Freitag, 26. Januar 1917
Kaisersgeburtstag als Opfertag. Zum dritten Male muß unser Kaiser seinen Geburtstag ohne Festgepränge im Felde bei unseren tapferen Truppen verbringen. Alle Wünsche von Heer, Marine und Volk weilen an diesem Tage bei unserm Kaiser, der besonders in letzter Zeit durch sein Friedensangebot alle deutschen Herzen wiederum gewonnen hat. Was an Kaisersgeburtstag früher bei Festfeiern geschah, soll jetzt einmütig in werktätiger Liebe für unsere braven Truppen geleistet werden. So hat sich unter dem Ehrenvorsitz der Gemahlin des Generalfeldmarschalls von Hindenburg ein Arbeitsausschuß gebildet, der für deutsche Soldatenheime und Marineheime sorgen wird. Jeder, der weiß, welchen Segen diese Soldaten- und Marineheime für unsre heldenhaften Feldgrauen und Blaujacken bedeuten, die dort nach all den Schrecken und Fährnissen des Kampfes, nach oft wochenlangem Aushalten im Schützengraben unter der ganzen Unbill des Wetters und des Winters Erholung und Erfrischung suchen und einen warmen Hauch der Heimat zu verspüren hoffen, muß sich sagen, daß für diesen Zweck kein Opfer groß genug sein kann. Um für diese Heime weitere Mittel zu beschaffen, soll Kaisersgeburtstag die beste Veranlassung sein. Die Vaterländischen Vereinigungen in Bonn haben es wiederum übernommen, diese Sammlung in die Wege zu leiten. Die Bonner Volksspende wird durch ihre Einnehmer Zeichnungen entgegennehmen und ebenso die Rheinisch-Westfälische Diskonto-Gesellschaft. Auch wird am Kaisersgeburtstag und dem darauffolgenden Sonntage besonders für diese Soldaten- und Marineheime gesammelt werden. Alle Vereine und Gesellschaften, die Kaisersgeburtstag feiern, sollten bei dieser Gelegenheit eigene Sammlungen für die Soldaten- und Marineheime in die Wege leiten und das Ergebnis an die Bonner Volksspende abführen. Mitbürger, reich und arm, jung und alt, Ihr könnt Kaisersgeburtstag in den schweren Kriegswirren nicht edler begehen, als daß Ihr Herz und Hand weit öffnet. Der Opfersinn der Bürgerschaft darf nicht versagen, wenn es sich um das Wohl unserer braven Truppen handelt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die strenge Kälte hält immer noch an. Während wir am Mittwoch im Innern der Stadt 18 Grad Celsius unter Null und in der Umgebung von Bonn sogar 16 Grad zu verzeichnen hatten, ließ die Kälte am gestrigen Tage etwas nach. Heute Nacht sank das Thermometer wieder auf 10½ Grad unter Null und auch für die nächsten Tage sind noch ähnliche Temperaturen zu erwarten. Diese für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich lange Frostperiode wird natürlich von den Eissportfreunden mit Genugtuung empfunden, weniger aber von unseren Hausfrauen, die durch die strenge Kälte gezwungen werden, größere Mengen an Heizmaterial wie sonst zu verbrauchen; doppelt schlimm in der jetzigen Zeit, wo durch den immer fühlbarer werdenden Wagenmangel die Anfuhr von Heizmaterialien sehr erschwert wird. Auch auf die Kartoffelversorgung wirkt die kalte Witterung sehr hemmend ein, da es unter den jetzigen Verhältnissen nicht möglich ist, Kartoffeln anzufahren. Hoffentlich bewahrheitet sich auch diesmal wieder der alte Satz, daß strenge Herren nicht lange regieren. Der Januar geht bald zu Ende und der kommende Februar wird uns wohl wieder Tage bringen, die ahnen lassen, daß der Frühling vor der Türe steht.
Verlängerung der Polizeistunde am Kaisersgeburtstag. Aus Anlaß des Geburtstages unseres Kaisers ist morgen Samstag die Polizeistunde bis 12½ Uhr ausgedehnt worden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Zum Kaisersgeburtstag. Der Oberbürgermeister richtet nachstehende Bitte an die Einwohnerschaft: Bei der besonderen Bedeutung, die dem Kaisers-Geburtstag als vaterländischer Festtag in dieser ernsten Zeit beizumessen ist, bitte ich meine Mitbürger, ihrer Treue und Anhänglichkeit zu Seiner Majestät dem Kaiser und König durch reiches Beflaggen der Häuser an diesem Tage Ausdruck zu geben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 27. Januar 1917
Die Glückwünsche der Stadt Bonn an den Kaiser zu seinem heutigen Geburtstag hat Oberbürgermeister Spiritus in folgendem Telegramm ausgedrückt:
An Seine Majestät den Kaiser und König.
Eure Majestät bitte ich zum Allerhöchsten Geburtstage den aufrichtigen Glückwunsch der Stadt Bonn huldvoll entgegenzunehmen. Treu und anhänglich, wie einst in schönen Tagen Euerer Majestät glücklichen Jugend, steht die Bonner Bürgerschaft in schwerer Zeit erst recht zu ihrem Kaiser und Herrn, festentschlossen, mit ganzer Kraft durchzuhalten und in unerschütterlichem Vertrauen auf Euerer Majestät Führung zum weiteren Sieg und ehrenvollen Frieden.
Oberbürgermeister Spiritus.
In Sachen des Jugendschutzes haben die Vorsitzenden des Ortsvereins Bonn zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit eine Eingabe an den Gouverneur der Festung Köln und den stellvertretenden kommandierenden General des 8. Armeekorps gesandt. Es heißt darin: Eine gestern stattgehaste Versammlung ernstgesinnter Männer und Frauen aus allen Ständen Bonns hat uns beauftragt, an Eure Exzellenz die Bitte um eine Verordnung zu richten, durch welche folgendes verfügt wird: 1. In Ermangelung der zur Durchführung der Jugendschutzverordnungen nötigen Zahl von Polizeibeamten wird den Lehrern und Lehrerinnen aller Schulen von Bonn, Köln und anderen größeren Städten das Recht verliehen, über alle auf den Straßen sich bewegenden Schüler und Schülerinnen der Volks- und höheren Schule Aufsicht zu üben mit denselben Rechten wie Polizeibeamte. 2. Dasselbe Recht wie ihnen sowie ernsten Männern und Frauen aller Stände, die sich für diesen Dienst melden, über die schulentlassene Jugend bis zum 17. Lebensjahre verliehen, und sie bekommen zu diesem Zweck eine Legitimation seitens der Polizeibehörden.
