schwer bestraft, mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe bis zu 10.000 Mark. Damit die Verkäufe überwacht werden können, müssen die Großhändler und Erzeuger über jeden Verkauf einen Schlußschein ausfüllen und diesen Schein drei Monate aufbewahren. […] Zunächst sind Höchstpreise für Spargel, Rhabarber und Spinat festgesetzt worden. […]
Es ist der Wunsch geäußert worden, es möchten die Knochen, die die Haushaltungen an die Metzger zurückliefern, bezahlt werden. Das ist bei der geringen Knochenmenge, die der einzelne Haushalt zurückliefert, ganz undurchführbar. […] Es wird daher von der vaterländischen Gesinnung der Bevölkerung erwartet, daß sie auf Bezahlung verzichtet und trotzdem im Nutzen der Allgemeinheit die Knochen so sorgfältig wie möglich sammelt und abliefert.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Mozarts „Zauberflöte“ wurde gestern abend im Stadttheater von den „Kölnern“ in einer im allgemeinen vortrefflichen Wiedergabe geboten. […] Das Haus war bis fast auf den letzten Platz besetzt.
Heinrich Lersch, „der Sänger des deutschen Krieges“, wie Julius Bab ihn nennt, wird am Samstag, 2. Juni im Saal der Lese aus seinen Dichtungen vortragen. Der junge Kesselschmied schrieb schon vor Kriegsbeginn wertvolle Lyrik und die Kriegsgesänge, die er später dem deutschen Volke geschenkt hat, ließen seinen Namen bald hell durch ganz Deutschland ertönen. Friedens- und Kriegs-Dichtungen wird Lersch an seinem Abend zu Gehör bringen. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Wer Getreide liefert, hilft uns siegen! Landwirte, die Kraft der Feinde erlahmt! An Euch ist’s, den Sieg zu vollenden: Liefert Getreide ab, sofort und trotz Bestellzeit. Wir brauchen es dringend.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Gestern morgen mußte man den Bauernfrauen auf dem Markte für einen Zweig Flieder 40 Pfg. zahlen. Als ich im Hofgarten die Universität passierte, sah ich dort den schönen Flieder umherstehen. Könnte man nicht denselben schneiden und zum Besten der Witwen und Waisen auf dem Markte verkaufen? Auf Anregung fänden sich vielleicht auch Private, die ihren überflüssigen Blumenflor zu gutem Zweck hergäben. Das würde auch gleichzeitig dem Wucher der Bauernfrauen ein Ende bereiten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Donnerstag, 24. Mai 1917
Die hiesige Ortsgruppe des Unabhängigen Ausschusses für einen Deutschen Frieden teilt uns mit: Am Donnerstag, 31. Mai, abends wird Herr Landtagsabgeordneter Dr. Traub aus Dortmund, Mitglied der freisinnigen Volkspartei des preußischen Abgeordnetenhauses, hier im großen Saale des Bonner Bürgervereins im Sinne eines unbeugsamen Siegeswillens und eines starken Hindenburgfriedens einen Vortrag halten, in dem er sich an alle Volksschichten ohne Unterschied der Partei und des Bekenntnisses wendet. Daran sollen sich entsprechende patriotische Kundgebungen an Kaiser und Kanzler anschließen. […]
Keine unnötigen Reisen zur Pfingstzeit. Es ist vaterländische Pflicht eines Jeden, unnötige Reisen, besonders zur Pfingstzeit sowohl im eigenen als auch im Interesse der beurlaubten Heeresangehörigen zu unterlassen. Ueber Pfingsten fahren, wie die Eisenbahndirektionen bereits bekannt gegeben haben, auf keinen Fall mehr Züge als bisher, so daß Personen, deren Reisen nicht unbedingt notwendig sind (z. B. für Zwecke der Landwirtschaft, Industrie usw.) mit Zurückbleiben wegen Ueberfüllung der Züge zu rechnen haben.
„Ostpreußen und sein Hindenburg“, der diese Woche in den Bonner Lichtspielen vorgeführte Film, darf nachmittags auch der Jugend vorgeführt werden. Der Film ist ein erfreuliches Beispiel dafür, daß die Lichtspielkunst auch im Dienste der Schulen verwendet werden kann. Er ist außerordentlich reich an packenden, vaterländisch begeisternden Bildern und enthält dazu viele sehr feine Landschaftsaufnahmen. […] Der Hauptteil schildert das traurige Schicksal dieser unserer östlichsten Provinz in den ersten Monaten des Weltkrieges, dann die denkwürdigen Schlachten bei Tannenberg und in Masuren sowie den Wiederaufbau des zerstörten Landes, nachdem ihm unsere tapferen Feldgrauen unter Hindenburgs überlegener Führung den Frieden wiedergegeben hatten. Vor allem die russischen Greueltaten sind leider nur zu wahrheitsgetreu geschildert und erwecken Mitgefühl mit den vielgeprüften ostpreußischen Landsleuten. Ein gleiches Schicksal hätten unsere westlichen Feinde wohl auch unserem Rheinlande bereitet; daß es ihnen nicht gelungen ist, muß jeden mit unauslöschlichem Dank gegen unsere Krieger erfüllen und den Willen zum Durchhalten stärken trotz der mancherlei Entbehrungen, die auch wir zu tragen haben, die aber nichts sind gegen die Leiden und Opfer unserer ostpreußischen Brüder und Schwestern.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Durch Steineauflesen und Unkrautjäten leisteten in den letzten beiden Wochen 16 Gruppen der Bonner Hilfsmannen (Volksschüler) den Grundbesitzern der Umgegend schätzenswerte Dienste. Im Norden der Stadt wurden in den alten Sandgruben die Blüten des schädlichen Huflattichs gesammelt und dadurch der umliegenden Landwirtschaft eine nicht zu unterschätzende Hilfe geleistet. Die Bonner Eisenbeton-Industrie ließ ebenfalls ihre Grundstücke von Unkraut säubern und stellte größere unbenützte Flächen freiwillig und kostenlos zum Anbau von Kartoffeln zur Verfügung.
