Donnerstag, 26. November 1914
Bei der letzten Aussprache über Gefangene und Vermißte wurden Mitteilungen über das Los der Gefangenen gemacht und Nachrichten von ermittelten bekannt gegeben. Aus den Mitteilungen ging hervor, daß die Behandlung unserer gefangenen Brüder in Frankreich sehr verschieden ist, ganz besonders in bezug auf schriftliche Mitteilungen in die Heimat. Während z.B. in einigen Orten die Gefangenen seit der Einlieferung nur einmal Nachricht gegeben haben, können in anderen Orten die Gefangenen unbeschränkt, oder doch in kurzen Zwischenräumen, schreiben. (...)
Benzin und Benzol ist seit langem wieder im Handel. Da noch immer Anfragen beim stellvertretenden Generalkommando einlaufen, machen wir erneut darauf aufmerksam (...)
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Das Auslegen von Tageszeitungen und Witzblättern des feindlichen Auslandes an den dem Publikum allgemein zugänglichen Orten (Wirtschaften, Gasthäusern, Wartesälen, Zeitungsverkaufsstellen usw.) wird vom kommandierenden General des 8. Armeekorps vom 1. Dezember an untersagt. Zuwiderhandlungen werden auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft.
Das Reisegepäck von Angehörigen feindlicher Staaten ist durch Verordnung des kommandierenden Generals des 8. Armeekorps beschlagnahmt worden. Das gilt auch für das schon bei Kriegsausbruch von den Eisenbahn-, Zoll- und Postbehörden zurückgehaltene oder bei Reedereien, Spediteuren oder Privatpersonen lagernde Reisegepäck. Die Aufbewahrer sind verpflichtet, das Vorhandensein solchen Gepäcks dem stellvertretenden General-Kommando des 8. Armeekorps anzuzeigen.
Eine Sammelstelle für Weihnachtsgaben an die im Felde stehenden Soldaten hat der Vaterländische Frauenverein für den Stadtkreis Bonn im Gebäude des Oberbergamts, Konviktstraße 2, eröffnet. Die Pakete enthalten je fünf Spenden. Sie werden vorschriftsmäßig verpackt und mit dem Namen der Spenderin
versehen in Säcke genäht und Anfang nächster Woche nach Koblenz übergeführt, um durch die militärischen Behörden ins Feld befördert zu werden. Einigen Tausend Kriegern wird allein durch die Sammlung des Vaterländischen Frauenvereins, Stadtkreis Bonn, eine Weihnachtsfreude gemacht werden und die Krieger im Felde werden gewiß um die Weihnachtszeit dankend der Frauen und Mädchen von Bonn gedenken.
Rotwein für die Truppen. An dem ausgezeichneten Verlauf unserer Mobilmachung hat bekanntlich das Verbot alkoholischer Getränke auf den Bahnhöfen und während der Truppentransporte nach allgemeiner Meinung einen erheblichen Anteil, und bei den außerordentlichen Anstrengungen, die unseren Armeen in den Schlachten in den heißen August- und Septembertagen zugemutet werden mussten, hat es sich ebenfalls vortrefflich bewährt. Bei dem plötzlichen Eintritt nasskalter Witterung und den dadurch bei manchen Soldaten bedingten Darmstörungen war das Verlangen der Truppen nach alkoholischen Getränken, besonders Rum und Arrak, wegen der vorübergehenden Erwärmung der Haut und des subjektiven Wohlbefindens, das sie erregen, begreiflich. Sollte wegen der Witterung- oder Gesundheitsverhältnisse künftig auf alkoholische Getränke zurückgegriffen werden müssen, so wird in erster Linie die gelegentliche Ausgabe einer Weinportion, am besten Rotwein, an die Truppen erfolgen. Die Mäßigkeitsbestrebungen in der Armee werden im übrigen auch weiterhin nachdrücklich gefördert werden.
Im Lazarett der Beethovenhalle finden allsonntaglich Morgenkonzerte statt, die jedes Mal für die dort liegenden Verwundeten eine große Freude bilden. Die musikalischen Darbietungen werden gewöhnlich durch ein Bach’sches Präludium eingeleitet, das der städtische Kapellmeister Herr Heinrich Sauer auf der Orgel zum Vortrag bringt, ferner gelangen katholische und evangelische Choräle auf der Orgel zur Wiedergabe. Die Kranken hören sorgfältig gewählte Teile aus unseren Meisteropern, hin und wieder wird ihnen auch ein Geigensolo oder ein Gesangsolo von künstlerisch wertvollen Kräften dargeboten, und den Schluß dieser ergreifenden Morgenkonzerte bilden immer vaterländische Lieder, insbesondere wird in brausenden Akkorden „Deutschland, Deutschland über alles“ auf der Orgel zu Gehör gebracht, wobei die Verwundeten, soweit sie hierzu nach ihrem Zustande in der Lage sind, stets frohen Herzens mit einstimmen, ja sogar selbst die Franzosen, die zu Beginn des Krieges dort lagen, sangen in dem vaterländisch-erhebenden Chorus mit. Den beteiligten Künstlern, die sich allsonntaglich der Aufgabe widmen, durch ihre Kunst den Vewundeten eine Stunde der Erheiterung und musikalischen Erbauung zu bieten, gebührt herzlicher Dank, der ihnen von den Kranken auch stets in spontaner Weise durch lebhafte Beifalls-Aeußerungen zum Ausdruck gebracht wird.
Zur Warnung für Gerüchteverbreiter. Das Kriegsgericht zu Coblenz verurteilte den Mechaniker Darder aus Rümelingen, der unwahre Gerüchte über die Kriegslage verbreitet hatte, zu drei Monaten Gefängnis.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Lustiges von unseren Bonner Kriegern im Felde. Unsere Bonner Soldaten sind am Martinsabend mit „Märtenslämpchen“ durch einen französischen Ort gezogen und haben so kräftig sie konnten „De hillige Zinte Märtens“ gesungen. Am folgenden Tage, dem 11. im 11. veranstalteten sie sogar eine regelrechte Karnevalssitzung mit einem eigens zu diesem Zweck gedichteten Prolog, Büttvorträgen und Ordensverleihung. Davon erzählt der folgende Feldpostbrief, der dem Präsident der „Bonner Großen Karnevalsgesellschaft“, Herrn Fritz Mauß, zugegangen ist:
.... In B. liegt z. Z. das Feld-Lazarett 1, welches hier eine Leichtverwundetensammelstelle eingerichtet hat. Am 10. November bei Anbruch der Dunkelheit sammelten sich die Mannschaften desselben mit den Mannschaften einer nahen Proviantkolonne zu einem Martinszuge. Voran ritt auf einem Schimmel im weißen Gewande, die Bischofsmütze auf dem Kopfe, der hl. Martinus, alsdann folgte die aus 6 Mann bestehende Kapelle, als Instrumente dienten: Pappdeckelrollen als Trompete, Kesseldeckel und Kaffeedeckel als dicke Trommel. Dahinter gingen etwa 200 feldgraue „Martinskinder“, die sich aus ausgehöhlten Knollen kunstvoll Martinslämpchen hergestellt hatten, hauptsächlich waren Franzosengesichter dargestellt. Unter den Klängen des alten, lieben Bonner Martinsliedes: Der heilige Zinter-Märtens dat wor ne jode Mann, er jov de Kinder e Kerzge und stoch et selver an usw. ging es durch die kleinen Straßen des Ortes. Die noch hiergebliebenen Einwohner schauten neugierig hinter den Gardinen her: was werden sie wohl gedacht haben ... Es ging hinaus auf das freie Feld, wo schon ein großer Haufen Brennmaterial aufgeschichtet war. Oben drauf stand eine ausgestopfte Puppe, die einen französischen Soldat darstellte. Als der Haufen unter den frohen Gesängen der Martinslieder in hellen Flammen stand, als der Franzmann sich nach vorne beugte und Feuer fing, ertönte aus dem Munde der umstehenden Krieger das französische Malheur – Maleur.
