Bonn 1914-1918
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Dienstag, 26. Januar 1915 

 

Postdienststunden an Kaisers Geburtstag. Am 27. Januar, dem Geburtstage S. M. des Kaisers, sind die Postschalter beim Hauptpostamt und bei sämtlichen Zweigstellen von 8–9 Uhr vorm. Und von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags geöffnet. Es findet eine einmalige Brief-, Geld- und Paketbestellung statt. Die Briefbestellung beginnt um 10¼, die Geld- und Paketbestellung um 8 Uhr vormittags.

 (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Januar 1915Der Bonner Wehrbund machte am Sonntag nachmittag nach einem gemeinsamen Exerzieren aller Abteilungen auf dem Venusberg eine Geländeübung, die einer Partei die Aufgabe stellte, alle Zugänge zur Gronau zu besetzen, während die andere Partei, die von einer starken Abteilung des Königlichen Gymnasiums gebildet wurde, sich über Dottendorf der Gronau zu nähern hatte. Die angreifende Partei benutzte bei ihrem Anmarsch Wege, über deren Zulässigkeit für den aufgestellten Uebungsplan verschiedene Ansicht bestehen konnte, es gelang ihr aber, ihre Annäherung derartig zu verschleiern, daß es ihr gelang, die Gegenpartei unbemerkt von allen aufgestellten Wachen und Patrouillen auf der Gronau vollständig zu überraschen. An die Uebung schloß sich noch eine Aufstellung und ein Vorbeimarsch der Abteilungen auf dem Kaiserplatz zur Vorbereitung des dort am nächsten Sonntag nachmittag stattfindenden Appells an.

Die Bonner Liedertafel gab am Sonntag ihr 25. Konzert seit Kriegsausbruch zur Aufheiterung verwundeter Krieger. Zu diesem „Jubiläums-Konzert“ hatten sich über 100 Sänger im Vereinslazarett von der Heydt in Godesberg eingefunden. Musikdirektor Josef Werth hatte ein Programm zusammengestellt, das wohl imstande war, alle Gemütsregungen der Zuhörer in Schwingung zu bringen. Insbesondere waren es wiederum die schlichten Weisen des Volksliedes, mit denen sich die Sänger in die Herzen unserer braven Feldgrauen hineinsangen. Der reiche Beifall, noch mehr aber die freudigen aufmerksamen Mienen der Soldaten bewiesen das zur Genüge. Fräulein Luise Kau und Herr Heinz Mirgel erfreuten durch Einzelvorträge. Auch sie fanden für ihre geschmackvollen Vorträge herzlichen Beifall. Nach freundschaftlicher Verabschiedung und nachdem das Versprechen gegeben, recht bald wieder einmal nach Godesberg zu kommen, wurde die Rückfahrt dieser Jubiläums-Sangesfahrt angetreten.

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Januar 1915Kriegshilfetag. Von der Stadtverwaltung wird uns geschrieben: Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Helferinnen, die für die Kriegshilfe der Stadt Bonn sammeln, durch eine polizeilich abgestempelte Armbinde mit der Bezeichnung „Kriegshilfstag der Stadt Bonn“ und eine polizeilich abgestempelte Ausweiskarte legitimiert sind. In den letzten Tagen sollen von Unbefugten angeblich für das Rote Kreuz Postkarten verkauft worden sein. Dieser Postkartenverkauf hat mit der Vereinigung vom Roten Kreuz der Stadt Bonn nichts zu tun. Es wird daher vor derartigen Verkäuferinnen eindringlich gewarnt. Die Sammlung für die Kriegshilfe findet nur am 27. und 28. ds. Mts. statt.

Stadttheater. Man schreibt uns: An Stelle einer Festvorstellung zu Kaisergeburtstag, welche nach den erlassenen Bestimmungen unterbleiben soll, hat die Theaterleitung für den Vorabend drei recht geeignete, von patriotischem Geist getragene Stücke zu einem Vaterländischen Abend verbunden und auf ihre Einstudierung viel Mühe verwandt, die hoffentlich einen entsprechend guten Besuch zeitigen wird. Die in den Titeln Vorwärts, Woerth und Das Eiserne Kreuz angedeuteten geschichtlichen Stoffe, bei welchen die Vermeidung von direkten Beziehungen zur Gegenwart nur angenehm empfunden werden wird, lassen erwarten, daß auch hier weilende Krieger (Genesende und andere) und Schüler die Gelegenheit benutzen werden, um den wichtigen, diesmal aber still verlaufenden Tag würdig einzuleiten. Zur Verteilung an Soldaten empfiehlt sich die Verwendung von Dutzendkarten; für die heranwachsende Jugend haben die billigen Schülerkarten Geltung.

Keine Maskeraden zu Karneval! In der heutigen Nummer unseres Blattes macht die Polizeiverwaltung bekannt, daß die sonst üblichen Veranstaltungen an den Fastnachtstagen nicht gestattet werden. Es wird darauf hingewiesen, daß eine polizeiliche Erlaubnis zu solchen Veranstaltungen auf keinen Fall erteilt werden wird, und daß Maskeraden auf den Straßen und in den Wirtschaften nicht geduldet werden.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Reichs-Zeitung vom 26. Januar 1915Ein junges Mädchen, die 19jährige Anna Busch aus der Kommanderiestraße, ist gestern morgen schwer verunglückt. Als sie früh um ½6 Uhr in der Brückenstraße auf das Trittbrett der schon abfahrenden Siegburger Bahn springen wollte, stürzte sie und kam mit dem rechten Bein unter die Räder. Der Unterschenkel wurde ihr abgefahren. Man legte ihr im Lazarett der Beethovenhalle den ersten Verband an und brachte sie dann in die Klinik. Ihr Befinden ist noch sehr bedenklich.
   Wir berichteten erst vor wenigen Tagen von einem jungen Manne, der an der Rheinbrücke auf dieselbe Weise verunglückt ist, jedoch ohne so schlimme Folgen davongetragen zu haben. Dieser schwere Unglücksfall sollte doch nun endlich jedem eine ernste und dringende Mahnung sein. Das junge Mädchen wollte pünktlich in der Geschoßfabrik sein, wo es arbeitete. Der Rüffel, der ihm das Zuspätkommen eingetragen hätte, wenn es erst mit dem folgenden Zug in Siegburg angekommen wäre, ja selbst der Verlust der Stelle wäre bei weitem nicht so schmerzlich gewesen, als diese Folge ihrer Unbedachtsamkeit.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Beuel, 26. Jan. Der kath. Bürgerverein Beuel wird die diesjährige Kaisergeburtstagsfeier am Sonntag den 31. Januar abends 8 Uhr im Vereinslokale Gasthof zur Rheinlust durch einen Kriegsvortrag des Herrn Kaplan Lüstraeten und entsprechende Ansprachen sowie Gesangvorträge gebührend begehen. Ist von einem rauschenden Feste auch Abstand genommen worden, so glaubte der Verein doch die Pflicht zu haben, den Ehrentag des obersten Kriegsherrn nicht vorübergehen lassen zu dürfen, ohne dem Schirmherrn des Vaterlandes auch öffentlich in treuer Liebe zu gedenken.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Umgegend“)

Anzeige in der Reichs-Zeitung vom 26. Januar 1915Das letzte Wort. Wenn Alkoholabstinenten und Gegner der Alkoholabstinenz miteinander streiten, ist noch niemals Einigkeit erzielt worden. Jeder hat Gründe und – wie er meint – Beweise für die Richtigkeit seiner Auffassung, jeder kann medizinische Gutachten und Beispiele aus dem Leben anführen, und schließlich – jeder hat Recht. Denn die Abstinenzfrage ist ebensosehr eine Frage des persönlichen Geschmacks und des körperlichen Wohlbefindens, wie es der Vegetarismus ist. Dem Einen schadet auch eine kleine Menge alkoholischer Getränke, der andere meint, im Interesse seiner Gesundheit von Zeit zu Zeit einen oder zwei Schoppen trinken zu müssen. Weil das von jeher so war, wird es auch in der Zukunft immer Alkoholproduzenten und Alkoholkonsumenten geben. Der „Cand. phil. C.“ hat darum Unrecht, wenn er meint, auf die „Sonderinteressen“ der Wirte und der ihm nahestehenden Gewerbe brauche keine Rücksicht genommen zu werden. Tausende, ja Millionen Menschen im deutschen Reiche leben vom Gastwirtschaftsbetrieb. Die Mehrzahl aller Deutschen unterstützen das Gastwirtschaftsgewerbe. Und da meint der „Cand. phil“, auf alles das brauche keine Rücksicht genommen zu werden! Ich sage: es ist unsere Pflicht, den durch den Krieg sehr in Bedrängnis geratenen Wirten zu helfen und ihre Lage durch eine frühe Polizeistunde nicht noch mehr zu erschweren. Es ist unsere Pflicht – trotz der „Weisheit“ eines Cand. phil., und trotz der Bemühungen der übrigen Rufer nach einer frühen Polizeistunde, eine Pflicht, deren Nichtachtung zu sehr schlimmen Folgen führen könnte. Die maßgebenden Stellen der Behörde besitzen – dessen bin ich gewiß – die rechte Einsicht und werden sich um das Geschreibsel recht wenig kümmern. Das ist mein letztes Wort. Ein Wirt.