Der Bonner Wochenmarkt war gestern gut beschickt. Gemüse, wie Rübstiel, Spinat und Schneidgemüse, war reichlich vorhanden. Auch hiesiger Spargel, hiesiger Kopfsalat und Rhabarber kommt jetzt in großen Mengen auf den Markt. […] An holländischen Marktprodukten waren Möhrchen, Blumenkohl, Kopfsalat und Rhabarber zu den festgesetzten Einheitspreisen reichlich zu haben. […] Die Preise für diejenigen Waren, für die keine Höchstpreise festgesetzt sind, blieben im allgemeinen unverändert. Der Verkauf war durchweg nicht besonders flott.
Auch der Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte gestern in fast allen Marktprodukten große Zufuhren; besonders in Rübstiel, Schneidgemüse,Spinat, hiesigem Spargel, sowie in Gemüsepflanzen. […] Der Verkauf war im allgemeinen schleppend und wurde der Markt nicht ganz geräumt.
Beim städtischen Verkauf auf dem Wochenmarkt war gestern der Zuspruch außer in Fischen auch nicht so rege wie sonst. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Arndt-Eiche. Gestatten Sie, daß ich zu den Anregungen, die auf die Förderung der Arndt-Eiche hinauslaufen, eine kurze Bemerkung mache.
Die Sammlung für die Arndt-Eiche mag ja an sich gut und wohl sein, es ergehen aber jetzt so viele Anforderungen an einen, daß man froh sein kann, wenn man, ohne Schulden zu machen, durchkommt.
Dazu kommt, daß man so häufig von auswärts, besonders von Berlin, Bettelbriefe, Postkarten, Bilder und andere Sachen zugesandt erhält. Es erhöht auch nicht die Freude der Geber, wenn man annimmt, daß vielfach bei dieser Art Sammlung die Fabrikanten der betr. Artikel viel verdienen und die Gabe nur zu einem geringen Teil dem betr. Zweck zukommt. Ein Familienvater.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Der Pfingstverkehr! Vom 26. bis 29. Mai werden Fahrkarten zu den D-Zügen nur verausgabt, wenn die zu durchfahrende Strecke 60 Kilometer übersteigt. Auch die Ausgabe von Personenzugfahrtkarten kann nur in beschränktem Maße erfolgen und wird eingestellt, falls eine Ueberlastung der Züge oder eine Gefährdung ihrer pünktlichen Ablassung zu befürchten ist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 25. Mai 1917
Aeußerste Vorsicht gegenüber Kriegsgefangenen. Unsere Feinde versuchen ihren schändlichen Aushungerungsplan auf einem neuen Wege zu verwirklichen. Die Kriegsgefangenen sollen unsere Landwirtschaft zu Grunde richten, sie sollen landwirtschaftliche Gebäude in Brand stecken, das Vieh vergiften, das Saatgut beschädigen und dadurch die nächste Ernte gefährden. Verdächtige Werkzeuge und Stoffe sind in der Gefangenenpost gefunden worden, darum ist äußerste Vorsicht geboten.
Mehr Achtung vor der vaterländischen Arbeit. Aus Arbeiter- und Arbeiterinnenkreisen und auch von anderen Stellen wird darüber geklagt, daß Frauen und Mädchen wegen der gelben Hautfarbe, die durch die Arbeit mit Pikrinsäure in den Pulverfabriken entstanden ist, vielfachem Spott und sogar Gehässigkeiten ausgesetzt sind. Vielleicht ist es auch auf diesen Umstand zurückzuführen, daß die Pulverfabriken, besonders in den Pikrinsäure-Preßbetrieben, sehr großen Arbeiter- und Arbeiterinnenmangel haben. Dabei ist es gerade augenblicklich von allergrößter Wichtigkeit für unseren Munitionsersatz, daß in den Pikrinsäure-Betrieben der Arbeitermangel nicht noch verschärft wird. Die gedankenlosen Spötter sollten sich bewußt werden, daß die gelbe Hautfarbe ein Merkmal wertvollster Kriegsarbeit und ein ehrendes Zeichen ist, daß sie selbst aber mit ihrem mehr oder weniger kränkenden Spott das Vaterland nur schädigen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Es zeugt von einem sehr geringen Maße von Verständnis für die Pflichten der Dankbarkeit gegenüber den Witwen und Waisen unserer gefallenen Krieger, wenn „ein Familienvater“ in dem gestrigen „Eingesandt“ von der Nagelung an der Arndt-Eiche abrät. Gibt es wohl eine höhere Bezeugung von wahrer Vaterlandsliebe, als der Hinterbliebenen derer mit der Tat zu gedenken, die im Kriege für uns gelitten und ihr Leben für uns hingegeben haben? Wohl gibt es mancherlei Sammlungen für Wohlfahrtszwecke, die durch den Krieg unumgänglich sind, aber was bedeuten denn die „Belästigungen“ des Bürgers, der in seiner Ruhe nicht gestört sein möchte, gegenüber den unsäglichen Leiden der Kämpfer draußen im Felde und dem Unglücke ihrer Witwen und Waisen? Darum, Bonner Bürger, laßt Euch nicht miesmacherisch beeinflussen und verseht, wenn es noch nicht geschehen ist, die Arndt-Eiche mit einem Ehrennagel. Auch ein Familienvater.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Die elektrische Fähre Godesberg-Niederdollendorf G.m.b.H. muß wegen Mangels an Betriebsstoffen ihren Uebersetzverkehr einschränken. Deshalb sind die Abfahrzeiten (wie in der heutigen Bekanntmachung ersichtlich), halbstündlich festgesetzt worden, falls kein Verkehrshindernis, wie Schleppzüge usw. vorliegt.
