Dienstag,11. Mai 1915
Zensur für Kriegs-Postkarten und Kriegsbilderbogen. Das stellvertr. Generalkommando des 8. Armeekorps gibt bekannt, daß Kriegspostkarten und –Bilderbogen von nun an an der Zensurstelle des Generalkommandos einzusenden sind, bevor sie in den Handel kommen. Auf den Karten und -Bilderbogen muß entweder der Name und Wohnort des Herstellers oder des Verlegers verzeichnet sein. Die Polizei kann geschmacklose oder würdelose Kriegspostkarten und -Bilderbogen beschlagnahmen und der Zensurbehörde zur Entscheidung vorlegen, ebenso die Karten und Bilderbogen, die den Namen des Herstellers oder Verlegers nicht tragen. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft.
Im Metropoltheater weist das Programm zwei große Dramen „Im Zauber der Barcarole“ und „Gewonnene Liebe, verlorene Ehre“ auf, ferner ein Lustspiel „Kümmere dich um Amalie.“
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Hagelversicherung der diesjährigen Ernte ist unbedingt notwendig und eine wirtschaftliche Pflicht gegen sich selbst wie auch gegenüber dem allgemeinen Volksvermögen. Die Werte der diesjährigen Ernte müssen mehr noch als in rückliegender Zeit gegen die durch Naturkräfte verursachten Schäden, wie Hagelschaden, geschützt werden. Die Ansicht, namentlich allein wirtschaftender Frauen, daß im Kriege die Versicherung ruhen müsse, ist durchaus irrig.
Zur Warnung für die Absender von Feldpostpäckchen. Man schreibt uns: Bei verschiedenen Geschäften, die Feldpostpäckchen versandfertig herstellen und unseren Kriegern im Auftrage ihrer Angehörigen ins Feld senden, war seit geraumer Zeit wahrgenommen worden, daß viele dieser Sendungen entweder ihr Ziel überhaupt nicht erreichten oder den Empfängern nur mit einem Teil des Inhalts zugingen. Die Geschäfte ließen es nicht dabei bewenden, einfach der Post die Schuld an den Verlusten zuzuschreiben, sondern beobachtetenvor allem diejenigen ihrer eigenen Angestellten, denen die Auslieferung der Sendungen bei der Post oblag. Es ergab sich, daß sich viele dieser Personen die Sachen widerrechtlich angeeignet hatten in der Erwartung, daß der Verdacht der Täterschaft nicht auf sie, sondern auf die Post fallen würde. Ähnliche Vorkommnisse sind auch schon wiederholt in Haushaltungen festgestellt worden, indem Dienstmädchen oder andere Beauftragte der Herrschaft Feldpostsendungen, die sie zur Post bringen sollten, unterschlagen oder beraubt haben. Den Absendern von Feldpostpäckchen muß daher dringend geraten werden, die Sendungen nur von durchaus zuverlässigen Personen zur Post bringen zu lassen oder bei Verlusten oder Beraubungen, die ihnen aus dem Felde hinsichtlich solcher Sendungen mitgeteilt werden, ihr Augenmerk auch auf die eigenen Angestellten zu richten. Die Postanstalten werden sicher auch solche außerhalb ihres Betriebes liegende Ermittlungen gern unterstützen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Das Branntweinverbot. Ein 30jähriger Wirt von hier hatte am Ostersonntag Branntwein ausgeschenkt, angeblich, weil ihm gesagt worden sei, das Verbot des Generalkommandos sei wieder aufgehoben worden. Er stand jetzt wegen Vergehens gegen das Gesetz über den Belagerungszustand unter Anlage vor dem Außerordentlichen Kriegsgericht. Dieses verurteilte ihn zu einem Tag Gefängnis, wobei betont wurde, daß der Branntweinverkauf und -genuß viel Unheil anstifte, so daß die Beschränkung, die das Generalkommando befohlen hat, strengstens eingehalten werden müsse.
Gegen die fremdländischen Aufschriften.
Der Bonner Handels- und Gewerbeverein versendet an seine Mitglieder das nachstehende Rundschreiben:
„Das Generalkommando des 8. Armeekorps gibt Folgendes bekannt:
In vielen Orten des Korpsbezirks befinden sich immer noch fremdländische, insbesondere französische, englische und auch russische Inschriften, Aufschriften und Anschläge in öffentlichen Straßen, auf öffentlichen Plätzen, sowie an sonstigen für den geschäftlichen Verkehr bestimmten und öffentlich zugänglichen Stellen, insbesondere auch in und an Verkaufsläden, Gasthäusern und Geschäftsräumen. Diese Verhältnisse sind geeignet, in der jetzigen Kriegszeit in weiten Kreisen der Bevölkerung berechtigten Anstoß zu erregen. Ebenso wir auch vielfach für den äußeren Aufdruck auf Geschäftspapieren, Rechnungsformularen, auf Waren und Warenproben eine ausländische Bezeichnung oder eine fremde Sprache gewählt.
Wir bitten die Mitglieder des Handels- und Gewerbe-Vereins ergebenst, zur Abstellung dieser Missstände beitragen zu wollen und auf Unterdrückung der fremden Bezeichnungen hinzuwirken.
Die Bekanntmachung weist darauf noch hin, daß, wenn diese Missstände nicht freiwillig abgestellt würden, dem Generalkommando auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand die Möglichkeit gegeben ist, denselben durch eine mit Strafandrohung versehene Verordnung entgegenzutreten und benannte Aufschriften entfernen zu lassen.“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 12. Mai 1915
Annahme von Schenkungen. Herr Dr. Georg Böker zu Bonn hat für die Zwecke der sozialen Fürsorge für Kriegswitwen und –Waisen ohne Unterschied der Konfession der Stadt den Betrag von 5000 Mark zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag soll in erster Linie dazu verwandt werden, Bonner Kriegswaisen Beihilfen zu gewähren zu ihrer Erziehung sowie zur Erlernung eines Handwerks. Ferner darf das Geld Verwendung finden, um Erwerbstätigkeit u. Berufstätigkeit der Kriegswitwen zu fördern. – Solange nicht ein in Verbindung mit der Stadtverwaltung arbeitender besonderer Ausschuß für Soziale Kriegsfürsorge besteht, soll der Ausschuß der „Kriegshilfe“ die Verwaltung führen und berechtigt sein, das Geld für die genannten Zwecke zu verbrauchen. – Für die Hinterbliebenen im Felde gefallener Krieger der Stadt Bonn hat Herr Dr. ju. Ewald E. Dieckerhoff, Neuyork, der Stadt Bonn den Betrag von 1000 Mark gestiftet.
Bonner Turnverein. Der zur deutschen Turnerschaft gehörende Kreis VIII b (Niederrhein) hat für seine ihm angeschlossenen Turnvereine auf Christi Himmelfahrt einen Wandertag angesetzt. Auf dieser Wanderung soll unter den Teilnehmern eine Sammlung veranstaltet werden, deren Erträgnis bestimmt ist, für die Aermsten der Armen unserer wackeren Feldgrauen verwendet zu werden, die im Feldzug erblindet sind. In seiner letzten Versammlung hat der Bonner Turnverein beschlossen, der Aufforderung seines Kreisausschusses zu folgen. Er veranstaltet mit allen seinen Abteilungen eine Turnfahrt in das Tal des Katzenlochbaches, die vom Baumschulwäldchen ausgeht. Die Mehrzahl der Mitglieder des Bonner Turnvereins steht zwar im Felde, immerhin ist eine, wenn auch kleine Anzahl älterer Mitglieder vorhanden, auf deren Teilnahmen an der Turnfahrt gerechnet wird, in Anbetracht des guten Zweckes, der mit ihr verbunden ist. Die Frauenabteilungen des Vereins werden auch an der Wanderung teilnehmen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Blumenpflege in den städtischen Schulen. Auch in diesem Sommer gibt der Gartenbauverein durch Vermittlung der städt. Schulbehörden wiederum eine Anzahl Topfpflanzen zur Pflege an Schülerinnen und Schüler ab, um dann im Herbste für die beste Behandlung Auszeichnungen zu verleihen. Auf diese Weise werden die Kinder nicht nur zu einer guten Blumenpflege angespornt, sondern es wird in ihnen auch jene Natursinnigkeit geweckt und gefördert, mit welcher jeder gemütvolle Mensch, insbesondere aber das leicht empfängliche Kindergemüt die Pflanzen und Tiere in ihrer Entwicklung mit Teilnahme und Freude betrachtet. Es ist umso höher zu bewerten, als gerade jetzt zur Frühlingszeit auch vielfach wieder die alten Klagen über Beschädigungen an blühenden Pflanzen, sowie über das Aufsuchen und Ausheben der Vogelnester und das Aufsuchen von Eidechsen, Fröschen u. dergl. seitens der Kinderwelt zum Schmerze aller Naturfreunde anheben.
„Der Ruß hat Läus’; Mut hat der Preuß“. Solchergestalt hat ein dichterisch Veranlagter seinen augenblicklichen Gefühlen mit Kreide an einem Haus am Hof Luft gemacht.
Eine schnapslose Zeit. Bekanntlich ist der Ausschank von Branntwein und Likören an Sonn- und Feiertagen, sowie an den vorhergehenden und nachfolgenden Tagen verboten. Durch den morgigen Christi-Himmelfahrtstag tritt eine Einschränkung des Schanpsverkaufs derart ein, daß in der Zeit von Samstag, 8. Mai bis Dienstag, 18. Mai nur an einem einzigen Tag der Ausschank von Schnaps erlaubt ist. Dieser „Ausnahmetag“ war der gestrige Dienstag. Vor Dienstag, 18. ds. Mts. gibt’s also kein Schnäpschen mehr.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Sonntagsruhe am Himmelfahrtstage. Zahlreiche Anfragen veranlassen uns zu der Meldung, daß der morgige Tag Christi Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag ist. Die Sonntagsruhebestimmungen finden also an diesem Tag entsprechende Anwendung.
Die hundertjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zur Krone Preußens soll nach einer Verfügung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz an allen Schulen feierlich begangen werden. Die Feier findet am 15. Mai statt, an dem Tage, an welchem vor 100 Jahren die Vertretung der Rheinlande zum erstenmale in Aachen ihrem neuen Landesherren Friedrich Wilhelm III. ihre Huldigung dargebracht hat.
Das Licht- und Luftbad hält heute abend 8 Uhr im Hähnchen seine Hauptversammlung ab.
Das öffentliche Photographieren, Zeichnen, Malen usw. ist innerhalb des Befehlsbereichs der Festung Köln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Polizei-Präsidenten gestattet.
Die Saat steht gut. Vom Lande schreibt man uns: Nach dem fruchtbaren Regen der vergangenen Woche haben die Feldfrüchte sich sehr verbessert. Roggen, Weizen und Hafer stehen gut. Da auch der Stand der Heu- und Kleefelder zu den besten Hoffnungen berechtigt, wird der Mangel an Futter bald behoben sein. In den Obstgärten blühen die Bäume wie in ganz selten guten Jahren.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 13. Mai 1915
Wegen Christi Himmelfahrt erscheint an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.
