Freitag, 10. März 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1916An der Arndt-Eiche nagelte gestern mittag der hiesige Deutsche Sprachverein ein eisernes Eichenblatt. Mit kurzen Worten erinnerte der stellvertretende Vorsitzende, Pfarrer Dr. Richter, an den gestrigen Todestag Kaiser Wilhelms I., des Gründers des Deutschen Reiches. Das große Werk Wilhelms I. setzten sein kaiserlicher Enkel und sein Volk in 25jähriger Friedenszeit dankbar und treu fort. Seit 1 ½ Jahren gilt es, in heißem, blutigen Ringen mit einer feindlichen Welt die erworbenen Güter zu schützen. Die tapferen Enkel sind der Heldenväter von 1813 und 1870/71 wert. In bescheidener Art wolle der Deutsche Sprachverein nicht mit dem Schwert, aber mit Wort und Feder das Kleinod der Muttersprache schützen und wacker gegen die fremden Schmarotzer und die Fremdwortseuche kämpfen. Eingedenk des alten Arndt, des Heldensängers aus großer schwerer Zeit, des Hüters vom deutschen Wort und deutschen Lied, gelobe der Bonner Sprachverein Treue und Liebe zum deutschen Vaterland, Schutz und Ehrung der deutschen Muttersprache. Der Redner schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Reich.

Park-Stillstuben. Als ein Mittel im Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit wird neuerdings von der Deutschen Gesellschaft für Mutter- und Kinderrecht die Einrichtung sogenannter Parkstillstuben angeregt. In einer Eingabe an die Magistrate und Stadtverordnetenversammlungen der Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern weist der Bund auf die nationale Notwendigkeit hin, den Müttern die Möglichkeit zu geben, ihren Säugling hinaus in die frische Luft zu bringen und ihm draußen die Mutterbrust zu reichen. Die Städte werden aufgefordert, in ihren Parkanlagen Stillstuben zu errichten, damit die Mütter nicht gezwungen sind, zur Stillung des Kindes mehrmals am Tage in der Hitze den Weg von und nach Hause zu machen. Die Ermüdung beeinflußt nicht nur die Ergiebigkeit der Mutterbrust, sondern meist unterbleibt auch die volle Ausnutzung der freien Zeit in frischer Luft, da die Frauen gezwungen sind, auch ihre anderen unbeaufsichtigten Kleinen mit nach Hause zu nehmen. Die Stillstuben selbst sind in der denkbar einfachsten Weise gedacht; es genügt ein gut ventilierbarer Holzbau mit verschließbaren Türen, hochgelegenen Fenstern und wenigen Einrichtungsstücken. Bei dem regen Interesse, das die Gemeinden jetzt in der Kriegszeit noch mehr als im Frieden den Bestrebungen zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit entgegenbringen, ist anzunehmen, daß sie diesen neuen Plan fördern werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Der Innungs-Ausschuß und die an der Nagelung der Arndt-Eiche in Eisen beteiligten Bonner Handwerker beschlossen in der Sitzung vom Dienstag, 7. d. M., die Nagelung am Sonntag, 19. März (St. Josephstag) nachmittags ½ 6 in feierlicher Weise vorzunehmen. Vom Hofgarten (Auguststraße) aus soll mit Musik unter Vorantragen der Fahnen nach dem Münsterplatz gezogen werden. Der M. G. V. „Apollo“ wird die Feier durch einige Lieder verschönen.
  
Die Sammlung für den hochedlen Zweck bezeugt in schöner Weise den Opfersinn der Bonner Handwerker. In kurzer Zeit ist die Summe von 2000 Mk. durch freiwillige Spenden aufgebracht worden, wodurch allen Beteiligten durch ein herzliches „Vergelts Gott“ gedankt sei.