Schulkinder bei den Feldarbeiten. In den letzten Tagen konnte man ganze Reihen von Schulkindern, mit einem kleinen Stecher versehen, die Getreidefelder, (Weizen- und Haferparzellen) durchschreiten sehen. Sie waren auf der Jagd nach den Disteln, die durch ihre starken Wucherungen und ihr schnelles Wachstum die benachbarten Getreidehalme nicht zur Entwicklung kommen lassen und dadurch die Ernte um eine Bedeutendes herabzumindern vermögen. Die Kinder benahmen sich recht geschickt; man konnte sie ohne Aufsicht ihre Arbeit verrichten lassen. Noch mehr aber werden die Kinder in Anspruch genommen beim Vereinzeln der Zuckerrüben, das in wenigen Tagen seinen Anfang nimmt. Da haben sich die Großgrundbesitzer die Mithilfe einer ganzen oberen Schulklasse gesichert. Unter Aufsicht der Lehrpersonen werden sie das Vereinzeln und Reinigen vornehmen und hofft man auf diese Weise, der vielen Arbeiten Herr zu werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Heldenfriedhof. Wer wie Einsender in letzter Zeit Gelegenheit hatte, den Bonner Ehrenfriedhof – Nordfriedhof – zu sehen, wird sehr enttäuscht gewesen sein beim Anblick der Gräber unserer gefallenen Brüder. Keine Spur von gärtnerischem Blumenschmuck. Nur spärliche Epheuranken bedecken den Grabhügel. Es kann der städtischen Gartenverwaltung doch nicht schwer fallen, die nötigen Zierpflanzen zu beschaffen. Sollte es an Arbeitskräften fehlen? Nein, da wird unsere opferfreudige Bonner Jungmannschaft mit Freuden eingreifen und unter fachmännischer Leitung die Gräber in einen der Toten würdigen Zustand setzen. Auch die vorhandenen Grabkreuze bedürfen eines neuen Anstriches. Die städtischen Anlagen in der Poppelsdorfer Allee, Hofgarten usw. prangen im Blumenschmucke, schöne weiße Bänke laden den Spaziergänger zum Sitzen ein. Unsere Brüder stehen draußen wie eine stählerne Mauer. Ihnen verdanken wir es, daß unser schönes Bonn vor Kriegsgreuel und Zerstörung bewahrt geblieben. Eine heilige Pflicht aber ist es, die Gräber der gefallenen Krieger zu pflegen und zu schmücken. Eile tut not. In den Pfingsttagen werden sicher viele auswärtige Angehörige ihre lieben Toten besuchen. Sollen sie es bereuen, die Ausschmückung der Gräber der Stadt Bonn anvertraut zu haben? Civis.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Samstag, 26. Mai 1917
Vereinslazarettzug K. 1 Bonn. Der Lazarettzug ist neulich auf dem Bahnhof Hoyerswerda (Oberlausitz) von einem rangierenden Güterzug angefahren worden. Es wurden der Magazin-, Küchen- und Vorratswagen mehr oder weniger stark beschädigt, aber vom Personal niemand verletzt. Die Aufräumungsarbeiten sind schon vollendet, und da die Militärverwaltung für raschen Ersatz der beschädigten Wagen Sorgen tragen will, so dürfte der Zug in wenigen Tagen wieder fahrtbereit sein.
Pfingstverkehr. Die Lokomotiven und Wagen werden augenblicklich für die Bedürfnisse der kämpfenden Heere, der Volksernährung und der Kriegswirtschaft gebraucht. […] Wer nicht unbedingt reisen muß, der verzichte auf Benutzung der Eisenbahn. Das Vaterland verlangt das.
Man braucht trotz dieser ernsten Mahnung jedoch nicht auf einen Pfingstausflug zu verzichten, nur soll dazu nicht die Staatsbahn benutzt werden. Die Rheinschiffe, die elektrischen Vorortbahnen, die Vorgebirgsbahn und auch die schmalspurige Brölthalbahn dienen weniger den Bedürfnissen des Heeres und der Volksernährung, sie sind sogar auf einen starken Ausflugsverkehr vorbereitet. Vor allem die Brölthalbahn, die von Beuel (am Rheinufer) abfährt, bietet die beste Gelegenheit zu Tagesausflügen in die anmutigen Pleisbach, Bröl- und Hanfbachtäler.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zur Entlastung der Eisenbahn während der Pfingstfeiertage wird der Verkehr nach den durch elektrische Bahnverbindungen zu erreichenden Orten vom 26. Mai ds. Js. nachm. 5 Uhr bis zum 28. Mai nachm. 5 Uhr gesperrt.
Fahrkarten nach den folgenden Bestimmungsstationen werden mithin in dieser Zeit nicht ausgegeben: Von Bonn, von Godesberg und von Mehlem untereinander und nach den Stationen an der Strecke Bonn – Köln (Bahnhöfe Köln einschließlich.)
Der Monatskarten-, Arbeiter- und Militärverkehr wird von dieser Maßnahme nicht betroffen.
Bis einschließlich 29. ds. Mts. dürfen Bahnsteigkarten nicht verabreicht werden.
Die Verwendung von Studenten als Volksschullehrer hat der Unterrichtsminister jetzt zugelassen. Voraussetzung soll sein, daß diese Studenten von dem Leiter der betreffenden Schule ausreichend angeleitet werden können.
Der Bonner Wochenmarkt war gestern gut beschickt. Grüngemüse, wie Rübstiel, Schneidgemüse und Spinat, war in großen Mengen vorhanden. Ebenfalls war hiesiger und Mainzer Spargel reichlich zu haben. Die Zufuhr in Rhabarber hat in den letzten Tagen etwas nachgelassen. Hiesiger Kopfsalat kostete 15 bis 20 Pfg. das Stück. In holländischen Marktprodukten war gestern keine Zufuhr. Für die Waren, für die keine Höchstpreise festgesetzt sind, blieben die Preise im allgemeinen unverändert. Der Verkauf war durchweg flott, besonders in Spargel, Salat und Grüngemüse.