Feldgraue Ausstellung im Kunsthause Zirkel. Am ersten März soll im Erdgeschosse des Kunsthauses Zirkel eine große Ausstellung unserer Künstler im Felde und daheim eröffnet werden, zu der Einsendungen unserer im Heeresdienst befindlichen Künstler bis spätestens zum 15. Februar erwünscht sind. Um für diese Ausstellung die Räume des Erdgeschosses heranziehen zu können, wird beabsichtigt, die sämtlichen China- und Japanwaren bis zum 15. Februar nach Berlin zu übernehmen. Den Kunstfreunden bietet sich hier eine günstige Gelegenheit, zu sehr mäßigem Preise hervorragende Kunstwerke des Orients zu erwerben, wie japanische und chinesische Vasen, Wandteller, Blumentöpfe, Stickereien, Tee- und Kaffeeservice, Cloisonné-Vasen, Tischlampen für Herren- und Speisezimmer, einzelne Lampenschirme, Blumen- und Obstkörbe in feinem Bambusgeflecht, Paravents, Perlvorhänge, Möbel aller Art, wie Schränke, Hocker, Stühle, Tische, ferner Perserteppiche, Tischdecken, Kelims, darunter großen Seltenheiten, sowie Lanzen, Waffenrüstungen u. a. m. Neben dieser geplanten feldgrauen Ausstellung im Erdgeschoß sollen die Ausstellungen im ersten, zweiten und dritten Geschoß dauernd dem Publikum zugänglich bleiben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Das Königliche Gymnasium in Bonn feierte gestern nachmittag den Geburtstag des Kaisers in der Aula der Anstalt in erhebender und würdiger Weise. Der Festsaal und Flur der Anstalt waren mit Lorbeerbäumen und Palmen geschmückt. Auf dem Podium hatte eine Kaiserbüste Aufstellung gefunden. Die Freunde und Angehörigen der Schule waren recht zahlreich erschienen. [...] Mit einem Kaiserhoch und dem gemeinschaftlichen Gesang der Nationalhymne fand die eindrucksvolle Feier ihr Ende.
Im Städtischen Gymnasium und Realgymnasium hatten sich in der Aula überaus zahlreiche Angehörige und Freunde der Anstalt eingefunden. [...] Mit einem Kaiserhoch und dem Absingen der Nationalhymne wurde die Feier geschlossen.
Die Städtische Realschule beging gestern durch eine stimmungsvolle Schulfeier den Kaisers-Geburtstag. [...] Der gemeinschaftliche Sang Deutschland, Deutschland, über alles schloß die schöne Feier.
Im städtischen Lyzeum fand gestern nachmittag eine stimmungsvolle Kaisergeburtstagsfeier statt. Chorgesänge wechselten mit ernsten und heiteren Gedichten einzelner Schülerinnen, die durch ihren verständnisvollen Vortrag Zeugnis ablegten für den Ernst und die Siegeszuversicht, die auch in den Herzen unserer jungen Mädchen lebt. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Kaisersgeburtstag in Bonn.“)
Die Preise für Milch dürfen bis auf weiteres weder vom Erzeuger noch vom Milchhändler erhöht werden. Die jetzt bestehenden Preise gelten als Höchstpreise im Sinne des Gesetzes. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldbuße bis zu 10.000 Mark bestraft.
Eisgang. Der Rhein fährt seit gestern Treibeis. Eine ganze Anzahl beladener Frachtschiffe ist in der Nähe der Schutzhäfen vor Anker gegangen. Auf dem Main ist der Eisgang bereits so stark, daß die Schiffahrt eingestellt werden mußte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Fünf Schüler, die gestern abend in der Münsterkirche die Opferstöcke beraubten, wurden abgefaßt und zur Anzeige gebracht. [...]
Ein Diebstahl wurde gestern während der Abendstunden ausgeführt, indem jemand von dem Fenster einer hiesigen Buchhandlung am Hof einen Ausstellkasten entfernte, nach dem Hofgarten schleppte und ihn dort seines Inhaltes beraubte. Als Täter kommen vermutlich einer oder mehrere halbwüchsige Burschen in Betracht, die schon seit längerer Zeit nicht nur während der Abendstunden, sondern selbst am hellen Tage in jener Gegend und wie man hört, auch anderswo durch Hämmern gegen die Fensterscheiben, Einritzen, Eindrücken und Verunreinigungen derselben ihr flegelhaftes Wesen treiben. Einer dieser Burschen wurde kürzlich gefaßt und zur Rechenschaft gezogen; den anderen ist man auf der Spur und wird bei deren Habhaftwerden ebenfalls unnachsichtlich Anzeige erfolgen. An alle Erwachsenen aber ergeht die Bitte, die Bemühungen der wenigen noch anwesenden Aufsichtsbeamten und Verhinderung solch groben Unfuges dadurch zu unterstützen, daß sie beim Durchschreiten der Straßen ein besonderes Augenmerk auf diese sich zwecklos umhertreibenden Burschen richten und durch Zurechtweisung oder Benachrichtigung des nächsten Aufsichtsbeamten weiteren Schaden verhüten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Nachrichten des Lebensmittelamtes der Stadt Bonn.
Kartoffeln.
Durch das anhaltende Frostwetter hat die Zufuhr bisher nicht wieder eingesetzt. Eine Erhöhung der Kartoffelration ist daher nicht zu erwarten.
Als Zusatz zu den Kartoffeln werden in der Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 1917 auf Warenkarte Nr. 180 6 Pfund Steckrüben (Erdkohlrabi) ausgegeben. [...]
Es wird dringend empfohlen, den Kartoffelverbrauch jetzt schon weiter einzuschränken und dafür die Steckrübe, die fast den gleichen Nährwert wie die Kartoffel hat, in erhöhtem Maße zu verwenden, damit es uns gelingt, mit den geringen Kartoffelvorräten möglichst weit zu reichen.
Jedem Abnehmer von Steckrüben wird eine Kochanweisung für Steckrüben kostenfrei ausgehändigt. Alle Verkaufsstellen sind verpflichtet, genügende Vorräte an Steckrüben zu halten. Es wird dringend gebeten, etwaige Abweichungen hiervon dem Lebensmittelamt mitzuteilen. [...]
Gemüse.
Starker Frost machte den Bezug von Frischgemüse unmöglich. Auch der in der Nähe angebaute Spinat konnte infolge der Schneedecke nicht zum Markt gebracht werden.
Der jetzt herrschende Mangel an Frischgemüse zeigt, wie notwendig es ist, daß für die Erzeugung alle erdenklichen Anstrengungen gemacht werden. Außer den bisher verteilten Schriften zur Belehrung über den Gemüsebau werden neuerdings Gartenkalender im Büro Rathausgasse 16 l unentgeltlich abgegeben, in denen alle vorzunehmenden Arbeiten in Feld und Garten laufend verzeichnet sind. Das Saatgut ist knapp und teuer; es muß daher sehr sparsam damit gewirtschaftet werden. Es wird empfohlen, die Gemüsepflanzen bei hiesigen Gärtnern einzukaufen und nicht eigene Saatbeete anzulegen, da dabei zu viel Samen verloren geht. [...]
