Mittwoch, 26. Dezember 1916
Am zweiten Weihnachtstag erschienen in Bonn keine Zeitungen.
Donnerstag, 27. Dezember 1917
Die Weihnachtsfeiertage haben durch den Schneefall, der am heiligen Abend den Nebel und Rauhreif ablöste, die rechte winterliche Stimmung erhalten. Beide Tage brachten prächtiges Winterwetter, zur Freude der Jugend, die schnell alle abschüssigen Straßen in Rodelbahnen verwandelte. In den Familien wurde das Fest zumeist noch einfacher und mit weniger Lichterglanz am Christbaum, darum aber nicht weniger herzlich als in den drei ersten Kriegsjahren gefeiert. In den Lazaretten und Krankenhäusern fanden am heiligen Abend oder schon am Tage vorher Feiern für die Verwundeten und Kranken, in den Kirchen an den Nachmittagen des ersten und zweiten Feiertages Weihnachtsfeiern für die Kinder statt. Auch eine Anzahl Vereine versammelten ihre Mitglieder und deren Familien wieder zu gemeinsamen Weihnachtsfeiern mit Verlosungen oder Bescherungen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Feier im Reservelazarett III (Beethovenhalle) am letzten Samstag ging in besonders sinnvoller Weise vor sich. Schon vor langen Wochen hatte sich die Schwesternschaft mit ihrer unermüdlichen Oberschwester an der Spitze an die nötigen Vorarbeiten herangemacht, um dem Fest, das doch sicherlich als das letzte im Kriege gedacht ist, einen möglichst vollen Erfolg zu sichern. Der zweite Saal war mit Tannengrün und künstlichen Rosen hübsch ausgestattet. Der riesige Weihnachtsbaum fand in der Mitte des Saales seinen Platz. Oben auf der Galerie prangte ein zweiter Christbaum. Zur Feier selbst war eine ausgewählte Schar Gäste erschienen, u. a. bemerkte man Exzellenz v. Bötticher, den hiesigen Stadtkommandanten. […] Es wurden dann 106 Verwundete beschert, deren Gaben die lange Festtafel im Saale füllten.
Ein besonderer Kunstgenuß wurde den Soldaten in der Nervenklinik geboten. Die Konzertsängerin Frl. Meisterfeld, Herr Opernsänger Burgwinkel und Herr Pianist Schwan, alle aus Köln, erfreuten mit ihren herrlichen Darbietungen die andächtige Zuhörerschaft. […] Herzlicher Dank gebührt und wurde auch reichlich dargebracht den Künstlern, die in so selbstloser Weise ihre Meisterschaft in den Dienst einer einfachen Soldaten-Weihnachtsfeier stellten.
Die Hansa-Handelsschule veranstaltete wie alljährlich so auch in diesem Jahre eine Weihnachtsfeier für Arme und Verwundete. In Anbetracht der großen Beteiligung genügten indessen die Schulräume nicht mehr, weshalb sie diesmal im Kronprinzen-Hof stattfand. […]
Einbruchdiebstähle. Während der Feiertage wurden nachts wieder mehrere Einbruchdiebstähle verübt. Aus einem Hutgeschäft an der Breitestraße wurden für mehrere tausend Mark Pelze gestohlen. In derselben Nacht drangen Diebe in ein Schneidergeschäft an der Breitestraße ein und stahlen einen größeren Posten Herrentuche. Auch an mehreren anderen Stellen der Stadt wurden Einbruchdiebstähle verübt, wobei den Dieben Lebensmittel in die Hände fielen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Bonner „Verein zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit“ verhandelte in dem Arbeitsausschusse am 19. Dez. über einen sehr wichtigen Punkt: Durch schriftliche und mündliche Mitteilungen glaubwürdiger Personen war dem Ausschusse nahe gelegt, gegen das in letzter Zeit zunehmende, unsittliche Leben und Treiben gewisser weiblicher Personen Maßregeln herbeizuführen und besonders die Vermieter davor zu warnen, derartiges Treiben der Mieterinnen in den Mietsräumen zu dulden, da sie sonst der Bestrafung wegen Unterstützung der Unzucht sich aussetzen würden. Der Ausschuß kommt diesen Anregungen nach und wendet sich an das Ehrgefühl der gesamten Bonner Bürgerschaft mit der Bitte, ihn bei der Bekämpfung dieses Krebsschadens in jeder Weise zu unterstützen.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Freitag, 28. Dezember 1917