„Wir sind oft verlegen um gute Zeitungen“ versicherte mir gestern der Chauffeur eines Kriegsautos des 8. Armeekorps, als ich ihm ein Paket Zeitungen für die Soldaten in den Schützengräben übergab. Gern nähme ich noch mehr mit, wenn ich dieselben bekommen könnte, unsere Soldaten sind so dankbar für jede wahrheitsgetreue Berichterstattung. Ich fahre heute noch bis Namur, und am Samstag an die Front.“
   Wir dürfen eigentlich keine Gelegenheit die sich uns bietet vorüber gehen lassen, ohne daß wir unsern tapfern Helden im Felde zur besten Lektüre zu verhelfen suchen. Hier in Bonn können wir auf die einfachste Weise dies tun, da so viele Kriegsautos unsere Stadt durchfahren. Man kann dieselben des öfteren zur kurzen Rast vor Gasthäusern, der Post, dem Rathause oder sonst wo halten sehen. Bonn ist nicht so groß, als daß man dann nicht schnell nach Hause eilen könnte, um ein Pack Zeitungen zur Mitgabe zu holen. Nicht nur die Erwachsenen, sondern auch ihre Kinder, namentlich die größeren Knaben, die ihr so gern unseren tapferen Soldaten eine Freude bereiten möget, hier ist euch Gelegenheit dazu geboten. Wenn ihr ein Kriegsauto irgend wo stehen seht, dann geht schnell nach Hause und bittet eure Mutter um ein Paket der „Deutschen Reichszeitung“ und bringt dieselbe eiligst hin. Es ist ein Gruß aus der Heimat. Wenn die Soldaten dann später erfahren, daß sie durch euch Kinder zu so guter Lektüre gekommen sind, so werden sie sich doppelt freuen. Ihr braucht nur an der Türe des betreffenden Hauses wo das Kriegsauto hält, zu warten bis der Chauffeur heraustritt, und gebt ihm dann mit den Worten „für die Soldaten“ die „Deutsche Reichszeitung“ in die Hand. Haltet immer ein Paket Zeitungen bereit. Ihr braucht dieselben nur sorgfältig aufzuheben, zu ordnen und mit einem Bindfaden über’s Kreuz zu verschnüren. G. T.

Städtischer Kartoffel-Verkauf. Eine unbemittelte Frau erzählte mir, daß sie vor einiger Zeit an der Verkaufsstelle Ecke Thomasstraße 2 Zentner Kartoffel für 8,50 Mark gekauft habe. Diese seien grün, schwarz und halb faul. Ich habe mich darüber nicht gewundert, denn wer wie ich das Ausladen dieser Kartoffel beobachtet hat, konnte dies voraussehen. Die Kartoffel wurden beim Ausladen schlimmer behandelt als Kohlen. W.

Anzeige in der Reichs-Zeitung vom 26. Januar 1915In Koblenz wurde am Sonntag eine Bekanntmachung angeschlagen, daß von nun ab sämtliche Wirtschaften, Kasinos usw. um 12 Uhr abends zu schließen sind. Animierkneipen, Schnapsschänken usw. um 10 Uhr und früher. Ich dachte mir es wird dann wohl auch bald in Bonn ein Licht aufgehen! Die Bäcker, Metzger usw. sollen froh sein, daß die Leute sich nicht so lange in den Wirtschaften aufhalten und das Geld versaufen, denn dann bleiben die Leute kaufkräftiger und die Rechnungen werden jedenfalls prompter bezahlt. Also Polizeistunden 11 Uhr oder 12 Uhr spätestens. Kein Bierbankgeneralstäbler.
(Wir schließen hiermit die Diskussion über dieses Thema. Die Red.)

Zu viel des Guten! Unsere in der Genesung befindlichen Verwundeten werden in Vorträge, Konzerte, Theatervorstellungen und überall dahin geführt, wo die „Gesellschaft“ Zerstreuung sucht. Daß man damit den Kriegern nicht immer einen Gefallen erweist, geht aus der Antwort hervor, die ein Verwundeter einem Arzt gab. Auf die Frage, wie es ihm in der „Götterdämmerung“ gefallen habe, erwiderte er: „Lieber drei Tage Schützengraben“!
   Diese offenherzige Antwort gibt Geheimrat Schwalbe in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift Veranlassung zu prüfen, ob in der „Auffrischung“ der rekonvaleszenten Krieger nicht etwas zu viel des Guten getan wird. (...) „Ich habe“, sagte Schwalbe, „einige Hundert Soldaten in dem Vortrag eines nationalökonomischen Professors über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges gesehen und durch Betrachtung mancher Gesichter den Eindruck gewonnen, daß diese einfachen Männer dem (für mich außerordentlich interessanten) Vortrage, der in einem überfüllten, sehr warmen und schlecht ventilierten Saale stattfand, einen Spaziergang im Freien oder doch ein einfaches Spiel vorgezogen hätten. Diese Wahrnehmung habe ich in langdauernden Opern- und Theatervorstellungen machen können.“
   Man kann sie auch in Bonn machen. Die Verwundeten werden hierhin und dorthin eingeladen, heute zum Kaffee, morgen zum Tee, übermorgen zu einem Vortrag, dann ins Theater oder ins Konzert. Ob das nicht manches Mal zu viel des Guten ist? C. K.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Mittwoch, 27. Januar 1915 

 

Anzeige in der Reichs-Zeitung vom 27. Januar 1915Sammelt altes Metall zum Nutzen unseres Vaterlandes! Auf diesen Aufruf im heutigen Anzeigenteil möchten wir ganz besonders aufmerksam machen. Alle können hier mitwirken, die Großen und die Kleinen, alle können sammeln helfen, denn in jedem Haushalte finden sich Gegenstände aus Aluminium, Blei, Zinn, Messing, besonders auch Kupfer, die nicht mehr gebraucht werden. Da ist es die vaterländische Pflicht eines jeden, diese Metallsachen den Sammelstellen zu überweisen, damit sie wieder nutzbar gemacht werden können zum Dienste des Vaterlandes. Das feindliche Ausland, besonders England sucht unsere Metallzufuhr zu hindern. Da heißt es, auch in diesem Punkte zu zeigen, was deutsche Art und Sparsamkeit vermögen. Sagt nicht, das, was ich habe, ist zu wenig, gebt auch die kleinste Gabe, viele Wenig machen ein Viel. Das gesammelte Metall wird nur für Lieferungen an das Heer und die Marine verwendet. Der Erlös fließt unseren Kriegsinvaliden zu. Diesem doppelten Zwecke der Sammlung sollte jeder dienen, keiner darf sich ausschließen. Sammelstellen hier in Bonn sind aus der Anzeige ersichtlich.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Schneefall. An den beiden letzten Tagen traf wiederholt Schneefall ein. Während sich in den Straßen der Schnee bald in Schmutz und Wasser auflöste, blieben die umliegenden Felder und Höhen mit einer weißen Schneedecke überzogen. Allenthalben sah man die Jugend mit Schlitten vor die Stadt ziehen, um sich dort in frischfröhlicher Fahrt zu ergötzen. Ueber Nacht trat Frost ein und heute früh waren die Wege durch das Glatteis schwer zu begehen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige in allen Bonner Tageszeitungen vom 27. Januar 1915Der Geburtstag unseres Kaisers
muß in diesem Jahre eine Dankesabtragung an unseren edlen Herrscher sein. Das deutsche Volk darf und wird es seinem Kaiser nimmer vergessen, wie er mit aller Kraft in den unvergeßlichen Julitagen 1914 den Frieden aufrecht erhalten wollte. Vertrauensvoll schaute die Welt auf ihn, und als die letzten Wege vergeblich gegangen, da stand das deutsche Volk auf und scharte sich wie ein Mann um seinen Herrscher. Der Kaiser hat seine erzenen, wunderbaren Worte, die er in der denkwürdigen Reichstagssitzung gesprochen, herrlich gehalten. Kaisers Geburtstag ... Und der Kaiser im Felde bei seinem Heere! Deutschland umstellt von Feinden. Ueberall jedoch die eisernen Mauern unserer Armeen, die den Frieden im Lande schützen. Unseres Kaisers Friedens-Kulturarbeit bewährt sich selbst in diesem Völkerringen, in dem er mit zäher Energie, mit eiserner Macht, sein Land vor den beutegierigen Feinden bewahrt. Es mag sich wohl von selbst verstehen, daß in solcher Zeit allerorten von Kaiserfeiern im Kommersstil abgesehen wird, es wäre unwürdig. Dagegen finden heute auf Wunsch des Kaisers in den Kirchen Deutschlands Festgottesdienste statt. Die Volksschulen begehen den Kaisersgeburtstag still und schlicht in den Klassenzimmern, der Kreis-Krieger-Verband Bonn-Stadt wird von einer öffentlichen Feier Abstand nehmen, dahingegen an den Festgottesdiensten in allen Kirchen der Stadt Bonn sich beteiligen. Abordnungen aller Krieger- und Militärvereine des Verbandes werden mit Fahnen und Standarten in der Münsterkirche, evangelischen Kirche, Synagoge und in der Altkatholischen Kirche vertreten sein.
   Die Festgottesdienste beginnen in allen Kirchen Bonns vormittags um 10 Uhr.
   Und so wird heute All-Deutschland voll Dankbarkeit und Zuversicht seine Gedanken auf unseren Kaiser lenken, der heute vermutlich in das bedeutungsvollste Jahr seiner Regierung tritt. Und wir alle wollen uns wieder ins Gedächtnis rufen, was der Monarch zu seinen Soldaten sagte, als er 1888 den Thron seiner Väter bestieg:
   Wir gehören zusammen. Ich und ihr, mag Sturm sein oder Frieden.

