Bonn 1914-1918
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Sonntag, 26. August 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. August 1917Jedes Gramm Gold verkürzt den Krieg. So viele Feinde auch unser Reich vertilgen wollen, sie müssen es nachgerade wissen, daß sie mit den Waffen unsere Heere nicht niederringen können. Und die Ernte hat ihre tückischen Hoffnungen auf eine Hungerniederlage unseres Volkes abermals erschüttert. Umso mehr rechnen sie damit, daß uns die goldenen Waffen ausgehen. Erst wenn sie auch diese Erwartung begraben müssen, werden sie Frieden schließen. Je stärker der Goldschatz der Reichsbank ist, desto stärkeren Eindruck macht er auf die Feinde, desto näher kommt also der Friede. Jeder kann dieses Friedensziel beschleunigen, wenn er seine Goldsachen an die Goldankaufsstelle am Münsterplatz verkauft. Goldketten, Goldnadeln usw. entsprechen ohnedies nicht in dieser eisernen Zeit. Und den vollen Goldwert bekommt jeder bar ausbezahlt.

Das letzte Konzert im großen Saal der Stadthalle, der bekanntlich ein Lebensmittellager werden soll, findet heute nachmittag statt. Der Bonner Männergesangverein Apollo wird auch bei diesem letzten Konzert noch einmal mitwirken und eine Reihe Lieder vortragen. Ein neues Gedicht eines seiner Mitglieder, vom Vereinsleiter vertont, wird voraussichtlich seine Wirkung nicht verfehlen: Herr Gott, nun schlage du doch drein, der Feinde sind so viele, wir kämpfen ganz allein usw.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

        

Die Hühnerjagd, welche im Laufe dieser Woche ihren Anfang nahm, scheint diesmal recht lohnend auszufallen. Man sieht die Jäger meist mit zahlreicher Beute von der Jagd zurückkehren. Fast alle Reviere sind mit jungen, ansehnlich aufgefütterten Hühnern reichlich bestellt und die zahlreich vorhandenen Ketten halten jetzt noch gut zusammen.
   
Ketten mit 12 bis 15 Vögeln werden öfters aufgetrieben. Zersprengte Ketten schreien sich durch ihren eigentümlichen Ruf bald wieder zusammen. Selten streichen sie von ihrem Geburtsorte weit hinweg und fallen stets auf den Boden, nie auf Bäume und Sträucher ein. Ihr Fleisch ist als Leckerbissen für Gesunde und Kranke sehr geschätzt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

               

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. August 1917Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
    Brotversorgung.
Die wöchentliche Brotmenge, die auf die Brotmarken der Stadt Bonn ausgegeben wird, beträgt 1875 Gramm. Inhaber von Reisebrotmarken dagegen erhalten wöchentlich nur 1750 Gramm, also 125 Gramm oder ¼ Pfund Brot weniger. Auf Reisebrothefte und –Marken darf nur die auf den Marken verzeichnete Gewichtsmenge abgegeben werden.
   
Fleisch.
Die neuen Preise für Fleisch und Wurst sind folgende: für je ein Pfund Rindfleisch 2,60 M., Fleischwurst 2,80 M., Leberwurst 1,50 M., Blutwurst 0,80 M. Auf besonderen, an sichtbarer Stelle angebrachten Plakaten wird in den Metzgergeschäften bekanntgegeben, welche Menge Fleisch auf jede Person entfällt.
    Die geringen Viehzuweisungen ermöglichen es nicht, am Samstag ½ Pfund Fleisch und Fleischwaren an jeden Verbraucher abzusetzen.
   
Fett.
Auf die Abschnitte Butter und Fett der Speisefettkarte werden in der kommenden Woche wieder je 30 Gramm verausgabt.
   
Kartoffeln.
Die bisherige Wochenmenge von 5 Pfund für die allgemeine Bevölkerung und die Zulage von 4 Pfd. Für die Schwerarbeiter bleiben bis auf weiteres bestehen. Die Kartoffeln für die Zeit vom 27. August bis 9. September sind baldmöglichst bei den Verkaufsstellen abzunehmen, da immer noch Rückschläge in der Zufuhr eintreten können.
[...]
   
