Freitag, 25. Juni 1915

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 25. Juni 1915Nationaler Studentendienst. Im Auftrage der Bonner Sozialstudentischen Zentrale und vieler studentischer Korporationen und Vereinigungen sprach am Montag abend im Hähnchen Herr Dr. Sonnenschein über „Nationaler Studentendienst“. Er führte aus, daß der Weltkrieg in den rauschenden Augusttagen und jetzt in der Gemeinsamkeit des Schützengrabens Solidarität aller Stände geschaffen habe. Doch diese Solidarität sei bedroht von dem Kastengeist, der hinter der Front noch immer nicht ausgestorben sei, der nach dem Kriege vielleicht wieder zur Herrschaft kommen werde und die Gefahr in sich trage, daß die in gemeinsamen Kämpfen und Mühen so teuer erworbene Gemeinschaft wieder untergehe in der Flut der kleinen Vorurteile. Darum sein es während des Krieges und später im Frieden doppelt nötig daß die Zurückbleibenden nach gegenseitiger Verständigung streben, daß insbesondere der Akademiker das Volk kennen zu lernen suche und daß er, der später sein geistiger Führer werden solle, sich klar sei über dessen Wesen, Wünsche, Leben und Not. Das könne restlos nur geschehen durch praktisch Fühlungnahme durch Sozialarbeit. Wie das zu erreichen und im einzelnen zu gestalten sei, führte der Redner dann des näheren aus. Die Wirkung seiner Worte war restlos und ließ in den zahlreich erschienenen Zuhörern das Gelöbnis zum Volksgenossentum und zum Ringen darum zurück.

Liebesgaben aus Brasilien. In den deutschen Ansiedlungen Brasiliens, ganz besonders in den brasilianischen Städten Blumenau, Itajahi und Joinville sind nicht nur ansehnliche Geldbeträge nach Deutschland für das Rote Kreuz und die Kriegshilfe geschickt worden, es wurde u. a. auch eine bedeutende Sendung Zigarren, Zigarillos, Honig und Fruchtkonserven nach Deutschland gesandt, die durch Vermittlung des Hauses Magnus u. Co., Rio de Janeiro und Hamburg wohlbehalten eingetroffen ist. Die Zigarren und Zigarillos sind dem Zentral-Depot für Liebesgaben in Berlin zur Verteilung ab die Marine und an das Heer zur Verfügung gestellt. Auch das Rote Kreuz in den verschiedenen Hauptstädten des deutschen Reiches hat aus der Sendung Honig und Fruchtkonserven erhalten. Es ist bemerkenswert, daß die deutsche Ansiedlung in Brasilien, Blumenau, ausdrücklich S. M. S. Kaiser berücksichtigt hat, indem unsere lieben Landsleute bestimmten, daß in Erinnerung an den unvergeßlichen Besuch des Schiffes eine reichhaltige Liebesgabe der Besatzung überreicht werden soll. Auch diese Sendung ist bereits dem Kommandanten S. M. S. Kaiser für die Besatzung übergeben worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juni 1915„Welschtirol, das neue Kampfgebiet“, war der Gegenstand eines Vortrages, den gestern abend Dr. R. F. Günther im vollbesetzten großen Hörsaal der Universität hielt. Redner sprach zuerst von der „Italia irredenta“, jener Partei in Italien, welche die Vereinigung aller italienisch redenden Gebietsteile außerhalb des Königreichs Italien mit diesem erstrebt. Aber weder rechtlich noch geschichtlich sei ein solcher Anspruch gerechtfertigt: Südtirol sei ursprünglich deutsches Reichsland gewesen. Dr. Günther kam ferner auf die Zugeständnisse zu sprechen, die Oesterreich Italien gemacht habe, um darzutun, was preiszugeben die österreichische Monarchie willens gewesen sei. Nach Welschtirol, ins neue Kampfgebiet, führten alsdann Lichtbilder, wozu Dr. Günther durch einige Täler den Führer machte. Die Bilder waren unklar – und man freute sich dessen beinahe. Denn es ist sehr schmerzhaft, in einer Zeit verhinderter Reisepläne ein Stück schöner Welt nur auf der weißen Wand sehen zu dürfen. Aber so unklar waren die Bilder doch nicht, um sehen zu können, daß die Bewohner dieses schönen Landes sehr ärmliche Leute sind. Für sie, die auf dem Vorposten des Deutschtums stehen, über deren Scholle nun die Kriegsfurie wütet, bat Dr. Günther um Liebesgaben.

Schädlichkeit des Zigarettenrauchens bei Jugendlichen. Man schreibt uns: Die schon so häufig gerügte, in den letzten Jahren aber immer mehr überhandnehmende Unsitte des Zigarettenrauchens jugendlicher Personen, ist besonders in gesundheitlicher Beziehung von äußerst schädlichem Einfluß. So wird neuerdings aus der Gemeinde Großenbaum (Landkreis Düsseldorf) mitgeteilt, daß sich bei einem jungen Menschen von 17 Jahren infolge des übertriebenen Zigarettengenusses eine Gehirn-Entzündung entwickelt habe, die nunmehr den Tod des Betreffenden zur Folge hatte. Verschiedene Behörden sind denn schon zu einem Verbot des Zigarettenverkaufes an jugendliche Personen übergegangen und auch das Generalkommando in Münster hat in diesem Sinne eine Warnung erlassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Bonner Bürgerverein. In der gestern abgehaltenen Hauptversammlung des geselligen Vereins Bonn Bürger-Verein trug der Vorsitzende den Jahresbericht vor, nach welcher der Verein am 1. Januar 1915 550 Mitglieder zählte. Bei der Neuwahl für die im regelmäßigen Geschäftsgang ausscheidenden Vorstandsmitglieder, welche eine Wiederwahl aus Gesundheitsgründen ablehnten, wurden die Herren Kaufmann Theodor Bahnen und Lehrer Wilh. v. Birgelen in den Vorstand gewählt. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Schumacher II wieder- und Kaufmann Carl Lauffs zum stellvertretenden Vorsitzenden neugewählt. Die Anregung, auch in Bonn nach dem Wiener und Kölner Vorbild ein Holzbildnis zum Einschlagen von Nägeln zur Erinnerung an die große Zeit und zur Beschaffung von Mitteln für vaterländische Zwecke zu errichten, fand allseitige Zustimmung, zumal gerade die Nachricht von der Einnahme von Lemberg eintraf. Ein allgemeiner Bürgerausschuß zur Beratung der Angelegenheit ist in der Bildung begriffen. Anfragen und Zuschriften nimmt Rechtsanwalt Schumacher II in Bonn, Wilhelmstraße 26, entgegen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Benennung von Straßen.
Einer Straße den Namen Hindenburgstraße zu geben, wird allgemeinen Beifall finden und eine dauernde Erinnerung an den verdienstvollen Heerführer und an den gegenwärtigen Krieg sein. Gibt es ja auch zur Erinnerung an den 1870er Krieg eine Wörthstraße in Bonn. Bekanntlich haben bei Wörth süddeutsche Truppen gekämpft, während bei Spichern viele Rheinländer kämpften. Wäre es da nicht am Platze, auch eine Straße als „Spicherer Bergstraße“ ins Auge zu fassen. Vielleicht ließe sich dieses schon dadurch erledigen, daß die jetzige Bergstraße diesen Namen erhält. Ein Veteran von 1870/71.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)