Donnerstag, 25. Juli 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1918Das Vorlesungsverzeichnis der Universität und der landwirtschaftlichen Akademie für das kommende Winterhalbjahr ist erschienen. An der Universität kündigen 189 Dozenten insgesamt 456 Vorlesungen und Uebungen an. Davon entfallen auf die evangelisch-theologische Fakultät 31, auf die katholisch-theologische 25, auf die juristische 45, auf die medizinische Fakultät 107 Vorlesungen und Uebungen, die übrigen verteilen sich auf die verschiedenen Gebiete der philosophischen Fakultät: […]. Die landwirtschaftliche Akademie zählt 25 Dozenten. Es werden insgesamt 71 Vorlesungen angekündigt.

Die Gartenbesitzer müssen ihren voraussichtlichen Ernteertrag an Aepfeln, Birnen und Pflaumen bis 28. Juli dem Kommissionar des Stadtkreises Bonn schriftlich anmelden. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters im Anzeigenteil dieser Zeitung.

Die Brennesseln zur Fasergewinnung. Das Verbot der Verfütterung von Nesselstengeln wird nicht genügend beachtet. Es wird erneut auf die Strafbarkeit aufmerksam gemacht. Die Nesseln werden vielfach mit dem Gras abgemäht. Sofern das nicht zu umgehen ist, werden die Besitzer ersucht, entweder die Nesseln selbst auszusuchen, wo sie in Horsten gestanden haben, und die geernteten Brennesseln nach gehöriger Trocknung unter Angabe der Gewichtsmenge bei der Sammelstelle, Am Hof 1, anzumelden, die als dann wegen deren Ablieferung das weitere veranlaßt. Für den Doppelzentner werden 28 Mark vergütet. Auch ist es erwünscht, wo nicht zur Selbsternte geschritten wird, den Schulkindern, die mit dem Abernten beauftragt sind, die Gewinnung der Brennesseln zu gestatten. Auf jeden Fall müssen die Nesselstengel in mindestens 60 Zentimeter Höhe der Fasergewinnung erhalten bleiben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Großfeuer. Gestern abend kurz nach 9 Uhr entstand im Hofgebäude des Katholischen Gesellenhauses an der Kölnstraße ein Brand, durch den großer Sachschaden verursacht wurde. Das Feuer brach im Festsaal aus, in dem ein Barackenlager für etwa 100 Kriegsgefangene hergerichtet war. Die Flammen griffen mit solch großer Schnelligkeit um sich, daß die Insassen des Lagers kaum Zeit fanden, ihren geringen Habseligkeiten zu retten und ins Freie zu flüchten. Als die Feuerwehr kurz nach Ausbruch des Brandes erschien, schlugen die Flammen bereits bis zum Dach empor. Mit fünf Schlauchleitungen griffen die Wehrleute ein, konnten jedoch nicht verhindern, das das langgestreckte Saalgebäude vollständig ausbrannte. Die ganze Nacht über bis in die späten Morgenstunden waren die wackeren Wehrleute eifrig bemüht, um das verheerende Element von dem straßenwärts gelegenen Hauptgebäude und dem bewohnten Seitenflügel, der dem Saalgebäude gegenüberliegt, fern zu halten. Die himmelhoch emporschlagenden Flammen, vermischt mit undurchdringlichem Qualm hatten Tausende von Zuschauern angelockt, die bis zur späten Nachtstunde die von einem großen Militäraufgebot abgesperrten angrenzenden Straßen und Plätze besetzt hielten. Menschenleben sind bei dem Brande glücklicherweise nicht zu beklagen; nur wurde ein Russe bei dem Versuch, noch einiges von seinen Sachen zu bergen, so erheblich durch Brandwunden verletzt, daß er ins Krankenhaus verbracht werden mußte. Wodurch das Feuer entstanden ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 24. Juli. Die hiesige Verwaltung hat in Anbetracht der vielen Feld- und Obstdiebstähle eine größere Anzahl Ehrenfeldhüter eingestellt. Die Bewachung der Feldflur ist hierdurch Tag und Nacht gesichert.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

    

Theater. Die hiesige Verwaltung hat mit der Rhein.-Westfälischen Verbandsbühne, einem unter Protektion der Regierung stehenden und auch von der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger geförderten Unternehmen, das an anderen Plätzen, insbesondere am Niederrhein, schon seit mehreren Jahren die Probe bestanden hat, einen Vertrag abgeschlossen, das die Bühne zu 6 Vorstellungen von Oktober d. J. ab verpflichtet. Aus dem Spielplan sind folgende Stücke ausgewählt worden: „Minna von Barnheim“ von Lessing, „Des Widerspenstigen Zähmung“ von Shakespeare, „Pension Schöller“ von Lauffs, „Gebildete Menschen“ von Leon, „Das Stiftungsfest“ von Kneisel, „Gyges und sein Ring“ von Hebbel. Die Preise der Plätze sollen 3, 2 und 1 Mk. betragen. Für den 1. Platz wird ein Abonnement mit ermäßigten Preisen ausgegeben. Hierfür wird die Kurverwaltung alsbald eine Zeichnungsliste in Umlauf setzen. Mit dieser Einrichtung ist sicherlich einem von der Bürgerschaft schon oft empfundenen Wunsche Rechnung getragen worden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Godesberg“)