Nachmittagsheim für Verwundete. Am 15. Februar war ein halbes Jahr verflossen, seit das Nachmittagsheim für Verwundete, Koblenzerstraße 90, von den vereinigten Bonner Frauenvereine eröffnet wurde. Es hat sich die ganze Zeit seines Bestehens regen Besuches erfreut, so daß die Zahl derer, die bisher dort verkehrten, sich auf über 14.000 beläuft. Außer den Schreib- und Lesegelegenheiten, es werden auch Bücher ausgeliehen, mannigfaltigen Gesellschaftsspielen, gemütlichen Plaudereckchen, wo viele Vaterlandsverteidiger Kaffee trinken und rauchen können, wurde ihnen noch manche besondere Unterhaltung geboten. So gab, als es die Witterung noch erlaubte, die Landsturm-Kapelle im Garten mehrere Male ein Konzert, Orchester und Chöre aus Schulen und aus Kinderhorten, sowie von Damen, erfreuten die Verwundeten; die Kindersymphonie wurde aufgeführt, die heiligen drei Könige erschienen singend mit ihrem Stern. Außer diesen größeren musikalischen Darbietungen unterhielten an mehr als 30 Nachmittagen Einzelpersonen die Besucher des Heims durch Klavier- und Geigenspiel, durch Laute und Gesang. Humoristische Vorträge in Wort und Lied, wo mancher seine Mundart hören konnte, waren stets willkommen, und großen Beifall riefen die Theater-Aufführungen hervor. Da gab es u. a. das mobile gemachte Mädchen, die Gouvernante, Sylvesterabend, die Jagd auf Fremdwörter und ein Weihnachts-Schattenspiel. Belehrendes fehlte auch nicht. So wurden an Vorträgen gehalten: „Was will Deutschland in der Türkei?“, „Die Frauen der Hohenzollern“, „Wie ist die Verfassung des Deutschen Reiches entstanden?“, „Woher stammt der 29. Februar?“, und auch ihnen brachten unsere Verwundeten Interesse entgegen, was manche Fragen bewiesen.
  
Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß besondere Tage besonders festlich begangen wurden, so Nikolaus und Weihnachten, Kaiserin- und Kaisers-Geburtstag – Im kommenden Frühjahr wird ein Hauptreiz des von den Besitzern so gütig zur Verfügung gestellten Heims, der große Garten mit seinen Ruheplätzen, mit Gelegenheit zu Kugel- und Kegelspiel, gewiß eine neue Anziehung bilden und ein wenig dazu beitragen, einer Anzahl unserer Verwundeten in Bonn zur Genesung zu verhelfen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Die Frage einer auskömmlichen und guten Ernährung ist heute von großer Bedeutung. Es ist nicht so leicht Hausfrau zu sein in einer Zeit, da die Nahrungsmittel im Preise gestiegen sind und da manches, was früher recht häufig auf den Tisch kam, kaum mehr zu haben ist. Der Krieg hat uns Hausfrauen nachdenken gelehrt. Wir können heute nicht mehr gewohnheitsmäßig und gedankenlos kochen, was unsere Mütter und Großmütter gekocht haben. Immer heißt es fragen: Ist der Magen auch damit zufrieden, so daß die Gesundheit nicht Schaden leidet? Werfe ich auch mein gutes Geld nicht weg für Nahrungsmittel, die viel zu wenig Nährwert haben und darum zu teuer sind? Um diese Fragen mit den Hausfrauen zu besprechen, hat der Katholische Frauenbund bereits eine stark besuchte Versammlung für die Stifts- und Remigiuspfarre abgehalten. Jetzt sind wieder zwei Versammlungen vorgesehen, am Sonntag, den 12. März in Poppelsdorf, Klemens-Auguststraße 51a, die andere Mittwoch, den 15. März für die Marien- und Münsterpfarre im Kapitelsaal der Marienpfarre. Beide Versammlungen finden abends 8 ¼ Uhr statt, um es allen Frauen zu ermöglichen, daran teilzunehmen. Das Thema für beide Abende heißt: „Fingerzeige für die fleisch- und fettarme Küche“. Nach den Vorträgen soll Gelegenheit gegeben werden, durch gegenseitige Aussprache eigene Erfahrungen auszutauschen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)