Bonn 1914-1918
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  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
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    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
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Freitag, 21. April 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. April 1916Die Banken – ausgenommen die Reichsbank – bleiben am morgigen Karsamstag geschlossen.

Die Hagenbeckschau ist bereits in Bonn eingetroffen. Auf dem Adolfsplatz entwickelt sich bei dem Aufbau der Zirkusräumlichkeiten und der großen Stallungen ein sehr lebendiges, buntes Tun und Treiben. Bei den Arbeiten helfen auch Hagenbecks Arbeitselefanten, die durch ihre Riesenkräfte und ihre vortreffliche Abrichtung beim Ausladen der schweren Wagen und überall, wo es gilt, große Lasten fortzubewegen, die besten Dienste leisten. Bekanntlich stelle Hagenbeck der Militärbehörde Elefanten zur Verfügung, welche an der Front unseren tapferen Kriegern durch Schleppen und Tragen von Baumstämmen, Steinmassen und dergleichen schweren Lasten mehr zum Bauen und Einrichtung der Unterstände von größtem Nutzen sind. Um dem Publikum einen Begriff von den Arbeiten dieser Hagenbeckschen Elefanten an der Westfront zu geben, werden in jeder Vorstellung ähnliche Arbeiten vorgeführt. Weiter kommen sämtliche andere Dressurnummern zur Vorführung. Dabei wird der bekannte Tierbändiger Feldmann, ein Schüler Hagenbecks, seine Tigergruppe vorführen. Löwen, Eisbären, braune Bären, Dromedare, Kamele, Menschenaffen und andere Seltenheiten des Tierparkes sowie alle Artistennummern bilden ferner das reiche Programm jeder Vorstellung. Auf die Einrichtung, daß bei der Umwechslung von Goldgeld an der Kasse Freiplätze und zwar für 20 M. eine Freikarte für den ersten, für 10 M. eine für den zweiten Platz gegeben werden, sei nochmals hingewiesen. Hagenbeck lieferte auf diese Weise im letzten Monat 6000 Mark an die Reichsbank an. Die Eröffnung der Hagenbeckschau findet am morgigen Samstag statt. Die Nachmittagsvorstellung beginnt um 4 Uhr, die Abendvorstellung um 8¼ Uhr. Samstag, Sonntag und Montag finden ebenfalls je zwei Vorstellungen statt, um 4 und 8 ¼ Uhr, sowie täglich um 8¼ Uhr Abendvorstellung. Täglich morgens ab 10 Uhr ist Stallbesichtigung und finden alsdann interessante Proben sowie Fütterung sämtlicher Raubtiere statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Glückliches Kleve! Der Bürgermeister der Stadt Kleve am Niederrhein hat folgende Preise für den Verkauf von frischem Schweinefleisch festgesetzt: Schinken 1,80 Mk., fetter Speck 2 Mk., magerer Speck 1,60 Mk., Kotelette (Karbonade) 2 Mk., Schulter mit Schwarte 1,80 Mk., Kopf 80 Pfg., Schnauze und Ohren 80 Pfg., Eisbein 1,20 Mk. und Pfoten 50 Pfg. das Pfund. Der Verkauf darf seitens der Metzgermeister nur in Mengen bis zu drei Pfund an Eingesessene der Stadt Kleve erfolgen gegen Vorzeigung der Brotkarte, in die ein entsprechender Vermerk eingetragen wird.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Ein hiesiger Wirt, dessen Frau und Tochter hatten sich gestern an der Strafkammer zu verantworten, weil sie in unerlaubter Weise Branntwein verabfolgt hatten. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Wirt 500 Mark, gegen die Frau 200 Mark, gegen die Tochter 20 Mark. Das Gericht erkannte auf Geldstrafen von 200, bezw. 50, bezw. 20 Mark.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 22. April 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. April 1916Einfache Ostern. Das Osterfest muß diesmal besonders einfach begangen werden. Die für die Kinder üblichen Leckereien sind zu vermeiden, da durch sie nur notwendige Nahrungsstoffe vergeudet werden. Die Knappheit an Zucker verlangt dieses Verhalten. Schokolade und Kakao, die hierbei sonst Verwendung finden und vergeudet werden, sind notwendige Nahrungsmittel, derer wir dringend bedürfen. Und so muß uns das Osterfest, seinem Charakter entsprechend, bereit finden zur Einkehr und zur Anerkennung gegenüber denjenigen, die sich für das Vaterland geopfert haben. Sie haben die Feinde im Felde geschlagen, wir wollen durch einfachen Lebenswandel, Enthaltsamkeit und Einschränkung den Sieg endgültig erringen helfen. Gilt es doch dem Wohl des Vaterlandes und damit uns selbst, die wir vor den Kriegsschrecken verschont geblieben sind.

