Samstag, 21. Oktober 1916
In der Stadtverordnetenversammlung berichtete Oberbürgermeister Spiritus gestern wieder über den gegenwärtigen Stand der Lebensmittelversorgung. Er drückte zum Schluß seines Berichts die Hoffnung aus, daß es mit Hilfe der städtischen Kriegsküchen, der erheblichen Vorräte in den städtischen Lagern und der zu erwartenden Zufuhren gelingen werde, in künftige bessere Zeiten hinüberzukommen. Die Stadtverordneten stimmten dann einem vom Stadtverordneten Dr. Krantz Einspruch gegen die Schädigungen der Stadt durch die Reichsstellen einstimmig zu. Die übrige Tagesordnung wurde verhältnismäßig schnell erledigt. U. a. wurde beschlossen, den zum Heeresdienst einberufenen Bürgern mit einem Einkommen bis zu 3000 Mark die Einkommenssteuer zu erlassen. Für drei Volksunterhaltungsabende wurde ein Zuschuß von 600 Mark, für die Weihnachtsliebesgaben an rheinische Truppen 30.000 M., an die einberufenen städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter 6400 M. bewilligt. Oberbürgermeister Spiritus teilte auf eine Anfrage des Stadtverordneten Kalt mit, er habe gegen die Stellungnahme der Kölner Handelskammer, daß Königswinter als Haltestelle der D-Züge 57 und 58 Beuel gegenüber zu bevorzugen, beim Regierungspräsidenten Einspruch erhoben.
Kartoffelverkauf. Den neuen, für das ganze Reich gültigen Bestimmungen entsprechend, werden auch in Bonn nur noch sieben Pfund Kartoffeln für den Kopf und die Woche abgegeben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zur Beschlagnahme von Fischen. In der Auslegung einer Verfügung über die Beschlagnahme von Fischen walten bei manchen Händlern Irrtümer ob. Tatsächlich handelt es sich bei der Beschlagnahme aber nur außer um die bisher schon der Beschlagnahme unterworfenen , aus dem Ausland eingeführten Salzheringe, Salzfische, Klippfische, Fischrogen, um die Beschlagnahme der aus dem Ausland eingeführten Salzmakrelen, geräucherten und marinierten Fische, Kräuterheringe, Rollmöpse, Stockfische und Fischkonserven. Alle im Inland gefangenen Fische, bzw. aus frischen Fischen im Inland hergestellten Fischkonserven, können nach wie vor frei gehandelt werden, so daß der Verbraucher durch die neue Verordnung wenig berührt werden wird.
Wegen schwerer Beleidigung eines Inhabers des Eisernen Kreuzes verurteilte das Schöffengericht gestern eine Frau von hier zu 50 Mk. Geldstrafe. Sie hatte der Frau des Beleidigten vorgeworfen, ihr Mann sei ein Leichenräuber, er habe ihr aus dem Feld 880 Mark geschickt, die er einem Gefallenen abgenommen habe und er habe das Eiserne Kreuz als „Liebesgabe“ erhalten. Das Schöffengericht rechnete der Verurteilten zugute, daß die Beleidigung in einem Streit gefallen sei, der sie sehr aufgeregt habe.
Eine zweite Kinderlesehalle. Wie wir hören, beabsichtigt die Frauengruppe für Volksbildung noch eine zweite interkonfessionelle Kinderlesehalle und zwar in Poppelsdorf (alte kath. Volksschule) zu errichten. Es werden viele schöne Bilderbücher, Märchen-, Sagen und andere Unterhaltungsbücher ausgelegt. Diese gute Einrichtung dürfte bei den Schulkindern in Poppelsdorf ebensoviel Anklang finden, wie in Bonn in den vier Jahren ihres Bestehens.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Bonner Stadttheater. Am kommenden Dienstag geht Franz Lehars bestes Werk, die romantische Operette „Zigeunerliebe“ in Szene. Das liebenswürdige, poesievolle Werk, welches auf das sorgfältigste von Hofrat Remond und Kapellmeister Gaertner einstudiert wurde und in allen seinen Partien von 1. Mitgliedern der Kölner Oper dargestellt wird, dürfte eine willkommene Bereicherung des Opernspielplans bieten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 22. Oktober 1916
Die Kaiserin vollendet am heutigen 22. Oktober ihr 58. Lebensjahr. Die öffentlichen Gebäude tragen Fahnenschmuck.
Beschlagnahme der Tabakvorräte. Die Vorräte an unbearbeiteten und bearbeiteten Tabakblättern ausländischer Herkunft sind für die Deutsche Tabakhandelsgesellschaft von 1916 G.m.b.H. in Bremen (Auslandsgesellschaft), die Vorräte an unbearbeiteten und bearbeiteten Tabakblättern inländischer Herkunft sowie an Tabakrippen, Tabakstengeln und Tabakabfällen sind für die Deutsche Tabakhandelsgesellschaft von 1916, Abteilung Inland, in Mannheim (Inlandgesellschaft) beschlagnahmt. Im Inland geernteter Tabak ist mit der Trennung vom Boden beschlagnahmt. Tabakrippen, Tabakstengel und Tabakabfälle, die bei der Bearbeitung von Tabakblättern ausländischer Herkunft, auch von orientalischen und ihnen gleichartigen Tabakblättern, anfallen, sind mit der Trennung für die Inlandgesellschaft beschlagnahmt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Städtische Lebensmittelversorgung: Die Entschließung, die am Freitag von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig angenommen wurde, lautet:
Die Stadtverordnetenversammlung beklagt das Geschäftsgebaren der Reichsstellen für Lebensmittelversorgung, wonach sie sich weigern, für den vollen Verlust an verdorbenen Waren aufzukommen, während die Stadt, wie jeder ordentliche Kaufmann, in derselben Lage diesen Schaden den Verbrauchern gegenüber trägt. Ebenso beklagt sie es, daß der Stadt Bonn Waren zu hohen Preisen abgegeben wurden, kurz bevor wesentlich herabgesetzte Höchstpreise festgesetzt worden sind. Die Verwaltung wird aufgefordert, nochmals in nachdrücklicher Weise bei den zuständigen Stellen vorstellig zu werden.