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Sonntag, 28. Januar 1917
Kaisersgeburtstag
Der Geburtstag unseres Kaisers wurde gestern, der ernsten Zeit entsprechend, schlicht, aber herzlich gefeiert. Viel mehr als sonst wehten auch von den Privathäusern die deutschen und preußischen Fahnen, vielfach zusammen mit Wimpeln in den Farben unserer Verbündeten. In den Schulen fiel der Unterricht aus. In den Gotteshäusern aller Bekenntnisse fanden Festgottesdienste statt, an ihnen nahmen auch die Truppen, die Verwundeten aus den Lazaretten und die Abordnungen der Krieger- und Militärvereine mit ihren Fahnen teil.
Die Universität
feierte den Geburtstag des Kaisers, wie alljährlich, in der Mittagsstunde mit einem akademischen Festakt. Er war so zahlreich besucht, daß die mit Blattpflanzen geschmückte Aula die Gäste kaum zu fassen vermochte. Sieben Studentenverbindungen hatten je einen Chargierten mit der Fahne entsandt, die Vereine der Studentinnen hatten fünf offizielle Vertreterinnen geschickt. [...]
Alsdann nahm der Festredner, Professor Fitting, das Wort. Die eiserne Zeit habe das deutsche Volk fester denn je mit seinem Kaiser verbunden und den Kaiser selbst dem Geringsten im Volke menschlich nahe gebracht. Niemals habe das deutsche Volk mit wärmeren und innigeren Wünschen seinen Kaiser in ein neues Lebensjahr begleitet, wie diesmal. Freudiger als je müssen wir uns als Deutsche zu Kaiser und Reich bekennen. [...] Professor Fitting faßte zum Schluß die heißen Wünsche für Kaier und Vaterland in eine Kaiserhoch zusammen, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Unter den Klängen des Torgauer Marsches verließ dann der Lehrkörper wieder die Aula.
Auf der Hofgartenwiese
Versammelten sich gegen Mittag nach den Festgottesdiensten die Offiziere und Unteroffiziere der Garnison sowie die Krieger- und Militärvereine. Der Garnisonsälteste, Generalleutnant Exzellenz v. Boetticher, wies in einer Ansprache auf das Friedensangebot unseres Kaisers, seine Ablehnung durch die Feinde und die sich daraus ergebende Notwendigkeit hin, den Frieden durch weitere Siege zu erzwingen. Die Ansprache schloß mit einem Hurra auf den Kaiser. Es folgte die übliche Paroleausgabe. Dann konzertierte noch eine Weile die Musikkapelle des Ersatzbataillons.
Zur Feier von Kaisersgeburtstag läuteten um 12 Uhr die Glocken der evangelischen Kirche am Kaiserplatz und der Münsterkirche. [...]
Städtische Verkaufsstellen für Briketts werden nächsten Dienstag eröffnet. Wir verweisen auf die heutige Bekanntmachung des Oberbürgermeisters.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Auszeichnung. Herrn Oberbürgermeister Spiritus ist das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß-schwarzen Bande verliehen worden.
Auf dem Bonner Wochenmarkt hatten sich gestern wieder nur etwa fünf bis sechs Verkäuferinnen eingefunden, darunter keine Züchter. Grüngemüse war überhaupt nicht zu haben, nur etwas Aepfel, Sellerie, Breitlauch und Kohlrabien. Die vorhandenen Vorräte waren selbstverständlich in kurzer Zeit ausverkauft.
Auch auf dem Großmarkt auf dem Stiftsplatz war am gestrigen Hauptmarkttag fast keine Zufuhr. Grüngemüse war auch hier in nur ganz kleiner Menge zu haben. Im ganzen waren etwa acht Verkäuferinnen erschienen, die aber ihre Waren meistens gar nicht auszupacken brauchten, da sie von den Händlern sofort erstürmt wurden.
Der städtische Verkauf hatte gestern morgen an seinen Verkaufsständen auf dem Wochenmarkt Tafeln angebracht, mit der Aufschrift, daß der Gemüse-, Obst- und Fisch-Verkauf des Frostwetters wegen bis auf weiteres nachmittags von 3 Uhr ab auf dem Marktplatz stattfindet. Der Fischverkauf findet außerdem noch morgens in dem Gebäude auf der Franziskanerstraße Nr. 8 statt. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Kaisersgeburtstag.
Dank des Kaisers auf das Huldigungstelegramm der Stadt Bonn.
Oberbürgermeister Spiritus Bonn.
Meinen herzlichen Dank für die Glückwünsche und das Treuegelöbnis der Bürgerschaft Bonns.
Wilhelm R.