Der Bonner Wehrbund veranstaltete am verflossenen Sonntag eine Geländeübung bei Oberholtorf, bei der es sich um die Erstürmung dieses Ortes handelte. Die Ausführung dieser Aufgabe war für die angreifende Partei nicht leicht, da zur Vornahme der Operation nur Wege benutzt werden dürfen und nach Oberholtorf nur ein Weg führt. Zweimal schlugen die vortrefflich geleiteten Verteidiger den Angriff ab und erst der dritte Versuch gelang mit Hilfe einer Kriegslist. Der Wert dieser Uebungen steckt ja weniger in der Nachahmung eines kriegerischen Spieles als in der damit verbundenen Marschleistung und der dadurch bewirkten Ertüchtigung unserer Jugend. Durch den Wandermarsch wird der Zustand der Füße verbessert, das Herz gekräftigt, die Ausdauer erhöht und die Willenskraft gestärkt. Ohne die gewaltigen Marschleistungen – 56 Kilometer an einem Tage – würden unsere Armeen im Osten schwerlich die herrlichen Erfolge erzielt haben. Das sollten die jungen Leute, die vor dem Eintritt ins Heer stehen, und auch die zum ungedienten Landsturm gehörenden Männer, die ihre Einberufung zu erwarten haben, wohl bedenken, und durch Beitritt zum Wehrbund und regelmäßige Teilnahme an den Uebungen sich die erforderliche Marschfähigkeit verschaffen, damit sie die kommenden Strapazen ertragen können. Schon mancher erlag zum Schaden seiner Gesundheit den körperlichen Anstrengungen, weil er versäumt hatte, sich körperlich zu üben und dadurch zu kräftigen. Die zeitige Lage ist ernst. Kein Mann ist zu entbehren. Je mehr geübte und gekräftigte Mannschaften eingestellt werden können, umso größer die Gewißheit des Erfolges. Der Bonner Wehrbund bietet die Gelegenheit zur Einübung.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Freitag, 14. Mai 1915
Urlaubsgesuche zur Frühjahrsbestellung. Das Oberbürgermeisteramt gibt bekannt, daß Gesuche zur Frühjahrsbestellung für Angehörige der Feldtruppen, welche erst jetzt eingehen, nicht mehr weitergeleitet werden. Da auch bei schnellster Erledigung dieser Gesuche die erst jetzt Reklamierten frühestens gegen Mitte Mai an Ort und Stelle sein können, so wird die Frühjahrsbestellung bis dahin erledigt sein. Auch das stellvertretende General-Kommando sieht sich daher veranlaßt, derartige, jetzt noch eingehende Gesuche, die Feldtruppen oder Truppen im General-Guvernement Belgien betreffen, als „verspätet“ nicht mehr weitergeben zu können.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Maiglöckchen. Der Kottenforst hatte gestern zahlreichen Besuch. Schon in der Morgefrühe, zu Fuß, mit dem Rad und mit den Zügen eilten Tausende in seine im frischesten Grün prangenden Hallen. Die Maiglöckchengründe wurden aufgesucht und da die Pflanze in diesem Jahre zahlreiche Blüten angesetzt, war bald Groß und Klein im Besitze eines mächtigen Straußes der duftigen Waldblume. Mit Rücksicht auf die Maiglöckchenzeit hat die Staatsbahn die Züge, die über Station Kottenforst fahren, bedeutend verstärkt, aber der Ausflugsverkehr war so groß, daß die Wagen de Menschen hin und zurück kaum zu fassen wussten. Und wie im Kottenforst, so war es gestern auch in den anderen Wäldern unserer Heimat. Ihr lieblichstes Kind, das duftende Maiglöckchen, hatte ihnen gestern viele, viele Freunde zugeführt. Nie im Jahre werden die Wälder so besucht, als wie in der Maienzeit, wenn die Maiglöckchen blühen.
„Der Krieg und der K.C.“ Von den 950 Mitgliedern der im Kartell-Konvent vereinigten jüdischen Korporationen (K.C.) stehen derzeit 722 unter den Waffen. 100 von ihnen wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; 14 erhielten andere Kriegsauszeichnungen. ZU preußischen Offizieren wurden 11, zu bayrischen 2 befördert. Der Verband hat bisher, soweit bekannt ist, den Verlust von 28 Mitgliedern, die den Heldentod fürs Vaterland starben, zu beklagen.
Ausrangierte Militärpferde, die für den Kriegsdienst untauglich geworden sind, wurden früher auf dem linken Hinterbein mit einem DU gebrandmarkt. Nach neuerer Bestimmung wird ihnen jetzt ein rechtwinkliges Kreuz mit 10 Zentimeter langen Balken am linken Hinterbein aufgebrannt, um zu verhindern, daß sie nach Herausfütterung von gewissenlosen Händlern wieder an die Truppenteile verkauft werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Stadttheater. Wegen der langen Dauer der Meistersinger-Aufführung muß die Vorstellung bereits um 5¾ Uhr beginnen. – Die musikalische Leitung hat Herr Kapellmeister Sauer.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 15. Mai 1915
Das Bonner Licht- und Luftbad e. V. hielt am Mittwoch abend in der Hofwirtschaft „Hähnchen“ seine diesjährige Hauptversammlung ab. Nach dem zunächst gegebenen Geschäfts- und Kassenbericht für das Jahr 1914 war der Besuch in diesem Jahr so stark, daß trotz des nach dem Kriegsausbruch sehr spärlichen Zuspruchs die Einnahme des Bades bei einer Zahl von 880 Badegästen nur wenig gegen das Vorjahr zurückstand. Als bedeutsame Veränderung in dem Bad ist die Bepflanzung des südlichen Teiles in einer Größe von 60 Ar mit Kartoffeln durch die Stadt Bonn im Frühjahr 1915 anzuführen. Der Betrieb des Bades erleidet dadurch jedoch keine Einschränkung. Der Verein tritt mit 92 Mitgliedern in das neue Geschäftsjahr ein, gegen 180 Mitgliedern im Vorjahr; der Rückgang ist eine Folge des Krieges. Die Besucherzahl im April d. J. war 222. Der Verein hofft jedoch wieder auf einen stärkeren Besuch, namentlich auch von verwundeten und erholungsbedürftigen Soldaten, denen gemäß einer Mitteilung an die Lazarettdirektion von Bonn seitens des Vereins freier Eintritt in das Bad gewährt wird.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Die Ernährung des deutschen Volkes unbedingt sichergestellt. Aus Berlin, 14. Mai, wird berichtet: Von maßgebender Stelle wurden heute in der Pressekonferenz über unsere Getreidevorräte, unseren bisherigen Verbrauch an Getreide und Mehl und über die noch nach der Ernte zur Verfügung stehenden Mittel Zahlenangaben gemacht, die den Beweis für die unbedingte Sicherstellung der Ernährung unseres Volkes erbringen. Die Ernährung des deutschen Volkes ist mit einem erheblichen Reservefonds über die neue Ernte hinaus sichergestellt. Dabei darf das deutsche Volk den Verbrauch an Weizenmehl erheblich ausdehnen. Man wird Weizenmehl und Weizenbrot und selbst Kuchen künftig brauchen dürfen, ohne damit die Ernährung des deutschen Volkes zu gefährden oder den Anschein eines minder guten Patrioten zu erwecken. Bezeichnend ist immerhin, daß in England die Tonne Weizen 46,25 M. teurer ist als in Deutschland. (...) In Friedenszeiten war ein solcher Preis, wie er in England jetzt für Weizen bezahlt wird, einfach undenkbar. Man wird dabei dort noch mit einer weiteren Steigerung des Getreidepreises rechnen können.
Die Stadtverordnetenversammlung hielt gestern morgen eine feierliche Sitzung zur Erinnerung an die hundertjährige Zugehörigkeit der Rheinprovinz zur Krone Preußens. Oberbürgermeister Spiritus hielt die Festrede, in der er die Verdienste der Hohenzollern um die Rheinlande feierte, die besonders durch die Einführung der Schulpflicht und der allgemeinen Wehrpflicht gefördert worden seien. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. (...) Die Versammlung nahm mit Dank eine Schenkung von Herrn Dr. Georg Boeker von 5000 Mark für Kriegswitwen und Waisen sowie von Dr. jur. Dieckerhoff aus New York von 1000 Mark für die Hinterbliebenen im Felde gefallener Krieger an. (...)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 15. Mai. In der gestrigen Gemeinderatssitzung gedachte der Vorsitzende, Herr Bürgermeister Zander, vor Eintritt in die Tagesordnung der hundertjährigen Einverleibung der Rheinlande zu Preußen und brachte in dieser ersten Gemeinderatssitzung nach der Eingemeindung von Muffendorf nochmals seinen aufrichtigen Dank gegen den seitherigen verdienstvollen Gemeindevorsteher Jakob Liemersdorf von Muffendorf für dessen tatkräftige Unterstützung in der Eingemeindungsfrage zum Ausdruck. (...). – Der Vorsitzende machte der Versammlung die Mitteilung, daß die von ihr beauftragte Kur- und Badekommission den Wegfall einer Kurtaxe für dieses Jahr beschlossen habe und daß laut einer Verordnung des Bundesrats vom 8. Mai die Sicherstellung von Fleischdauerwaren eingestellt worden sei. Der von Godesberg angesammelte Vorrat (für über 120.000 Mark) soll demnächst in Verkauf gebracht werden. (...) Sodann teilte Herr Bürgermeister Zander mit, daß zehn Hektar brachliegendes Privatland ackerbaulich nutzbar gemacht worden seien und ebenso 1,60 Hektar vom Gemeindeeigentum. (...)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und fern“)
Die Mietunterstützungen von Kriegsteilnehmern werden in Bonn und Köln den Hausbesitzern direkt ausbezahlt. Ein solches Verfahren würde sich auch in Godesberg empfehlen, damit die Vermieter in den Besitz der Kriegsunterstützung kommen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Eine Gedenkfeier der 100jährigen Zugehörigkeit Bonns zu Preußen veranstaltet der Verein „Alt-Bonn“ morgen abend 6¼ Uhr im oberen Saal des „Goldenen Stern“. Herr Prof. Dr. Knickenberg wird einen Vortrag halten über „Bonn 1814 und 15“.
Rheinbadeanstalten. Die Männer- und Frauen-Schwimmhallen, sowie das Freibad sind von heute ab zur Benutzung geöffnet. Das Freibad ist jeden Dienstag und Freitag, vor- und nachmittags zur Benutzung durch Frauen und Mädchen freigegeben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 16. Mai 1915
Vaterländische Abzeichen. Unsere Vaterländischen Vereinigungen haben beschlossen, auch hier in Bonn ein Abzeichen als Erinnerung an die schwere Zeit herstellen zu lassen. Dieses Abzeichen, das nach einem künstlerisch wohlgelungenen Entwurf aus Geschützbronze geprägt ist, wird als Brosche oder Anhänger in den Verkehr gebracht werden. Der Verkaufspreis wird 2 Mk. für ein Stück betragen. Auch sollen Silber-Prägestücke zum Preise von 5 Mark abgegeben werden. Der Reinertrag wird der Kriegsfürsorge zu Gute kommen.
Eine Vorratserhebung und Beschlagnahme von Gummibereifung (Decken, Schläuchen, Vollreifen) findet am 17. Mai statt. Die Inhaber oder Verwahrer von Gummivorräten sind verpflichtet, ihren Bestand und die Art auf besonderen Meldescheinen an die Kgl. Inspektion des Kraftfahrwesens Berlin-Schöneberg anzugeben.
Von der Strafkammer wurden gestern wieder eine Anzahl von Uebertretungen der Bundesratsverordnung bestraft. Es handelte sich um Bäcker und Kartoffelhändler, die die Bestimmungen nicht eingehalten hatten. Sie wurden zu Geldstrafen von 50, 60 und 100 M. verurteilt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zur Feier der 100jährigen Vereinigung der Rheinlande mit Preußen hatten am Samstag die städtischen Gebäude Flaggenschmuck angelegt. An sämtlichen Schulen fiel der Unterricht aus; es fanden am Morgen nur kurze Feiern statt, bei denen die Lehrpersonen auf die Bedeutung des Tages für die Rheinlande hinwiesen. Mehrere Schulen machten unter Leitung ihrer Lehrer Ausflüge in die Umgebung.
Zum 15. Mai. Der Maiumzug war in diesem Jahr bei Weitem nicht so groß als früher. Nur hier und das sah man Möbelwagen und kleinere Gefährte, die die Wohnungseinrichtungen von der alten in die „neue“ – natürlich bessere – Wohnung brachten. Der Hauptgrund ist wohl darin zu suchen, daß es den Transportgeschäften an handfesten Leuten fehlt, die den Umzug in sachkundiger Weise auszuführen vermögen. Unter diesen Umständen war es den Speditionsgeschäften nicht möglich, die sonst übliche Garantie für gute Ankunft der Möbel zu übernehmen. Einzelne Speditionsgeschäfte lehnten es dieserhalb ab, Umzüge innerhalb der Stadt auszuführen. Außerdem waren die Transportkosten erheblich größer als in früheren Jahren. Gar mancher, der glaubte, nicht mehr in der alten Wohnung bleiben zu können, ist heute froh, daß er diesmal von den „Umzugsfreuden“ verschont geblieben ist. Sagt doch ein altes Sprichwort: Dreimal umgezogen ist so gut – oder besser gesagt so schlimm – als einmal abgebrannt.
Die Verordnung über die Höchstpreise hatte ein Ackerer aus Ersdorf dadurch übertreten, daß er für 35 Zentner Kartoffeln, die er nach Bonn geliefert hatte, statt 3,05 Mk. für den Zentner 5,00 Mk. verlangt hatte. Die Strafkammer verurteilte ihn gestern dafür zu einer Geldstrafe von 100 Mk.