Unhöflichkeit beim Verkauf von Lebensmitteln. Eine Anzahl von Zuschriften von Hausfrauen beklagen es, und die eigene Erfahrung bestätigt es, daß beim Einkauf von Lebensmitteln meist eine übliche Zugabe mit eingesteckt werden muß: die zunehmende Unhöflichkeit der Verkäufer. Nicht nur die „Butterfräuleins“ fühlen sich, sondern beinahe jeder, der mit dem Verkauf von Lebensmitteln zu tun hat. Und dieses „Sich-fühlen“ nimmt mitunter Formen an, die von Ungezogenheit nicht mehr zu unterscheiden sind, besonders gegen solche, die keine „guten Kunden“ sind. Zu machen ist da nicht viel, denn man ist auf die Gunst der Verkäufer angewiesen. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Web-, Wirk- und Strickwaren. Durch eine Bekanntmachung des Herrn Gouverneurs der Festung Köln vom 15. d. M., deren vollständiger Inhalt an den öffentlichen Anschlagstellen und in den amtlichen Kreisblättern einzusehen ist, wird die Bekanntmachung vom 1. Februar 1916, betreffend Preisbeschränkungen im Handel mit Web-, Wirk- und Strickwaren, aufgehoben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 23. April 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. April 1916Die Hagenbeck-Schau hat gestern die Reihe ihrer Bonner Vorführungen mit zwei ihrer Vorstellungen begonnen. Der gute Ruf, den das mit dem berühmten Tierpark in Stellingen bei Hamburg verwandte Unternehmen besitzt, übt, wie vor Jahren schon einmal, auch dieses Mal wieder trotz des Krieges in Bonn seine große Anziehungskraft aus, und schon bei der ersten Vorstellung gestern nachmittag war das große Zelt fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die gebotenen Leistungen entsprechen den Erwartungen, die man mit dem Namen Hagenbeck verbinden kann, und befriedigen die Besucher in hohem Maße. Die erste Nummer, Vorführung einer Gruppe verschiedener Bären, konnte gestern nachmittag allerdings nicht durchgeführt werden. Eines der wilden Tiere zeigte sich sehr störrisch und biß den Bändiger, Herrn Elskamp, in Arm und Bein, so daß diese Vorführung vorzeitig abgebrochen werden mußte. Im übrigen konnte der Spielplan ohne weiteren Zwischenfall durchgeführt werden. Herr Bauer führte zunächst einen Elefanten, ein Pony und einen Pudel und dann sechs allerliebste Zwergpferdchen vor und ließ die Tiere manche Probe ihrer Gelehrigkeit ablegen. Es wurden dann acht große Tiger in die stark umgitterte Manege getrieben, wo die grimmig fauchenden und mit den Tatzen schlagenden Bestien von Herrn Feldmann gezwungen wurden, Pyramiden zu bilden, Sprünge vorzuführen usw. Frl. Schaffeur zeigte sich als glänzende Drahtseilkünstlerin; vor allem ihr Kopfsprung auf dem Seil ist bewundernswert. Von den riesigen sieben Löwen, die Herr Christensen meistert, sind die meisten recht grimmige Tiere, die häufig genug mit Peitsche und Knüppel zum Gehorsam gezwungen werden müssen und dabei in recht beängstigender Weise Miene machen, auf ihren Meister loszugehen. Ein komischer Fangkünstler, der sehr viel Scherben macht, und der wie ein Mensch essende, trinkende, schlafende und radfahrende Affe Charly macht vor allem der Jugend sehr viel Spaß. Als außerordentlich geschickte und kräftige Turnkünstler erweisen sich die vier Damen und der Herr der Orgeritas-Truppe. Ferner werden Kamele und Maulesel sowie eine Gruppe von Elefanten vorgeführt. Die Elefanten zeigen dabei auch, in welcher Weise ihre von Hagenbeck der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellten Artgenossen hinter der Front zu arbeiten verstehen; sie schleifen und tragen allein oder zu zweien schwere Baumstämme, sie heben Lasten von vielen Zentnern, ohne daß man ihnen die geringste Anstrengung anmerkt. Den Schluß bildete eine Massenvorführung von zwei Dutzend Eisbären, die sich dabei als verhältnismäßig gutmütige Tiere geben und sich von einer einzigen Dame, Frl. Bébé, beherrschen lassen. Alles in allem: die Hagenbeck-Schau bietet in abwechselungsreicher Fülle Vorzügliches, so daß der Besuch des Unternehmens nur empfohlen werden kann.

