Mittwoch, 15. März 1916

   

Butterverkauf. Die Butterkarte berechtigt auch in dieser Woche wieder zum Bezuge von einem Fünftel Pfund Butter oder Margarine für jede Person des Haustandes.

Die Höchstpreise für Schweinefleisch werden durch eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters im Anzeigenteil dieser Zeitung wieder aufgehoben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 15. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 15. März 1916Zeichnung der 4. Kriegsanleihe. Von den Kassen der in der Steingut-Fabrik von Franz Ant. Mehlem für ihre Arbeiter und Beamten eingerichteten Wohlfahrtseinrichtungen sind zur 3. Kriegsanleihe 50.000 Mark und zur 4. Kriegsanleihe 12.500 Mark gezeichnet worden.

Städtischer Nahrungsmittelverkauf. Am heutigen Mittwoch, 15. März, treten die neuen Höchstpreise für den Kartoffel-Kleinhandel in Kraft. Die Preisprüfungsstelle hat den Höchstpreis auf 7 Pfennig für das Pfund im Kleinhandel festgesetzt. Am Mittwoch vormittag wird noch zum alten Preise verkauft. Von nachmittags 3 Uhr ab findet der Verkauf in allen städtischen Verkaufsstellen nur noch zu dem erhöhten Preis von 7 Pfennig das Pfund statt.
   Der Unterstützungs-Ausschuß hat zum Ausgleich des Preisaufschlages für alle Unterstützungsempfänger (Kriegerfamilien und Empfänger von Armenwochenspenden) einen Kartoffelzuschuß von 1 Mark wöchentlich ohne Rücksicht auf die Kopfzahl der Familien bis auf weiteres bewilligt.
   Die neu eingerichtete Kartoffel-Verkaufsstelle auf dem geräumigen Gelände der Feuerwehrkaserne an der Maxstraße bewährt sich bestens; der Verkauf vollzieht sich in ruhigster und schnellster Weise. Auch an den übrigen Kartoffelverkaufsstellen, auf dem Markt, in der Rathausgasse, in Poppelsdorf und in Kessenich hat der Andrang nachgelassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Kartoffelkarten. Der Andrang zu den Verkaufsstellen war ein besonders großer in den letzten Tagen, weil die irrige Meinung aufgekommen war, daß die städtischen Kartoffelvorräte bald alle geräumt seien. In der Hauptsache war aber der Grund des starken Andranges die am 15. in Aussicht stehende Erhöhung der Kartoffelpreise. Wie bekannt, werden sowohl die Großhandels-, wie die Kleinverkaufspreise am 15. März erhöht. Die Erhöhung hat einmal die Kartoffelerzeuger veranlaßt, sehr zurückhaltend mit dem Verkauf ihrer Vorräte zu sein. Andererseits stürmten viele Hausfrauen die städtischen Kartoffelverkaufsstellen, um sich noch recht viele von den billigen Kartoffeln einzulegen. Daß hierunter eine große Anzahl solcher Hausfrauen waren, die nicht nur mehrere Tage hintereinander, sondern unter Benutzung verschiedener Brotbücher oft an demselben Tage und sogar in derselben Verkaufsstelle mehreremale Kartoffeln in Mengen von 10 und 20 Pfund sich geholt haben, ist einwandfrei festgestellt worden. Besonders verwerflich ist das Verhalten derjenigen, die sich noch Kartoffeln dauernd hinzu kauften, obwohl sie zentnerweise Kartoffeln zu Hause hatten. Durch dieses törichte Verhalten sind am Freitag und Samstag 2800 Zentner Kartoffeln an den städtischen Kleinverkaufsstellen verkauft worden. Es sind dies 14 Eisenbahnwaggons und das hat noch nicht genügt, um alle zu befriedigen. Bisher wurden täglich nur 2 – 300 Zentner im Kleinverkauf abgegeben, eine Menge, die vollständig ausreichend ist, um alle diejenigen mit Kartoffeln zu versehen, die tatsächlich keine solchen besitzen.
   Um diesen Unfug für die Folge zu beseitigen, wird eine Kontrolle eingeführt werden, die es ermöglicht, daß nur diejenigen Kartoffeln erhalten, die tatsächlich keine zu Hause haben. Aehnlich wie die Butterkarte wird eine Kartoffelkarte eingeführt. Sie ermöglicht es, auf Grund der Bestandsaufnahme vom 24. Februar, bei der jeder seinen Kartoffelbestand angegeben hat, die städtischen Kartoffelvorräte ausschließlich denjenigen Bürgern zuzuführen, welche keine Kartoffeln haben. Hierdurch wird der große Andrang an allen Verkaufsstellen ohne weiteres beseitigt werden, denn die Zahl derer, die noch Kartoffeln für längere Zeit besitzen, ist eine erheblich größere, als allgemein angenommen wird. Bereits von Montag, den 13. ab erhält niemand mehr wie 1 Pfund für den Tag für jede Person des Haushaltes an den städtischen Verkaufsstellen. Es bleibt jedem natürlich unbenommen, sich anderwärts Kartoffeln zu beschaffen, soviel er will. Alle öffentlichen Anstalten erhalten auch nicht mehr wie 1 Pfund auf den Tag für jeden Insassen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)