Sonntag, 29. Juli 1917

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Juli 1917Die Einladung des Liberalen Bürgervereins an die gesamte Bonner Bevölkerung zu einer ernsten, würdigen Gedenkfeier am dritten Jahrestag der Kriegserklärung ist unter dem Eindruck der letzten Reichstagsverhandlungen von weiten Kreisen mit empfänglichen Herzen aufgenommen worden. Inzwischen haben die gewaltigen Ereignisse im Osten und die schweren Kämpfe in Flandern den Wunsch nach einer allgemeinen Erinnerungsfeier noch vertieft. Gern werden daher alle, die in sorgenvollen Tagen wieder einmal die Gedanken auf die großen, uns allen in diesem Kriege gemeinsamen Pflichten und Ziele lenken möchten, der Einladung folgen, ohne Unterschied der Partei, des Glaubens, des Alters, des Standes. Die Feier findet bekanntlich am Mittwoch dieser Woche (1. August), abends 8 ½ Uhr, im großen Saale der Lese statt. Sie ist den Zeitumständen gemäß ganz schlicht gedacht: Geheimrat Litzmann wird sprechen, und im Anschluß wird ein vaterländisches Lied gemeinsam gesungen werden. Der Eintritt steht jedermann frei, da wie bei allen Veranstaltungen des Liberalen Bürgervereins im letzten Winter in der Lese der Wirtschaftsbetrieb ausgeschlossen ist.

Die Brotmarkendiebin, die in vielen Fällen einkaufenden Kindern die Brotmarken und teilweise auch das Geld abgenommen hat, ist von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen worden. Es ist eine arbeits- und wohnungslose 20 Jahre alte Fabrikarbeiterin.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

So viele Kriegsküchen unsere Stadt Bonn hat, so viele Urteile und Meinungen gibt es auch. Ueber das Essen der Kriegsküche Poppelsdorf von dieser Woche läßt sich im allgemeinen nicht klagen. Die Gemüse sind oft ein wenig zu wasserhaltig, und mit der Hausmachersuppe vom Dienstag waren viele auch nicht so ganz zufrieden. Grund? – Man sah mal wieder nach langer Pause einige Steckrüben in der Schüssel, mit denen sich die Bonner Bevölkerung nicht so recht befreunden kann. Das Bayrisch-Kraut vom Freitag mundete allen recht trefflich; mein Tischnachbar, der schon zwei Portionen „heruntergemüffelt“ hatte, stellte mir die Frage: „Na, schmeckt’s Ihnen?“ Ich nickte, „Wollt’ sage: sonst hätt’ ich Ihnen etwas geholfen!“

Kino. Ein amtlicher Kriegsfilm aus dem rumänischen Feldzug, der die Vorwärtsbewegung gegen Braila und Galatz zeigt, wird gegenwärtig in den Bonner Lichtspielen vorgeführt. Außerdem weist das Programm der Lichtspiele die Verfilmung des bekannten Anzengruberschen Schauspiels „Der Pfarrer von Kirchfeld“ auf. Das Union-Theater bringt einen spannenden Detektivfilm, eine dramatisch wirksame Tragödie sowie verschiedene heitere Filme. Im Metropol erlebt man die Uraufführung eines Filmdramas, das den Titel führt „Das Luxusweib oder die Angst vor dem Leben“. Dem Film wird eine reiche Ausstattung und eine lebhafte Handlung nachgerühmt. Für die Lachmuskeln sorgt ein Lustspiel, dessen Untertitel „Max und Moritz von Heutzutage“ auf einen unserer besten deutschen Humoristen verweist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Städtische Pilzbestimmungsstelle. Nach umständlichen Vorarbeiten hoffen die Leiter der städt. Pilzbestimmungsstelle am 1. August das neue Unternehmen zu öffnen und in den Dienst unserer Bevölkerung stellen zu können. Schon jetzt beginnt die Pilzflora in den Wäldern und Schluchten beiderseits des Rheines sich kräftig zu entwickeln und die alte Frage: Welche Formen sind eßbar? Welche sind zu meiden? alle diejenige zu beschäftigen, die die Gaben der Natur auf ihre Küchenfähigkeit zu prüfen verstehen. Die Furcht vor der geringen Zahl giftiger Formen läßt ja, wie bekannt, Hunderte und Tausende Naturfreunde auch an den zahlreichen eßbaren Formen mit Mißtrauen vorübergehen. Allen, welche sich belehren lassen wollen, wollen wir mit der Pilzbestimmungsstelle zu Hilfe kommen. Schon heute stehen in dem Schaufenster Stockenstraße 7 Gruppen lebender Pilze – giftige und eßbare – mit ihrem Namen wohl gekennzeichnet – zur Schau. Alle, die sich um das Zustandekommen der Pilzbestimmungsstelle bemüht haben, wissen für ihre Arbeit keinen schöneren Lohn, als rege Beteiligung unserer Bevölkerung an dem geplanten Aufklärungsdienst [...]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)