Ueber 1600 Mark Goldgeld sind gestern nachmittag an der Kasse der Hagenbeck-Schau umgewechselt worden, weil das Unternehmen für jedes Goldstück einen Freiplatz gewährt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Fußballsport. Heute findet auf dem Sportplatze der Richard-Wagnerstraße nach langer Zeit wieder ein Wettspiel zwischen zwei Ligamannschaften statt. Die spielstarke und schnelle Mannschaft des Kölner Turnvereins von 1843 wird dem Bonner Fußballverein eine sehr harte Nuß zu knacken geben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Sicherung der Bierlieferung an die Feldtruppen. Wie die Biereinkaufszentrale der Heeresverwaltung mitteilt, hat sich die stellvertretende Intendantur des 3. Armeekorps veranlaßt gesehen, 98 Brauereien die weitere Zuweisung der Gerste durch die Gersteverwertungsgesellschaft bis auf weiteres zu sperren, weil diese Brauereien ihren Verpflichtungen zur Lieferung ausreichender Mengen Bieres für die Versorgung des Feldheeres nicht im gewünschten Maße nachgekommen sind. Im übrigen erkennt die Heeresverwaltung an, daß die überwiegende Mehrzahl der deutschen Brauereien ihrer Verpflichtung, in erster Linie für unsere kämpfenden Truppen zu sorgen, nach Möglichkeit nachgekommen ist. Erneut sind die Brauereien darauf hingewiesen worden, daß es unbedingt geboten erscheint, unter Zurücksetzung privater Interessen unter allen Umständen die für die Feldtruppen erforderlichen Biermengen bereitzustellen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 24. April 1916

     

Am zweiten Osterfeiertag erschienen in Bonn keine Zeitungen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. April 1916

Dienstag, 25. April 1916

    

Der Ostergruß der Bonner Universität an ihre Studenten, den wir schon ausführlich besprochen haben, ist im Selbstverlag der Universität erschienen, die Universitätsdruckerei Carl Georgi hat den Kommissionsverlag übernommen. Der Ostergruß kann von jeder Buchhandlung für den Preis von 1,50 M. bezogen werden. Besonders sei hier darauf hingewiesen, daß die Universität die Schrift als Geschenk allen ihren Angehörigen ins Feld sendet, deren Anschriften ihr bekannt sind oder bekannt werden. Daher ist es dringend erwünscht, daß dem Universität-Sekretariat möglichst viele Anschriften von im Felde stehenden immatrikulierten Bonner Studenten durch diese oder durch deren Angehörige in geschlossenem Briefumschlag übermittelt werden.

Der Bayern-Verein für Bonn und Umgebung hat sämtlichen in Bonn liegenden verwundeten Bayern als Ostergruß eine blauweiße Düte mit Zigarren, Zigaretten und Tintenstift durch die Damen des Vereins überreichen lassen.

Vom Dampfer Rheingold fiel gestern abend nach der Ankunft des Schiffes in Köln die Frau des Schiffswirtes in den Rhein. Sie ertrank.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Ueberführung von Leichen Gefallener vom Kriegsschauplatz in die Heimat. Das Stellv. Generalkommando des 18. Armeekorps teilt mit: Nach einer Verfügung des Königlichen Kriegsministeriums können Ausgrabungen von Leichen zur Rückführung in die Heimat für die Monate Mai, Juni, Juli; August und September nicht gestattet werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die beiden Osterfeiertage, vor allem der zweite, brachten uns herrliches Frühlingswetter, so daß jeder, dem es die Zeit erlaubte, einmal wieder mit Freuden zum Wanderstabe griff, um sich draußen in der wieder erwachenden Natur zu erholen und zu kräftigen. Der Verkehr war daher entsprechend stark, besonders in den Ausflugsorten der Umgebung und am Vorgebirge mit seinem herrlichen Blütenschmuck. Auch die Rheindampfer, die an den Tagen zum ersten Male wieder regelmäßige Fahrten unternahmen, hatten sich eines regen Zuspruches zu erfreuen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 26. April 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. April 1916Die Schwalben sind wieder da. In den letzten warmen Frühlingstagen konnte man die schlanken Tierchen in größeren Mengen durch die Luft und an den Hauswänden und Mauern entlang fliegen sehen.