Mit dem Gefühle, ein paar Stunden heimisches Leben genossen zu haben, trennte man sich, um sich wieder der ernsten Kriegsarbeit zu widmen.
In anderen Lagern fanden sich, aus Bonner Jungens bestehende Krieger zusammen, um den 11. im 11. in gebührender Weise zu feiern, obwohl es uns an Damen und Alkohol fehlte. In einer kleinen Franzosenstube, welcher man die Bezeichung „Villa Sangeslust“ gegeben hatte, saßen der „Schöppenrat“ und seine Getreuen. Aus buntem Papier waren Narrenkappen angefertigt worden. Die Feier hatte eine reiche Abwechslung, in Büttreden, Vorträgen und gemeinschaftlichen Liedern. Jeder erhielt einen aus Pappdeckel geschnitzten Orden als Auszeichnung. Ganz besonders gefiel der Prolog von Kamerad S.P. Er lautet: „Hier liegen wir im schönen B. – Zum Heil dem deutschen Feldsoldat – Uns allen fehlt heut sehr der Brandy – Damit das Fest wird delikat. – Die rheinische Art nicht läßt sie sich verbergen – Drum töne heut vom Welschen Aisne Tal – Ein närrischer Sang zu rheinischen Landen – Ein Vivat hoch dem Prinzen Karneval. – Schwingt Brüder hell die Narrenkappe – Ihr von der Stube Sangeslust – Und schwartet ordentlich die Lappen – Als Lohn wird Euch geziert die Brust. – Und singt nur frisch wie Ihrs gelernt – Daheim am heiligen Strom – Für Singen und Sagen Euch gern gebeut – Prinz Karneval Generalpardon. – Hoch lebe die fröhliche, die rheinische Art – Hoch der rheinische Damenflor – Hoch lebe der köstliche kleine Rat – Hoch der närrische fidele Humor. - - - Bis zur gebotenen Stunde schwang der Schultheis, Kamerad M.S. , in würdiger Weise sein Zepter, und so hatten wir im Feindesland einige schöne Stunden Erinnerung an rheinische Sitten und Humor. A. K.
Auch in Rußland haben die Bonner an den Karneval gedacht. Einer schreibt:
... Am meisten freut es uns, daß wir noch den Elften im Elften erleben konnten. Manches Mal haben wir daran gezweifelt. Aber : et hätt noch immer joht jejange. Grüßen Sie die Herren der „Bonner Großen“ von mir. Auf ein frohes Wiedersehen in Bonn. Paul Massart.
Ein großes Konzert für die Verwundeten. Den zahlreichen Verwundeten, die in den Anstalten unsrer Stadt liebevolle Aufnahme gefunden haben, wird am nächsten Sonntag um 3 Uhr nachmittags im Saale des Bürgervereins ein auserlesener Musikgenuß bereitet durch den Männergesangverein „Apollo“ (Leitung Herr Fr. Eschweiler) unter gefälliger Mitwirkung von Frau Landrichter Dr. Kaufmann, Frau Elly Ney van Hoogsstraaten, Herrn von Hoogsstraaten, Herrn Kapellmeister H. Sauer und Herrn Privatdozent Dr. Verweyen. Der Saal ist ausschließlich den Verwundeten eingeräumt; während die Galerie für Mitglieder und Gönner der Veranstaltung zur Verfügung steht.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 27. November 1914
Nach Lille: Oberbürgermeister Spiritus, Beigeordneter Piehl und Dr. Krantz fuhren gestern nach Lille, um die Bonner Verbands- und Erfrischungsstelle „Prinzeß Viktoria“ aufzusuchen und die bisher getroffenen Anordnungen nachzuprüfen. Am Donnerstag vergangener Woche fuhren auch die ersten Schwestern, um dort in der Verbandshalle tätig zu sein. (...) Die Inanspruchnahme der Verbands- und Erfrischungsstelle ist nach wie vor ganz außerordentlich groß und ihre Tätigkeit infolgedessen sehr segensreich. An einigen Tagen sind über 12000 Soldaten verpflegt und 300 Verwundete frisch verbunden worden. Auch sind bereits zahlreiche chirurgische Eingriffe in dem an die Verbandshalle anstoßenden Operationszimmer gemacht worden. Seitens der Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe sind der Verbandsstelle ein Bild des Kaisers und ein Bild von ihr überwiesen worden, was große Freude bei allen Beteiligten hervorgerufen hat. (...) Wenn sich die Nachricht von einer stärkeren deutschen Offensive bewahrheitet, so wird in den nächsten Tagen wohl wiederum allerhand zu tun sein. Es wird nochmals dringend darum gebeten, für die Stelle doch Liebesgaben aller Art an der Sammelstelle der Diskonto-Gesellschaft abzuliefern. (...) Nur durch gemeinsame Arbeit vieler und durch gemeinsame Opferwilligkeit kann großes geschaffen werden.
An alle deutschen Mädchen richtet der Evangelische Verband zur Pflege der weiblichen Jugend, e.V. Berlin-Dahlem (...) die Aufforderung neben der Fürsorge für die im Felde stehenden Brüder auch der Schwestern zu gedenken, die infolge des Krieges aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Vor allem aus der Provinz Ostpreußen habe so viele Heim und Haus verlassen müssen, die nun in der Fremde Weihnacht feiern. Wenn ihnen die Weihnachtsglocken läuten, denken sie mit schweren Gedanken daran, daß sie nicht in der Heimat das Fest feiern können, daß sogar dort, wo ihnen der Christbaum brannte, nur Trümmer und verwüstetes Glück sind. Aber sie sollen, wenn auch fern ihrer Heimat, doch fühlen, daß sie getragen werden von der Treue ihrer deutschen Schwestern. Wir wollen ihnen ein trautes Weihnachten schaffen; deshalb bittet der Evangelische Verband zur Pflege der weiblichen Jugend Deutschlands, daß ihm für die ostpreußischen jungen Mädchen, die in vielen Heimen untergebracht sind, freundlichst Gaben dargereicht werden. Erwünscht sind Spenden an Geld, Wäsche- und Kleiderstoffen, aber es wären die Gaben besonders wertvoll, wenn sie begleitet wären von kleinen Beweisen schwesterlicher Treue in Grüßen aus allem deutschen Gauen.