Das Treibeis des Rheins hat in den letzten Tagen zugenommen, es bedeckt den Strom jetzt in seiner ganzen Breite. Das Eis ist jedoch zu schwach, so daß die Schifffahrt noch nicht eingestellt zu werden brauchte. Immerhin ist der Schiffsverkehr durch das Treibeis sowie den niedrigen Wasserstand erschwert.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zur Knappheit an Brennstoffen in Bonn. Der Mangel an Kohlen und Briketts ist in Bonn immer noch nicht behoben. Die Hausfrauen sehen mit Sorge dem Ende des Jahres entgegen, da die zugewiesene Menge an Brennstoff ganz oder nahezu verbraucht ist und vor Neujahr neuer Brennstoff nicht zugewiesen wird. Wir machen uns zum Dolmetsch zahlreicher Notleidenden, wenn wir Herrn Beig. Bottler dringend bitten, dafür zu sorgen, daß die neuen Zuweisungen seitens der Kohlenhändler recht pünktlich erfolgen. Dadurch, daß die Schulen Kohlenferien bis zum 15. Januar haben, ist der Brandbedarf in den Wohnungen noch gestiegen, denn die Kinder müssen doch tagsüber in einem geheizten Raume untergebracht werden. Man hat übrigens den Eindruck, daß der Landkreis Bonn weit besser mit Briketts versorgt ist, als der Stadtkreis. Der städt. Kohlenausschuß möge diese Frage einmal nachprüfen, überhaupt der Brennstoffrage auch weiterhin mit Nachdruck seine Aufmerksamkeit widmen. Es ist in der fettarmen Zeit keine Annehmlichkeit für die Bürgerschaft, sich ungenügend geheizten Räumen aufhalten zu müssen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg. […] Der hiesigen Polizei gelang am Samstag hier ein guter Fang. Eine Einbrecher- und Diebesbande von drei männlichen Personen suchte hier in Godesberg am Samstag eine Menge Wäsche, Kleidungsstücke u. dergl. an den Mann zu bringen, die alle von einem Einbruchdiebstahle aus Köln herrührten, wobei dort bekanntlich eine Villa fast vollständig ausgeplündert worden war. Das Verbrecherkleeblatt, zu dem zwei Kriegsinvaliden gehören, wurde dem Amtsgerichte in Bonn zugeführt. Es liegt die Vermutung nahe, daß man mit dieser Festnahme auf die Spur einer großen Diebesbande gekommen sein wird.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Samstag, 29. Dezember 1917
Mitteilungen der Ortskohlenstelle. Die Ausgabe von Rohbraunkohlen erfolgt von jetzt ab außer an die Inhaber der Lebensmittelkartenumschläge A auch an die Inhaber der Umschläge B zum Preise von 1,05 M. je Zentner durch die Kohlenhändler. Entsprechende Kohlenmarken sind bei der Ortskohlenstelle unter Vorlage der Kartenumschläge zu entnehmen. Die Rohbraunkohle, die neben den sonstigen Braunkohlen geliefert wird, ist bisher nur in beschränktem Umfange entnommen worden.
Infolge des Wagenmangels ist zurzeit die Zufuhr von Briketts stockend; eine Besserung ist in Kürze nicht zu erwarten. Es empfiehlt sich daher, an Stelle von Briketts andere Heizstoffe (Kohle, Gaskoks) zu nehmen. […]
Von Monat Januar ab haben fünf Kohlenmarken Gültigkeit; die zugeteilte Menge wird also gegenüber dem Dezember um einen Zentner Kohlen oder 1¼ Zentner Briketts erhöht. […]
An die Zentralheizungsbesitzer geht die dringende Mahnung, sparsam zu heizen; mit der Zufuhr von Koks in größerem Umfange ist in naher Zeit nicht zu rechnen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine Anzahl Austauschgefangener traf gestern mittag hier ein. Sie wurden am Bahnhof mit Musik empfangen und nach der Infanterie-Kaserne geführt. Auf dem Wege dorthin wurden die Soldaten vom Publikum herzlich begrüßt.