Die Anmeldung von Kaffee- und Teevorräten. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß daß die gesetzliche Pflicht zur Anmeldung aller Kaffee- und Teevorräte in zahlreichen Fällen nicht erfüllt worden ist, obgleich die Unterlassung der Anmeldung mit strenger Strafe bedroht ist. Der Kriegsausschuß für Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel erinnert deshalb wiederholt an diese allen Beteiligten obliegende Pflicht. Anmeldepflichtig sind: bei Kaffee Mengen von 10 Kilogramm und mehr; bei Tee Mengen von fünf Kilogramm und mehr. Bei Tee bestehen noch Zweifel darüber, ob die in Paketen befindliche Ware ebenfalls der Anmeldungspflicht unterliegt. Dies ist der Fall: alle Teemengen über 5 Kilogramm sind anmeldepflichtig, auch wenn sie schon verpackt sind. Es ist ferner vorgeschrieben, daß, wer Kaffee oder Tee in Gewahrsam hat, verpflichtet ist, die vorhandenen Mengen getrennt nach Art und Eigentümer unter Bezeichnung der Eigentümer und des Lagerungsortes anzuzeigen. Der Ausdruck „Gewahrsam“ wird vielfach nicht richtig verstanden. Mit diesem Wort soll ausgedrückt werden, daß derjenige, der Kaffee oder Tee aufbewahrt, im Hause hat, sei es im Haushalt oder in Verkaufsgeschäften, Lagerhäusern ohne Unterschied, ob Ware ihm oder einem anderen gehört, verpflichtet ist, die Ware anzuzeigen.

Das Metropol-Theater kündigt als Hauptfilm dieser Woche den „Lautenmacher von Mittenwald“ an, ein Drama aus den bayrischen Bergen in einem Vorspiel und fünf Akten nach dem Roman „Der Bubenrichter von Mittenwald“ mit Maximilian Schmidt. Die Darsteller sind Münchener Hofschauspieler. Ferner werden das dreiaktige Gesellschaftsdrama „Die Söhne des Grafen Steinfels“, mehrer Lustspiele und die üblichen Kriegsberichte aufgeführt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Abänderung im Butter- und Margarine-Verkauf. Bekanntlich tritt in dieser Woche eine Neuregelung im Verkauf von Butter und Margarine für den Stadtkreis Bonn ein. Wie bisher darf Montags und Dienstags weder Butter noch Margarine verkauft werden. In jeder Woche wird amtlich bekannt gemacht, wie viel Gramm Butter oder Margarine auf jede Person entfällt und in welcher Reihenfolge die Abgabe von Butter und Margarine erfolgt. Heute, Mittwoch, wird Butter oder Margarine an Nummer 1, am Donnerstag an Nummer 2, am Freitag an Nummer 3, am Samstag an Nummer 4 abgegeben. Die betreffende Nummer ist aus dem Brotbuch ersichtlich. Auch in dieser Woche wird wiederum ein Fünftel Pfund Butter oder Margarine an jede bezugsberechtigte Person verabfolgt. Der Preis der Auslandsbutter ist auf 3,10 M. für das Pfund festgelegt worden. Die Lebensmittelgeschäfte dürfen fortan vor dem festgesetzten Verkaufstage keine Brotbücher mehr annehmen, um dadurch ihrer Kundschaft Butter zu sichern. Zuwiderhandlungen werden schwer bestraft, außerdem kann auch auf Schließung der Geschäfte erkannt werden.