Apollinariswasser. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat einen Erlaß an alle Eisenbahndirektionen gerichtet, wonach in den Bahnhofswirtschaften der weitere Verkauf von „Apollinariswasser“ zu verbieten ist. Dem Namen nach ist der Brunnen Eigentum einer deutschen Gesellschaft, in Wirklichkeit gehört er einem englischen Unternehmer.
Der Kartoffelverkauf durch die Stadt Bonn findet voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche statt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Höchstpreise für Petroleum. Es tritt neuerdings in der Presse die Forderung nach Festsetzung von Höchstpreisen für Petroleum hervor, weil aus einzelnen Orten Mitteilungen über eine teilweise erhebliche Erhöhung der Kleinhandelspreise kommen. Zu solchen Preissteigerungen liegt nach den Preissteigerungen im Großhandel kein Anlaß vor. Die Einfuhrfirmen haben seit Beginn des Krieges dem Großhandel das Erdöl im allgemeinen zu gleichen Durchschnittspreisen abgegeben, wie vor dem Kriege. Gemäß den vorhandenen Vorräten sind Einschränkungen in der Lieferung vorgenommen von ein Drittel bis ein Halb der früheren Mengen. Diese Maßregel war erforderlich, um die vorhandenen Bestände auch über eine Kriegszeit von längerer Dauer hinaus reichen zu lassen. Für alle Bezirke Deutschlands besteht nahezu ein gleicher Großhandelspreis, der der Lage des Petroleumhandels durchaus entspricht. Z u einer Festsetzung von Höchstpreisen für den Großhandel liegt somit zurzeit kein Anlaß vor. (...)
Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe besuchte vorgestern abermals das hiesige Mutterhaus vom Roten Kreuz in Begleitung der Hofdame Baronin von Blücher, und erfreute die Verwundeten des Lazaretts durch warmen Zuspruch und Spendung reicher Liebesgaben.
Behüte Dich deutsch! Vom Reichsverband deutscher Hutgeschäfte wird uns geschrieben: Die Abkehr von England macht sich auch in den deutschen Hutgeschäften bemerkbar. Während hier bis zum Ausbruch des Krieges englische Waren allgemein Trumpf waren, ist das Publikum nun endlich vernünftig geworden und verlangt in den Läden nicht mehr den bis dahin so vielbegehrten englischen Hut, dessen Vorzüge hauptsächlich in der Einbildung feiner Käufer lagen. Der Huthandel kann hiermit vollkommen zufrieden sein, denn die deutsche Hutfabrikation ist durchaus in der Lage, alle berechtigten Ansprüche zu befriedigen, besonders da ja auch noch die österreichische und italienische Einfuhr zur Verfügung steht. Vorübergehend – und herauf sei das Publikum besonders hingewiesen – wird sich allerdings eine Einschränkung in der Verschiedenartigkeit der Formen und Farben ergeben, und zwar weil die deutsche Wollindustrie vorläufig durch die Beschlagnahme der Wollvorräte in den Hutfabriken zum Stillstand gebracht ist, die Haarhutindustrie aber nur in vermindertem Umfange arbeitet.
Vereinslazarettzug K 1 – Bonn.
Diese Bezeichnung hat der Hilfslazarettzug erhalten, der von Mitgliedern und Gönnern der Universität Bonn sowie mit Unterstützung der Stadtverwaltung und vieler Mitbürger eingerichtet worden ist. Der Zug wird voraussichtlich im Laufe dieser Woche fertiggestellt sein.
Er setzt sich, abgesehen von der Lokomotive, dem Packwagen und den beiden Heizwagen, zusammen aus 27 Wagen für die Verwundeten, von denen 24 mit aufgehängten Tragbahren (teilweise mit Matratzen) versehen sind. Ein Wagen ist nach dem System Mehne in Schwenningen eingerichtet, zwei besonders für Schwerverwundete bestimmte Wagen enthalten dieselbe Ausstattung wie der Kölner Lazarettzug (System van der Zypen). Der Zug enthält außerdem einen Arztwagen, in dem im Notfalle operiert werden kann, und der zugleich zum Aufenthalt für das höhere Personal dient. Schlafgelegenheit für das Personal bietet ein Schlafwagen, ein D-Wagen 1. und 2. Klasse und zwei nach dem Muster der Krankenwagen eingerichtete Wagen. Ferner ist ein Küchenwagen vorhanden mit drei großen Kesseln, einem Herd und dem sonstigen Zubehör, sowie zwei Vorratswagen. Im ganzen wird der Zug achtzig Achsen führen, die Höchstzahl, die für einen solchen Zug als zulässig erachtet wird.
Das Personal setzt sich folgendermaßen zusammen:
Transportführer: Prof. Dr. Alex. Pflüger.
[Es folgt eine Auflistung der Funktionsträger]
Die Krankenpfleger sind z.T. Akademiker und Mitglieder der Genossenschaft freiw. Krankenpfleger der Ortsgruppe Bonn, z.T. Bonner Bürger.
1 Schreiber, 1 Diener, 1 Putzfrau und 1 Küchenmädchen. Ferner das Eisenbahnpersonal, im ganzen 60 Personen.
Mit Einschluß des Zuschusses von 5.000 Mark, den die Stadtverwaltung für die Einkleidung des Sanitätspersonals bewilligt hat, sind bis jetzt im ganzen etwa 44 500 Mk. an barem Geld verfügbar. Dankend quittieren wir hiermit über die eingegangenen Geldbeträge
[Es folgt eine lange Liste der Spenden]
Die bis jetzt gesammelten Mittel gestatten, den Zug in genügender Weise auszurüsten, und es sind auch die nötigen Mittel vorhanden, um den Zug einige Wochen laufen zu lassen. Für den späteren Betrieb werden aber weitere Mittel benötigt, da erfahrungsgemäß die Abnützung an Material sehr hoch ist. Die Gehälter und der Unterhalt des Personals werden zwar von der Militärverwaltung zum größeren Teil getragen, aber es werden doch monatlich etwa 5000 Mk. Zuschuß nötig sein. Wir richten deshalb an die Bürgerschaft die Bitte, das Unternehmen auch weiterhin durch Zuwendungen an Geld und Liebesgaben zu unterstützen. Einzahlungen bitten wir auf der Deutschen Bank, Zweigstelle Bonn, beim Konto: Hilfslazarettzug Bonn zu machen.