Kaisergeburtstagsfeiern.
Städtisches Gymnasium und Realgymnasium. Nachdem sich die Schüler der unteren Klassen und der Vorschule gestern vormittag zu einer schlichten und würdigen Vorfeier in der Aula zusammengefunden hatten, vereinigten sich gestern nachmittag die Schüler der oberen Klassen mit ihren Angehörigen zu einer größeren Feier, in deren Mittelpunkt die Festrede des Herrn Oberlehrers Dr. Jungmuth stand. Er sprach über das Thema: Kaiser Wilhelm II. und der Weltkrieg. Dabei würdigte er die großen Verdienste unseres Kaisers um die Erhaltung des Friedens und gab in großen Zügen eine Geschichte des Weltkrieges. An das Kaiserhoch, in das die Festrede endete, schloß sich der gemeinsame Gesang der Nationalhymne. Vorher hatten Schüler der verschiedenen Klassen Kriegsgedichte aus unserer Zeit rezitiert. Ein sehr gut ausgebildetes Schülerorchester trug den Triumphmarsch aus „Tarpeja“ von Beethoven vor und begleitete den vorzüglichen Schülerchor zu dem machtvollen altniederländischen Volkslied: Wir treten zum beten ...

Die Städtische Realschule hatte ihre Schüler und deren Angehörige ebenfalls auf gestern nachmittag zur Kaisergeburtstagsfeier eingeladen. Vorträge des Schülerchores, den Herr Lehrer Rech leitete, wechselten mit Deklamationen. Herr Oberlehrer Dr. Schmidt wies in seiner Festrede auf die starke Einigkeit des deutschen Volkes hin und schilderte den Zuhörern die Vorgänge, die in Deutschland dem großen Kriege kurz voraufgingen, und die ihm in der gewaltigen, einigen Erhebung des deutschen Volkes folgten. Seine Rede klang in eine Hoch auf den Friedens- und – so hoffen wir – Siegeskaiser aus. Dann sangen die Anwesenden gemeinsam: Stolz weht die Flagge ...

Anzeige in der Reichs-Zeitung vom 27. Januar 1915P. Thimotheus Kranich, der Dichterpater aus dem O.S.B. der kunstsinnigen Beuroner Mönche, sprach am Montag abend zu den Mitgliedern der Bonner Ortsgruppe des Katholischen Frauenbundes über „Das Frauenlob des Evangeliums“. An den großen Frauengestalten des Evangeliums und an Aussprüchen Jesu Christi erklärte P. Thimotheus die Tugenden der Frau: Entsagung, Tapferkeit im Leid, Pflichtbewußtsein als Mutter und Gattin, Güte und Liebe. Und er wies darauf hin, wie sich diese Tugenden in die Not der Gegenwart übertragen lassen, wie sie seit dem Mobilmachungstag jeden Tag wieder neu mit ungeahnter Kraft flammengleich emporschlugen und wie sie sich fernerhin auswirken müßten, wenn auch die deutsche Frau an dem Kampf und dem – so hoffen wir – endlichen Sieg für die Existenz unseres Vaterlandes teil haben wollen.

Ein falscher Ritter des Eisernen Kreuzes ist von der Bonner Strafkammer zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der frühere Photograph Luhmer hatte sich eine Unteroffiziers-Uniform zu beschaffen gewußt und ein Eisernes Kreuz angesteckt, und betrog nun als „Verwundeter“ in unglaublich raffinierter Weise mildherzige Bonner Bürger um große Geldbeträge, Nahrungsmittel und sonstige Liebesgaben. Luhmer hat vom Kriege nichts gesehen, ja er hat noch nicht einmal gedient. Um anderen glaubhaft zu machen, daß er im Felde gewesen sei und unter Einsetzung seines Lebens waghalsige Aufträge mit gutem Erfolg ausgeführt habe, schrieb er Postkarten an seine eigene Adresse. Und zwar so, als ob sein Leutnant ihm für seine Tapferkeit danke und ihn als einen mutigen Helden verehre. Einmal zeigte er den leuten eine solche Karte, auf der zu lesen stand, der angebliche Leutnant habe ihm zum Dank dafür, daß er des Leutnants Leben gerettet habe, 2500 Mk. überwiesen. Ein andermal telephonierte er seiner Hauswirtin mit verstellter Stimme, als ob er der Herr Leutnant sei, der seinen „lieben, tapferen Unteroffizier“ zu sprechen wünsche. Der Schwindel kam aber, obwohl er mit der größten Geriebenheit eingefädelt war, aus. Luhmer wird nun hinter Schloß und Riegel Gelegenheit haben, über seine „Heldentaten“ nachzudenken.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

An unsere Stadtväter. Die Arbeiter und Angestellten der Geschoßfabrik Siegburg arbeiten jetzt Sonntags und Werktags, bei Tage und bei Nacht. Für die 6 Wochentage berechtigt sie die Wochenkarte der Siegburger Bahn zur Benutzung der Fahrgelegenheit. Am Sonntag, dem siebenten Wochentag, aber müssen die Leute den vollen Fahrpreis (mit Brückengeld 90 Pfg.) bezahlen. Ist das richtig? Frauen und Mädchen, deren Männer und Brüder jetzt dem Vaterlande große Opfer bringen, müssen von den 3 Mark, die sie in Siegburg täglich für die Familie verdienen, am Sonntag 90 Pfg. an die Bahn abgeben. Dazu kommt dann noch die Art der Verladung. Die Wagen, welcher der Aufschrift im Wagen gemäß 36 Sitzplätze und 24 Stehplätze enthalten, nehmen mehr als die doppelte Zahl, 120-150 Personen auf. Auf gemeinsame Beschwerde über die Beförderungsart und den hohen Preis am Sonntag, folgt jetzt vom 1. Februar ab die Erhöhung des Preises für die Wochenkarten von 1,25 Mark auf 1,50 Mark pro Woche. Unsere Stadtverwaltung muß doch auch ein Interesse daran haben, daß die Bürger bei so anstrengender Tätigkeit ordnungsgemäß befördert werden und den Sonntag nicht so teuer bezahlen müssen. Hoffentlich nehmen sich unsere Stadtverordneten einmal dieser Sache an und vertreten die Bürger, welche auf so schwierige Art ihren Erwerb suchen müssen. F.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Donnerstag, 28. Januar 1915 

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Januar 1915Kaisergeburtstagsfeiern
Der Kaiser wurde gestern, dem Ernst der Zeit entsprechend, ohne lauten Jubel, ohne prunkende Veranstaltungen, aber mit einer ganz besonders warmen Herzlichkeit gefeiert. Ueberall, wo man sich zusammengefunden hatte, um des Kaisertages zu gedenken, hörte man Worte einer aufrichtigen, begeisterten, zu jedem Opfer entschlossenen Vaterlandsliebe und das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich. Die Straßen der Stadt, über denen in den Vormittagsstunden die freundliche Sonne eines hellen, klaren Wintertages lag, zeigten reichen Flaggenschmuck. Ueberall standen junge Mädchen, die mit unermüdlichem Eifer für die Kriegshilfe sammelten. Und die zahlreiche Spaziergänger gaben gern und freudig ihren Beitrag zu dem guten Zweck.
   Wie immer, bildete auch in diesem Jahre eine der schönsten und anregendsten Feierlichkeiten zu Kaisers Geburtstag der