Wegen Vergehens gegen die Bäckereiverordnung hatte sich gestern eine ganze Anzahl Bäcker aus der Umgegend vor der Strafkammer zu verantworten. Einer hatte dem Schwarzbrot keinen Kartoffelzusatz gegeben, angeblich, weil er keine Kartoffeln erhalten könne, ein anderer hatte die Brote nicht zu dem vorgeschriebenen Gewicht von 4 Pfund, sondern nur zu 2 Pfund gebacken und von dem Datumstempel nur eine Ziffer auf ihnen angebracht. Ein dritter hatte ein falsches Datum auf die Brote gestempelt, wodurch sie älter erschienen, als sie wirklich waren. Das Gericht verurteilte sie zu Geldstrafen zwischen 50 und 60 Mark.
Die Spargelernte am Vorgebirge ist in diesem Jahr überaus gut und liefert von einem Tag zum anderen immer reichere Erträge. Auf den meisten Feldern muß täglich zwei- und dreimal gestochen werden. Daraus erklärt sich auch der plötzliche Preisabschlag. Es weiß sich hier niemand zu erinnern, daß der Spargel um diese Jahreszeit jemals zu einem so niedren Preis verkauft worden ist. – Zur Spargelzeit verlangt man, daß die Stangen schöne weiß und glattgeformte Köpfe haben; leider aber treten auch gekrümmte, schwache und hohle Pfeifen vielfach auf, was auf fehlerhafte Heranzucht der Samenpflanzen zurückzuführen ist.
Einen Wettersturz schlimmster Art haben uns die Eisheiligen seit gestern nachträglich gebracht. Um 11 Uhr morgens ging noch ein warmes Lüftchen, das Thermometer zeigte 19 Grad im Schatten. Von da ab aber wurde es plötzlich kälter; um 2 Uhr waren 14, um 4 Uhr 10 und um 6 Uhr 8 Grad Wärme angezeigt. In der Nacht sank dann hier im Rheintale die Wärme auf 4 Grad. Auf den Höhen der Umgegend aber wurde der Gefrierpunkt erreicht. Dort hat es in der vergangenen Nacht so stark gefroren, daß man über frisch gepflügten Boden nicht einsank und stehendes Wasser Eis ansetzte. – Gleichzeitig mit dem starken Rückgang der Wärme fiel auch das Barometer auf 744 Millimeter; ein starker Sturm setzte ein, der die Gipfel der Bäume derart zerzauste, daß alles dürre Geäst herunterkam. Der Boden im Hofgarten war dicht bedeckt damit. – Die kalte nördliche Luftströmung hält auch heute noch an; die luftigen Sommerkleider sind verschwunden und die Ueberzieher sind wieder zu ihrem Recht gekommen.
Die Obstbaumblüte ist jetzt allenthalben abgeschlossen. Sie hat einen raschen und günstigen Verlauf genommen und vollzog sich bei hellem Sonnenschein, bei zeitweiligen Regenfällen und mäßig bewegter Luft. Dadurch wurden die Blüten einesteils vor dem Abfallen geschützt, andernteils aber von honigsuchenden Bienen und anderen Insekten so stark beflogen, daß die Befruchtung regelrecht und sicher vonstatten gehen konnte. Bei den Frühobstsorten läßt sich der Fruchtansatz schon erkennen. Die Obstbäume blühten am Vorgebirge so reich, daß man sagen darf: „Wenn von hundert Blüten nur fünf Frucht bringen, so werden wir diesmal ein Obstjahr zu verzeichnen haben, das das vorigjährige durch seinen Ertrag weit in den Schatten stellt.“
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Die gefürchteten Eisheiligen Pankratius, Servatius und Mamertus, welche nach dem Volksglauben vom 12. bis 14. Mai die Witterung beherrschen, und wegen ihrer oft so höchst verderblichen Nachtfröste „Die drei gestrengen Herren“ heißen, sind diesesmal glücklich vorübergegangen, ohne den mindesten Schaden angerichtet zu haben, und so werden wir voraussichtlich dieses Jahr ein Obstjahr haben, wie es wohl seit Menschengedenken nicht mehr zu verzeichnen war. Die Bäume und die Beerenobststräucher sind so über und über mit kräftigen schönen Blüten bedeckt, daß wenn auch nur die Hälfte davon Früchte ansetzt, die Bäume die Last nicht zu tragen vermögen. Das junge Gemüse steht üppig und schön im Felde, ebenso die Saat. Der Weinstock hat sich prächtig entwickelt und so kann sowohl der Landmann wie auch der Winzer und Gartenbesitzer und so können nicht minder die Konsumenten den kommenden Dingen in bezug auf die Nahrungsmittelversorgung mit Ruhe entgegensehen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 17. Mai 1915
Ankauf von Pferden für das Heer. Das stellvertr. Generalkommando des 8. Armeekorps hat vom Kriegsministerium Anweisung erhalten, den Bedarf an Pferden durch freihändigen Ankauf oder Aushebung zu decken. Es ist beabsichtigt, so lange wie möglich im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse von Aushebungen abzusehen, die erforderliche Anzahl von Pferden anzukaufen, soweit es irgend möglich ist, unmittelbar bei den Besitzern. Die Bevölkerung wird auf das Vorteilhafte des Pferdeverkaufs unmittelbar an die Ankaufskommission gegenüber der gesetzlichen Aushebung aufmerksam gemacht. Hierbei wird empfohlen, den erforderlichen Ersatz der Pferde ausgiebig durch Ochsen zu decken. Die Ausführung von Pferden in andere Kreise des Reiches ist verboten.
Als Fahrraddieb hat die hiesige Polizei einen 15-jährigen Jungen aus Lannesdorf festgenommen. Der Junge hat drei Fahrraddiebstähle bereits eingestanden, er wird wahrscheinlich aber noch weitere Diebstähle ausgeführt haben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Prozession, die gestern morgen von der Stiftskirche ausging, war vom prächtigsten Wetter begünstigt. Sämtliche Straßen, die von dem feierlichen Umzug berührt wurden, waren reich mit Fahnen und Grün geschmückt. Die Beteiligung war überaus groß. Auch die Zahl der Hausaltäre war größer, als in den vorhergehenden Jahren.
Der gestrige geschäftsfreie Sonntag hatte viele Bewohner aus der Umgegend nach Bonn geführt, um hier ihre Einkäufe für die Pfingsttage zu machen. Die Bonner dagegen, die in der Woche Kaufgelegenheit haben, zogen es vor, bei dem prächtigen Wetter Ausflüge in die herrliche Umgebung zu machen. Sowohl die Vorortbahnen, als auch die Staatsbahn waren nachmittags und spät abends von Ausflüglern dicht besetzt. Auch der nachmittags rheinaufwärts fahrende Dampfer der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft hatte viele Fahrgäste. Hoffentlich wird uns an den kommenden Pfingsttagen ein ebenso schönes Wetter beschieden, damit namentlich alle diejenigen, die gestern geschäftlich verhindert waren, den schönen Tag in Gottes freier Natur zu verbringen, auch auf ihre Rechnung kommen.
Kartoffelversorgung durch die städtische Verwaltung. Die von der Stadt Bonn zur Kartoffelversorgung der Einwohner bestellten Kartoffeln sind jetzt alle eingetroffen und werden in jeder Menge zum Preise von 6 Mk. für den Zentner ab Lager abgegeben. Auch können die Kartoffeln gegen einen Fuhrlohn von 30 Pfg. pro Zentner ins Haus geliefert werden. Bestellungen werden schriftlich und mündlich im Hause Thomastraße 1, von 8 – 12 Uhr morgens, entgegengenommen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Bonner Wehrbund veranstaltete am verflossenen Sonntag eine Geländeübung bei Oberholtdorf, bei der es sich um die Erstürmung dieses Ortes handelte. Die Ausführung dieser Aufgabe war für die angreifende Partei nicht leicht, da zur Vornahme der Operationen nur Wege benutzt werden dürfen und nach Oberholtdorf nur ein Weg führt. Zweimal schlugen die vortrefflich geleiteten Verteidiger den Angriff ab und erst der dritte Versuch gelang mit Hilfe einer Kriegslist. Der Wert dieser Uebungen steckt ja weniger in der Nachahmung eines kriegerischen Spieles als in der damit verbundenen Marschleistung und der dadurch bewirkten körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend. Durch den Wandermarsch wird der Zustand der Füße verbessert, das Herz gekräftigt, die Ausdauer erhöht und die Willenskraft gestärkt. Ohne die gewaltigen Marschleistungen – 56 Kilometer an einem Tage – würden unsere Armeen im Osten schwerlich die herrlichen Erfolge erzielt haben. Das sollten die jungen Leute, die vor dem Eintritt in das Heer stehen und auch die zum ungedienten Landsturm gehörenden Männer, die ihre Einberufung zu erwarten haben, wohl bedenken, und durch Beitritt zum Wehrbund und regelmäßige Teilnahme an den Uebungen sich die erforderliche Marschfähigkeit verschaffen, damit sie die kommenden Strapazen ertragen können. Schon mancher erlag zum Schaden seiner Gesundheit den körperlichen Anstrengungen, weil er versäumt hatte, sich körperlich zu üben und dadurch zu kräftigen. Die zeitige Lage ist ernst. Kein Mann ist zu entbehren. Je mehr geübte und gekräftigte Mannschaften eingestellt werden können, um so größer die Gewißheit des Erfolges. Der Bonner Wehrbund bietet die Gelegenheit zur Einübung.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 18. Mai 1915
Universität. Die evangelisch-theologische Fakultät hat zur Erinnerung an die Einverleibung der Rheinlande in Preußen vor 100 Jahren den Generalsuperintendenten D. Karl Klingenberg und den Geheimen Konsistorialrat Lic. Karl Mettgenberg in Koblenz zu Ehrendoktoren ernannt.
Die Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz wird am Donnerstag, den 20. Mai, vormittags 10 Uhr, auf dem Schlachthofe in Köln einen Verkauf schwerer Pferde veranstalten. Es gelangen zum Verkauf 40 belgische Fohlen, 15 Stutfohlen, 25 Wallachfohlen, im Alter von 2 bis 3 Jahren. Als Ankäufer sind nur rheinische Landwirte zugelassen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Katholischer Frauenbund. Der Zweigverein Bonn des Katholischen Frauenbundes feierte gestern abend im großen Saale des Bonner Bürgervereins sein zehnjähriges Bestehen. In verschiedenen Ansprachen wurde die Tätigkeit des Vereins, der sich von einer anfänglichen Mitgliederzahl von hundert auf fünfzehnhundert Frauen gemehrt hat, gewürdigt. (...) Frl. Dransfeld sprach von einer fünffachen Erneuerung, die der Krieg gebracht habe und die die katholischen Frauen als mobile Kraft hinter der Front zu erhalten bestrebt sein müßten. Die religiöse, vaterländische, sittliche, soziale und wirtschaftliche Erneuerung müsse wach erhalten bleiben, um fortzuwirken in der künftigen Zeit.
Der zweite Teil der Gedenkfeier brachte einige Darbietungen des Münsterchores unter Herrn Musikdirektor Veith. Außerdem gab es neben einem Prolog eine Pantomime opfernder Frauen um den Altar des Vaterlandes, die von Frau Maurice-Wittmann geleitet wurde. Mitglieder und Gäste zeigten sich durch Beifallsfreudigkeit für alles Gebotene dankbar.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Ippendorf, 16. Mai. Sowohl im Kottenforst als auch in den Privatwaldungen steht für dieses Jahr eine überaus große Ernte an Bucheckern in Aussicht. Wenn diese Früchte, wie sachkundige Forstleute behaupten, nur alle 25 Jahre einmal reichlich geraten, so müssen wir annehmen, daß das gegenwärtige Kriegsjahr in dieser Hinsicht ein gesegnetes ist. Wenn der Reichtum an Bucheckern in der rechten Weise ausgenutzt wird, so kann er für die Bevölkerung der nahegelegenen Walddörfer, aber auch für das gesamte deutsche Volk und seine Ernährung von Wichtigkeit sein. Wie jetzt schon aus dem vorhandenen Fruchtansatz zu erkennen ist, werden zur Zeit der Vollreife, wo die Bucheln aus den Kapseln fallen, mit Leichtigkeit mehrere Zentner in wenigen Stunden in den Buchenwaldungen aufzusammeln sein. Die schönsten und gesundesten Früchte dienen zur Bereitung von Oel und Futterkuchen. Worauf aber gerade jetzt in der schlimmen Kriegszeit besonders Nachdruck zu legen ist, das ist die Verwendung der Bucheckern als Schweinefutter. Sie werden von den Schweinen gern verzehrt, sowohl im Stalle als auch auf dem Weidegang draußen im Walde und fördern die Mast- und die Fleischbildung ebenso wie auch die Eicheln.
