Sonntag, 19. März 1916

    

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. März 1916Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. März 1916Kartoffelkarten. Am morgigen Montag wurden für alle diejenigen, die bei der Bestandsaufnahme am 24. Februar keine Bestände an Kartoffeln mehr hatten oder deren Vorrat nur bis 1. April ausreicht, Kartoffelkarten ausgegeben, die den Inhaber berechtigen, für jede Person seines Hausstandes täglich ein Pfund Kartoffeln bei den städtischen Verkaufsstellen zu entnehmen. Die Zustellung der Kartoffelkarten erfolgt in der gleichen Weise wie die der Butterkarten durch Schüler. An die Bürgerschaft wird die Bitte gerichtet, die Schüler nach Möglichkeit zu unterstützen. Diejenigen, die beider Bestandsaufnahme Vorräte angegeben haben, die über den 1. April hinausreichen, werden in den nächsten Tagen eine besondere Mitteilung erhalten, wann und wo sie ihre Kartoffelkarten in Empfang nehmen können.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Der Haushaltsplan der Stadt Bonn sieht eine Erhöhung der Gemeinde-Einkommensteuer, und zwar einen Zuschlag von 140 Prozent statt bisher 130 Prozent vor. Dagegen ist eine Erhöhung der Realsteuern nicht vorgesehen. Die Lustbarkeitssteuer ist mit einem um 35.000 Mark höheren Zuschlag eingesetzt. Die allgemeine Verwaltung erfordert einen Mehrzuschuß von 21.000 Mark, die Polizeiverwaltung eine Mehrausgabe von 12.000 Mark, das Schuldenwesen eine Mehrausgabe von 96.100 Mk., das Gymnasium und Realgymnasium einen Mehrzuschuß von 20.480 Mark, hauptsächlich hervorgerufen durch Wenigereinnahmen an Schulgeld von 10.000 Mark. Das Viktoriabad erfordert einen Mehrzuschuß von 23.200 Mark, der Fuhrpark einen Mehrzuschuß von 27.200 Mark, der Sportplatz Reuterstraße einen Mehrzuschuß von 11.400 Mark, die Armenverwaltung eine Mehrausgabe von 32.140 Mark. Insgesamt ist ein Mehrzuschuß von 230.545 Mark vorgesehen, dem ein Weniger-Zuschuß von 276.545 Mark gegenübersteht, so daß 46.000 Mark an Steuern insgesamt weniger aufzubringen sind.
   Bei dem infolge des Krieges mit Sicherheit zu erwartenden erheblichen Rückgang der Staats-Einkommensteuer ist von einem geringeren Prinzipal-Soll auszugehen. Dies bedingt die Erhöhung des Zuschlages von 130 auf 140 Prozent. Die Betriebs-Ueberschüsse des Gaswerks sind mit 335.000 Mark, also um 50.000 Mark höher eingesetzt als im Vorjahre. Ebenso ist bei der Straßenbahn 100.000 Mark an Betriebs-Ueberschuß eingestellt. An Provinzial-Umlage sind 20.000 Mark weniger eingesetzt. Der Zuschuß an die städtischen Straßenbahnen mit 100.000 Mark fällt fort. Ebenso ermäßigt sich der Zuschuß an die rechtsrheinischen Bahnen um rund 13.300 Mark. Dagegen sind an Mitteln für die Lehrlingsfürsorge 8000 Mark mehr eingesetzt.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. März 1916Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. März 1916Arndt-Eiche in Eisen. In der vergangenen Woche stieg die Gesamteinnahme auf rund 31.500 Mark. Es nahmen u. a. die Kriegsnagelung vor: die Engelhardtsche Vorschule, der Remigius-Gesang-Verein, die 4. Kompagnie des 1. Ersatz-Batl. Inf.- Regt. 160 und die Heyermannschen Lehranstalten.
   Auch viele Fremden, die auf der Durchreise Bonn besuchen, nageln: so waren in den letzten Wochen u. a. Fremde aus Holland, Schweden, Polen und aus Konstantinopel erschienen.
   Wiederholt hört man von Herrschaften, die an der Arndt-Eiche nageln, daß sie fast sämtliche Kriegswahrzeichen in Deutschland besucht, aber keines gefunden hätten, das so geschmackvoll und künstlerisch ausgeführt sei, wie die Arndt-Eiche in Eisen in Bonn.
   Heute Sonntag Nachmittag, 5½ Uhr , findet die feierliche Nagelung des von dem Bonner Handwerk gestifteten Adlerbrustschildes statt. Hierdurch erhält die Arndt-Eiche eine weitere hervorragende Zier, die sich würdig dem Schilde der Universität zur Seite stellt.
   Der Umtausch von Goldmünzen hat in ungefähr sechs Wochen eine Summe von über 8000 Mark ergeben. Möge man doch im Interesse der guten Sache nicht in dem Aufsuchen der Goldfüchslein erlahmen, und sie zum Vater Arndt bringen; es ist wirklich eine vaterländische Pflicht und in Bonn sind noch recht viele Goldmünzen!

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Bonner Turnverein. Zur 4. Kriegsanleihe zeichnete der Bonner Turnverein M. 1000,- (auf die früheren Kriegsanleihen M. 4000,-). Der Verein vermochte dies, obschon er fortlaufend Sendungen an seine vielen im Felde stehenden Mitglieder veranlaßt. Die Mittel hierzu wurden durch freiwillige Spenden, insbesondere durch die Nagelung eines eisernen Kreuzes im Vereinszimmer (Gasthaus „Vater Arndt“) aufgebracht. Zu Weihnachten bereitete der Verein allen Kindern von Mitgliedern, die draußen beim kämpfenden Heere sind, eine Weihnachtsfreude durch ein hübsches Geschenk. – – Es sei noch bemerkt, daß von den gegen 300 betragenen Mitgliedern des Turnvereins 180 Turner zum Heeresdienst eingezogen sind. Gefallen sind bisher 10 unserer Turner: 13 erhielten das Eiserne Kreuz, 3 andere Auszeichnungen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)