Bonner Fußball-Verein – Kölner Turnverein 5:0. Am Ostersonntag traten sich auf dem Platz an der Richard-Wagnerstraße die Kriegsliga-Mannschaften der beiden Vereine gegenüber. Wie das Resultat zeigt, feierte der B. F.-V. einen überlegenen Sieg. Schon in der ersten Halbzeit konnte er drei Tore für sich buchen, von denen das erste Tor ein blendender Schuß des vorzüglichen Linksaußenstürmers Erdmann war. Benzinger, der Halblinke des B. F.-V. zeigte durch einen prächtigen Schuß, der das zweite Tor einbrachte, daß er gute Klasse war. Bis zur Pause wurde dann noch durch den Mittelstürmer Fuchs ein weiteres Tor gesetzt. Trotz der drei Tore ließ sich die Kölner Mannschaft keineswegs einschüchtern, sondern sie hielt stets das Spiel offen, jedoch zeigte die Kölner Stürmerreihe zu wenig Durchschlagskraft vor dem Tore, um einen Erfolg zu erringen. Noch zweimal nach der Halbzeit mußte der Kölner Torwart den Ball aus seinem Tor holen, vielleicht wäre es auch noch mehr geworden, wenn nicht die Kölner Verteidigung so aufopferungsvoll gespielt hätte, sie bewahrte die Mannschaft vor einer höheren Niederlage; sonst hat die Mannschaft einen vorzüglichen Eindruck hinterlassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zuckeraufnahme. Aufgrund der Bundesratsverordnung vom 10. April 1916 findet am 26. April 1916 eine Feststellung der Mengen an Verbrauchszucker statt. Wer mit Beginn des 25. April 1916 Zucker in Gewahrsam hat, hat bis zum 26. April 1916 den Vorrat nach Mengen und Eigentümern der zuständigen Behörde des Lagerungsortes anzuzeigen. Anzeigepflichtig sind: 1. Familienhaushaltungen und einzelne Personen, 2. Bäckereien und Konditoreien, 3. Geschäfte, Gast-, Schank- und Speisehäuser, Kantinen, Fremdenheime, Vereins- und Erfrischungsräume und dergl. 4. Kleinhändler und Ladengeschäfte ohne Rücksicht auf den Umfang des Betriebes, die unmittelbar an die Haushaltungen den Zucker abgeben. 5. Alle sonstigen Händler. 6. Gewerbliche und sonstige Betriebe mit Ausnahme der Zuckerfabriken. 7. Diesen gewerblichen Betrieben stehen gleich Landwirtschaftsbetriebe, in denen Nahrungs-, Genuß- und Heilmittel zum Zwecke der Weiterveräußerung bereitet werden. 8. Lagerhallen und Spediteure usw., wenn sie mehr als 10 Kilogramm an Zucker in Gewahrsam haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 27. April 1916

     

Städtischer Unterhaltungsabend. Man schreibt uns: Es ist gelungen, für den gesanglichen Teil des heutigen Volksunterhaltungsabends die Konzertsängerin Frl. Henny Wolff zu gewinnen. Sie hat sich hier in Bonn durch ihr erfolgreiches Auftreten nicht nur im Konzertsaal, sondern auch in unserer Oper vorteilhaft bekannt gemacht. Der Besuch des Abends darf den Freunden guter und in schwerer Zeit doppelt erhebender Kammermusik auf das angelegentlichste empfohlen werden.

Maßnahmen gegen das Hamstern sind in der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt a. M. beantragt worden. Die Stadtverwaltung soll Bestandsaufnahmen veranstalten und die über bestimmte, genau festzusetzenden Mengen hinaus aufgespeicherten Vorräte beschlagnahmen. Für falsche Angaben sollen Freiheitsstrafen verhängt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Metropol-Theater. Das Bemühen von Künstlern und Literaten das Kino mehr und mehr vom Verbrecher- und Detektivdrama zu befreien und die lebendige Photographie wertvolleren Aufgaben zuzuwenden, zeigt seine Wirkung im jüngsten Spielplan des Metropol-Theaters. Das Drama „Der Lautenmacher von Mittenwald“, in welchem der Schriftsteller Maximilian Schmidt seinen Roman „Der Bubenrichter von Mittenwald“ selbst für die Verfilmung verarbeitet hat, ist ein glücklicher Schritt auf dem Wege, die oberbayrische Heimatdichtung mit ihrem eigenartigen Menschenschlag inmitten der gewaltigen Naturbühne, der mächtigen Bergkuppen vor dem leiblichen Auge lebendig werden zu lassen. Ebenso bedeutet das Lustspiel „Die Hochzeit des Vater Rhein“, ein phantastischer Gedanke, die Denkmäler einer Stadt, Brunnenfiguren usw. durch die chemische Einspritzung, die ein kluger Professor vornimmt, zu einer grotesken Hochzeitsgesellschaft zu vereinigen, eine beachtliche Fortentwicklung der literarischen Kinokunst. Nicht minder ist es zu schätzen, daß mit Hilfe einer geschickt geschriebenen Komödie, die von drastischem Humor erfüllt ist, der Versuch gemacht wird, das zartere Geschlecht von der unsinnigen Vorliebe für die Pariser Mode abzuwenden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Die Zentralauskunftsstelle des Rheinischen Arbeitsnachweisverbandes hat in den letzten Monaten mit Rücksicht auf die Einseitigkeit des Arbeitsmarktes sich eingehender mit der inneren Organisation der Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage im Gebiet der Rheinprovinz befaßt. Mit Hilfe von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden wurde die Aufstellung einer Liste begonnen, die alle im Rheinland bestehenden Nachweise enthalten soll und jetzt bereits zu einem vorläufigen Abschluß gebracht werden konnte. Durch andauernde Ergänzungen und Berichtigungen bei Adressenveränderungen soll sie stets auf dem laufenden gehalten werden und dadurch einen möglichst vollkommenen Ueberblick über die in einzelnen Orten vorhandenen Arbeitsnachweise geben. Damit die Zentralauskunftsstelle jederzeit in der Lage ist, eine erschöpfende Auskunft über die Arbeitsmarktlage zu geben, wurde eine regelmäßige Berichterstattung durch alle diese Arbeitsnachweise an die Zentralauskunftsstelle organisiert. Diese Maßnahme stellt einen Versuch dar, den Arbeitsmarkt systematisch zu erforschen und die dadurch gewonnenen Kenntnisse der Praxis der Arbeitsvermittlung unmittelbar zugänglich zu machen. Wenngleich über die Wirkung der neuen Einrichtung noch keine Erfahrungen vorliegen, ist doch ihre praktische Brauchbarkeit verbürgt durch sehr beifällige Aufnahme des Planes in den beteiligten Kreisen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 28. April 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. April 1916Die Regelung des Seifenverbrauchs in Bonn. Im Anzeigenteil dieser Zeitung werden die Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers über den Verkehr mit Seife, Seifenpulver und anderen fetthaltigen Waschmitteln vom 18. April sowie die dazu in Bonn getroffenen Anordnungen des Oberbürgermeisters amtlich veröffentlicht. Es dürfen danach monatlich höchstens 100 Gramm Feinseife und 500 Gramm andere Seife, Seifenpulver usw. für eine Person verabfolgt werden. Die verabfolgten Mengen müssen im Brotbuch vermerkt werden, und zwar für April auf dem Blatt der 31. Woche, für Mai auf dem der 35.