Im Auftrage des Ausschusses für den Vereinslazarettzug K 1 – Bonn: von Franqué, Frau Garré, Hoffmann, Jungbecker, Frau Krümmer, Landsberg, Spiritus, Steinmann.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Stadttheater. Man schreibt uns: Dem Vorgange anderer Bühnen folgend, veranstaltet unsere Theaterleitung morgen einen sogenannten „Bunten Abend“. Die Buntheit, welche das Programm aufweist, läßt dem Humor einen weiten Spielraum, ohne auf das Niveau der Cabaretts und Varietés herabzusteigen. Drei heute verpönte Fremdworte, welche keine Vorbedeutung für den Bunten Abend sein sollen. Es soll vielmehr echt deutscher Humor bester Art den Ton angeben; die gebotene Kost soll gediegen, mannigfaltig und herzerfrischend sein. Wer solch deutsche Kost liebt, der wird beim Besuch auf seine Rechnung kommen. (…)
Eine wechselseitige Verständigung auf dem weiten Felde der Armenpflege und Wohltätigkeit regt die Städtische Verwaltung wie seit Jahren zur Weihnachtszeit heute wieder an.
Ein solches Zusammenwirken ist – so teilt uns Herr Oberbürgermeister Spiritus mit – bei der außerordentlichen Vielseitigkeit der Kriegswohlfahrtspflege und bei der allgemeinen vaterländischen Opferwilligkeit in diesem Jahre besonders notwendig, um an der rechten Stelle zu helfen und zu verhindern, daß Einzelne, die mit den zahlreichen Wohltätigkeits-Einrichtungen genau vertraut sind, an zwei und mehr Stellen beschenkt und dadurch die verfügbaren Mittel anderen vielleicht Bedürftigeren entzogen werden.
Da sich bei den Weihnachtsbescheerungen ein Listenaustausch sehr bewährt hat, wird empfohlen, eine Liste derjenigen Personen, die zur Beschenkung in Aussicht genommen sind, bis zum 1. Dezember an die Städtische Auskunftsstelle für Wohltätigkeit, Franziskanerstraße 8 I einzureichen. In dieser Liste sind Vor- und Zunamen sowie die genaue Wohnung des Familienhauptes, und sofern es sich um Bescheerung von Kindern handelt, auch deren Vorname und ungefähres Alter einzutragen.
Seitens der Städt. Auskunftsstelle werden die Listen verglichen und dem Einsender mit den erforderlichen Bemerkungen bis zum 10. Dezember zurückgesandt. Die freie Entschließung bleibt jedem völlig gewahrt. Insbesondere ist die Verständigung darüber, ob und welche der in mehreren Listen enthaltenen Familien zu streichen sind, jedem Wohltäter völlig überlassen.
Nur wenn man Klarheit darüber hat, ob es sich um gewohnheitsmäßige Bittsteller handelt, nur wenn man weiß, ob diese noch an andern Stellen zur Bescheerung ins Auge gefaßt sind, kann man dem Missbrauch der Wohltätigkeit entgegentreten.
Es wird daher dringend gebeten, von der Benutzung der Städtischen Auskunftsstelle für Wohltätigkeit, Franzikanerstraße 8 I namentlich in diesem Jahre den weitgehendsten Gebrauch zu machen.
Nur aus gutem Herzen, ohne die Mühe einer ernstlichen Prüfung ausgeübte Wohltätigkeit schadet viel mehr wie sie nützt.
Ein Geisteskranker, der 45 Jahre alte Arbeiter Groß im Annagraben, wurde seit einigen Tagen von der Kriminalpolizei gesucht, um zwangsweise in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt gebracht zu werden. Als Groß gestern Vormittag auf dem Kaiser-Karl-Ring dem Kriminalbeamten Kristan begegnete, versuchte der Beamte in Güte, den Geisteskranken mitzunehmen. Groß wurde sofort sehr erregt und leistete heftigen Widerstand. Schließlich gab es einen Ringkampf zwischen den beiden. Sie wälzten sich am Boden und Groß versuchte, sich loszureißen. Als er sah, daß der Beamte stärker war als er, zog er einen Revolver und gab einen scharfen Schuß auf seinen Gegner ab, jedoch ohne diesen zu treffen. Durch den Schuß aufmerksam geworden, eilte ein städtischer Aufsichtsbeamter dem Kriminalbeamten zu Hilfe, und ihren vereinten Kräften gelang es dann, den Geisteskranken zu entwaffnen und in die Irrenanstalt zu bringen. – Groß ist schon öfter in einer Heilanstalt gewesen. Auch mit Brauweiler hat er schon nähere Bekanntschaft gemacht. Der Kriminalbeamte hat bei dem Zweikampf Verletzungen an beiden Knien und an einer Hand davongetragen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Für Vaterland und Ehre. Unerwartet schnell ist über uns ein Krieg hereingebrochen, so schrecklich, so gewaltig, wie ihn die Welt noch nicht gesehen, wie ihn niemand für möglich gehalten hat. Die jahrelange Friedensarbeit, die uns zu Wohlstand, auf eine hohe Stufe der Kultur gebracht hat, ist jäh unterbrochen worden. Wir erleben diese Zeit wie in einem Traume, wir vermögen es kaum noch zu fassen, wie das alles gekommen ist und welche Folgen solch ein Krieg zeitigen wird. Da ist es unbedingt nötig für die Jugend wie für die Erwachsenen eine zusammenfassende Darstellung, eine Geschichte des Krieges, dessen Ursachen und Verlauf, wahrheitsgetreu nach amtlichen Quellen zu besitzen. Eine solche Geschichte bieten wir unseren Lesern unter dem Titel: „Für Vaterland und Ehre“. Das Werk berichtet aber nicht nur trocken, sondern bringt neben den Dokumenten eine große Anzahl von Berichten und Aufsätzen von bedeutenden Persönlichkeiten, von Kriegsteilnehmern zu Wasser und zu Lande. Gute Illustrationen erläutern den Text. Wort und Bild erzählen von den aufopfernden Taten unserer Wehrmacht. Ein solches Werk soll die weiteste Verbreitung finden, es darf in keinem deutschen Hause fehlen. Es versäume deshalb niemand, sich rechtzeitig in unsrer Expedition, unseren Filialen oder bei unseren Trägern mit Exemplaren zu versehen. Verlag der Deutschen Reichszeitung, Bonn.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Geschäftliches.“)
Samstag, 28. November 1914
Viehzählung. Auf Beschluß des Bundesrats findet am 1. Dezember 1914 eine kleinere Viehzählung statt. Die Viehzählung erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen. Die Angaben dürfen nur zu amtlichen statistischen Arbeiten, nicht aber zu anderen Zwecken, insbesondere auch nicht zu Steuerzwecken benutzt werden, worauf ausdrücklich aufmerksam gemacht wird. Ueber den Inhalt der Zählkarten ist das Amtsgeheimnis zu wahren. Bei der hervorragenden Wichtigkeit der Viehzählung gerade in der gegenwärtigen Kriegszeit darf auf eine rege Teilnahme der Bevölkerung durch sorgfältiges Ausfüllen der Zählpapiere und bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern gegenüber gerechnet werden.