Godesberg, 17. Mai. Das stetige Anwachsen unserer Gemeinde macht sich auch bei unserer evangelischen Volksschule bemerkbar. Mit Beginn des jetzigen neuen Schuljahres mußte wieder eine neue Schulklasse errichtet werden. Es ist dies bereits die fünfte; die erste Schulklasse besteht seit 1. Januar 1875. Zum Lehrer der jetzigen neuen Schulklasse hat die Schuldeputation Herrn Wöste, seither Lehrer im Diasporawaisenhaus Godesheim, gewählt. Mit dem neuen Schuljahre ist für die obere Mädchenklasse auch Haushaltungsunterricht eingeführt und in den Stundenplan eingegliedert worden, um dem heranwachsenden weiblichen Geschlecht somit auch in der Schule schon Gelegenheit zu bieten, sich für den späteren Beruf als Hausfrau vorzubereiten.
Godesberg, 17. Mai. Die in verflossener Woche von der hiesigen Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvereins veranstaltete „Kaiser-Wilhelmspende“ hat in der Bürgermeisterei Godesberg 6700 Mark erbracht.
Godesberg 17. Mai. Die ersten Weißbrötchen, die aus beschlagnahmefreiem reinen holländischen Weizenmehl hier gebacken werden durften und ohne Brotbuch in den Bäckereien erhältlich waren, verursachten am vorgestrigen und gestrigen Tage eine wahre Belagerung und Bestürmung der Verkaufsstellen, trotzdem man statt der für zehn Pfennig früher erhaltenen Fünfzahl jetzt nur zwei in gleicher Kleinheit erhielt. Innerhalb einer halben Stunde war jedesmal überall ausverkauft.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und fern“)
Drammersches Lyzeum. Zum Zwecke einer genußreichen Feier der 100jährigen Vereinigung der Rheinlande mit Preußen machten die Lehrpersonen und Schülerinnen des Drammerschen Lyzeums einen Ausflug auf den Drachenfels. Um das Denkmal auf der Höhe geschart, trugen die Schülerinnen patriotische Gedichte vor und aus munteren Kehlen und luftigen Herzen erklangen rheinische und vaterländische Lieder. Der Religionslehrer der Anstalt beleuchtete in der Feierrede die geschichtliche Entwicklung der Rheinlande seit der Zeit der Kelten; insbesondere betonte er, daß die von der Natur in so reichem Maße ausgestattete Provinz seit ihrer Zugehörigkeit zu Preußen mit allen Landesteilen Deutschlands in der raschen Entwicklung auf wirtschaftlichem und künstlerischem Gebiete Schritt gehalten, und in mancher Beziehung dieselben überholt hat. Gegen 12 Uhr mittags nahm die Feier ihren Abschluß und mit der Elektrischen trat man den Heimweg nach Bonn an.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 19. Mai 1915
Für besondere Pfingstliebesgaben-Sendungen werden von der Heeresverwaltung Geleitscheine nicht erteilt.
Ein Bonner an den Dardanellen. Der deutsche Kapitänsleutnant Rudolf Firle, der zusammen mit dem türkischen Kapitän Achmed den Torpedojäger Muawenet-i-Millijeh auf der Siegesfahrt gegen das englische Linienschiff Goliath kommandiert hat, ist ein Bonner Kind. Er ist hier 1881 als Sohn des verstorbenen Sanitätsrates Firle geboren, besuchte das hiesige Kgl. Gymnasium und bestand dort 1900 die Reifeprüfung. Firle trat dann in die Marine ein und wurde 1910 Kapitänleutnant.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die ersten frischen Stachelbeeren vom Vorgebirge werden jetzt auf dem Markte feilgeboten. Sie sind so dick wie eine Erbse und haben eine gesunde grüne Farbe. Literweise werden sie abgegeben und von den städtischen Hausfrauen zum Einmachen, zur Bereitung von Kompott, Marmelade, Torten und Kriegskuchen gerne verwendet. Am Vorgebirge pflückt man sie an den Hecken solcher Gärten, in denen sie bei der Reife dem Diebstahl zu sehr ausgesetzt sein würden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
In der Kath. Akademiker-Vereinigung spricht heute abend Herr Prof. Dr. Gerhard Esser über „Kriegsnot und göttliche Vorsehung“. Der Vortrag findet um 6 Uhr im Bürgerverein statt.
Ludwig Wessel A.-G. Die 27. ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft findet am 19. Juni im Verwaltungsgebäude Clemens-August-Straße statt. Dem Bericht des Vorstandes entnehmen wir:
„Die in unserem letzten Bericht bereits erwähnten ungünstigen Verhältnisse der deutschen Steingutindustrie machten sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahre noch geltend und wirkten hemmend auf das Geschäft. Mit Ausbruch des Krieges trat naturgemäß eine weitere Verschlechterung ein, da die Erzeugnisse unserer Industrie für den Heeresbedarf nicht in Betracht kommen. Durch die zeitweise völlige Einstellung des Güterverkehrs waren wir gezwungen, den Betrieb vorübergehend ganz stillzulegen. Die vorliegende Bilanz schließt unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus dem Vorjahre mit einem Betriebsverluste von 188.372,33 Mark ab (... )“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 20. Mai 1915
Der Bonner Wehrbund hatte für seine Geländeübung am verflossenen Sonntag den Versuch eines Durchbruchs nach Bonn und seine Abwehr zur Aufgabe gestellt. Als Uebungsfeld war das Gelände zwischen Rhein und Godesberger Chaussee ausersehen. Trotz geschickter Verteidigung gelang der Durchbruch. Nach beendeter Uebung zogen die Teilnehmer zum Kaiserdenkmal, woselbst eine Ansprache stattfand. Der Redner hob in beredten Worten unter den Herrschertugenden des Begründers des Deutschen Reiches besonders das Pflichtgefühl hervor und ermahnte die versammelte Jugend, in dem schweren Kampfe, in dem jetzt unser Vaterland um sein Bestehen und seine Zukunft ringt, mit starkem Pflichtbewußtsein an der Erfüllung der Zwecke, die der Wehrbund erstrebt, mitzuhelfen. Mit einem Hoch auf unseren Kaiser schloß die eindrucksvolle Ansprache. Es wäre zu wünschen gewesen, daß recht viele der Jünglinge die Mahnworte gehört hätten, die sich leider an den Bestrebungen des Wehrbundes nicht beteiligen. An die Stelle der zunehmenden Teilnahmslosigkeit und abnehmenden Begeisterung muß angesichts der eingetretenen Erschwerung der politischen Lage ein neuer frischer Zug und neue Begeisterung treten und jeder Jüngling es sich zur Pflicht machen, sich die körperlichen Vorteile zu verschaffen, die im Wehrbunde erworben werden.
An den beiden Pfingsttagen veranstaltet der Wehrbund eine Wanderung in die Eifel. Von Rech im Ahrtal aus geht der Marsch über den Steinerberg, Hohe Acht, Nürburg, Kelberg nach Daun. In Kelberg wird kriegsmäßig Quartier bezogen. Da der Zweck der Wanderung die Erhöhung der Marschfähigkeit wird, findet hoffentlich eine entsprechende Beteiligung statt.
Die Bierpreisfrage. Der Rheinisch-Westfälische Wirteverband (Sitz Solingen) hatte an mehrere Generalkommandos eine Eingabe gesandt betr. die von den Brauereien durchgeführte Erhöhung des Bierpreises. Die Bitte des Verbandes ging dahin, durch eine Verfügung den Brauereien den Bieraufschlag zu verbieten oder wieder aufzuheben. Das Generalkommando des 8. Armeekorps hat erwidert, daß einstweilen keine Veranlassung vorliege, gegen die Brauereibesitzer vorzugehen. Eine Einschränkung des Bierverbrauchs sei im allgemeinen Interesse erwünscht, im übrigen sei es nach den bisherigen Erfahrungen wohl überall gelungen, die Bierpreiserhöhung auf die Bierverbraucher abzuwälzen. Der Guvernör von Köln erwiderte, daß eine behördliche Einwirkung auf die Preisentwicklung der Genußmittel gerade in bezug auf das Bier am wenigsten angebracht erscheine. Wenn die Preiserhöhung zu einer Minderung des Bierverbrauchs führe, so sei das im Interesse einer gesunden, zweckmäßigen und sparsamen Volksernährung während des Krieges sehr zu begrüßen. Eine Schädigung des Wirtestandes müsse gegenüber dem allgemeinen Volksinteresse zurücktreten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Haus- und Straßen-Sammlung der Vaterländischen Vereinigungen. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Der Herr Oberpräsident hat durch Erlaß vom 15. v. Mts. genehmigt, daß die Vaterländischen Vereinigungen der Stadt Bonn für die vielseitigen Aufgaben des Roten Kreuzes Geldsammlungen mittels Sammellisten und Sammelbüchsen in den Häusern und auf den Straßen und Plätzen abhalten dürfen. Auch hat die Königliche Eisenbahndirektion die Genehmigung dazu erteilt, daß diese Sammlungen auf dem Bahnhofe stattfinden dürfen. Der freiwillige Hilfsausschuß für Truppen hat daher seine bewährten Helferinnen organisiert und wie auch in andern Städten, so klopfen sie auch hier an das gebefreudige Herz des Bürgers, um eine Gabe – wenn sie auch noch klein ist – zu erhalten. Wir hoffen, daß diesen Bestrebungen unsrer Kriegsfürsorge überall mit freudigem Herzen entgegengetreten wird und daß vor allen Dingen Bürger und Bürgerinnen die mit der Sammlung beauftragten Helferinnen in ihrem oft recht schwierigen Amt nach jeder Richtung mit Rat und Tat unterstützen werden. Die Aufgaben, die unsern Vaterländischen Vereinigungen gestellt werden, wachsen von Tag zu Tag und erfordern natürlich große Summen. Es ist hier nicht der Ort, noch einmal das alles zu wiederholen, was seit Kriegsbeginn zum Besten unsrer braven Krieger bereits geschehen ist; darüber ist des öfteren schon berichtet worden. Es sei nur kurz daran erinnert, daß u. a. die Bonner Verbands- und Erfrischungsstelle in Lille fast eine Million Soldaten gespeist und mehreren tausend
Verwundeten Pflege hat angedeihen lassen. Gerade in den letzten schweren Kämpfen um Lille hat sich die Stelle wiederum als ein hervorragendes Glied der Kriegswohlfahrtspflege erwiesen und den Bonner Opfersinn durch die aus allen Teilen Deutschlands und der verbündeten Staaten dort herbeiströmenden Krieger in weite Fernen verkündet. Dabei sorgt der Vaterländische Frauenverein mit seinen Arbeitsstuben für die Beschäftigung zurückgebliebener Angehöriger und hat schon manches Elend lindern helfen. Auch ist in nächster Zeit eine Versorgung der Karpathen-Armeen mit Liebesgaben in großem Umfange geplant, der Heeresangehörigen, die zur Zeit in den heißesten Kämpfen ringen und die infolge der schlechten Zufahrtswege am meisten zu leiden haben. Hemden, Handtücher, Socken, Seife, Keks, Schokolade und Tabakfabrikate mangeln dort, und auch hier soll der Opfersinn der Bonner helfend eingreifen. Helft daher alle, die Bestrebungen des Roten Kreuzes unterstützen, nicht nur durch Worte, sondern auch durch die Tat. Jeder überlege sich, daß er hier im sichern Schutz der Heimat nur wenig bis jetzt für die Allgemeinheit geleistet hat, im Verhältnis zu denen, die mit ihrem Leben unser Vaterland verteidigen. Besonders aber gilt es, wenn die Fahnen einen neuen Sieg künden, reichlich Geldspenden fließen zu lassen. Daß hierzu Gelegenheit gegeben wird, dafür werden unsere braven Helferinnen schon Sorge tragen.
Pfingstverkehr auf dem Rhein. Die Köln-Mülheimer Dampfschiffahrts-Aktien-Gesellschaft unterhält an den beiden Pfingsttagen zwischen Bonn und Königswinter eine Dampferverbindung. Die Abfahrtszeiten sind im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes angegeben.
Kalte Bäder. Die Rheinbadeanstalten haben seit einigen Tagen den Betrieb auch für kalte Bäder eröffnet. Obgleich die Wasserwärme erst 16 Grad Celsius beträgt, tummeln sich doch schon eine Anzahl Badegäste frisch-fröhlich in den von der lieben Sonne noch nicht recht durchwärmten Fluten.