Wildgemüse, Pilze und Teekräuter.
Die nächste Führung findet am Donnerstag, den 30. August, nachmittags 5 Uhr statt. Die Teilnehmer sammeln sich auf der Bergstraße in Bonn-Dottendorf. Eine rege Beteiligung wird erwartet. Sammeltaschen sind mitzubringen.
[...]
    Kochkiste.
Durch die angeordnete Gasersparnis gewinnt die Kochkiste eine große Bedeutung, da man mit ihr eine wesentliche Ersparnis erzielt. Anfertigung von Kochkisten täglich von 4 bis 6 Uhr im Volkshause, 1. Stock, Sandkaule 13.-
     Bekleidungsamt.
Ehrenurkunden für die unentgeltliche Abgabe getragener Kleidungs- und Wäschestücke sowie Schuhwaren sind von der Reichsbekleidungsstelle herausgegeben worden. Sie bilden ein dauerndes Andenken an unsere große und harte Zeit und werden auf Wunsch jedem, der einen Gegenstand von mindestens 5 Mark Schätzungswert unentgeltlich abliefert, in der Altkleiderstelle Martinistraße Nr. 18 ausgestellt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 27. August 1917

        

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. August 1917Die von der Sozialdemokratie gestern nachmittag veranstaltete Volksversammlung in der Germaniahalle war außerordentlich gut besucht. Der Redner, Redakteur Sollmann aus Köln, behandelte in seinem zweistündigen Vortrage die Aufgabe „Brot, Freiheit, Frieden“. Der Verlauf des Krieges hat, wie er ausführte, bewiesen, daß rein kapitalistische Interessen den Krieg verursacht haben. Es handelt sich um einen Rivalitätskampf des englischen und des deutschen Kapitalismus. In der ganzen Menschheitsgeschichte hat kein Volk militärisch und wirtschaftlich so viel geleistet, wie das deutsche Volk in den letzten drei Jahren. Für unsere Ernährungsnöte solle man nicht die Engländer so stark verantwortlich machen; die Not, die in weiten Kreisen herrscht, ist das Werk deutscher Volksgenossen, des deutschen Wuchergeistes. Die Gegner glauben nicht, daß sie uns noch militärisch niederzwingen können, sie bauen aber auf die vaterlandslosen Gesellen im eigenen deutschen Vaterlande, die das Volk aushungern. Wer im ersten Kriegsjahre so anständig war, nicht zu hamstern, der kann heute hungern, während die anderen wohlgefüllte Speicher und Keller haben. Die Bauern soll man für die jetzigen Verhältnisse nicht verantwortlich machen, sie befolgen nur den Grundsatz des Kapitalismus: Bereichert euch! Die Munitionsindustriellen beschuldigt man ja auch nicht des Wuchers, sie bekommen im Gegenteil noch das Eiserne Kreuz und das Verdienstkreuz. Die Regierung könnte manches ändern, sie müßte mit den ländlichen, kaufmännische und industriellen Kapitalisten die selbe Sprache sprechen wie mit den Arbeitern. Warum kann man nur die Arbeiter, nicht auch andere Stände unter das Hilfsdienstgesetz stellen? Anständige Arbeiter kann man mit dem Zuchtshaus bedrohen, wo bleiben die Zuchthausdrohungen gegen die Bauern, Händler und vor allem gegen die ostelbischen Junker, die am meisten an der Aushungerung des Anzeige im General-Anzeiger vom 27. August 1917Volkes schuld sind? Das Schicksal Deutschlands hängt im kommenden Winter vom Brot, von den Kartoffeln und von den Kohlen ab. Gelingt es der Regierung aber nicht, dann mag sich die deutsche Regierung selbst für den Zusammenbuch verantwortlich machen. Auf einen Ruf hin würden dann vielleicht viele Tausende von Munitionsarbeitern die Arbeit niederlegen (!!). Beförderungsschwierigkeiten darf es nicht geben, im Notfalle sollte man den gesamten Personenverkehr einstellen. Der neue sozialdemokratische Unterstaatssekretär ist unzweifelhaft ein Fortschritt, denn man kann es jetzt keinem Beamten mehr verwehren, Sozialdemokrat zu sein. Dr. August Müller stand allerdings in der Partei so weit rechts, daß er mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen war. Das Dreiklassenwahlrecht zum Landtag, in den Städten sowie die Bureaukratie müssen beseitigt werden, sie dürfen diesen Winter nicht mehr überleben. Bringt man im Laufe des Winters nicht das gleiche Wahlrecht zustande, so ist das die Kriegserklärung der Regierung an das deutsche Volk (!!), und diese Kriegserklärung wird das Ende des Reiches bedeuten. Die Regierungen sind unfähig, den Krieg zu beenden, weil sie den Sieg wollen. Ein Sieg im alten Sinne des Wortes ist aber in diesem Krieg überhaupt nicht möglich, auch nicht wünschenswert (!!). Den Faustpfändern Deutschlands kann England ebenso wertvolle Faustpfänder entgegenstellen (?). Auch für den Kapitalismus ist der Krieg längst kein Geschäft mehr, eine weitere Dauer des Krieges bedeutet nur sinnloses Hinschlachten weiterer Hunderttausender. Die Sozialdemokratie hat die Macht, das Reich zusammenbrechen zu lassen (?), sie hält aber durch im Interesse des deutschen Volkes, denn wenn Deutschland niedergeschlagen würde, so würde ihm zu den eigenen auch noch die fremden Kriegskosten aufgeladen werden, die deutschen Arbeiter würden dann neben der Knechtschaft der deutschen auch Anzeige im General-Anzeiger vom 27. August 1917die der englischen und französischen Kapitalisten zu tragen haben. Die deutsche Arbeiterschaft muß vielmehr erwarten, daß der Weltmarkt wiedererobert wird, denn sonst müssen die deutschen Arbeiter auswandern oder zu Hungerlöhnen arbeiten. (Sehr richtig! Dazu brauchen wir aber einen Sieg!) Kriegsentschädigung bringt den Arbeitern keinen Vorteil, um sie zu erhalten, müßte vorher noch das Blut vieler Hunderttausender geopfert werden. Die Lichtblicke der letzte Monate sind die russische Revolution, die den Zarismus, eine der gewaltigsten kriegstreiberischen Mächte, beseitigt hat, die Stockholmer Konferenz und die Friedensnote des Papstes. Die Stockholmer Konferenz lebt und marschiert, es besteht die Möglichkeit, daß dort die Vorverhandlungen für einen Frieden gemacht werden. [...] Dem Papst ist die Mehrzahl der Sozialdemokraten für seine Note dankbar, jeder Sozialdemokrat kann die päpstlichen Vorschläge bis auf das letzte Wort unterschreiben (?). Die rote und die schwarze Internationale mögen gemeinsam den Frieden herbeiführen. Vielleicht gelingt es aber dem Papst eher als der Sozialdemokratie, weil die Regierungen den Frieden lieber aus der Hand der Macht der Vergangenheit entgegennehmen als aus der aufstrebenden Macht der Zukunft. Auch in diesem Fall soll der Papst den Beifall der Sozialdemokraten haben, wenn auch durch seine Friedensvermittlung die Stellung des Klerikalismus vorübergehend (??) gestärkt wird. – Eine Aussprache, zu der aufgefordert wurde, fand nicht satt, da sich niemand zu Wort meldete.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Veräußerungsverbot für Gasthauswäsche. Durch eine Verordnung der Reichsbekleidungsstelle im Reichsanzeiger vom 25. August 1917 sind die gesamten Bestände an Bett-, Haus- und Tischwäsche, die sich im Besitze von Hotels, Pensionen, Gast- und Schankwirtschaften und ähnlichen Betrieben oder in Wäscheverleihanstalten befinden, beschlagnahmt worden. Nachdem erst kürzlich die Verwendung der verschiedenartigen Gasthauswäsche eingeschränkt worden war, setzte sofort ein lebhafter Handel mit diesen Wäschevorräten ein, wodurch die Gefahr unberechtigter Preissteigerungen und unzweckmäßiger Verwendung dieser wertvollen Wäschebestände entstand. Die neuste Verordnung der Reichsbekleidungsstelle bringt ein Verfügungs- insbesondere Veräußerungsverbot dieser Wäsche, während eine Enteignung durch die Verordnung nicht angeordnet wird. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Die Schalen der Falläpfel, die in vielen Haushaltungen achtlos weggeworfen werden, lassen sich in der Küche noch sehr gut verwerten. Durch gutes Kochen bei einem geringen Wasserzusatz und Aufkochen des so gewonnenen Saftes mit Zucker erhält man einen vorzüglichen Apfelgelee. Der dem aus Aepfeln hergerichteten Gelee kaum nachstehen dürfte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 28. August 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. August 1917Das letzte Konzert im großen Saale der Stadthalle am vorgestrigen Sonntag war noch einmal außerordentlich zahlreich besucht. Zu den Musikstücken der Kapelle des Bonner Ersatzbataillons der 160er trug der Männergesangverein Apollo eine Anzahl Lieder vor, die großen Beifall fanden, so daß die Sänger sich auch noch zu einigen Zugaben verstehen mußten. Zum Schluß dankte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Herr Klug, den Zuhörern dafür, daß sie dem Apollo immer treu gewesen seien und seine Veranstaltungen besucht hätten. Hoffentlich werde die Stadthalle nicht allzu lange ein städtisches Lebensmittellager zu sein brauchen, so daß sie für ihren bisherigen Zweck bald wieder benutzt werden könne.