Akademische Festakt in der Universitätsaula.
   Die Feier war diesmal so stark besucht, daß der Saal – geschmückt mit grünen Topfpflanzen und einer lorbeerbekränzten Kaiserbüste – die Zahl der Gäste kaum zu fassen vermochte. Die Studentenverbindungen, von denen die meisten Mitglieder ja im Felde stehen, waren durch einen Chargierten in Wichs vertreten. Unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches betraten die Professoren und Dozenten und die Ehrengäste die Aula. (...) Nachdem die Angehörigen des Lehrkörpers und die Ehrengäste Platz genommen hatten, betrat Herr Prof. Dr. phil. Et jur. A. Wilcken die Rednerkanzel, um die Festrede zu halten. Er wies in den einleitenden Worten auf die einzigartige Bedeutung dieser Kaiserfeier hin. Noch niemals habe man den Geburtstag des Kaisers mit den gleichen Empfindungen gefeiert wie in diesem Jahre, da man ein ganz besonders inniges Bedürfnis habe, das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue abzulegen. Wie ein reinigender Gewittersturm hat der Krieg alles hinweggefegt, was Deutsche jemals trennen konnte. In restloser Einmütigkeit ist das Volk von 67 Millionen Deutschen zusammengeschlossen. Das war nur möglich, weil dieser Krieg kein Angriffskrieg, kein Präventionskrieg war. (...)
  
Die Festrede von Professor Dr. Wilcken wird unter dem Titel „Werden und Vergehen der Universalreiche“ in den nächsten Tagen bei Cohen in Druck erscheinen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Januar 1915Der Kriegshilfstag der Stadt Bonn zum Besten der bedürftigen Familien unsrer wackeren Krieger, der von den vaterländischen Vereinigungen aus Anlaß des Geburtstages unseres Kaisers hier veranstaltet wird, hatte am gestrigen ersten Tag ein gutes Ergebnis. Kein Wunder auch: die jugendlichen Sammlerinnen waren schon vom frühen Morgen an mit großem Eifer tätig. Während ein Teil mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus ging, hielten andere wiederum Straßen und Plätze besetzt und boten Schleifen in den deutschen und österreichischen Farben sowie Künstlerkarten mit dem Bildnis unseres Kaisers zum Kauf an. Und wer beides schon erstanden der hatte im Laufe des Tages noch reichlich Gelegenheit, einen Nickel in die vorgehaltenen Sammelbüchsen zu werfen. Gute Einnahmen hatten die jungen Damen, die am Morgen vor den verschiedenen Gotteshäusern Aufstellung genommen hatten, und ebenfalls auch diejenigen, die sich die Haltestellen der Straßenbahnen und die Wagen der Straßenbahn selbst als Feld ihrer Tätigkeit ausersehen hatten. Auch die Gastwirtschaften, die sich des nationalen Feiertages wegen eines guten Besuches zu erfreuen hatten, boten für die eifrigen Sammlerinnen gute Einnahmequellen.
   Auf die Neugier ihrer lieben Mitmenschen spekulierte eine junge Sammlerin, die auf den trefflichen Einfall kam durch eine Anzeige in der „Seufzerecke“ des General-Anzeigers „alle patriotischen Damen und Herren freundlichst einzuladen, zwischen 3–5 Uhr nachmittags an den Rhein zu kommen, und zwar vom Alten Zoll bis zur Mehlems Fabrik.“ Dieser Teil der Anlagen war nämlich dem spekulativ veranlagten Fräulein als Sammelfeld angewiesen worden. Und da sie befürchtete, bei ungünstigem Wetter schlecht abzuschneiden, nahm sie zu dieser List ihre Flucht. Die junge Dame hatte richtig gerechnet. Man wollte doch wissen, was da eigentlich los sei, und half so der Sammlerin, ihr gutes Werk zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen.
   Der volle Ertrag der gestrigen Sammlung läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen, es kann aber heute schon gesagt werden, daß für unsere bedürftigen Kriegerfamilien ein recht ansehnliches Sümmchen vereinnahmt worden ist.
   Hoffentlich hat auch der heutige zweite und letzte Sammeltag ein günstiges Ergebnis.

Zum Geburtstag unseres Kaisers.
Kein lauter Festjubellärm wie in früheren Jahren. Statt dessen überall schlichtstille, aber auch würdige Feiern. So viel ist gewiß: Wie nie zuvor flog gestern eines jeden Deutschen Herz und Sinn mit doppelter Liebe und Verehrung unserm Kaiser – und wills Gott, bald Siegeskaiser – entgegen.
   Bei prächtigem Winterwetter – in der Nacht und den Tag über hatte es geschneit – läuteten die Glocken den Tag ein. In den Straßenzeilen wogten und wehte – reicher denn sonst – die schwarz-weiß-rote Fahne, häufig mit schwarz-gelbem Wimpel unsrer österreichisch-ungarischen Bundesbrüder vereint. Viele Schaufenster waren geschmückt mit Kaiserbüsten, Bildnissen und Blumen. Den ganzen Tag übe war reger Verkehr in den Straßen.

Die Festgottesdienste
in den Kirchen der Stadt waren überaus gut besucht. In der Münsterkirche fand morgens 10 Uhr ein Militär-Gottesdienst statt, dem sehr viele Soldaten, auch verwundete Krieger, bewohnten. Kaplan Reinermann hielt die Festpredigt. In der evangelischen Kirche sprach Pfarrer Kremers, in der altkatholischen Kirche Prof. Mühlhaupt und in der Synagoge Rabbiner Dr. Cohn.

Die Universitätsfeier
gestaltete sich zu einer Kundgebung, die von vaterländischem Geist und Gefühl getragen war. (...) Das Städtische Orchester und der Bonner Männer-Gesang-Verein brachten zum Schluß das altniederländische Dankgebet „Wir treten zum Beten“ eindrucksvoll zum Vortrag.

Königliches Gymnasium.
Die Kaisergeburtstagsfeier in der Aula des Gymnasiums war sehr gut besucht. (...) Mit dem Gesang „Heil dir im Siegerkranz“ wurde die Feier geschlossen.

Städtisches Lyzeum.
In der Aula des Städtischen Gymnasiums hielt Mittwoch morgen das Städtische Lyzeum seine sehr stimmungsvolle Feier ab, (...) Schulrat Baedorf gab der Feier durch eine überaus eindrucksvolle Festrede, die des Kaisers Religiosität und Pflichtgefühl hervorhob, einen würdigen Schluß.

In der Lese- und Erholungsgesellschaftfand gestern abend eine Kaisersgeburtstagsfeier statt, die vom Alldeutschen Verband, dem B. M.-G.-V. „Concordia“, der Deutschen Kolonial-Gesellschaft, dem Deutschen Sprachverein und dem Deutschen Wehrverein und den vereinigten evangelischen Bürgervereinen Bonns veranstaltet wurde. (...) Mit dem Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles“ wurde die schöne Feier geschlossen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Januar 1915Die Klostermann’schen Anstalten
versammelten sich um 11½ Uhr in der vor kurzem neu ausgebauten Aula im Maarflachweg zu einer gemeinsamen Schulfeier zu Ehren des Geburtstages unseres Kaisers. Lieder und Gedichte, fast durchweg dem weltgeschichtlichen Erleben der Gegenwart entnommen, verliehen der Feier eine dem Ernst der Zeit und der Tiefe des gegenwärtigen vaterländischen Empfindens entsprechende Bedeutung. (...)

Die Vaterländische Volksfeier,
die der Bonner Wehrbund gestern abend im Bonner Bürgerverein veranstaltete, und der viele Ehrengäste, u.a. auch Oberbürgermeister Spiritus, beiwohnten, war so gut besucht, daß die Stühle nicht ausreichten. (...) Mit dem gemeinschaftlichen Gesang „Deutschland über alles“ nahm die Feier ein Ende.