Hausschlachtungen. Jedermann, der sich ein Schwein gemästet hat, kann dieses Schwein für seinen Hausbedarf schlachten. Die Genehmigung zur Schlachtung eines Schweines darf demjenigen, der das Schwein in seiner eigenen Wirtschaft mindestens sechs Wochen gemästet hat, vom Kommunalverband nicht versagt werden, es sei denn , daß der Bedarf des Selbstversorgers für eine übermäßig lange Zeit gedeckt würde, sodaß mit dem Verderben eines Teils des Fleisches zu rechnen wäre. Dem Selbstversorger dürfen diejenigen Schweine, deren er zur Versorgung seiner Hausangehörigen bedarf, nicht fortgenommen werden. Es wird auch nicht von ihm verlangt, irgendeinen Teil des Schweinefleisches abzuliefern. Lediglich eine Anrechnung auf seine Fleischkarte findet statt; aber - je nach der Zahl der vom Selbstversorger auf den Kopf der von ihm zu versorgenden Personen geschlachteten Schweine – nur mit ½ bezw. drei Fünftel des tatsächlichen Gewichts, sodaß dem Selbstversorger voll oder wenigstens annähernd die doppelte Portion zukommt als der übrigen Bevölkerung. Bei der Anrechnung soll überdies dafür gesorgt werden, daß dem Selbstversorger die Möglichkeit bleibt, daneben noch frisches Fleisch auf die Fleischkarte zu bekommen. Nach allem hat der Selbstversorger vor den übrigen Verbrauchern den wesentlichen Vorteil voraus, daß ihm die Hälfte des aus der Hausschlachtung erzielten Fleisches über die allgemeine Fleischration hinaus, also sozusagen fleischkartenfrei, zur Verfügung steht.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der 5. Kursus für Leiter und Mitarbeiter von Volksbüchereien im Borromäushaus fand mit fortschreitender Tagung steigendes Interesse. Die Besucherzahl stieg von mehr als 50 in dem ersten Vortrag auf nahezu 100 am zweiten Tag, sodaß die einzelnen Redner vor einem vollbesetzten Hause sprechen konnten. Es sprachen am 2. Tag (18. Oktober) Sekretär Rumpf über „Formulare für Vereinsverwaltung und Bibliotheksdienst“, Generalsekretär Braun über „Katalog, Ausleihe und Statistik“, sowie über „Personen und Bücher“. Praktische Uebungen ergänzten auch am zweiten Tag das in den Verträgen Gesagte. Das wachsende Interesse gerade an diesen rein technischen Fragen ist ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß die Leiter der katholischen Volksbüchereien immer mehr bestrebt sind, die von ihnen geleiteten Volksbildungsanstalten auch technisch nach modernen Grundsätzen auszubauen. Der Kursus bedeutet in Anbetracht der Verhältnisse einen vollen Erfolg.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 23. Oktober 1916
Studentisches Wohnungswesen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Um den kriegsbeschädigt heimkehrenden Akademikern und auch den anderen Studenten und Studentinnen der hiesigen Universität die Wohnungssuche zu erleichtern, hat sich die Ortsgruppe Bonn des Verbandes für studentisches Wohnungswesen entschlossen, zu Beginn dieses Winterhalbjahres ein Verzeichnis guter Studentenwohnungen zu veröffentlichen und durch die Buchhandlungen zum Verkauf zu bringen. Die beigefügten Angaben über die Zahl und den Preis der Zimmer unterrichten den Benutzer über die von der Fülle des Angebots beeinflußten Mietpreise und kennzeichnen im allgemeinen die untere Grenze. Diese Verzeichnisse haben in Friedenszeiten stets großen Anklang gefunden, und so hofft der Verband, auch jetzt vielfachen Wünschen etwa gerecht zu werden.
Der Frost hat in den letzten Nächten die Blumengärten übel mitgenommen. Mit Ausnahme der widerstandsfähigen Herbstblumen sind die Blüten der freistehenden Pflanzen vernichtet worden. Die letzte Nacht war übrigens nicht mehr so kalt wie die vorherigen, sodaß bald wieder auf wärmeres Wetter gehofft werden kann.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Der schönste Kornsalat wächst jetzt draußen in den Kleefeldern und darf von jedermann unentgeltlich gestochen werden. Am Samstag sah man von der Rheinuferbahn aus, wie Frauen und Kinder aus der Stadt und selbst beurlaubte Soldaten auf einem großen Kleeacker in der Nähe des Ellerbahnhofs fleißig am Sammeln waren. Dieser wild wachsende Feldsalat ist weit zarter und wohlschmeckender als der im Garten angebaute, zumal, wo er in den letzten Nächten gründlich durchgefroren ist und außerdem ist er sehr billig.
Fußballsport. BFB : Borussia 0:7 (0:4). Das gestrige Treffen der beiden spielstärksten hiesigen Mannschaften brachte dem BFB eine schwere Niederlage auf eigenem Platze. Borussia war in guter Form. Sie spielte aufopfernd. Namentlich der Sturm war glänzend. BFB hatte eine etwas schwächere Kriegsmannschaft. Das ziffernmäßige Resultat drückt aber nicht ganz den wirklichen Verlauf des von Anfang bis zum Ende offenen und durchweg fesselnden Spieles aus. BFB wären ein paar Tore wohl zu gönnen gewesen. In der ersten Hälfte spielte er gegen Sonne und Wind und mußte schon von den ersten Minuten an durch Ausscheiden eines Stürmers mit 10 Mann spielen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Eroberer von Lüttich, General v. Emmich, dem die Stadt Hannover jetzt ein Denkmal setzt, hat seine Jugendzeit vielfach hier in Bonn zugebracht. Er war der ständige Gast in dem früheren Gasthaus Zernack im Mauspfad und lobte seiner Zeit noch in einem an einen Bekannten gerichteten Briefe die vorzüglichen Speisen und der herrlichen Tropfen, den man bei Zernack erhielt.
Kriegsküchen. Die Ausgabe der Wochenkarten findet in den Kriegsküchen bis auf weiteres Samstags und Sonntags vormittags von 11 bis 1 Uhr statt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 24. Oktober 1916
Eine Kriegstagung rheinischer und westfälischer Sprachvereine, an der die Vertreter der bedeutenderen Sprachvereine beider Provinzen teilnahmen, fand Samstag unter der Leitung des stellv. Vorsitzenden des Bonner Sprachvereins, Pfarrer Dr. Richter, in Düsseldorf statt. [...] Der Redner hob als die beiden Hauptaufgaben der Vereine die Förderung und Pflege der deutschen Sprache, dann aber auch als die für die Kriegszeit noch wichtigere die Reinigung unserer Sprache von viel Unkraut und Fremdwörterunwesen hervor, das sich im Laufe der letzten Jahrzehnte wieder eingeschlichen habe. Wie unsere Kameraden draußen vor dem Feinde, wollen wir daheim in unseren Vereinen gegen die fremden Eindringlinge einmütig kämpfen. [...] Nach reichlicher Aussprache wurden folgende Anträge an den Hauptvorstand von der Versammlung angenommen: 1. Fachausschüsse gegen das Fremdwortunwesen möchten allen Zweigvereinen dringend empfohlen werden. [...] 4. Der Druck guter Vorträge über die Schönheit der deutschen Sprache sei zu veranstalten, ebenso billige Hefte über gutes Deutsch herauszugeben. 6. Eine Verdeutschung der sog. Adreßbücher innerlich und äußerlich möchte durch ganz Deutschland angeregt werden. [...]
Bei dem Kriegs-Jugendturnen des Sieg-Rhein-Gaues, das Sonntag in Köln-Mülheim abgehalten wurde, errang der Turnverein Nordstern aus Bonn für die Schlagballmeisterschaft im Gau den Hindenburgschild. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Bildende Kunst in Bonn. Von der Gesellschaft für Literatur und Kunst ist heute in der Ausstellungshalle des städtischen Obernier-Museums der künstlerische Nachlaß des im letzten Frühjahr verstorbenen Malers Ernst Isselmann der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden, insgesamt 70 Radierungen, Lithographien und Gemälde. Es ist das Lebenswerk eines Frühvollendeten, der als Dreißiger einer schleichenden Krankheit erlag, noch bevor er die volle Höhe seiner Entwicklungsmöglichkeit erreicht hatte. [...]
