Bonn 1914-1918
  • 1914
    • August 1914
    • September 1914
    • Oktober 1914
    • November 1914
    • Dezember 1914
    • Juli 1914
  • 1915
    • Januar 1915
    • Februar 1915
    • März 1915
    • April 1915
    • Mai 1915
    • Juni 1915
    • Juli 1915
    • August 1915
    • September 1915
    • Oktober 1915
    • November 1915
    • Dezember 1915
  • 1916
    • Januar 1916
    • Februar 1916
    • März 1916
    • April 1916
    • Mai 1916
    • Juni 1916
    • Juli 1916
    • August 1916
    • September 1916
    • Oktober 1916
    • November 1916
    • Dezember 1916
  • 1917
    • Januar 1917
    • Februar 1917
    • März 1917
    • April 1917
    • Mai 1917
    • Juni 1917
    • Juli 1917
    • August 1917
    • September 1917
    • Oktober 1917
    • November 1917
    • Dezember 1917
  • 1918
    • Januar 1918
    • Februar 1918
    • März 1918
    • April 1918
    • Mai 1918
    • Juni 1918
    • Juli 1918
    • August 1918
    • September 1918
    • Oktober 1918
    • November 1918
    • Dezember 1918
  • Literatur
    • Sachbücher
    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
      • -- Bilder
      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
  • Exkursionen
    • Verdun
    • Somme
    • Champagne
    • Marne
    • Dolomiten
    • Vogesen
    • 1918

Mittwoch, 26. April 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. April 1916Die Schwalben sind wieder da. In den letzten warmen Frühlingstagen konnte man die schlanken Tierchen in größeren Mengen durch die Luft und an den Hauswänden und Mauern entlang fliegen sehen.

Die Anmeldung von Kaffee- und Teevorräten. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß daß die gesetzliche Pflicht zur Anmeldung aller Kaffee- und Teevorräte in zahlreichen Fällen nicht erfüllt worden ist, obgleich die Unterlassung der Anmeldung mit strenger Strafe bedroht ist. Der Kriegsausschuß für Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel erinnert deshalb wiederholt an diese allen Beteiligten obliegende Pflicht. Anmeldepflichtig sind: bei Kaffee Mengen von 10 Kilogramm und mehr; bei Tee Mengen von fünf Kilogramm und mehr. Bei Tee bestehen noch Zweifel darüber, ob die in Paketen befindliche Ware ebenfalls der Anmeldungspflicht unterliegt. Dies ist der Fall: alle Teemengen über 5 Kilogramm sind anmeldepflichtig, auch wenn sie schon verpackt sind. Es ist ferner vorgeschrieben, daß, wer Kaffee oder Tee in Gewahrsam hat, verpflichtet ist, die vorhandenen Mengen getrennt nach Art und Eigentümer unter Bezeichnung der Eigentümer und des Lagerungsortes anzuzeigen. Der Ausdruck „Gewahrsam“ wird vielfach nicht richtig verstanden. Mit diesem Wort soll ausgedrückt werden, daß derjenige, der Kaffee oder Tee aufbewahrt, im Hause hat, sei es im Haushalt oder in Verkaufsgeschäften, Lagerhäusern ohne Unterschied, ob Ware ihm oder einem anderen gehört, verpflichtet ist, die Ware anzuzeigen.