Die Polizeistunde am 30. April. Da am 30. April um 11 Uhr abends die Uhren um eine Stunde vorzurücken sind, es nach der gesetzlichen Zeit also schon 12 Uhr ist, müssen auch die Wirtschaften dann schon schließen. Eine besondere Bekanntmachung über diese um eine Stunde frühere Polizeistunde wird von der Bonner Polizeiverwaltung nicht erlassen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Die Zwischenscheine für die fünfprozentigen Schuldverschreibungen des Deutschen Reiches von 1915 (dritte Kriegsanleihe) können vom 1. Mai d. J. ab in die endgültigen Stücke mit Zinsscheinen umgetauscht werden. Sämtliche Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtungen übernehmen die kostenfreie Vermittlung des Umtausches.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Bonner Stadttheater. Am Sonntag gastiert das Kölner Schauspiel mit dem bekannten Köln. Volksschauspiel „Heimgesunge“ von Schneider Claus.

Der Westerwaldklub unternimmt eine Wanderung am Sonntag den 30. April. Abfahrt von Beuel 6,44 Uhr, Staatsbahnhof. Die Wanderung geht über Hönningen-Arienheller-Mahlberg-Hesseln-Römerich-Linz.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 29. April 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. April 1916Die Zucker-Höchstpreise sind für die Stadt Bonn auf 32 Pfg. für gemahlenen, 34 Pfg. für Würfel- und Plattenzucker, 46 Pfg. für Stangenkandis und 50 Pfg. für Würfelkandis das Pfund festgesetzt.

Zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung. Die den Verkehr mit Lebensmitteln bestehenden Uebelstände haben, wie uns ein Telegramm aus Berlin mitteilt, den Minister des Inneren veranlaßt, erneut darauf hinzuweisen, daß die Polizeibehörden das Publikum gegen Ausbeutung und Uebervorteilung beim Einkauf von Lebensmitteln wirksam schützen sollen. Insbesondere wird in dem Erlaß aus die maßlosen Preisforderungen für solche Waren hingewiesen, für welche keine Höchstpreise bestehen, sowie auf das auffällige, plötzliche Verschwinden von manchen Lebensmitteln aus den Verkaufsstellen, so bald eine Begrenzung der Verkaufspreise angeordnet ist. Die gesetzlichen Handhaben seien den polizeilichen Organen in den Gesetzen und Verordnungen über die Höchstpreise, über den Wucher, die Entfernung unzuverlässiger Personen vom Handel u. a. gegeben. Ein voller Erfolg in der Anwendung dieser Vorschriften könne nur durch verständnisvolles Zusammenarbeiten der Gemeindevorstände und Polizeiverwaltungen erzielt werden. Die Aufsichtsbehörden sind angewiesen, in diesem Sinne die erforderlichen Anordnungen zu treffen.

