Dienstag, 30. Juli 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Zur Abgabe von Männeranzügen. Wie schon mehrfach erwähnt, hat die Stadt Bonn für die angeordnete Kleidersammlung 3040 Anzüge aufzubringen. Diese Zahl ist bei weitem noch nicht geschafft. Es sind bisher 1850 Anzüge abgegeben. Man hört bei Gesprächen in der Bürgerschaft immer wieder die Ansicht vertreten, als ob jetzt die Bekleidungsfrage gelöst und weitere Ablieferung überflüssig sei. Es wird deshalb wiederholt bemerkt, daß diese Ansicht irrig ist. Nach wie vor wird die Sammlung in Bonn fortgesetzt, bis die aufzubringende Ziffer erreicht ist. Der Reichkommissar für bürgerliche Kleidung hat seinerzeit ausdrücklich erklärt, daß die Sammlung nicht abgebrochen werden dürfe. Mit denjenigen Gemeinden, in welchen die angeforderte Zahl von Anzügen nicht aufgebracht sei, müsse nach Ablauf einer angemessenen Frist verhandelt werden, in welcher Weise das Sammelwerk ergänzt und Maßnahmen getroffen würden, um die Säumigen an die Erfüllung ihrer Pflicht zu erinnern. Es ergeht daher die dringende Bitte, die Sammlung weiterhin zu unterstützen. Jeder, der einen Anzug entbehren kann, möge er zur Abgabe aufgefordert sein oder nicht, bringe einen Anzug zur Altkleiderstelle Martinstraße Nr. 18. Der Zweck der Sammlung, die Arbeiterschaft in der Rüstungsindustrie, Landwirtschaft und Eisenbahn zu unterstützen, erfordert gebieterisch die Mitwirkung aller, die dazu imstande sind.

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Kein Papier in den Mülleimer. Der Gouverneur der Festung Köln hat eine Verordnung erlassen, nach welcher es verboten ist, Papier (auch Zeitungen, Zeitschriften, Bücher), Pappe, Abfälle oder Reste von Papier oder Pappe dem Hausmüll beizumengen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 100 Mark oder verhältnismäßiger Haft bestraft.

Die öffentliche Uhr an der Brückenstraße, der Endstation bezw. Haltestelle für die stark benutzten und pünktlich verkehrenden Bahnen, geht schon vierzehn Tage lang zehn Minuten zu spät.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 191850 Gramm Butter werden in dieser Woche auf den Kopf der Bevölkerung verausgabt.

Weitere zwei Pfund Kartoffeln werden in dieser Woche auf Warenkarte Nr. 31 ausgegeben und zwar bis zum 3. August einschließlich.

Unsere Frauen sind offenbar am hellen Tage nicht mehr vor Behelligungen sicher. Wie man uns meldet, wurde gestern mittag kurz nach 12 Uhr eine junge Frau auf der Poststraße von einem Burschen belästigt. An Schaufenstern darf überhaupt eine Frau kaum noch stehen bleiben ohne Gefahr zu laufen, angesprochen zu werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1918Ferienspiele. Die Ferien für die Bonner Volksschulen nehmen am 2. August ihren Anfang. Am Montage darauf ziehen, wie in früheren Jahren, Scharen froher Kinder hinauf zum Venusberge. Es dürfte sich wohl erübrigen, die Eltern unserer Schulkinder auf die gesundheitliche Bedeutung dieser Wanderungen und Spiele in frischer Wald- und Bergesluft näher hinzuweisen. Der Gesundheit dient es offenbar auch, wenn die Kinder den Weg barfuß zurücklegen. Bedenken hiergegen bestehen nicht. Gesundheitsfördern im wahrsten Sinne des Wortes sollen die diesjährigen Ferienspiele dadurch wirken, daß auch das Sammeln von Arzneipflanzen für den Hausbedarf und die Allgemeinheit an einigen Tagen vorgesehen ist. Nicht zu unterschätzen ist auch die erziehliche Bedeutung der Spiele. Die Kinder, sofern sie nicht den Eltern hilfreiche Hand zu leisten gezwungen sind, treiben sich vielfach auf Straßen, Plätzen und Feldern herum und bereiten durch ihr Benehmen und Handeln den Eltern Kummer und Sorge. Diese Sorgen, liebe Eltern, wollen die Ferienspiele auch hinwegnehmen. Unter Aufsicht ihrer Lehrer seht ihr eure Kinder hinausziehen und unter ihrem Schutz auch wieder zu euch zurückehren. Darum laßt sie hinauswandern und sich freuen gemäß dem Dichterwort: „Wie will ich spielen im grünen Hag, wie will ich springen durch Tal und Höh’n, wie will ich pflücken viel Blumen schön!“

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)