Der 3. Kriegsgeburtstag unseres Kaisers wurde wie im Vorjahre dem Ernste der Zeit entsprechend begangen. Die öffentlichen und fast alle Privatgebäude trugen Flaggenschmuck. Die Angehörigen der Garnison wurden in die Kirchen ihrer Konfession zu Festgottesdiensten geführt. In der Münsterkirche fand ein feierliches Hochamt statt, bei dem Dechant Böhmer die Festpredigt hielt. Das deutsche Volk feiert heute den Geburtstag unseres Kaisers mit besonderem Dank gegen Gott, der uns in ihm einen so hochherzigen, weisen und religionstreuen Monarchen geschenkt hat. Diese herrlichen und segensreichen Eigenschaften im Charakter unseres geliebten Landesherrn treten so recht zu Tage bei seiner erhabenen Tat des Friedensangebots an die feindlichen Staaten. In einem Augenblicke, wo er als Sieger auf allen Fronten glänzend dasteht, wo insbesondere das zuletzt auf dem Plan erschienene treulose Rumänien die niederschmetternsten Schläge erhalten hat, da ist er derjenige, der seinen Feinden die Hand zum Frieden bietet, obgleich er überzeugt sein muß, daß, wenn die Feinde einwilligen, man ihnen jedenfalls annehmbarere Friedensbedingungen zubilligen mußte, als wenn sie, zerschmettert am Boden liegend, selbst um Frieden bitten müßten. Eine Tat der Weisheit und Klugheit ist dieser Akt, weil als unausbleibliche Folge dieses Angebots die Feinde offenkundig vor aller Welt nunmehr ihr wahres Gesicht zeigen mußten, ihre Kriegsziele und Absichten; aus der mehrwöchigen Verzögerung ihrer Antwort geht deutlich hervor, wie verlegen sie um eine Antwort waren und wie viel Mühe es sie kostete, alle die Wünsche der zehn Verbündeten unter einen Hut zu bringen. Ist daher auch die Friedenshand schnöde abgewiesen, so ist doch eins erreicht, - wir sehen nun klar die Niedertracht und Eroberungsgier unserer Feinde, die sie bisher mit heuchlerischen Redensarten zu verbergen wußten und sogar uns in die Schuhe schieben wollten. Der dritte und edelste Zug, den das Friedensangebot unseres Heldenkaisers zeichnet, ist seine tiefe Religiosität, aus der heraus ein starkes Verantwortlichkeitsgefühl ihn antrieb, den Schritt zu tun, um, soviel an ihm liege, dem entsetzlichen Blutvergießen ein Ziel zu setzen, ob sich ihm gleich von vornherein die Gewißheit aufdrängte, daß Spott und schnöde Abweisung ihm zuteil würden, ja, man sich sogar nicht entblöden würde, seiner Absicht die gemeinsten und niederträchtigsten Motive unterzuschieben, wie es ja in der Tat auch geschehen ist. Der Mann aber, der von hoher Warte aus das Heil der Völker überwacht, unser hl. Vater in Rom, hat das herrliche Wort gesprochen: „Gesegnet sei die Hand, die in diesem entsetzlichen Kriege zuerst den streitenden Nationen den Oelzweig des Friedens darreicht!“ Diese gesegnete Hand ist die des deutschen Kaisers, die, wenn Gott weiter mit uns ist, wohl geeignet sein dürfte, der ganzen Welt den Frieden zu diktieren. Und schon macht dieser Segen sich bemerkbar, indem das deutsche Volk, Militär wie Bürgerschaft, noch enger sich zusammenschließt, um wie ein Block aus Stahl allen Anfeindungen Trotz zu bieten, die uns der Himmel zum endgültigen Siege verhilft. Ein kräftiges Gebet für unseres hohen Landesherrn und unseres ganzen Vaterlandes Wohl beschloß die herrlichen Worte des Redners.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 29. Januar 1917
Kaisersgeburtstagsfeiern. [...]
Die Kaisersgeburtstagsfeier des Kreis-Krieger-Verbandes Bonn-Stadt Samstag abend im Bonner Bürgerverein war von den nicht mehr wehrpflichtigen Mitgliedern der Vereine und ihren Angehörigen, Offizieren, Vertretern der Behörden sowie der übrigen Bürgerschaft sehr zahlreich besucht. [...] Der Verbandsvorsitzende, Herr Janssen, forderte in seiner Begrüßungsansprache zum „Durchhalten bis zum letzten Hauch“ auf. Generalleutnant Exzellenz von Boetticher brachte mit kernigen und packenden Worten das Kaiserhoch aus. Geheimrat Schreuer hielt die Festrede. Er streifte die 2000jährige Geschichte unseres Volkes und kam dann auf den von unseren Feinden so sehr gehaßten sog. deutschen Militarismus zu sprechen. Wir haben in Wirklichkeit keinen Militarismus, denn unser Heer dient nicht ehrgeizigen und habsüchtigen Plänen, wie beispiesweise Englands Heer und Flotte. Unser Heer ist vielmehr das um sein Dasein und seine Ehre ringende deutsche Volk selbst, das ehrlos nicht zu leben vermag, aber „jedem das Seine“ gönnt. Unser selbstbewußtes und eigenartiges Volk hat in seinem erblichen König- und Kaisertum die beste und gleichfalls eigenartige Führung. Unser ganzes Volk gelobt dem Kaiser, seinem angestammten Führer, heute, wo es unter seiner Führung dem Schwersten mutig entgegensteht, Treue um Treue. Oberbürgermeister Spiritus betonte, daß die gemeinsame Not die Unterschiede der Stände und Bekenntnisse vollkommen beseitigt habe. Ob hoch oder niedrig, Soldat oder Bürger, wir haben nur einen Glauben, ein Papier, eine Hoffnung: den Sieg. Wir kämpfen einen schweren Kampf; ein Feigling, der nicht mitkämpft, und ein Schuft, der immer noch denken kann: mich geht es nichts an. Es schadet nichts, wenn man – auch auf die Verwaltung – einmal ordentlich schimpft, das schafft dem Herzen Luft, aber den Mut und die Zuversicht soll keiner sinken lassen. Wir haben das Vertrauen: Deutschland wird erstehen zu neuer Größe, neuer Güte und neuer Schönheit. Und wenn dereinst unsere Krieger zurückkehren, dann wollen wir ihnen sagen können: auch wir haben unsere Pflicht getan. Oberbürgermeister Spiritus schloß mit einem Hoch auf die Heimat. [...]
Der Bonner Wehrbund versammelte gestern abend seine Mitglieder, ihre Angehörigen und eine Anzahl Ehrengäste zu einer Kaisergeburtstagsfeier in der Aula des königlichen Gymnasiums. [...] Geheimrat Brinkmann verlas dann, der Verfügung des Kriegsministeriums gemäß, die kaiserliche Kabinettsorder vom 6. Januar über die militärische Vorbereitung der Jugend. Er bemerkte dazu, den Bonner Wehrbund dürfe die kaiserliche Anerkennung mit ganz besonderer Genugtuung erfüllen, habe doch Bonn bei den Wettkämpfen im Wehrturnen im vorigen Herbst allein vier Preise errungen, während andere Orte nicht mehr wie einen Preis erhalten hätten. Die kaiserliche Anerkennung sollte eine Mahnung sein für den Bonner Wehrbund, mit dem gleichen Eifer weiter zu arbeiten und für die Eltern, ihre Söhne an den Uebungen des Wehrbundes teilnehmen zu lassen. Nachdem Professor Schmidt den Mitwirkenden gedankt hatte, schloß die Feier mit dem gemeinsamen Gesang von „Deutschland über alles“.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Beuel, 29. Jan. Die gestrige Kaisersgeburtstagsfeier im Kath. Vereinshause wurde durch das Altniederländische Dankgebet des katholischen Kirchenchors stimmungsvoll eingeleitet, Herr Bürgermeister Breuer erinnerte in seiner Festrede die zahlreich erschienenen Damen und Herren an die gewaltigen Ereignisse, die sich während des Krieges aneinander gereiht und die durch die Tapferkeit des Heeres zu unseren Gunsten gestaltet worden seien. Wie aber die Schicksalsstunde des Vaterlandes von unseren Geldgrauen gewaltige Opfer fordere, so seien auch die Daheimgebliebenen zu jedem Opfer bereit, um uns den endlichen Sieg zu sichern. Wie ganz Deutschland in diesen Tagen machtvoll zusammengetreten, um dem Kaiser das Gelöbnis der Treue zu erneuern, so soll auch die heutige Kundgebung ein Gelöbnis der Treue zu Kaiser und Reich sein, das mithelfen möge, durchzuhalten bis zum letzten Atemzuge. Mit Begeisterung feierte der Redner unseren Kaiser und brachte ein dreifaches Hoch aus, in das die Versammlung jubelnd einstimmte. Herr Pastor Claren gedachte des Kaisers, der sich so gerne Friedenskaiser nennen hörte, nun zum Heldenkaiser geworden sei, aber doch der Friedensfürst werden würde. Durch die Zurückweisung der Friedenshand hätten unsere Feinde nur erreicht, daß sich das ganze Volk um so fester um den Kaiser schare, daß sich das ganze Volk um so fester um den Kaiser schare, der uns den Sieg und auch den Frieden bringen werde. Ein Hindenburglied des Knabenchors gab den kräftigen Worten des Redners beredten Ausdruck. Die echt patriotische Feier schloß mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes „Deutschland über alles“.