Godesberg. 28. Jan. Zur Kaisersgeburtstagsfeier durchzog am Vorabend das Tambourkorps des Kath. Jünglingsverein den Ort mit einem Zapfenstreich. Am katholischen Pfarrhaus brachte Dechant Dr. Winter das Kaiserhoch aus. In der Aula des Pädagogiums hatten sich am Vorabend zur Feier 700 Gäste eingefunden, darunter viele verwundete Krieger aus den hiesigen Lazaretten. Der Knabenchor und das Orchester der Anstalt, sowie das Collegium musikum trugen stimmungsvolle Musikstücke vor. Herr Prof. Dr. Heinr. Kühne brachte das Hoch auf den Kaiser aus. Bei der Schulfeier der Fortbildungsschule wies der Schulleiter, Herr Lehrer Forsbach darauf hin, wie der Kaiser sich im Frieden und auch jetzt im Kriege bewährt habe. Am Festtage selbst war der Gottesdienst in den Kirchen abgehalten, auch einzelne Privatlazarette hielten ihre Sonderfeier. Bei der Feier des Wehrbundes, die gestern in der Tonhalle stattfand, hielt Schulrat Dr. Küppers die Kaiserrede. Ein vaterländisches Konzert, das nachmittags im Rheinhotel Dreesen abgehalten wurde, hatte sich eines regen Besuches zu erfreuen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Januar 1915Kaisersgeburtstag
Ist in Bonn stiller verlaufen als sonst. Die übliche Parade auf der Hofgartenwiese konnte naturgemäß nicht stattfinden, der Kreis-Kriegerverband hatte keine besondere Feier und die Volksschüler versammelten sich nicht wie sonst in der Beethovenhalle. Aber man hatte den Eindruck, als ob die Bonner den gestrigen Tag als patriotischen Fest- und Feiertag tiefer erlebt hätten; als ob einem jedem bewußt gewesen wäre, daß das neue Lebensjahr, in das der Kaiser gestern getreten ist, vermutlich das Entscheidungsjahr über das Geschick unseres Vaterlandes sein wird. Dieses Gefühl hatte man nicht nur, wenn man am Vormittag in die überfüllten Gotteshäuser trat, man hörte es auch aus den Worten der Festredner bei den einzelnen Kaisersgeburtstagsfeiern und man sah es an dem winterlich festtäglichen Straßenbild, das dieses Mal mit seinen schneebedeckten Dächern, den schwarz-weiß-roten und schwarz-gelben Fahnen, unter denen hier und da auf rotem Grunde der weiße Halbmond aufleuchtete, eher einen ernststimmenden, denn einen fröhlichen Anblick bot. Von früh bis spät verkauften junge Damen auf den Straßen patriotische Schleifchen, Kaiser-Postkarten und Ansteck-Nadeln. Jeder kaufte gerne; denn es galt ja dem Wohl unserer Krieger.
   Dem feierlichen Hochamt im Münster, das in Vertretung des erkrankten Herrn Dechant Böhmer, Herr Kaplan Reinermann zelebrierte, wohnten die katholischen Soldaten der Garnison mit den Offizieren und Vertretern der Behörden bei. Das städtische Orchester und der Münsterchor unter Veith’s Leitung verherrlichten den Gottesdienst durch hervorragende Musik und Chorvorträge. Herr Kaplan Reinermann hielt die Festpredigt. Abordnungen aller Krieger- und Militärvereine des Kreis-Kriegerverbandes Bonn-Stadt nahmen mit ihren Fahnen und Standarten an den Festgottesdiensten im Münster, in der evangelischen Kirche, in der Synagoge und in der altkatholischen Kirche teil.
   Die Volksschulen feierten Kaisersgeburtstag mit Gesängen und Rezitationen der Kinder und mit Ansprachen der Lehrpersonen in ihren Räumen.

Ueber 100.000 Flaschen „Roisdorfer“ hat die Roisdorfer Brunnenverwaltung (W. Custor in Roisdorf) wiederum dem Roten Kreuz und verschiedenen Militärlazaretten zur Verfügung gestellt.

Vier Bonner Pfadfinder befinden sich in Brüssel, um dort auf Wunsch des Kommandanten Ordonanzdienste zu verrichten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Wo kann gespart werden an Weizenbrot?
Tausende Kameraden liegen in Bonn, Heilung und Gesundung zu finden von den Wunden, die sie auf dem Felde der Ehre erhielten. Der größte Prozentsatz ist von Herzen gesund, erfreut sich eines guten Hungers und einer regen Verdauung. Sie haben gekämpft für des Vaterlandes Ehre und Bestand wider eine Welt voll Feinde; nun haben aber noch viele den Wunsch, der volkswirtschaftlichen Kraftprobe, die das Vaterland zu bestehen hat, ihr Scherflein beizutragen. Sie sind alle voll des Lobes über die Verpflegung und beklagen sie sich bitter, daß ihnen zum Früh-, 10 Uhr- und Nachmittagskaffee kein Kriegsbrot gereicht wird. Müssen auch hier die Weizenmehlvorräte erst aufgebraucht werden, um anzufangen am Sparen, wenn die Vorräte zur Neige gehen? – Den berufenen Behörden möge diese Kriegerbitte genügen, dafür Sorge zu tragen, daß diesbezüglich Wandel geschaffen wird. Dort kann gespart werden. Einer für Viele.

Zu viel Wirtschaften. Wirtschaften dürften wohl in Bonn zu viel sein, alleine in der Meckenheimerstraße von Nr. 2 bis Nr. 18 gibt es 7 Stück; dazu kommt, daß in dieser schweren Zeit ungefähr die Nacht von wüsten Burschen und Frauenzimmern Lärm herrscht, am Morgen muß man zu ihrer Schande noch die Spuren von dem entdecken, was zu viel genossen wurde. – Ob es da wohl nicht an der Zeit wäre, um 10 Uhr die Wirtschaften zu schließen und ihre Zahl zu vermindern. Vielleicht gibt es für die Herren Wirte und alle Angestellten nach dem Kriege oder auch jetzt schon irgend einen anderen Erwerbszweig. – Gewiß wäre die Verminderung der Wirtschaften eine Wohltat, warum, wenn es denn sein muß, kann man nicht zu Hause gemütlich im Familienkreise seinen Wein oder Bier verzehren. Einer, der gerne um 10 Uhr Wirtschaftsschluß hätte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Freitag, 29. Januar 1915

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Januar 1915Bei der Kaisergeburtstagsfeier in der Lese- und Erholungsgesellschaft führte Herr Pas­tor Kremers aus, daß in diesem Jahre der Tag nicht bei fröhlichem Gläserklang gefeiert werden könne, dazu sei die Stunde zu ernst. Eine große Enttäuschung habe der Kaiser, der allezeit den Frieden gewollt habe, erlebt, als wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Nachbarn uns mit Krieg überziehen wollten. Unvergeßlich werden uns die ersten Ta­ges der Augusts bleiben, da wir die Einheit der ganzen Nation sahen. Große Dinge sind seit­dem schon geschehen. Nicht nur die Glocken der Heimat, sondern auch die in Polen, Bel­gien und einem Teile Frankreichs läuteten zum Geburtstage unseres Kaisers. Der Krieg hat die bösen Geister des Neides und der Zwietracht verscheucht, er hat einen neuen Or­den, den Schützengrabenorden gestiftet, dem alle angehören, vornehm und gering, reich und arm. Das Ausland versteht diese treue Gefolgschaft, die das deutsche Volk dem Kai­ser leistete, nicht. Es erblickt darin nur Tyrannei und Unterdrückung. Es weiß nicht, daß es ein tiefes sittliches Verhältnis ist, das das deutsche Volk mit dem Kaiser verbindet, das auf beiden Seiten seine Rechte und Pflichten hat. Es ist das große Werk unseres Kaisers, daß er Heer und Marine auf diese Höhe gebracht hat; daß er alle Kräfte der Technik und der Wissenschaft in den Dienst der Volksverteidigung gestellt hat. Mit großer Freude kann er jetzt auf sein Werk blicken. Er hat verstanden, das Volk zu lenken und zu leiten, sodaß heute alle mit Vertrauen ihm folgen. Ein einziger Heilruf schallt durch das Land. Kaiser Wil­helm II. ist eigentlich der erste ganz deutscher Kaiser. Er fühlt mit allen Deutschen in der ganzen Welt. In ihm sind verkörpert die Eigenschaften, die die deutsche Art ausma­chen: Gradheit, Offenheit, herzhafter Mut, Fröhlichkeit und das Vermögen, Freundschaft zu hal­ten. Wie bitter ist sein Vertrauen auf die Freundschaft aber getäuscht worden. Im Vertrau­en unbedächtigt, in Treue felsenhaft, in Liebe wundermächtig, das ist des Kaisers Art. Was wir ein jeder im Stillen gelobt, das wollen wir heute geloben vor Gott und ihm, wir wollen durchhalten mit ihm in Treue felsenhaft bis zum letzten Bissen. Es soll die Welt nicht mehr schmähen dürfen unseres Kaisers Majestät. So dringe unser Geburtstagswunsch hinaus in den Donner der Geschütze. Er soll wissen, daß wir, sein ganzes deutsches Volk, zu ihm halten wird in Treue felsenhaft, in Liebe wundermächtig. So stimmt mit mir ein, mei­ne ver­ehrten Anwesenden, in den Ruf: Unser lieber Kaiser Wilhelm II, er lebe hoch, hoch, hoch!
   