Verkauf von Ferngläsern und Objektiven. Das Verbot des Verkaufs von Ferngläsern und Objektiven für Photographie und Projektion ist auf den Festungsbereich Köln ausgedehnt worden. Die diesbezügliche Verordnung ist in der vorliegenden Nummer abgedruckt.
Wegen Diebstahls von Zigaretten, den sie in Kessenich verübt hatten, wurden zwei junge Leute von hier festgenommen. Ein Dritter, der die Zigaretten weiterverkauft hatte, wird sich wegen Hehlerei zu verantworten haben.
Wegen Felddiebstahls wird demnächst eine Dienstmagd aus einer Wirtschaft in der Nähe des Coblenzertores vor dem Kriegsgericht erscheinen müssen. Sie hatte in der Gronau eine Anzahl Möhren und sonstige Feldfrüchte im Einvernehmen mit ihrer Dienstherrschaft gestohlen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Beuel, 23. Okt. In der hiesigen Gemeinde sind die neuen Brotbücher mit den verschiedenen Karten den Bewohnern zugestellt, und für Fett, Butter und Fleisch Kundenlisten eingeführt worden. Etwaige Reklamationen müssen sofort eingereicht werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Beuel 23. Okt. Gestern nachmittag fand die Prüfung der freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz statt. [...] Nach militärischen Uebungen unter Leitung des ersten Kolonnenführers Herrn Polizei-Kommissars Schäfer wurde die Mannschaft ohne jegliche Hilfsmittel zum Bergen der durch ein angenommenes größeres Unglück Verwundeten ausgesandt. Die Mannschaft kehrte bald mit den Geborgenen, denen sachgemäß Hilfe geleistet war, mit oder auf improvisierten Tragen zur Verbandstelle zurück. Teils waren die Verwundeten auf einem zum Transport hergerichteten Hundefuhrwerk, auf einem Schiebkarren bezw. Handkarren und sonstigen Hilfsmitteln, die sehr zweckdienlich hergerichtet waren, geborgen und zum Verbandsplatz geschafft worden. Währenddessen brachten wieder andere Sanitätsmannschaften in einem Nachen einen angeblich Ertrunkenen ans Ufer, um sofort Wiederbelebungsversuche anzustellen. Die daran auf dem Verbandsplatze, der im Holbach’schen Saale hergerichtet war, vorgenommene theoretische wie praktische Prüfung in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen zeigte, daß die Mannschaft nach jeder Richtung hin den an sie gestellten Anforderungen vollauf entsprach, sodaß der Herr Vertreter des Territorialdelegierten in seiner Schluß-Ansprache nur Worte des Lobes, gleich wie bei den früheren Prüfungen fand; die Ansprache endete mit einem Kaiserhoch, in das neben der Sanitätsmannschaft auch die erschienenen Vertreter der Gemeinde und die sonstigen Gäste begeistert einstimmten. [...] Abends fand im Vereinslokale noch eine gemütliche Zusammenkunft der Mitglieder mit ihren Familien und sonstiger Freunde der guten Sache statt, die ernste Kameradschaft und gemütlicher Geist der Kolonne zeigte.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Mittwoch, 25. Oktober 1916
Prangs lustige Kölner Bühne im Dreikaisersaal führt diese Woche den dreiaktigen Gesangsschwank „Die geschiedenen Frauen oder eine lustige Doppelehe“ auf. Das Stück paßt für diese lustige Bühne, es enthält so viel heiteren Unsinn, daß die Zuschauer während der ganzen Aufführung kaum einen Augenblick ernsthaft bleiben können. Im Mittelpunkt steht wieder der beliebte Tünnesdarsteller Herr Th. Prang, diesmal als der unglücklich wiederverheiratete, sich nach seiner ersten geschiedenen Frau sehnende Rentner Anton Reimers. Außer ihm weiß vor allem Herr Eimbureck als ungarischer Erbonkel, Viehzüchter und grimmiger ministerprügelnder Abgeordneter die Heiterkeit stets von neuem anzuregen. Daß die beiden unglücklichen Ehemänner zum zweitenmal sich scheiden lassen und nach entsprechender Wartezeit zu ihren ersten Lieben zurückkehren können, dazu auch noch eine weitere Ehe geschlossen wird, ist denn nach allen möglichen Verwicklungen der Schluß des Ganzen. Eine Anzahl Gesangeinlagen passen gut zu dem Stück und werden beifällig aufgenommen.
Das Soldatenheim bot seinen zahlreichen Besuchern am letzten Sonntag einen Bunten Abend mit Musik, Gesang, Reden, Gedichtvorträgen und zum Schluß drei kleinen lustigen Einaktern. Herr Klutmann gedachte in seiner Ansprache des Geburtstages der Kaiserin und brachte ein Hoch auf sie aus. Dankbar für die ihnen gebotenen mannigfachen Genüsse verließen die Feldgrauen am Abend das gastliche Heim.
Die Rheinbadeanstalten sind gestern in ihren alljährlichen Winterhafen nach Oberwinter geschleppt worden.
Im Palast-Theater an der Meckenheimer Straße wird von heute ab Johann Strauß’ Fledermaus aufgeführt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Duisdorf, 24. Okt. In der Nacht zum Sonntag wurde einer hiesigen Witwe eine Ziege im Hofe abgeschlachtet. Der Polizeihund Hexe von Bonn verfolgte die Spur in ein nahegelegenes Fabrikgebäude, wo in der Nacht gearbeitet worden war. Von dem Täter fehlt bis jetzt noch jede Spur.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)
Die katholischen Arbeitervereine des Bezirksverbandes Bonn hielten am Sonntag im „Bonner Hof“ ihren Herbst-Vertretertag ab. [...] Herr Pfarrer Schmitz, Präses des Oberkasseler Vereins, begrüßte herzlich den neuen Bezirkspräses, Kaplan Rembold von St. Marien in Bonn. Dieser zeigte bereits in seinem einleitenden Vortrage: „Der Arbeiter im dritten Kriegsjahre“, daß er die Lage, in die die breiten Schichten des Volkes durch die wirtschaftlichen Folgen des Krieges geraten sind, erfaßt hat. Er versprach, an den zuständigen Stellen, so viel er könne, mitzuarbeiten. Seine Ausführungen, in denen er nachwies, wie jeder Deutsche vor und hinter der Front ein Stück Weltgeschichte mitgestalten könne, gipfelten in dem Entschlusse, durch kräftiges Eintreten für die Interessen des Volkes den Willen zum Siege zu stärken.