Gründlich ausgeplündert wurde am Dienstag nachmittag in Köln ein älterer Mann aus Bonn. Er hatte auf der Severinstraße die Bekanntschaft mehrerer Burschen gemacht, mit denen er verschiedene Wirtschaften besuchte. Das Ende der Bierreise war, daß der Bonner einen gehörigen Schwips weghatte. Als sich die freundlichen jungen Leute verabschiedet hatten, vermißte der Mann seine Geldbörse mit annähernd 70 Mk. Inhalt sowie seine Uhr und Kette. Da er seine Begleiter natürlich nicht kannte und auch bei der Polizei keinerlei Angaben machen konnte, scheint es ausgeschlossen, daß der Vertrauensselige wieder in den Besitz seines Eigentums gelangt.
Ein Heilkundiger aus Godesberg, der sich zurzeit wegen eines Vergehens gegen die Sittlichkeit in Untersuchungshaft befindet, stand gestern vor dem Schöffengericht, weil er sich in zwei Fällen unbefugter Weise den Doktortitel beigelegt hatte. Er war im wesentlichen geständig und suchte sich damit zu entschuldigen, daß er in Göttingen die Prüfung für den philosophischen Doktortitel teilweise bestanden habe. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten, gegen den auch noch ein Entmündigungsverfahren schwebt, zu 20 Mark Geldstrafe.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Saatenstand. Im ganzen Rheinland stehen das Getreide, die Wiesen und Kleefelder in einer Ueppigkeit wie nie zuvor. Die Blüte der Steinobstbäume ist in den meisten Lagen sehr gut verlaufen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 21. Mai 1915
Variété-Theater „Sonne“. In der „Sonne“ ist jetzt wieder R. Krauß – Segommer eingekehrt, der sich bei seinem zweimaligen Auftreten als ein wahrer Universalkünstler der Variétébühne erweist und sein Publikum mit Deklamationen, lustigen Zauberkunststücken und in der zweiten Nummer „Zeppelin kommt“ als erstaunlich guter Bauchredner und Verwandlungsschauspieler vortrefflich zu unterhalten versteht. Hans Lederer ist hier schon bekannt und beliebt genug, daß es genügt seinen Namen zu erwähnen, um das Programm zu empfehlen. Er bringt eine Reihe neuer und schlagkräftiger Kuplets, die er wieder sehr wirkungsvoll vorträgt. Weiter nennt man die Tänzerin Thea Seranti, die Sängerin Olga Heyn und vor allem die Xylophonvirtuosin Else Ramacher, die über eine unglaubliche Technik des Xylophonspielens verfügt und aus dem spröden Instrument z.B. in der Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ ganz eigenartige und fein abgestufte Klangwirkungen herausholt.
Erpressung. Vor dem Kriegsgericht in Köln hatte sich ein 40jähriger Geschäftsmann aus Bonn wegen versuchter Erpressung zu verantworten. Der Mann ist geschieden und suchte durch die Zeitung eine neue Frau. Er wurde so mit einer geschiedenen Frau in Köln bekannt und verlobte sich mit ihr. Die Verlobung wurde nach halbjähriger Dauer von der Frau aufgehoben. Nunmehr verlangte der abgesetzte Bräutigam von ihr die Vergütung der infolge des Brautstandes ihm erwachsenen Auslagen, widrigenfalls er die Frau in ihrem Bekanntenkreise am Wohnort ihres vormaligen Gatten „bekanntmachen“ werde. Die Frau zahlte auf diese Drohbriefe hin ihrem ehemaligen Verehrer 100 M. und stellte ihm zudem für später ein Schweigegeld von 500 M. in Aussicht. Die Staatsanwaltschaft bekam von der Angelegenheit Kenntnis. Die Folge war die Anklage wegen Erpressung. Nach dem Urteilsspruch hat der Angeklagte sich der vollendeten Erpressung schuldig gemacht und wurde, weil er einschlägig schon einmal bestraft ist, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die übliche Blumenverteilung an Schulkinder hat vorgestern nachmittag in den einzelnen Schulen des Stadtbezirks stattgefunden. Nicht weniger als 2000 Blumentöpfe waren vom Gartenbauverein zur Verfügung gestellt worden, die den Schulkindern in Pflege gegeben wurden.
Zum Verkauf von Brot. Der Oberbürgermeister macht in der heutigen Nummer unseres Blattes bekannt, daß mit Rücksicht auf die bevorstehenden Pfingstfeiertage den Bäckereien und Brotfabriken im Stadtbezirk Bonn gestattet wird, bereits am Samstag den 22. ds. Mts. Brot für die Woche vom 23. bis 29. Mai zu verkaufen. Die verkauften Brotmengen sind für Sonntag den 23. Mai einzutragen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Verbot des Photographierens usw. Nach einer Bekanntmachung des Gouverneurs ist das Photographieren, Zeichnen, Malen oder sonstige Abbilden der Rheinbrücken, Befestigungs- und Eisenbahnanlagen, der Luftschiffhallen, Luftschiffe und Flugzeuge, der Truppentransporte, der Geschütze und aller anderen militärischen Ausrüstungsstücke verboten. Zuwiderhandlungen werden auf Grund des § 9 Ziffer b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4.6.1851, falls die bestehenden Gesetze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 22. Mai 1915
Rückgang der Kartoffelpreise. Das reichliche Angebot von Kartoffeln, das zu verzeichnen ist, bringt erfreulicherweise einen weiteren Rückgang der Kartoffelpreise, der sich hoffentlich auch bald bemerkbar macht.
Kräftiges Vorgehen gegen fremdsprachliche Firmenschilder. An die Provinzregierungen Preußens ist eine neue Verfügung ergangen, worin diese angewiesen werden, nunmehr nachdrücklich auf die Beseitigung der fremdländischen Inschriften an Firmenschildern usw. einzuwirken. – Bei dieser Gelegenheit werden vielleicht auch die Eisenbahnbehörden angewiesen, daß auf größeren Bahnhöfen die auf französisch und englisch abgefaßten Schilderinschriften: „Vor Taschendieben wird gewarnt“ beseitigt werden. Die Kgl. Eisenbahndirektion Berlin hat sich bereits entschlossen, die fremdsprachlichen Schilder entfernen zu lassen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Undurchdringlicher Nebel lagerte heute früh über dem Rheintal, wodurch die Schiffahrt in den Morgenstunden stark behindert wurde.
Angsteinkäufe in Zucker. Neuerdings werden von den Hausfrauen große Mengen Zucker aufgekauft, da man besorgt ist, es könnte in nächster Zeit eine Knappheit in der Zuckerversorgung auftreten. Eine übereilte und übermäßige Versorgung mit Zucker ist indessen völlig unnötig, da wir 15 Prozent mehr Zucker zu unserer Verfügung haben als in Friedenszeiten. Wenn trotzdem an einzelnen Orten der Preis für Zucker etwas gestiegen ist, so hat das seinen Grund darin, daß infolge des Arbeitermangels die Zuckerraffinerien nicht immer genügend Zucker für den Konsum herstellen können. Auch der Wassermangel spielt oft eine große Rolle bei der Versorgung der Städte. Die Hauptursache aber bilden die Angsteinkäufe unserer Hausfrauen, durch die große Mengen Zucker aus dem Markt gezogen werden. Einen Vorteil von ihren Einkäufen hat niemand, dagegen sind die Nachteile für die Allgemeinheit bedeutend.
Zur Bekämpfung des Zigarettenrauchens der Jugend haben die Polizeiverwaltungen zum Teil ihren Organen Anweisung gegeben, gegen Kinder im schulpflichtigen Alter einzuschreiten, wenn sie auf Straßen und Plätzen beim Rauchen angetroffen werden. Feuerzeug und Rauchmaterial sind ihnen abzunehmen und der Anzeige beizufügen. In der Anzeige ist die Schule, die der Täter besucht, anzugeben. Unter schulpflichtigem Alter versteht man das Alter bis zu 14 Jahren. Noch viel weiter ist das Gesundheitsamt in Lübeck gegangen. Es hat Personen unter 16 Jahren überhaupt verboten, Tabak, Zigarren oder Zigaretten zu rauchen. Es ist ferner verboten, Personen unter 16 Jahren Tabakspfeifen, Tabak, Zigarren oder Zigaretten zu verkaufen oder im Gewerbebetrieb abzugeben.
Pfingsten 1915
„Pfingstglocken läuten am Rheinesstrand,
PFingstglocken läuten in Feindesland;
Sie klingen und singen im Kriegerherz,
Er denket der Heimat, doch ohne Schmerz;
Er weiß, daß dort, wo die Lieben sind,
Bei Vater und Mutter, bei Frau und Kind,
Nur dieser feste Glauben lebt,
Daß „Deutschland nimmer untergeht!"
Drum klinget weiter, ihr Glocken der Freude,
läutet immer zu, verkündet heute
Den Völkern am Rhein, den Lieben zu Haus,
Daß „Deutschland hält noch weiter aus!"
Pfingstglocken läutet, klingt immer fort
Im Vaterland, von Ort zu Ort!"
Josef Heidelmann, Georgstr. 15 (z. Zt. im Felde)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Des Kaisers Dank für die Huldigung aus Anlaß der Jahrhundertfeier.
Bei dem Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz ist folgendes Telegramm eingelaufen:
„Seine Majestät der Kaiser und König ermächtigen Eure Exzellenz, dem Verein Alt-Bonn und der Bürgerschaft Bonns durch den dortigen Oberbürgermeister Allerhöchstihren herzlichen Dank für das erneute Gelöbnis der Treue auszusprechen und Allerhöchstihren landesväterlichen Gruß zu entbieten.
von Valentini.“
Holzschuhe für Schulkinder. Einer Anregung durch die Schule folgend, tragen seit einigen Tagen viele Kinder Holzschuhe. Der Vorschlag ist auch durch die Reichszeitung mehrere Male an die Eltern ergangen. Nicht nur für die Wenigerbemittelten, auch für die geldlich Bessergestellten sind die Preise für Lederschuhe und ein Paar Sohlen nachgerade unerschwinglich geworden.
Gegen das „Kaufmannsdeutsch“ und die fremdsprachlichen Aufschriften in Geschäftsräumen wendet sich auch die Bonner Handelskammer in einem Rundschreiben: „Jeder Deutsche sollte sich bereit finden, die Ueberbleibsel aus früherer Zeit mit beseitigen zu helfen, und namentlich der deutsche Kaufmann dürfte berufen seine, hier vorbildlich zu wirken und auch dem Auslande gegenüber zu zeigen, daß er sich auch in seiner ganzen Sprache als Deutscher fühlt. Unsere Muttersprache ist so reich und wohlgebildet, daß es nur selten an einem treffenden Ausdruck für den zu bezeichnenden Begriff fehlen wird. Jedes deutsche Wort hat vor einem fremden den Vorzug, daß es von jedermann verstanden wird. Sachkundigen Rat im Bedarfsfalle gibt das Buch „Kaufmannsdeutsch“ von Engels und Eitzen oder die von dem Bonner Zweigverein des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins für Kaufleute herausgegebene Verdeutschungstafel, die zum Preise von 25 Pfg. durch die Handelskammer bezogen werden kann.“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 23. Mai 1915
Universität. Die neue Ehrentafel der im Dienste des Vaterlandes gefallenen Universitätsangehörigen zählt die Namen von zwei Dozenten (Dr. Haniel und Dr. Sassen), einem Assistenten (Dr. Kreutzwald) und 113 Studierenden auf. Der Rektor bringt diese Ehrentafel voll Trauer und Stolz zugleich am Schwarzen Brett zur Kenntnis und bittet, ergänzende Mitteilungen dem Universitätssekretariat bekannt geben zu wollen.
