Sonntag, 8. Juli 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 8. Juli 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 8. Juli 1917Die Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn ist gestern vormittag in der Aula der Universität förmlich gegründet worden, nachdem schon vorgestern in einem kleineren Kreise alle geschäftlichen Angelegenheiten erledigt worden waren. […]
   Der Vorsitzende der neuen Gesellschaft, Geheimrat Dr. Duisberg aus Leverkusen, ging dann auf die Ziele der Gesellschaft näher ein. Die Gesellschaft wollen den Schäden, die dieser Krieg auf so vielen Gebieten gebracht habe, begegnen, die schwierige Uebergangszeit vom Krieg zum Frieden erleichtern helfen und dauernd die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Industrie befruchten zum Segen des deutschen Vaterlandes. Daneben sollen die Beziehungen zwischen der Universität, ihren Lehrern und Schülern mit dem praktischen Leben gepflegt werden, damit der nationale Wirtschaftskampf nach dem Kriege ebenso erfolgreich wie vorher geführt werden kann. Der Redner zeigte an verschiedenen Beispielen, welche Vorteile unserm Wirtschaftsleben und vor allem unserer Kriegsführung aus der innigen Verbindung zwischen der Wissenschaft und der Technik entstanden seien. Er hob besonders die Fortschritte in der Chemie hervor, die uns die Kriegsführung überhaupt ermöglichten und die nach dem Kriege dafür sorgen würden, daß alljährlich für ungezählte Millionen Rohstoffe nicht mehr aus dem Auslande eingeführt zu werden brauchen. Auch in der Landwirtschaft könnten Milliarden gespart werden, wenn mit Hilfe der Wissenschaft die tierischen und pflanzlichen Schädlinge erfolgreich bekämpft würden. Der Redner teilte dann mit, daß, obwohl für die Gesellschaft überhaupt noch nicht öffentlich geworben worden sei, doch bereits 420.000 M. gezeichnet worden seien. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 8. Juli 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 8. Juli 1917Wieder einmal sieht das deutsche Volk einen Opfertag vor sich und hat Gelegenheit, seinen deutschen Brüdern im Feld für die todesmutige Landesverteidigung zu danken. Und zwar handelt es sich um den wichtigsten Zweig der Liebesgabentätigkeit, nämlich um die Lesestoffversorgung unserer braven Truppen. Bei diesem gänzlichen Abgetrenntsein unserer Feldgrauen von der Heimat ist das Buch noch das einzige Mittel, ihnen Erholung, Zerstreuung und Vergessen der blutigen Gegenwart zu bringen. Und dieses Bedürfnis nach geistiger Nahrung ist so ungeheuer groß, daß wir alle helfen müssen, die vielen tausend Wünsche nach Büchern zu befriedigen. Jeder Daheimgebliebene wird es darum für seine heilige Pflicht erachten, sein Scherflein zu diesem Liebeswerk beizutragen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Obercassel: Ersatz für Kartoffeln. Für diese Woche sind nur 3 Pfund Kartoffeln für die Allgemeinheit ausgegeben worden. Als Ersatz wird voraussichtlich Brot ausgegeben. Ueber den Zeitpunkt und die Menge folgt weitere Bekanntmachung evtl. durch die Schelle. Zu der Ausgabe sind die Kartoffelkarten mitzubringen. […] Verhütung von Felddiebstählen. Die Felddiebstähle mehren sich ganz außerordentlich. Es wird daher der Aufenthalt in den Feldern und Gärten für die Zeit von abends 10 Uhr bis morgens 5 Uhr ohne Ausweis verboten. Zur Ausstellung der Ausweise sind berechtigt die Vertrauensleute Mittler und Thomas in Obercassel und die Gemeindevorsteher in Oberdollendorf, Niederdollendorf und Heisterbacherrott.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)