Dienstag, 14. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 14. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 14. März 1916Bonner Bücher- und Lesehalle. Der große folgenschwere Weltkrieg ist auch im vergangenen Jahre 1915 auf die Bücher- und Lesehalle nicht ohne Einfluß geblieben. Immerhin sind Bücherausleihe und Besuch des Lesezimmers sehr erfreulich zu nennen. Der Besuch des Lesezimmers belief sich auf 33.741 Personen, nämlich 31.130 männliche und 2611 weibliche. Der Besuch ist im Vergleich zum Jahre 1914 um 4835 Personen gestiegen. Es war ein starker Zuspruch von weiblichen Lesern zu verzeichnen. Ausgeliehen wurden 70.786 Bände. Auf Unterhaltungsliteratur entfielen hiervon 65.765 Bände, auf belehrende Literatur 5021 Bände. Diese ausgeliehenen 70.786 Bände wurden von 3014 ständigen Lesern der Bücherhalle entnommen. Sie gruppieren sich aus 395 Arbeitern, 84 Beamten, 379 Gewerbetreibenden, 141 Militärpersonen, 62 Rentnern, 131 Studierenden, 152 Schülern und 1670 weiblichen Personen. Auffallend ist besonders die rege Benutzung der Bibliothek seitens der Militärpersonen. Während diese Benutzungsziffer in Friedenszeiten durchschnittlich nur 20 betrug, ist sie jetzt im Kriege auf 141 gestiegen! Gewiß ein erfreuliches Zeichen und ein Beweis, daß die Bonner Bücher- und Lesehalle bei unseren Feldgrauen als Erholungs- und Bildungsstätte gern aufgesucht wird. (...)