Es wurde eine Entschließung angenommen, in der hervorgehoben wurde, daß die Vertreter der katholischen Arbeitervereine entschlossen seien, alles zu tun und alles zu tragen, um die Pläne der Feinde zunichte zu machen. Sie sind der zuversichtlichen Hoffnung, daß die verantwortlichen Stellen nichts unterlassen werden, den treu ergebenen Willen der schwer belasteten Volkskreise zum Durchhalten nach Kräften zu stützen. Von den Vertrauensleuten der katholischen Arbeitervereinsbewegung erwartet der Bezirksvertretertag, daß sie in der Geltendmachung der berechtigten Wünsche und Beschwerden der minderbemittelten Bevölkerung es an nichts fehlen lassen und unvermeidbare Entbehrungen, die der Daseinskampf des Vaterlandes noch fordern könnte, willig und opferfreudig tragen. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 25. Okt. Mit Beginn dieser Woche sind in der Bürgermeisterei Godesberg den einzelnen Haushaltungen neue Lebensmittelkarten zugestellt worden. Die neuausgegebenen Brotkarten sind nicht mehr wie bisher familienweise zu Büchern zusammengestellt, sondern zur Vereinfachung des Verfahrens bei den zahlreichen An- und Abmeldungen für jede einzelne Person zusammengeheftet. Im übrigen ist an dem bisherigen bewährten System der Karten nichts geändert. Gleichzeitig mit den Brotkarten sind den einzelnen Haushaltungen auch auf die Einzelperson anzuwendende Warenkarten für Hülsenfrüchte, Gerste, Grütze, Flocken, Gries, Reis und Teigwaren zugegangen. Bisher konnten diese Waren nur gegen Eintragung ins Brotbuch verabfolgt werden. Nach diesem neuen Kartensystem können nunmehr die betreffenden Waren gegen Abtrennung der nach ihrer Wertung zu berechnenden Anzahl von Abschnitten wochenweise entnommen werden. Damit ist auch zugleich eine zuverlässigere Kontrolle für die gleichmäßige Verteilung dieser Waren auf die Bevölkerung gewährleistet. Um den Haushaltungen die Aufbewahrung aller dieser Lebensmittelkarten zu erleichtern, ist praktischerweise und unentgeltlich noch ein fester Papierumschlag für die Karten ausgehändigt worden, der zugleich als Lebensmittelkarten-Ausweis dient.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Tragen von Holzschuhen usw. Die Eisenbahnverwaltung hat, um die den Bediensteten bei der Beschaffung und Ausbesserung von Schuhwerk entstehenden Schwierigkeiten möglichst zu beheben, einer Reihe von Bediensteten, soweit nicht innerhalb der Bahnhöfe oder sonst zwischen den Geleisen Dienste verrichten, das Tragen von Ersatzschuhen aus Holz oder Tuch und von Sandalen während des Dienstes gestattet. Die Verwaltung weist gleichzeitig darauf hin, daß die Tragdauer des Schuhwerks durch Vernageln der Sohlen mit Nägeln oder Lederabfällen verlängert werden kann, und Lederabfälle oder verbrauchte Treibriemen, soweit sie in den Werkstätten zur Verfügung stehen, an die einzelnen Bediensteten gegen Zahlung eines bestimmten Betrages abgegeben werden können.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 26. Oktober 1916
Universität. Gestern mittag fand in der Aula die erste Immatrikulation dieses Wintersemesters statt. Der Rektor, Geheimrat Ribbert, betonte in seiner Ansprache an die Studierenden die Notwendigkeit, das fröhliche Studentenleben, wie es in Friedenszeiten üblich war, jetzt zurücktreten zu lassen. Arbeit müsse das Hauptziel sein. Die Studierenden hätten jetzt während es Krieges freilich auch mehr Zeit zum Arbeiten, denn das Korporationswesen, das bei all seinem Guten doch auch viel vom Studium ablenke, falle jetzt fort und mehr oder weniger auch der sonstige gesellige Verkehr. [...]
Im Gartenbauverein, der gestern unter dem Vorsitz des Herrn Thilmann seine erste Monatsversammlung nach der Sommerpause abhielt, berichtete Herr Lehrer Hannes über die Pflanzenlieferung an Schulkinder. [...] In der vorgesehenen Aussprache über die wirtschaftliche Lage wurde die Kartoffelversorgung lebhaft erörtert. Als Ursache der nicht zu bestreitenden geringeren Kartoffelernte wurden das vielfach ungeeignete Saatgut und die ungünstige Witterung bezeichnet. Eine Einschränkung des Verbrauchs werde daher nicht zu umgehen sein. Allgemein wurde anerkannt, daß die Stadtverwaltung alles tue, um die Bürgerschaft regelmäßig zu versorgen. Vorige Woche seien leider einige Eisenbahnwagen mit erfrorenen Kartoffeln aus Pommern angekommen. Größere Kartoffellieferungen, die zum Einkellern der privaten Haushaltungen genügen würden, seien zu erwarten. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Neun große Kaninchen sind in einer der letzten Nächte von einem Grundstück an der Kölnstraße gestohlen worden. Die Diebe wurden in einer Ziegelhütte an der Kölner Chaussee aufgegriffen. Die gestohlenen Kaninchen fand man noch bei ihnen.
Freigesprochen. Der Hausvater des evangelischen Waisenhauses in Godesberg hatte sich gestern vor dem Schöffengericht zu verantworten, weil er von den Kühen des Hauses keine Butter abgeliefert hatte. Er erklärte, er habe keine Butter abliefern können, weil er keine Einrichtung zum Buttern besitze. Außerdem habe er 30 Waisenkinder in jugendlichem Alter mit Milch zu versorgen. Die Bundesratsverordnung, die in Betracht kommt, spricht von der Ablieferung von Milch, die Ausführungen des Kreisausschusses dazu von der Ablieferung von Butter. Der Angeklagte wurde freigesprochen.
Ein Bäckermeister aus Bonn hatte sich gestern vor dem Schöffengericht zu verantworten, weil der Revisor des Mehlamtes bei einer Revision im Laden des Angeklagten Brotmarken sowohl einer abgelaufenen als der erst folgenden Woche gefunden hatte. Der Angeklagte behauptete gestern vor dem Schöffengericht, die verfallenen Brotmarken seien als überflüssig abgetrennt worden. Das Schöffengericht setzte eine Geldstrafe von 50 M. gegen ihn fest.
Versuchte Erpressung. Der 45 Jahre alte Tagelöhner Josef Bo. Aus Beuel verlangte in einem Brief von seinem Arbeitgeber Bezahlung von Ueberstunden und Schweigegeld dafür, daß dieser verbotswidrig heimlich ein Schwein geschlachtet habe. Ein Freund des Arbeitgebers hat ohne dessen Auftrag dme Tagelöhner den beanspruchten Ueberstundenlohn bezahlt. Der Arbeitgeber aber bestritt zeugeneidlich sowohl die angebliche Schweineschlachtung wie auch die Verpflichtung zur Zahlung von Ueberstundenlohn. Der Tagelöhner aber wurde vom Außerordentlichen Kriegsgericht in Köln wegen versuchter Erpressung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.