In der Festrede, die Herr Dr. Rosenmund über „Der Krieg und der deutsche Kaisergedan­ke“ hielt, führte er aus:
   Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Januar 1915Kaiser Wilhelm verlebt seinen 56. Geburtstag fern von Berlin im Hauptquartier seiner Ar­meen auf feindlichem Boden. Und es ist sein Verdienst, daß seine Heere den uns aufge­zwungenen Krieg schnell und weit in Feindesland hineintragen konnten. Unsere Gegner beehren ihn dafür auch mit gründlichem Haß und häufen auch um seine Person Lügen auf Lügen, die darin gipfeln, daß Deutschlands Kaiser die friedlichste aller Welten in diesen furchtbaren Krieg gestürzt hat, wie er denn überhaupt, „besessen“ vom preußischen Milita­rismus, die Welt erobern möchte. Die Schamlosigkeit dieser Lüge, die Kaiser Wilhelm die Schuld an diesem Kriege aufbürdet, ist längst enthüllt; und was es mit der Warnung an die Welt vor seinen Welteroberungsplänen auf sich hat, wissen wir auch, die wir die Schlag­worte der englischen Geschäftspolitik denn auch bereits sattsam kennen. Wohin Mr. Churchill aber mit dem Schreckgespenst des preußischen Militarismus zielt, das er vor den amerikanischen Pressevertretern erscheinen ließ, offenbarte er, als er durch sie dann die Welt zum Kampfe aufrief, um die „Freiheit“ gegen diesen Militarismus zu schützen!
    
Die Freiheit, an welche Mr. Churchill denkt, ist doch die englische Freiheit, d.h. die Frei­heit für die herrschende Klasse dort, welcher er angehört und die ihn mit der Stellung über die Marine betraut hat, ungestört sich in der Macht über Krone und Volk von England zu erhal­ten und über Englands staatliche Kräfte für ihre Interessenpolitik zu verfügen, eine Politik, deren Ziel eben ist, die ganze Welt sich, d.h. ihrer Kaste, tributpflichtig zu machen. Und diese Freiheit kann sich allerdings mit dem preußischem Militarismus nicht vertragen, es sei denn, daß er sich für sie mißbrauchen läßt. Es war dieser Militarismus aber der englis­chen Nobility und Gentry auch an sich schon immer zuwider. Und die Vollendung dieses Militarismus in der Gestalt, wie sie unter der treibenden Kraft des deutschen Kaisergedan­kens Wirklichkeit geworden, also die deutsche Heeresverfassung erscheint ihr schon durch ihr Dasein als eine Bedrohung für sie auch im tiefsten Weltfrieden. Und das keines­wegs bloß wegen der ungeheuren Kriegsstärke, welche dieser Militarismus in sich birgt; nein, ebenso sehr und mehr noch als politische Institution. Was sollte auch aus ihrer Machtstellung zwischen und über Krone und Volk werden, wenn die deutsche Heeresver­fassung, diese erfolgreichste Verbindung von Krone und Volk, zum Dienst für den Staat in Krieg und Frieden, nach England hin als Vorbild wirken sollte; dann wäre es doch für die herrschende Klasse dort mit der Macht zu Ende. Im Besitz der Macht aber zu bleiben, das ist natürlich der oberste Gesichtspunkt ihrer Politik. So ist denn dieser Krieg, den Englands Machthaber gegen Deutschland führen, nicht bloß ein solcher für ihr Monopol in Handel und Seegewalt in der Welt, sondern auch ein Kampf zur Sicherung ihrer Macht daheim, in England. Und von diesem Zweck aus empfangen das englische Kriegsziel und die engli­sche Kriegführung denn auch ihren Charakter. Um ihre Kaste im Besitz der Macht zu si­chern, wollen sich die Leiter der englischen Politik eben nicht mit einem Siege über uns begnügen, sondern sie trachten uns als Volk und Staat zu vernichten und mit dem Reich das Kaisertum und den Kaisergedanken zu begraben, und so diese Heeresverfassung, diesen deutschen Militarismus aus der Welt zu schaffen, der eine ewige Gefahr für die englische „Freiheit“ wäre. Gegen diese Machtpolitik im Dienste der „englischen Freiheit“ kämpfen wir denn in diesem Krieg für unsere deutsche Freiheit und wir kämpfen einen schweren Kampf. Aber wir werden siegen. Denn mögen die feindlichen Heere, welche England gegen uns in Bewegung gesetzt unserem Heere in der Kopfzahl noch so sehr überlegen sein, mögen Englands Streitkräfte zur See uns mächtig überragen, mögen un­sere Gegner uns an Kriegsmut gleichen, ihnen allen fehlt zum Siege die sittliche Kraft, die uns als Volk und Heer beseelt, die als ureigenste Kraft die deutsche Nation unbesiegbar machte, wenn sie einmütiger Wille leitete, und die sich jetzt unwiderstehlich siegreich unter dem Zeichen des deutschen Kaisergedankens durchsetzen wird, der für uns nicht allein das Symbol der Einheit, sondern auch der Ausdruck unseres Willens zum Leben mit der Freiheit in der Welt bedeutet.

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Januar 1915Deutscher Wehrverein. Heute, Freitag, 29. Jan., abends 8¼ Uhr findet der achte Vortrag der Ortsgruppe Bonn des Deutschen Wehrvereins statt. Herr Dechant Dr. Winter aus Godesberg, der im Jahre 1906 als Delegierter an der Konferenz der Friedensapostel in London teilgenommen hat, wird über seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in London, den Empfang bei König Eduard usw. sprechen. In Rücksicht auf die gegenwärtige politische Lage dürfte der Vortrag außerordentlich interessant und anziehend werden, zumal uns auch der Vortragende als guter Redner von anderen Vorträgen her bekannt ist. Wir wollen nicht verfehlen, auch an dieser Stelle nachdrücklich auf den Vortrag hinzuweisen und unseren Lesern den Besuch desselben zu empfehlen. Die Lichtbilder, die der Vortragende demonstriert, sind nach den von ihm selbst in London angefertigten Photographien hergestellt.

Sanitätshunde. Aus Anlaß des Geburtstages unseres Kaisers versammelte sich am Mittwoch die Kolonne der Sanitätshundeführer im Kaisergarten. Herr Polizeikommissar Flaccus eröffnete die Versammlung mit der Kaiserrede. Darauf wies der Kolonnenführer, Herr Hölzke, auf die zahlreichen Erfolge hin, die gerade die Sanitätshunde der Meldestelle Bonn bis jetzt zu verzeichnen gehabt hätten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Januar 1915Krieg und Küche. Ueber dieses zeitgemäße Thema sprach gestern abend vor einer außerordentlich großen Zahl Zuhörerinnen Frau Dr. Wegscheider-Ziegler im Dreikaisersaal. Das, was die Rednerin vom Sparen im Haushalt, von der Verwendung unserer Nahrungs- und Gebrauchsmittel sagte, war durchaus beherzigenswert. Der Krieg hat eben jedem Einzelnen Beschränkungen auferlegt. Wir sind gezwungen, sie uns aufzuerlegen und müssen versuchen, mit Ersatzmitteln in unserer Ernährung auszukommen. Wenn nun die Hausfrauen, Köchinnen usw. die Winke befolgen, die Rednerin in bezug auf Kohle und Koks, Eiern, Käse, Butter, Fett, Fleisch, Mehl, Zucker usw. gab, sind die Folgen dieses Krieges nicht in so scharfem Maße fühlbar, und der Plan unserer allzuliebenswürdigen Vettern jenseits des Kanals, uns auszuhungern, wird nur Schreckgespenst bleiben, also nicht Wirklichkeit werden.
  
Der sehr lehrreiche Vortrag wird am Sonntag Nachmittag in Kessenich wiederholt werden.

Frost. In der vergangenen Nacht sank das Thermometer am Wetterhäuschen im Hofgarten auf 6 Grad unter Null.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Das Ende der Petroleumnot.
1 Liter Petroleum für 8 Pfennige.
Es klingt zunächst unglaublich. Aber die Erfahrung eines unserer Leser, dessen Freundschaft wir diese Mitteilung verdanken, lehrt, daß man sich tatsächlich mit einer Auslage von 8 Pfennigen 1 Liter Petroleum beschaffen kann. Und zwar so: man löst in einem Liter kochenden Wassers ein halbes Pfund Soda auf und gießt, nachdem das Wasser vom Feuer genommen worden ist, ein Viertelliter Petroleum hinzu. Diese Mischung läßt man erkalten, und das billige Petroleum ist fertig. Unser Gewährsmann versichert nun, daß er seit einigen Tagen sein Zimmer, den Hausflur und das Treppenhaus mit dieser Petroleummischung beleuchtet. Die Flüssigkeit ist wegen des Sodazusatzes nicht so klar wie reines Petroleum und die Lampe verliert ein ganz klein wenig an Leuchtkraft. Aber diese unbedeutenden Nachteile sind eigentlich nicht vorhanden, wenn man an die riesigen Vorteile denkt, die dieses billige Petroleum in der jetzigen Zeit der Petroleumnot dem Publikum, besonders dem „kleinen Manne“ bietet. Man mache einmal den Versuch.