Brötchen aus Kriegsweizenmehl mit Zusätzen von je 5 v. H. Roggenmehl und Kartoffeln und mit Wasser (nicht Milch) verarbeitet wird es, wie in vielen anderen Orten, voraussichtlich auch in Bonn demnächst geben. Der Ausschuß der hiesigen Bäckerinnung wird Dienstag im Einverständnis mit der hiesigen Behörde die Angelegenheit besprechen, sein Beschluß müßte dann allerdings vom Regierungspräsidenten genehmigt werden. Diese Brötchen, sog. Knüppelchen, werden 100 Gramm wiegen und das Stück 8 Pfg. kosten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Mit Rücksicht auf den Pfingstbesuch wird nochmals auf die Polizeiverordnung des Militär-Polizei-Meisters für den Befehlsbereich der Festung Cöln vom 28.4.15 betr. das Meldewesen hingewiesen, wonach alle Personen unverzüglich, spätestens binnen 12 Stunden nach Beziehen der Wohnung zur persönlichen Anmeldung verpflichtet sind, auch die nur vorübergehend (besuchsweise) hier Wohnung nehmen. Diese Verpflichtung tritt ein, gleichviel ob Wohnung in Gasthäusern, Pensionen oder Privathäusern genommen wird. Bei Zuwiderhandlung trifft sowohl die Personen, die sich nicht rechtzeitig anmelden, als auch die Wohnungs- und Unterkunftsgeber für jeden Einzelfall eine Geldstrafe von 30 Mark, an deren Stelle bei Zahlungsunfähigkeit eine Haftstrafe von 10 Tagen tritt. Die Anmeldung kann zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Polizei-Hauptwache erfolgen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Siegesfeiern in den Schulen. Ueber Siegesfeiern in den Schulen hat der Oberpräsident der Rheinprovinz eine Verfügung an die Regierungspräsidenten der Provinz gerichtet. Im Einvernehmen mit dem Provinzialschulkollegium wird darin angeordnet, daß die Entscheidung über das Aussetzen des Schulunterrichts bei Eintreffen bedeutsamer Siegesnachrichten durch die Landräte, in Städten durch die Oberbürgermeister erfolgt. Die Schulleiter sind allgemein angewiesen worden, dem Ersuchen um Aussetzen des Schulunterrichts unversäumt Folge zu leisten. Für Schulen, die den Regierungen unterstellt sind, haben diese das Weitere veranlaßt, während das Provinzial-Schulkollegium die Direktoren der höheren Lehranstalten mit entsprechender Anweisung versehen hat.
Die Fischzucht im Kriege. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Bei der Volksernährung im Kriege spielen die Fische eine große Rolle. Fast in allen Vorträgen, die in Stadt und Land über Kriegskost gehalten werden, und in allen Kriegskochbüchern wird auf Fischgerichte hingewiesen. In der Tat ist auch Fischfleisch ein gesundes und bekömmliches Nahrungsmittel. Aber es ist nicht überall wohlfeil. Der Grund hierfür liegt darin, daß die Fischzucht nicht überall rationell betrieben wird. Ja, es gibt sogar wasserreiche Gegenden, wo die Fischzucht ganz außer Acht gelassen und hauptsächlich Raubfischerei betrieben wird. Dem sollte unter allen Umständen vorgebeugt werden. Wo es irgend angeht, müssen die Teiche und Gräben mit guten Fischen besetzt und die Fischgerechtigkeiten geregelt werden. Wo eine geordnete Fischzucht vorhanden, sollte sie gerade in der gegenwärtigen Kriegszeit mit Sorgfalt betrieben werden. Jeder Fischzüchter muß sich daran erinnern, daß auch er seinen Teil zur Sicherstellung der Volksernährung im Kriege betragen kann und soll.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 24. Mai 1915
Am Pfingstmontag erschienen in Bonn keine Zeitungen.
Dienstag, 25. Mai 1915
Die Pfingsttage liegen nun hinter uns. Schönere, köstlichere Tage hat uns die Sonne noch selten geschenkt als diese Pfingsttage des Jahres, das uns mitten im furchtbarsten Krieg findet, den je ein Land um sein Schicksal zu führen hatte. Und just zur Zeit des Pfingstfestes kommt die Kunde von dem endgültig vollzogenen Verrat und der Kriegserklärung des langjährigen sogenannten Freundes und Bundesgenossen. Draußen überall frisches, junges Grün, ein Keimen und Sprossen, blühende Bäume und allenthalben die Hoffnung und das Versprechen auf reichen Erntesegen. Jedes Fleckchen unserer deutschen Erde mit liebevoller Hand, mit behutsamer Sorgfalt bestellt. Wie ein Garten dehnt sich das weite Land unter dem seidig blauen Himmel. Wer hinauswandert, der findet draußen die Ruhe und den Frieden der Seele und der erlebt auch von neuem, was es heißt, eine Heimat haben und seine deutsche Erde lieben und verteidigen.
Der Ausflugsverkehr war an den beiden Feiertagen auch sehr stark. Vielleicht weniger lärmend, weniger turbulent als in früheren Jahren. Der Fremdenbesuch, vor allem die Kraftwagen mit den französischen, englischen und holländischen Gästen, die sonst um die Pfingstzeit den Rhein gern aufsuchten, fehlten diesmal. Unser Pfingstfest hat damit gewiß nichts verloren. Der Besuch aus den großen Städten der Umgegend war sogar besonders lebhaft. Unsere Bahnen hatten in diesen Pfingsttagen eine beiweiten größere Arbeit zu bewältigen als im vergangenen Jahre. Alle Züge, rheinauf- und rheinabwärts, waren überfüllt. Auch die Dampfer waren bis zum letzten Plätzchen besetzt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Selten schöne Pfingsttage gab uns das heurige Kriegsjahr. Ungetrübter klarer Himmel, eine brennende Sonne und ein wehendes Lüftchen, das die aufkommende Hitze angenehm milderte. Trotz der Kriegszeit war der Reiseverkehr stärker als im Vorjahre. Die Eisenbahndirektion hatte eine Anzahl Vorzüge eingelegt, trotzdem waren die Züge sämtlich derart überfüllt, daß in den Durchgängen die Reisenden Kopf an Kopf standen. Die Rheindampfer und unsere Vorortbahnen waren an beiden Tagen ebenfalls von Ausflüglern dicht besetzt. Auch hier in Bonn war der Fremdenverkehr außerordentlich groß.
Dieses riesige nach Draußenstreben, gewiß eine Entlastung des gedrückten Gemütes in dieser schweren Zeit, führte dazu, daß vielfach an den bekannten Sammelpunkten des Ausflugsverkehrs „ausverkauft“ war. Hier und in der Umgebung war an beiden Feiertagen in den Gasthöfen nur schwer anzukommen; und vielfach sind die Betten noch für die ganze Woche belegt.
Nicht aller Menschen Geschmack ist es, gerade zur Hauptreisezeit ihren Ausflug zu machen, sich drücken zu lassen auf Bahn und Schiff und nach Essen und Trinken jagen zu müssen. So bleiben viele die Pfingsttage daheim. Auch denen lachte die Pfingstsonne in ihrem Heim, in den Wäldern, die in so dichtem und nahem Kranze unsere Stadt umziehen, in den üppig grünen Anlagen Bonns und in den so wohlgeführten Wald- und Gartenwirtschaften. In der Gronau, auf der Kasselsruhe, im Kottenforst, an der Sieg erholten und erfreuten sich Tausende und Abertausende an den einzig schönen Pfingsttagen des Kriegsjahres 1915.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Futterreichtum. Man schreibt uns vom Lande: Es ist ein derartiger Futterreichtum vorhanden, daß an vielen Orten das über einen Meter hohe, saftige Gras einfach gar nicht gemäht, noch sonst für Futterzwecke benutzt wird, da man den Viehbestand so verringert hat, daß Futter in Hülle und Fülle vorhanden ist.
Vereinslazarettzug K. 1 Bonn. Der Bonner Lazarettzug ist, nach einigen Tagen des Wartens auf einem belgischen Güterbahnhof, für einige Fahrten der vierten Armee überwiesen worden, und hat am Samstag 250 Verwundete aus den Kämpfen bei Ypern in Gent und Thourout [Torhout] eingeladen, und in Köln, Linz und Vallendar ausgeladen. Augenblicklich steht der Zug zu sofortiger Abfahrt bereit in Andernach, wo das Personal einquartiert ist. Auch die nächste Fahrt wird wahrscheinlich nach Gent gehen.
Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werden die beiden Heizwagen ausgeschaltet. An ihre Stelle tritt ein 27. Krankenwagen und ein Kühlwagen.
Da die Heeresleitung nur einen sehr geringen Verpflegungssatz gewährt, sind Lebensmittel aller Art als Liebesgaben dringend erwünscht, besonders Schinken, Dauerwurst, Käse, Erbsen, Bohnen, Linsen, Kartoffeln, Gemüse- und Obstkonserven, ferner Zigarren, Zigaretten, Wein, Mineralwasser oder Geld zum Ankauf. Von weiteren Liebesgaben an Wäsche und wollenen Decken möge man vorläufig absehen, da alles reichlich vorhanden ist.
Einzahlungen für den Lazarettzug bittet man auf der Bonner Zweigstelle der Deutschen Bank zu machen. Liebesgaben werden Bahnhofstraße 10 angenommen. (...)
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 26. Mai 1915
Ihre Königliche Hoheit Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe hat Pfingsten ihre Schwester, die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, auf Schloß Friedrichshof im Taunus besucht. Die Frau Prinzessin wird voraussichtlich heute abend wieder in Bonn eintreffen.
Vorsicht beim Verkauf von Ansichtskarten deutscher Städte. Auf dem Umweg über das neutrale Ausland ist von feindlicher Seite wiederholt der Versuch gemacht worden, Ansichten deutscher Städte, namentlich Süd- und Westdeutschlands durch Buchhändler usw. aufzukaufen. Gewünscht werden besonders solche Bilder (Ansichtskarten), die für die Stadt und deren Umgebung durch besonders auffallendes Gepräge kennzeichnend sind, wie Kirchen, Burgen. Ruinen und andere in die Augen fallenden Bauwerke. Offenbar sind die Bilder dazu bestimmt, feindlichen Fliegern die Orientierung zu erleichtern. Es muß daher dringend davor gewarnt werden, diesen Ansuchen Folge zu geben, Auch wird es sich empfehlen, bei der Versendung von Ansichtskarten nach dem Ausland entsprechende Vorsicht zu beobachten.
Zwei neue Ansichtskarten aus Bonn sind im Verlage der Kunsthandlung M. Plaß erschienen. Die eine zeigt die Bilder des Alten Zolls und der Infanteriekaserne und dazwischen ein Schattenbild vorgehender Infanterie, die zweite die Rheinbrücke und die König-Wilhelm-Kaserne, dazu ein Bildnis des Kaisers und eine kleine galoppierende Husarenpatruille. Beide Karten sind mit deutschen Fahnen sowie Lorbeer- und Eichenzweigen zeitgemäß geschmückt und im ganzen sauber und geschmackvoll ausgeführt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Einspruch gegen weitere Massenschlachtungen. Man schreibt uns: Mit Wirkung vom 8. Mai ist bekanntlich die Bundesratsverordnung vom 25. Januar betreffend die Sicherstellung von Fleischvorräten außer Kraft getreten und die Verpflichtung der Gemeinden zur Ansammlung von Fleischdauerwaren wieder aufgehoben worden. Auch ist die Einstellung der für Preußen eingeleiteten Umlegung von Schweinen auf die Kommunalverbände für die Zentral-Einkaufsgenossenschaft angeordnet worden. Der Deutsche Fleischerverband hat deshalb gegen die Absicht der Zentral-Einkaufsgenossenschaft, zur Erledigung bisher nicht erfüllter Gemeindeaufträge noch Massenschlachtungen von Schweinen vorzunehmen, Einspruch beim Reichsamt des Inneren erhoben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Kriegspokalspiel. Am Pfingstsonntage fand auf dem Sportplatze an der Richard-Wagnerstraße ein Fußballwettspiel zwischen Bonner Fußball-Verein I und Siegburger Sportverein statt. Die Frage war bald gelöst, denn schon nach fünf Minuten Spieldauer führte Bonn mit 2:0 Toren. Bei Halbzeit stand das Spiel 4:1 und zum Schluß 5:2 zu Gunsten Bonns. Das Spiel wurde trotz des warmen Wetters flink und energisch durchgeführt und war auch in Anbetracht der „kriegsstarken“ Mannschaften sehr abwechslungsreich. Sportfreunde hat der Krieg hier in Bonn nur noch wenige hinterlassen.
Beim Spielen fiel gestern ein etwa 4 Jahre alter Knabe in den Rhein. Er wurde von einem vorbeikommenden Manne gerettet.
Der Füllstrich der Biergläser. Der Inhaber einer größeren Gartenwirtschaft erhielt mehrere tausend neuer Biergläser und war in dem guten Glauben vorschriftsmäßiger Lieferung. Indessen fand sich bei der polizeilichen Nachschau eine ganze Anzahl von Gläsern mit falsch angebrachten Füllstrich. Dies hatte nicht nur die polizeiliche Einziehung der betreffenden Gläser, sondern auch eine Bestrafung des Wirtes zur Folge. Er beantragte gerichtliche Entscheidung und behauptete, es sei ihm als Wirt gar nicht möglich, die Richtigkeit des Füllstriches bei mehreren tausend Gläsern nachzuprüfen. Die Verantwortung habe allein der Lieferant zu tragen, dem die Richtigkeit ausdrücklich zur Bedingung gemacht worden sei. Strafkammer und Kammergericht ließen jedoch die Entschuldigung nicht gelten. Die Verantwortung in strafrechtlicher Beziehung trage allein der Wirt,
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Wie kann man noch gegen den Aushungerungsplan der Engländer arbeiten?