Der Inhaber einer bekannten Wirtschaft in Bonn stand gestern vor dem Schöffengericht unter der Anklage, mehr Fleischgerichte als zulässig auf der Speisenkarte aufgeführt zu haben. Die Anzeige war von einem Kölner Wirt erstattet worden, angeblich weil die Kölner Polizei noch strenger vorgehe als die Bonner. Der Angeklagte erklärte sich für nicht schuldig. Das Schöffengericht erkannte auf seine Freisprechung, weil in Wirklichkeit nicht mehr als sechs verschiedene Fleischgerichte auf der Karte standen. Sauerbraten kalt oder warm sei als ein Gericht anzusehen und es werde niemand einfallen, zuerst eine Portion warmen Sauerbraten und dann eine Portion kalten zu essen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Butter- und Margarine-Verkauf. Der Leiter des städtischen Lebensmittelamtes macht bekannt: Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß Butter und Margarine entgegen den Bestimmungen meiner Verordnungen über die Abgabe von Lebensmitteln und Waren und über den Verkehr mit Speisefetten vom 7. Juni 1916 durch die Lebensmittelgeschäfte an Verbraucher abgegeben werden, obgleich diese nicht in die Kundenliste eingetragen sind. Durch derartige Verstöße wird der Verbraucher, dessen Eintragung in die Kundenliste ordnungsmäßig erfolgt ist, geschädigt und jede ordnungsmäßige Durchführung des Verteilungsplanes vereitelt. Ich warne daher noch einmal die Inhaber dieser Lebensmittelgeschäfte nachdrücklich davor, gegen meine Verordnungen zu verstoßen. Fortan werde ich gegen alle zu meiner Kenntnis kommenden Verstöße unnachsichtig das Strafverfahren einleiten und die sofortige Schließung des betreffenden Geschäftes anordnen. Die Verbraucher werden gebeten, mir Verstöße unverzüglich bekannt zu geben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 27. Oktober 1916
Das „holländische Speisefett“, das im vergangenenFrühjahr in vielen hiesigen Geschäften verkauft worden ist, bis es als gute Butter beschlagnahmt wurde, beschäftigte gestern wieder die Strafkammer in drei Verhandlungen. In der ersten Verhandlung waren ein Lebesnmittelagent, ein Lebensmittelgeschäftsinhaber und ein Metzger angeklagt, Butter aus dem Auslande eingeführt, aber nicht der Zentraleinkaufsgesellschaft angemeldet, sowie beim Verkauf der Butter den Höchstpreis überschritten zu haben. Der Agent hatte die Butter als „Speisefett“ in Straelen gekauft. Er sagte, Anfang Mai seien riesige Mengen von „Speisefett“ in Straelen auf offener Straße unter den Augen der Behörde gehandelt worden. Er selbst konnte Zahlungsbestätigungen über Beträge von 4000 M., 5000 M. und 12.000 M. vorlegen. Da er das Fett aber auf deutschem Boden gekauft, also nicht eingeführt habe, sei er nicht verpflichtet gewesen, es der Z. E. G. anzuzeigen. Und da es sich um „Speisefett“, nicht um Butter gehandelt habe, sei der Butterhöchstpreis nicht bindend gewesen. Aehnlich rechtfertigten sich die beiden anderen Angeklagten, die in Emmerich und Kaldenkirchen gekauft hatten. Das Gericht erkannte, daß die Angeklagten nach ihren nicht widerlegten Angaben die Butter im Inlande gekauft und daher nicht die Verpflichtung gehabt hätten, sie der Z. E. G. anzumelden. Dagegen hätten sie gewußt, daß es Butter gewesen sei, und beim Verkauf den Höchstpreis überschritten. Das Urteil lautete auf 50 M. gegen den Agenten und je 20 M. Geldstrafe gegen die beiden anderen Angeklagten.
In der zweiten Verhandlung hatten sich die Inhaber bezw. Inhaberinnen von vier hiesigen Lebensmittelgeschäften zu verantworten, weil sie das „holländische Speisefett“, das nach dem Gutachten von Prof. Kippenberger in allen Fällen gute Butter war, zu einem höheren als dem Butterhöchstpreise verkauft und dabei keine Eintragung in das Brotbuch gemacht haben. Sie wurden freigesprochen, weil sie in gutem Glauben gewesen sein konnten. Aus demselben Grunde wurden in der dritten Verhandlung 20 hiesige Geschäftsinhaber ebenfalls von der Beschuldigung, den Höchstpreis überschritten und ohne Ausweis verkauft zu haben, freigesprochen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Am kommenden Sonntag, dem letzten Sonntag vor Allerheiligen, ist ein erweiterter Geschäftsverkehr auf die Dauer von 10 Stunden freigegeben. Die Ladengeschäfte dürfen am Sonntag von morgens 7 bis abends 7 Uhr – mit Ausnahme der für den Hauptgottesdienst bestimmten Vormittagsstunden von 9½ bis 11½ Uhr – für den Verkauf geöffnet werden.
Kartoffelnachlese. Zahlreiche Kinder und Frauen aus der Stadt sieht man jetzt schon früh morgens im Felde hinter dem Pfluge und der Egge hergehen, um die im Boden zurückgebliebenen Kartoffeln aufzulesen, die sie dann mittags und abends nachhause bringen. Seitens der Landwirte wird ihnen dieses gerne gestattet.
Kartoffelversorgung. Aus Beuel, 27. Okt., wird uns geschrieben: Gestern hat die Verwaltung mit der Einkellerung der Kartoffeln straßenweise begonnen. Die reichsgesetzlich geregelte Festsetzung von 1 Pfund pro Kopf und Woche bis 15. April wird indes vorläufig nur zur Hälfte abgegeben, sodaß statt 3 Zentner für die Person 1½ Zentner geliefert werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 27. Okt. Die Bürgermeisterei Godesberg, die den ganzen Sommer hindurch mit dem Erhalt von Speisefetten unzuverlässig bedacht worden war, darf sich jetzt einer regelmäßigen und geordneten Speisefettversorgung rühmen. Wenn auch die Wochenmenge von 50 Gramm für die Person nicht als sonderlich luxuriös bezeichnet werden kann, so trägt doch schon das Bewußtsein, daß auf diese Menge sicher gerechnet werden kann, eine große Beruhigung in die Bürgerschaft hinein. So kommen in regelmäßiger Reihenfolge Schmalz, Margarine und Butter bei den Gemeindeverkaufsstellen, die durch ehrenamtliche Kräfte bedient werden, zu Austeilung. Das frühere Gedränge ist vollständig in Fortfall gekommen, weil in allen Fällen für eine genügende Deckung des gesamten Bedarfs gesorgt ist.