Auch der Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte in fast allen Marktprodukten wieder große Zufuhren, besonders in Rübstiel, Schneidgemüse, Kopfsalat und Spinat. Hiesiger Spargel und Rhabarber war nicht besonders viel vorhanden. Kopfsalat wurde hier im großen mit 12 bis 18 Pfg. das Stück bezahlt. Der Verkauf war im allgemeinen sehr flott und der Markt um 7.30 Uhr früh schon wieder fast vollständig geräumt.
Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt erfreute sich wieder eines recht regen Zuspruchs, besonders in Fischen, Gemüse und Spargel, worin auch reichliche Vorräte vorhanden waren. […]
Strafkammer zu Bonn. Als ein verwerfliches Treiben bezeichnete der Vorsitzende der Strafkammer die Handlungsweise der 18jährigen Tochter des Bäckermeisters Schm. aus Beuel, die Brot ohne Brotkarte verkauft und sich durch Fälschung von Mehlbezugsscheinen in den Besitz von 16 Zentnern Mehl gesetzt hatte. Die Angeklagte, die im väterlichen Geschäft tätig ist, hatte wiederholt an russich-polnische Arbeiter Brot ohne Marken abgegeben. Hierdurch kam ihr Vater in Rückstand mit seinem Mehl. Das Mädchen versuchte deshalb einen Ausgleich zu schaffen und änderte die von der Behörde ausgestellten Bezugsscheine für Mehl auf höhere Mengen um. Auf diese Weise kam der Vater unberechtigt in den Besitz von 16 Zentnern Mehl. Vor der Strafkammer gab die Angeklagte die Tat unumwunden zu. Das Gericht war der Ansicht, daß derartige Fälle streng bestraft werden müssen und erkannte auf eine Geldstrafe von 750 Mark und eine Gefängnisstrafe von einem Monat.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
Fleisch. Am Pfingstsamstage werden auf die Zusatzfleischkarten Rind- und Kalbfleisch sowie Blut- und Leberwurst zu den bisherigen Preisen verausgabt. […]
Fett. In der kommenden Woche werden 30 Gramm Butter und 30 Gramm Margarine ausgegeben.
Kartoffeln. In der kommenden Woche werden noch auf die Kartoffelkarte 5 Pfund Kartoffeln und auf die Zusatzkartoffelkarte weitere 3 Pfund abgegeben. Da aber in der Kartoffelzufuhr in den letzten Tagen keine Besserung eingetreten ist, werden voraussichtlich vom 4. Juni ab nur 4 Pfund Kartoffeln verteilt werden. Diese Herabsetzung ist erforderlich, damit wir unter allen Umständen bis zur neuen Ernte durchhalten. […]
Eier. Auf jede für diese Woche bestimmte Eierkarte gelangen 2 Eier zu Abgabe. Der Verkauf beginnt Freitagmorgen.
Bekleidungsamt. Bezugsscheine auf Handtücher, die von Privatbetrieben für ihre Büroangestellten beantragt werden, dürfen nicht mehr ausgestellt werden. Angestellte der Fabrik-, Gewerbe- und Handelsbetriebe müssen sich die im Dienste erforderlichen Handtücher aus ihren eigenen Beständen mitbringen. […] Mehrere Personen haben sich auf den Namen ihrer Dienstboten ohne deren Wissen Bezugsscheine ausstellen lassen. Diese Handlungsweise ist strafbar. […]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 27. Mai 1917
Gemüsepflanzen, Bohnenstangen und Erbsenreiser werden vom städtischen Lebensmittelamt abgegeben. Wir verweisen auf die heutige Anzeige.
Der Blumenschmuck unserer öffentlichen Anlagen, der in Friedensjahren Einheimische und Fremde entzückte und auch in den beiden ersten Kriegsjahren noch in größerem Umfange beibehalten werden konnte, muß heuer hinter andere, dringendere Aufgaben zurückgestellt werden. An Stelle zahlreicher Blumenbeete haben wir in diesem Sommer nur grüne Rasenflächen, andere Beete sind einfacher wie früher gehalten, damit ihre Unterhaltung weniger Arbeitskraft erfordert. Trotz aller Schwierigkeiten hat aber auch in diesem Jahre die Stadtgärtnerei den Platz am Eingange der Poppelsdorfer Allee rechtzeitig zu Pfingsten mit Blumen bepflanzen lassen, in dem schmalen Beete, das sich in gefälligen Windungen um die ganze Anlage hinzieht, wird Phlox von Begonien und Ageratum eingefaßt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
U-Boot-Spende. Die Erinnerung an den 1. Juni 1916, an dem unsere junge Flotte der englischen eine schwere Schlappe beibrachte, läßt aller Deutschen Herzen höher schlagen.
Zur rechten Zeit darum rufen der Reichskanzler, Generalfeldmarschall von Hindenburg, Admiral von Capelle und der Präsident des Reichstags Dr. Kaempf das deutsche Volk zu einer U-Boot-Spende auf.
Der 1., 2. und 3. Juni ds. Js. sollen Opfertage größten Stils sein. Die Bonner Volksspende macht die schon 3 mal bewährte Zettelsammlung mit Hilfe der Volksschüler. Ehrenamtlich tätige Damen werden eine Büchsensammlung vornehmen. In den Lichtspieltheatern wird in jeder Vorstellung ein U-Boot-Film abgekurbelt.