Festgenommen wurde von der Kriminalpolizei ein 22jähriges Mädchen aus Sinzig, das in einem Hause der Acherstraße eine Anzahl Kleidungsstücke gestohlen hatte. Die Diebin hatte sich in der bestohlenen Familie eingeführt mit dem Angebot, Gemüsse beschaffen zu wollen, sie hatte in Wirklichkeit aber gar kein Gemüse zur Verfügung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. August 1917Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. August 1917Beförderung von gehamstertem Gemüse usw. auf der Rheinuferbahn. Infolge der scharfen Kontrolle der Bahnhöfe der Vorgebirgsbahn wandte sich eine große Zahl von Hamsterern, unter Umgehung der „gefahrvollsten“ Punkte nach den nächstgelegenen Stationen der Rheinuferbahn, um von dort aus ihre Vorräte ungehindert fortschaffen zu können. Seit einigen Tagen sind die Beamten der Rheinuferbahn angewiesen, keine Gepäckstücke, ausgenommen kleineres Handgepäck, mehr zu befördern, wenn nicht die vorschriftsmäßigen Ausfuhrscheine vorhanden sind. Infolgedessen ist in den letzten Tagen eine ganze Anzahl von Hamsterern von der Fahrt ausgeschlossen worden und mußten auf den einzelnen Stationen zurückbleiben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Beschlagnahmt wurden heute früh auf dem Wochenmarkt eine große Anzahl von Körben mit Aepfel, Birnen und Pflaumen, die ein Händler von auswärts aufgekauft hatte, ohne im Besitz des erforderlichen Erlaubnisscheines zu sein.

Die letzten beiden Sonntage waren mit ihrem prachtvollen Sommerwetter so recht geeignet zu einem starken Ausflugsverkehr. Bonn selbst als auch besonders die Orte der näheren Umgebung waren daher gut besucht. Die Verkehrsmittel, wie Dampfer und elektrische Bahnen wiesen eine große Zahl von Fahrgästen auf. Die sogenannten Hamsterzüge am Abend boten das altgewohnte Bild.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 29. August 1917

      

Bonner Lebensmittelversorgung. Die Kartoffelversorgung hat sich wesentlich gebessert. Auch in dieser Woche können wieder sieben Pfund auf den Kopf der Bevölkerung ausgegeben werden, und zwar werden fünf Pfund auf die Kartoffelkarte und zwei Pfund auf die Warenmarke 32 verabfolgt. Eine Bekanntmachung darüber wird noch veröffentlicht. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, werden auch für die nächsten Wochen sieben Pfund, unter Umständen sogar noch mehr Kartoffeln abgegeben werden. Die gute Kartoffelversorgung ist deshalb freudig zu begrüßen, weil nach wie vor Gemüseknappheit herrscht. Diese ist noch immer darauf zurückzuführen, daß die Höchstpreise überschritten werden. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst ist jedoch in letzter Zeit sehr scharf gegen den Gemüsewucher vorgegangen, und es ist zu erwarten, daß wir noch vor der Anlieferung des Herbstgemüses endlich geordnete Zustände bekommen. Die Stadt Bonn hat große Abschlüsse in Kohl und anderen Herbstgemüsearten getätigt, so daß in den nächsten Wochen der Markt voraussichtlich gut beliefert werden kann.
   Die städtische Kleinverkaufsstelle, die sich jetzt im Hause der Armenverwaltung Franziskanerstr. 8a befindet, wird vom nächsten Montag ab nach dem Eckladen im Ritzdorffschen Hause Franziskanerstraße-Belderberg verlegt. Es sind dort größere Räumlichkeiten gemietet worden, so daß die Käufer besser und schneller abgefertigt werden können.
   Die Kriegsküchen haben in dieser Woche wieder rund 4.500 Teilnehmer.
   Die Belieferung der Stadt Bonn mit Fleisch ist in den letzten Wochen sehr schlecht gewesen, so daß nicht die vollen 250 Gramm auf den Kopf abgegeben werden konnten. Das Lebensmittelamt hat beim Viehhandelsverbande die nötigen Schritte getan, um diesem bedauerlichen Mangel abzuhelfen.