Beuel, 27. Okt. Die Arbeiten am Neubau des Direktionsgebäude der Bröltaler Eisenbahn sind trotz Kriegswirren so tüchtig fortgeschritten, daß vor einigen Tagen das Richtfest stattfinden konnte. Schon vor 15 Jahren war die Verlegung der Direktion von Hennef nach Beuel geplant, es mußte jedoch besonderer Gründe halber davon Abstand genommen werden. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Unvorschriftsmäßig hergestellter Kuchen. Ein Bäckermeister aus Bonn, der bereits sechsmal wgen Uebertretung der Bundesratsverordnungen vorbestraft ist, stand heute morgen wiederum an der Strafkammer unter Anklage, weil er Kuchen in einer Weise hergestellt hatte, die durch eine Verordnung des Oberbürgermeisters verboten war. Er führte zu seiner Entschuldigung an, der Obermeister der Bäckerinnung habe ihm durch Fernsprecher mitgeteilt, das Backen von Obstkuchen sei wieder gestattet. Da habe er angenommen, diese Kuchen dürfe man nunmehr wieder in derselben Weise herstellen wie früher. Er habe deshalb die neue Art der Herstellung, die durch eine besondere Polizeiverordnung angeordnet worden sei, nicht gekannt und sich auch die Verordnung nicht angesehen. Das letzte Mal war der Bäckermeister mit 600 Mark Geldstrafe bestraft worden, und es war ihm vorgehalten worden, daß bei einer nochmaligen Uebertretung unweigerlich eine Gefängnisstrafe eintreten werde. Der Staatsanwalt beantragte jedoch mit Rücksicht darauf, daß es sich um eine Uebertretung handele, die vor der Straftat der letzten Verurteilung liege, nochmals eine Geldstrafe von 600 Mark. Das Gericht erkannte an, daß der Fall milde liege und ließ es bei einer Geldstrafe von 100 Mark bewenden, gab aber dem Angeklagten den guten Rat mit auf den Heimweg, Schluß zu machen, da es jetzt auch Schluß sei mit den Geldstrafen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 28. Oktober 1916
Das Palasttheater hat in dieser Woche die „Fledermaus“ aufs Programm gesetzt. Nur wenige Kleinbühnen dürften das Wagnis unternehmen, mit so geringen Mitteln diese reizendste Straußoperette aufzuführen. Dennoch ging die Vorstellung recht flott und temperamentvoll vor sich und fand ein dankbares Publikum, das der frischen Adele, die Paula Franke, und dem schwerenöterischen Gabriel von Eisenstein, den Ludwig Braun innehatte, sogar Blumengaben zollte. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zwei Kaninchen-Diebe, sowie ein Mädchen, das bei den Diebstählen Schmiere gestanden hatte, wurde gestern von der Kriminal-Polizei festgenommen und dem Gericht zugeführt. Bis jetzt konnten den Dreien mehrere Diebstähle nachgewiesen werden. Die gestohlenen Kaninchen wurden in der Wohnung des Mädchens zubereitet und verspeist. In Ermangelung von Fett begnügte man sich mit Suppenwürfeln. Unter den Festgenommenen befindet sich auch ein einbeiniger Kriegsinvalide, der trotz dieses Fehlers mit großer Geschicklichkeit über die Einfriedungen hinwegsetzte und die Diebstähle ausführte.
„Holländisches Speisefett“. Die Strafkammer hatte bekanntlich in der vorigen Woche 27 Personen, die wegen Verkaufs von holländischem Speisefett unter Anklage gestellt waren, freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr gegen 23 freisprechende Urteile Revision beim Reichsgericht eingelegt. Die übrigen vier sind rechtskräftig geworden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Beuel, 27. Okt. Vor einigen Nächten sind Diebe in das Lebensmittellager in der kath. Mädchenschule eingedrungen und haben Eßwaren im Werte von etwa 100 Mark entwendet.
Grau-Rheindorf, 26. Okt. Einem hiesigen Landwirte wurde gestern über Mittag die mit Weizen vollgefüllte Sämaschine, die auf dem zu bestellenden Felde zurückgelassen worden war, fast vollständig entleert. Die gestohlene Menge Saatgut wird auf etwa 50 Pfund von dem betreffenden Bauersmann angegeben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Eine schwere Strafe wegen Uebertretung der Bundesratsverordnungen verhängte die Strafkammer gegen die Frau eines Bäckermeisters aus Bonn. Die Frau ist wegen derartiger Uebertretungen bereits sechsmal vorbestraft. Bei einer Revision waren in der Bäckerei verschiedene Brote gefunden worden, die bis zu 80 Gramm zu leicht waren. Der Revisor bekundete, dies habe nur daran gelegen, weil zu wenig Teig für die Brote genommen worden sie in der Absicht zu verschleiern. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 1000 Mark, da es sich hier um ein typisches Beispiel von Gewinnsucht handele. Der Verteidiger griff besonders diese Aeußerung des Staatsanwaltes und die Ansicht des als Sachverständigen vernommenen städtischen Revisors scharf an. Die Sachverständigenkenntnis des Revisors wurde von dem Verteidiger mit dem Hinweis auf die Unzufriedenheit der Bäcker mit dem Revisor entschieden in Zweifel gestellt. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß die Angeklagte zu bestrafen sei und erkannte auf eine Geldstrafe von 500 Mark.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 29. Oktober 1916
Das Einwintern der Kartoffeln. Die Pflanzenschutzstelle an der landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf schreibt uns: Die diesjährige Kartoffelernte ist im allgemeinen nicht sehr befriedigend ausgefallen, so weit nicht neues Saatgut zur Aussaat verwandt wurde. Bei der großen Wichtigkeit der Kartoffeln für die menschliche Ernährung ist es in diesem Jahre mehr denn je geboten, mit den vorhandenen Kartoffelvorräten äußerst sorgfältig umzugehen und das Verderben von Kartoffelvorräten durch Fäulnis zu vermeiden. Ueber die sachgemäße Aufbewahrung von Kartoffeln beim Landwirt und im städtischen Haushalt gibt das Flugblatt Nr. 10 der Flugblattsammlung über Pflanzenschutz „Die Einwinterung der Hackfrüchte“ Auskunft. Das Flugblatt kann zum Preise von 5 Pfg. durch die Pflanzenschutzstelle an der Kgl. Landwirtsch. Akademie in Bonn-Poppelsdorf, Nuß-Allee 7, bezogen werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Herabsetzung der Lebensmittelpreise. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß eine Ermäßigung der zurzeit bestehenden Preise für die Hauptnahrungsmittel gewiß durchaus wünschenswert ist. Aber es müssen unbedingt nach wie vor die Rücksichten auf die Hebung unserer Produktion voranstehen. Aus diesem Grunde stellen sich namentlich einer Herabsetzung der Schweinepreise, wie sie neuerdings angekündigt worden ist, erhebliche Bedenken entgegen. Ueberdies würde sie dem Verbraucher bei den geringen Schweinefleischmengen, die zurzeit auf den Kopf der Bevölkerung entfallen, nur eine ganz geringe und nahezu bedeutungslose Verbilligung bringen, die Arbeit usnerer Schweinemäster aber außerordentlich beunruhigen, was gerade im Interesse der verbrauchenden Bevölkerung unbedingt vermieden werden muß. In Friedenszeiten spielte das Schweinefleisch in der Volksernährung eine große Rolle, heute ist das nicht der Fall. Die Bevölkerung ist gegenwärtig mehr auf Rindfleisch angewiesen und wird dies voraussichtlich auch noch auf längere Zeit sein. Was den Preis selbst anlangt, so ist auch zu berücksichtigen, daß das Schweinefleisch in Anbetracht seines Fettreichtums bei weitem nicht so stark im Preise gestiegen ist wie andere Lebensmittel.
Wenn man eine Preisherabsetzung herbeiführen will, so sollte man mit solchen Erzeugnissen beginnen, die von der Bevölkerung in größeren Mengen verzehrt werden und bei denen daher eine Verbilligung die ärmeren Volksschichten wirklich entlasten würde. Hierfür kommen in erster Reihe Gemüse und Fische in Frage. Die Preise sowohl für See- wie Süßwasserfische haben eine ganz unerhörte Steigerung erfahren, die sehr wohl herabgemindert werden kann. Eine Ermäßigung der Gemüsepreise würde keine so schädigende Rückwirkung auf die landwirtschaftlichen Erzeuger ausüben, wie dies bei einer Herabsetzung der Schweinepreise unbedingt zu erwarten ist. [...]