Godesberg, 29. Jan. Zum Kaisersgeburtstag hatte unser Ort einen reichen Flaggenschmuck angelegt. Die Volksschulen gedachten in Klassenfeiern am Vormittag des hohen Festtages. In den Gotteshäusern aller Bekenntnisse fanden morgens Festgottesdienste statt. Von 12 Uhr mittags ab erklang von allen Kirchen ein feierliches Festgeläute. Die katholische höhere Lehranstalt Collegium Hubertinum beging ihre Kaisersgeburtstagsfeier bereits am Vortage im Festsaale ihres Schulgebäudes mit eindrucksvollen vaterländischen Gesängen und Deklamationen. Herr Kaplan Kreutzwald hielt hierbe die Kaiserrede. Auch das Pädagogium feierte am Freitag in der vollbesetzten Aula den Kaisertag. [...] Am Festtage selbst hielt Herr Oberlehrer Endemann vormittags auf dem Schulhofe des Pädagogiums mit der Jugendwehr eine vorzüglich verlaufene Kaiserparade ab, an deren Schluß Herr Direktor Prof. Kühne des Kaisers gedachte. Für die Kriegsverwundeten in den sämtlichen hiesigen Reservelazaretten fand am Samstag nachmittag eine gemeinsame Feier im evangelischen Gemeindehause statt. Hierbei brachte der Chefarzt, Herr Geheimrat Dr. Brockhaus das Kaiserhoch aus. Den Schlußakt aller hiesigen Festveranstaltungen bildete eine am Sonntag in der Tonhalle abgehaltene allgemeine Bürgerfeier, bei der die Jungmannen Godesbergs unter Leitung des Herrn Fortbildungsschulleiters Forsbach prächtige lebende Bilder stellten und ein militärisches Lustspiel aufführten, die Jugendwehrkapelle des Pädagogiums Militärmärsche spielte und der Männergesangverein Cäcilia einige Vaterlandslieder vortrug. Die zündende Kaiserrede des Herrn Bürgermeisters Zander forderte für die heutige Huldigung ein Wachsen und Erstarken an unbeugsamer Energie in allen Lebensfällen und die markige Ansprache des Hauptmanns der Jugendwehr, Herrn Oberlehrer Endemann, gipfelte in dem Kaiserwort „Werdet zu Stahl!“ Herr Kaplan Schopen führte in begeisternder Ansprache über „Krieg oder Friede“ aus, daß diese Weltfrage nicht eher gelöst werden könne, bis die Entscheidung darüber eingetreten sei, ob der englischen Tyrannengedanke oder deutsche soziale Idee das Schicksal Europas künftighin und auf die Dauer lenke.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Endgültige Anstellung verwitweter Lehrerinnen im Schuldienste. Ein für verwitwete Lehrerinnen wichtiger Erlaß bestimmt, daß gegen die endgültige Anstellung verwitweter Lehrerinnen Bedenken nicht zu erheben sind, sofern die Witwen kinderlos sind. Sind Kinder vorhanden, so ist jedesmal durch die Königliche Regierung sorgfältig zu prüfen, ob die Witwe durch diese Kinder in der Erfüllung ihrer Pflichten als Lehrerin behindert wird. Ist dies nicht der Fall, und liegen sonstige Bedenken nicht vor, so kann die endgültige Anstellung erfolgen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 30. Januar 1917
Kohlemangel. Der Vorsitzende des hiesigen Kriegsausschusses für Konsumenten-Interessen hat den Präsidenten der Eisenbahn-Direktion Köln, den Gouverneur der Festung Köln und den Eisenbahnminister dringende Eingaben wegen des auch in Bonn bestehenden Mangels an Kohlen und Briketts gerichtet. Die Bürgerschaft wird gebeten, den Verbrauch an Brennstoffen dadurch einzuschränken, daß – auch bei Zentralheizungen – nur die unbedingt notwendigen Räume beheizt werden. Die Kohlenhändler sollten nach Möglichkeit ihre Vorräte nur in kleinen Mengen verkaufen, damit recht weite Volkskreise auch weiterhin ihre Wohnungen heizen können. Nicht dringend genug muß aber vor dem eigennützigen Hamstern von Brennstoffen gewarnt werden. Beides, das Nichtverkaufen von Brennstoffen und das Einhamstern auf Vorrat, ist auch hier in Bonn leider beobachtet worden. Mit größter Freude und aufrichtigstem Dank muß es begrüßt werden, daß die Stadtverwaltung für die ärmere Bevölkerung und die Kriegerfamilien gesorgt hat und heute bei zehn Kohlenhändlern besondere Verkaufsstellen für Briketts gegen Gutscheine eröffnet.
Der Ausschank von Branntwein. Zur Behebung von Zweifeln wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Ausschank von Trinkbranntwein und Spiritus an Samstagen, Sonntagen und Montagen, ferner an gesetzlichen Feiertagen und den nächsten auf sie fallenden Werktage verboten ist. An den von dem Verbot nicht betroffenen Tagen ist der Ausschank nur von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends erlaubt.
Keine Beschlagnahme der Nähgarne. Der Befürchtung, daß der Bestandserhebung demnächst eine Beschlagnahme der Nähfäden folgen werde, ist unbegründet. Die Heeresverwaltung stellt im Gegenteil bereits über Jahresfrist den Nähfadenfabriken vierteljährlich beträchtliche Mengen beschlagnahmter Garne zur Verfügung, um den laufenden Bedarf an Nähgarn zu decken. Es besteht also kein Anlaß, sich über den laufenden Bedarf hinaus mit Vorräten an Nähfäden zu versehen. Nur durch übergroße Käufe könnte künstlich eine Knappheit und eine Preissteigerung in Nähfäden herbeigeführt werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Nachrichten des Lebensmittelamtes der Stadt Bonn.