Die Kriegshilfstage haben in Bonn ein höchst erfreuliches Ergebnis gehabt. Wie viel die jungen Damen gestern und vorgestern in unermüdlichem Eifer sammelten, läßt sich natürlich noch nicht angeben, nicht einmal schätzungsweise. Aber das eine kann schon jetzt gesagt werden. Die Freigebigkeit der Bonner Bürgerschaft für die Kriegshilfe, die sich in den letzten Monaten mehr als einmal in überaus glänzender Weise bewährte, hat nicht nachgelassen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Sie wächst mit der Größe der Aufgaben, vor die unsere tapferen Krieger gestellt sind.

Kauft dunkle Brötchen! Der Vorstand de Bonner Bäcker-Innung bittet uns, das Publikum zu ermahnen, nur bei solchen Bäckern zu kaufen, die dunkelbraun gebackene Brötchen abgeben. Die helle Farbe ist ein Beweis dafür, daß der Bäcker das Mehl nicht vorschriftsmäßig gemischt hat.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Samstag, 30. Januar 1915 

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Januar 1915Freiwillige Krankenpflege. Auf Anordnung des Hrn. Territorialdelegierten für freiwillige Krankenpflege in der Rheinprovinz entsandte der Vaterländische Frauen-Verein Stadtkreis Bonn wiederum 6 Schwestern in das Etappengebiet, zum ersten Male nach dem Osten. Die Schwestern traten gestern von Koblenz aus die Reise nach Lodz an.

Ein allgemeiner Appell aller Abteilungen des Bonner Wehrbundes findet am Sonntag nachmittag statt. Die Abteilungen vereinen sich dazu um 3 Uhr auf dem Arndtplatz, von wo aus sie geschlossen zur Auguststraße am Hofgarten marschieren. Dort findet eine Aufstellung zur Besichtigung seitens der Behörden statt, die um 4 Uhr erwartet wird. Nach der Besichtigung findet am Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kaiserplatz ein Vorbeimarsch statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Kriegsgedichte. Wir bitten unsere Leser dringend, die Einsendung von Kriegsgedichten möglichst zu beschränken, da durch die Prüfung der meist nicht druckreifen Reime der Redaktionsdienst zu stark belastet wird.

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Januar 1915Das Stadtverordneten-Kollegium, das gestern tagte, hat eines seiner tüchtigsten Mitglieder durch den Tod verloren. Gestern nacht starb nämlich nach langer Erkrankung Konsul Louis Wessel. Oberbürgermeister Spiritus widmete dem verstorbenen Stadtverordneten einen herzlichen Nachruf, den wir in seinem Wortlaut an anderer Stelle zum Abdruck bringen. Der städtische Kriegshilfetag hat – trotzdem die Sammlung noch nicht ganz abgeschlossen ist – laut Mitteilung des Herrn Oberbürgermeisters im Kollegium – bis jetzt eine Reineinnahme von 18.000 Mark ergeben. Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, in dem dieser der Stadt Bonn für die Beihilfe zur Hindenburg-Spende seinen besten Dank ausspricht.
  
Die Pflasterung eines Kohlelagerplatzes auf dem Schlachthofgelände wurde genehmigt, ebenso die Bewilligung eines weiteren Kredits von 100.000 Mark für die Errichtung eines Gasautomaten. Mit der Uebernahme eines Fehlbetrags von 4423,39 auf den städtischen Haushalt, mit welchem Betrag die Rechnung des Städt. Gesangvereins für 1913/14 abschließt, erklärte sich die Versammlung einverstanden. Gegen die Verpachtung einiger Grundstücke war nichts zu erinnern. Es wurden einige Wahlen, insbesondere Kommissionswahlen, vorgenommen.
   Eine Anfrage von Dr. Krantz und seiner Freunde wegen der Lebensmittel- und Fleischversorgung der Stadt wurde eingehend beantwortet. In den Unterstützungsausschuß wurden die noch abkömmlichen Mitglieder des Teuerungsausschusses, Feldmann und Kaiser, und außerdem die Herren Kalt und Gentrup gewählt. Auf eine Anfrage wegen der Metallsammlung teilte Abgeordneter Piehl mit, daß es sich empfehle, so lange mit der Hergabe von Metall zu warten, bis die Vaterländischen Vereine die Angelegenheit in die Hand genommen hätten. Aus diesem Grunde sei auch die bereits in den Schulen begonnene Metallsammlung vorerst eingestellt. (...)

 

Zur Kriegshilfe. Der Bonner Männer-Gesang-Verein „Apollo“, der seit Beginn des Krieges sich in den Dienst der Wohltätigkeit stellt, wird morgen Sonntag ein Konzert mit Kaisergeburtstagsfeier auf Kasselsruhe geben. Herr Kessel hat sein Lokal unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Ertrag ist für das Rote Kreuz bestimmt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Zur Nachahmung empfohlen. Eine hiesige Firma am Markt sandte aus Anlaß des Kaisergeburtstages an eine große Anzahl im Felde stehende arme Soldaten Paketchen mit Unterzeug, Kopfschützern und sonstigen praktischen Sachen. Jeder Sendung waren folgende Verse beigefügt:
  
„Es wird es muß bald tagen,“ – Dies Raunen geht durch’s Land, - Die treu den Feind geschlagen, - Dir Held reich ich die Hand. – Als Dank am hehren Kaiser-Tag – Bring ich Dir diese Gabe dar, - Nichts mög auch mehr gefährden! – Der Friede muß auf Erden.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Januar 1915Zur Erflehung des Friedens finden auf Anordnung des Papstes am 7. Februar in allen Pfarr- und Klosterkirchen Europas besondere kirchliche Feiern statt. Das Allerheiligste bleibt den ganzen Tag über zur öffentlichen Anbetung ausgesetzt. Abends soll die Feier mit dem sakramentalen Segen geschlossen werden. Der Papst hat ein Gebet zur Erflehung des Friedens verfasst, das an dem Abend nach dem Rosenkranz verrichtet wird. Zugleich ermahnt der Papst die Gläubigen, an diesem Tage die hl. Eucharistie zu empfangen. – In den außereuropäischen Diözesen findet die kirchliche Feier am 21. März statt.

Die Bonner Landstürmer in Libramont haben den Geburtstag des Kaisers, wie uns aus Librament geschrieben wird, schlicht aber herzlich und – trotz der Kriegszeit – gemütlich gefeiert. Morgens um 10 Uhr versammelten sie sich ohne Unterschied der Konfession zum katholischen Gottesdienst zusammen. Ein deutscher Pater aus dem belgischen Kloster Chanty zelebrierte die hl. Messe und hielt eine Ansprache, die von großer Begeisterung des Deutsch-Belgiers für den deutschen Kaiser zeugte. (Der Pater ist schon 22 Jahre in Belgien.) Nachdem zog die Kompanie mit klingendem Spiel zum Kompaniesammelplatz. Es war das erstemal, daß die Spielleute aus der Kompanie marschierten, ein schönes Bild für unsere neuen belgischen Landsleute. Dann folgte eine kurze Ansprache des stellvertretenden Kompanieführers, danach Parademarsch, welcher trotz unserer 40 – 45 Jahre großartig klappte. Abends war gemütlicher Bierabend bei Münchener Bier. Natürlich haben wir auch einen Gesangverein, welcher unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrer Diedrichs, geradezu Großartiges leistete. Es war ein schöner Abend, den jeder Landsturmmann nie vergessen wird. G.K.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 31. Januar 1915