Das Bonner Handwerk wird, wie schon kurz berichtet, nächsten Sonntag in feierlicher Weise eins der vier großen Ehrenschilde an der Arndt-Eiche benageln. Die Innungen und übrigen Handwerkervereinigungen werden sich um 5 Uhr nachmittags im Hofgarten versammeln und dann mit Fahnen und Bannern unter Vorantritt einer Musikkapelle zur Arndt-Eiche marschieren.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Die Lebensmittelversorgung der Bonner Bürgerschaft war Gegenstand einer eingehenden Besprechung der Stadtverordneten, die am Freitag abend im Anschluß an die öffentliche Sitzung stattfand. Das greifbare Ergebnis dieser Verhandlungen war die Bildung eines besonderen Lebensmittelausschusses, der aus Männern des praktischen Erwerbslebens zusammengesetzt ist. Bereits am Samstag trat dieser Ausschuß zu seiner ersten Beratung zusammen. Er nahm seine Tätigkeit, die das Wirken unseres Beigeordneten Dr. v. Gartzen und essen Beamtenstabes ergänzt, mit der Verlegung der unzulänglichen städtischen Verkaufsstelle an der Sternstraße auf, die, wie bereits berichtet, auf dem Gelände der Feuerwehrkaserne an der Maxstraße weit praktischer organisiert wird. Die Raumverhältnisse auf dem Gelände an der Maxstraße gestatten einen Verkauf in größerem Umfang und einen Durchgangsverkehr der Käufer, die an der großen Torfahrt der Maxstraße eintreten und an der Weiherstraße das Verkaufsgelände verlassen. Eine Stauung der Käufer ist dadurch in weitgehendem Grade behoben. Nicht nur der Kartoffel- und Gemüseverkauf in der Maxstraße, sondern auch die Speckverkaufsstelle in der Rathausgasse findet nur noch – letzterer von morgen ab – auf dem geräumigen Hofe der Feuerwehrkaserne statt. Die Kartenausgabe für den Speckverkauf findet jetzt ebenfalls dort statt und zwar heute nachmittag 3 Uhr zum erstenmal. Große Hoffnungen setzt die Städtische Verwaltung auf die Einführung einer Kartoffelkarte für den städtischen Kartoffelverkauf, die es ermöglichen soll, aufgrund der Kartoffelbestandaufnahme vom 24. Februar, bei der jeder seinen Kartoffelbestand angegeben hat, die städtischen Kartoffeln ausschließlich solchen Bürgern zuzuwenden, die selbst keine Kartoffeln lagern haben. Da die Zahl derer, die Kartoffeln für längere Zeit besitzen, erheblich größer ist, als allgemein angenommen wird, erwartete man die Beseitigung des bisherigen starken Andranges an den städtischen Verkaufsstellen und die Vermeidung des großen Unfugs, daß Leute, die bis zum August und weiter hinaus mit Kartoffeln versorgt sind, außerdem noch den städtischen Verkauf in Anspruch nehmen. An den städtischen Verkaufsstellen wird vorläufig niemand mehr wie ein Pfund für den Tag und die Person seines Haushaltes erhalten. Natürlich bleibt es jedem unbenommen, sich anderwärts Kartoffeln zu beschaffen. Auch die öffentlichen Anstalten erhalten vorläufig nicht mehr wie ein Pfund auf den Tag für jeden Insassen aus den städtischen Vorräten. Es hat jedoch den Anschein, daß diese Begrenzung erweitert werden wird.
   Neben dem Verkauf von Speck wird die Stadt jetzt auch gepökeltes Rindfleisch zum Verkauf bringen. Eine große Menge Salzheringe ist ebenfalls eingetroffen und gelangt in besonders bezeichneten Fischgeschäften zu mäßigen Preisen in den nächsten Tagen zum Verkauf. Ferner hat die Stadt sich eine größere Menge Käse gesichert. Der städtische Schmalzverkauf findet weiterhin vor- und nachmittags Rathausgasse 27 statt. Der städtische Eierverkauf wird auch in dieser Woche fortgesetzt. Ebenso werden frische und Büchsengemüse auf dem Markte vormittags weiterverkauft. Damit die Abfertigung der Käufer schneller erfolgen kann, ist die Verkaufsstelle auf dem Markt erweitert worden.
   Der Lebensmittelausschuß wird dauernd mit der Stadtverwaltung zusammen den Lebensmittelmarkt verfolgen und alle Einrichtungen treffen, die eine geordnete Versorgung aller Kreise sichern.
   Gestern vormittag fand ferner eine eingehende Besprechung zwischen den Vertretern der Garnisonbehörde, der Stadtverwaltung und der Bonner Presse statt, in der Beigeordneter v. Gartzen eine eingehende Darstellung der städtischerseits erfolgten organisatorischen Maßnahmen in der Lebensmittelfrage gab. Aufgrund des vorgetragenen sachlichen Materials mußte man die Ueberzeugung gewinnen, daß die städtische Verwaltung mit außerordentlicher Umsicht im Interesse der Lebensmittelversorgung der Bonner Bürgerschaft gearbeitet hat. Mißstände, die hervorgetreten sind, ergaben sich teils aus den allgemeinen Kriegsverhältnissen, teils aus Mängeln, die die Zentralisierung in der staatlichen Organisation der Lebensmittelversorgung im Gefolge haben.
   In welchem Maß die Stadtverwaltung eingreift, möge u. a. die Angabe zeigen, daß 8000 Bonner Familien alle Lebensmittel zu einem sehr mäßigen Preise von der städtischen Armenverwaltung erhalten, und daß ferner die Milchversorgung der Säuglinge, Wöchnerinnen und Kranken in weitreichendem Maße gewährleistet ist.

An der Arndt-Eiche fand am Donnerstag eine Schulfeier der Schüler und Schülerinnen der Kessenicher evangelischen Schule statt. Nach verschiedenen Liedern und Vorträgen hielt Herr Lehrer Heimann eine Ansprache, die mit dem Gelöbnis schloß: „Im Leben und im Sterben getreu bis in den Tod.“ Hierauf wurden wiederum mehrere Gedichte vorgetragen und die Kinder fügten mit großem Eifer ihren Nagel dem Eichstamme ein.

Städtischer Fleischverkauf. Während bekanntlich der Verkauf von Schweinefleisch von morgen ab auf dem Hof der Feuerwache in der Maxstraße stattfindet, bleibt der Schmalzverkauf wie bisher im Hause Rathausgasse 27. Die Kartenausgabe zum morgigen Speckverkauf findet bereits heute nachmittag 3 Uhr in der Feuerwache statt.

Das Graubrot wird wahrscheinlich demnächst in Bonn wieder verschwinden und durch das sog. Feinbrot ersetzt werden. Die Bonner Bäcker habne jetzt wieder die Möglichkeit, Feinbrot zu backen.