Eine Niederträchtigkeit. Am Freitag vormittag wurde die Liebesgaben-Bombe, die vor dem Metropol-Theater auf dem
Markt steht, gewaltsam erbrochen. Die Liebesgaben waren für die hiesigen Lazarette bestimmt, und der Inhalt sollte heute, Samstag, wiederum den Lazaretten zur Verfügung gestellt werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Westflandern, im November. Bis hier zum eigentlichen Kriegsschauplatz sind die unwahren Berichte gekommen, daß die jungen Regimenter Kriegsfreiwillige usw. sich im Kampf nicht als Männer betragen hätten. Dies muß ganz entschieden in Abrede gestellt werden. Schreiber dieses ist seit Kriegsbeginn als freiwilliger Motorradfahrer beim Stabe eines Armeekorps tätig und mittlerweile mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. An den Kämpfen in Westflandern haben viele, besonders rheinische Regimenter von Kriegsfreiwilligen teilgenommen. Bewundernswürdig haben sie sich gegen einen hartnäckig sich verteidigenden Feind geschlagen und stürmten unter großen Verlusten Stellungen des Gegners, singend das Lied „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“. 14 Tage lang haben sie ohne Ablösung bei Regen und Sturm und knapper Verpflegung einem schrecklichen Artilleriefeuer standgehalten und gesiegt. So betragen sich deutsche Krieger, wenn es um die Ehre des Vaterlandes geht. Anders lautende Meldungen sind falsch. Assessor Dr. B.R. z.Zt. im Felde.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Feldpostbriefe.“)
Die Kastanienbäume in der Argelanderstraße. Bewohner der unteren Argelanderstraße stellten vor kurzem bei der städtischen Verwaltung den Antrag, aus der schönen Allee genannter Straße jeden zweiten Baum – also die Hälfte der Bäume – zu entfernen. Begründet wurde das Verlangen damit, daß die Bäume zu dicht gepflanzt worden und nun den Wohnungen Licht und Luft nähmen, sowie Häuser und Keller feucht machten. Bei einer Entfernung von 6 Metern kann doch keine Rede davon sein, daß sie den Wohnräumen Licht und Luft nehmen; auch breiten sich hinter den Gebäuden geräumige Gartenflächen aus. Daß Häuser und Keller durch die Allee feucht geworden, ist uns unbekannt. Sollte sich irgendwo in einem Keller Feuchtigkeit eingestellt haben, so dürfte diese wohl eher durch Anpflanzung großer Sträucher in den Vorgärten vor den Kellerfenstern als durch die Alleebäume verursacht sein. Durch Beseitigung jedes zweiten Baumes würde der Abstand eines Baumes von dem andern größer sein, als dies in der Poppelsdorfer und in der Baumschul-Allee der Fall ist. An die Stadtverwaltung richten wir die dringende Bitte, der Argelanderstraße die herrliche Allee unversehrt zu erhalten. Mehrere Bewohner der Argelanderstraße.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Kameradentreue. Am Donnerstag nachmittag wurde in Bonn-Süd ein junger Krieger zu Grabe getragen. Zwei seiner Kameraden, die im Felde neben ihm gestanden haben und nun als Verwundete in Bonn weilen, gaben ihm das letzte Geleite, obwohl sie noch lange nicht wiederhergestellt sind und der größten Schonung bedürfen.
Bonner Wehrbund. Das gemeinsame Exerzieren aller Abteilungen des Wehrbundes wird morgen (Sonntag) nachmittag in Vertretung des Herrn Turninspektors Schröder Herr Dr. Brüggemann auf dem Venusberg leiten. Eine
Geländeübung soll diesesmal nicht stattfinden, weil abends um 9 Uhr von der Poppelsdorfer Abteilung in dem Gasthof von Vianden, Clemens-Auguststraße 30, eine gesellige Zusammenkunft veranstaltet wird, zu der alle Abteilungen des Wehrbundes und seine Freunde mit ihren Angehörigen eingeladen sind. Herr Privatdozent Dr. Ohmann wird dort einen Vortrag über „die Entwicklung des Feldzuges auf dem östlichen Kriegsschauplatz“ halten. Eine sachversständige Einführung in das
Verständnis der heutigen Lage auf diesem Schauplatz, der uns durch seine fremden Namen so schwer zugänglich ist, wird von allen mit besonderem Dank geschätzt werden.
Die Schuhmacherarbeiten werden teurer. Der Bonn-Poppelsdorfer Schuhmacherverein hat in seiner Vesammlung am Donnerstag Stellung genommen zu der enormen Erhöhung der Lederpreise. Die Teuerung ist durch die starke Nachfrage der Militärverwaltung nach fertigem Leder entstanden. Teilweise werden jetzt für Leder 100 – 150 Prozent mehr verlangt, als vor Ausbruch des Krieges. „Aus diesen erklärlichen Gründen“ – so teilt uns der Bonn-Poppelsdorfer Schuhmacherverein mit – „ist es uns nicht mehr möglich, die Arbeit zu den alten Preisen zu liefern. Die Mitglieder des obengenannten Vereins sehen sich gezwungen, im Interesse der Selbsterhaltung, die Preise für sämtliche vorkommenden Schuhmacherarbeiten entsprechend zu erhöhen.“
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 29. November 1914
Wie und wo kann in der Kriegszeit im Haushalt gespart werden? Der Vortrag des Herrn Oekonomierats Kreuz findet Donnerstag, den 3. Dezember, abends 8½ Uhr, im Dreikaiser-Saal, Kölnstraße, statt.
Die Petroleumpreise. Vom Handelsminister wurde eine Verfügung über den Petroleumhandel erlassen. Darin werden die vielfach übertrieben hohen Petroleumpreise gerügt. Zu einer Preiserhöhung liegt nach Lage der derzeitigen Großhandelspreise kein Anlaß vor. (...) Es besteht für alle Bezirke Deutschlands bereits ein bestimmter Großhandelspreis, der den durchschnittlichen Preisstand vor dem Kriege im allgemeinen nicht überschritten hat. (...) Nach Lage der Sache empfiehlt es sich, den Kleinhandelspreis überall so festzusetzen, daß er den Großhandelspreis des Bezirks nicht um mehr als 4 Pfg. für das Liter übersteigt, wobei darauf zu achten sein würde, daß von den Behörden der Kleinhandelspreis für Erdöl nirgends über 25 Pfg. hinaus festgesetzt wird. (...) Jedenfalls wird es notwendig sein, daß der Kleinhändler beim Verkauf des Erdöls durchweg eine Kürzung der seinem Kunden sonst abgegebenen Menge eintreten läßt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine Spende eigener Art, die an 1818 erinnert, war unter den vielen reichen Weihnachtsgaben für unsere im Felde stehenden Soldaten. Eine 70jährige Bonner Dame (Frl. Th.) hatte ihr schönes silbernes Haar gesammelt, sorgsam geordnet und verkauft. Sie erlöste daraus den hohen Betrag von 150 Mk. 100 Mk., davon übergab Frl. Th. Dem Vaterländischen Frauenverein Stadtkreis Bonn. 50 Mk. dem Männerverein vom Roten Kreuz mit der Bestimmung, unseren Helden draußen eine Weihnachtsfreude zu bereiten.