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Januar 1915Getreide- und Mehlvorräte am 1. Februar 1915. Wer in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1915 Vorräte von Weizen (auch Dinkel und Spelz), Roggen, allein oder mit ande­rer Frucht gemischt, und Hafer, sämtlich auch ungedroschen, Weizen-, Roggen-, Hafer- und Gerstenmehl in seinem Gewahrsam hat, ist verpflichtet, diese Vorräte in das von Zäh­lern übergebene Anzeigeformular einzutragen. Von der Anmeldung sind befreit:
a) Vorräte an gedroschenem Getreide oder an Mehl, die zwei Zentner insgesamt nicht übersteigen. Wer weniger als diese Menge in Gewahrsam hat, hat die am Schlusse der An­zeige vorgesehene Erklärung zu unterschreiben.
b) Vorräte, die sich im Eigentume der Kriegs-Getreide-Gesellschaft m.b.H. und der Zen­traleinkaufsgesellschaft m.b.H. befinden.
Alle Angaben haben in Zentnern zu erfolgen. Jede andere Gewichtsangabe ist verboten.
Ungedroschenes Getreide ist nach dem zu schätzenden Körnerertrag anzugeben.
Als Mehl ist auch das zur menschlichen Ernährung dienende Schrot und Schrotmehl anzugeben.
Es sind nur die im eigenen Gewahrsam befindlichen Vorräte anzugeben, aber auch dann, wenn sie anderen Eigentümern gehören, ausgenommen sind die oben unter b) erwähnten.
Gehören die Vorräte nicht dem Anzeigenden, sondern einem anderen, so ist der Eigentü­mer mit Namen und Wohnort, außerdem Gewicht und Art des ihm gehörenden Getreides und Mehles anzugeben.
Die vorhandenen Vorräte sind vollständig anzugeben. Es ist unzulässig, irgendwelche Ab­züge für den Bedarf des Haushalts, des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Be­triebs zu machen.
Landwirte sollen die Menge des zur Frühjahrsbestellung nötigen Saatgutes nach gewis­senhafter Berechnung und ferner die Zahl der zu ihrer Hauswirtschaft gehörigen Perso­nen angeben. Hierher gehören Familienmitglieder, Gesinde, Pensionäre, Arbeiter einschließl­ich ihrer Angehörigen, Deputanten, Altenteiler, Anstaltsinsassen, soweit sie in dem land­wirtschaftlichen Betriebe regelmäßig Beköstigung erhalten oder durch fortlaufende Liefe­rung von Brotgetreide oder Mehl zu ernähren sind.
Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Januar 1915Bäcker und Konditoren haben außer der Vorratsanzeige die in der Zeit vom 1. bis ein­schließlich 15. Januar 1915 verbackene Mehlmenge anzugeben.
Händler haben außer der Vorratsanzeige die in der Zeit vom 1. bis einschließlich 15. Janu­ar 1915 verkaufte Mehlmenge anzugeben.
Die zuständige Behörde ist berechtigt, zur Nachprüfung der Angaben die Vorrats- und Be­triebsräume des Anzeigepflichtigen zu untersuchen und seine Bücher prüfen zu lassen.
Die Anzeige ist in der Zeit vom 1. bis einschließlich 5. Februar 1915 unter der Versiche­rung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind. An­zeigen ohne Unterschrift gelten als nicht abgegeben.
Getreide- und Mehlmengen, die sich mit dem Beginn des 1. Februars 1915 auf dem Trans­porte befanden, sind unverzüglich nach dem Abladen von dem Empfänger anzuzeigen.
Wer die geforderten Anzeigen nicht in der gesetzten Frist beantwortet, oder wer wissent­lich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis 1500 M. bestraft.

Im Metropoltheater wird eine Geschichte aus dem internationalen Mädchenhandel, betitelt „Leichtsinn“, im Film gezeigt. Die Hauptrolle spielt die bekannte Kopenhagener Künstlerin Gudrun Houlberg. Außerdem weist das Programm noch zwei gute lustige Geschichten auf: „Gute Freunde“ und „Eine Frau auf Pump gesucht“.
  
Im Viktoria-Theater (Gangolfstr.) wird dem Publikum ein neuer Asta-Nielsen-Film vorgeführt. „Das Feuer“; außerdem ein historischer Einakter aus der zeit Ludwigs XIII.: „Der sprechende Brunnen“ und ein zeitgemäßer Kriegsfilm: „Silvesternacht im Schützengraben“.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Januar 1915Eifelverein. Die hiesige Ortsgruppe ladet die Mitglieder und Freunde ihrer Bestrebungen auf Montag, 1. Februar, abends, zur 29. ordentlichen Jahreshauptversammlung in den oberen Gartensaal im Hähnchen ein. Hieran schließt sich ein Vortrag des Herrn Rektor Zender über die bodenständige Sinnesart des Eifelvolkes im Spiegel alter Volksüberlieferungen und ihren vaterländischen Opfergeist im großen Völkerringen der Gegenwart.

Gedenket der Vögel! Bei den Schneefällen der letzten Tage ist es unserer Vogelwelt fast unmöglich geworden, Nahrung zu finden. Tausende unserer fröhlichen Sänger müssen eingehen, wenn nicht für sie gesorgt wird. Wir alle hoffen auf eine gute Ernte in diesem Jahre. Um diese zu schützen, ist es notwendig, dafür Sorge zu tragen, daß unsere Singvögel den Winter überleben und beim Vertilgen von Raupen, Schnecken und wie das Ungeziefer sonst so heißt, eifrig mithelfen.

Einschränkung des Brotverbrauchs in den Wirtschaften. Der Oberbürgermeister ersucht uns, nochmals auf den Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe und des Ministers des Inneren vom 4. November 1914 aufmerksam zu machen, der sich gegen den verschwenderischen und gedankenlosen Verbrauch des Brotes richtet. Heute noch werde in vielen Gast- und Speisewirtschaften den Gästen Brot und anderes Gebäck zum beliebigen Genuß und ohne Sondervergütung zur Verfügung gestellt. Wird für das genossene Brot besondere Bezahlung verlangt, so wird ein solcher überflüssiger Verbrauch des Brotes alsbald eingeschränkt werden. Dies mag in der Menge wenig ausmachen; es handelt sich jetzt aber darum, das Gebot, eine verständige Sparsamkeit mit dem Brote walten zu lassen, täglich möglichst weiten Kreisen der Bevölkerung in Erinnerung zu bringen.  

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

 Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Januar 1915Populärwissenschaftlicher Vortrag. Prof. O.Francke – Hamburg über „Deutschland und China vor und nach dem Kriege“: Eins der größten Hemmnisse für die Entwicklung unserer Außenpolitik erblickt Professor Francke in der deutschen Angst vor der „Gelben Gefahr“. In deutschen Zeitungen habe man in diesen Kriegsmonaten oft von dem „Eindringen schlitzäugiger Mongolen in europäische Kultur“ gelesen. Machen wir uns einmal von den Gefühlen des gerechten Zornes frei – sagte Prof. Francke – und denken wir über die Dinge ruhig und objektiv nach, dann finden wir in der Beteiligung Japans in dem Krieg gegen uns durchaus nichts Mongolisches, nichts Schlitzäugiges, sondern etwas Westeuropäisches, die Ergebnisse der englischen Schule. Wie England im Verein mit Frankreich im Osten eine Atmosphäre des Mißtrauens und Abneigung gegen das Deutschtum zu erzeugen versuchte und in Japan mit Erfolg (das englisch-japanische Bündnis im Jahre 1902) erzeugt hat, wie die Engländer sich 1904 durch den Krieg Japans gegen Rußland Genugtuung verschafften und wie sie durch die Maschinerie ihrer skrupellosen, von geradezu teuflischer Infamie geleiteten Politik gegen Deutschland dirigierten unter immer wiederholten Freundschaftsversicherungen an die ostasiatischen Völker, das zeigte der erfahrene Orientkenner und kluge Politiker in einem glänzenden Vortrag. Er vergaß dabei auch nicht die Fehler und Ungeschicklichkeiten unserer Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Januar 1915politischen Lehrlingszeit im Osten. China machte sich über die Freundschaftsversicherungen und die Bürgschaftsverträge seiner ungewählten Beschützer schließlich seine eigenen Gedanken und vertraute nur noch Amerika und Deutschland, die sich beide in dem Gewirre von Abmachungen und Verträgen freigehalten hatten. So gewann sich Deutschland in China im Laufe der Jahre eine Vertrauensstellung. Und eben diese Vertrauensstellung machte es uns möglich, deutsche Kultur und Arbeitsart in China zu verbreiten. Ungemein segensreich wirkte vor allem unser Tsingtau, dessen heldenmütige Verteidigung (...) die chinesischen Sympathien für Deutschland noch wesentlich steigerte. Mit Tsingtau wollten wir Deutsche nicht in die politischen Interessen der Chinesen eingreifen, es war uns vielmehr um einen Stützpunkt für den friedlichen Handel und eine freundschaftliche Annäherung an das chinesische Volk zu tun. Nun aber liegt es, eine Beute gierigen Neides, in Trümmern. Ob wir Tsingtau wiedergewinnen oder nicht, was an uns liegt, wird geschehen, um China zu einem wirtschaftlich und militärisch starken, unabhängigen Reich zu machen. Unsere Aufgaben werden wir nach dem Kriege (...) mit noch größerem Eifer fortsetzen. Die Türkei und auch China wissen, daß sie den Aufteilungsbemühungen der Ententemächte nur durch ihre Freundschaft mit Deutschland entgehen können. Sie wissen, daß jetzt auf den westeuropäischen Schlachtfeldern auch ihr Schicksal entscheiden wird. Wir aber müssen alle Rassenangst, alle Furcht vor der „Gelben Gefahr“ unter uns bekämpfen. Auf die Hautfarbe kommt es nicht an, sondern auf den inneren Wert und die Kraft eines Volkes. Wenn es aber einmal eine „Gelbe Gefahr“ geben sollte, dann hat Europa es verschuldet. Und es hat sie dann verdient.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

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