Montag, 5. Februar 1917

       

Kartoffelbestandsaufnahme am 1. März. Für den 1. März ist eine Aufnahme der Kartoffelvorräte angeordnet worden. Wie das Kriegsernährungsamt mitteilt, ist die Vorratserhebung eine allgemeine, sie erstreckt sich sowohl auf die auf dem Lande bei den Erzeugern wie in den Städten bei den Verbrauchern befindlichen Kartoffelvorräte. Die Vorratserhebung ist als Unterlage für die in der Frage der Kartoffelversorgung zu treffenden Entschließungen unerlässlich. In unmittelbarem Anschluß an die Bestandsaufnahme findet eine Nachprüfung der angezeigten Mengen innerhalb der Kommunalverbände durch beauftragte Sachverständige statt. Diese Nachprüfung wird in ähnlicher Weise vorgenommen werden, wie sie im Anschluß an die Bestandsaufnahme für Getreide angeordnet ist. Zur Erreichung eines zuverlässigen Ergebnisses wird der Schwerpunkt der Kartoffelbestandserhebung in diese, unmittelbar an die Erhebung sich anschließende Nachprüfung zu legen sein. Die Vertrauensmänner und örtlichen Kommissionen, welche bei der Nachprüfung der Getreidebestandserhebung mitzuwirken haben, werden daher auch für die Nachprüfung der vom Einzelnen angezeigten Kartoffelmengen in umfangreicher Weise hinzugezogen werden. Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, die von ihm erforderten Anzeigen über die Kartoffelvorräte mit größter Gewissenhaftigkeit zu erstatten.

Die Kälte. Vergangene Nacht wurden in Bonn 18½ Grad Celsius Kälte gemessen. Die kälteste Nacht war bisher die vom letzten Freitag auf Samstag mit 22,1 Grad.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Explosion. In einer Wasch- und Bügelanstalt am unteren Rheinwerft [heute Fritz-Schroeder-Ufer] wurde heute morgen eine mehrere Zentner schwere Herdplatte, auf der etwas hundert Bügeleisen standen, unter lautem Knall in die Höhe getrieben, und in Stücke gerissen. Durch die herumfliegenden Funken wurde eine große Menge teils sehr wertvoller Haushaltswäsche in Brand gesetzt. Von dem im Bügelzimmer anwesenden Personal wurde glücklicherweise Niemand verletzt. Man nimmt an, daß der Unfall durch Explosion eines Sprengkörpers entstanden ist, der sich in den Kohlen befunden hat. Der angerichtete Schaden ist nur teilweise durch Versicherung abgedeckt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Lichtbildervortrag. Herr Beigeordneter Piehl wird den angekündigten Lichtbildervortrag über die Nahrungsmittelversorgung der Stadt Bonn in der Kriegszeit Mittwoch, den 14. d. M., abends 8 Uhr, in der Lese halten. Der Vortrag soll jedermann zugänglich sein; Damen und Herren ohne Unterschied der Parteien sind willkommen. Besonders erwähnt sei noch, daß während der Versammlung kein Wirtschaftsbetrieb stattfindet, Getränke also nicht verabreicht werden.

Ist das Zufrieren des Rheines zu erwarten? Diese Frage legen sich zurzeit tagtäglich viele vor, die den gewaltigen Strom in seiner ganzen Breite mit mächtigen Eisschollen bedeckt sehen. Die Schiffer namentlich sind an dieser Frage besonders interessiert. Diese selbst aber sind der Ansicht, daß mit einem baldigen Stellen des Rheineises noch lange nicht zu rechnen sei. Der immer noch recht erhebliche Wasserstand läßt bei dem starken Strom des Wassers ein Stellen und Gefrieren des Eises vorerst nicht zu. In all den seltenen Fällen, wo der Rhein einmal völlig zufror, war der Wasserstand weit niedriger.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Erster Weltkrieg in Bonn
Auf dieser Seite wollen wir genau 100 Jahre danach für jeden Tag, den der Erste Weltkrieg andauerte, lokale Nachrichten aus Bonn veröffentlichen. Alle bislang erschienen Einträge sind in der der Chronik unter dem jeweiligen Monat nachzulesen. Soweit es unsere Zeit zulässt, wollen wir darüber hinaus weitere Informationen zum Thema Erster Weltkrieg ins Netz stellen.

Bonner Geschichtswerkstatt e.V.