Dank für Liebesgaben! Die Soldaten des 2. Ersatz-See-Batlsl, 2. Komp., Wilhelmshaven, von Bonn und Umgegend bitten uns, der Spenderin des Musik-Instruments aus Niederholtdorf herzlichen Dank abzustatten. Auch die Bonner Mannschaften der Marine-Luftschiff-Abteilung Hamburg und Cuxhaven sagen den Spendern der warmen Wollsachen besten Dank und versprechen in allen Lagen ihres Höheberufs treu ihrer zu gedenken. Aus Freude über die schönen Sachen wollen sie den Engländern eine Bombe mehr aufs Dach werfen.
Stadttheater. Die Abendveranstaltung des letzten Sonntags wird auf vielfaches Verlangen heute nachmittag wiederholt, um auch auswärtigen Theaterfreunden und Schülern (diesen bei besonders ermäßigten Preisen) Gelegenheit zu bieten, von der gerühmten Othello-Vorstellung zu profitieren. Abends folgt dann die humorsprühende Aufführung von Lumpazi vagabundus, bei welcher das gesamte Städt. Orchester mitwirkt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
„Auf dem Felde der Ehre“, der große Film, der in dramatisch fesselnder Weise schildert, wie der Krieg läuternd in das Schicksal eines Menschenlebens eingreift und große Gefühle mächtig aufflackern läßt, wird heute, morgen und Montag im Viktoria-Theater in der Gangolfstraße vorgeführt. Von den wenigen Kinodramen, die es verdienen, auch in diesen ernsten Wochen dem Publikum gezeigt zu werden, verdient der Film „Auf dem Felde der Ehre“ besondere Beachtung.
Populär-wissenschaftlicher Vortrag. Exzellenz Generalleutnant von Steinaecker-Berlin: Der Dienst hinter der Front.
Steinaeckers Darlegungen beruhen auf gründlicher theoretischer und praktischer Sachkenntnis. Er kennt den ganzen, ungemein komplizierten Apparat, der hinter der Front die Verbindung zwischen Front und Vaterland aufrecht erhält, er ist selbst alter Soldat, er hat den Krieg von 1870/71 mit Bewußtsein erfaßt und eben kehrt er von einem wehrmächtigen Aufenthalt in Belgien zurück. Und nun sagte er uns in seiner fesselnden, ganz persönlichen Art, was er gesehen und erlebt hat und was er von diesen welterschütternden Ereignissen unserer Tage denkt. Man gewann durch diesen Vortrag einen Einblick in die kunstvolle Maschinerie, die in der Stunde der Mobilmachung in Gang gesetzt wurde und die dann in wenigen Wochen mit der Präzision eines Uhrwerks ablief. (...) sehr anschaulich schilderte der Redner die nimmerrastende Tätigkeit auf den Verbindungswegen zur Front. Zwei Ströme fluten hin und zurück. Der eine führt Tag und Nacht Mannschaften, Proviant und Munition zu der kämpfenden Armee, der andere bringt Verwundete, Kranke, Gefangene, unbrauchbar gewordenes Waffenmaterial usw. in die Heimat zurück. (...)
Als wir in Belgien die belgischen Soldaten, die Franzosen und Engländer hinausgeworfen hatten, war unsere wichtigste Aufgabe, das Land für uns nutzbar zu machen, den Verkehr, Handel und Wandel wieder zu beleben. Exzellenz von Steinaecker schilderte die Erfolge dieser Bemühungen unter Exz. von Sandts glänzender Leitung, sprach von den furchtbaren Zerstörungen der Städte und Dörfer und verteidigte unsere als Barbaren geschmähten Soldaten gegen die bekannten lügnerischen Beschuldigungen in der feindlichen Presse. Für die vom Schicksal schwer heimgesuchte belgische
Bevölkerung, auch für den einzelnen Bürger, der in plötzlicher Aufwallung seines vlämischen Blutes zum Franktireur wird, hatte der Redner Worte des Verständnisses und des Mitgefühls. Glatt erlogen seien die Behauptungen, vielen deutschen Soldaten seien von Belgiern, sogar von Frauen und Kindern, die Augen ausgestochen worden. Nicht einem einzigen deutschen Soldaten sei das geschehen. Man habe, um das einwandfrei festzustellen, sogar das Grab eines unserer Krieger öffnen lassen. Unwahr ist auch, daß sich Geistliche in Belgien an dem Franktireurkampf gegen die Deutschen beteiligt hätten.
Die Frauen ermahnte Exz. Steinaecker dringend, den Strickstrumpf nicht ruhen zu lassen. „Jede Woche gehen zwei Züge mit Wollsachen nach dem westlichen und östlichen Kriegsschauplatz. Wir brauchen noch sehr viel warmes Unterzeug, bis der Krieg zu Ende ist. Wenn unsere Frauen sorgen, daß unsere Soldaten darin keinen Mangel haben, dürfen sie an dem Enderfolg dieses gewaltigen Kampfes ein gerütteltes Maß für sich in Anspruch nehmen.“
Verkauf von belgischen Pferden. Am Mittwoch, den 2. Dezember und Donnerstag, den 3. Dezember 1914, vormittags von 10 Uhr ab, findet ein Verkauf von Beutepferden und belgischen Fohlen durch die Landwirtschaftskammer unter Mitwirkung der Rheinischen Pferdezentrale auf dem Schlachthofe in Köln statt. Es gelangen zur Versteigerung ca. 250 Beutepferde (3 Hengste, eine Anzahl Stuten und Gebrauchspferde, sowie einige Fohlen) und 28 belgische Fohlen, meist 1½ jährige Wallache, die von der Landwirtschaftskammer käuflich übernommen wurden.
Liebesgaben werden entgegengenommen:
1. Centralstelle der Vaterländischen Vereinigungen Diakonie-Gesellschaft, Bonn Münsterplatz
2. Für das Rote Kreuz in Bonn im Gesellschaftshaus der Lese, Coblenzer Straße.
3. In Beuel im Geschäftslokal des Schaaffhauenschen Bankvereins. (...)
9. Für das Inf.-Reg. Nr. 160 im Stabsgebäude der Ermekeilkaserne, Zimmer 89. Dienststunden vorm. 9-12. nachm. 3-6 Uhr. Erwünscht sind vor allem Wollsachen, Tabak und Zigarren.
10. Für das Königshusaren-Reg. Nr. 7 bei der Ersatz-Eskadron in der König Wilhelm-Kaserne, Rheindorfer Straße, Regimentsbureau; (...)
17. Die Auskunftsstelle für Verwundete in Bonner Lazaretten, Bahnhofstraße 40, ist geöffnet täglich von 10-13½ Uhr vorm. Und von 2 ½ - 7,30 Uhr nachm. Es werden auch schriftliche Auskünfte erteilt. Amtliche Verlustlisten liegen aus. (...)