Ein Eingriff in die Schweinemast, namentlich der kleinen Schweinemäster, in Form einer Preisherabsetzung müßte unweigerlich zu einem Rückgang der Produktion führen, ohne daß auf der anderen Seite den Verbrauchern irgendwie ein nennenswerter Vorteil zugewendet würde. Bei einer Herabsetzung der Gemüse- und Fischpreise sind solche nachteiligen Wirkungen nicht zu befürchten. Die außerordentliche Höhe der gegenwärtigen Preise für Gemüse und Fische ist in der Hauptsache nicht auf die Erzeugung, sondern auf den Handel, vielfach auch noch auf den Kettenhandel, zurückzuführen. Eine Verbilligung des Gemüses empfiehlt sich auch gerade jetzt schon deswegen, weil gegenwärtig viel Gemüse vorhanden ist und weil es infolge seiner geringen Haltbarkeit nicht zurückgehalten werden kann. Energische Maßnahmen wären hier ebenso am Platze wie bei den Fischen und Fischwaren.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 28. Okt. Um den überhand nehmenden Diebstählen wirksam entgegenzutreten, beabsichtigt die Gemeinde, eine Anzahl Hilfsnachtwächter einzustellen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Städtischer Kartoffelverkauf. Bis auf Weiteres können nur 6 Pfund Kartoffeln für den Kopf und die Woche verabfolgt werden. Der Kartoffelpreis beträgt im Kleinverkauf Mark 5,50 für den Zentner. Die Verbrauchsmenge wird, sobald die Zufuhr reichlicher ist, wieder erhöht.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 30. Oktober 1916
1. Symphoniekonzert von H. Sauer. Als die an sich höchst bedauerliche, aber aus gewichtigen Gründen begreifliche Auflösung unseres städtischen Orchesters erfolgte, – hoffentlich kommen wir nach den Kriegsjahren wieder zu einem leistungsfähigen Orchester! – schien es sehr zweifelhaft, ob sich auf absehbare Zeit noch Orchesteraufführungen ermöglichen lassen und die beliebt gewordenen Abende im Theater so bald wieder stattfinden sollten. Erfreulicherweise haben die Pessimisten auch hier nicht Recht behalten. Schon wiederholt hat der städtische Gesangverein ein durchaus passables Orchester aufgebracht. Und unser städtischer Kapellmeister Herr H. Sauer ist ihm hierin gefolgt. Welche Schwierigkeiten in diesen Zeiten zu überwinden sind, um von Fall zu Fall eine brauchbare Körperschaft zusammenzubringen, vermag der Fernerstehende nicht zu ermessen. Herr Sauer hat nicht nur ein sehr stattlich besetztes Orchester gebildet, er hat auch die Tradition der Symphoniekonzerte wieder aufgenommen. Für diese Bemühungen verdient er den Dank der Bonner Musikfreunde. – Der erste Abend brachte an Orchesterwerken Seb. Bachs „D-Dur-Suite“, drei Sätze aus Mozarts achtteiliger Haffnerserenade von 1776 und Beethoven C-Moll-Symphonie. [...] – Das Haus war voll besetzt. Der starke Besuch der Konzerte der letzten Wochen zeigt deutlich, welche Bedeutung die Musik für viele in diesen Zeiten gewonnen hat. Sch.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Fußballsport. Im gestrigen Meisterschaftsspiel konnte der Bonner Fußball-Verein den Bonner Ballspielklub überlegen mit 8 : 0 schlagen. Beim Seitenwechsel führte BFV mit 3 : 0.
Am letzten Samstag fand auf dem Sportplatz an der Richard Wagnerstraße ein interessantes Wettspiel zwischen den 2. Mannschaften des Spielvereins am Kgl. Gymnasium und des Schüler-Spielvereins statt. Nach wechselvollem Kampfe siegten die Königlichen mit 3 : 1 Toren.
Vorträge. Im großen Saale der Lesegesellschaft sprach vorgestern Professor Dr. Georg Jacob von der Universität Kiel im Auftrage der Gesellschaft für Literatur und Kunst über das zeitgemäße Thema der türkischen Literatur, die uns durch den Weltkrieg und durch unser Bündnis mit dem osmanischen Reiche näher getreten ist als vordem. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Schließung eines Geschäfts. Der Oberbürgermeister macht bekannt, daß das Geschäft des Bäckermeisters Bernhard Teeke, Meckenheimerstraße 17, vom 2. November ab geschlossen ist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 31. Oktober 1916
Hilfsstelle zur Ermittlung den deutschen Kriegsgefangenen. Infolge einer Anordnung der Territorial-Delegierten für die freiwillige Krankenpflege im Kriege hat die von dem Vorstand des Vereins ehemaliger 16er bei Kriegsbeginn eingerichtete „Hilfsstelle zur Ermittlung von deutschen Kriegsgefangenen“ ihre Tätigkeit eingestellt. Das Kriegsministerium hat jetzt dieser Auflösung durch folgende Mitteilung zugestimmt. „Nachdem nun auf dem Gebiete der Vermißtennachforschung und Ermittlung von deutschen Kriegsgefangenen eine andere Organisation eingetreten ist, hält es auch das Kriegsministerium – Zentral-Nachweise-Bureau – für zweckmäßig, wenn der dortige Verein seine Tätigkeit nunmehr einstellt, um eine durchaus zu vermeidende Zersplitterung auf diesem Gebiete der Nachforschung und Doppelarbeit zu vermeiden. Es wird hierbei ausdrücklich hervorgehoben, daß die Einstellung der dortigen Tätigkeit nur aus diesen Gründen gefordert wird und daß die bisherige ersprießliche Tätigkeit des Vereins auf dem Gebiete der Ermittlung von deutschen Kriegsgefangenen seitens des Kriegsministeriums - Zentrale-Nachweise-Bureaus – durchaus anerkannt wird.“
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Verwundeten des Bonner Mutterhauses vom Roten Kreuz folgten am Sonntag der Einladung des Herrn Rittergutbesitzers Dr. von Joest nach seiner prächtigen Besitzung Haus Eichholz. Die Fahrt ging mit der Rheinuferbahn bis Urfeld, von wo aus die Verwundeten, die nicht so gut zu Fuß waren, mit Wagen abgeholt wurden. Nach Besichtigung der landwirtschaftlichen Einrichtungen, des herrlichen Parkes mit seinem reichlichen Wildbestand und des fürstlich und doch so wohnlich eingerichteten Hauses erfolgte die gar nicht kriegsmäßig anmutende Bewirtung. Unter Gesang, Zitherspiel und anregenden Gesellschaftsspielen mit den Familienangehörigen und Gästen verflog die Zeit in angenehmster Weise. Als die Abschiedsstunde schlug, wurde allen das Scheiden schwer von den liebenswürdigen Wirten, die ihnen Gelegenheit geboten hatten, die fröhliche rheinische Gastfreundschaft von ihrer besten Seite kennen zu lernen.