Im Metropol-Theater wird gegenwärtig u. a. der Film „Die Marokko-Deutschen in der Gewalt der Franzosen“ nach Aufzeichnungen des deutschen Vizekonsuls Gustav Fock aus Rabat vorgeführt, ein Film, der gerade in dieser Zeit, wo wir Deutsche von Versöhnungsfrieden und Internationalität schwätzen, zur Wiedererweckung deutschen Selbstbewußtseins im einzelnen dienlich sein könnte. Was zu Kriegsbeginn deutsche Frauen und Männer in den Händen der Franzosen – bekanntlich die international beglaubigten Vertreter höchster Kultur, Menschlichkeit und „Galanterie“ – gelitten haben, wird hier in einem kleinen Ausschnitt, der in Marokko spielt, mit erschütternder Wirkung dargestellt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

         

Die Obst- und Gemüsediebstähle in unserer Stadt mehren sich in fast unheimlichem Maße. Allenthalben hört man klagen. Nicht nur die Feldbestände und Obstgärten, sondern auch die Haus- und selbst die Vorgärten werden heimgesucht und Obst und Gemüse oft nicht pfund-, sondern sogar zentnerweise abgeschleppt. Dabei benehmen sich die Diebe, wenn sie irgendwie gestört oder abgefaßt werden, in unglaublich roher Weise und setzen sich der Festnahme oder Feststellung der Person nicht selten in gefahrdrohender Weise entgegen. So sollen u. a. die Diebe einem Gartenbesitzer im südlichen Stadtteil mit dem Revolver entgegengetreten sein. Wenn das so weitergeht, erscheint ein Selbstschutz der Besitzer untereinander geboten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Schüler als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft kann jetzt mehr als je alle Hilfskräfte brauchen. Als solche kommen vor allem auch Schüler in Frage. Nun ist aber mehrfach berichtet worden, daß Schüler, die gern bereit waren, bei den landwirtschaftlichen Arbeiten zu helfen, von ihren Eltern daran verhindert wurden, weil sie einerseits befürchteten, die Arbeit könnte für ihre Jungen zu schwer sein und diese könnten bei solcher Tätigkeit gesundheitlich Schaden nehmen, andererseits die Schüler könnten in ihren Bildungsanstalten zurückbleiben. Ersteres Bedenken läßt sich ohne weiteres widerlegen. Das Arbeiten in frischer Luft kann die jungen Körpger nur stählen und kräftiger machen. Die zweite Besorgnis aber wird behoben durch eine Verordnung des Kultusministeriums, daß Schüler, die im Winter ihre Schuldigkeit tun, bei der Versetzung in höhere Klassen nicht zu kurz kommen sollen, auch wenn sie nicht das volle vorgeschriebene Pensum beherrschen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 30. August 1917

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. August 1917Ferienspiele. Am übermorgigen Samstag, dem 1. September, werden die von der Stadt Bonn eingerichteten Ferienspiele durch eine vaterländische Feier auf dem Venusberge abgeschlossen werden. In dankenswerter Weise stellt das Ersatzbataillon der 160er die Musikkapelle zur Verfügung. Die einzelnen Spielgruppen versammeln sich mit ihren Fahnen vormittags gegen 8.30 Uhr auf dem Kaiserplatz, von dort wird einige Minuten später abmarschiert. Die Knaben und Mädchen der Bonner Volksschulen sind zu dieser Feier eingeladen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Ausschluß vom Fleischverkauf. Der Metzgermeister Max Strauß, Sterntorbrücke, wird nach einer Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in der heutigen Nummer unseres Blattes wegen Unregelmäßigkeiten im Geschäftsbetrieb für die Zeit vom 30. August bis 12. Sept. vom Fleischverkauf ausgeschlossen.