24. Lesezimmer für Verwundete Markt 34 und Gangolfstraße 11.
25. Bücherannahme für unsere Krieger im Felde und in den Lazaretten im Borromäushause Wittelsbacherring 9.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 30. November 1914
Eine zu beherzigende Warnung. Das stellvertretende Generalkommando in Stuttgart erläßt folgende Bestimmung: „In den letzten Wochen haben zu wiederholten Malen in Stadt und Land mit Beziehung auf den gegenwärtigen Krieg völlig aus der Luft gegriffene, beunruhigende Gerüchte Verbreitung gefunden. Ich warne nachdrücklich vor der Ausstreuung oder Weiterverbreitung solcher Gerüchte und verfüge gemäß § 4 und 9 Ziffer b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Januar 1851 folgendes: Wer vorsätzlich oder fahrlässig mit Beziehung auf den gegenwärtigen Krieg falsche Gerüchte ausstreut oder verbreitet, die geeignet sind, in der Bevölkerung Beunruhigung hervorzurufen, wird, wenn die bestehenden Gesetze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft.“ Flaumacher gibt es leider nicht bloß im Bezirk des Generalkommandos Stuttgart. Sie mögen alle die vorstehende Warnung beherzigen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Vor einem Café an der Bahnhofstraße lärmte heute früh um 6 Uhr ein junger Vaterlandsverteidiger so lange, bis der Geschäftsführer des Cafés den jungen Soldaten, der offenbar etwas zu viel Alkohol genossen hatte, durch einen vorüberkommenden Unteroffizier festnehmen ließ.
Der Wehrbund hielt gestern abend im Saale von Vianden in Poppelsdorf eine gut besuchte Versammlung ab, die von Herrn Dr. Brüggemann mit einem Hinweis auf die Bedeutung des Wehrbundes eröffnet wurde, wobei er mit warmen Worten zum Beitritt aufforderte. Die Versammlung stimmte hierauf das Lied „Deutschland über alles“ an.
Privatdozent Dr. Ohmann hielt einen sehr klaren und lehrreichen Vortrag über die Kämpfe auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Er wies darauf hin, daß man bei Betrachtung dieser Kämpfe immer daran denken müsse, daß die Deutschen einer großen russischen Uebermacht gegenübergestanden hätten, weil der Hauptschlag anfangs gegen Frankreich gerichtet war. (...) In Ostpreußen habe Hindenburg mit seiner Kautschuk-Taktik die Russen in die masurische Seenplatte hereingelockt und dort umzingelt. 250 000 bis 300 000 Russen wurden in dem Seengebiet gefangen oder vernichtet. Das war die ruhmvolle Schlacht bei Tannenberg, die ein erneutes Vordringen in Ostpreußen unmöglich machte. (...) Die ganze Schlachtfront der Deutschen und der verbündeten Oesterreicher habe eine Länge von annähernd 1000 Kilometer. Die Kämpfe seien noch im Gange, aber der Plan des russischen Generalstabs sei durchkreuzt und ein großer Sieg ähnlich wie bei Tannenberg sei in den nächsten Tagen zu erwarten.
Zum Schluß wurde mit Begeisterung „Die Wacht am Rhein“ gesungen.
Die Ortskrankenkasse hielt gestern morgen eine Ausschußsitzung, die anfangs so schwach besucht war, daß es längere Zeit fraglich schien, ob sie überhaupt beschlußfähig werde. Der Vorsitzende, Herr Kall, erstattete einen Bericht, in dem er darauf hinwies, daß der vorgelegte Voranschlag für 1915 nicht genau maßgebend sein könne, aber die Erfahrungen der Kriegszeit seien berücksichtigt worden, und man hoffe, daß der Krieg im Frühjahr beendet sein werde. Von den Mitgliedern und aus der Mitte des Vorstandes seien manche Herren einberufen , das Vorstandsmitglied Herr Koops sei bereits gefallen. Die Versammlung erhob sich zu Ehren der bereits Gefallenen. Die Kriegsnotgesetze vom 5. August hätten eine Menge Einschränkungen verursacht. Die Leistungen seien auf die Regelleistungen herabgesetzt und die Beiträge auf 4 ½ Prozent erhöht worden. (...) Gleich nach Ausbruch des Krieges habe der Vorstand durch die Presse darauf hingewiesen, daß die zum Heeresdienste einberufenen Kassenmitglieder freiwillig in der Kasse verbleiben könnten, aber nur etwa 250 Personen hätten davon Gebrauch gemacht. Für die Unterstützung von 70 verwundeten Kriegern seien bisher 6570 Mark ausgegeben worden.
Die Mitgliederzahl der Kasse sei von 21 500 auf 15 600 gefallen, dann aber wieder auf 17 000 gestiegen. Die Aerzte hätten sich bereit erklärt, die Familien der im Felde stehenden und durch den Krieg arbeitslos gewordenen Mitglieder unentgeltlich zu behandeln. Sie bitten aber auf ihre Ueberlastung Rücksicht zu nehmen.
Das Schlußturnen des Turnlehrerinnen-Kursus nahm gestern nachmittag in der Turnhalle der Hundsgasse unter dem Vorsitz des Herrn Schulrat Ewerding einen anregenden Verlauf. In der schönen Doppelhalle entfaltete sich bald ein recht frischer Turnbetrieb. Die Teilnehmerinnen, ungefähr 70 Damen in flotter Turnkleidung, nahmen zunächst Aufstellung zu gemeinsamen Freiübungen. Hierbei interessierte besonders ein exakt ausgeführtes Keulenschwingen. Es folgten im schnellen Wechsel gelungene Uebungen an Klettertauen, am Barren, Reck, Pferd und Kasten. Den Schluß bildete ein reizender Reigen: ein finnländischer Webertanz zu den Klängen einer Zupfgeige und dem sich stets wiederholenden Kehrreim: „So weben wir die Leinwand, so weben wir fleißigen Weberinnen schnell unsere weiße Leinwand.“ Der graziöse Reigen gefiel allgemein. Die gesamten, unter Leitung des Turn-Inspektors Schröder stehenden Darbietungen zeugten von einer allseitigen turnerischen Ausbildung. Sie fanden den ungeteilten Beifall der zahlreich erschienen Zuschauer.
Morgenkonzert in der Beethovenhalle.
Es ist eine weibliche Feder, die uns mit gutem Blick und liebevollem Herzen für unsere Krieger folgende Schilderung von dem gestrigen Morgenkonzert in der Beethovenhalle gibt:
Sonntagstimmung scheint über der Halle zu liegen, wohl noch leiser als sonst gehen die Pflegerinnen zwischen den Betten umher, hier noch eine Decke, dort noch ein Kissen zurechtlegend. Einem der Krieger, die hier treue Pflege gefunden haben, wird ein Stuhl hinter den Rücken gelegt, dann kommen die Kissen, und befriedigt setzt der Verwundete sich zurück, nun sitzend der Genüsse wartend, die ihm und seinen Kameraden den Sonntag einleiten sollen.
Genüsse, hier, an der Stätte der Schmerzen? Ja, man darf es wohl ruhig so nennen, was hier von der Liebe und der Kunst guter Menschen denen gebracht wird, die ihr Blut zu unserm Schutz und Heil draußen vergossen haben. Und sie selbst nennen es wohl auch so, wenn ich die Stimmung, die durch die weite Halle wehte, richtig aufgefaßt habe. Feierlich ernst wirkt der Schmuck der Halle: Palmen und Lorbeerbäume und deutsche und österreichische Fahnen, die zusammenwirkend den Charakter des Lazarettmäßigen verwischen.