Eingangs der gestrigen Pressebesprechung widerlegte Beig. Piehl die in einer statistischen Uebersicht des sozialdemokratischen Volkswirts Richard Calver aufgetretene Behauptung, daß Bonn die teuerste Stadt sei.
Kartoffeln und Steckrüben.
Die Versorgungsschwierigkeiten mit Kartoffeln haben in diesem Jahre ihren Grund in der schlechten Kartoffelernte. Auch die Transportverhältnisse haben sehr ungünstig mitgewirkt. Die Kartoffelvorräte werden sich genau erst feststellen lassen, wenn die Mieten geöffnet sind und das Saatgut ausgelesen ist. Aus diesem Grunde hat sich Reichskartoffelstelle entschlossen, eine weitere Einschränkung des Kartoffelbezuges eintreten zu lassen. So werden auch in Bonn vom 5. Februar ab an die Versorgungsberechtigten nur rund drei Pfund Kartoffeln und vier Pfund Kohlrüben ausgegeben. Die Schwerst- und Schwerarbeiter erhalten eine Zulage von 4 Pfund Kohlrüben. Die Selbstversorger dürfen auch weiterhin sieben Pfund Kartoffeln und vier Pfund Kohlrüben verbrauchen. Dieser ewige Wechsel in der Kartoffelzuteilung ist gerade für das Lebensmittelamt außerordentlich unliebsam, er ist aber leider durch die Zeit bedingt. Zuerst waren es 10 Pfund Kartoffeln, dann sieben, dann fünf und jetzt drei Pfund Kartoffeln. Aber der Schwerpunkt liegt darin, daß wir bis zur Frühkartoffelernte unter allen Umständen mit den vorhandenen Vorräten haushalten können. So werden auch für die neue Ernte schon umfassende Vorkehrungen getroffen. U. a. ist auch im Bonner Bezirk jeder Besitzer oder Pächter einer Acker- oder Gartenparzelle verpflichtet, im Jahre 1917 einen entsprechenden Teil derselben mit Kartoffeln zu bepflanzen, damit er den Kartoffelbedarf für sich und seinen Haushalt als Selbstversorger decken kann. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, damit nicht diejenigen Besitzer, wie es jetzt vielfach der Fall ist, die eine bessere Ausnutzung ihres Landes durch Gemüse erhoffen, einfach keine Kartoffeln bauen und sich von der Stadt versorgen lassen. Das soll unter allen Umständen vermieden werden. Auch in vielen Ziergärten sollten an Stelle der Blumen Kartoffeln gepflanzt werden. In Zukunft wird die Stadt derartigen Besitzern oder Pächtern keine Kartoffeln mehr liefern, höchstens nur dann, wenn nachgewiesen wird, daß die fachgemäße Bewirtschaftung der Parzelle den Bedarf nicht aufbringen könnte. Auch an das Bebauen der noch immer brachliegenden Grundstücke muß immer wieder hingewiesen werden. Kein Fußbreit Boden, der sich nur einigermaßen zur Bestellung eignet, darf in diesem Jahre unbebaut bleiben.
Der Verkauf von Steckrüben geht jetzt besser. Die Bevölkerung scheint endlich erkannt zu haben, daß die Steckrübe ein ganz ausgezeichnetes Gemüse ist. Sie ist nicht nur schmackhaft, sondern vor allen Dingen sehr nahrhaft und gesund. Wer die zugeteilten Mengen Steckrüben nicht verbraucht, dem kann nicht genug geraten werden, sich die übrigbleibende Menge für seinen Haushalt zu trocken für die Zeit, wenn weder Frischrüben noch Frischkartoffeln mehr zur Verfügung stehen sollten. Das Trocknen kann in außerordentlich einfacher Weise über dem gewöhnlichen Herd erfolgen. In den nächsten Tagen werden hierüber besondere Flugblätter verteilt und in den Zeitungen veröffentlicht werden. Auch ist eine Anweisung über das Trocknen bereits in den Kartoffelverkaufsstellen unentgeltlich verabfolgten Kochanweisungen enthalten. [...]
Milch
Die Milchzufuhr ist noch etwas geringer geworden, jedoch scheint der Tiefstand insofern bald überwunden zu sein, als durch den Zuwachs an frischmelkenden Kühen wiederum mehr Milch anfällt. Außer den 200 Kühen, die das Lebensmittelamt selbst bereits beschafft und gegen Abmelkverträge eingestellt hat, wird in den nächsten Tagen auf dem Grundstücke des städtischen Fuhrparks in der Ellerstraße eine eigene städtische Molkerei mit 50 Kühen in Betrieb gesetzt. An sich ist die Milchversorgung für die zeitigen Verhältnisse in Bonn als gut zu bezeichnen. Das hier eingeführte System, wonach der Händler seine Kundschaft selbst versorgt, hat sich durchaus bewährt. Die Arbeitslast, die dem städtischen Milchamt obliegt, ist freilich ganz gewaltig. Monatlich müssen über 30.000 Anträge mit vielen ärztlichen Bescheinigungen usw. bearbeitet werden. In erster Linie muß natürlich dafür gesorgt werden, daß die Säuglinge, die Kinder bis zum 6. Lebensjahr, die hoffenden und stillenden Frauen und die Schwerkranken versorgt werden, dann erst kommen die Kinder vom 6. bis 14. Lebensjahre und sodann andere Antragsteller. Es kann nicht genug darauf hingewiesen werden, daß diese Regelung von der Reichsstelle vorgeschrieben und die Stadt gar nicht in der Lage ist, von ihr abzuweichen. Die Landesfettstelle wird in den nächsten Tagen auch Höchstpreise für Milch festsetzen, die für besondere Bezirke einheitlich geregelt werden. Vorerst ist die Bestimmung getroffen, daß die bestehenden Milchpreise unter keinen Umständen erhöht werden dürfen, sondern im Sinne des Höchstpreisgesetztes als Höchstpreise gelten.
Kriegsküchen.
Die Zahl der Kriegsküchenteilnehmer hat sich erfreulicherweise vermehrt und ist auf 5200 angewachsen. Das ist eine erhebliche Zunahme, wenn man bedenkt, daß die Zahl der Teilnehmer Anfang Januar nur rund 3000 betrug. [...]
Noch immer werden von den Hausfrauen im
Schleichhandel
Butter, Speck, Eier, Kartoffeln zu Wucherpreisen erworben. Vielfach behaupten die Verkäufer, es handle sich um Auslandsware. Das ist nach den jetzigen Verhältnissen ganz ausgeschlossen. Es handelt sich durchweg nur um Inlandsware, die zu geradezu sträflich hohen Preisen in den Handel gebracht wird. Jede Hausfrau besinne sich doch endlich auf ihre vaterländische Pflicht und überlege, daß sie durch die Unterstützung eine derartigen Schleichhandels alle behördlich geplanten Rationierungen zuschanden macht. Erst kürzlich hat das Lebensmittelamt eine große Sendung Speck, die aus Hausschlachtungen stammte und nach Elberfeld und Wiesbaden verladen werden sollte, auf hiesigen Bahnhof beschlagnahmt. Der Versender sieht seiner Bestrafung entgegen, außerdem erhält er für die beschlagnahmte Ware auch nicht einen Pfennig bezahlt. Dabei kann noch erwähnt werdne, daß durch die neueren Bestimmungen auch die Postpaketbezüge aus den neutralen Ländern ganz wesentlich eingeschränkt sind.