Kriegsnotgeld. Der Oberbürgermeister macht in der heutigen Nummer unseres Blattes bekannt, daß in den Kreisen Bonn-Stadt, Bonn-Land und im Siegkreis einheitliches Kriegsnotgeld zur Ausgabe gelangt und zwar 50 Pfennigscheine und 10 und 5 Pfennigstücke aus Metall.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Unterhaltungsabende in Lazaretten. Einer gegebenen Anregung zufolge faßte der Ausschuß des Soldatenheims im Gesellenhause vor einiger Zeit den Entschluß, auch den nicht gehfähigen und bettlägerigen Verwundeten in den einzelnen hiesigen Lazaretten Unterhaltungsabende zu geben, damit sie, die am schwersten geprüft sind, durch eine gute fröhliche Unterhaltung wenigstens für einige Stunden aufgeheitert würden. Nachdem die zuständigen Behörden ihre Einwilligung zu diesem Plane erteilt und unter Leitung des allzeit überaus rührigen Ausschußmitgliedes Herrn L. Schröder die nötigen Vorbereitungen getroffen waren, begannen kurz vor Ostern die Unterhaltungsabende in den Lazaretten. Bis Pfingsten sind nun solche Abende in folgenden 13 Lazaretten abgehalten worden: Augenklinik (2 Mal), Medizinische Klinik, Chirurgische Klinik, Friedrich-Wilhelm-Stift, Barmherzige Brüder, Marienhospital, Johanneshospital, Josefshospital Beuel, Franziskushospital, Herzsche Anstalt, Albertinum, Leoninum, Josefshöhe. Bei jeder Veranstaltung hatten Mitglieder des Ausschusses, die sich in die Arbeit teilten, die Leitung. Die Unterhaltungen bestanden durchweg in musikalischen, gesanglichen und deklamatorischen Darbietungen, in einem Falle, wo eine provisorische Bühne vorhanden war, auch in einer kleinen Theateraufführung. Es wurde darauf gesehen, daß die Vortragsfolge möglichst abwechslungsreich war, um dadurch allen etwas zu bieten. Die nötigen Kräfte hatten sich jederzeit gerne dem Ausschuß für diese Zwecke zur Verfügung gestellt; es waren alles Kräfte, die auch schon im Soldatenheim selbst erfolgreich mitgewirkt hatten. Den Lazaretten wurde jedesmal rechtzeitig eine Vortragsfolge zur Bekanntmachung zugesandt. Die Teilnahme seitens der Verwundeten war sehr stark und die Freude der Soldaten über diese Einrichtung groß.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Arndteiche. In den letzten Tagen wird wieder alles Mögliche geschrieben, um die Nagelung der Arndteiche zu fördern und die 100.000 Mark vollzumachen, die doch mindestens erforderlich sind, um das der Stadt Bonn würdige Kriegswahrzeichen auch finanziell in gutem Andenken zu bewahren. Vereine und Gesellschaften fast ausnahmslos, viele Familien, Firmeninhaber haben sich mit Stiftungen von Plaketten und Nägeln beteiligt, manche sogar mehrere Male. Die Schulen sind animiert worden u. a. m., aber trotz alledem will es mir nicht recht einleuchten, weshalb die „höheren Zehntausend“ in so geringer Zahl auf dem Kriegswahrzeichen vertreten sind. Man hätte glauben sollen, bei Inangriffnahme der Nagelung seien in einigen Wochen 100.000 Mark zusammengekommen. Bonn mit all seinen Millionären!!! Aber hier hat auch, wie sonstwo der Mittelstand hauptsächlich die Nagelung besorgt, nur Wenige aus dem vornehmen Süden zeigten eine rühmliche Ausnahme. Nun möchte ich einen Vorschlag machen. Wie wäre es mit einer Festvorstellung in unserem Theater durch die Kölner Oper, deren völlige Einnahme der Arndteiche zufließen müßte. In unserer großen Nachbarstadt Köln sind derartige Veranstaltungen für den „Kölschen Boor“ fast wöchentlich. Da gibt es natürlich auch Kammermusik- und sonstige Künstlerabende, deren Reinerlös diesem Zwecke zugeführt wird. Die Meistersinger sind erst neulich als Festvorstellung mit ersten Kräften gegeben worden. Diese kerndeutsche Oper, die ständig in Köln auf der Rolle ist, wird auch hier ziehen. An gutem Willen der Solisten, die bei uns stets gut aufgenommen sind, wird es nicht fehlen. Ist das Orchester nicht zu haben, so lasse man unseren städt. Musikdirektor Sauer nur sorgen, er wird auch die Vorstellung glanzvoll herausbringen und einige 1000 Mark sind uns sicher. Also frisch heran ans Werk, bringe eine Festvorstellung verehrte Arndteiche und du wirst glänzend belohnt werden! Ein Urbönnscher.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Montag, 28. Mai 1917
Am Pfingstmontag erschienen in Bonn keine Zeitungen.