Das Metropol-Theater kündigt als Hauptfilm dieser Woche den „Lautenmacher von Mittenwald“ an, ein Drama aus den bayrischen Bergen in einem Vorspiel und fünf Akten nach dem Roman „Der Bubenrichter von Mittenwald“ mit Maximilian Schmidt. Die Darsteller sind Münchener Hofschauspieler. Ferner werden das dreiaktige Gesellschaftsdrama „Die Söhne des Grafen Steinfels“, mehrer Lustspiele und die üblichen Kriegsberichte aufgeführt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Abänderung im Butter- und Margarine-Verkauf. Bekanntlich tritt in dieser Woche eine Neuregelung im Verkauf von Butter und Margarine für den Stadtkreis Bonn ein. Wie bisher darf Montags und Dienstags weder Butter noch Margarine verkauft werden. In jeder Woche wird amtlich bekannt gemacht, wie viel Gramm Butter oder Margarine auf jede Person entfällt und in welcher Reihenfolge die Abgabe von Butter und Margarine erfolgt. Heute, Mittwoch, wird Butter oder Margarine an Nummer 1, am Donnerstag an Nummer 2, am Freitag an Nummer 3, am Samstag an Nummer 4 abgegeben. Die betreffende Nummer ist aus dem Brotbuch ersichtlich. Auch in dieser Woche wird wiederum ein Fünftel Pfund Butter oder Margarine an jede bezugsberechtigte Person verabfolgt. Der Preis der Auslandsbutter ist auf 3,10 M. für das Pfund festgelegt worden. Die Lebensmittelgeschäfte dürfen fortan vor dem festgesetzten Verkaufstage keine Brotbücher mehr annehmen, um dadurch ihrer Kundschaft Butter zu sichern. Zuwiderhandlungen werden schwer bestraft, außerdem kann auch auf Schließung der Geschäfte erkannt werden.

Bonner Fußball-Verein – Kölner Turnverein 5:0. Am Ostersonntag traten sich auf dem Platz an der Richard-Wagnerstraße die Kriegsliga-Mannschaften der beiden Vereine gegenüber. Wie das Resultat zeigt, feierte der B. F.-V. einen überlegenen Sieg. Schon in der ersten Halbzeit konnte er drei Tore für sich buchen, von denen das erste Tor ein blendender Schuß des vorzüglichen Linksaußenstürmers Erdmann war. Benzinger, der Halblinke des B. F.-V. zeigte durch einen prächtigen Schuß, der das zweite Tor einbrachte, daß er gute Klasse war. Bis zur Pause wurde dann noch durch den Mittelstürmer Fuchs ein weiteres Tor gesetzt. Trotz der drei Tore ließ sich die Kölner Mannschaft keineswegs einschüchtern, sondern sie hielt stets das Spiel offen, jedoch zeigte die Kölner Stürmerreihe zu wenig Durchschlagskraft vor dem Tore, um einen Erfolg zu erringen. Noch zweimal nach der Halbzeit mußte der Kölner Torwart den Ball aus seinem Tor holen, vielleicht wäre es auch noch mehr geworden, wenn nicht die Kölner Verteidigung so aufopferungsvoll gespielt hätte, sie bewahrte die Mannschaft vor einer höheren Niederlage; sonst hat die Mannschaft einen vorzüglichen Eindruck hinterlassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zuckeraufnahme. Aufgrund der Bundesratsverordnung vom 10. April 1916 findet am 26. April 1916 eine Feststellung der Mengen an Verbrauchszucker statt. Wer mit Beginn des 25. April 1916 Zucker in Gewahrsam hat, hat bis zum 26. April 1916 den Vorrat nach Mengen und Eigentümern der zuständigen Behörde des Lagerungsortes anzuzeigen. Anzeigepflichtig sind: 1. Familienhaushaltungen und einzelne Personen, 2. Bäckereien und Konditoreien, 3. Geschäfte, Gast-, Schank- und Speisehäuser, Kantinen, Fremdenheime, Vereins- und Erfrischungsräume und dergl. 4. Kleinhändler und Ladengeschäfte ohne Rücksicht auf den Umfang des Betriebes, die unmittelbar an die Haushaltungen den Zucker abgeben. 5. Alle sonstigen Händler. 6. Gewerbliche und sonstige Betriebe mit Ausnahme der Zuckerfabriken. 7. Diesen gewerblichen Betrieben stehen gleich Landwirtschaftsbetriebe, in denen Nahrungs-, Genuß- und Heilmittel zum Zwecke der Weiterveräußerung bereitet werden. 8. Lagerhallen und Spediteure usw., wenn sie mehr als 10 Kilogramm an Zucker in Gewahrsam haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 27. April 1916

     

Städtischer Unterhaltungsabend. Man schreibt uns: Es ist gelungen, für den gesanglichen Teil des heutigen Volksunterhaltungsabends die Konzertsängerin Frl. Henny Wolff zu gewinnen. Sie hat sich hier in Bonn durch ihr erfolgreiches Auftreten nicht nur im Konzertsaal, sondern auch in unserer Oper vorteilhaft bekannt gemacht. Der Besuch des Abends darf den Freunden guter und in schwerer Zeit doppelt erhebender Kammermusik auf das angelegentlichste empfohlen werden.