Durch den Sturm der letzten Tage ist hier und in der Umgegend großer Sachschaden entstanden. Am Vorgebirge, in der Erft- und Dürener Gegend wurde fast die ganze Obsternte von den Bäumen geweht. Infolgedessen wird das Obst in großen Mengen auf den Wochenmarkt gebracht – aber billiger ist es immer noch nicht geworden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Ausgabe besonderer Brotkarten zum Bezug von Krankenbrot und Zwieback. Von Freitag, den 31. August 1917 ab werden im städtischen Lebensmittelamt, Zimmer 7, vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr besondere Brotkarten zum Bezuge von Krankenbrot und Zwieback ausgegeben. Bezugsberechtigt sind nur Personen, denen auf Grund einer ärztlichen Bescheinigung bisher die Brotkarte zum Bezuge von Krankenbrot oder Zwieback abgestempelt worden ist. Diese Brotkarte, sowie der Lebensmittelkarten-Umschlag sind mitzubringen. Die Bäcker dürfen vom 3. September d. J. ab auf die mit dem Stempel Krankenbrot oder Zwieback versehenen Brotkarten, Krankenbrot und Zwieback nicht mehr abgeben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Lebensmittelverkauf“)

Freitag, 31. August 1917

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. August 1917Ueber die Neuordnung der Butterpreise entnehmen wir den Mitteilungen des Kriegsernährungsamts folgendes: Die anhaltende Trockenheit hat in verschiedenen Gebieten die Futterernte so nachteilig beeinflußt, daß bei den bisherigen Preisen für Milch und Butter die Unkosten der Milchviehhaltung nicht mehr überall gedeckt werden. Wenn nicht eine Erhöhung insoweit zugestanden wird, daß den Landwirten die Selbstkosten erstattet werden, so ist ein weiteres Sinken der Milch- und Buttererzeugung für den kommenden Winter mit Sicherheit zu erwarten. Es erschien daher erforderlich, die Preisregelung grundsätzlich neu zu gestalten. […] Es soll der Butterherstellerpreis ein bestimmtes Verhältnis zum Milcherzeugerpreis nicht überschreiten, er soll nicht über 8 Mark für das Pfund betragen. […] Für größere Städte wird eine weitere beschränkte Erhöhung des Verdienstes für den Groß- und Kleinhandel vielfach nicht zu vermeiden sein. Hand in Hand mit dieser Neugestaltung der Preise wird der weitere Ausbau der Bewirtschaftung von Milch und Butter durch eine zweckmäßige, den örtlichen Wirtschaftsverhältnissen angepaßte Organisation zur Erfassung dieser Nahrungsmittel in den Erzeugungsgebieten, durch Ueberwachung ihres Verbrauchs in den Bedarfsgebieten und vor allem durch Bekämpfung des Schleichhandels gehen müssen. Die Versorgung mit Speisefetten und Milch wird im kommenden Winter nur unter erheblich vermehrten Schwierigkeiten vor sich gehen können. Es steht zu hoffen, daß die neue Butterpreisverordnung mit dazu beitragen wird, diese Schwierigkeiten zu beheben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. August 1917Vaterländische Kundgebung am Arndt-Denkmal. In allen Gauen der Rheinischen Turnerschaft hat die Anregung auf Veranstaltung einer Turner-Kundgebung gegen die aufs neue enthüllten feindlichen Eroberungsgelüste die denkbar günstigste Aufnahme gefunden: Sie sollen ihn nicht haben! Am Sonntag, nachmittags 4 Uhr erfolgt die machtvolle vaterländische Kundgebung am Arndt-Denkmal auf dem Alten Zoll. In geschlossenem Zuge marschieren die Fahnenabordnungen und die übrigen Teilnehmer des Rheinischen Turnerverbandes vom Turnplatz am Arndthause dorthin. […]

Wucherpreise für Rippentabak. Wie wir bereits vor einiger Zeit mitteilten, wird auch hier in Bonn Tabak zum Preise von 10 Mk. und mehr für das Pfund verkauft. Es handelt sich dabei um geschmuggelten oder unter anonymer Flagge segelnden reinen Rippentabak, der mit 3.50 bis 4.50 Mk. hoch genug bezahlt ist. Dieser Hinweis hat natürlich keinerlei Bezug auf die reelle deutsche Rauchtabak-Industrie mit ihren jetzigen Preisen.