Dienstag, 29. Mai 1917
Kriegspfingsten am Rhein. Es war äußerlich ein Bild des Friedens, dieses dritte Kriegspfingsten am Rhein. Wer nicht in den Herzen las, wer nur das Bild in sich aufnahm, wie es unsere Gartenstadt in ihrer bezwingenden Maienschönheit mit den Promenadekonzerten in der Poppelsdorfer Allee darbot – belebt von festlich gekleideten Menschen, erfüllt von der frühlingsfrohen Jugend in hellen Gewändern, der konnte für kurze Stunden vergessen, daß nur die treue, todesmutige Wacht unserer Lieben in Feldgrau und unserer Tapferen zur See es uns daheim ermöglichten, den Geist des Festes in unseren von fruchtbringendem Boden gesegneten Rheinlanden friedlich in uns aufzunehmen. Aber wer schon schärfer die festesfrohen Menschen beobachtete, der sah, daß nicht allzu selten die farbenfroh schimmernden Gewänder der Frauen, Mädchen und Kinder dem ernsten Schwarz des Trauerkleides Raum geben mußten. Und wer gar eingedenk blieb, daß unsere Rhein- und weinfrohe Gartenstadt, die um Pfingsten auch heuer Eingangs- und Ausgangspforte tausender lenzesfreudiger Menschenkinder aus der weiteren Umgebung und vom Niederrhein ward, die zu Schiff die Herrlichkeiten unserer Rheinlandschaft zu genießen strebten, jetzt auch als Lazarettstadt Verwundete und Kranke aus dem Felde in großer Zahl beherbergt, dem lachte die Pfingstsonne trotz ihres gütigen heiteren Antlitzes nicht ungetrübt. Tröstlich war uns dieses dritte Pfingsten im Kriege insofern, als es uns beim Wandern durch Fluren und Felder zeigte, daß der Geist des Festes auch draußen in der Natur lebendig ist, daß er das Hoffen unserer Feinde auf Ernährungsschwierigkeiten zunichte machen wird. Und die Stimmung der Menschen, die sich in der blühenden sprossenden Natur ergingen, sie war nicht niedergebeugt. Wohl zeigte sich mancher nicht mehr so wohlbeleibt wie in der Zeit der Nahrungsfülle des Friedens. Aber auch jetzt, wo nach Auffassung unserer Feinde die Schwierigkeiten in der Ernährung vor der neuen Ernte ihren Höhepunkt erreichen sollen, ist nichts zu bemerken von ernster Besorgnis. Von den unzähligen Pfingstausflüglern, die an den Festtagen zu Fuß, mit der „Elektrischen“ oder zu Schiff die alten lieben Rheinorte, insbesondere unser Siebengebirge aufsuchten, war wohl keiner, der die Einwirkung der Nahrungsrationierung nicht an sich verspürte. Aber trotzdem war die Wanderlust so rege wie zu Friedenszeiten. Hätten doch unsere angelsächsischen Vettern, die früher so gern an den Rhein kamen, dieses Pfingsten 1917 bei uns einmal beobachten können; sie würden an dem Bilde, das sich ihnen ungeschminkt darbot, erkennen können, da wir an Zähigkeit und vaterländischem Zielbewußtsein ihnen über sind. Auch dieses Pfingsten am Rhein hätte ihnen gesagt, diese Deutschen und insbesondere diese Rheinländer sind nicht unterzukriegen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Ehre, Hochachtung und Dank schulden wir alle denen, die mitgeholfen haben, den Feind von unseren Grenzen fern zu halten: In erster Linie unseren braven Truppen draußen im Felde, dann aber auch all denen, die zu Hause mitgewirkt haben, unsere Erfolge auf dem Schlachtfeld möglich zu machen. Unter ihnen gibt es eine Klasse von Personen, die ganz besonders einmal der allgemeinen Wertschätzung empfohlen werden soll und zwar deshalb, weil gerade sie in der Tat sehr oft das Gegenteil dessen von ihren Mitmenschen erfährt, was sie verdient. Es sind jene Arbeiter und Arbeiterinnen, die durch ihre Arbeit mit Pikrinsäure in den Pulverfabriken eine unschöne Hauptfärbung erdulden müssen. Sind sie doch in gewissem Sinne unseren verwundeten Helden gleich zu achten. Auch sie bringen einen Teil ihrer Persönlichkeit dem Vaterland zum Opfer und müssen von uns als Muster echter Selbstverleugnung geachtet werden. Ihr Aeußeres muß uns als ein Ehrenzeichen für wertvolle Kriegsarbeit gelten. Schimpf und Schande daher über die, welche darin Anlaß finden zu kränkenden Bemerkungen! Suchen wir vielmehr diesen Personen durch kleine Aufmerksamkeiten im Verkehr, auf der Straße, in den Bahnen oder sonst, wo wir mit ihnen zusammentreffen – es gibt der Gelegenheiten für dankbare Menschen genug – zu beweisen, daß wir Verständnis haben für ihren vaterländischen Opfergeist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mein lieber Junge!
Bravo! Der Fremde, der nach Bonn kommt und die Benagelung der Arndt-Eiche, wie sie sich bis jetzt darstellt, sieht, muß einen nicht gerade erfreulichen Eindruck von der Opferwilligkeit der Bonner Bevölkerung erhalten. Noch keine 100.000 Mark in eine Stadt mit so leistungsfähigen Steuerzahlern, einer Stadt, die zu den „reichen“ Städten Deutschlands gerechnet wird! Der sel. Ernst Moritz Arndt, wenn er in der Walpurgisnacht von seinem Sockel hinuntergestiegen wäre und in seinem lieben Bonn Umschau gehalten hätte, hätte sicher ein ungehaltenes Gesicht gemacht, und ein kräftiges Wörtlein losgelassen, eines von denen, die man nicht hinter den Spiegel steckt. Von den 184 Adlerfedern sind noch etwa 110, weit über die Hälfte, nicht verkauft, ganze zwei der Schuppen tragen erst Namen, usw. usw., überall, wo man hinblickt, Lücken, mehr Lücken als Füllung. Also ans Werk. Ich möchte Dir und Deinen Kameraden Folgendes vorschlagen: Teilt Euch die Stadt nach Straßen ein und sucht für jede Straße oder auch mehrere kleine Straßen zusammen einen Betrag zusammenzubringen, der für die Stiftung einer Adlerfeder oder Schuppe oder eines Eichenblattes, oder einer Reihe von Nägeln mit Buchstaben, die aneinander gereiht den Namen der Straße ergeben, ausreicht. Damit wäre die Beteiligung der gesamten Bürgerschaft zum sichtbaren Ausdruck gebracht. Der Bonner Straßennamen sind genug, um eine Anzahl leerer Schilder auszufüllen. Also ans Werk! Ein alter Junge.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Mittwoch, 30. Mai 1917
U-Boot-Spende.