Maßnahmen gegen das Hamstern sind in der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt a. M. beantragt worden. Die Stadtverwaltung soll Bestandsaufnahmen veranstalten und die über bestimmte, genau festzusetzenden Mengen hinaus aufgespeicherten Vorräte beschlagnahmen. Für falsche Angaben sollen Freiheitsstrafen verhängt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Metropol-Theater. Das Bemühen von Künstlern und Literaten das Kino mehr und mehr vom Verbrecher- und Detektivdrama zu befreien und die lebendige Photographie wertvolleren Aufgaben zuzuwenden, zeigt seine Wirkung im jüngsten Spielplan des Metropol-Theaters. Das Drama „Der Lautenmacher von Mittenwald“, in welchem der Schriftsteller Maximilian Schmidt seinen Roman „Der Bubenrichter von Mittenwald“ selbst für die Verfilmung verarbeitet hat, ist ein glücklicher Schritt auf dem Wege, die oberbayrische Heimatdichtung mit ihrem eigenartigen Menschenschlag inmitten der gewaltigen Naturbühne, der mächtigen Bergkuppen vor dem leiblichen Auge lebendig werden zu lassen. Ebenso bedeutet das Lustspiel „Die Hochzeit des Vater Rhein“, ein phantastischer Gedanke, die Denkmäler einer Stadt, Brunnenfiguren usw. durch die chemische Einspritzung, die ein kluger Professor vornimmt, zu einer grotesken Hochzeitsgesellschaft zu vereinigen, eine beachtliche Fortentwicklung der literarischen Kinokunst. Nicht minder ist es zu schätzen, daß mit Hilfe einer geschickt geschriebenen Komödie, die von drastischem Humor erfüllt ist, der Versuch gemacht wird, das zartere Geschlecht von der unsinnigen Vorliebe für die Pariser Mode abzuwenden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Die Zentralauskunftsstelle des Rheinischen Arbeitsnachweisverbandes hat in den letzten Monaten mit Rücksicht auf die Einseitigkeit des Arbeitsmarktes sich eingehender mit der inneren Organisation der Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage im Gebiet der Rheinprovinz befaßt. Mit Hilfe von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden wurde die Aufstellung einer Liste begonnen, die alle im Rheinland bestehenden Nachweise enthalten soll und jetzt bereits zu einem vorläufigen Abschluß gebracht werden konnte. Durch andauernde Ergänzungen und Berichtigungen bei Adressenveränderungen soll sie stets auf dem laufenden gehalten werden und dadurch einen möglichst vollkommenen Ueberblick über die in einzelnen Orten vorhandenen Arbeitsnachweise geben. Damit die Zentralauskunftsstelle jederzeit in der Lage ist, eine erschöpfende Auskunft über die Arbeitsmarktlage zu geben, wurde eine regelmäßige Berichterstattung durch alle diese Arbeitsnachweise an die Zentralauskunftsstelle organisiert. Diese Maßnahme stellt einen Versuch dar, den Arbeitsmarkt systematisch zu erforschen und die dadurch gewonnenen Kenntnisse der Praxis der Arbeitsvermittlung unmittelbar zugänglich zu machen. Wenngleich über die Wirkung der neuen Einrichtung noch keine Erfahrungen vorliegen, ist doch ihre praktische Brauchbarkeit verbürgt durch sehr beifällige Aufnahme des Planes in den beteiligten Kreisen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 28. April 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. April 1916Die Regelung des Seifenverbrauchs in Bonn. Im Anzeigenteil dieser Zeitung werden die Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers über den Verkehr mit Seife, Seifenpulver und anderen fetthaltigen Waschmitteln vom 18. April sowie die dazu in Bonn getroffenen Anordnungen des Oberbürgermeisters amtlich veröffentlicht. Es dürfen danach monatlich höchstens 100 Gramm Feinseife und 500 Gramm andere Seife, Seifenpulver usw. für eine Person verabfolgt werden. Die verabfolgten Mengen müssen im Brotbuch vermerkt werden, und zwar für April auf dem Blatt der 31. Woche, für Mai auf dem der 35.