Das „schwache“ Geschlecht. Die starke Steigung an der hiesigen Brückenrampe macht den Lenkern von Lastfuhrwerken viel zu schaffen. Sobald ein Pferd sich einmal weigert, die Brückenrampe anzusteigen, bringt es der Lenker in den meisten Fällen nicht fertig, das Tier zum Weitergehen zu bewegen. Da helfen keine guten Worte, da hilft keine Peitsche, sogar ein Vorspannpferd ist meist nicht im Stande, das Fuhrwerk in Bewegung zu bringen, weil der scheugewordene Gaul allen Fortbewegungsversuchen heftigen Widerstand entgegensetzt. Am Montag morgen machte ein etwa 16jähriger Junge, der mit einem leichtbeladenen Ponyfuhrwerk über die Rheinbrücke fahren wollte, dieselbe Erfahrung. In der Doetschstraße blieb das Pferd wie festgewurzelt stehen, und alle Versuche, es anzutreiben, waren vergebens. Er streichelte das Tier, redete ihm gut zu und schließlich, als alles nichts half, versuchte er es mit der Peitsche weiterzubringen. Jedoch ohne Erfolg. Als der Junge ratlos dastand, stieg ein etwa 12jähriges Mädchen, das schon seit Kriegsbeginn einen Bäckerwagen selbständig fährt, von seinem Fuhrwerk und nahm dem Jungen die Zügel aus der Hand. „Gangt ens op Sick, gevv ens die Peetsch her!“ rief es dem Jungen zu, und im nächsten Augenblick ging der Tanz los. Hageldicht fielen die Schläge auf den widerspenstigen Gaul und unter großem Hallo der Umstehenden riß der Pony aus und hatte im nächsten Augenblick die Steigung überwunden. Der Junge eilte mit hochrotem Kopf seinem Fuhrwerk nach und schwang sich in der Nähe des Zahlhäuschens auf den Bock. „Dat kann goot werde“, meinte ein Zuschauer anerkennend, als das Mädchen wieder sein Fuhrwerk bestieg und nach der Hundsgasse zu weiterfuhr.

Schöffengericht Bonn. Ein Wirt und Metzger aus Beuel hatte in der Nacht zum 25. Mai fünfzig Pfund Rindfleisch bei sich einschmuggeln lassen, angeblich von einem unbekannten Metzger aus Luxemburg stammend und von einem unbekannten Soldaten. Er verkaufte diese Waren an seine Kundschaft. Von der Polizei wurde ihm schließlich noch 21½ Pfund beschlagnahmt. Ein amtsrichterlicher Strafbefehl verhängte über den bereits zweimal vorbestraften Angeklagten dieserhalb einen Monat Gefängnis. Sein Einspruch hatte in der gestrigen Schöffengerichtssitzung den Erfolg, daß diesmal, wie im Urteil ausdrücklich betont wurde, nochmals ausnahmsweise von einer Gefängnisstrafe abgesehen und eine Geldstrafe von 300 Mark über ihn verhängt wurde.
[…]
   Der Händler Joh. K. von hier hatte im Juni die Stachelbeeren, deren Höchstpreis auf 40 Pfg. pro Pfd. stand, mit 70 und 65 Pf. verkauft, auch in seinem Laden kein richtiges Preisverzeichnis aushängen gehabt. Für den ersten Fall erhielt er 50 Mark, für den zweiten Fall 10 Mark Geldstrafe. – Der Höchstpreis von 42 Pfennig für Kirschen hatte die hiesige Händlerin Witwe Jos. H. um fast das dreifache überschritten, indem sie dieselben mit 1,20 Mark verkaufte. Das Gericht hielt die Strafe von 100 Mark für angemessen. Noch bevor das Urteil fertig ausgesprochen war, verließ die Angeklagte unwirsch und mit giftigem Blick den Gerichtssaal, was viel Heiterkeit erregte. – Die Händlerin N. hatte auf dem Markt den Salat als sonst keiner mehr dort war, nur noch stückweise verkauft und zwar mit 20 Pfennig pro Köpfchen, während der Verkauf nur pfundweise zum Höchstpreise von 25 Pfennig gestattet war. Das richterliche Urteil milderte die polizeiliche Strafverfügung von 100 auf 50 Mark.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Wallfahrt nach Bornhofen wird nicht, wie angezeigt, mit dem fahrplanmäßigen Dampfer, sondern mit dem Sonderdampfer „Ernst Ludwig“ erfolgen und zwar am Montag, den 3. September, morgens gegen 9 Uhr (Rheingasse). Preis für Hin- und Rückfahrt 6 Mk., Kinder die Hälfte. Karten sind bis Sonntag abend bei Herrn C. Tondorf, Sternstraße 66, zu haben. Das Schiff hält auf der Hin- und Rückfahrt in Godesberg und Königswinter.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

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