Haltlose Gerüchte. Die Nachricht von der Mobilisierung einiger Schweizer Divisionen hat zu abenteuerlichsten Gerüchten Veranlassung gegeben. Diese sind teilweise so unsinnig, daß jeder Vernünftige selbst ihre Haltlosigkeit hätte erkennen können. Umso schärfer müssen solche leichtfertige Schwätzereien verurteilt werden. Denn zu irgend welcher Beunruhigung liegt nicht der mindeste Grund vor. Auch hat der Verlauf des Krieges gezeigt, daß unsere Oberste Heeresleitung allen beabsichtigten Maßnahmen unserer Feinde noch immer rechtzeitig zu begegnen gewußt hat. Den gewissenlosen Schwätzer aber, denen nicht das eigene Verantwortungsgefühl den Mund schließt, sein nachdrücklich in Erinnerung gerufen, daß die böswillige oder auch nur fahrlässige Verbreitung solcher Kriegsnachrichten unter strenge Strafe gestellt ist. (W.B.)
Der deutsche Arndt-Bund feierte am gestrigen Abend im Gartensaale der Lese den 57. Todestag des verstorbenen Freiheitshelden Ernst Moritz Arndt in schlichter, würdiger Weise. Nach einigen Gesangsvorträgen eines Chores widmete Dr. Krantz dem verstorbenen Freiheitshelden einige Worte und gedachte dann auch des Geburtstages unseres Kaisers, wobei er den Wunsch aussprach, daß es unserem geliebten Landesherrn vergönnt sein möge, in diesem Jahr einen ehrenvollen Frieden zu schließen. Er ließ seine Worte in ein Kaiserhoch ausklingen, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Nach mehreren Musikvorträgen eines Quartetts unter Leistung von Professor Imelmann ergriff Geheimrat Professor Litzmann das Wort zur Festrede. Er gab ein Bild der Bestrebungen des Arndtbundes, der heute auf sein vierjähriges Bestehen zurückblicken konnte, und schilderte in von Begeisterung getragenen Worten die Bedeutung Ernst Moritz Arndts für die Sache des Vaterlandes. Er bezeichnete den verstorbenen Freiheitshelden als einen ganzen Mann, als das Vorbild männlicher Tatkraft, Lauterkeit und Tapferkeit und kam zum Schlusse auf die Friedensbestrebungen im jetzigen Kriege zu sprechen. Seine Ausführungen schloß er mit den Worten: Die tiefe Sehnsucht der ganzen Menschheit nach Frieden ist groß. Auch wir wollen den Frieden, aber den Frieden als Sieger. Das sind wir dem Blute unserer Gefallenen und den kommenden Geschlechtern schuldig. Wir wollen den Frieden Auge in Auge mit jenen schließen, gegen die wir gekämpft haben, einen Frieden im Sinne Ernst Moritz Arndts. Den aufgedrungenen Frieden eines kühl denkenden Geschäftsmannes, der die Hände zur Vermittlung bietet, müssen wir, da diese Hände mit Blut befleckt sind, welches nicht mehr abgewaschen werden kann, ablehnen. An dieser Stelle wollen wir es an dem Todestage Ernst Moritz Arndts geloben, daß wir, wenn es nötig sein sollte, bereit sind, auch das letzte Opfer fürs Vaterland zu bringen. Die Ausführungen des Redners fanden starken Beifall.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Universität. Auf das Telegramm, welches unsere Universität am Kaisersgeburtstag an Se. M. den Kaiser sandte, ist folgende Drahtantwort an Rektor und Senat eingegangen: „Meiner lieben alma mater herzlichen Dank für das erneute Gelöbnis der Treue. Wilhelm R.“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 31. Januar 1917
Das Treibeis des Rheins hat in den letzten Tagen stark zugenommen. Der Rhein führt jetzt nicht nur Schaumeis, auch große, feste Schollen schwimmen auf der ganzen Breite des Stromes. An Stellen, wo die Strömung nur gering ist, wie hinter den Wellenbrechern, hat das Wasser bereits eine feste Eisdecke. Die Schiffahrt ist fast ganz eingestellt.
Seide und Seidenabfälle. Mit dem 31. Januar 1917 tritt eine Bekanntmachung über Beschlagnahme und Bestandserhebung von rohen Seiden und Seidenabfällen aller Art in Kraft, durch die sämtliche vorhandenen, anfallenden und noch weiter eingeführten rohen Seiden und Seidenabfälle aller Art beschlagnahmt werden. Die Beschlagnahme erfasst die Seiden auch in gerissenem Zustand, sowie gemischt mit Baumwolle, Wolle und Kunstseide oder irgendwelchen anderen Spinnstoffen und die aus ihnen oder ihren Mischungen hergestellten Züge, ferner die beim Spinnen, Zwirnen und Weben anfallenden Abgänge. Trotz dieser Beschlagnahme ist die Veräußerung und Lieferung der beschlagnahmten Gegenstände an die Kriegswollbedarfs-Aktiengesellschaft, Berlin S. V. 48, Verlängerte Hedemannstraße 2-6, erlaubt. Ebenso bleibt die Verarbeitung der Gegenstände gestattet, sofern es sich um die Erfüllung von Aufträgen bestimmter Stellen handelt, die in der Bekanntmachung näher bezeichnet sind oder die Verarbeitung mit Zustimmung der Kriegs-Rohstoff-Abteilung des Kriegsamtes des Königlich Preußischen Kriegsministeriums erfolgt. Die von der Bekanntmachung betroffenen Gegenstände unterliegen auch, sofern die Gesamtmenge bei einer Person mindestens 20 Kilogramm beträgt, einer monatlichen Meldepflicht an das Webstoffmeldeamt der Kriegs-Rohstoff-Abteilung. Die erste Meldung hat für den Bestand vom 1. Februar bis zum 10. Februar auf den vorgeschriebenen Meldescheinen zu erfolgen. Außerdem ist auch die Führung eines Lagerbuches, aus dem jede Aenderung in den Vorratsmengen und ihre Verwendung ersichtlich sein muß, angeordnet worden.