Ueber die Kartoffelversorgung ist in der Stadt das Gerücht vielfach verbreitet, daß städtische Angestellte und Beamte bereits durch die Stadt die Kartoffeln zum Einkellern erhalten hätten. Es sei hierdurch mit aller Entschiedenheit festgestellt, daß kein einziger städtischer Angestellter oder Beamter durch das städtische Lebensmittelamt außer seinem Wochenbedarf irgendwelche Kartoffelmengen erhalten hat. Die einzige Lieferung, die Anfang Oktober erfolgt ist, geschah lediglich an einzelne Arbeiter der städtischen Gartenverwaltung in ganz geringem Umfange, jedenfalls nicht in einer den Bedarf übersteigenden Menge. Dies lag nahe, weil die Arbeiter in gewissem Maße als Selbsterzeuger der Kartoffeln zu betrachten sind. Nur die Arbeiter der städtischen Gartenverwaltung haben Kartoffeln erhalten.
Die Landwirtschaftskammer hat für ihre Beamten 14 Waggons Kartoffeln von auswärts bezogen. Dadurch ist wohl in der Stadt das Gerücht entstanden, daß die städtischen Beamten bereits Kartoffeln erhalten hätten.
Einschränkung des Personenzugverkehrs. Man schreibt uns: „Bekanntlich drängt sich der Güterverkehr auf den Eisenbahnen in den Herbstmonaten am stärksten zusammen. Während des Krieges macht die Bewältigung dieses starken Herbstverkehrs naturgemäß größere Schwierigkeiten als in Friedenszeiten, da die Eisenbahnen für Heereszwecke stark in Anspruch genommen sind und namentlich viele Lokomotiven und Personal in die besetzten Gebiete abgegeben haben. Die Eisenbahnverwaltung hat sich deshalb entschlossen, im Personenzugverkehr zugunsten des Güterverkehrs einige Einschränkungen vorzunehmen. Die Befriedigung des Güterverkehrs steht jetzt unbedingt an erster Stelle, soweit er der Versorgung der für Heereszwecke arbeitenden Gewerbebetriebe, sowie der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dient. Das reisende Publikum wird daher in der nächsten Zeit den Ausfall einiger Züge in Kauf nehmen müssen. Wie wir hören, werden die Einschränkungen in dem Personenverkehr schon in den nächsten Tagen in Kraft treten.“
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Anmeldepflicht der Vorräte an Hülsenfrüchten. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß zur sofortigen Anzeige verpflichtet ist: a) Wer Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen, gedroschen oder ungedroschen) geerntet hat. b) Wer solche in Gewahrsam hat. Die Meldebogen sind auf dem Lebensmittelamt Abteilung Preisprüfungsstelle, Rathausgasse 11/12, Zimmer Nr. 19, während den Dienststunden zu entnehmen und nach Ausfüllung bis spätestens 10. November 1916 wieder daselbst abzugeben.
Der Vorstand der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz erläßt folgenden Aufruf: Rheinische Landwirte. Wir sind uns der hohen Aufgabe der deutschen Landwirtschaft bewußt, in dieser schweren Kriegszeit die Ernährung unseres Volkes sicher zu stellen. Zweifellos sind wir dieser Aufgabe gewachsen, wenn jeder Landwirt bis zum äußersten seine Pflicht erfüllt.
In heldenhafte Ausdauer und Tapferkeit führen unsere Heere an allen Fronten vernichtende Schläge gegen feindliche Übermacht, und nicht einen Augenblick wankt unsere Zuversicht in den Sieg unserer Waffen. Nur dann aber werden wir der Früchte dieses Heldentums teilhaftig, nur dann wird unser Vaterland vor dem Schicksal bewahrt bleiben, sich unter ein unsagbar hartes Joch Hass- und neiderfüllter Feinde zu beugen, wenn auch wir alle uns mit gleichem Opfermute an die Seite unserer kämpfenden Brüder stellen, wenn wir im wirtschaftlichen Kampfe der Engländer teuflischen Plan zuschanden machen, durch den Hunger unsere Widerstandskraft zu brechen. Vor allem gilt es, vielen tausend Arbeitern ungeschwächte Kraft zu erhalten, die unseren Truppen Munition und Rüstung schaffen. Unser Hindenburg bedarf ihrer in täglich wachsender Menge gegenüber einem Feinde, dem die halbe Welt die Waffen zuträgt.
Gewiß dürfen wir mit Stolz hinweisen auf das, was die deutsche Landwirtschaft für die Ernährung unseres Volkes bisher geleistet hat. Aber immer größer und schwerer wird unsere Aufgabe. Da darf nicht Verzagtheit, nicht Klage und fruchtlose Kritik unsere Arbeits- und Opferfreudigkeit hemmen; da müssen alle Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten niedergerungen werden.
Nicht ängstlich darum sorgen, daß die gewohnte Wirtschafts- und Lebensweise keine Störung erleide, nicht in manchmal vielleicht berechtigtem Unmut über weitgehenden staatlichen Zwang und Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit die volle und freudige Mitarbeit versagen, sondern alles hergeben, was ein Jeder von den Erzeugnissen seiner Wirtschaft nur eben entbehren kann.
Kartoffeln und Fett sind nächst dem Brot die wichtigsten Nahrungsmittel, deren Heranschaffung nottut. Also heraus damit! Fügen wir uns bereitwillig in die amtliche Regelung, die nun einmal für einen gerechten Ausgleich ebenso in der Heranschaffung wie in der Verteilung unentbehrlich ist. Liefern wir an die Aufkäufer, an die Sammelstellen, an die Molkereien, in dem Bewusstsein, daß es gilt, nicht dem Einzelnen, sondern der Gesamtheit zu dienen. Erhalten und steigern wir, soweit es nur die verbliebenen Kräfte und Hülfsmittel gestatten, die Erträge unserer Wirtschaft; erhalten wir vor allem unsere Viehbestände, auch wenn es Opfer kostet, zur Erzeigung von Milch und Fett. Beschränken wir den einzelnen Verbrauch auf das notwendigste Mindestmaß, um allen mitgeben zu können, die Mangel leiden, zumal in der Großstadt und im Industriegebiet.
Rheinische Landwirte! Auch uns alle ruft das Vaterland auf zum Kampfe. Wer wollte da zurückbleiben! Wir alle werden auch Anteil haben an dem Siegeslorbeer, wenn wir ebenso wie unsere Brüder draußen unverdrossen und opferfreudig unsere Pflicht erfüllen.
Verwendung von brennenden Lichtern zum Schmucke der Gräber am Allerseelentage. Das Erzbischöfliche Generalvikariat veröffentlicht folgendes: Köln den 28. Oktober 1916. Da die Gründe, die im vorigen Jahre es als sehr wünschenswert erscheinen ließen, die Verwendung von brennenden Lichtern zum Schmucke der Gräber am Allerheiligen- und Allerseelentage möglichst zu vermeiden, unverändert fortbestehen, so ersuchen wir den hochwürdigen Diözesanklerus unter Hinweis auf den Erlaß Sr. Eminenz vom 25. Oktober 1915 (Kirchlicher Anzeiger 1915, Seite 175), die Gläubigen auch in diesem Jahre zu ermahnen, von der Anwendung von Kerzen und Lichtern zur Zierung der Gräber abzusehen und vielmehr den Seelen der gefallenen Krieger und der Verstorbenen durch eifrige Teilnahme am hl. Meßopfer, andächtigen Empfang der hl. Kommunion und Gewinnung des bewilligten Ablasses zu Hülfe zu kommen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)