Freitag, 5. Juli 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Juli 1918Das Rheinische Heimatfront-Theater des 8. Armeekorps versendet seinen Tätigkeitsbericht für die Zeit vom 15. März bis 15. Juni 1918. Das Heimatfront-Theater, eine Gründung des stellvertretenden Generalkommandos und der Kriegsamtstelle Koblenz, wurde am 15. März 1918 ins Leben gerufen. Veranlaßt wurde die Gründung einmal durch den Gedanken, die geistige, seelische und sittliche Ueberlegenheit unseres Volkes, auf der letzten Endes die heutigen Siege gegen die Uebermacht der Feinde beruhen, stützen und fördern zu helfen; sodann ergab sich die Notwendigkeit, bei der wirtschaftlichen und politischen Spannung der Zeit, der harten Arbeit und der Entbehrungen des Krieges den dadurch besonders betroffenen Bevölkerungskreisen eine innere Erfrischung zu bieten. Schon für die abgelaufene Spielzeit war beabsichtigt, die ständigen Bühnen zu regelmäßigem Besuch bestimmter Ortschaften zu bewegen, im übrigen auch die wandernden Theatertruppen dem Gedanken des Rheinischen Heimatfront-Theaters dienstbar zu machen und dort, wo sich dann noch die Notwendigkeit von schauspielerischen Darbietungen ergab, mit eigenen Wandertruppen aufzutreten. Von diesen Gedanken hat sich bei der vorgerückten Spielzeit nur der letzte ganz verwirklichen lassen. Es ist vorläufig davon abgesehen worden, die Wandertruppen selbst zusammen zu stellen. Durch vertragliche Abmachung mit dem Verband zur Förderung deutscher Theaterkultur in Hildesheim ist es aber möglich gewesen, von dort zwei Singspieltruppen zu übernehmen, von denen jede auf eine bestimme Singspiel-Vortragsordnung eingespielt war und mit dieser auftrat. Die Singspieltruppe 1 gab in 30 Orten 54 Abend- und 3 Nachmittagsvorstellungen, die Truppe 2 spielte an 13 Orten (darunter Bonn, Siegburg und Köln) 18mal. Die Vorstellungen fanden im allgemeinen vor Besuchern sämtlicher Bevölkerungsschichten statt, einzelne galten jedoch ausschließlich den Rüstungsarbeitern und den Soldaten. Ueberall wurde den gehfähigen Lazarettinsassen freier Eintritt gewährt. Von der bürgerlichen Bevölkerung konnten die beiden Singspieltruppen ihre Darbietung über 28.000 Zuhörern übermitteln. Die verwundeten und gesunden Soldaten eingerechnet, wurde vor insgesamt 30.000 Zuhörern gespielt. [...]
  
Mit der vorgerückten Frühlingszeit erschien es zweckmäßig, mit den Singspielen abzubrechen und an deren Stelle musikalische Darbietungen treten zu lassen, die unter Umständen auch im Freien veranstaltet werden können. Auch soll in nächster Zeit ein Wanderkino die kleineren Orte und Rüstungsbetriebe besuchen. Um den Bewohnern der kleineren Städte und Ortschaften, namentlich auch den Rüstungsarbeitern, durch gemütserfrischende Musikweisen geistige Erholung zu verschaffen, wurde im Mai von dem Heimatfront-Theater ein Orchester gebildet, dessen Mitglieder aus dem Städtischen Orchester in Koblenz bestehen. Das Orchester hat die besondere Aufgabe, in allen Lazaretten des Korpsbezirks zu spielen, um die verwundeten und kranken Soldaten mit guten Musikdarbietungen zu erfreuen. Bis zum 15. Juni wurde in 22 Lazaretten vor ungefähr 8.000 Soldaten gespielt. Die Leitung des Heimatfront-Theaters dankt zum Schluß des Berichts den Spendern von Geldmitteln, vor allem der Rüstungsindustrie des Korpsbereichs und einer Anzahl Stadtverwaltungen, sowie den militärischen Dienststellen, die ihr bei der Lösung der vielen und manchmal recht schwierigen Aufgaben behilflich waren. Die eingegangenen Spenden ermöglichen es dem Heimatfront-Theater, auch im kommenden Herbst und Winter seine vaterländischen Aufgaben zu erfüllen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Fliegeralarm. Heute vormittag wurde die Bürgerschaft um 8¼ Uhr durch das Ertönen der Sirenen von bestehender Luftgefahr verständigt.

