Samstag, 2. Januar 1915

 

Bonner Wehrbund. Sämtliche Abteilungen des Wehrbundes treten am Sonntag um ½ 3 Uhr an der Südschule in Kessenich zu einer gemeinsamen Uebung im Dienste der Feldwachen an.

Vaterländische Reden und Vorträge. Heute, Samstag abend um 8 ½ Uhr, findet in der Aula des Städtischen Gymnasiums eine Wiederholung des Vortrages von Herrn Benediktinerpater Albert Hammenstede über „Krieg und Soldatenstand im Lichte der katholischen Liturgie“ statt. Den nchsten Vortrag hält am Mittwoch, 6. Januar, Herr Direktor Riepmann über Landmacht und Seemacht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeigen im General-Anzeiger vom 2. Januar 1915Die Neujahrsnacht ist in Bonn ruhig, ohne die lärmenden Zutaten früherer Jahre verlaufen. Wohl dröhnten mit dem Glockenschlag 12 Böllerschüsse durch die Nacht. Gläser klangen aneinander, Grüße und Wünsche wurden gewechselt, aber das alles klang doch in diesem Jahre gedämpfter, ruhiger, womit jedoch nicht gesagt werden soll, daß die Jahreswende etwa in gedrückter Stimmung verbracht wurde. Das war nicht der Fall. Es war die abgeklärte Stimmung, mit der man ruhig die Bedeutung der Dinge zu erfassen sucht, und die deshalb wohltuend absticht von dem leicht verqualmten Strohfeuer momentaner Begeisterung. Bis 1 Uhr nachts währte das Leben und Treiben in den Bonner Lokalen, dann ward Feierabend und die öffentlichen Lokale schlossen sich.
   Die Sylvesternacht ging im übrigen ruhig und bei hellem Mondschein zu Ende. Der Neujahrsmorgen brachte schon früh gute Kunde aus dem Großen Hauptquartier. Unser Kaiser hat mit seinem Erlaß, der voller Zuversicht ist und die Stimmung eines jeden Deutschen widerspiegelt, den schönsten Neujahrsgruß entboten. Die Mitteilung, daß sich bis Jahresschluß im ganzen 586000 Kriegsgefangene in Deutschland befinden, war ebenfalls dazu angetan, die Neujahrstagsstimmung zu steigern und den Blick voll Dankbarkeit auf unseren Kaiser, auf unsere tapferen Soldaten und ihre Führer zu richten.
   Der Neujahrstag brachte somit eine gehobene Stimmung und mit freudig zuversichtlicher Stimmung schüttelte man sich die Hände und wünschte sich gegenseitig ein „Prosit Neujahr!“

Blinder Alarm. Gestern abend gegen 8 ½ Uhr wurde die Feuerwehr zum Münsterplatz gerufen. Als die Wehr anrückte, stellte es sich heraus, daß der Feuermelder mutwillig in Tätigkeit gesetzt worden war.

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Januar 1915Eßt Kriegsbrot! Immer wieder kann man hören, daß es mit der Einbürgerung des Kiregsbrotes (d.h. desjenigen Brotes, welches über 5 Prozent Kartoffelzusatz enthält und mit einem „K“ bezeichnet ist) langsam, sehr langsam geht. In zahlreichen Ortsstellen unserer größeren Städte, besonders natürlich in den wohlhabenderen Gegenden, kann sich ein jeder durch Anfrage beim Bäcker überzeugen, daß das „K“-Brot überhaupt nicht zum Verkauf gestellt wird. Es ist dies leider ein Zeichen dafür, daß unserer Bevölkerung der Ernst unserer Nahrungsmittelversorgung im Kriege noch nicht genügend einleuchtet.
   Es liegt ja nicht immer und überall in der menschlichen Natur, Vorsorge für die Zukunft zu treffen. Aber hier, wo von allen Seiten als ein dringliches volkswirtschaftliches Gebot im Kriege die Verbreitung von „K“-Brot anempfohlen wird, sollte doch endlich mit der Sorglosigkeit aufgeräumt werden. Wir wollen annehmen, daß allein diese bisher der Grund für die bedauerliche Tatsache war, daß „K“-Brot noch keine Kriegspopularität gewonnen hat; denn frevelhaft wäre es geradezu, wenn etwas andere Gründe hierfür die Veranlassung bieten würden. Aber gesagt soll es werden, daß eine Minderbewertung des „K“-Brotes aus sozialen Gründen in höchstem Grade verwerflich wäre. Könnte man alle theoretischen Wünsche mit einem Schlage verwirklichen, so gäbe es in Deutschland, solange der Krieg währt, überhaupt nur Kriegsbrot einer Art und Qualität. Gerade aber, weil sich diese ideale Forderung aus technischen Gründen nicht ohne weiteres verwirklichen läßt, sollte jedermann das „K“-Brot als dasjenige ansehen, was ihm die patriotische Ehre als Nahrungsmittel vorschreibt, und jede Anschauung, als ob dieses Brot etwas eine Proletarisierung des Speisezettels für ihn bedeute, sollte er als unpatriotisch zurückweisen. Jeder soll bei seinem Bäcker „K“-Brot verlangen; er tut damit weder seinem Geschmack noch seiner Gesundheit etwas zuleide, denn es ist vollkommen erwiesen und immer wieder festgestellt worden, daß „K“-Brot ebenso gesund wie schmackhaft ist.
   Was der Einzelne durch den Verbrauch von „K“-Brot beweist, ist: daß er bereit ist, seine Nahrung schon jetzt so einzurichten, daß wir den Krieg auch auf diesem Gebiete durchhalten können. So kann und muß jeder, der es noch nicht getan hat, seine bisherige Sorglosigkeit in eine Mitarbeit an unserer Nahrungsvorsorge verwandeln.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)


Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 2. Januar 1915Die Sylvesternacht ist in Bonn sehr ruhig verlaufen. Hier und da wurden im kleinen Kreise Sylvesterfeiern veranstaltet, aber es ging auch da still und ohne den üblichen Lärm her, mit dem das neue Jahr sonst begrüßt wird. Nur in der Altstadt wurde es nach 1 Uhr, als die Polizeistunde alle Gesellschaften in Wirtschaften und Cafehäusern aufhob, für eine halbe Stunde lebhafter. Still und ernst, wie es der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser Jahreswende entspricht, sind wir in das Jahr 1915 eingegangen.

„Gold gab ich für Eisen“. Der Gouverneur der Festung Köln verbietet für den Festungsbereich Köln das Feilhalten von Fingerringen aus Eisen oder ähnlichem Metall mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“, sowie den Verkauf derselben an Private. Der Handel und käufliche Erwerb solcher Ringe sei unvereinbar mit der Bedeutung dieser geschichtlichen Symbole der Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit. Es bestehe ferner die Gefahr, daß das Publikum getäuscht wird. Zuwiderhandlungen gegen diese Verfügung werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, falls die Gesetze keine höhrere Freiheitsstrafe bestimmen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)