Die Viehmärkte müssen, da die Zentral-Einkaufsbehörde das Schlachtvieh beschlagnahmt hat, bis auf weiteres ausfallen. Der Bonner Schlachtviehmarkt ist schon seit zwei Wochen nicht mehr abgehalten worden. Auch in Köln findet vorläufig kein Viehmarkt mehr statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Charly, der gelehrige Affe der Hagenbeckschen Tierschau, benahm sich in der gestrigen Abendvorstellung kurz vor Beendigung seiner Vorführungen ganz unprogrammmäßig. Er rauchte wie immer mit seinem Herrn eine Zigarre, legte sich ganz manierlich ins Bett und fuhr auch auf seinem Zweirad mehrere Runden durch die Manege. Plötzlich vergaß er jedoch seine gute Erziehung. Er warf sein Rad weg und rannte mit Blitzesschnelle das Abschlussgitter hinauf. Mit kühnem Schwung setzte Charly dann über die Spitzen der Eisenstäbe und kletterte mit affenartiger Geschwindigkeit die Gitterstäbe hinab in den Zuschauerraum. Natürlich gabs großes Hallo, namentlich bei den Damen. Ein Feldgrauer sprang eiligst hinzu und versetzte dem verblüfft dastehenden Affen einen gehörigen Schlag mit seiner Säbelscheide; im nächsten Augenblick wurde Charly von seinem Herrn beim Kragen gefaßt und wieder in die Manege gezogen. Für diese Extratour erntete der Ausreißer stürmischen Beifall.

Die Früchte des Weißdorns als Volksnahrungsmittel. Es kommt in Frage, in diesem Jahre die Früchte des Weißdorns für bestimmte Zwecke der Volksernährung zu verwerten. Um eine möglichst große Ernte zu erzielen, ist es dringend erforderlich, daß in diesem Frühjahre davon Abstand genommen wird, die Weißdornhecken zu beschneiden. Denn durch die Beseitigung der vorjährigen sowie der etwa noch vorhandenen älteren Schösslinge wird der Blütenansatz und somit die Fruchtgewinnung fast vollständig unterbunden. Um der in Aussicht genommenen Verarbeitung einen möglichst hohen Ertrag der Weißdornfrüchte (Mehlbeeren) zuführen zu können, ist weiter beabsichtigt, demnächst die Beeren zu sammeln und gegen angemessene, das Sammeln durchaus lohnende Entschädigung für die in Betracht kommenden Zwecke erwerben zu lassen. Aus dem angegebenen Grunde ist daher in diesem Frühjahre tunlichst vom Beschneiden der Weißdornhecken Abstand zu nehmen. Bekanntlich befinden sich Weißdornhecken in erheblichem Umfange um Gehöfte, Gärten, Weiden, an Bahndämmen, Wegen usw.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die Generalversammlung des Vereins Kinderhort-Verband Bonn e. V. fand am 26. April statt. Die bei Kriegsbeginn an die bestehenden vier Mädchenhorte angegliederten Knabenabteilungen und der Kindergarten konnten auch im zweiten Kriegsjahre bestehen bleiben. Die Fürsorge erstreckte sich auf 400 Kinder. An 90 der bedürftigsten Kinder werden Mittagessen verabreicht. Während der Herbstferien blieben Horte und der Kindergarten geöffnet. [...] Im Winter wurde fleißig für die Soldaten gearbeitet. Strümpfe, Fuß- und Brustlappen, Kissen und Pantoffel konnten an die Lazarette abgeliefert werden. Mütternachmittage, die in den einzelnen Horten noch häufiger als zu Friedenszeiten veranstaltet wurden, pflegten die Beziehungen zwischen Hort und Familie. Zur Schulung der Helferinnen fanden von zwei Jugendleiterinnen des Vereins theoretische und praktische Unterweisungen statt. Im Anschluß an den Jahresbericht sprach Fr. Christine Teusch, Köln, über „die deutsche Helferin“. Rednerin zeigte in ihren begeisternden Ausführungen, wie sehr der Hort dazu berufen sei, gute Staatbürger zu erziehen. Die Schäden unserer Volksjugend zu bessern und zu heilen und die echt staatsbürgerlichen Tugenden Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Verantwortlichkeit, Gehorsam, selbstlose Liebe in den Kinder zu erziehen, dies sei die hohe Aufgabe und Pflicht der deutschen Helferin.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 30. April 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1916Die Ausfuhr von Fleisch, Speck und Fett aus dem Stadtbezirk Bonn wird durch eine in dieser Zeitung veröffentlichte Bekanntmachung des Oberbürgermeisters verboten.