Diese Frage kurz beantwortet: man schont die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Dieses wird aber sehr wenig beachtet. Betrachte man sich einmal die Spaziergänger in Gottes freier Natur. Es wird da neben den Wegen hergegangen, sogar in und durch die Felder, ohne dabei zu denken, welcher Schaden angerichtet wird. Gewöhnlich heißt es dann, der Bauer hat doch genug; ein bißchen macht doch nichts aus. Dabei vergißt man, daß jede zertretene Frucht der allgemeinen Volksernährung abgeht. Mit dem Wegwerfen von Streichhölzern sei man ebenfalls vorsichtig, weil im Sommer sich vieles leicht entzündet. Ferner gibt es sogenannte Kornblumentage. Dieses ist an und für sich sehr hübsch. Die Blumen müßten aber künstlich hergestellt werden. Würden die Kornblumen auf den Wegen gepflanzt, so wäre es ja gut, aber dabei bleibt es nicht. Man läuft vielfach in die Getreidefelder hinein. Ganze Familien sind oft in den Feldern vertreten. In der Regel Sonntags in aller Frühe, weil man dann an keinen Flurhüter denkt. Ein Flurhüterkann ja auch nicht Tag und Nacht anwesend sein, dann müßten schon mehrere für den Posten eingestellt werden.
Was nun für Getreidefelder gilt, kommt auch für andere Felder und Wiesen in Betracht. Da möchte ich auch noch an Fronleichnam und sonstige Feste erinnern. Man erweist dem Herrgott keinen Gefallen damit, wenn man Blumen streut, durch welche andern Schaden zugefügt wurde.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Donnerstag, 27. Mai 1915
Ertrunken ist am Sonntag abend auf der Fahrt zwischen Bonn und Wesseling ein 15jähriger Schiffsjunge des „Albertus Magnus“. Der Junge war gegen das Verbot über die Reling geklettert, um mit einem Eimer Wasser zu schöpfen, dabei stürzte er in den Strom und ertrank.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Schnakenplage. In diesem Jahre treten die Schnaken sehr stark auf und haben manchem Pfingstausflügler arg mitgespielt. Namentlich im Kottenforst machen sich augenblicklich diese kleine, aber recht lästigen Tierchen bemerkbar. Sie stürzen sich auf die ahnungslose Menschheit, um heimtückisch ihre Stacheln einzubohren. Salmiakgeist ist ein gutes Mittel gegen diese Plagegeister, aber auch dieses Mittel hilft nicht immer, wenn man den Stich erst merkt, wenn sich das lästige Jucken bereits bemerkbar macht. Vorheriges Einreiben mit einer scharfriechenden Flüssigkeit ist zu empfehlen. Aber ohne ein Fläschchen Salmiakgeist soll man in dieser Zeit überhaupt keine Waldwanderungen antreten. Vor allem aber muß man diejenigen Stellen nicht zum Lagerplatz aussuchen, an denen sich kleine Sümpfe oder Weiher befinden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Drei sonderbare Erzählungen gingen in den letzten Wochen von Mund zu Mund. Danach wurde von einem Knaben bzw. einer Frau bzw. einem Schäfer schon vor einem Jahr vorhergesagt, daß „in diesem Sommer“ der Krieg kommen werde, und auf weiteres Drängen hätten sie sich dann auch über einen Friedensschluß geäußert, der nach der Vorhersage des Knaben im März, nach der der Frau am 27. April, nach der des hellseherischen Schäfers aber im Mai kommen sollte. Alle drei Erzählungen schlossen mit der Beteuerung der Betreffenden: Dies wird sich ereignen, so wahr ich selbst vorher sterben werde, und dann mit der Bekräftigung: der Knabe, die Frau, der Schäfer – ist dann auch wirklich Ende Januar bzw. Februar bzw. März gestorben. Diese Erzählungen zeigen, wie in angstvoll aufgeregten Zeiten, wie der jetzigen, sich die Volksdichtung betätigt, und wie grausam und berechnend sie in allen drei Fällen das Seltsam-Schauerliche jeder einzelnen Weissagung steigert.
Nur hüte man sich, solchen Phantasiegebilden, die sich in veränderter Form sicher wiederholen werden, Glauben zu schenken.
Die jungen Vögel der ersten Brut haben das Nest verlassen. Unbeholfen flattern sie singend und zwitschernd von Ast zu Ast. Verschiedene, immer die Nesthäkchen der einzelnen Bruten, sind noch wenig flügge, erst in ein paar Tagen können sie ordentlich fliegen, wenn sie nicht von Menschen oder Tieren gefangen werden oder sonst zugrunde gehen. Die Vogeleltern sind von früh bis spät beschäftigt, ihren Jungen Futter herbeizuschaffen. Infolge ihrer Unbeholfenheit in der Flugkunst sind die Jungen vorläufig noch sehr zutraulich, aber wehe wenn sich ihnen Menschen oder gar Katzen oder sonstiges Getier nähern sollten. Die Alten, welche ihre Vogelkinder fortwährend im Auge behalten, erheben dann ein fürchterliches Angst- oder Warnungsgeschrei und umfliegen in allernächster Nähe die Betreffenden, bis er sich entfernt hat oder bis das junge Vögelchen davongeflogen ist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 28. Mai 1915
Rheinische Lehrer im Krieg. Nach der letzten Aufstellung der „Westdeutschen Lehrerzeitung“ sind bis jetzt aus dem Rheinland 451 Lehrer gefallen, verwundet sind 324 und das Eiserne Kreuz haben 512 erworben.
Das Guvernement der Festung Köln verordnet für den Festungsbereich: Es ist verboten, daß Privatpersonen, ohne schriftliche Genehmigung der zuständigen Polizeibehörde, Waren, gewerbliche Leistungen oder Darbietungen (auch theatralische oder musikalische) mit dem Hinweis anbieten oder ankündigen, daß der Ertrag ganz oder zum Teil zum Besten einer für Kriegszwecke geschaffenen Wohltätigkeits-Einrichtung bestimmt ist. Zuwiderhandlungen werden aufgrund des § 9 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, wenn die bestehenden Gesetze keine höhere Strafe bestimmen.
Die Kartoffelpreise beginnen zu sinken, das verspürt man mit Genugtuung auch schon in unserer Stadt. Aller Voraussicht nach werden die Preise noch weiter sinken. Aus Leutesdorf wird uns z. B. berichtet: Dieser Tage wurde hier ein Waggon Kartoffeln zum Verkauf ausgesetzt, der Zentner zu 5 M. Da sich aber wenig Absatz zeigte, wurde der Preis später auf 3 M. herabgesetzt. – Wären die jetzt noch vorhandenen Vorräte rechtzeitig auf den Markt gebracht worden, anstatt da sie nun vielleicht gar keine Abnehmer mehr finden und verkommen, dann wäre eine solche Preistreiberei, wie sie in den Wintermonaten entstanden war, überhaupt nicht eingetreten. Es ist dringend zu wünschen, daß die Kartoffeln der neuen Ernte zu angemessenen Preisen in die Hände der Verbraucher gelangen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Siegeszuversicht. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: Während eines Gespräches, das ich Pfingstsonntag auf dem Bahnhof zu Euskirchen mit der Begleitmannschaft eines Pferdetransportes hatte, erhielt ich auf meine Frage: „Nun, was sagen Sie dazu, daß jetzt Italien auch noch anfängt?“ von einem Soldaten die Antwort: „Ach, da machen wir ein paar Ueberstunden, dann schaffen wir das auch noch!“
Städtischer Verkauf von Lebensmitteln. Der Preis der städtischen Kartoffeln ist auf 5 Mark für den Zentner herabgesetzt worden. Der Reisverkauf, welcher bisher jeden Dienstag stattfand, ist für die Sommermonate eingestellt worden. Da der Andrang zum Fleischverkauf immer stärker wird, findet von nächster Woche ab, außer Samstags nachmittags, auch Dienstags vormittags von 9 – 12 Uhr Verkauf von Schinken, Speck und Dauerwurst zu den bisherigen Preisen statt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Fürstlich Schaumburg-Lippische Kriegsauszeichnung haben wegen ihrer Verdienste um die Bonner Verbands- und Erfrischungsstelle Prinzessin Viktoria in Lille verliehen erhalten: Beigeordneter Richard Piehl, Oberstabsarzt Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Hans Leo, Rechtsanwalt Johannes Henry, Bankdirektor Carl Weber und Bureaudirektor Jakob Dietz in Bonn.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 29. Mai 1915
Der Deutsche Wehrmannsbund für Schießen mit Militärwaffen erläßt folgenden Aufruf, in dem es heißt: „Jeder Wehrfähige erfülle seine Pflicht gegen das bedrohte Vaterland und stärke seine Wehrkraft durch Ausbildung im Schießen. Gelegenheit dazu bietet der Deutsche Wehrmannsbund. Er bezweckt die Hebung der Wehrkraft durch Ausbildung und Uebung im Schießen mit Militärwaffen. Unterstützt wird dieses patriotische Bestreben des Wehrmannbundes durch Beitritt als Mitglied, durch Gründung von Unterverbänden, durch Stiftung von Waffen und Barmitteln für seine Zwecke. Anfragen, Beitrittserklärungen, Spenden usw. sind zu richten an die Geschäftsstelle des Deutschen Wehrmannbundes, Berlin, Schloß Schönholz.
Über ernste sittliche Frauenpflichten zur Kriegszeit wird Freitag nächster Woche im Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe Frau Dr. Wegscheider-Ziegler sprechen. Zu dem Vortrag, der im Dreikaisersaal stattfindet und abends 8½ beginnt, ist der Eintritt frei.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine allgemeine Wallfahrt der katholischen Männer und Jünglinge Bonns zur Erflehung eines siegreichen Friedens findet Sonntag nachmittag 3 Uhr zum Kreuzberg statt. Die Prozession geht vom Martinsplatz vor der Münsterkirche aus. Die Beteiligung verspricht außerordentlich groß zu werden, da sich außer den Angehörigen der verschiedenen Pfarreien eine Anzahl Vereine sowie Soldaten und Verwundete an dieser Bittprozession beteiligen. Auch ein Musikkorps wird die Wallfahrer begleiten.
Verkauf von Waffen. Wie das Generalkommando des 8. Armeekorps entschieden hat, ist der Verkauf von Waffen mit Munition und Degen an Offiziere und obere Militärbeamte ohne weiteres gestattet. Für die übrigen Militärpersonen bleibt es bei dem bisherigen Verfahren. Die Waffenhändler haben über den Verkauf der Waffen genau Buch zu führen.
Unfall. Ein Metzgereiauto stieß heute morgen 7 Uhr an der Ecke Reuterstraße – Bonnertalweg mit einem Radfahrer zusammen. Der Radfahrer wurde schwerverletzt in ein benachbartes Haus gebracht.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Café Königshof. Die Direktion des Königshofes teilt uns mit, daß sie, dem Wunsche ihrer Caféhausbesucher entsprechend, von heute ab Café und Terrasse bis abends 11 Uhr geöffnet hält.
Gegen ansteckende Krankheiten. Um den Gefahren der Entstehung und Ausbreitung ansteckender Krankheiten rechtzeitig vorzubeugen, soll nach höheren Orts erlassenen Anordnungen die öffentliche Sanitätspolizei in den Sommermonaten besondere Vorkehrungen treffen. Vorgefundene sanitäre Mißstände sollen unverzüglich abgestellt werden.