Militärische Vorbereitung der Jugend. Die erzielten guten Ergebnisse der Vorbildung haben dem Kriegsministerium Anlaß gegeben zu verfügen, daß in Zukunft Jungmannen, die bei der Musterung eine Bescheinigung über regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an der Vorbereitung vorweisen konnten, Wünsche auf Einstellung in einen Truppenteil der Waffe äußern dürfen, für die sie ausgehoben sind. Wenn auch kein unbedingter Anspruch auf Berücksichtigung des Wunsches besteht, so ist doch seine Erfüllung zu erwarten, wenn die Verhältnisse es erlauben. Diese entgegenkommenden Zugeständnisse der Heeresverwaltung bedeuten eine Anerkennung der vaterländischen Hingabe der jungen Leute, die an der militärischen Vorbereitung teilnehmen. Es sollte dies den jungen Männern, die bei der Musterung für tauglich befunden werden, aber noch nicht Mitglied einer Abteilung des Wehrbundes sind, zum Eintritt in eine solche Veranlassung geben. Und auch die jungen Leute sollten dies tun, die wegen körperlicher Fehler zurückgestellt werden. Durch den Betrieb der Leibesübungen wird der Körper ohne Zweifel kräftiger werden, sodaß sie in die Lage kommen, sich dem vaterländischen Dienst zu weihen. Nach den Anordnungen des Kriegsministeriums soll die militärische Vorbereitung keineswegs im Drill, Einexerzieren und in Soldatenspielerei bestehen. Zur Stählung und Kräftigung des Körpers sollen Leibesübungen aller Art betrieben werden wie Turnen, Turnspiele, Werfen, Schleudern, Stoßen, Ueberwinden natürlicher Hindernisse, Marschübungen, Ordnungsübungen, Ausbildung im Gehen, Hören, in der Kenntnis des Geländes und der Fähigkeit es auszunutzen. Alle diese Uebungen kommen dem jungen Manne unmittelbar für seine Person zugute und bilden ihn unmittelbar für den Heeresdienst vor, dem sich mit Hingabe zu widmen in der heutigen Zeit für jeden wirklich vaterländisch gesinnten deutschen Jüngling eine unabweisbare Ehrenpflicht ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Reifeprüfung. Am Städtischen Gymnasium und Realgymnasium wurde am Samstag die Reifeprüfung beendet. Von den Prüflingen war ein Oberprimaner des Gymnasiums von der mündlichen Prüfung befreit worden, die übrigen, vier Oberprimaner des Gymnasiums, zwei des Realgymnasiums und zwei außerhalb der Anstalt Stehende, bestanden sämtlich die mündliche Prüfung. – Am Königlichen Gymnasium ist die Reifeprüfung diesmal schon im Januar abgehalten worden. Alle sechs Oberprimaner haben dabei bestanden.

Westdeutsche Jute-Spinnerei und Weberei, Aktiengesellschaft in Beuel. In dem Bericht für das Geschäftsjahr 1915 bemerkt die Direktion: Wir konnten lediglich durch Beutestoffe und zugekaufte Ersatzgarne einen beschränkten Betrieb in Spinnerei und Weberei aufrechterhalten, der uns in den Stand setzte, verschiedene Aufträge der Heeresverwaltung zur Ausführung zu bringen. Das gute Gewinnergebnis, das wir ausweisen, ist in der Hauptsache auf die günstige Verwertung unserer Waren- und Materialbestände zurückzuführen. (...)

Zur Zeichnung auf die Kriegsanleihe. Um denjenigen, welchen es im Laufe der Woche an Zeit fehlt, Gelegenheit zu geben, dennoch ihre Zeichnungspflicht zu erfüllen, nehmen die Bonner Sparkassen (Städtische und Kreissparkasse) auch Sonntags und zwar von 11½ bis 1 Uhr Zeichnungen entgegen und stehen mit Auskunftserteilung in Angelegenheiten der Kriegsanleihe auch in diesen Stunden zur Verfügung. Es ist übrigens ratsam, die beabsichtigten Zeichnungen nicht bis zu den letzten Tagen zu verschieben, da der Andrang die prompte Abwicklung sonst erschwert.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)