Dienstag, 28. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Goldsammlung. Die hiesigen Vaterländischen Vereinigungen haben eine Goldsammelstelle in der hiesigen Diskonto-Gesellschaft am Münsterplatz eingerichtet. Sie wechseln dort Goldmünzen um und kaufen alle Goldsachen zum Goldwert an. Wir verweisen auf den Aufruf in dieser Zeitung.

Den Hofgarten mit Kartoffeln zu bebauen, ist in letzter Zeit in mehreren Zuschriften an uns angeregt worden. Diesen Anregungen gegenüber seien die Hauptgründe mitgeteilt, mit denen die städtische Gartenverwaltung ihren ablehnenden Standpunkt rechtfertigt. Die Hofgartenwiese enthält so viel altes Mauerwerk und Schutt, daß sie nicht umgepflügt werden kann, sondern umgegraben werden müßte. Für diese Arbeit fehlt es der Gartenverwaltung an den genügenden Arbeitskräften. Es könnte aber auch nur ein Teil der Hofgartenwiese für den Anbau in Frage kommen und ringsum müßte ein zirka 50 Meter breiter Streifen frei bleiben, denn auf diese Entfernung etwa würden die weitreichenden Wurzeln der alten Bäume des Hofgartens den Kartoffeln die Nahrung entziehen. Auch der Kartoffelbau auf dem mittleren Teil der Hofgartenwiese würde in den ersten Jahren nicht ertragsfähig genug sein, daß sich der Anbau verlohnte.

Bonner Lichtspiele. Der neue Spielplan bringt an größeren Filmen das vieraktige Schauspiel „Der Liebestod“ mit der bulgarischen Hofschauspielerin Lona Bartelana in der Hauptrolle, das vieraktige Drama „Der Spieler“ und das dreiaktige Lustspiel „Der Onkel aus Amerika“.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Allgemeiner Deutscher Sprachverein. In großen Hörsaale der Universität sprach gestern der Vorsitzende des Gesamtvorstandes des Allg. Deutschen Sprachvereins, Wirkl. Geheimer Oberbaurat DR. Sarrazin aus Berlin über die deutsche Sprachbewegung im Weltkriege, indem er die dreißigjährige Arbeit des Vereins schilderte und einige der von ihm herausgegebenen Verdeutschungshefte vorlegte, von denen namentlich das für das gesamte Webefach, für den Deutschen Bühnenverein, für die Versicherungswissenschaft, für das Weinfach, das Buchdruck- und Tabakgewerbe, den Feinkosthandel große, ungeteilte Anerkennung gefunden haben. Eine Folge des Krieges ist die verständnisvolle und wirksame Fürsorge, die jetzt unserer Behörden der Pflege der deutschen Sprache widmen, allen voran die Oberste Heeresleitung mit ihren Kriegsberichten. Da sich der Sprachverein, der jetzt etwa 40.000 Mitglieder zählt, eines großen Stabes von Sachverständigen erster Ordnung erfreut, um den jeder andere Verein ihn beneiden könnte, - die angesehensten Germanisten an 26 deutschen und österreichischen Universitäten gehören ihnen an – so hat seine Pflege unserer Muttersprache, sein Kampf um ihre Schönheit und Reinheit, allen kleinlichen Anfeindungen und allem Unverstand zu Trotz weiter erfreuliche Erfolge aufzuweisen, die ihn zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen.
  
Der Vorsitzende des Bonner Zweigvereins, Pastor Dr. Richter, begrüßte den Redner und die Versammlung, der vor Beginn und nach Schluß des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags vaterländische Chorgesänge und die Wiedergabe von Felix Dahn’s Gedicht „An unsere Sprache“ geboten wurden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Ein französischer Flieger, der von einem Bonner Jungen am 22. ds. Mts. in Frankreich, ganz in der Nähe der Front, gefangen genommen wurde, traf gestern abend mit der Post in unserer Redaktion ein. Die lange Reise hatte den Ausländer arg mitgenommen, denn als man die Streichholzschachtel öffnete, lag er bewußtlos auf dem Rücken und gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Durch Anhauchen kam der Maikäfer, denn um einen solchen handelte es sich, bald wieder zu sich und krabbelte lustig auf dem Redaktionstisch umher. Für sein weiteres Fortkommen wird Sorge getragen.

Für Jutestoffe, die uns augenblicklich fehlen, haben wir einen vollwertigen Ersatz an Papierfabrikaten. Es werden wesentlich aus Papier hergestellt: Stoffe jeder Art, Seile, Stricke und Bindfaden. Die mit diesen Erzeugnissen seit Jahren gemachten Erfahrungen können als gut bezeichnet werden. Es sei besonders betont, daß wir uns bezüglich der Jute vom Ausland völlig unabhängig gemacht haben und daß diese Unabhängigkeit auch nach Friedensschluß ihre Wirkung zeitigen wird.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Städtisches Einkaufsamt. Durch die Verbindung der Nahrungsmittelversorgung der Bürgerschaft mit der städtischen Armenverwaltung und die stets umfangreicher werdenden Arbeiten gerade dieser beiden augenblicklich sehr wichtigen städtischen Verwaltungszweige sind in letzter Zeit Schwierigkeiten hervorgetreten, die es zweckmäßig erscheinen lassen, beide Abteilungen zu trennen. Es wurde daher ein besonderes städtisches Einkaufsamt geschaffen, dessen Leitung Herr Beigeordneter Piehl übernommen hat. In Gemeinschaft mit der neugewählten Arbeitskommission und der Preisprüfungsstelle wird das Einkaufsamt die Arbeiten der Lebensmittelversorgung übernehmen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)