Montag, 6. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 6. März 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 6. März 1916Kriegsanleihe-Zeichnungen bei der Post. Die Post ist als Vermittlungsstelle für die Zeichnungen auf die vierte Kriegsanleihe wiederum tätig. Wer sich also dieses bequemen Weges bedienen will, dem steht jeder Postschalter zur Verfügung. Wie bei der dritten Anleihe, ist auch diesmal der gesamte Verkehrsapparat der Post (also nicht nur an solchen Orten, die keine öffentliche Sparkasse haben) in den Dienst der Kriegsanleihe gestellt. Nur zwei Umstände sind zu beachten: 1. daß die Post nur Zeichnungen auf die 5% Reichsanleihe (nicht auch solche auf die 4 ½ % Reichsschatzanweisungen) entgegennimmt, 2. daß die gezeichneten Beträge spätestens am 18. April voll bezahlt sein müssen. Sie können schon am 31. März bezahlt werden. Andere Einschränkungen bestehen nicht. Wer bei der Post zeichnen will, kann sich an jedem beliebigen Schalter einen Postzeichnungsschein geben lassen. In den Landbestellbezirken und in Orten bis zu 20.000 Einwohnern wird allen Personen, die als Zeichner in Frage kommen, der Zeichnungsschein ins Haus gebracht. Ueber die Zeichnungsbedingungen geben die in den Zeitungen veröffentlichten Prospekte und ein besonderes Merkblatt, das an jedem Schalter zu haben ist und in kleineren Orten auch ins Haus gebracht wird, Aufschluß. Es ist gar nicht möglich, daß über irgend eine Frage Unklarheit bestehen kann; denn die Presse sorgt fortlaufend für Besprechung aller wichtigen Einzelheiten, und wer ernsthaft daran denkt, sich an der Zeichnung zu beteiligen, der nimmt sich wohl die kleine Mühe, sich über alle Voraussetzungen zu unterrichten. Schwierigkeiten irgendwelcher Art gibt es [n]ich[t]. Die Postzeichnungsscheine, die einen Vordruck enthalten, werden ausgefüllt: Betrag der Zeichnung, Name, Stand, Wohnort und Wohnung des Zeichners. Dann werden sie entweder am Schalter abgegeben oder in einem unfrankierten Umschlag mit der Aufschrift „An die Post“ in den Briefkasten gesteckt. Durch die Post erhält dann der Zeichner eine Zahlungsaufforderung mit einer Zahlkarte zugestellt, die der Zeichner selbst auszufüllen hat. Mit dieser Karte begibt er sich zu der Postanstalt, bei der die Zeichnung erfolgt ist, und zahlt dort den zu leistenden Betrag ein. Auf dem Lande kann die Einzahlung durch Vermittlung des Briefträgers erfolgen, bei dem die gewünschte Auskunft über das einzuschlagende Verfahren einzuholen ist. Die Einzahlungen haben, wie schon gesagt, bis spätestens zum 18. April zu erfolgen. Die Post nimmt auch Anmeldungen auf Schuldbucheintragungen entgegen. Alles Notwendige erfährt der Zeichner am Schalter. Die Wahl des Reichsschuldbuches verursacht keine besondere Mühe, bietet aber außerordentlich große Vorteile: Kostenlose, sichere Unterbringung des Anleihebesitzes, Befreiung von aller Sorge um Verwahrung und Verwaltung, regelmäßige Zusendung der Zinsen durch die Post oder fortlaufende kostenlose Ueberweisung derselben an die Bank, Sparkasse oder Genossenschaft des Gläubigers.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Unsere städtischen Rheinbadeanstalten treffen morgen aus dem Oberwinterer Hafen hier wieder ein.

Im Hausgarten beginnt jetzt reges Leben. Bei den ersten Saaten will keiner der letzte sein. Die ältesten Männer verlassen den warmen Ofen, Frauen- und Kinderarbeit eine sachkundige Grundlage zu geben. Mit den Leuten, die sich die Spatenarbeit im Garten und der Düngung schämten, hat der Krieg gründlich aufgeräumt. Heute trägt jeder mit Stolz und Selbstbewußtsein den Spaten in den Garten. Jeder will mitarbeiten an dem großen Werk des Durchhaltens. Und wie rasch haben die Frauen, welche früher nur mit dem Strickstrumpf in der Hand, im Garten und Feld das Wachsen und Gedeihen bewunderten, die schönen Gartenkünste des Säens und Pflanzens ihren Nachbarinnen abgesehen, halbwachsene Burschen angeler[n]t, freudig die schwere Grabarbeit zu verrichten! Aber auch unzählige Frauen regieren den Spaten mit Geschick und Kraft, führen und wenden selbstbewußt den Pflug und ersetzen förmlich die leitende Kraft, des zum Kriege hinausgegangenen Ehemannes oder Bruders, bei fast allen landwirtschaftlichen Arbeiten! Ein Blick in die Gärten und Felder zeigt uns, daß die Leute sich gewaltig täuschen, welche an eine Erschlaffung unserer produktiven Kräfte glauben möchten. Im Gegenteil, wohin wir uns wenden: Gestähltere Kraft, mehr Fleiß, mehr Ausdauer, unbegrenztes Vertrauen auf die schwere Kriegsarbeit derjenigen, welche berufen sind, die heimatliche Bodenkultur mit eisernem Willen zu schützen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 6. März. Zum Besten unserer Kriegshilfe und zum Fonds des Eisernen Kreuzes veranstaltete die katholische Jungfrauenkongregation von Altgodesberg am verflossenen Donnerstag und gestern abend im Saale der Tonhalle patriotische Volksabende mit Bühnenspielen und Gesängen, die beidemale hinsichtlich des Gebotenen und reichen Besuchszahl einen vollen Erfolg hatten. – Die beiden Vortragsabende, welche der Flottenverein und der Frauenbund der deutschen Kolonialgesellschaft am vergangenen Samstag und Sonntag in der Aula des Pädagogiums abhalten ließen, erbrachten die stattliche Reineinnahme von 400 M., die zu patriotischen Unterstützungen beider Vereine verwandt werden soll.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)