Wieder wendet sich das Vaterland an seine Bürger und fordert sie auf, zu einer neuen Spende beizusteuern. Haben wir durch den herrlichen Erfolg der Kriegsgefangenenspende das Los unserer unglücklichen Brüder lindern können, haben wir durch die Spende für die Soldatenheime und Marineheime unseren ruhebedürftigen Kämpfern ein Stückchen Heimat geschenkt und haben wir durch die Kaisergeburtstagspende 1916 unsere Hilfsbereitschaft im Orte gestärkt, so gilt es heute in der U-Boot-Spende einen Dank abzustatten, der so in aller Herzen geschrieben ist, daß wir kaum Worte brauchen werden, um dafür zu werben, gilt es doch unseren U-Booten, die jetzt ganze Arbeit machen gegen unseren gefährlichsten Feind: England. Für ganze Wochen allein hinaus im kleinen Boot ins weite Meer, ganz auf sich selber, auf ihre eigene Wachsamkeit und Kopf und Herz ihres jungen Führers gestellt, meist unter Wasser im engsten Raum, wo nur treueste Kameradschaft das Aushalten ermöglicht, immer gegenwärtig, den Tod fürs Vaterland in den Wogen zu finden; oder auf unseren schwarzen Husaren des Meeres, den Torpedobooten, Streifen kühnster Art gegen Englands schwer befestigte Küsten vorzunehmen und so dem erbittersten Feinde, der seit vielen Jahren uns einzukreisen versucht, der gegen das ganze deutsche Volk den Hungerkrieg erklärt hat, endlich auf einen deutschen Frieden vorzubereiten. So reißen unsere Seehelden ein Stück nach dem anderen von Englands meerbeherrschender Macht, einen Fetzen nach dem anderen von dem schier undurchdringlichen Lügennetz, mit dem England die Welt umsponnen. Darum gibt jeder, was er kann, und legt sich gerne eine kleine Entbehrung auf, um die Dankesgabe umso größer werden zu lassen.
Wie bei den anderen Spenden verteilt die Bonner Volksspende in allen Familien Aufrufe mit anhängendem Zeichenschein. Die Bonner Volksschüler haben es sich nicht nehmen lassen, sich wieder freudig in den Dienst der guten Sache zu stellen, und werden am 1. Juni die Zettel verteilen und am 2. Juni die Zeichenscheine wieder abholen. Die Einnehmer der Bonner Volksspende werden dann die gezeichneten Beiträge auf ihren Dienstwegen abholen. Auch die Stadthauptkasse und die Banken nehmen gerne Spenden an und führen sie der Hauptsammelstelle hier in Bonn zu, dem Konto: „U-Boot-Spende bei der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft in Bonn“.
Eine Ortskohlenstelle ist jetzt in Bonn, wie der Oberbürgermeister bekannt macht, eingerichtet worden.
Die Tür- und Fenstergriffe aus Messing und Bronze werden, wie eine Abordnung Berliner Hausbesitzervereine in der zuständigen Abteilung des Kriegsministeriums mitgeteilt hat, in etwa drei bis vier Monaten beschlagnahmt werden. Den Hausbesitzern soll dann so viel wie möglich entgegengekommen werden. Es ist beabsichtigt, für ganz Deutschland einheitliche, schwarze Ersatz-Türklinken und Fenstergriffe seitens der staatlichen Organe nicht nur zu liefern, sondern auch gleich nach dem Entfernen der bisherigen sachgemäß anzubringen. Andererseits soll es aber auch in dem Belieben der Hausbesitzer stehen, sich nach eigenem Ermessen und Geschmack anderweitig mit Ersatz bedienen zu lassen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Der Notgroschen, den die Stadt Bonne zusammen mit dem Landkreis Bonn und dem Siegkreis verausgabt, ist jetzt in den Verkehr gebracht worden. Das Stück hat ein gefälliges Aussehen und ähnelt unseren 10-Pfg.-Stücken aus Nickel. Jedoch hat es einen helleren Glanz und ist leichter als diese. Das Geldstück ist aus Eisen hergestellt und ist stark verzinkt. Die Schauseite trägt die Aufschrift „10 Pfennig 1917“, umgeben von Eichenzweigen. Auf der Rückseite steht der Vermerk: „Unter Gewähr der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises 1917“. Da in den nächsten Tagen auch die Metall-Fünf-Pfennigstücke und die 50-Pfennig-Scheine zur Ausgabe gelangen, wird die Kleingeldnot wohl endgültig behoben sein.
Ein Sieg der Sammelbüchse. Fräulein Mathilde Wirth, die seit Kriegsausbruch unermüdlich mit der Sammelbüchse unseres Roten Kreuzes tätig ist, kann mit großer Befriedigung auf den gestrigen Tag zurückblicken. An diesem Tage hat die Sammlung von Fräulein Wirth zu Gunsten des Roten Kreuzes die Summe von 15.000 Mark erreicht. Dieser ganz ungewöhnliche Erfolg mit der Sammelbüchse konnte nur durch den zähen Eifer der Sammlerin und ihre Treue für das Liebeswerk des Roten Kreuzes erzielt werden. Die 72jährige Dame hat in der Kriegszeit bis heute bei jeder Witterung ihrer freiwillig übernommenen Pflicht obgelegen und ist durch ihre Ausdauer für die ehrenamtliche Sammeltätigkeit vorbildlich geworden. Da sich die Summe von 15.000 Mark durchweg aus kleinen und kleinsten Beträgen zusammensetzt, und nicht nur die Sammeltätigkeit selbst, sondern auch die Abrechnung über die einzelnen Tagesergebnisse mit vielerlei Arbeit verknüpft ist, so darf man erwarten, daß das verdienstvolle ehrenamtliche Wirken von Fräulein Wirth dadurch Anerkennung findet, daß man ihrer Tätigkeit auch weiterhin mit wohlwollendem Verständnis begegnet.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Jeder Zentner Getreide ernährt 280 Menschen täglich!-
Landwirte, helft uns siegen! Liefert Getreide ab! Die Lage duldet keinen Aufschub! Wir brauchen jedes Korn, auf daß der Feinde Hungerplan zerschellt. Trotz Bestellzeit müsst Ihr liefern!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mein Kriegswahrzeichen ist in der letzten Zeit der Gegenstand einer Reihe von Zeitungsartikeln gewesen. Ich danke hiermit allen lieben Mitbürgern, welche mir wohlmeinende Ratschläge gegeben haben, um das Werk zu vollenden und zu krönen.