Gleichzeitig ist eine Bekanntmachung über Höchstpreise für rohe Seiden und Seidenabfälle aller Art in Kraft getreten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine Musterung der Kriegsunbrauchbaren (nicht Gedienten) findet für den Stadtbezirk Bonn in den Tagen vom 5. bis einschließlich 13. Februar, vormittags 9 Uhr, im Kölner Hof statt. Die Gestellungspflichtigen (es kommen vom 8. September 1870 bis einschließlich 1898 Geborene in Frage) werden durch besondere Vorladung zur Musterung aufgefordert. Wehrpflichtige, die bis zum 3. Februar keine Vorladung erhalten haben, müssen sich im Militärbureau, Rathausgasse 26, melden. Näheres ist aus einer Bekanntmachung in der vorliegenden Nummer zu ersehen.
Treuegelöbnis unserer Studentenschaft. Wenn der Aufruf S. Majestät in allen deutschen Herzen lodernden Widerhall gefunden, so steht die deutsche Studentenschaft wohl hierin an der Spitze. Die Berliner Studentenschaft hatte aus diesem Anlasse ein Rundschreiben an die Vertreterversammlungen sämtlicher deutscher Hochschulen erlassen mit der herzlichen Einladung, am vergangenen Mittwoch, 24. Januar den Majestäten ihre Huldigung darzubringen und zwar durch einen Fackelzug. Abordnungen von mehreren deutschen Hochschulen waren mit Banner und Fahne nach der Reichshauptstadt geeilt, um sich an dieser patriotischen Feier zu beteiligen. [...]
Bonner Vertreter waren: Die Vorsitzende: Alania, die Burschenschaften: Alemannia, Frankonia, Ripuaria, Evang. theol. Verein, Klass. Philos. Verein, Math. Naturw. Verein, Arminia, Makaria Nassovia, Vereinig. kath Theologen, Hilarias Studentinnen-Verein D. A. F., Deutsch-Akad. Freischar.
Nach dem Fackelzug fand ein Festessen der Wichschargierten statt, bei welchem die Berl. Studentenschaft in beständige Hochrufe auf die Bonner Vertreter ausbrach.
Gleichzeitig sandte der Vorsitzende der Vertreter-Versammlung der Bonner Studentenschaft ein Huldigungstelegramm an S. M., das folgenden Inhalt hatte:
S. Majestät den Deutschen Kaiser.
Großes Hauptquartier.
Die Vertreter-Versammlung der Bonner Studentenschaft legt untertänigst zu Füßen Ew. Majestät das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und eifrigster Pflichterfüllung bis zum siegreichen Ende nieder.
Die Bonner Studentenschaft empfindet es schmerzlich, daß sie bei dem Fackelzuge im Berlin nicht Gelegenheit hatte, Ew. Majestät persönlich zu huldigen.
Untertänigst H. H. Roth,
Vorsitzender der Vertreter-Versammlung
Rheinischer Landfrauentag. Die Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz wird in diesem Jahre mit der Unterstützung der großen Frauenvereine der Provinz in der Zeit vom 4. bis zum 7. März in den Räumen des Bonner Bürger-Vereins in Bonn wiederum den rheinischen Landfrauentag veranstalten. Die Eröffnungssitzung am Sonntag, den 4. März, wird die Frage behandeln: „Was fordert das Vaterland von der Landfrau im dritten Kriegsjahr.“ Der Montag wird im einzelnen den wirtschaftlichen, der Dienstag den sozialen Aufgaben gewidmet sein. Außerdem werden am Dienstag nachmittag die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Stadt und Land durch Vorträge berufener Vertreter beider Interessengruppen erörtert werden. Ferner findet je eine Sonderversammlung für Lehrerinnen und Sozialbeamtinnen statt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Schlittschuhlaufen an gefährdeten Plätzen. Warum läßt man den Kindern nicht das harmlose Vergnügen, auf dem Poppelsdorfer Weiher Schlittschuh zu laufen und Bahn zu schlagen. Statt dessen patrouilliert täglich zwei bis drei Mal ein Polizist auf und ab um die Kinder zu verjagen. Gestern wurde sogar der ganze Weiher von oben bis unten mit Asche bestreut und heute hackt man sogar tiefe Löcher, bis das Wasser hindurchscheint. Wozu erhalten die Kinder denn eigentlich „Eisfrei“, die wenigsten Eltern sind jetzt in der Lage, ihren Kindern täglich 0,25 Mk. zu geben um zum Sportplatz zu gehen; und geschlittet wird doch, wenn nicht auf dem Weiher, dann auf der Straße und auf den Bürgersteigen, und hier sollte die Polizei lieber Asche streuen lassen, damit die Erwachsenen nicht zu Fall kommen.
Man lasse doch den Kindern den Weiher, und ich glaube im Sinne aller Eltern zu sprechen, die ihre Kinder sich lieber warm auf dem Eise tummeln sehen, als jetzt, bei der bitteren Kohlenot, frierend in kaum erwärmten Zimmern. Zudem ist unserer Bonner Jugend so selten ein richtiger Winter beschieden, da hier in Bonn doch meistens Tauwetter ist. Eine Kinderfreundin.
(Anm. der Schriftl. Wir geben der Zuschrift gerne Raum, müssen aber bemerken, daß der Universitätsfiskus offenbar keine Verantwortung für etwaige Unglücksfälle tragen will und daher vorbeugende Maßnahmen trifft. Daß übrigens die Beueler Polizei das Schlittschuhlaufen am rechten Rheinufer gegenüber der Ersten Fährgasse duldet, erscheint uns recht auffällig. Dort ist die Gefahr angesichts des offenen Wassers des Rheins ungleich größer als auf dem Poppelsdorfer Weiher.)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Liefert die Fahrrad-Bereifungen ab! Da noch immer Besitzer von Fahrrad-Bereifungen mit der Abgabe im Rückstand sind, wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Frist zur freiwilligen Abgabe nur noch bis zum 5. Februar 1917 verlängert ist. Es wird dabei besonders bemerkt, daß alle gemeldeten Bereifungen bis zum obigen Termin abgegeben werden müssen. Die Ablieferer erhalten bei der freiwilligen Abgabe noch den vollen festgesetzten Preis, der sofort ausgezahlt wird. Nach der freiwilligen Abgabe wird zur Enteignung geschritten und die dann zu zahlende Vergütung bedeutend niedriger ausfallen.
Frostschutz für Wasserleitungen. Wegen der anhaltenden Kälte wird wiederholt darauf hingewiesen, daß es nötig ist, Wassermesser und Wasserleitungen vor Frost zu schützen. Fenster von Räumen mit Wasserleitungen müssen geschlossen und nötigenfalls abgedichtet werden. Die Wasserleitungen im Hause sollen, soweit sie nicht frostfrei liegen, für die Nacht abgesperrt und entlehrt werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)