Sanitätshunde. Bei der hiesigen Meldestelle hat wieder ein neuer Ausbildungskursus begonnen. In nächster Zeit werden mehrere Ersatzhunde für im Felde unbrauchbar gewordene Hunde erforderlich. Hundebesitzer, die ihre Hunde – auch Hündinnen – zur Ausbildung als Sanitätshund zur Verfügung stellen wollen, werden gebeten, diese bei dem Leiter der Meldestelle, Herrn Polizei-Kommissar Flaccus, Kirsch-Allee 23 wohnhaft, anzumelden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 30. Mai 1915
Bonner Wehrbund. An den beiden Pfingsttagen unternahmen 38 Mitglieder des Bonner Wehrbundes unter Führung von Geheimrat Brinkmann eine gemeinsame Wanderung in die Eifel. Der Marsch begann in Brück an der Ahr und führte am ersten Tage bis Kelberg. Auf der Hohen Acht wurde Mittagsrast gehalten, auf der Nürburg gemeinsam der Kaffee eingenommen. Gegen 7 Uhr rückte die Jungmannschaft mit festem Tritt unter dem Gesang vaterländischer Lieder in Kelberg ein und vor das Pfarrhaus, in dessen Scheune Herr Pfarrer Eisvogel in liebenswürdiger Weise kriegsmäßiges Quartier dargeboten hatte. Am anderen Morgen nach dem Gottesdienst und dem von Herrn Pfarrer und Herrn Dr. med. Zimmer gütigst gespendeten Kaffee verabschiedete sich der Wehrbund mit dankbarem Heilruf von dem gastlichen Pfarrhause und zog durch das Liesertal nach Daun. Auf dem Mäuseberge an einer frischen Quelle wurde gerastet, aus den Vorräten des Rucksackes zu Mittag gegessen, von vielen auch die Gelegenheit zu erquickendem Bade im Gemündener Maar benutzt. Dann ging es zu den beiden anderen Maaren und nach Daun zurück, von wo nach gemeinsamen Kaffee um 6 Uhr die Rückfahrt angetreten wurde. Mit kräftigem Hurra auf Kaiser und Reich trennte man sich um 11 Uhr vor dem Bonner Bahnhof. – Wacker haben die Teilnehmer die Strapazen des Marsches bei großer Hitze und auf meist wenig bequemen Wegen überwunden, wacker haben sie auch treue Kameradschaft unter
einander gehalten. So wird ihnen allen die Wanderung mit ihren gemeinsamen Erlebnissen und den herrlichen Eindrücken hoher Naturschönheiten dauernd eine köstliche Erinnerung bleiben. Am Samstag trat der Wehrbund zu einer Abendübung an der Nordschule an.
Die Brotkarten in Kur- und Badeorten. Die Reisezeit hat begonnen, und es wird mancher sich darüber Kopfzerbrechen gemacht haben, wie es an dem Orte, den er als seinen Erholungsaufenthalt wählt, mit der Brotkarte wird. Die Frage ist nunmehr durch einen Erlaß des Ministers des Innern geregelt worden. Kur- und Badegäste erhalten Brotkarten nur gegen Vorzeigung eines Brotkartenabmeldescheins, der vor der Abreise im Wohnort auszustellen ist und auf dem angegeben ist, daß der Abreisende für sich und seine Begleitung für die Dauer der Abwesenheit vom Wohnort keine Brotkarten erhalten hat. Wer also an seinem Erholungsort keine Weitläufigkeiten mit der Brotkarte haben will, versäume nicht vor der Abreise, sich einen Brotkartenabmeldeschein ausstellen zu lassen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Bubenstreich. Auf den um 7.42 Uhr hier abends abgehenden Personenzug wurde am Freitag in unmittelbarer Nähe des Wasserturmes und Bahnwärterhäuschens am Marflacherweg in Godesberg von schulpflichtigen Knaben mit Steinen geworfen. Ein Wurf durchdrang das Glasfenster auf der Lokomotive und brachte dem Lokomotivführer eine erhebliche Verletzung am Auge bei. Die polizeiliche Untersuchung wurde sofort veranlaßt.
Ein alter Dieb wurde gestern von der Strafkammer zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Er hatte in Kessenich einen Hobel und zwei der Kirche gehörige Tücher, sowie in Poppelsdorf zwei Enten gestohlen. Ferner hatte er versucht, in Poppelsdorf eine Ziege zu stehlen. Dem Tier hatte er bereits einen Stich in den Hals beigebracht, sodaß es am anderen Morgen tot im Stalle aufgefunden wurde.
Wegen Vergehens gegen die Bäckereiverordnung des Bundesrats wurde ein Bäcker aus Godesberg, der mehr Mehl verbacken hatte, als ihm zugestanden war, zu 60 Mk. Geldstrafe verurteilt. In zwei Sachen erfolgte Vertagung. Die eine Angeklagte hatte Keks verkauft. Sie behauptete, dieser Keks hätte genau der für Bonn erlassenen Bäckereiverordnung entsprochen. Eine zweite Angeklagte behauptete, sie habe sich bei der Einreichung ihrer Bestandnachweisung geirrt, indem sie die Zahl der Säcke Mehl statt der Zentner angegeben habe.
Eine Denkmünze aus Kriegsgeschoßmaterial erhielt der Schüler des hiesigen Königlichen Gymnasiums Karl Barthels. Er hatte seine umfangreiche Sammlung von Medaillen und ausländischen Münzen und sein reichhaltiges Briefmarkenalbum dem Zentralkomitee des preußischen Roten Kreuzes in Berlin zur Verfügung gestellt.
Warnung vor überstürzten Zuckereinkäufen. Man schreibt uns: An die Hausfrauen ist schon wiederholt die Warnung ergangen, nicht größere Mengen Zucker einzukaufen, als sie im Augenblick benötigen. In Händlerkreisen wird sehr darüber geklagt, daß Hausfrauen, die früher ein halbes Pfund oder höchstens ein ganzes Pfund Zucker gekauft haben, heute 5, 10 und mehr Pfund fordern. Die Hausfrauen befürchten, daß es demnächst überhaupt keinen Zucker mehr gebe, oder daß unerschwingliche Preise dafür gezahlt werden müßten. Diese Befürchtungen sind grundlos. Die augenblickliche Zuckerknappheit ist in erster Linie auf die Angsteinkäufe der Hausfrauen zurückzuführen; dann aber auch können die Zuckerfabriken dadurch, daß ihnen von der Regierung nur ein bestimmtes Quantum an Rohmaterial geliefert wird, nicht allen übermäßigen Auftragen gerecht werden. Dazu kommt noch der augenblickliche Arbeitermangel, der Mangel an Wagen zum Verladen usw. Von Preistreibereien kann dadurch wirksam entgegengetreten werden, daß jeder heute nur die Menge einkauft, die er benötigt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Viehfutter am Wegrand. Man schreibt uns: „In reichen Gegenden des Westens der Monarchie findet sich an den Wegrändern oft eine üppige Vegetation, die vollkommen unbenutzt bleibt. Ist dies der Fall, so hat der Landmann noch Schaden davon. Die ungenutzten Wegränder sind nämlich eine Heimstätte des Unkrauts. Von hier aus wird der Unkrautsamen vom Wind auf die Felder getragen, wodurch nicht selten das Wachstum der Kulturpflanzen schwer behindert wird. Schon aus diesem Grunde ist ein mehrmaliges Abweiden oder Abmähen der Wegränder dringend zu empfehlen. Der hierfür zu entrichtende Zins kann sehr gering bemessen werden. Unbedingt nötig ist dabei freilich, daß demjenigen, der das Nutzungsrecht erhält, die Nutzung auch zur Pflicht gemacht wird.“ H. P. Wamser.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 31. Mai 1915
Über mutwillige Beschädigungen der Telegraphenanlagen wird besonders in neuerer Zeit wieder geklagt. Hauptsächlich werden durch Kinder zahlreiche Porzellan-Doppelglocken mutwillig zertrümmert und dadurch die öffentlichen und militärischen Interessen gefährdet. Für die Ermittelung der Täter von vorsätzlichen oder fahrlässigen Beschädigungen gewähren die Ober-Postdirektionen Belohnungen bis zu 15 Mark.
Pilze. Die heutigen schwierigen Zeiten erfordern es, alle der Volksernährung gebotenen Mittel voll auszunutzen. In Deutschland gibt es über 200 Pilzarten, von denen über ein Viertel gute Speisepilze sind. Nur sieben Arten sind giftig. Der größte Teil dieses Nahrungs- und Genußmittels, dessen Jahresernte einen Wert von vielen Millionen Mark hat, geht nun in Deutschland verloren. Tausende von Zentnern des schmackhaften und nahrhaften „Pilzfleisches“ kommen jährlich unnütz um. (...) Jedenfalls wäre es sehr erwünscht, wenn die Kriegsnöte mit dazu beitragen möchten, das Interesse für die Schwämme zu wecken und die unglaubliche Unkenntnis auf diesem Gebiete zu beseitigen. Die deutsche Volksernährung würde dadurch um einen wesentlichen Faktor bereichert werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Wallfahrt zum Kreuzberg ging gestern gegen Vormittag unter ungemein starker Beteiligung vor sich. Es nahmen daran teil die katholischen Jugendvereinigungen der Stadt, der katholische Arbeiterverein Kessenich, der katholische Gesellenverein und der Katholische Verein, der Kath. kaufmännische Verein, das Zentralkomitee der Katholiken Bonns, der katholische Arbeitervereine sowie die Junggesellensodalität und die Männerkongregation der Münsterpfarre. Außerdem bemerkte man in dem riesigen Wallfahrtszuge eine große Zahl von verwundeten Soldaten aus den Bonner Lazaretten, sowie zahlreiche Männer aus den verschiedenen Pfarreien. (...)
Die Wallfahrt, die der Erflehung eines erfolgreichen Friedens für unser deutsches Volk und Vaterland galt, bot durch die Stärke der Beteiligung aus allen Schichten unserer Bürgerschaft ein erhebendes Bild der gottgläubigen kirchlichen katholischen Gemeinschaft unserer lieben Vaterstadt.
Hoch oben auf dem Kreuzberg, der die Scharen der Wallfahrer kaum zu fassen vermochte, fand ein Bittgottesdienst in der freien Gottesnatur statt, wo Pater Dosetheus von der heiligen Stiege der Kreuzbergkirche aus über die religiösen Pflichten des katholischen Mannes in der Jetztzeit eine packende, tief zu Herzen dringende Ansprache hielt, die bei allen Teilnehmern unverwischlich im Gedächtnis haften dürfte.
Der geistliche Redner gedachte des Lenkers aller Schlachten, in dessen Hand die Geschicke aller Völker ruhen, und um dessen gütigen Beistand in dem großen Ringen zu bitten, echte Christenpflicht sei. Auch der furchtbaren Folgen dieses Weltkrieges, der armen zurückgebliebenen Witwen und Waisen der auf dem Felde der Ehre gefallenen Kämpfer gedachte P. Dosetheus, bei dessen Worten wohl kaum ein Auge trocken blieb.
Ganz eigenartig berührte es, daß während der Ansprache vor der tausendköpfigen gläubiggen Menge, die dichtgedrängt auf dem im Frühlingskleide prangenden Kreuzberg vereinigt war, die Vögel im Gezweig friedvoll ihre Lieder sangen, während die Herzen der Gläubigen von dem Ernst der kriegerischen Ereignisse, die der Redner vor ihrem geistigen Auge entrollte, tief erfüllt waren.
Möge der Geist, der diese Wallfahrt erfüllte, in unserem Volke lebendig bleiben und unserem geliebten Vaterlande auch tatsächlich der Friede beschieden sein, der gestern von dieser vielköpfigen Schar gläubiger Katholiken auf der Kuppe des Kreuzberges heiß und inbrünstig erfleht worden ist.
Zur neuen Kartoffelernte. Infolge des günstigen Wetters verspricht die diesjährige Kartoffelernte ganz besonders reich zu werden. Die Frühkartoffeln sind teilweise schon an der Blüte und in den nächsten zwei Wochen dürften die ersten neuen Kartoffeln auf den Markt kommen. Es liegt im Interesse vieler, den Bedarf an alten Kartoffeln nur noch pfundweise einzukaufen, da der Preis der neuen Kartoffeln wohl kaum denjenigen der alten übersteigen wird. Auch sonst diene für ängstliche Gemüter zur Beruhigung, daß keine Nahrungsmangel eintreten kann, da für dieses Jahr in allem eine gute Ernte bevorsteht, wie wir sie seit langen Jahren nicht gehabt haben.
Das Ende des zeitweiligen Zuckermangels. In Berlin wird amtlich gemeldet: Der Bundesrat hat in der vorgestrigen Sitzung für die Zeit nach dem 31. Mai 1915 weitere fünfzehn Hundertteile des Kontingents der Rohzuckerfabriken zum steuerpflichtigen Inlandsverbrauch freigegeben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Zum Fremdwörterunwesen. Die Zeitungen und Zeitschriften bringen jetzt wieder haufenweise das Wort Saison. Es ist die Modesaison und die Badesaison angebrochen. Was ist denn Saison? Offenbar soll mit diesem häßlichen Fremdwort zweierlei ausgedrückt werden: ein begrenzter Zeitabschnitt, also eine Frist, und ein Etwas, das diesen Zeitabschnitt vor allen anderen heraushebt, also etwas Hohes. Wäre demnach Saison nicht recht gut mit Hochfrist wiederzugeben? Die Hochfrist der Sommermode, die Hochfrist der Badezeit lautet zudem gar nicht übel. P. A.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)