Dem „Familienvater“, dem die Sammlungen zu viel geworden sind, möchte ich aber in Liebe kurz antworten.
1. Ich wende mich nur an die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in der Lage sind, eine Gabe zu spenden.
2. Gegen den Zweck, für den ich sammle, läßt sich wohl auch nicht das Geringste einwenden.
3. Daß ich immer wieder meine Bitte erneuere, und zwar gerade zur jetzigen Zeit, hat doch ebenfalls seine volle Berechtigung.
Unsere tapferen Krieger erneuern ja auch immer wieder ihre Beweise von Mut und Opferfreudigkeit, und gerade in diesen Tagen des Monates Mai vollziehen sich schwerste Kämpfe, welche die Weltgeschichte gesehen. Wenn da mit übermenschlicher Kraft unsere Helden den Feind von unserer Heimat fernhalten, kann es denn wohl eine Zeit geben, in der ich mit größter Berechtigung um Gaben heische, wie jetzt. Darum bitte ich meine alten und neuen Freunde, alle Bürger unserer Stadt, die dazu in der Lage sind, mir ein Scherflein für meine Arndt-Eiche zu geben.
Auch Kriegsanleihe und andere Wertpapiere, Gold- und Schmucksachen nehme ich gerne entgegen.
Euer dankbarer Mitbürger E. M. Arndt, in Eisen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Donnerstag, 31. Mai 1917
Ausgebesserte Kleidung. Die Reichsbekleidungsstelle schreibt in ihren „Mitteilungen“: Es ist heute vaterländische Pflicht, unseren Bestand an Kleidern und Wäsche möglichst lange zu tragen und Neuanschaffungen, wenn irgend möglich, zu vermeiden. Um nun unsere Kleider gebrauchsfähig zu erhalten, ist es notwendig, sobald sich Schäden an ihnen bemerkbar machen, diese durch Flicken zu ergänzen. Um sich hierzu nun das nötige Material zu beschaffen, darf man nicht etwa auf den Gedanken verfallen, in ein Geschäft zu gehen, um sich neue Stoffe zu kaufen. Damit wäre dem Gedanke der Streckung unserer Vorräte natürlich nicht gedient. Wohl aber wird jede Hausfrau sicherlich in einem verschwiegenen Fach ihres Wirtschaftsschrankes genug Ueberbleibsel vergangener Tage finden, die durchaus geeignet sein dürften, schadhaft gewordene Kleidung in Stand zu setzen. Im Gegensatz zu der Gepflogenheit in Friedenszeiten, in denen es für unpraktisch galt, fertige Stücke zu zerschneiden, um andere damit auszubessern, sind wir heute gezwungen, zu diesem Aushilfsmittel zu greifen. Wer unter seinen Vorräten z. B. weiße Unterröcke liegen hat, besitzt in ihnen ein vorzügliches Material, das er zum Flicken verwenden kann. Denn in Folge der herrschenden Seifenknappheit, erscheint das Tragen von weißen Unterröcken im Augenblick nicht empfehlenswert. Die Zeitumstände verlangen gebieterisch von uns, im Großen wie im Kleinen umzulernen. Die Anschauungen haben sich völlig gewandelt, und niemand braucht sich daher zu schämen, in einem geflickten Kleid oder Anzug einherzugehen, wenn er nur in Bezug auf Sauberkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Das Achselzucken gewisser Kreise, die auch im Krieg auf äußerlichen Modekultus nicht verzichten wollen, braucht ihn nicht zu bekümmern. Es sind Außenstehende, die vom Geiste unserer Zeit nichts verspüren.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Ernteaussichten. Man schreibt uns vom Lande, 30. Mai. Die neue Brotfrucht verspricht einen guten Ertrag. Die Roggenähren zeigen bereits prächtige Blüten. Die Regel ist zwei Wochen Blütenzeit, zwei Wochen Kronenentwicklung und zwei Wochen Reifezeit. Somit hätten wir schon Mitte Juli etwas Korn. Die Aussichten für das Spätobst sind weniger günstig, wie man bei der überreichen Blütenfülle in der denkbar günstigsten Blütezeit hätte erwarten sollen. Birnen, Pflaumen und Süßkirschen haben die meisten Früchtchen als nicht befruchtet abgeworfen und so kann nur stellenweise von einer guten Ernte die Rede sein. Besser steht es mit dem Fruchtansatz der Sauerkirschen und besonders der Nordkirschen. Am besten haben noch die Apfelbäume abgeschnitten, die bei reicher Blüte auch einen guten Fruchtansatz aufzuweisen haben. Der Stand der Kartoffeln ist durchweg recht befriedigend.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Butterverkauf. Der Abschnitt Butter der Speisefettkarte berechtigt bis auf Weiteres den Inhaber zum Bezuge von 30 Gramm Butter. Der Preis für diese Butter ist auf 3,40 Mark für das Pfund festgesetzt.
Maßregeln zum Schutz der Stachelbeerernte. Von vielen Gartenbesitzern wird zur Zeit darüber Klage geführt, daß kleine, grüne Raupen in großer Zahl die Blätter der Stachelbeerbüsche vollkommen abfressen und dadurch die weitere Ausbildung von Früchten verhindern. Die Schädlinge sind die grünen, schwarzköpfigen, schwarzpunktierten Afterraupen der gelben Stachelbeerblattwespe. Ein einfaches, wirksames Mittel dagegen ist das Thomasmehl, mit dem man am frühen Morgen die taufeuchten Sträucher von unten her kräftig bewirft. Man kann jedoch die Raupen auch man frühen Morgen auf unter die Sträucher gelegtes Packpapier abklopfen und dann vernichten, ein Verfahren, welches besonders in den kleinen Hausgärten zur Rettung der Stachelbeerernte verwendet werden kann.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)