Die Polizeistunde am 30. April. Da am 30. April um 11 Uhr abends die Uhren um eine Stunde vorzurücken sind, es nach der gesetzlichen Zeit also schon 12 Uhr ist, müssen auch die Wirtschaften dann schon schließen. Eine besondere Bekanntmachung über diese um eine Stunde frühere Polizeistunde wird von der Bonner Polizeiverwaltung nicht erlassen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Die Zwischenscheine für die fünfprozentigen Schuldverschreibungen des Deutschen Reiches von 1915 (dritte Kriegsanleihe) können vom 1. Mai d. J. ab in die endgültigen Stücke mit Zinsscheinen umgetauscht werden. Sämtliche Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtungen übernehmen die kostenfreie Vermittlung des Umtausches.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Bonner Stadttheater. Am Sonntag gastiert das Kölner Schauspiel mit dem bekannten Köln. Volksschauspiel „Heimgesunge“ von Schneider Claus.

Der Westerwaldklub unternimmt eine Wanderung am Sonntag den 30. April. Abfahrt von Beuel 6,44 Uhr, Staatsbahnhof. Die Wanderung geht über Hönningen-Arienheller-Mahlberg-Hesseln-Römerich-Linz.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 29. April 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. April 1916Die Zucker-Höchstpreise sind für die Stadt Bonn auf 32 Pfg. für gemahlenen, 34 Pfg. für Würfel- und Plattenzucker, 46 Pfg. für Stangenkandis und 50 Pfg. für Würfelkandis das Pfund festgesetzt.

Zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung. Die den Verkehr mit Lebensmitteln bestehenden Uebelstände haben, wie uns ein Telegramm aus Berlin mitteilt, den Minister des Inneren veranlaßt, erneut darauf hinzuweisen, daß die Polizeibehörden das Publikum gegen Ausbeutung und Uebervorteilung beim Einkauf von Lebensmitteln wirksam schützen sollen. Insbesondere wird in dem Erlaß aus die maßlosen Preisforderungen für solche Waren hingewiesen, für welche keine Höchstpreise bestehen, sowie auf das auffällige, plötzliche Verschwinden von manchen Lebensmitteln aus den Verkaufsstellen, so bald eine Begrenzung der Verkaufspreise angeordnet ist. Die gesetzlichen Handhaben seien den polizeilichen Organen in den Gesetzen und Verordnungen über die Höchstpreise, über den Wucher, die Entfernung unzuverlässiger Personen vom Handel u. a. gegeben. Ein voller Erfolg in der Anwendung dieser Vorschriften könne nur durch verständnisvolles Zusammenarbeiten der Gemeindevorstände und Polizeiverwaltungen erzielt werden. Die Aufsichtsbehörden sind angewiesen, in diesem Sinne die erforderlichen Anordnungen zu treffen.