Eine andere Moderichtung. Dem Verband Westmark der deutsch-völkischen Partei ist auf seine Eingabe wegen der Mode vom stellv. Generalkommando in Münster folgende Meldung zugegangen: Laut Mitteilung des Kriegsministeriums ist vorgesorgt, daß die Herbst- und Wintermode eine andere Richtung einschlägt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Ein herrenloses fettes Schwein irrte am Samstag Morgen in der Nähe der Bachstraße auf dem Bahngeleise der Staatsbank umher. Anstatt herzhaft zuzugreifen, wichen die Passanten dem kostbaren Borstenvieh scheu aus. Erst nach längerer Zeit gelang es einem Geschäftsmann, das Schwein in seinen Hof zu treiben und dingfest zu machen. Der glückliche Besitzer konnte einstweilen nicht ermittelt werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Deutsche Sommerzeit. Wir möchten nicht verfehlen, unsere verehrten Leser darauf aufmerksam zu machen, daß sie Sonntagabend um 11 Uhr ihre Uhren auf 12 Uhr vorrücken. Es liegt dies im eigenen Interesse sowohl als auch in einer geordneten Einführung der Sommerzeit.

Wehrbund. Am Ostersonntag trug das Dampfroß 62 Jungmannen des Bonner Wehrbundes siegaufwärts nach Altenkirchen zur fröhlichen Wanderfahrt durch Tal und über Höhen des Westerwaldes. Machte der Himmel auch ein finsteres Gesicht, waren die Wege auch naß und schlüpfrig: Der frohen Wanderlust geschah dadurch kein Abbruch. Marienberg war das Ziel des ersten Tages, das auf den Pfaden erreicht werden sollte, die die hiesige Ortsgruppe des Westerwaldklubs in ihre Pflege genommen und „Bonner Weg“ getauft hatte. Durch prächtigen Hochwald führt der Weg, oft steil bergauf und jäh bergab, über schwankende Stege und nur selten über die Landstraße, die der waldfrohe Wanderer gerne meidet. War der Laubwald auch noch blattlos, grün waren die Wiesen und der Tannenwald und prächtige Ausblicke belohnten die Mühe der Wanderer. Zur Mittagszeit wurde Rast gehalten und leibliche Stärkung bot der Inhalt des Rucksacks oder die Konservendose, vom kochkundigen Wanderer bald zum schmackhaften Mahl bereitet. Das Nachtlager in Marienberg war kriegsmäßig einfach: auf Stroh in einer Scheune und in einem Tanzsaal. Am Morgen des anderen Tages gab es frohe Gesichter, weil der Himmel auch ein frohes Gesicht machte. Der Sonne, die schon am vorherigen Tage Versuche gemacht hatte, die graue Wolkenschicht zu durchbrechen, war der Durchbruch beim erwachenden Morgen mit glänzendem Erfolge gelungen. Das Ziel des Tages war die Bahnstation Stershahn, die zur bestimmten Zeit erreicht werden mußte. Die kürzesten Wege mußten eingeschlagen werden, meist ging es über die harte Landstraße, selten durch den Wald, aber eine besondere Sehenswürdigkeit des Westerwaldes, die Seen bei Dreifelden, wurden doch in Augenschein genommen. Zur rechten Zeit war das Ziel erreicht und nun besorgte die Eisenbahn die Weiterbeförderung der ermüdeten Wanderer zur Ausgangsstation Beuel. In Gruppenkolonne mit frohem Liederklang, der auch auf der Wanderung nicht fehlte, wurde in Bonn Einzug gehalten. Ein schönes Fleckchen Erde hatten die Wanderer kennen gelernt, auf der Wanderung auch häufig Gruppen gefangener Gegner gesehen und hoffentlich dabei gedacht, daß nur die Tapferkeit unseres Heeres es verhindert hat, die Feinde zu kriegerischem Tun im Vaterlande zu sehen. Zur Erziehung eines kraftvollen Nachwuchses zur Verteidigung des Vaterlandes sollte auch die Wanderung beitragen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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