Tödlicher Sturz. Ein kranker Mann stürzte sich in der Nacht zum Donnerstag im Fieberwahn aus dem Fenster des zweiten Stockwerkes eines Hauses in der Doetschstraße. Er war sofort tot.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Juli 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Juli 1918Sanitäts- und Blindenhunde. Bei herrlichem Wetter fand am Montag nachmittag in Bonn die Vorführung von Blinden-, Sanitäts- und Polizeihunden statt. Seine Exzellenz Herr Generalleutnant von Bötticher, eine große Anzahl Offiziere des hiesigen Ersatzbataillons, mehrere Herren aus Köln und Essen waren zu den Vorführungen eingeladen und erschienen. Herr Polizeikommissar Flaccus, der seit Ausbruch des Krieges in ehrenamtlicher Tätigkeit die Meldestelle für Sanitätshunde leitet und bei Militär- und Zivilbehörden zu hohem Ansehen gebracht hat, wies in einer kurzen erläuternden Ansprache auf die Bedeutung der Blindenhunde hin, schilderte ihren Ausbildungsgang und die Führung in der Hand des Blinden. Die augenblicklich in der Ausbildung befindlichen Kriegsblinden mit ihren Hunden zeigten dann, wie wertvoll diese Hunde als Führer dieser wohl am schwersten vom Kriege betroffenen Beschädigten sind. Die Straßenübungen waren Glanzleistungen. Mit großer Sicherheit führten die Blindenhunde die Blinden an verschiedenen Hindernissen vorbei über Straßenkreuzungen und mehrstufige Treppen auf und ab, brachten verloren gegangene Gegenstände zurück, wiesen auf Anruf auf Briefkästen und Ruhebänke. Die Leistungen der Hunde überraschten jeden der Zuschauer und die weitere Ausbildung solcher Tiere wurde einstimmig als segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Kriegsbeschädigtenfürsorge bezeichnet, die man unbedingt nach Kräften unterstützen müßte. Die anschließende Besichtigung des Zwingers, in dem augenblicklich 70 Hunde untergebracht sind, zeigte, daß für die Pflege der Hunde das Größtmöglichste getan wird. Eine Abwechselung in dem ersten Bilde boten die Junghunde, die für militärische Zwecke aufgezogen werden, vorläufig noch ihre Kindheit verleben und in ihrer drolligen und schwerfälligen Weise durch muntere Sprünge die Besucher sehr belustigten. Herr Polizeikommissar Flaccus führte nun eine zweite Art der Ausbildung, die des Polizeihundes, in dem von ihm ausgebildeten Polizeihunde vor. Staunenswert waren die Leistungen dieses Tieres, das die Aufgaben eines Polizeihundes jedem Zuschauer vor Augen führte und erfüllte. Man sah, wie viel Mühe, Geduld und Ausdauer notwendig sind, um Hunde in dieser Weise praktisch verwerten zu können. Zum Schlusse wurde die Sanitätshunde in ihrer Tätigkeit vorgeführt. Mit großem Interesse verfolgten die Zuschauer diese für den Kriegsdienst so wichtigen Uebungen. Ein für diesen Zweck vorzüglich geeignetes Gelände machte, den wirklichen Verhältnissen im Kriege angepaßt, den Hunden die Aufgaben sehr schwer. Aber mit erstaunlicher Sicherheit arbeiteten diese Tiere und verwiesen die zahlreich und verstreut ausgelegten Scheinverwundeten, ohne der umherstehenden und –gehenden Personen zu achten, oder sich ablenken zu lassen. Das Verweisen eines in einem zerfallenen Unterstandes und in Drahtverhauen liegenden Verwundeten bildete den Schluß der Vorführung. Allseitiges Lob und Anerkennung wurde dem unermüdlichen Leiter der Meldestelle, dem Ausbildungspersonal und den Führern zu teil, die sich täglich den schweren Aufgaben, Hunde für Kriegszwecke auszubilden, unterziehen. Wie segensreich diese Tätigkeit ist, beweist, daß schon mehrere tausend Verwundete durch Hunde gerettet und so ihren Familien erhalten wurden. Die Unterstützung dieser Bestrebung kann daher nur den weitesten Kreisen empfohlen werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)