Die Viehmärkte müssen, da die Zentral-Einkaufsbehörde das Schlachtvieh beschlagnahmt hat, bis auf weiteres ausfallen. Der Bonner Schlachtviehmarkt ist schon seit zwei Wochen nicht mehr abgehalten worden. Auch in Köln findet vorläufig kein Viehmarkt mehr statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Charly, der gelehrige Affe der Hagenbeckschen Tierschau, benahm sich in der gestrigen Abendvorstellung kurz vor Beendigung seiner Vorführungen ganz unprogrammmäßig. Er rauchte wie immer mit seinem Herrn eine Zigarre, legte sich ganz manierlich ins Bett und fuhr auch auf seinem Zweirad mehrere Runden durch die Manege. Plötzlich vergaß er jedoch seine gute Erziehung. Er warf sein Rad weg und rannte mit Blitzesschnelle das Abschlussgitter hinauf. Mit kühnem Schwung setzte Charly dann über die Spitzen der Eisenstäbe und kletterte mit affenartiger Geschwindigkeit die Gitterstäbe hinab in den Zuschauerraum. Natürlich gabs großes Hallo, namentlich bei den Damen. Ein Feldgrauer sprang eiligst hinzu und versetzte dem verblüfft dastehenden Affen einen gehörigen Schlag mit seiner Säbelscheide; im nächsten Augenblick wurde Charly von seinem Herrn beim Kragen gefaßt und wieder in die Manege gezogen. Für diese Extratour erntete der Ausreißer stürmischen Beifall.

Die Früchte des Weißdorns als Volksnahrungsmittel. Es kommt in Frage, in diesem Jahre die Früchte des Weißdorns für bestimmte Zwecke der Volksernährung zu verwerten. Um eine möglichst große Ernte zu erzielen, ist es dringend erforderlich, daß in diesem Frühjahre davon Abstand genommen wird, die Weißdornhecken zu beschneiden. Denn durch die Beseitigung der vorjährigen sowie der etwa noch vorhandenen älteren Schösslinge wird der Blütenansatz und somit die Fruchtgewinnung fast vollständig unterbunden. Um der in Aussicht genommenen Verarbeitung einen möglichst hohen Ertrag der Weißdornfrüchte (Mehlbeeren) zuführen zu können, ist weiter beabsichtigt, demnächst die Beeren zu sammeln und gegen angemessene, das Sammeln durchaus lohnende Entschädigung für die in Betracht kommenden Zwecke erwerben zu lassen. Aus dem angegebenen Grunde ist daher in diesem Frühjahre tunlichst vom Beschneiden der Weißdornhecken Abstand zu nehmen. Bekanntlich befinden sich Weißdornhecken in erheblichem Umfange um Gehöfte, Gärten, Weiden, an Bahndämmen, Wegen usw.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Generalversammlung des Vereins Kinderhort-Verband Bonn e. V. fand am 26. April statt. Die bei Kriegsbeginn an die bestehenden vier Mädchenhorte angegliederten Knabenabteilungen und der Kindergarten konnten auch im zweiten Kriegsjahre bestehen bleiben. Die Fürsorge erstreckte sich auf 400 Kinder. An 90 der bedürftigsten Kinder werden Mittagessen verabreicht. Während der Herbstferien blieben Horte und der Kindergarten geöffnet. [...] Im Winter wurde fleißig für die Soldaten gearbeitet. Strümpfe, Fuß- und Brustlappen, Kissen und Pantoffel konnten an die Lazarette abgeliefert werden. Mütternachmittage, die in den einzelnen Horten noch häufiger als zu Friedenszeiten veranstaltet wurden, pflegten die Beziehungen zwischen Hort und Familie. Zur Schulung der Helferinnen fanden von zwei Jugendleiterinnen des Vereins theoretische und praktische Unterweisungen statt. Im Anschluß an den Jahresbericht sprach Fr. Christine Teusch, Köln, über „die deutsche Helferin“. Rednerin zeigte in ihren begeisternden Ausführungen, wie sehr der Hort dazu berufen sei, gute Staatbürger zu erziehen. Die Schäden unserer Volksjugend zu bessern und zu heilen und die echt staatsbürgerlichen Tugenden Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Verantwortlichkeit, Gehorsam, selbstlose Liebe in den Kinder zu erziehen, dies sei die hohe Aufgabe und Pflicht der deutschen Helferin.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 30. April 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1916Die Ausfuhr von Fleisch, Speck und Fett aus dem Stadtbezirk Bonn wird durch eine in dieser Zeitung veröffentlichte Bekanntmachung des Oberbürgermeisters verboten.