Kartoffel-, Brotversorgung und Schweinehaltung. Bei der allgemeinen Futterknappheit in diesem Jahr ist es nicht möglich, die zurzeit noch vorhandenen Schweinebestände den Winter über durchzuhalten, geschweige denn sie in einen schlachtreifen Zustand zu bringen. Die Kartoffelernte wird zur menschlichen Ernährung, zur Deckung des notwendigen Brennereibedarfs und zur Anlegung der dringend nötigen Reserven restlos Verwendung finden. Was den Landwirten zur Verfütterung belassen wird, muß zur Erhaltung der unbedingt erforderlichen Arbeitstiere (Pferde, Zugochsen) bestimmt werden. Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß Schweine allein mit Kartoffeln ohne Zusatz von eiweißhaltigem Kraftfutter nicht gemästet werden können. Die Weitererhaltung unserer Schweinebestände auf der am 15. Oktober festgesetzten Höhe birgt daher die Gefahr in sich, daß auf Kosten unsrer Brotgetreideversorgung unzulässige Verfütterungen erfolgen. Es bleibt daher nur übrig, eine beschleunigte Verminderung unseres Schweinebestandes herbeizuführen. Und zwar müssen alle nicht zur alsbaldigen Hausschlachtung oder zur Zucht benötigten Schweine sofort abgestoßen werden. […]
Das Treibeis des Rheines hat in den letzten Tagen stark zugenommen: es bedeckt jetzt den Strom in seiner ganzen Breite. Wie von Coblenz berichtet wird, hat sich auch das Moseleis vermehrt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Für das Soldatenheim. Im großen Saal des Bonner Bürgervereins wird am Dienstag den 1. Januar, um 5 Uhr nachmittags, ein Unterhaltungs-Abend durch den Ausschuß des Bonner Soldatenheims veranstaltet, bei dem die Kapelle des Inf.-Regts. Nr. 609 (Leitung Herr Schuricke) sowie Mitglieder des Bonner Männer-Gesangvereins nebst Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt mitwirken. […] Aus dem Erlös werden die Unkosten der Sonntags regelmäßig im Soldatenheim (Josefstraße) veranstalteten Unterhaltungsabenden gedeckt, ein Umstand, der recht viele Bonner Einwohner veranlassen dürfte, die genußreichen Darbietungen zu besuchen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 30. Dezember 1917
Städtischer Sportplatz Reuterstraße. Die Eisbahn ist Sonntag bis zum Eintritt der Dunkelheit geöffnet. Vormittags von 11½ bis 1 Uhr und nachmittags von 2½ ab Eislauf mit Musik.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Lehramt und Turnen. Nachdem vor Jahr und Tag festgelegt worden ist, daß nur solche Oberlehrer zu Direktoren von höhern Lehranstalten berufen werden können, die in der Lage sind, den Nachweis über ihre Turnlehrer-Prüfung zu erbringen, bestimmt nun ein neuer ministerieller Erlaß, daß junge Leute, die nicht die volle Turnfähigkeit haben, in die Lehrerbildungsanstalten nicht mehr aufgenommen werden dürfen. Das gleiche gilt sinngemäß auch für die Aufnahme in die öffentlichen und privaten Volksschullehrerinnenseminare. Die Kreisärzte sind daher angewiesen, in Gesundheitszeugnissen zum Zwecke der Aufnahme in Anstalten der gedachten Art ausdrücklich anzugeben, ob der Anwärter die volle Turnfähigkeit besitzt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 31. Dezember 1917
Die Bonner Toten des Jahres 1917. Auch im Jahre 1917 hat der Weltkrieg wieder zahlreiche Blutopfer von Jünglingen und Männern aus der Bürgerschaft, der Studentenschaft und den Truppenteilen der Stadt Bonn gefordert und aufs neue Hunderte Familien in Trauer versetzt. Außer den auf dem Schlachtfelde, im Luft- und Seekampfe Gefallenen sind aber auch wieder sehr viele daheim gestorben, die durch ihre Stellung oder ihre Persönlichkeit mehr oder weniger bekannt gewesen sind. […]
Beschlagnahme gebrauchter Kleidungs- und Wäschestücke. Um die gebrauchten Kleidungs- und Wäschestücke, die sich im Besitz von Althändlern und ähnlichen Gewerbetreibenden befinden, zu erfassen, ist von der Reichsbekleidungsstelle deren Beschlagnahme angeordnet worden. Die Besitzer dieser Gegenstände sind verpflichtet, sie sorgfältig aufzubewahren und ihnen schonende Behandlung angedeihen zu lassen, die ihre Erhaltung gewährleistet. Veränderungen, insbesondere Ortsänderungen dürfen an den beschlagnahmten Gegenständen nicht vorgenommen werden. Desgleichen sind rechtsgeschäftliche Verfügungen über sie untersagt. Die von der Beschlagnahme betroffenen Kleidungs- und Wäschestücke sind von den Besitzern dem Kommunalverbande zu melden, in dessen Bezirk sich diese Gegenstände befinden. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)