Einzelne Patienten wandern langsam auf und ab, andere haben einen richtigen Skatklub gegründet, mit Kiebitzen und allem Zubehör, nur die große Flasche auf dem Tisch – frisches Wasser – wirkt ein bißchen fremd.
Die im Bett Liegenden lesen; ein gutes Buch, ein lieber Brief hilft ihnen über die Leere der Stunden hinweg. Hier und da schweift ein erwartender Blick nach der Orgel – endlich ertönen leise, feierliche Klänge. Händels Messias, unsere Beethovenorgel, Heinrich Sauer und die wundervolle Akustik der Halle – das mußte ja gut werden, selbst dann, wenn der selbstlose Künstler seinem Instrument und seiner Kraft Zügel anlegen muß, weil „donnernde Akkorde“ sich auf die selbst unter der Orgel aufgestellten Betten unwillkommen fortpflanzen würden. Vom Messias ein Ueberklingen in Choräle, die jedem der unten liegenden und sitzenden Kranken Erinnern an die Sonntagmorgen vor dem Krieg wachrufen, ein schüchterner, kaum sich hervorragender Dank.
Nach kleiner Pause steht ein Kamerad all der Verwundeten neben dem Organisten. Es ist dessen Bruder. Alle Schrecken des Feldzuges sind auch an ihm vorübergebraust, sein Arm ist zerschossen, schon kehrt Gesundheit zu ihm zurück und erfüllt ihm mit Dank gegen das gütige Schicksal, das es ihm schon wieder möglich macht, seiner geliebten Kunst zu leben. Alles drängt ihn, diesem Dank Ausdruck zu geben, und hier findet er den rechten Platz, das am Herzen zu tun und er findet auch den rechten Ton: „In diesen heil’gen Hallen kennt man die Rache nicht“. Wie tief die künstlerisch gebotene Gabe zu Herzen geht, sehen wir an einem der Kranken. Anscheinend teilnahmslos lag er bis jetzt, nun kommt ein Ausdruck des Lauschens in sein Gesicht, ein Erinnern. Er deckt die Augen mit der Hand. Wann und wo mag „Sarastro“ ihm zuletzt gesungen haben? Reicherer Beifall folgt dem Lied und den sich anschließenden Klängen aus den „Meistersingern“, und jetzt ist der Kontakt zwischen den Künstlern und den Hörern hergestellt.
Wünsche werden laut, bereitwillig ertönt Löwes wundervoller „Prinz Eugen“, der begeistert aufgenommen wird. „Deutschland über alles“ und „Die Wacht am Rhein“ geben den Kranken Gelegenheit, ihrem übervollen Herzen Luft zu machen.
Inzwischen sind die beiden Künstler zur Mittelgallerie zum Flügel gegangen, und wieder begleitet Direktor Sauer seinen Bruder zu dem volkstümlichen Lied der Waffenschmied: „Auch ich war ein Jüngling im lockigen Haar“. Da treffen wohl die Gedanken und Wünsche des Künstlers mit denen seiner dankbaren Zuhörer zusammen: „Wenn Redlichkeit käme als Waffenschmied ... das wär eine köstliche Zeit“. Zum Schluß ein schneller Abschied von den Kranken – selbst einige Mitglieder des unentwegten „Skatklubs“ kommen dazu heran – und schon ertönt das verheißungsvolle Klirren der Bestecke und der Duft der hereingetragenen Suppe kündet den Beginn des Mittagmahls.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Ein endlos langer Trauerzug bewegte sich gestern nachmittag zum Kessenicher Friedhof. Der Landsturmmann Wilberts aus Kessenich, der am Donnerstag , als er am Brühler Schloßteich Posten stand, von einem Zug überfahren wurde und bald danach starb, wurde zur letzten Ruhe geleitet. Viele hundert Leidtragende folgten dem Trauerwagen, darunter viele Kameraden des Herrn Wilberts, Mannschaften des Landsturmbataillons Bonn, eine Schulkindergruppe und viele, viele Männer und Frauen. Die außergewöhnlich starke Beteiligung bewies, welche Sympathie der so jäh ums Leben gekommene – er ist Vater von 5 Kindern – bei der Bürgerschaft genoß.
Das Säuglings- und Kinderheim auf Hohen-Eich, in Bonn-Endenich, das zu Beginn des Krieges gegen Mitte August von der Familie Rud. Küpper sen. mit Unterstützung weiter Kreise ins Leben gerufen wurde, hat sich nunmehr einer mehrmonatlichen segensreichen Wirksamkeit zu erfreuen.
Unter der Leitung der rührigen Säuglingsschwester Margarethe, in ständiger Mitarbeit ihrer Schwester Else und einer Anzahl junger Damen wurden im Laufe der Wochen im ganzen ca. 60 Kinder bedürftiger, im Felde stehender Krieger aus Bonn und Umgegend, bis vor kurzem gänzlich kostenfrei, vollständig gepflegt. In letzter Zeit ist man dazu übergegangen, mit Hilfe der Armenverwaltung die Verhältnisse der betreffenden Familien genauer zu prüfen und da, wo dieselben es zuließen, eine kleine Gegenleistung von etwa 6-10 Mark monatlich für das Heim zu fordern. In diesem letzteren Falle war gleich zu erkennen, welche Frauen bereit waren, im Interesse ihrer Kinder ein Opfer zu bringen und welche es vorzogen, dieselben wieder regellos auf die Straße zu schicken, um selbst besser leben zu können!
Das Heim war in den ersten Wochen seines Bestehens mit durchschnittlich 20, später mit 30 Kindern vom Säuglingsalter bis zum Alter von vier Jahren belegt. Eine gründliche, rationelle Pflege führte bei den Kindern in den weitaus meisten Fällen, zur Freude der Pflegerinnen dahin, daß aus teils verwahrlosten, schlecht genährten und rachitisch erkrankten, unter ärztlicher Oberleitung frische, gesunde, rotwangige und – wohlerzogene Kinderchen wurden, von denen heute der größere Teil herumspringt, schwatzt, singt und spielt. Aus den schwachen Geschöpfchen, die, als sie ins Heim eingeliefert wurden, von ihren Beinchen keinen oder nur sehr schwachen Gebrauch machen konnten, wurden frische, gesunde Kinder. Bei den Säuglingen ergab die Kontrolle durch die Wage recht schöne Erfolge: in einem Falle, wo Kunst und Erfahrung nicht helfen wollten, half die freundliche Frau Nachbarin zu durchschlagendem Erfolg! Zunahme wöchentlich 100 bis 200 Gramm. Das kleine Karlchen, um dessen Erhaltung man sich schon schwer sorgte, war gerettet und bekam in wenig Wochen runde Backen!
Was nun die Unterhaltungskosten des Heims anlangt, wird folgendes alle Freunde der Sache interessieren. Einrichtungsgegenstände, Betten mit Zubehör, Kinderwagen, Geschirre jeder Art wurden von der Bürgerschaft ausreichend zur Verfügung gestellt. (...)
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)