Eine andere Moderichtung. Dem Verband Westmark der deutsch-völkischen Partei ist auf seine Eingabe wegen der Mode vom stellv. Generalkommando in Münster folgende Meldung zugegangen: Laut Mitteilung des Kriegsministeriums ist vorgesorgt, daß die Herbst- und Wintermode eine andere Richtung einschlägt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Ein herrenloses fettes Schwein irrte am Samstag Morgen in der Nähe der Bachstraße auf dem Bahngeleise der Staatsbank umher. Anstatt herzhaft zuzugreifen, wichen die Passanten dem kostbaren Borstenvieh scheu aus. Erst nach längerer Zeit gelang es einem Geschäftsmann, das Schwein in seinen Hof zu treiben und dingfest zu machen. Der glückliche Besitzer konnte einstweilen nicht ermittelt werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Deutsche Sommerzeit. Wir möchten nicht verfehlen, unsere verehrten Leser darauf aufmerksam zu machen, daß sie Sonntagabend um 11 Uhr ihre Uhren auf 12 Uhr vorrücken. Es liegt dies im eigenen Interesse sowohl als auch in einer geordneten Einführung der Sommerzeit.

Wehrbund. Am Ostersonntag trug das Dampfroß 62 Jungmannen des Bonner Wehrbundes siegaufwärts nach Altenkirchen zur fröhlichen Wanderfahrt durch Tal und über Höhen des Westerwaldes. Machte der Himmel auch ein finsteres Gesicht, waren die Wege auch naß und schlüpfrig: Der frohen Wanderlust geschah dadurch kein Abbruch. Marienberg war das Ziel des ersten Tages, das auf den Pfaden erreicht werden sollte, die die hiesige Ortsgruppe des Westerwaldklubs in ihre Pflege genommen und „Bonner Weg“ getauft hatte. Durch prächtigen Hochwald führt der Weg, oft steil bergauf und jäh bergab, über schwankende Stege und nur selten über die Landstraße, die der waldfrohe Wanderer gerne meidet. War der Laubwald auch noch blattlos, grün waren die Wiesen und der Tannenwald und prächtige Ausblicke belohnten die Mühe der Wanderer. Zur Mittagszeit wurde Rast gehalten und leibliche Stärkung bot der Inhalt des Rucksacks oder die Konservendose, vom kochkundigen Wanderer bald zum schmackhaften Mahl bereitet. Das Nachtlager in Marienberg war kriegsmäßig einfach: auf Stroh in einer Scheune und in einem Tanzsaal. Am Morgen des anderen Tages gab es frohe Gesichter, weil der Himmel auch ein frohes Gesicht machte. Der Sonne, die schon am vorherigen Tage Versuche gemacht hatte, die graue Wolkenschicht zu durchbrechen, war der Durchbruch beim erwachenden Morgen mit glänzendem Erfolge gelungen. Das Ziel des Tages war die Bahnstation Stershahn, die zur bestimmten Zeit erreicht werden mußte. Die kürzesten Wege mußten eingeschlagen werden, meist ging es über die harte Landstraße, selten durch den Wald, aber eine besondere Sehenswürdigkeit des Westerwaldes, die Seen bei Dreifelden, wurden doch in Augenschein genommen. Zur rechten Zeit war das Ziel erreicht und nun besorgte die Eisenbahn die Weiterbeförderung der ermüdeten Wanderer zur Ausgangsstation Beuel. In Gruppenkolonne mit frohem Liederklang, der auch auf der Wanderung nicht fehlte, wurde in Bonn Einzug gehalten. Ein schönes Fleckchen Erde hatten die Wanderer kennen gelernt, auf der Wanderung auch häufig Gruppen gefangener Gegner gesehen und hoffentlich dabei gedacht, daß nur die Tapferkeit unseres Heeres es verhindert hat, die Feinde zu kriegerischem Tun im Vaterlande zu sehen. Zur Erziehung eines kraftvollen Nachwuchses zur Verteidigung des Vaterlandes sollte auch die Wanderung beitragen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Intern